„Sie brennen und morden“ — „Ende der christlichen Brüder im Nahen Osten ist Vorgeschmack für Martyrium des Westens“ — Mossul nach Ultimatum „christenfrei“

Der Bischofssitz von Mossul wurden am Samstag niedergebrannt
Der Bischofssitz von Mossul wurden am Samstag niedergebrannt

(Rom/Berlin/Bagdad) Die Atten­ta­te von Mus­li­men zie­hen sich wie eine blu­ti­ge Spur durch den Nahen Osten, den Nor­den Afri­kas, Süd­ost­asi­en und inzwi­schen auch Euro­pa. Kaum ein Tag ver­geht, an dem nicht eine grau­sa­me Tat berich­tet wer­den muß. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te es bereits Öster­reich getrof­fen, als ein Mus­lim sein Auto zum Mord­werk­zeug umfunk­tio­nier­te. Drei Men­schen star­ben, mehr als zwei Dut­zend wur­den ver­letzt. Nun trifft es auch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Poli­tik und Medi­en ver­su­chen zwar ziel­stre­big vom Islam abzu­len­ken und dis­ku­tie­ren beharr­lich am The­ma vor­bei. Sie ver­sa­gen damit ein wei­te­res Mal, nach­dem sie das eige­ne Land nicht beschützt und die Bür­ger nicht gewarnt haben. Und sie behin­dern den Auf­bau einer not­wen­di­gen inne­ren Abwehr­hal­tung, die zur Abwehr von Gefah­ren uner­läß­lich ist. Die Wirk­lich­keit kön­nen sie damit zwar schön­re­den, ver­än­dern kön­nen sie sie aber nicht. Gleich­zei­tig mit den Atten­ta­ten in Frank­reich und Deutsch­land ist eine Nach­richt aus Mos­sul ein­ge­trof­fen. Erst­mals seit fast 2000 Jah­ren ist Mos­sul ohne Chri­sten.

Die ersten Tau­fen in der Stadt am Tigris im Nor­den des Irak fan­den bereits zur Zeit der Apo­stel statt. Nun ist Mos­sul „chri­sten­frei“, so die ver­zwei­fel­te Bot­schaft des mit Rom unier­ten chaldäi­schen Patri­ar­chen Lou­is Raphaà«l I. Sako vom 19. Juli.

Die isla­mi­schen Ter­ror­mi­li­zen lei­sten gan­ze Arbeit: Es sind nicht nur die Chri­sten ver­schwun­den, auch die Kir­chen als Zeug­nis­se der zwei­tau­send­jäh­ri­gen christ­li­chen Geschich­te, die weit vor die Ent­ste­hung des Islams zurück­reicht, dro­hen zu ver­schwin­den. Die Dschi­ha­di­sten des Isla­mi­schen Staa­tes (IS) machen tabu­la rasa. Sie mor­den, ver­ge­wal­ti­gen und ver­trei­ben – und sie spren­gen die nicht-isla­mi­schen Kul­tur­zeug­nis­se in die Luft.

Noch für 1650 wird von Rei­sen­den die Mehr­heit der Bewoh­ner Mos­suls als Chri­sten geschil­dert. Um 1830 wird eine star­ke christ­li­che Min­der­heit von mehr als einem Drit­tel genannt. Die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts brach­te einen radi­ka­len Ein­bruch: Vor dem ame­ri­ka­ni­schen Ein­marsch von 2003 war der Anteil auf etwa vier Pro­zent zusam­men­ge­schrumpft. Vor dem Angriff des Isla­mi­schen Staa­tes von 2014 leb­ten nur mehr wenig mehr als 3000 Chri­sten in der Mil­lio­nen­stadt. Ihnen wur­de nun der Gna­den­stoß ver­setzt.

IS-Ultimatum vom 19. Juli trieb letzte Christen in die Flucht

Am 18. Juli setz­te der Isla­mi­sche Staat (IS) den Chri­sten von Mos­sul ein Ulti­ma­tum. Seit dem 10. Juni 2014 befin­det sich die Groß­stadt unter der Kon­trol­le der Dschi­ha­di­sten. Nur 200 Chri­sten hat­ten nach zwei Jah­ren der isla­mi­schen Ter­ror­herr­schaft noch in der Stadt aus­ge­harrt. In den Moscheen der Stadt wur­den beim Frei­tags­ge­bet Flug­blät­ter ver­teilt. Dar­in wur­den die Chri­sten zum Ver­las­sen der Stadt auf­ge­for­dert und die Fol­gen ange­droht, soll­ten sie der Auf­for­de­rung nicht nach­kom­men.

Maria mit Jesukind in Mossul
Maria mit Jesukind in Mos­sul

Die Chri­sten hat­ten sich zuvor an einem bestimm­ten Ort zu ver­sam­meln, wo ihnen offi­zi­ell mit­ge­teilt wer­den soll­te, daß sie sich unter dem „Schutz des Isla­mi­schen Staa­tes“ befin­den und daher zu „Dhim­mis“, zu Bür­gern zwei­ter Klas­se wer­den. Die Chri­sten zogen es aus ver­ständ­li­chen Grün­den vor, nicht zu erschei­nen. Der Isla­mi­sche Staat erklär­te die­sen Unge­hor­sam zum „defi­ni­ti­ven Bruch“. Wenn die Chri­sten den Schutz­pakt „ahd al-dhim­ma“ nicht akzep­tie­ren, blei­be für sie nur das Schwert. Den Chri­sten wur­de dar­auf ein „Gna­den­akt“ des Anfüh­rers des Isla­mi­schen Staa­tes (IS), Abu Bakr al-Baghda­di, „gewährt“, wie es in der offi­zi­el­len Erklä­rung des IS an die Chri­sten heißt:

„Der Fürst der Gläu­bi­gen, Kalif Ibra­him – Allah möge ihm Ruhm schen­ken – gewährt Euch, die Gren­zen des Isla­mi­schen Staa­tes  bis 10 Uhr des Sams­tags, dem 21. Tag des Monats Rama­dan, zu ver­las­sen. Nach Ablauf die­ser Frist gibt es zwi­schen Euch und uns nur mehr das Schwert.“

Die Häu­ser der Chri­sten in der Stadt waren bereits im Vor­feld durch das Sym­bol für „Naza­re­ner“ gekenn­zeich­net wor­den. Nach Ablauf des Ulti­ma­tums wur­de der Bischofs­sitz von den Isla­mi­sten in Brand gesteckt.

„Sie verfolgen uns im Namen ihrer Religion. Sie drohen nicht nur, sie tun es auch: sie brennen und morden“

Mit dem Nazarener-Symbol wurden die Häuser der Christen gekennzeichnet
Mit dem Naza­re­ner-Sym­bol wur­den die Häu­ser der Chri­sten gekenn­zeich­net

Der Patri­arch der mit Rom unier­ten syrisch-katho­li­schen Kir­che, Igna­ti­us Joseph III. Youn­an, eil­te aus Bei­rut nach Rom, wo er noch am Sams­tag von „Außen­mi­ni­ster“ Domi­ni­que Mam­ber­ti emp­fan­gen wur­de. Der Patri­arch muß­te bestä­ti­gen, daß es in Mos­sul seit Frei­tag der ver­gan­ge­nen Woche „kei­ne Chri­sten“ mehr gibt. Zuletzt leb­te kaum mehr als ein Dut­zend christ­li­cher Fami­li­en in der Mil­lio­nen­stadt.

„Sie muß­ten gestern flüch­ten. Es wur­de ihnen alles geraubt. Man hat sie unter Belei­di­gun­gen bis zum Stadt­rand beglei­tet und dort der Wüste über­las­sen“, so der Patri­arch.

Die Lage im Nahen Osten sei „desa­strös“ so das Ober­haupt der syri­schen Katho­li­ken.

„Wir sind ein Teil des Iraks, Syri­ens und des Liba­nons. Wir Chri­sten wur­den nicht impor­tiert. Wir sind seit Jahr­tau­sen­den hier und haben das Recht, wie Men­schen und Bür­ger die­ser Län­der behan­delt zu wer­den. Sie ver­fol­gen uns im Namen ihrer Reli­gi­on. Und sie dro­hen nicht nur, sie tun es auch: sie bren­nen und mor­den.“

„Das Ende der christlichen Brüder im Nahen Osten ist der Vorgeschmack für das Martyrium des Westens“

Igna­ti­us Joseph III. Youn­an, kein Mann, den leicht etwas aus der Fas­sung bringt, zeig­te sich am ver­gan­ge­nen Sams­tag fas­sungs­los und sicht­lich gezeich­net. Die Fas­sungs­lo­sig­keit betraf das Ver­hal­ten des Westens, der sich noch immer nicht der Gefahr bewußt scheint und die Chri­sten im Nahen Osten im Stich läßt. Als die USA mit einer „Koali­ti­on der Wil­li­gen“ Sad­dam Hus­sein stürz­ten, brauch­ten sie dazu kei­ne drei Wochen. Die von den USA geführ­te Inter­na­tio­na­le Alli­anz gegen den Isla­mi­schen Staat kämp­fe „bald seit zwei Jah­ren gegen die Ter­ro­ri­sten“, ohne daß ein Ende in Sicht sei, wie ein Beglei­ter des Patri­ar­chen sag­te.

Mehr noch als die­ses mili­tä­ri­sche Ver­sa­gen befrem­det den Patri­ar­chen die inne­re Gleich­gül­tig­keit des Westens:

„Das Ende der christ­li­chen Brü­der im Nahen Osten ist der Vor­ge­schmack für das Mar­ty­ri­um des Westens.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asianews/Il Foglio/MiL (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Mögen unse­re Geschwi­ster im Frie­den Got­tes ruhen! Eine so lan­ge christ­li­che Tra­di­ti­on wird vor unse­ren Augen ein­fach aus­ge­löscht, aber den Westen küm­mert das nicht. Man wird sich irgend­wann ein­mal davor ver­ant­wor­ten müs­sen.

    Schreck­lich…

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