FAZ unter Niveau: Ausgrenzung konservativer Katholiken als „Rechts-Christen“ — medienethisches Versagen (1)

Frankfurter Allgemeine und die Etikettierung von Christen als ""Rechte"
Frankfurter Allgemeine und die antifaschistische Etikettierung von Christen als ""Rechts-Christen"

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

In links­ex­tre­men Krei­sen von Anti­fa-Grup­pen und Auto­no­men war es schon immer üblich, alle Kon­ser­va­ti­ven in die rech­te Ecke zu drücken. Dabei wird die Bezeich­nung ‚rechts‘ grund­sätz­lich mit der Anrü­chig­keit für rechts­ra­di­ka­le, neo-nazi­sti­sche und/oder anti­se­mi­ti­sche Ten­den­zen in Bezie­hung gebracht. Aus anti­fa­schi­sti­scher Per­spek­ti­ve beginnt das Rechts­spek­trum in der Mit­te der CDU.

Ausschluss aus der Diskursgemeinschaft mit der Nazi-Keule

Mit der Eti­ket­tie­rung von Grup­pen und Per­so­nen als ‚Rech­te’ ver­su­chen sich Kri­ti­ker als poli­tisch Besorg­te hoch­zu­sti­li­sie­ren. Zugleich wäh­nen sie sich im mora­li­schen Recht, sich nicht mehr mit dem Inhalt der Schub­la­de mit der Auf­schrift ‚rechts’ aus­ein­an­der­set­zen zu müs­sen. Das Eti­kett ersetzt die Argu­men­ta­ti­on, schreibt Tilo Sar­ra­zin in sei­nen Betrach­tun­gen zur Popu­lis­mus-Debat­te (FAZ 25. 5. 16).

Ein wei­te­res Ziel der Rechts-Anpran­ge­rung ist es,  die Betrof­fe­nen aus der demo­kra­ti­schen Dis­kurs­ge­mein­schaft aus­zu­schlie­ßen: Mit sol­chen Leu­ten gebe es kei­nen Dia­log mehr, son­dern nur noch  Bekämp­fung. In dem lin­ken Agi­ta­ti­ons­stück FEAR – zur­zeit auf dem Spiel­plan der Ber­li­ner Schau­büh­ne – wird die­ser Aus­gren­zungs­kampf bis zu Ver­nich­tungs­phan­ta­sien getrie­ben. Wei­te­re Akti­ons­for­men der Anti­fa-Stra­te­gie sind Demon­stra­ti­ons­stö­run­gen, gewalt­tä­ti­ge Demo-Ver­hin­de­run­gen, Sitz­blocka­den sowie Ver­samm­lungs­spren­gun­gen. Sol­che  Kampf­me­tho­den wer­den seit Jah­ren von Mit­läu­fer­bünd­nis­sen unter Füh­rung der Anti­fa-Grup­pen prak­ti­ziert – etwa gegen den Marsch für das Leben oder die Stutt­gar­ter Demo für alle.

Geistlose Gesinnungsmilitanz

Andreas Püttmann: Variantenschmied im Kampf gegen "Rechts-Christen"
Andre­as Pütt­mann: Vari­an­ten­schmied im Kampf gegen „Rechts-Chri­sten“

In letz­ter Zeit wird die­se Anti­fa-Per­spek­ti­ve auch von bür­ger­li­chen Medi­en über­nom­men. Den Start­schuss für die Rechts­aus­gren­zung kon­ser­va­ti­ver Kräf­te hat wohl der katho­li­sche Publi­zist Andre­as Pütt­mann gege­ben. Seit 2013 vari­iert er in diver­sen Bei­trä­ge sein The­ma: Reli­giö­se Rech­te und ihre unhei­li­gen Alli­an­zen – so der Titel eines Auf­sat­zes im Cice­ro-Maga­zin 4/2015.  Der Autor sieht sich und die gemä­ßig­ten Kon­ser­va­ti­ven auf dem schma­len Grat der Red­lich­keit, von dem aus er die recht(s)christlichen Radi­ka­len beschimpft. Von total­a­po­lo­ge­ti­schem Gei­fer ist die Rede. Selbst­vik­ti­mi­sie­rung, Selbst­re­fe­ren­tia­li­tät in den Mei­nungs­bla­sen sek­tie­re­ri­scher Inter­net-Par­al­lel­wel­ten und ideo­lo­gi­sche Ver­här­tung hät­ten die letz­ten Auf­rech­ten unter den kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken zum Schul­ter­schluss mit rech­ten Alli­an­zen bewegt. Seit­her herr­sche in dem rechts­ka­tho­li­schen Milieu geist­lo­se Gesin­nungs­mi­li­tanz, dem­ago­gi­sche Ver­ein­fa­chung sowie die cha­rak­ter­li­che Her­ab­set­zung von Abweich­lern. Dem Mann muss man  jeden­falls dem­ago­gi­sche Sprach­kraft beschei­ni­gen.

Pütt­manns Aus­gren­zungs­spra­che ist der Ver­such, zahl­rei­che katho­li­sche Publi­zi­sten, Blog­ger und ihre Leser ins rech­te Lager zu ver­ban­nen und damit aus der akzep­tier­ten Dis­kurs­ge­mein­schaft aus­zu­schlie­ßen. Seit­her wird das Muster sei­ner Bei­trä­ge von ande­ren Jour­na­li­sten zur wei­te­ren Mei­nungs­ma­che genutzt.  Wenn sie etwa zu Gabrie­le Kuby und Bir­git Kel­le, Hed­wig von Bever­fo­er­de oder Alex­an­der Kissler, aber auch zum Forum Deut­scher Katho­li­ken oder der Inter­net­platt­form kath.net etwas schrei­ben, wird das viel­fach mit der Wen­dung ein­ge­lei­tet: Nach Mei­nung von Kri­ti­kern ist die Person/Institution … eine rechts­be­la­ste­te Publizistin/Gruppe..

In die Schublade ‚Rechtskatholiken und ‑evangelikale

Pütt­manns Koau­torin in einer Stu­die der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung zu rech­ten Alli­an­zen ist die Juri­stin Lia­ne Bed­narz. Offen­sicht­lich basie­rend auf Pütt­manns Schrif­ten, führt sie das The­ma in einem Bei­trag der FAS/FAZ online vom 1. Febru­ar 2016 wei­ter aus. Die Autorin unter­schei­det dar­in die gemä­ßigt-guten Kon­ser­va­ti­ven von den radi­ka­len kon­ser­va­ti­ven Chri­sten – so die Über­schrift des Arti­kels. Etwa zwei Dut­zend Publi­zi­sten und Insti­tu­tio­nen wer­den dar­in in den Ord­ner der Rechts­ka­tho­li­ken und ‑evan­ge­li­ka­le abge­hängt. Als Kri­te­ri­en für die­se Zuord­nung gibt Frau Bed­narz an, dass die sich kon­ser­va­tiv geben­den Chri­sten seit Jah­ren Res­sen­ti­ments gegen die eta­blier­te Poli­tik und die Qua­li­täts­pres­se pfleg­ten. Außer­dem neig­ten sie dazu, die plu­ra­li­sti­sche Demo­kra­tie in Deutsch­land zu ver­un­glimp­fen.

Liane Bednarz - Gesinnungsmilitanz gegen Christen
Lia­ne Bed­narz — Gesin­nungs­mi­li­tanz gegen Chri­sten

Die Autorin stützt die Abschie­bung von Kon­ser­va­ti­ven ins rech­te Lager allein auf ein­zel­ne Wor­te oder höch­stens Kurz­zi­ta­te der Betrof­fe­nen. Teil­wei­se sind die Zusam­men­hän­ge an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. So fin­det sich der Publi­zist Alex­an­der Kissler wegen eines Bei­trags zur Medi­en­kri­se auf der schwar­zen Liste der Rechts­ka­tho­li­ken. Hin­ter­grund ist eine durch Befra­gun­gen beleg­te Tat­sa­che, dass seit dem letz­ten Jahr etwa 40 Pro­zent der Befrag­ten nicht mehr glaubt, dass Poli­tik und Medi­en der Bevöl­ke­rung die Wahr­heit sagen – etwa über den Migran­ten­zu­strom und deren Fol­gen. Die­ses Miss­trau­en ver­an­schau­lich­te Kissler in einer kur­zen Sequenz: Leser an Medi­um: du lügst. Medi­um an Leser: Schnau­ze. Die­se Pas­sa­ge ist für Bed­narz Anlass, den Publi­zi­sten in die Rechts-Schub­la­de zu stecken mit ihrer aben­teu­er­li­chen Begrün­dung: Das ist nah an den heu­ti­gen Lügen­prs­se-Rufen.

Auch der eme­ri­tier­te Pasto­ral­theo­lo­ge Hubert Win­disch fand sich plötz­lich im media­len Pferch der Rechts­ka­tho­li­ken wie­der. Er hat­te in einem kath.net-Kom­men­tar mit dem Titel Deutsch­land kaputt vor den kul­tur- und bevöl­ke­rungs­po­li­ti­schen Dimen­sio­nen des mil­lio­nen­fa­chen Migran­ten­zu­stroms für die Zukunft gewarnt.

Selbst das Päpst­li­che Hilfs­werk Kir­che in Not wird von Bed­narz rechts­ka­tho­lisch ein­ge­tü­tet. Sie wirft der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für ver­folg­te, bedräng­te und not­lei­den­de Chri­sten vor, auf ihrem letzt­jäh­ri­gen Kon­gress ein Podi­um unter dem Titel: Gegen den Strom von Mei­nungs­dik­ta­tur und Poli­ti­cal Cor­rect­ness abge­hal­ten zu haben. Eigent­lich fehlt Papst Bene­dikt XVI. in die­ser Rei­he. Der hat­te bekannt­lich vor der Mei­nungs-Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus gewarnt.

Dem katholischen Milieu einen Rechtsdrall andichten

War­nen­de Stim­men zur Aus­höh­lung des Rechts­staa­tes sowie der Respek­tie­rung demo­kra­ti­scher Mei­nungs­viel­falt im Rah­men der Migran­ten­kri­se kom­men von vie­len Sei­ten – etwa FAZ-Jour­na­li­sten oder Jura­pro­fes­so­ren. Wenn Katho­li­ken das tun, wird ihnen von Bed­narz das Schild Radi­ka­le Rech­te umge­hängt: Die Publi­zi­sten Mat­thi­as Mat­tus­sek und Alex­an­der Kissler hat­ten an die poli­ti­sche Rei­fe von Regie­rungs­po­li­ti­ker appel­liert, die bei PEGI­DA-Demon­stra­tio­nen zuta­ge tre­ten­den Sor­gen der Bür­ger ernst­zu­neh­men und sie nicht pau­schal weg­zu­wi­schen. Immer­hin hat­ten die bei­den es gewagt, ihre Kri­tik sogar an die Bun­des­kanz­le­rin und den Voll­blut­par­la­men­ta­ri­er Bos­bach zu rich­ten. Wenn das nicht radi­ka­le Rechts­heit bedeu­tet! Ähn­lich hat­te sich Pater Wolf­gang Ocken­fels kri­tisch zu den media­len Groß­of­fen­si­ven gegen die Pro­test­be­we­gun­gen gewandt. Der katho­li­sche Jour­na­list Peter Win­nem­öl­ler for­der­te mit Beru­fung auf den Arti­kel 20 Grund­ge­setz, dem Abbau des frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Rechts­staats Wider­stand ent­ge­gen zu set­zen. Sie alle wur­den als rechts­rand­stän­dig abqua­li­fi­ziert.

Bei der ‚Demo für alle’, so die Autorin,  lau­fen alle Fäden der radi­ka­len Chri­sten zusam­men – immer­hin jeweils vier­ein­halb­tau­send bei den letz­ten Demon­stra­tio­nen. In die­sem Milieu sei­en auch die Publi­zi­stin­nen Gabrie­le Kuby und Bir­git Kel­le aktiv. Um sie her­um hät­ten sich Milieu-Medi­en mit Rechts­drall eta­bliert wie kath.net, Forum Deut­scher Katho­li­ken sowie eine katho­li­sche Blog­ger­sze­ne. In die Haupt­for­de­run­gen der Demo für alle: Ehe und Fami­lie vor! Stoppt Gen­der­wahn und Sexua­li­sie­rung der Kin­der! Eltern­rech­te wah­ren! kann man aber nun wirk­lich kei­ne rech­te Radi­ka­li­tät hin­ein­le­sen. Dazu kommt, dass die 24 mit­ma­chen­den Akti­ons­grup­pen alle aus der Mit­te der Gesell­schaft kom­men. Dazu zäh­len auch drei Arbeits­krei­se der baden-würt­tem­ber­gi­schen Uni­on sowie die CSU-Grup­pe Kon­ser­va­ti­ver Auf­bruch.

Über zwei Ecken rechtsradikale Verbindungen konstruiert

Um die­sem katho­li­schen Milieu einen Rechts­drall anzu­dich­ten, muss die Autorin ihre Kon­struk­ti­ons­fä­den schon um zwei Ecken spin­nen – etwa so:
Bir­git Kel­les Ehe­mann Klaus, CDU-Mit­glied, habe in sei­nem Blog im Som­mer 2015 CDU-Kri­ti­sches geschrie­ben. Oder so:
Gabrie­le Kuby, Kura­to­ri­ums­mit­glied im Forum Deut­scher Katho­li­ken, regel­mä­ßi­ge Red­ne­rin auf der Demo für alle, nahm 2014 als Red­ne­rin an einem rus­si­schen Kon­gress unter dem The­ma: Gro­ße Fami­li­en und die Zukunft der Mensch­heit teil. Dabei habe Putin in sei­nem Gruß­wort die Ero­si­on mora­li­scher Wert gegei­ßelt. Außer­dem hät­ten an dem Kon­gress Ver­tre­ter west­li­cher Rechts­par­tei­en wie FPÖ und FN teil­ge­nom­men. Oder auch so:
Vie­le der rechts­christ­li­chen Blog­ger – auch vom evan­ge­li­ka­len Medrum und idea spek­trum – ver­öf­fent­li­chen regel­mä­ßig in der Wochen­zei­tung ‚Jun­ge Frei­heit’ sowie im rechts­li­ber­tä­ren ‚eigen­tüm­lich frei’. Die Autorin ver­gaß aller­dings zu erwäh­nen, dass die JF vie­le pro­mi­nen­te För­de­rer und Inter­view­part­ner aus allen Par­tei­en und Grup­pen auf­zu­wei­sen hat wie Peter Scholl-Latour oder  Car­sten­sen, Gau­wei­ler und Schön­born von der CDU/CSU, Egon Bahr und Peter Glotz von der SPD. Alt­bun­des­prä­si­dent Roman Her­zog kri­ti­sier­te in einem JF-Inter­view von 2011 die Arbeits­wei­se der EU.

Kein seriöser Journalismus: Frankfurter Allgemeine unter Niveau

Ein wei­te­rer Trick der Autorin, enga­gier­te Katho­li­ken als Rechts- und Radi­kal-Chri­sten zu brand­mar­ken, besteht dar­in, sie in irgend­wel­che Ver­bin­dung zur AfD zu brin­gen, wobei sie die­se Par­tei nach ganz rechts schiebt. Hed­wig von Bever­fo­er­de, Orga­ni­sa­to­rin der Demo für alle, CDU-Mit­glied, habe auf ihrer Face­book-Sei­te die AfD-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Bea­trix von Storch für ihren Ein­satz in den EU-Gre­mi­en gegen den Vor­marsch des gen­der main­strea­mings gelobt. Mecht­hild Löhr, Vor­sit­zen­de der Christ­de­mo­kra­ten für das Leben, habe sich bei Gene­ral­se­kre­tär Peter Tau­ber über die CDU-inter­ne Benach­tei­li­gung ihrer Grup­pe gegen­über den Schwu­len und Les­ben beschwert und dabei hin­zu­ge­fügt, dass sich eini­ge Mit­glie­der ent­täuscht zur AfD gewandt hät­ten.

Es ist kein seriö­ses jour­na­li­sti­sches Vor­ge­hen, was die Juri­stin Bed­narz in ihrem Arti­kel anbie­tet: mit Schlag­wor­ten oder Kurz­zi­ta­ten die jewei­li­gen Per­so­nen und Grup­pen in eine rechts­christ­li­che Schub­la­de zu stecken oder mit Ver­bin­dun­gen über zwei Sta­tio­nen eine rechts­ra­di­ka­le Haupt­ten­denz zu kon­stru­ie­ren. Man ver­mu­tet bei der Autorin als Vor­ar­beit einen wohl­ge­ord­ne­ten Zet­tel­ka­sten mit Zita­ten und Text­pas­sa­gen. Der fer­ti­ge Arti­kel ist sicher­lich eine Fleiß­ar­beit, zeigt aber als Sam­mel­su­ri­um von Per­so­nen und Zita­ten, Bei­spie­len und Ver­bin­dung eine ekla­tan­te ana­ly­ti­sche Schwä­che zum Gegen­stand der Unter­su­chung. Das sicht­lich bemüh­te Her­aus­drücken von radi­ka­ler Rechts­gläu­big­keit macht den Bei­trag zu einer ten­den­ziö­sen Schrift. Der Ein­druck von Bou­le­vard-Jour­na­lis­mus ist nicht von der Hand zu wei­sen. Jeden­falls ist der Arti­kel nach Art und Inhalt deut­lich unter dem Niveau von son­sti­gen Gast­bei­trä­gen der FAZ.

Text: Hubert Hecker
Bild: FAZ/Wikicommons/Youtube (Screen­shots)

4 Kommentare

  1. Was hat sich geän­dert? Wir wuß­ten es doch längst: Die Demo­kra­tIn­nen pöbeln inzwi­schen von oben im Staa­te. Na und? Wir machen ein­fach wei­ter. Das dumm­drei­ste unhöf­li­che und unver­schäm­te Geschwätz der Wich­tig­tu­er die­ser unse­rer Post­mo­der­ne braucht kein Mensch von Ver­nunft.

  2. Nur wenn wir unter dem uns als Schimpf­wort zuge­dach­ten „Rechts­ka­tho­lik“ zusam­men­zucken und dies ent­rü­stet von uns wei­sen, funk­tio­niert die­se bewusst vor­ge­nom­me­ne Tak­tik.
    Wür­den wir statt­des­sen sagen: „Na ja, wenn Ihr uns so seht, wird es schon so sein. Es ist Eure Sache, es tan­giert uns nicht!“, wenn wir die­se uns auf­ge­drück­te Ein­tei­lung also gelas­sen und selbst­be­wusst an uns abpral­len lie­ßen, wür­de die­se Keu­le ihre Wir­kung ver­lie­ren.

  3. Wenn es Rechts­ka­tho­li­ken gibt, muss es logi­scher­wei­se auch Links­ka­tho­li­ken geben. Vie­le die­ser Leu­te sind Links­po­pu­li­sten, katho­li­sche (???) Links­po­pu­li­sten. Kenn­zei­chen: sit­zen auf Kir­chen­steu­er oder Steu­er­gel­der finan­zier­ten garan­tier­ten Arbeits­plät­zen mit festen und gut ver­träg­li­chen Arbeits­zei­ten. Sie for­dern, dass die schlech­ten Ande­ren ihre Ideen finan­zie­ren und Gutes tun.

  4. Die Radi­ka­li­sie­rung unse­rer Gesell­schaft fin­det in den Medi­en statt. Wer nicht die Ideo­lo­gie lin­ker „Welt­ver­bes­se­rung“ teilt, wird dadurch schon zum Feind und den muss man bis zur Ver­nich­tung bekämp­fen. Neu ist das nicht, denn tota­li­tä­res Den­ken ist immer gewalt­be­reit und kennt kei­ne Tole­ranz ande­rem Den­ken gegen­über. Ent­spre­chend absurd gestal­ten sich die media­len „Dis­kur­se“, die nicht mehr von Ratio­na­li­tät, son­dern von einer ideo­lo­gisch gepräg­ten Emo­tio­na­li­tät bestimmt sind, so dass Ver­nunft bei die­sen „Dis­kus­sio­nen“ längst ad acta gelegt ist. Je stär­ker die Dis­kre­panz von Wirk­lich­keit und Ideo­lo­gie, desto wüten­der wird das lin­ke Welt­bild ver­ab­so­lu­tiert. Der Schein vom bes­se­ren Bewusst­sein muss um jeden Preis auf­recht­erhal­ten wer­den, weil sonst das eige­ne Welt­bild wie ein Kar­ten­haus zusam­men­fal­len wür­de. Men­schen kön­nen bis zur tota­len Selbst­ver­nich­tung an ihrem längst brü­chig gewor­de­nen Welt­bild fest­hal­ten. Men­schen, die in tota­li­tä­rem Den­ken gefan­gen sind, sehen Wider­spruch oder nur feh­len­de Zustim­mung als radi­ka­le Bedro­hung an, weil auf dem schein­haf­ten Welt­bild ihre gan­ze Exi­stenz ruht. Erweist sich die Ideo­lo­gie als falsch, respek­ti­ve Trug, ver­fällt das gan­ze bis­he­ri­ge Leben der Nich­tig­keit. Es ist das dump­fe Gefühl des Nihi­lis­mus, den man par­tout nicht los wird und pro­ji­ziert daher sei­ne Wut auf all die­je­ni­gen, die die­sen Nihi­lis­mus nicht ken­nen. Christ­li­cher Glau­be ist, wenn ich es so salopp for­mu­lie­ren darf, der Gegen­ent­wurf zur Ideo­lo­gie. Es ver­wun­dert also nicht, dass sich gera­de Ver­tre­ter lin­ker Ideo­lo­gien am christ­li­chen Glau­ben als Feind­bild Num­mer 1 fest­bei­ßen. Harm­los ist das alles nicht, denn Men­schen, die einem tota­li­tä­ren Den­ken anhän­gen, sind latent bereit, die Gewalt, die sie sprach­lich vor­be­rei­ten, auch wirk­lich wer­den zu las­sen. Der Natio­nal­so­zia­lis­mus und der Sta­li­nis­mus haben das ein für alle Mal belegt. Man soll­te also nicht glau­ben, es han­de­le sich um blo­ße ver­ba­le Ent­glei­sun­gen. Es ist in der Tat ein Trau­er­spiel, das ehe­mals seriö­se Zei­tun­gen wie die FAZ, mitt­ler­wei­le der­art tief von auto­ri­tä­ren Denk­mu­stern bestimmt sind, dass der Umschlag ins Tota­li­tä­re nur noch gra­du­ell ist. Es spielt im „Dis­kurs“ mit die­sem auto­ri­tä­ren Den­ken — das es in lin­ker wie in rech­ter Aus­prä­gung gibt — kei­ne Rol­le, wie man auf die geäu­ßer­te Phra­se reagiert und ob man die von der Ideo­lo­gie genorm­te „Mei­nung“ als blo­ßes Vor­ur­teil respek­ti­ve Res­sen­ti­ment ent­larvt, denn auto­ri­tä­res Den­ken ist der tie­fe­ren Refle­xi­on nicht wil­lens und auch nicht fähig. Es könn­te also in abseh­ba­rer Zeit zu Zustän­den kom­men, in denen sich Men­schen christ­li­chen Glau­bens mas­si­ver Repres­sa­li­en aus­ge­setzt sehen. Hof­fen wir, dass sich die auto­ri­tär bis tota­li­tär gebär­den­de Ideo­lo­gie lin­ker Aus­prä­gung nicht wei­ter durch­setzt.

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