Dompfarrer parkt sein Auto in der Kathedrale

Dompfarrer parkte Auto (aus Sicherheits- oder Arbeitsgründen?) in der Kathedrale
Dompfarrer parkte Auto (aus Sicherheits- oder Arbeitsgründen?) in der Kathedrale

(Rom) Die Kir­chen­kri­se wird häu­fig mit dem schwin­den­den Ver­ständ­nis für das Hei­li­ge in Zusam­men­hang gebracht. Nach dem Prie­ster und Lei­ter des Amtes für Fami­li­en­pa­sto­ral der Erz­diö­ze­se Paler­mo, der einen der erbit­tert­sten Fein­de der Kir­che zu den Altä­ren erhe­ben möch­te und gleich­zei­tig Kar­di­nal Ange­lo Bag­nas­co, dem Vor­sit­zen­den der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz den Tod wünscht, lie­fert die Mit­tel­meer­in­sel Sizi­li­en eine wei­te­re kurio­se Schlag­zei­le.

Aus „Sicher­heits­grün­den“ parkt ein sizi­lia­ni­scher Dom­pfar­rer sein Auto in der Kathe­dra­le sei­ner Diö­ze­se.

Auf Face­book wur­den kurio­se Pho­tos ver­öf­fent­licht. Sie zei­gen den PKW des Dom­pfar­rers Gaeta­no Cana­l­el­la im Kir­chen­schiff der Kathe­dra­le San­ta Maria La Nova von Cal­ta­nis­set­ta geparkt. Das Auto steht zwar direkt hin­ter dem Haupt­por­tal, jedoch im Mit­tel­gang des Haupt­schif­fes.

„Welches Sakrileg denn? Es war notwendig“

Der Dom­herr fin­det nichts Anstö­ßi­ges dar­an. Zum unge­wöhn­li­chen Park­platz von Meri­dio News befragt, gab Msgr. Cana­l­el­la gestern zur Ant­wort: „Wel­ches Sakri­leg denn? Das ist doch etwas Bana­les.“

Der Dom­pfar­rer recht­fer­tig­te sei­ne Park­pra­xis dann mit den Wor­ten: „Wor­über reden wir denn hier? Wenn man in Ruhe dar­über nach­denkt, ist da nichts Entsa­kra­li­sie­ren­des. Wir müs­sen die Glocken repa­rie­ren und brauch­ten Son­der­werk­zeug.“ Auf die Fra­ge, ob es denn nicht mög­lich gewe­sen wäre, das Werk­zeug in die Kir­che zu tra­gen, ant­wor­te­te der Prie­ster: „Nein, das war nicht mög­lich.“

Caltanissetta Dom Auto geparkt
Cal­ta­nis­set­ta: Dom als Gara­ge

Domherr Canalellas Sicherheitsbedürfnis

In Cal­ta­nis­set­ta gibt es noch eine ande­re Erklä­rung für die Park­pra­xis des Dom­pfar­rers, die als glaub­wür­di­ger gilt. Der Mon­si­gno­re ver­fü­ge über kei­ne Gara­ge. Das Auto auf der Stra­ße ste­hen­zu­las­sen, hal­te er für zu gefähr­lich. Aus Angst vor Auto­die­ben (oder der Mafia?) par­ke er daher sei­nen PKW „sicher­heits­hal­ber“ im Dom.

Don Cana­l­el­la ist Jahr­gang 1953. 1980 wur­de er zum Prie­ster des Bis­tums geweiht und 1999 zum Kaplan Sei­ner Hei­lig­keit ernannt. Er gehört dem Prie­ster­rat und dem Dom­ka­pi­tel des Bis­tums Cal­ta­nis­set­ta an.

Die heu­ti­ge Kathe­dra­le des Bis­tums wur­de ab 1570 über einer älte­ren Mari­en­kir­che errich­tet. Die Fres­ken des Kir­chen­schif­fes und das Bild des Hoch­al­tars schu­fen der flä­mi­sche Maler Wil­helm Bor­rem­ans und sein Sohn, die haupt­säch­lich im König­reich Bei­der Sizi­li­en wirk­ten.

Kir­chen­pa­tro­ne sind die Got­tes­mut­ter Maria und der Erz­engel Micha­el. Bei­de waren bereits Patro­ne der älte­ren Erz­pfar­rei San­ta Maria La Vete­re, die im 11. Jahr­hun­dert am Beginn der Nor­man­nen­zeit errich­tet wor­den war, und spä­ter Hof­kir­che der stau­fi­schen Pfalz wur­de.

Anfang des 17. Jahr­hun­derts wur­de die neue Mari­en­kir­che zur Haupt­kir­che der Stadt. Nach der Errich­tung des Bis­tums Cal­ta­nis­set­ta wur­de sie zur Kathe­dra­le erho­ben. Die älte­re Mari­en­kir­che wur­de seit 1622 vom Fran­zis­ka­ner­or­den betreut.

Als nach der Eini­gung Ita­li­ens von den neu­en Macht­ha­bern 1873 alle reli­giö­sen Orden auf­ge­ho­ben wur­den, wur­de auch die älte­re Mari­en­kir­che pro­fa­niert. Sie dien­te als Kran­ken­haus und Mili­tär­ka­ser­ne, bis sie dem Ver­fall preis­ge­ge­ben wur­de und 1964 das Dach ein­stürz­te. Nach ersten Siche­rungs­ar­bei­ten in den 1970er Jah­ren wur­de sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zum Teil restau­riert.

Ihre künf­ti­ge Nut­zung ist noch unge­klärt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Facebook/Wikicommons (Screen­shot)

4 Kommentare

  1. Es gibt wirk­lich nichts was es nicht gibt!
    Bei einem BMW Isset­ta hät­te man in Cal­ta­nis­set­ta viel­leicht gera­de noch ein Auge zu gedrückt.…

  2. Wahr­schein­lich kennt der Dom­pfar­rer das Ver­hält­nis sei­ner Schäf­chen zum VII. Gebot nur zu gut.

  3. In einer Kir­che soll es nach Weih­rauch rie­chen und nicht nach Abgaese.Ist ueb­ri­gens auch sehr schlecht fuer die Fres­ken.

  4. „Wel­ches Sakri­leg denn? Das ist doch etwas ganz Bana­les.“
    Nun ja:
    Im Frühjahr/Frühsommer 2013 wur­de breit berich­tet von einem alten weiß-bei­gem Renault4, womit Fran­zis­kus in dem Vati­ka­ni­schen Gär­ten und auf dem Peters­platz her­umtaf­fel­te; dem­entspre­chen­de Fotos die­ses Gefährts unter den Kolon­na­den (und nach der flä­misch-kon­ser­va­ti­ven Blog­spot­si­te kavlaanderen.blogspot.be auch in/ direkt am Peters­dom) wur­den welt­weit publi­ziert.
    Vor etwa 12 Mona­ten hat ein sehr bis­si­ge und kri­ti­sche Kom­men­ta­tor mir die Ver­brei­tung von Lügen vor­ge­wor­fen, weil ich hier­nach refe­riert habe.
    Das sei alles erfun­den gewe­sen.
    Und jetzt hat der moder­ni­sti­sche Mon­si­gno­re Gaeta­no Cana­l­el­la tat­säch­lich einen wei­ßen Citroên in die Kathe­dra­le San­ta Maria La Nova in Cal­ta­niset­ta hin­ein­bug­siert.
    Das Row­dy­tum der Moder­ni­sten unter Fran­zis­kus oder Autos in Kir­chen: QeD (quod erat demon­stran­dum).

    Lie­be @Anjali, ich hof­fe und bete daß die Fres­ken von Bor­rem­ans kei­nen scha­den erlit­ten haben.

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