„Luther hatte recht“ — Wenn Kardinal Kasper bei Luther in die Schule geht

Kardinal Walter Kasper Geistesblitz: "Luther hatte recht", und die katholische Kirche unrecht
Kardinal Walter Kasper Geistesblitz: "Luther hatte recht". Und die katholische Kirche unrecht?

(Rom) Am 1. Juni ver­öf­fent­lich­ten der Luthe­ri­sche Welt­bund und der Päpst­li­che Rat für die För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten eine gemein­sa­me Erklä­rung. Er greift weit­ge­hend die Linie auf, die bereits in einer Erklä­rung des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes vom ver­gan­ge­nen 25. Janu­ar ent­hal­ten war, mit dem die Rei­se von Papst Fran­zis­kus zum „Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken“ im schwe­di­schen Lund ange­kün­digt wurde.

Die die nicht unbe­deu­ten­de Neu­heit der Juni-Erklä­rung ist die Mit­tei­lung, daß Papst Fran­zis­kus einen Tag län­ger als ursprüng­lich beab­sich­tigt in Schwe­den blei­ben wird, um sich auch mit den Katho­li­ken des Lan­des zu tref­fen und mit ihnen eine Hei­li­ge Mes­se zu fei­ern (sie­he dazu Canos­sa­gang von Papst Fran­zis­kus zu den Luthe­ra­nern?)

Um zu ver­ste­hen, in wel­chem Sinn die katho­li­sche Kir­che Mar­tin Luthers mit dem Ziel geden­ken will, „die Gaben der Refor­ma­ti­on“ zu fei­ern (so die gemein­sa­me Erklä­rung), muß man ein klei­nes, jüngst von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per in meh­re­ren Spra­chen ver­öf­fent­lich­tes Buch zur Hand neh­men. Die deut­sche Aus­ga­be: „Mar­tin Luther. Eine öku­me­ni­sche Per­spek­ti­ve“ (Pat­mos), erschien am 14. März.

Kasper: Luther „für einige Katholiken fast ein Kirchenvater“

Kas­pers Buch, elo­quent ver­faßt, geht von der erstaun­li­chen Grund­the­se aus, daß Luther recht hat­te. Was um Umkehr­schluß bedeu­tet, daß die katho­li­sche Kir­che irrte.

Für Luther kommt der deut­sche Kar­di­nal gera­de­zu ins Schwär­men: der aus­ge­sprun­ge­ne Augu­sti­ner-Ere­mit habe eine gera­de­zu „magne­ti­sche Aus­strah­lung“ gehabt, der „für eini­ge Katho­li­ken bereits fast ein gemein­sa­mer Kir­chen­va­ter“ gewor­den sei. Nach­dem Luther ver­geb­lich einen hals­star­ri­gen Papst und eben­sol­che Bischö­fe zu über­zeu­gen ver­sucht habe, die von ihm ent­wor­fe­ne Kir­chen­re­form durch­zu­füh­ren, sei ihm gar kei­ne ande­re Wahl geblie­ben, als gegen sei­nen Wil­len und unter Beru­fung auf einen „Not­stand“ eine neue Kir­chen­ord­nung, eine „Not­ord­nung“ schaf­fen zu müssen.

Luther als Kir­chen­spal­ter wider Wil­len, der allein durch die Eng­stir­nig­keit und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung Roms in eine Rol­le getrie­ben wur­de, die er gar gewollt habe: so jeden­falls die ver­klä­ren­de und unhi­sto­ri­sche Dar­stel­lung von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per. Von Häre­sie kön­ne da natür­lich kei­ne Rede sein. Die Recht­gläu­big­keit Luthers steht für Kas­per gar nicht zur Dis­kus­si­on. Der Rest sei­en Miß­ver­ständ­nis­se gewe­sen, für die ohne­hin mehr oder weni­ger allein die katho­li­sche Kir­che schuld trage.

Luther „hatte recht“ — Schuld ist Rom

Kardinal Kaspers Buch über Martin Luther
Kar­di­nal Kas­pers Buch über Mar­tin Luther

Auf die­ser The­se beharrt Kas­per und scheint sich damit in das Herz der heu­ti­gen Pro­te­stan­ten schrei­ben zu wol­len. Viel­leicht meint er es aber auch ernst, schließ­lich sieht er sich selbst auch als einen ver­kann­ten „Refor­ma­tor“, einen klei­nen Luther, der durch „kon­ser­va­ti­ve“ Kräf­te in der katho­li­schen Kir­che behin­dert wird.

„Luthers Auf­ruf zur Buße“ sei von Rom nicht ange­nom­men wor­den. „Statt mit der Bereit­schaft zur Buße und den not­wen­di­gen Refor­men, ant­wor­te­te man mit Pole­mi­ken und Ver­ur­tei­lun­gen“. Alle Zita­te sind aus der ita­lie­ni­schen Aus­ga­be von Kas­pers Buch ins Deut­sche rück­über­tra­gen und kön­nen daher leicht vom deut­schen Ori­gi­nal abweichen.

Es ist wich­tig, Kas­pers Blick­win­kel noch ein­mal zu unter­strei­chen: „Rom und die Bischö­fe haben den Auf­ruf Luthers zur Buße und zur Reform nicht ange­nom­men“. Luther wur­de daher gezwun­gen, so die spä­te Exkul­pa­ti­on durch einen der höch­sten katho­li­schen Kir­chen­für­sten, das zu wer­den, was er wur­de: laut Kas­per „der“ Refor­ma­tor, „obwohl er sich nicht als sol­cher bezeichnete“.

Luther selbst habe sich „in die lan­ge Tra­di­ti­on der katho­li­schen Erneue­rer gestellt, die ihm vor­aus­ge­gan­gen waren. Man den­ke vor allem an Franz von Assi­si, der mit sei­nen Brü­dern das Evan­ge­li­um ein­fach leben und es so pre­di­gen woll­te. Heu­te wür­de man von Neue­van­ge­li­sie­rung sprechen.“

Kaspers Geschichtsphantasien: Luther als Nachfolger des heiligen Franz von Assisi

Luther also als zwei­ter Franz von Assi­si? Kas­pers Phan­ta­sie schei­nen kei­ne Gren­zen gesetzt. Spä­te­stens an die­ser Stel­le wird es aller­dings ärger­lich, selbst für den theo­lo­gisch und kir­chen­hi­sto­risch Unkun­di­gen. Den lebens­fro­hen, dem Essen und Trin­ken unmä­ßig frö­nen­den und ent­spre­chend fei­sten Luther kann man sich schwer­lich in der Gesell­schaft des in größ­ter Armut und Ent­halt­sam­keit, asze­tisch leben­den Franz von Assi­si vor­stel­len. Das für Luther als „Vor­läu­fer“ weit zutref­fen­de­re Gegen­mo­dell zu Franz von Assi­si, näm­lich Petrus Val­des oder auch Jan Hus, erwähnt Kas­per nicht. Das locker-leicht auf­ge­türm­te Kar­ten­haus der Kas­per­schen Geschichts­dar­stel­lung wür­de anson­sten jäh in sich zusammenbrechen.

Es ist nicht das erste Mal, daß Kas­per bei der Kir­chen­ge­schich­te türkt. Bereits in sei­ner berühm­ten Rede vor dem Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um am 20. Febru­ar 2014, mit der die For­de­rung nach Zulas­sung der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne genann­ten Ehe­bre­cher zur Kom­mu­ni­on offi­zi­ell erho­ben wur­de. Die Dop­pel-Bischofs­syn­ode wur­de ab die­sem Augen­blick, von höch­ster Stel­ler offen­bar so gewollt, von die­sem The­ma in Beschlag genom­men. Das umstrit­te­ne nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia ist das Ergeb­nis, das mehr bela­stet als erbaut. Für Kar­di­nal Kas­per han­delt es sich dabei um das „bedeu­tend­stes Doku­ment der letz­ten 1000 Jah­re“, womit wir wie­der bei der Geschichts­po­li­tik wären. Mit den Jahr­hun­der­ten wir­belt der ehe­ma­li­ge Bischof von Rot­ten­burg-Stutt­gart nur so herum.

Bereits 2014 hat­te der Kar­di­nal im Trü­ben gefischt und den Kar­di­nä­len die Mär auf­ge­tischt, in der frü­hen Kir­che hät­ten Geschie­de­ne, die in einer Zweit­ehe leben, zur Kom­mu­ni­on gehen dür­fen. Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei bezeich­ne­te Kas­pers Aus­füh­run­gen als „Sün­de“ an der Wahr­heit. Dem Kar­di­nal gehe es um eine „Kul­tur­re­vo­lu­ti­on“ und einen „Para­dig­men­wech­sel“. Das­sel­be läßt sich auch im Zusam­men­hang mit Kas­pers Luther-Bild sagen.

Geschichtsrevisionismus durch copy & paste der protestantischen Luther-Verklärung

Bei sei­ner Luther-Dar­stel­lung treibt es der Kar­di­nal mit sei­nem Geschichts­re­vi­sio­nis­mus aller­dings ent­schie­den zu bunt. An die­ser Stel­le kann und soll nicht die Per­son Luthers in allen ihren Facet­ten gewür­digt und beleuch­tet wer­den. Vor allem der theo­lo­gi­sche Aspekt muß aus­ge­klam­mert blei­ben. Nur soviel sei gesagt, wie not­wen­dig ist, die Wider­sprüch­lich­keit, ja Abwe­gig­keit von Kas­pers Luther-Apo­lo­gie aufzuzeigen.

Die jün­ge­re Luther-For­schung, die den Anspruch der Wis­sen­schaft­lich­keit erhe­ben will, zeich­net ein aus­ge­spro­chen kri­ti­sches Bild der Per­sön­lich­keit des „Refor­ma­tors“ und sei­ner Aus­sa­gen und Hand­lun­gen. Mar­tin Luther, eigent­lich Luder, muß von jäh­zor­ni­gem und auf­brau­sen­dem Cha­rak­ter gewe­sen sein. Sei­ne eige­ne Bio­gra­phie schön­te er selbst, vor allem aber wur­de sie von der pro­te­stan­ti­schen „Hagio­gra­phie“ geschönt. Auf­grund eines ver­bo­te­nen, bewaff­ne­ten Hän­del war ihm als Stu­dent der Rechts­wis­sen­schaf­ten in Erfurt das Recht ent­zo­gen wor­den, einen Degen zu tra­gen, womit damals all­ge­mein ein Schwert gemeint war.

Der Ordens­ein­tritt bei den Augu­sti­ner-Ere­mi­ten in Erfurt dürf­te weni­ger einem simp­len Blitz­ein­schlag geschul­det sein, son­dern der Flucht vor straf­recht­li­cher Ver­fol­gung, da Luther — wie die For­schung rekon­stru­ie­ren konn­te — wohl im Duell einen Kom­mi­li­to­nen getö­tet hat­te. Damit wäre nicht nur sei­ne Kar­rie­re als Jurist zu einem abrup­ten Ende gelangt, son­dern auch sein Kopf in Gefahr gewe­sen. Das Klo­ster in Erfurt war exemt, wes­halb die welt­li­che Gerichts­bar­keit kei­nen Zugriff hat­te. Das war wahr­schein­lich Luthers ein­zi­ge Chan­ce, durch Abtau­chen im kirch­li­chen Raum, einer Ankla­ge zu ent­ge­hen in der Hoff­nung, daß alles gut ver­tuscht war und Gras über die Sache wach­sen wür­de. Das wirft zumin­dest die Fra­ge auf, ob sei­ne Ordens­ge­lüb­de und sein Prie­ster­tum aus frei­em Wil­len zustan­de­ka­men. Die radi­ka­le Ent­le­di­gung, die er sich durch die „Refor­ma­ti­on“ ver­schaff­te — Kas­per nennt sie „Not­ord­nung“ -, scheint dagegenzusprechen.

Luthers „Befreiungsschlag“ wurde zur Zertrümmerung

Zu Luthers schil­lern­dem poli­ti­schen und kir­chen­po­li­ti­schen Wir­ken sei­en nur zwei Stich­wör­ter erwähnt. Zuerst wie­gel­te Luther die deut­schen Bau­ern zum Auf­stand gegen sozia­le Unge­rech­tig­keit auf, um sich dann auf die Sei­te der ihn unter­stüt­zen­den Für­sten zu schla­gen und die Hin­rich­tung der auf­stän­di­schen Bau­ern zu for­dern: „Schlagt sie tot, wie wie man einen tol­len Hund erschla­gen muß“. Der eige­ne Kra­gen, Schutz und Wohl­stand, war ihm auch in die­sem Fall wich­ti­ger. Man darf für die­ses Ver­hal­ten durch­aus die Cha­rak­te­ri­sie­rung „oppor­tu­ni­stisch“ bemü­hen. Das zwei­te Stich­wort betrifft die Bereit­schaft Luthers, den biga­mi­sti­schen Lebens­wan­del des ihn för­dern­den Land­grafs Phil­ipp I. von Hes­sen anzu­er­ken­nen und damit die christ­li­che Ehe nicht nur als Sakra­ment, son­dern samt und son­ders sei­nem Oppor­tu­nis­mus zu opfern.

Der „gro­ße Refor­ma­tor“ hat­te dem­nach nicht nur heh­re Zie­le, son­dern durch­aus ein per­sön­li­ches Inter­es­se am Umsturz der gel­ten­den Ord­nung. Für die­sen „Befrei­ungs­schlag“ war er bereit, alles zu zer­trüm­mern, was sich ihm in den Weg stell­te, ein­schließ­lich des Altarsa­kra­men­tes, des Buß­sa­kra­men­tes, des Ehe­sa­kra­men­tes und des Weihesakramentes.

Dar­an ändert auch nichts der Umstand, daß sich in den umfas­sen­den For­de­rungs­ka­ta­lo­gen von „Refor­ma­to­ren“ neben häre­ti­schen Anlie­gen auch berech­tig­te fin­den. Der Häre­ti­ker ist unbe­lehr­bar. Er will kei­ne ech­te Erneue­rung der Kir­che, son­dern die Durch­set­zung sei­nes Wil­lens. Hoch­mut und Demut unter­schie­den die gegen­sätz­li­chen Zeit­ge­nos­sen Mar­tin Val­des und Franz von Assi­si. Der eine wur­de zum häre­ti­schen Kir­chen­spal­ter, der ande­re zum gro­ßen Hei­li­gen der Kir­che. Luther gehört zur erste­ren Spe­zi­es, auch wenn Kar­di­nal Kas­per ihn in die Grup­pe der Hei­li­gen schmug­geln möchte.

Der Skrupulant

Kas­per erin­nert lie­ber an ein belieb­tes pro­te­stan­ti­sches Motiv der Luther-Ver­klä­rung, an des­sen Fra­ge als Mönch: „Wie kann ich einen barm­her­zi­gen Gott fin­den? Das war das exi­sten­ti­el­le Pro­blem Luthers.“

In der Tat war die Fra­ge exi­sten­ti­ell und wur­de von der jün­ge­ren For­schung auch tie­fen­psy­cho­lo­gisch zu deu­ten ver­sucht. Wenn Luthers Klo­ster-Ein­tritt und sein Prie­ster­tum tat­säch­lich der Angst vor Straf­ver­fol­gung durch die welt­li­che Gerichts­bar­keit geschul­det waren, weil er einen Stu­di­en­kol­le­gen getö­tet hat­te, dann erklärt sich sei­ne ver­zwei­fel­te Suche nach einem „barm­her­zi­gen Gott“ tat­säch­lich als ver­zwei­fel­tes Rin­gen um sein See­len­heil. Daß ihm das Buß­sa­kra­ment jedoch kei­ne Lin­de­rung und Befrei­ung brin­gen konn­te, und er daher eine ande­re „Lösung“ für sein per­sön­li­ches Pro­blem suchen muß­te, die er in einer eigen­wil­li­gen und häre­ti­schen Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrift fand, zeugt von einer skru­pu­lö­sen Natur. Ange­sichts eines Men­schen­le­bens, das er auf dem Gewis­sen hat­te, nicht ganz unverständlich.

Die Suche nach dem barm­her­zi­gen Gott ist in jedem Fall aner­ken­nens­wert, ent­schei­dend ist jedoch der Schluß, zu dem jemand gelangt, und Luther kam zu einem Schluß, der zur Ver­wü­stung wur­de. Der Grund: er lehn­te den barm­her­zi­gen Gott, der ihm im Buß­sa­kra­ment begeg­ne­te, ab.

Die „Lösung“ konn­te daher letzt­lich nur eine ganz neue, revo­lu­tio­nä­re Theo­lo­gie sein. Die­se erklärt auch, wes­halb der seit dem Ordens­ein­tritt nie­der­ge­drück­te, ängst­li­che Luther wie­der zum lebens­fro­hen und uner­schrocke­nen Drauf­gän­ger wur­de, der sei­ne Gelüb­de als Mönch und sein Ver­spre­chen als Prie­ster sorg­los brach, und sich eine ehe­ma­li­ge Non­ne zur Frau nahm. Kein Wun­der, daß die Ehe bei einer sol­chen Ver­gan­gen­heit nur „ein welt­lich Ding“ war.

Kaspers halsbrecherischer Brückenschlag von Luther zu Papst Franziskus zu Franz von Assisi

Kar­di­nal Kas­per geht es jedoch weni­ger um die Ver­gan­gen­heit und noch weni­ger um die histo­ri­sche Wahr­heit. Es geht ihm viel­mehr um Geschichts­po­li­tik. Die Geschich­te dient nur dazu, sie im Heu­te einer For­de­rung nutz­bar zu machen. Kas­per geht es um das Jetzt. Ihm geht es dar­um, mit Wor­ten wie „Reform“, „Buße“ und „Barm­her­zig­keit“ und auch dem hei­li­gen Franz von Assi­si eine Brücke zu Papst Fran­zis­kus zu schla­gen. Er gebraucht die Begrif­fe, um eine gewag­te Ana­lo­gie zwi­schen Mar­tin Luther und Papst Ber­go­glio her­zu­stel­len, der am 31. Okto­ber nach Lund rei­sen wird, um der 500 Jah­re von Mar­tin Luthers „Refor­ma­ti­on“ zu gedenken.

Papst Fran­zis­kus soll gleich­zei­tig als eine Art neu­er Luther prä­sen­tiert wer­den, als Refor­mer, der ganz auf der Sei­te der Barm­her­zig­keit ste­he und sich des­halb ent­schie­den habe, sich Fran­zis­kus zu nen­nen, wie der gro­ße Hei­li­ge des Mit­tel­al­ters. Daß Luther, laut Kas­per, auch ganz auf der Sei­te der Barm­her­zig­keit gestan­den habe, ver­steht sich impli­zit. Das Gan­ze ist zwar ziem­lich dick auf­ge­tra­gen, aber von Kas­per nicht ohne ver­meint­li­che Logik vor­ge­tra­gen, wenn man des­sen Grund­the­se erkennt, laut der Katho­li­ken und Luthe­ra­ner eins wer­den sol­len, indem sich die katho­li­sche Kir­che pro­te­stan­ti­siert, denn – so ver­kün­det es Kas­per – Luther hat­te recht und die katho­li­sche Kir­che unrecht.

Mar­got Käß­mann, ehe­ma­li­ge EKD-Rats­vor­sit­zen­de und nun­meh­ri­ge Luther-Bot­schaf­te­rin, bedank­te sich für Kas­pers Blu­men, indem sie des­sen The­se auf­griff und ihrer­seits am 7. Mai im Osser­va­to­re Roma­no Papst Fran­zis­kus Blu­men streu­te, den sie als einen „Refor­ma­tor […] so wie Mar­tin Luther“ bezeichnete.

Verpönte „Rückkehrökumene“ spiegelverkehrt?

Was Kas­per vor­schlägt, wenn auch weni­ger direkt, ist nichts ande­res als die den Pro­te­stan­ten und pro­gres­si­ven, katho­li­schen Krei­sen so ver­pön­te „Rück­kehr­ö­ku­me­ne“, nur eben eine Rück­kehr­ö­ku­me­ne unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen. Da Luther recht hat­te, ergibt sich von selbst, daß die katho­li­sche Kir­che den Luthe­ra­ner hin­ter­her­zu­lau­fen habe, die Bring­schuld für die Ein­heit der Chri­sten also bei den Katho­li­ken liegt. So sagt es Kas­per nicht, meint es aber so.

Die histo­ri­schen luthe­ri­schen Gemein­schaf­ten umfas­sen welt­weit zusam­men 70 Mil­lio­nen Gläu­bi­ge, alle histo­ri­schen pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten zusam­men (Luthe­ra­ner, Refor­mier­te, Angli­ka­ner) rund 220 Mil­lio­nen, die katho­li­sche Kir­che aber 1,3 Mil­li­ar­den. Sol­len laut Kas­per die 200 Mil­lio­nen als eine Art „erleuch­te­te­re“ Spit­ze, die durch die katho­li­sche Fehl­ent­schei­dung gegen Luther vor 500 Jah­ren noch im Dun­keln leben­den 1,3 Mil­li­ar­den Katho­li­ken zum Licht führen?

Gewag­te Gedan­ken, gar eine Unter­stel­lung, oder nur die logi­sche Wei­ter­ent­wick­lung des von Kar­di­nal Kas­per in sei­nem Luther-Büch­lein auf 96 Sei­ten dar­ge­leg­ten Denkens?

„Kirchen“ nicht „Kirche“

Dem Kar­di­nal ist dabei durch­aus zu dan­ken, denn wer es noch nicht ver­stan­den haben soll­te, was seit 50 Jah­ren unter dem Begriff „Öku­me­ne“ gemeint ist, fin­det dar­in die erhel­len­de Auf­klä­rung. Der vage Begriff ver­birgt ein kla­res Pro­jekt, und das nicht nur für Kas­per. Wört­lich schreibt er: „Unter Öku­me­ne ver­steht man die gesam­ten bewohn­te Erd­ku­gel, daher also Uni­ver­sa­li­tät statt Par­ti­ku­la­ris­mus. Man kann auch sagen: Im Unter­schied zum Katho­li­zis­mus und dem Pro­te­stan­tis­mus, die in ihrem kon­fes­sio­nel­len Aspekt begrenzt sind, bedeu­tet Öku­me­ne die Wie­der­ent­deckung der ursprüng­li­chen Katho­li­zi­tät, die nicht durch einen kon­fes­sio­nel­len Gesichts­punkt ein­ge­schränkt ist.“

Dar­aus läßt sich fol­gern: Da Katho­li­zis­mus und Pro­te­stan­tis­mus, nach der Dik­ti­on Kas­pers,  neben­ein­an­der exi­stie­ren, ist kei­ner der bei­den wirk­lich uni­ver­sal. Um wirk­li­che Uni­ver­sa­li­tät zu errei­chen, müs­se der Kon­fes­sio­na­lis­mus über­wun­den wer­den, also der Par­ti­ku­la­ris­mus der katho­li­schen Kir­che, und dadurch Öku­me­ni­zi­tät errun­gen wer­den. Öku­me­ne meint dem­nach für Kas­per nur eine ande­re Art, die Uni­ver­sa­li­tät der christ­li­chen Bot­schaft zu benen­nen, aller­dings mit weit­rei­chen­den, ja revo­lu­tio­nä­ren Fol­gen für das Kir­chen­ver­ständ­nis. Die „Kir­che“ gibt es in Kas­pers Ver­ständ­nis nicht, jeden­falls nicht als katho­li­sche Kir­che. Es gibt nur „Kir­chen“, die gleich­wer­tig neben­ein­an­der­ste­hen und die alle gleich kon­fes­sio­nell und daher nicht uni­ver­sal sind. Alle sich christ­lich nen­nen­den Deno­mi­na­tio­nen sind dem­nach Par­ti­ku­lar­kir­chen oder „Teil­kir­chen“ der einen zu errei­chen­den uni­ver­sa­len Kir­che, die es aber (noch) nicht gibt. Alle „Kir­chen“ müs­sen daher, so Kas­per, „eine neben der ande­ren leben und eine der ande­ren entgegengehen“.

Rückkehr zum Konfessionalismus „wäre eine Katastrophe“

Martin Luther auf dem Totenbett
Mar­tin Luther auf dem Totenbett

Kas­per ist der Mei­nung, wie aus sei­nem Buch her­vor­geht, daß die so ver­stan­de­ne Öku­me­ne zwin­gend sei. Eine Rück­kehr zum Kon­fes­sio­na­lis­mus „wäre eine Kata­stro­phe“. Wer erin­nert sich da nicht an ver­gleich­ba­re, ja iden­ti­sche Argu­men­ta­ti­ons­mu­ster der Poli­tik? Die „Uni­ver­sa­li­tät“ der Poli­tik ist die Euro­päi­sche Uni­on und noch grö­ße­re Zusam­men­schlüs­se. Jede Rück­kehr zu klei­ne­ren Ein­hei­ten, zu den histo­risch, kul­tu­rell und eth­nisch gewach­se­nen Natio­nal­staa­ten „wäre eine Kata­stro­phe“. Ent­lehnt sich die Kir­che das Denk­mu­ster von der Poli­tik oder umge­kehrt? Oder sind bei­de Gedan­ken genu­in ana­log, oder ein­fach die respek­ti­ve Adap­tie­rung des Zeit­gei­stes auf den jewei­li­gen Bereich?

Auf die­se Fra­gen muß an die­ser Stel­le nicht geant­wor­tet wer­den. Der Hin­weis soll genü­gen, daß Kas­per selbst ein Kopie­ren welt­li­chen Den­kens andeu­tet, wenn er sein Rück­kehr­ver­bot zum Kon­fes­sio­na­lis­mus damit begrün­det, daß es andern­falls nicht mög­lich sein wer­de, gegen die „säku­la­re Öku­me­ne“ stand­zu­hal­ten, „die das Chri­sten­tum aus dem öffent­li­chen Bereich hin­aus­drän­gen möchte“.

Ist die Argu­men­ta­ti­on schlüs­sig? Kann die Kir­che, kann das Chri­sten­tum den Bestre­bun­gen der vor­herr­schen­den poli­ti­schen (und offen­bar auch nach Kas­pers Mei­nung nicht-christ­li­chen) Kräf­te zu über­na­tio­na­len Zusam­men­schlüs­sen, zum euro­päi­schen Ein­heits­staat, zum trans­at­lan­ti­schen Wirt­schafts­raum (TTIP) als Vor­stu­fe zu einem west­li­chen Ein­heits­staat bis hin zur Welt­re­gie­rung, nur dadurch ent­ge­gen­ge­tre­ten, daß die katho­li­sche Kir­che ihr über­lie­fer­tes Kir­chen­ver­ständ­nis und damit ihre Iden­ti­tät auf­gibt? Oder han­delt es sich nur um eine Ali­bi-Argu­men­ta­ti­on zur Durch­set­zung der eigent­lich ange­streb­ten Pro­te­stan­ti­sie­rung der katho­li­schen Kir­che? Bis­her wur­de nicht bekannt, daß sich Kas­per den poli­ti­schen Ein­heits­be­stre­bun­gen wider­set­zen würde.

So schreibt der Kar­di­nal: „Bei der christ­li­chen Öku­me­ne steht die Ein­heit der Kir­che, der Dienst an der Ein­heit und für den Frie­den der Welt auf dem Spiel. Es han­delt sich um einen uni­ver­sa­len Huma­nis­mus, der in Jesus Chri­stus begrün­det ist als neu­er und letz­ter Adam.“

Kaspers Ökumene-Kopfstand: „katholische Kirche ist nicht katholisch“

Das Denk­ge­rüst Kas­pers ist von einer bemer­kens­wer­ten Offen­heit und Klar­heit. Auch Ori­gi­na­li­tät kann man dem deut­schen Pur­pur­trä­ger nicht abspre­chen. Alles geht jedoch ein­sei­tig auf Kosten der katho­li­schen Über­lie­fe­rung und stellt daher Raub­bau am eige­nen Erbe dar. Kas­pers Den­ken besagt: Die Kir­che von Rom ist gar nicht katho­lisch, weil sich nicht uni­ver­sal ist. Sie ist kon­fes­sio­nell, genau­so wie jede ande­re christ­li­che Deno­mi­na­ti­on. Um die Katho­li­zi­tät wie­der­zu­ge­win­nen, braucht es das Zusam­men­ge­hen mit den ande­ren christ­li­chen „Kir­chen“, um einer „ver­söhn­ten Diver­si­tät“ Leben zu geben.

Die ver­schie­de­nen Abspal­tun­gen, zu denen es im Lauf der Geschich­te gekom­men ist, haben sich wie­der zusam­men­zu­fü­gen zu etwas Neu­em, denn solan­ge das nicht gesche­he, gebe es kei­ne „katho­li­sche“ Kir­che. Die Vor­aus­set­zung für die­ses Den­ken ist,daß jed­we­de sich christ­lich nen­nen­de Gemein­schaft als gleich­wer­ti­ger und unent­behr­li­cher Teil der „katho­li­schen“ Kir­che anzu­er­ken­nen ist. Ob das tat­säch­lich so wört­lich zu neh­men ist, sei dahin­ge­stellt. Viel­leicht begnügt sich Kas­per mit den histo­ri­schen pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten ohne Mor­mo­nen und Zeu­gen Jeho­vas. Der Blick auf die Evan­ge­li­ka­len ist dage­gen mit Sicher­heit fixiert.

Kaspers These das Gegenteil dessen, was die Kirche 2000 Jahre gelehrt hat

Was Kas­per in sei­nem Luther-Büch­lein aus­brei­tet, ist — soweit steht es fest — das genaue Gegen­teil des­sen, was die Kir­che seit 2000 Jah­ren lehrt. Trotz aller Häre­si­en und aller Angrif­fe, die in die­ser lan­gen Zeit gegen sie gerich­tet wur­den (dar­un­ter gera­de auch von Luther mit extre­mer Här­te), hat die Kir­che nie das Bewußt­sein ver­lo­ren, katho­lisch und daher uni­ver­sal zu sein. Sie ist die hei­li­ge, katho­li­sche, apo­sto­li­sche und römi­sche Kir­che. Das römisch im Namen ist ja kein Zufall, wie es Kas­per nahe­le­gen möch­te, indem er den Aspekt wie vie­le ande­re ein­fach aus­klam­mert. Rom ist die Welt, wie der fei­er­li­che Segen Urbi et Orbi bezeugt. Die Grä­ber der Apo­stel­für­sten Petrus und Pau­lus befin­den sich in Rom. Die­se römi­sche Beru­fung zur Uni­ver­sa­li­tät wur­de von den bei­den Apo­steln vollendet.

„Ihr seid alle durch den Glau­ben Söh­ne Got­tes in Chri­stus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Chri­stus getauft seid, habt Chri­stus (als Gewand) ange­legt. Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Chri­stus Jesus. Wenn ihr aber zu Chri­stus gehört, dann seid ihr Abra­hams Nach­kom­men, Erben kraft der Ver­hei­ßung“, schreibt Pau­lus im Brief an die Gala­ter 3,26–29.

„Die eine, hei­li­ge, katho­li­sche, apo­sto­li­sche, römi­sche Kir­che braucht nicht die Uni­ver­sa­li­tät wie­der­ge­win­nen, denn die­se ist ihr zu eigen, seid sie von Jesus Chri­stus gestif­tet wur­de. Sie ist die wah­re und ein­zi­ge Uni­ver­sa­li­tät auf Erden, um die sie ande­re Macht­zen­tren, reli­giö­se und mehr noch welt­li­che Macht­zen­tren aller­dings benei­den. Sie möch­ten auf der Asche der römi­schen, katho­li­schen Uni­ver­si­tät einen neu­en Typus von Uni­ver­sa­li­tät set­zen“, so die Histo­ri­ke­rin und Phi­lo­so­phin Ange­la Pel­lic­cia­ri, die selbst 2012 ein Buch über Mar­tin Luther vor­ge­legt hatte.

Seine persönliche Tragik machte Luther zur Tragik des deutschen Volkes

Die Tra­gik der Figur Mar­tin Luthers liegt auch dar­in, nicht nur die Kir­che, son­dern auch das deut­sche Volk gespal­ten zu haben, des­sen Geschich­te wie die kei­nes ande­ren durch die Spal­tung geprägt und gehemmt wur­de. Dazu kön­nen hier besten­falls Stich­wör­ter als Gedan­ken­an­re­gung ein­ge­wor­fen werden:

In der deut­schen Geschich­te und für das alte römisch-deut­sche Reich, dem welt­li­chen Pen­dant zur römi­schen Kir­che mit dem ent­spre­chen­den Uni­ver­sa­li­täts­an­spruch des Kai­sers, setz­te Luther einen Nie­der­gang in Bewe­gung, von dem es sich nicht mehr erhol­te, und der 1806 schließ­lich in der Sistie­rung des alten Rei­ches ende­te, als eine gan­ze neue Ord­nung, kei­ne katho­li­sche Ord­nung mehr, sich an die Stel­le der alten Ord­nung setz­te, die durch Luther unwie­der­bring­lich geschwächt war. Auch die Auf­klä­rung, in ihrem kir­chen­feind­li­chen und in ihrem (in der radi­ka­le­ren Form) reli­gi­ons­feind­li­chen Aspekt, läßt sich ohne die Fol­gen der „Refor­ma­ti­on“ und der dar­aus ent­stan­de­nen blu­ti­gen, krie­ge­ri­schen Kon­flik­te nicht erklä­ren. Die Schwä­che des römisch-deut­schen Reichs bedeu­tet die Schwä­chung der Mit­te Euro­pas, die Deutsch­land in jene unglück­li­che Lage brach­te, an der sie im 19. und 20. Jahr­hun­dert litt mit all den damit ver­bun­de­nen Verwerfungen.

Im Lau­fe der Geschich­te wur­de viel in Luther hin­ein­in­ter­pre­tiert, von pro­te­stan­ti­scher Sei­te, aber auch von staat­li­cher Sei­te, als er als „Natio­nal­sym­bol“ des klein­deut­schen, zwei­ten Rei­ches ver­ein­nahmt wurde.

Das Erbe und die Spal­tung bela­sten das deut­sche Volk seit 500 Jah­ren. So gese­hen, sind die Bestre­bun­gen Kas­pers, der aus die­sem Volk stammt, zu einer Über­win­dung ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar. Nicht ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar ist der Weg, den er dazu beschrit­ten hat. Es ist zu dün­nes Eis, auf das der Kar­di­nal die katho­li­sche Kir­che füh­ren will.

1975 schrieb der Kir­chen­recht­ler Georg May in sei­nem Auf­satz „Der Öku­me­nis­mus als Hebel der Pro­te­stan­ti­sie­rung der katho­li­schen Kirche“:

„Das unge­heu­re Unheil, das der Pro­te­stan­tis­mus über die Erde gebracht hat, und die Aggres­si­vi­tät gegen die katho­li­sche Kir­che, die er bis zur Stun­de über­all zeigt, wo die Kir­che nicht sei­ne Geschäf­te besorgt, wur­den über­gan­gen. Die­sen Feh­ler der Kon­zils­vä­ter muß die Kir­che teu­er bezahlen.
Die Begei­ste­rung des Pro­te­stan­tis­mus für den Öku­me­nis­mus nimmt aber regel­mä­ßig dort sofort ein Ende, wo von ihm ein Ent­ge­gen­kom­men gegen­über der katho­li­schen Kir­che oder gar die Über­nah­me katho­li­scher Leh­ren erwar­tet wird. Es ist kein ein­zi­ger Fall bekannt, in dem der Pro­te­stan­tis­mus eine inter­kon­fes­sio­nel­le Zusam­men­ar­beit betrie­ben hät­te, die zu sei­nen Ungun­sten aus­ge­schla­gen wäre. Für die katho­li­sche Kir­che ist letz­te­res die Regel.“

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons

9 Kommentare

  1. Wes­halb wird Kar­di­nal Kas­per nicht ein­fach sel­ber pro­te­stan­tisch (fak­tisch ist er das doch schon) und lasst er die rich­ti­gen Katho­li­ken in Frieden.

    • Weil das deut­sche Epi­sko­pat sich schein­bar beru­fen fühlt die katho­li­sche Kir­che in ein neu­es Zeit­al­ter zu füh­ren, sprich, sie haben es sich weit­räu­mig zur Auf­ga­be gemacht den Katho­li­zis­mus ganz ein­fach zu unter­gra­ben und letzt­lich zu ver­nich­ten. Das geht nur von innen, von außen, also in dem Fall von pro­te­stan­ti­scher Sei­te, wäre die­ses Unter­neh­men zum Schei­tern ver­ur­teilt; die Zer­stö­rung von innen her­aus ist sehr viel­ver­spre­chend- trau­rig, trau­rig, traurig!

  2. „.….…als ursprüng­lich beab­sich­tigt in Schwe­den blei­ben wird, um sich auch mit den Katho­li­ken des Lan­des zu tref­fen und mit ihnen eine Hei­li­ge Mes­se zu feiern.!“

    Beacht­lich, das er sich dazu her­ab­laesst, da sein Haupt­pro­gramm mit ande­ren Din­gen schon bis oben­hin voll ist.

    „Kas­per: Luther „für eini­ge Katho­li­ken fast ein Kirchenvater“
    Stimmt genau, nur sind das kei­ne Katho­li­ken mehr.

  3. Dan­ke für die­se pro­fun­de Analyse!

    Man hat den Ein­druck, daß sich seit dem Amts­an­tritt von Papst Fran­zis­kus Kar­di­nä­le und Bischö­fe plötz­lich irgend­wie „ver­rückt“ gerieren. 

    In die­sem Sinn ist es nicht unlo­gisch, daß Mar­tin Luther, den man ohne Umschwei­fe als Psy­cho­pa­then bezeich­nen kann (Albert Mock, Abschied von Luther u. a.), auch auf dem Gebiet der psy­cho­lo­gi­schen Ver­wer­fun­gen sei­ne Nach­ah­mer und Nach­fol­ger fin­det, allen vor­an Kar­di­nal Kasper. 

    Es ist ange­sichts der Kas­per­schen Ein­las­sun­gen gespen­stisch zu sehen, wie der Glau­bens­ab­fall das gan­ze See­len­ge­fü­ge zer­rüt­tet und die Per­sön­lich­keit auflöst.

  4. Ein äusserst gedie­ge­ner Artikel.
    Frap­pie­rend ist, wie Kar­di­nal Kas­per hier breit mit Geschichts­klit­te­rung (Stand deut­sche Grund­schu­le 1936- also vor 80 Jah­ren) argu­men­tiert und zugleich den reli­gi­ons­li­ier­ten deut­schen Tun­nel­blick benutzt.
    Bei­des ist für einen erfah­re­nen und bele­se­nen Kar­di­nal der lan­ge im Vati­kan für die Ver­bin­dung mit den ande­ren kon­fes­sio­nen zustän­dig war, ein unver­zeih­li­cher Fehler.
    Die brei­te und tie­fe Reform­be­stre­bun­gen im katho­li­schen Raum am Anfang der Renais­sance und im Herbst­zeit des Mit­tel­al­ters wer­den unter­schla­gen, die ober­rhei­ni­sche und niederländischsprachige/niederrheinische Refor­men vergessen,
    die par­al­le­le refor­ma­to­ri­sche Ent­wick­lun­gen im Schwei­zer Raum (gera­de für einen Groß­teil des Gebiets der Dio­zö­se Rot­ten­burg war Zwing­li äusserst wich­tig) ebenso.
    Luther fußt noch ganz im Mit­tel­al­ter- die ande­re Refor­ma­to­ren gehö­ren schon ideen­mä­ßig zu der Neu­zeit, allen vor­an Cal­vin, der auch — sehr pein­lich für deut­sche Ohren- einen viel grö­ße­ren Impakt hat.
    Cal­vin erar­bei­tet in Gegen­satz zu Luther einen neu­en, total ande­ren Kir­chen­be­griff und eine neu­ar­ti­ge Kir­chen­ord­nung, die welt­weit viel erfolg­rei­cher ist.
    Die Wie­der­täu­fer und die Men­no­ni­ten haben in der Kasper’schen Denk­welt kei­nen Platz.
    Sehr inter­es­sant ist, daß bei der jet­zi­gen gan­zen Luther­fi­xie­rung (und ich möch­te fast sagen:-hysterie) der „bra­ve“ Melan­chthon total ver­ges­sen wird, der das Gepol­ter von Luther und die nicht sel­ten kurio­se Anwen­dung des­sen Aus­sa­gen und Ideen theo­lo­gisch und diplo­ma­tisch-poli­tisch zurecht­bie­gen mußte.
    Die Pro­te­stan­ten waren in der Geschich­te schon intel­li­gen­ter und gebildeter. 

    Kein Wun­der, daß Mar­got Käß­mann an den The­sen von Wal­ter Kas­per gefal­len gefun­den hat.
    Hier kann ich ihr mit Eras­mus nur wün­schen: „Spar­tam nactus,hanc orna“.

    • Sie sagen es, hoch­ver­ehr­ter Adri­en Antoine,
      Luther war nicht der gro­ße Theo­lo­ge, für den er oft gehal­ten wird. Die Zeit Luthers war geprägt von Kon­fu­si­on, Karl V. hat­te 1527 Rom vor den Augen des Pap­stes plün­dern las­sen. Die Habs­bur­ger waren nicht unbe­dingt beliebt, was dann für Luther vor­teil­haft sein soll­te, als sich ein Teil der deut­schen Für­sten von der abso­lu­ten Macht des Kai­sers zu lösen such­ten. Schon immer neig­te zudem die welt­li­che Macht dazu, sich den Glau­ben Unter­tan zu machen. Luther war dabei sehr behilf­lich und Zwing­li hat es büßen müssen.

      Aber vor der „Theo­lo­gie“ eines Kar­di­nal Kas­per muss ich Luther dann doch in Schutz neh­men, der es nie­mals gewagt hät­te, die Schrift als blo­ßes Pro­dukt eines geschicht­li­chen Zeit­ab­schnitts anzu­se­hen. Ihm ging es in der Tat um das Authen­ti­sche der Schrift, also um ihren Offen­ba­rungs­cha­rak­ter. Kar­di­nal Kas­per macht aus Offen­ba­rung einen dia­lek­ti­schen Pro­zess, der Wahr­heit ins Rela­ti­ve auf­löst. Schon Luther däm­mer­te, dass die Frei­heit des Chri­sten­men­schen da endet, wo sie sich im Gewirr unend­li­cher Inter­pre­ta­tio­nen auflöst.

      Dass gera­de deut­sche katho­li­sche Bischö­fe eine gro­ße Zunei­gung zu Luther pfle­gen, hängt nicht zuletzt mit dem Kon­kor­dat zusam­men, hat sich doch damit eine staat­lich geform­te Teil­kir­che eta­bliert, die selbst­ge­nüg­sam an staat­li­cher Macht zu par­ti­zi­pie­ren sucht. Man sei schließ­lich kei­ne Filia­le Roms ließ tref­fend Kar­di­nal Marx den besorg­ten Pro­te­stan­ten in der katho­li­sche Kir­che wissen. 

      Ja und da Papst Fran­zis­kus für alles und nichts ver­ein­nahmt wer­den kann, will Kar­di­nal Kas­per natür­lich nicht die Gele­gen­heit ver­säu­men, Luther nach­träg­lich zum Papst zu machen.

  5. Wie sich die bei­den Bil­der doch gleichen?
    Kar­di­nal Kas­per ist der Schü­ler eines vom katho­li­schen Glau­ben abge­fal­le­nen Theo­lo­gen mit Namen Küng. Was kann man da ande­res erwar­ten. Lei­der wählt Papst Fran­zis­kus die fal­schen Bera­ter und schiebt das Kern­kli­en­tel der Katho­li­ken bei­sei­te. Mar­tin Luther flüch­te­te ins Klo­ster nach einem Duell, da er sich vor Gericht ver­ant­wor­ten muss­te, nach Aus­sa­ge von Graf Bran­den­stein Zep­pe­lin ( Das Got­tes­bild von Mar­tin Luther, 5 Fol­gen). Ausser­dem ein inter­es­san­tes Video von Alma von Stock­hau­sen „Das Kern­pro­blem Mar­tin Luthers“. Dazu fol­gen­der Link: http://www.bing.com/videos/search?q=alma+von+stockhausen+luther&FORM=HDRSC3

    Mar­tin Luther war ein Spal­ter und Kar­di­nal Kas­per ver­sucht die Kir­che zu zer­stö­ren. Das wird ihm jedoch nicht gelin­gen. Jesus lebt und wirkt in sei­ner Kirche.

  6. Wenn auch vie­les mit Recht zu kri­ti­sie­ren war an der katho­li­schen Kir­che dazu­mal, so nahm aber Luther ‑so scheint mir- die­se Situa­ti­on nur zum Anlass, an sich selbst und sein eige­nes Wohl zu den­ken als an das Wohl der Kirche.

  7. Ist es tat­säch­lich denk­bar, dass Kar­di­nal Kas­per die Ein­ma­lig­keit und Iden­ti­tät der katho­li­schen Kir­che für eine Idee auf­zu­ge­ben bereit wäre?
    Nicht er hat die Kir­che gestif­tet, son­dern Jesus Chri­stus. ER ist der Herr!
    Kar­di­nal Kas­per ist nicht mehr der Jüng­ste. Wie will er da mit sol­chen Gedan­ken­spie­len ein­mal vor den Rich­ter tre­ten und wie dann sei­ne Hal­tung vor Ihm rechtfertigen?

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