Katholisch-orthodoxer Konsens zu Synodalität und Primat? — Die Frage der Unierten

Plenarsitzung der internationalen katholisch-orthodoxen Kommission in Chieti. Stehend Kardinal Walter Kasper, rechts von ihm Erzbischof Bruno Forte von Chieti-Vasto, links Metropolit Job von Telmessos, Erzbischof des Exarchats der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel als Vertreter von Patriarch Bartholomeos I.
Plenarsitzung der internationalen katholisch-orthodoxen Kommission in Chieti. Stehend Kardinal Kurt Koch, rechts von ihm Erzbischof Bruno Forte von Chieti-Vasto, links Metropolit Job von Telmessos, Erzbischof des Exarchats der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel als Vertreter von Patriarch Bartholomeos I.

(Rom/Moskau) Wur­de in der gemisch­ten inter­na­tio­na­len Kom­mis­si­on für den theo­lo­gi­schen Dia­log zwi­schen der katho­li­schen Kir­che und den ortho­do­xen Kir­chen eine Eini­gung über Syn­oda­li­tät und Pri­mat erzielt? Dies kün­dig­te das Außen­amt des Mos­kau­er Patri­ar­chats auf sei­ner Inter­net­sei­te kurz vor Abschluß der der­zeit in Chie­ti tagen­den Ple­nar­sit­zung der Kom­mis­si­on an.

Moskau meldet Konsens

Heu­te endet die 14. Ple­nar­sit­zung der 1979 von Papst Johan­nes Paul II. und dem Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen Dimi­tri­os I. von Kon­stan­ti­no­pel gegrün­de­ten theo­lo­gi­schen Kom­mis­si­on zwi­schen der katho­li­schen Kir­che und den 14 kano­ni­schen, ortho­do­xen Kir­chen. Kon­kret ging es um das Doku­ment „Auf dem Weg zu einem gemein­sa­men Ver­ständ­nis von Syn­oda­li­tät und Pri­mat im Dienst der Ein­heit der Kir­che“. Der „Außen­mi­ni­ster“ der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che, Metro­po­lit Hil­ari­on, deu­te­te bereits im Vor­feld an, daß es zu einem Kon­sens kom­men könn­te.

Das Doku­ment war bei der 13. Ple­nar­sit­zung 2014 in Amman erst­mals dis­ku­tiert und zur wei­te­ren Behand­lung dem Koor­di­na­to­ren­ko­mi­tee zuge­wie­sen wor­den. In Chie­ti geht es dar­um, zu klä­ren, ob der über­ar­bei­te­te Ent­wurf soweit gedie­hen ist, ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis von Syn­oda­li­tät und Pri­mat wider­zu­spie­geln, oder ob er einer wei­te­ren Ver­tie­fung bedarf.

Laut Mos­kau­er Anga­ben scheint ein Kon­sens erzielt wor­den zu sein, wenn­gleich die geor­gisch-ortho­do­xe Kir­che Wider­spruch gegen ein­zel­ne Absät­ze ein­leg­te. Die geor­gi­sche Posi­ti­on soll in einer Anmer­kung dem Doku­ment bei­gefügt wer­den.

Das sei eine „ermu­ti­gen­de Ent­wick­lung“, zitiert Asia­news Beob­ach­ter. „Ermu­ti­gend“, weil die ortho­do­xe Sei­te die Eini­gung nicht wegen des geor­gi­schen Wider­spruchs plat­zen ließ. Die geor­gi­sche Kir­che geht der­zeit auch zu ande­ren The­men eige­ne Wege. Sie lehnt Ehe­schlie­ßun­gen zwi­schen Ortho­do­xen und Nicht-Ortho­do­xen ab und nahm (neben Mos­kau, Antio­chi­en, Bul­ga­ri­en und Ser­bi­en) nicht am pan­or­tho­do­xen Kon­zil teil, das im ver­gan­ge­nen Juni auf Kre­ta statt­fand.

Moskau drängt auf „Klärung“ der Unierten-Frage

Par­al­lel zur Mel­dung, daß ein Kon­sens erzielt wor­den sei, stell­te Mos­kau aber die Rute ins Fen­ster: Es wer­de „schwie­rig sein, den Dia­log vor­wärts zu brin­gen, wenn die Fra­ge der ekkle­sio­lo­gi­schen und kano­ni­schen Kon­se­quen­zen des Unia­tis­mus unge­löst blei­ben“, erklär­te Archi­man­drit Ire­n­äos. Mit „Unia­tis­mus“ wird von Mos­kau auf abschät­zi­ge Wei­se die mit Rom unier­te Ukrai­ni­sche Grie­chisch-Katho­li­sche Kir­che bezeich­net. Ihr gehö­ren rund zwölf Pro­zent der Ukrai­ner an.

Ein Teil der Ortho­do­xie in der Ukrai­ne trat im 16. Jahr­hun­dert unter Bei­be­hal­tung des byzan­ti­ni­schen Ritus in die Ein­heit mit Rom und erkann­te den Papst als Ober­haupt an. Grün­de dafür waren inner­or­tho­do­xe und poli­ti­sche Kon­flik­te zwi­schen Polen-Litau­en und Ruß­land, die auf die Schwä­chung Kon­stan­ti­no­pels durch die Osma­nen­herr­schaft und dir dar­auf fol­gen­de Selbst­er­he­bung Mos­kaus zum Patri­ar­chat folg­ten. Die „Uni­on“, daher die Bezeich­nung „Unier­te“, erfolg­te unter Beru­fung auf das Kon­zil von Flo­renz. Dort war 1439 die Uni­on der grie­chi­schen mit der latei­ni­schen Kir­che beschlos­sen wor­den, aber durch die Erobe­rung Kon­stan­ti­no­pels durch die Tür­ken wie­der zunich­te­ge­macht wor­den.

Mos­kau erhebt exklu­si­ven Anspruch auf die Juris­dik­ti­on über die Gläu­bi­gen des byzan­ti­ni­schen Ritus in der Ukrai­ne und sieht daher in den Unier­ten Abtrün­ni­ge. Die­ser Juris­dik­ti­ons­an­spruch wird von den Unier­ten zurück­ge­wie­sen, da die Ukrai­ne dem Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel unter­stan­den hat­te.

Fest steht bereits, daß in Chie­ti kei­ne Eini­gung über das The­ma der 15. Ple­nar­sit­zung erzielt wer­den konn­te. Das Mos­kau­er Patri­ar­chat möch­te über den „Unia­tis­mus“ spre­chen und die Fra­ge der Unier­ten klä­ren. Metro­po­lit Hil­ari­on beton­te: Aus der Sicht der „christ­li­chen Ethik“ sei das Vor­ge­hen der ukrai­ni­schen Unier­ten „inak­zep­ta­bel“. Die grie­chisch-katho­li­schen Ukrai­ner wür­den „Zwie­tracht zwi­schen Katho­li­ken und Ortho­do­xen säen“. Es gel­te nicht, Eini­gung zu Fra­gen zu erzie­len, zu denen man sich bereits einig sei, son­dern offe­ne Fra­gen zu klä­ren, so Archi­man­drit Ire­n­äos.

Der Mos­kau­er Druck führ­te nach der „Gemein­sa­men Erklä­rung“ des Mos­kau­er Patri­ar­chen und Papst Fran­zis­kus, die sich im ver­gan­ge­nen Febru­ar auf Kuba erst­mals tra­fen, zu ernst­haf­ten Span­nun­gen zwi­schen den ukrai­ni­sche-katho­li­schen Bischö­fen und Papst Fran­zis­kus

Besuch in Manoppello

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag besuch­ten die Kom­mis­si­ons­mit­glie­der das Volto San­to (Ant­litz Jesu), eine Iko­ne in der Kapu­zi­ner­kir­che von Man­op­pel­lo, die zum Teil als Suda­ri­um betrach­tet („Schweiß­tuch der Vero­ni­ka“) wird, von dem die Hei­li­ge Schrift berich­tet. Das Tuch aus Bys­sus­sei­de sei das Schweiß­tuch, mit dem bei der Grab­le­gung das Gesicht Jesu bedeckt wur­de. Bei sei­ner Auf­er­ste­hung habe sich sein Ant­litz auf dem Tuch abge­bil­det. Offi­zi­ell wird das Suda­ri­um seit mehr als 1.300 Jah­ren im Peters­dom auf­be­wahrt.

Die Her­kunft des Tuches von Man­op­pel­lo ist unge­klärt. Nach­weis­bar ist es seit 1638, als es den dor­ti­gen Kapu­zi­nern über­ge­ben wur­de. Nach ört­li­cher Über­lie­fe­rung sei es 1506 durch Unbe­kann­te nach Man­op­pel­lo gelangt. Eine ande­re The­se besagt, daß das im Peters­dom auf­be­wahr­te Suda­ri­um 1608 gestoh­len wur­de, was der Vati­kan nie bestä­tig­te, und bald danach in Man­op­pel­lo auf­tauch­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild Asia­news

1 Kommentar

  1. In Man­op­pel­lo ist das wah­re Ant­litz des Herrn zu sehen. Papst Been­dikt XVI. hat das wah­re Gesicht Jesu am 1.9.2006 dort­selbst ge- und ver­ehrt. In Man­op­pel­lo sieht man den auf­er­stan­de­nen Jesus und auf dem Grab­tuch von Turin den „toten“ Jesus. Bei­de Gesich­ter pas­sen zu 100% zusam­men. Das ist akri­bisch unter­sucht und nach­ge­wie­sen wor­den (dazu auch Jesus zu Maria Val­tor­ta).
    Im Peters­dom wird dem­entspre­chend schon seit Jahr­hun­der­ten nichts mehr auf­be­wahrt und das ist auch offi­zi­ell geklärt.

    Die Unier­ten sind sicher­lich kein Stol­per­stein, son­dern ein wah­rer Prüf­stein für ech­te Öku­me­ne. Daß Papst Fran­zis­kus ger­ne ein wenig foul spielt, ist satt­sam bekannt und es wür­de nicht wun­dern, wenn er die Kir­che auf fal­schen ortho­do­xen Kurs brin­gen wür­de. Die ortho­do­xe Kir­che Ruß­lands hat den wah­ren Glau­ben teil­wei­se nicht, son­dern ist in vie­len Jahr­hun­der­ten ein Stück weit tar­ta­ri­siert, d.h. isla­mi­siert wor­den. „Grat­tez le Rus­se et vous trou­ve­r­ez le Tar­ta­re“ heißt ein fran­zö­si­sches Sprich­wort.
    Die Bekeh­rung Ruß­lands von den west­li­chen Übeln (zusam­men­ge­faßt im Mar­xis­mus-Kom­mu­nis­mus) + den eige­nen Übeln der ortho­do­xen Tra­di­tio­nen ist ja eine Haupt­bot­schaft von Fati­ma.

Kommentare sind deaktiviert.