Welcher „Gott“ und welcher „Frieden“? — Nachbetrachtungen zu Assisi IV

Assisi IV - Einige Nachbetrachungen
Assisi IV - Einige Nachbetrachungen

(Rom) Die Rede von Papst Fran­zis­kus an die Reli­gi­ons­füh­rer beim Welt­ge­bets­tref­fen in Assi­si glie­der­te sich am ver­gan­ge­nen Diens­tag in drei Tei­le. Eine Medi­ta­ti­on, eine Rede und einen Frie­dens­ap­pell. Die Medi­ta­ti­on ver­dient Auf­merk­sam­keit. Fran­zis­kus sprach auch von Jesus Chri­stus, was im Rah­men inter­re­li­giö­ser Ereig­nis­se in der moder­nen Pasto­ral eher sel­ten der Fall ist. Auf die Medi­ta­ti­on folg­te die offi­zi­el­le Anspra­che, deren Inhalt von ganz ande­rer Aus­rich­tung war.

In sei­ner Anspra­che sag­te der Papst:

„Heu­te haben wir nicht gegen­ein­an­der gebe­tet, wie es lei­der man­ches Mal in der Geschich­te vor­ge­kom­men ist.“

Es stellt sich die Fra­ge, wann in der Geschich­te die Kir­che und die Päp­ste „gegen“ jemand gebe­tet haben, wann Hei­li­ge Mes­sen zele­briert wur­den, um gegen jeman­den oder gegen eine Reli­gi­on Schlech­tes zu erbit­ten.

Der Papst nann­te weder Namen noch mach­te er Orts- oder Zeit­an­ga­ben, wann der­glei­chen gesche­hen sein soll. In sei­ner Rede sag­te er „wir“. Selbst­be­zich­ti­gun­gen sind schick. Seit 2000 sind sie sogar in der Kir­che in Mode gekom­men. Sie soll­ten aber kon­kret sein und tat­säch­lich auf sich selbst bezie­hen für eine per­sön­li­che Schuld. An die Brust ande­rer zu klop­fen ist blo­ße Rhe­to­rik. Fran­zis­kus bezich­tig­te aber weder sich noch nann­te er kon­kret jemand ande­ren.

Als Papst spricht er für die Kir­che. Mit der Art sei­ner Aus­sa­ge stig­ma­ti­sier­te er letzt­lich die Kir­che, deren Geschich­te er vor den Ver­tre­tern der ande­ren Reli­gio­nen und vor der Welt­öf­fent­lich­keit ins Zwie­licht rück­te. Im Gegen­satz zur heu­ti­gen Kir­che, jener von Papst Fran­zis­kus, hät­te die Kir­che der Ver­gan­gen­heit dem­nach „gegen“ jemand gebe­tet. Man betrach­te den mit einem kur­zen Satz kon­stru­ier­ten Gegen­satz, jenen Topos, der den Moder­ni­sten so teu­er ist.

Papst Franziskus begrüßt Buddhisten-Vertreter
Papst Fran­zis­kus begrüßt Bud­dhi­sten-Ver­tre­ter

Dann sag­te der Papst:

„Ohne Syn­kre­tis­mus und ohne Rela­ti­vis­mus haben wir hin­ge­gen neben­ein­an­der und für­ein­an­der gebe­tet.“

Genügt die blo­ße Fest­stel­lung, um Syn­kre­tis­mus und Rela­ti­vis­mus zu ban­nen? Das öffent­li­che Gebet der ver­schie­de­nen Reli­gi­ons­ver­tre­ter, das 1986 in Assi­si statt­fand, war für vie­le gläu­bi­ge Katho­li­ken ein öffent­li­ches Ärger­nis. Es wur­de als offe­ner Syn­kre­tis­mus kri­ti­siert. 2002 und 2011 fand sich die­ser Punkt nicht mehr auf dem Pro­gramm. Wie dünn das Eis ist, auf dem man sich bei den Welt­ge­bets­tref­fen, Mar­ke Comu­ni­tà  di San­t’E­g­idio, in Assi­si bewegt, zeigt das Tref­fen Assi­si III, als Papst Bene­dikt XVI. 2011 nach Assi­si ging.

Gegen star­ke Beden­ken ver­si­cher­te er, jeden Syn­kre­tis­mus ver­hin­dern zu wol­len. An sei­ner ehr­li­chen Absicht zwei­fel­te kei­ner. Es ist aber die Art der Ver­an­stal­tung, in der die Fall­stricke und Stol­per­stei­ne bereits ent­hal­ten sind. Ent­ge­gen den Vor­ga­ben bete­te ein Baba­la­wo des Yoru­ba-Kul­tes laut am Mikro­phon in einer katho­li­schen Kir­che sei­ne Göt­ter an. Der Yoru­ba-Kult mit teil­wei­ser Reinkar­na­ti­on der Ahnen und zahl­rei­chen Natur­gott­hei­ten gehört zu den ani­mi­sti­schen Reli­gio­nen. Zu ihm gehö­ren Voo­doo, San­te­ria, Umban­da und ande­re Varia­tio­nen, die durch die Skla­ven in Ame­ri­ka ent­wickelt wur­den.

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Fran­zis­kus begrüß Mus­lim­ver­tre­ter

Was ist das?

2016 feg­te man alle Beden­ken und Dis­kus­sio­nen der ver­gan­ge­nen 30 Jah­re vom Tisch und kehr­te zum öffent­li­chen Gebet aller Reli­gio­nen von 1986 zurück.

Was ist das?

Im Pro­gramm des ver­gan­ge­nen Diens­tags hieß es, daß jeder Reli­gi­ons­ver­tre­ter öffent­lich zu „sei­nem Gott“ betet. Von wel­chem Gott ist da die Rede? Wenn Syn­kre­tis­mus die Begeg­nung zwi­schen ver­schie­de­nen Reli­gio­nen ist, die Inter­ak­ti­on, Ver­mi­schung und Ver­men­gung schafft, dann geschieht er am deut­lich­sten durch die öffent­li­che Anbe­tung ver­schie­de­ner Gott­hei­ten im Rah­men einer gemein­sa­men Ver­an­stal­tung. Was ande­res als Syn­kre­tis­mus soll­te es sein, wenn die­se Anbe­tung ver­schie­de­ner Göt­ter mit der gemein­sa­men Bit­te um ein „Kli­ma des Frie­dens“ erfolgt, das Unter­schied­li­ches zusam­men­füh­ren soll?

Was am 20. Sep­tem­ber in Assi­si gesche­hen ist, ist der öffent­li­che Ver­such, dem ein­zi­gen, wah­ren und drei­ei­nen Gott von poli­ti­scher Kor­rekt­heit dik­tier­te, mensch­li­che Spiel­re­geln auf­zu­zwin­gen. Das erkenn­ba­re Ziel scheint ein All­re­li­gio­nen­ab­kom­men, eine Art welt­wei­tes, inter­re­li­giö­ses Kon­kor­dat, um „Frie­den“ zu erlan­gen. Nicht der Mensch hat sein Knie vor Gott zu beu­gen und Frie­den zu erbit­ten, son­dern Gott soll sich einem mensch­li­chen Abkom­men beu­gen, auf die­sel­be Stu­fe mit irgend­wel­chen Göt­tern, Gott­hei­ten, Göt­zen … ande­rer Reli­gio­nen.

Gebet der Muslime im Heiligen Konvent
Gebet der Mus­li­me im Hei­li­gen Kon­vent

Hier geht es nicht um ein Gebet um Frie­den. Hier geht es nicht um das Gebet eines jeden zu je „sei­nem Gott“. Hier geht es um die simp­le Auf­for­de­rung von Mensch zu Mensch, „Frie­den“ zu hal­ten, die aber bom­ba­stisch reli­gi­ös gar­niert wird. Ach ja, wie war das noch mit einer gewis­sen Reli­gi­on, dem Islam, und sei­nem Ver­hält­nis zur Gewalt? Aber das darf man ja nicht sagen, wes­halb der Papst in sei­ner mor­gend­li­chen Pre­digt sag­te, der Krieg sei schlim­mer als der Ter­ro­ris­mus. Der Begriff „Krieg“ wird nicht mit den Dschi­had­mi­li­zen in Ver­bin­dung gebracht, obwohl sie tat­säch­lich einen uner­bitt­li­chen Krieg füh­ren. Der Ter­ro­ris­mus hin­ge­gen ist zum Syn­onym für „isla­mi­schen Ter­ro­ris­mus“ gewor­den. Nun wis­sen wir es: Der isla­mi­sche Ter­ro­ris­mus ist weni­ger schlimm als der Krieg. Man hät­te sich eine Fuß­no­te zu die­ser päpst­li­chen Aus­sa­ge gewünscht.

Ent­we­der es gibt den einen, wah­ren Gott, dann ist das Frie­dens­ge­bet zu ande­ren Göt­zen Lug und Trug und ohne jede Bedeu­tung. Oder aber es gibt den einen, wah­ren Gott nicht, dann han­delt es sich beim Frie­dens­ge­bet von Assi­si um ein rein welt­lich Ding. Was ist es also, was die Gemein­schaft von Sant’Egidio und Papst Fran­zis­kus mit Assi­si und die­ser Öff­nung zum Syn­kre­tis­mus errei­chen wol­len? An ein Viel­göt­ter­spek­ta­kel, die sich in der Stadt des Hei­li­gen Fran­zis­kus ein Stell­dich­ein gaben, wird im Vati­kan ja wohl nie­mand ernst­haft gedacht haben.

„Wir hier, die wir in Frie­den ver­sam­melt sind, glau­ben an eine brü­der­li­che Welt und erhof­fen sie. Wir wün­schen, dass Män­ner und Frau­en unter­schied­li­cher Reli­gio­nen über­all zusam­men­kom­men und Ein­tracht schaf­fen, beson­ders wo es Kon­flik­te gibt. Unse­re Zukunft ist das Zusam­men­le­ben“, sag­te Papst Fran­zis­kus.

Gebet der Juden im Heiligen Konvent
Gebet der Juden im Hei­li­gen Kon­vent

Dar­in liegt ein Fun­ken Wahr­heit. Was aber ist mit dem Reich Got­tes,  dem Him­mel, dem himm­li­schen Jeru­sa­lem, der ewi­gen Ver­damm­nis? „Unse­re Zukunft ist das Zusam­men­le­ben“, das stimmt, ist so aber ver­kürzt und ver­mit­telt den Ein­druck, als sei die­ses „Zusam­men­le­ben“ das Ziel des Men­schen. For­mu­lier­te Papst Fran­zis­kus eine neue Vari­an­te vom „Para­dies auf Erden“? Wich­tig ist nur, daß wir fried­lich zusam­men­le­ben, um „Frie­den“ zu haben? Die bis­he­ri­gen Vari­an­ten vom „Para­dies auf Erden“ sind bekannt­lich alle kläg­lich geschei­tert und ver­ur­sach­ten dabei den Tod von Mil­lio­nen von Men­schen.

„Das Gebet und der Wil­le zur Zusam­men­ar­beit sind ein Unter­pfand für einen wah­ren und nicht für einen trü­ge­ri­schen Frie­den: nicht für die Ruhe des­sen, der Schwie­rig­kei­ten ver­mei­det und sich abwen­det, wenn sei­ne eige­nen Inter­es­sen nicht berührt wer­den; nicht für den Zynis­mus des­sen, der sich die Hän­de rein­wäscht von Pro­ble­men, die nicht die eige­nen sind; nicht für die vir­tu­el­le Annä­he­rung des­sen, der alles und alle über die Tasta­tur eines Com­pu­ters beur­teilt, ohne die Augen für die Nöte der Brü­der zu öff­nen und sich die Hän­de für die Bedürf­ti­gen schmut­zig zu machen. Unser Weg ist der, sich in die­se Situa­tio­nen hin­ein­zu­be­ge­ben und den Lei­den­den den ersten Platz zu geben; die Kon­flik­te auf sich zu neh­men und sie von innen her zu hei­len; bestän­dig Pfa­de des Guten zu beschrei­ten und die Schleich­we­ge des Bösen zu mei­den; gedul­dig, mit der Hil­fe Got­tes und dem guten Wil­len Frie­dens­pro­zes­se zu begin­nen.“

Die­se Ermah­nung rich­tet sich an alle, auch den Schrei­ben­den, und ver­langt nach einer ern­sten Gewis­sens­er­for­schung. Der Hei­li­ge Vater soll­te sie aller­dings auch an die Jour­na­li­sten rich­ten, die Medi­en zu Pro­pa­gan­da­ma­schi­nen machen, um die Abtrei­bung durch­zu­set­zen oder zu ver­tei­di­gen, um die Eutha­na­sie salon­fä­hig zu machen und den Ramm­bock für die Gen­der-Ideo­lo­gie zu spie­len.

Gestern emp­fing Papst Fran­zis­kus Ver­tre­ter der ita­lie­ni­schen Jour­na­li­sten­kam­mer. Er sprach von Wahr­heit, Pro­fes­sio­na­li­tät und der Ach­tung der Wür­de des Ein­zel­nen. Kon­kret wur­de er, um zu wie­der­ho­len, daß Gere­de „Ter­ro­ris­mus“ sei, der „tötet“, daß der „Jour­na­lis­mus kei­ne Ver­nich­tungs­waf­fe gegen ein­zel­ne oder sogar Völ­ker“ wer­den dür­fe und Jour­na­li­sten „nicht die Angst vor Ver­än­de­run­gen oder Phä­no­me­ne wie Zwangs­mi­gra­tio­nen durch Krieg und Hun­ger“ för­dern sol­len. Das war’s?

Die Wort­wahl blieb vage und wur­de nur dort kon­kre­ter, wo sie sich poli­tisch kor­rekt beweg­te. Die bren­nen­den bio­ethi­schen Fra­gen, bei denen es um Leben und Tod geht, und zwar im größ­ten Stil, blie­ben uner­wähnt. Das ist so seit dem Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats. Das aber sind die The­men, die den Frie­den zer­stö­ren, wie Papst Bene­dikt XVI. es in sei­ner Bot­schaft zum Welt­frie­dens­tag 2013 for­mu­lier­te. Wört­lich sag­te er:

„Jede dem Leben zuge­füg­te Ver­let­zung, beson­ders an des­sen Beginn, ver­ur­sacht unwei­ger­lich irrepa­ra­ble Schä­den für die Ent­wick­lung, den Frie­den und die Umwelt. Es ist auch nicht recht, auf raf­fi­nier­te Wei­se Schein­rech­te oder will­kür­li­che Frei­hei­ten zu kodi­fi­zie­ren, die auf einer beschränk­ten und rela­ti­vi­sti­schen Sicht des Men­schen sowie auf dem geschick­ten Gebrauch von dop­pel­deu­ti­gen, auf die Begün­sti­gung eines angeb­li­chen Rechts auf Abtrei­bung und Eutha­na­sie abzie­len­den Begrif­fen beru­hen, letzt­lich aber das Grund­recht auf Leben bedro­hen.“

Abtrei­bung, Eutha­na­sie und die „Homo-Ehe“ sind „eine Belei­di­gung der Wahr­heit vom Men­schen und eine schwe­re Ver­let­zung der Gerech­tig­keit und des Frie­dens.“

Wenn dem so ist, wie Bene­dikt XVI. es for­mu­lier­te, und dar­an besteht kein ver­nünf­ti­ger Zwei­fel, hinkt das „Frie­dens­mo­dell“, das Papst Fran­zis­kus gene­rell und spe­zi­ell mit Assi­si anzu­stre­ben scheint. Es zielt ein­sei­tig auf die Abwen­dung einer Kriegs­ge­fahr ab. Ein Zusam­men­hang, den er bereits in sei­ner mor­gend­li­chen Pre­digt in San­ta Mar­ta her­stell­te. Ob es alle ande­ren Reli­gio­nen auch so sehen, die er in Assi­si zu ihren Göt­tern beten ließ, daß es kei­nen „Kriegs­gott“ gibt, das wäre erst noch zu klä­ren.

Die Anspra­che von Papst Bene­dikt XVI. ruft etwas Grund­le­gen­des in Erin­ne­rung, das sich mit dem syn­kre­ti­sti­schen Gebet aller, jeder um Frie­den zu „sei­nem Gott“, wie es sich am Diens­tag in Assi­si abspiel­te, so ganz und gar nicht ver­tra­gen will.

Wie bekämpft man Gleich­gül­tig­keit, Haß, Miß­trau­en, Fun­da­men­ta­lis­mus, von denen Papst Fran­zis­kus sprach? Und wie bekämpft man Abtrei­bung, Eutha­na­sie, Homo­se­xua­li­tät und Gen­der-Ideo­lo­gie? — Was noch unbe­dingt zu ergän­zen wäre. Indem man sich zu Chri­stus bekehrt.

„Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben. Nie­mand kommt zum Vater, außer durch mich. Wer mich erkennt, der erkennt auch den Vater. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gese­hen“ (Joh 14,6–7).

Es gibt nur die­sen einen Weg, den das Evan­ge­li­um lehrt. Gewiß, „die Wege des Herrn sind uner­gründ­lich“, sagt der Volks­mund. Der Auf­trag Chri­sti an Petrus lau­tet aber:

„Stär­ke dei­ne Brü­der“ (Lk 22,32).

Muslime in Assisi
Mus­li­me in Assi­si

Damit ist wohl nicht gemeint, was Fran­zis­kus sag­te:

„Und als Reli­gi­ons­füh­rer sind wir gehal­ten, feste Brücken des Dia­logs zu sein, krea­ti­ve Ver­mitt­ler des Frie­dens.“

„Wir als Reli­gi­ons­füh­rer“, womit alle Ver­tre­ter der ande­ren als „Reli­gi­ons­füh­rer“ mit dem Papst und den Bischö­fen auf einer Ebe­ne ste­hen, sol­len „krea­ti­ve Ver­mitt­ler des Frie­dens“ sein. Eines Frie­dens, der sehr men­schen­ge­macht klingt. Will der Papst damit dem Den­ken der Regie­ren­den ent­ge­gen­kom­men?

Der Apo­stel Pau­lus schrieb den Thes­sa­lo­ni­chern, daß Chri­stus der „Herr des Frie­dens“ ist. Der „wah­re und nicht trü­ge­ri­sche Frie­den“, von dem Papst Fran­zis­kus spricht, kann daher nur von Chri­stus kom­men. Wie war das also noch mit den „Reli­gi­ons­füh­rern“ als „krea­ti­ve Ver­mitt­ler des Frie­dens“?

Ange­sichts der Gesamt­aus­rich­tung von Assi­si IV sei nur ganz am Ran­de gewagt, auf das Her­ren­wort hin­zu­wei­sen:

„Ich bin nicht gekom­men, Frie­den zu brin­gen, son­dern das Schwert“ (Mt 10,34).

Der hei­li­ge Kir­chen­leh­rer Alp­hons von Ligu­o­ri schreibt in sei­ner „Betrach­tun­gen über die Wahr­heit der Gött­li­chen Offen­ba­rung gegen die wich­tig­sten Ein­wän­de der Dei­sten“ (1773):

„Nein, weder Jesus Chri­stus noch die Kir­che waren die Ursa­che der Krie­ge und Auf­ruh­re; es waren die Fein­de der Wahr­heit, die von der Kir­che gelehrt wird, mit der Absicht, sich von die­ser und ihren Dok­tri­nen zu tren­nen. Die Reli­gi­on, die unse­re Kir­che bekennt, för­dert mit dem Ver­bot der Sün­den und der För­de­rung der guten Sit­ten zugleich den all­ge­mei­nen Frie­den. Das ist eine Wahr­heit, die man durch die Erfah­rung ein­deu­tig erle­ben kann: In jenen Rei­chen, in denen der Gehor­sam gegen­über der Kir­che am größ­ten ist, herrscht am mei­sten Frie­den. […] Sie sagen aber: Gott will den all­ge­mei­nen Frie­den. Wer leug­net das? Aber Er will ihn nicht zum Nach­teil Sei­nes Glau­bens. Er, der der Frie­dens­fürst ist, will ihn und gebie­tet uns, ihn mit uns und den ande­ren zu hal­ten: Inqui­re pacem, et per­se­que­re eam. Aber von wel­chem Frie­den spricht der Herr? Er spricht vom wah­ren Frie­den, den man erwirbt und sich bewahrt durch Aus­übung der Tugen­den: Fiat pax in virt­u­te tua.
Er spricht von jenem Frie­den, den man erreicht, indem man sich in Ein­tracht mit Gott und dem Näch­sten befin­det; die­ser Frie­de gelei­tet uns dann zur ewi­gen Glück­se­lig­keit. Er spricht eben­so vom fal­schen Frie­den, den man glaubt zu errei­chen, indem man jene tole­riert, die gegen das, was Gott offen­bart hat, glau­ben und han­deln wol­len, wie es ihnen gefällt. Das ist der Frie­de der Gott­lo­sen, den sie in ihrer ewi­gen Ver­damm­nis schla­fen. Die­sen Frie­den des Todes will unser Erlö­ser nicht, son­dern ist gekom­men, um ihn von der Welt zu ver­ja­gen: Er sag­te Noli­te arbi­tra­ri, quia pace vene­rim mit­te­re in ter­ram: non veni pacem mit­te­re, sed gla­di­um.
Der Hei­li­ge Lukas schrieb Schwert statt Tren­nung, denn Chri­stus ist gekom­men, um die Ungläu­bi­gen von den Gläu­bi­gen zu tren­nen, damit die Gläu­bi­gen nicht durch den Umgang mit den Ungläu­bi­gen ver­lo­ren­ge­hen, wie der Hei­li­ge Lukas selbst erklärt: Cum autem vadis cum adver­sio tuo ad princi­pem, in via da ope­ram libe­ra­ri ab illo, ne for­te tra­hat te ad iudi­cem, et iudex tra­dat te exac­to­ri, et exac­tor mit­tat te in carce­rem. Das ist der Abgrund, in den die Tole­ranz führt durch den Umgang mit den Fein­den des Glau­bens.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
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3 Kommentare

  1. Ent­schul­di­gung aber das obe­re Bild gleicht fuer mich einer ganz lan­gen
    Ankla­ge­bank im Gericht.
    Der Kla­e­ger: JESUS CHRISTUS !
    Quo vadis sanc­ta eccle­sia roma­na ?

  2. Mei­ne Ver­mu­tung ist, Papst Fran­zis­kus mein­te in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on von ‚gegen­ein­an­der beten‘ die Kar­frei­tags­für­bit­te, wo für die Bekeh­rung der Juden gebe­tet wird.
    Es ist schon eine klei­ne Pro­vo­ka­ti­on, dass die­se Tref­fen ob ihres Inhalts in Assi­si statt­fin­den. In Anspie­lung an Franz von Assi­si, der sich aber im Gegen­satz zu Papst Fran­zis­kus nie ande­ren Reli­gio­nen gebeugt hat. Er hat sogar die Kreuz­zü­ge vor mus­li­mi­schen Geg­nern ver­bal ver­tei­digt, in einer Zeit wo die­se noch aktu­ell waren.
    Wenn alle Reli­gio­nen ver­sam­melt sind, macht Papst Fran­zis­kus kei­ne Wer­bung für den katho­li­schen Glau­ben, des­sen welt­li­ches Ober­haupt er ist.
    Wenn er von Barm­her­zig­keit redet, erwähnt er die­se lie­ber ein Dut­zend Mal, statt den Begriff ‚Beich­te‘ zu ver­wen­den.
    Und wenn er ein angeb­lich ver­bind­li­ches Doku­ment herausbringt(Amoris Lae­ti­tia) war­tet er mona­te­lang, bis er sich über­legt hat, was sei­ne Wor­te denn eigent­lich bedeu­ten sol­len.
    Haupt­sa­che in den Medi­en ent­steht ein ober­fläch­lich posi­ti­ver Ein­druck, der allei­ne von Huma­nis­mus, blo­ßen Gesten und Effekt­ha­sche­rei getra­gen wird.

  3. Wenn ein total fried­li­cher Mensch die Unfried­lich­keit eines ande­ren rügen will, dann for­dert er ihn auf:„sei fried­lich!“. Traut er sich nicht, dann sagt er: „las­set uns fried­lich sein!“

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