Gender-Diktat am Beispiel Nord Carolina

Daniel Schulman, Homo-Aktivist und PayPal-Chef
Daniel Schulman, Homo-Aktivist und PayPal-Chef

(Washing­ton) In den USA ist der Ver­such im Gan­ge, ein regel­rech­tes Gen­der-Dik­tat zu eta­blie­ren. Die Staa­ten wer­den dar­an gehin­dert eine Gesetz­ge­bung zum Schutz der Fami­lie zu ver­ab­schie­den oder umzu­set­zen. Noch schwe­rer tut sich der Sou­ve­rän, ein­mal erlas­se­ne, absur­de und gefähr­li­che Anti-Dis­kri­mi­nie­rungs­be­stim­mun­gen wie­der außer Kraft zu set­zen.

Konzerne und Stiftungen — intransparent und ohne demokratische Legitimation

Der Staat Geor­gia wur­de gezwun­gen, sei­nen Free Exer­cise Pro­tec­tion Act zurück­zu­zie­hen. Nicht etwa weil das Volk das so woll­te, son­dern weil inter­na­tio­na­le Groß­kon­zer­ne und Finanz­un­ter­neh­men droh­ten. Eini­ge von ihnen spie­len sich immer mehr als Akteu­re auf der poli­ti­schen Büh­ne auf. Da sie kei­nen demo­kra­ti­schen Spiel­re­geln ver­pflich­tet sind, blei­ben die Mei­nungs­bil­dung eben­so undurch­sich­tig wie in der Regel die Besitz­ver­hält­nis­se. Wer letzt­lich wirk­lich das Sagen hat und von die­ser Stel­lung auch Gebrauch macht, um zu bestim­men, daß ein Kon­zern plötz­lich als gen­der-ideo­lo­gi­scher Akteur auf­tritt oder für die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung aktiv wird, ent­zieht sich der Trans­pa­renz. Auf­grund ihrer öko­no­mi­schen Bedeu­tung kön­nen die­se Kon­zer­ne ein Gewicht in die Waag­scha­le legen, das Durch­schnitts­po­li­ti­ker schnell in die Knie gehen läßt. Die anson­sten geprie­se­ne Demo­kra­tie und ihre Regeln sind dann eben­so schnell ver­ges­sen.

Das gilt auch für die Pri­vat­stif­tun­gen eini­ger Mul­ti­mil­li­ar­dä­re. Bei ihnen weiß man meist, aller­dings nicht immer, wer dahin­ter­steckt. Die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on ihrer teils mas­si­ven poli­ti­schen Inter­ven­tio­nen ist in hohem Maße frag­wür­dig. Die drei wahr­schein­lich finanz­kräf­tig­sten Stif­tun­gen von Bill und Melin­da Gates, Geor­ge Soros und War­ren Buf­fett, die ideo­lo­gisch ziem­lich ident auf der poli­ti­schen Büh­ne agie­ren, kön­nen mit ihrem Geld, und mit den damit auf­ge­bau­ten Netz­wer­ken, welt­weit mehr Ein­fluß aus­üben, als sich der Durch­schnitts­bür­ger vor­zu­stel­len ver­mag. Sie kön­nen Kam­pa­gnen orga­ni­sie­ren, Jour­na­li­sten auf ihre Gehalts­li­ste set­zen und die Kar­rie­re von Poli­ti­kern spon­sern. Jüng­stes Bei­spiel ist Emma­nu­el Macron in Frank­reich. Vor allem aber haben sie — auf­grund ihres Gel­des — ein enor­mes Gewicht, das ihnen von Poli­ti­kern zuge­bil­ligt wird. Dabei reprä­sen­tie­ren die genann­ten Stif­tun­gen kei­nen auch nur irgend­wie in Pro­zen­ten meß­ba­ren Teil der Gesell­schaft. Sie ver­tre­ten letzt­lich nur die Mei­nung von Bill und Melin­da Gates, Geor­ge Soros und War­ren Buf­fett. Ihre demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on steht in kei­nem Ver­hält­nis zu ihrem Gewicht und ihrer akti­ven Ein­fluß­nah­me.

Google, Apple, Facebook, IBM …

In Geor­gia waren es die bei­den „Gro­ßen“ im Film- und Kino-Geschäft, Dis­ney und Mar­vel, die den Staat in die Knie zwan­gen. Nun ist Nord Caro­li­na an der Rei­he. Die Homo­se­xu­el­len, zah­len­mä­ßig unbe­deu­tend, wer­den durch die Unter­stüt­zung gro­ßer Kon­zer­ne und Stif­tun­gen zum Gigan­ten.

Der Staat Nord Caro­li­na hat es gewagt, den Zugang zu öffent­li­chen Toi­let­ten nach dem bio­lo­gi­schen Geschlecht zu regeln. Die Maß­nah­me soll­te den Druck von öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen wie Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten neh­men, den Homo-Grup­pen erzeu­gen, die nach Geschlecht getrenn­ten Toi­let­ten abzu­schaf­fen. Der Gesetz­ge­ber ver­ord­ne­te, daß an öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen getrenn­te Toi­let­ten bei­zu­be­hal­ten oder zu schaf­fen sind, und die Toi­let­ten gemäß bio­lo­gi­schem Geschlecht zu benüt­zen sind.

Am ver­gan­ge­nen 23. März ver­ab­schie­de­te das Staats­par­la­ment am Ende des des regu­lä­ren demo­kra­ti­schen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens mit gro­ßer Mehr­heit die soge­nann­te Hou­se Bill 2. Im Reprä­sen­tan­ten­haus stimm­ten mehr als drei Vier­tel der Abge­ord­ne­ten dafür, im Senat erfolg­te das Votum ein­hel­lig mit 32 Ja-Stim­men bei elf Ent­hal­tun­gen.

Die Wil­lens­be­kun­dung des Par­la­ments ist zwar ein­deu­tig aus­ge­fal­len und spie­gelt die Volks­mei­nung wider, miß­fällt aber bestimm­ten Kräf­ten. So erhob sich dage­gen ein Sturm des Pro­te­stes, der von Unter­neh­mens­gi­gan­ten wie Goog­le, Apple, Face­book, IBM und Ame­ri­can Aire­li­nes ange­führt wird. Sie star­te­ten einen öffent­li­chen Appell an den repu­bli­ka­ni­schen Gou­ver­neu­re von Nord Caro­li­na, Pat McCro­ry, und ver­lan­gen von ihm die sofor­ti­ge Zurück­nah­me des Geset­zes. Die Begrün­dung: Das Gesetz „schä­di­ge und dis­kri­mi­nie­re“ die Ange­stell­ten und die Geschäf­te die­ser Kon­zer­ne. Eine von Juri­sten im Auf­trag der Unter­neh­men aus­ge­tüf­tel­te For­mu­lie­rung, die bereits erstaun­li­che Erfol­ge zei­tig­te und den Kon­zer­nen eine fak­ti­sche Mit­spra­che bei Bun­des- oder Staats­ge­set­zen, aber auch Ver­wal­tungs­be­stim­mun­gen ein­räumt.

Die Absicht von Gou­ver­neur McCro­ry war es, laut eige­ner Anga­be, mit dem neu­en Gesetz eine „untrag­ba­re Situa­ti­on von Anar­chie und Cha­os“ zu been­den. Im Vor­mo­nat hat­te Char­lot­te, die größ­te Stadt des Staa­tes, eine Bestim­mung erlas­sen, die es im Namen der Nicht-Dis­kri­mi­nie­rung Trans­gen­dern erlaub­te, die Toi­let­ten nach ihrem „psy­cho­lo­gisch gefühl­ten“ Geschlecht auf­zu­su­chen. Die­sen ideo­lo­gi­schen Blü­ten woll­te Gou­ver­neur McCro­ry einen Rie­gel vor­schie­ben.

NBA, PayPal, Obama und das Diktat

Die Reak­tio­nen auf das neue Staats­ge­setz lie­ßen nicht auf sich war­ten. Die Natio­nal Bas­ket­ball Asso­cia­ti­on (NBA) unter ihrem Vor­sit­zen­den Adam Sil­ver, die seit ihrer Grün­dung 1946 der Demo­kra­ti­schen Par­tei nahe­steht, teil­te mit, daß Char­lot­te kate­go­risch als Aus­tra­gungs­ort für die All-Star Game 2017 aus­ge­schlos­sen wur­de. Der näch­ste Schlag kam vom Inter­net-Bezahl­sy­stem Pay­Pal, das mit­tel Pres­se­er­klä­rung bekannt­gab, eine beab­sich­tig­te Inve­sti­ti­on von 3,6 Mil­lio­nen US-Dol­lar in Nord Caro­li­na zu strei­chen, mit denen 400 Arbeits­plät­zen geschaf­fen wer­den soll­ten.

Pay­Pal-Vor­stands­vor­sit­zen­der Dani­el Schul­man, selbst seit sei­ner Stu­den­ten­zeit Homo-Akti­vist, gab fol­gen­de Stel­lung­nah­me ab:

„Die Ent­schei­dung spie­gelt die grund­le­gend­sten Wer­te von Pay­Pal wie­der und die feste Über­zeu­gung, daß jede Per­son das Recht ha, tmit Wür­de und Respekt gleich behan­delt zu wer­den. Die­se Grund­sät­ze der Gerech­tig­keit, der Inklu­si­on und Gleich­heit bil­den die Grund­la­ge für das, was wir zu errei­chen ver­su­chen. Wäh­rend wird einen alter­na­ti­ven Stand­ort für unse­re Inve­sti­tio­nen suchen, wer­den wir in engem Kon­takt mit der LGBT-Gemein­schaft von Nord Caro­li­na blei­ben, um die­ses dis­kri­mi­nie­ren­de Gesetz zu bekämp­fen.“

Jene, die nach Demokratie rufen und sie selbst mißachten

Nord Caro­li­na wird von eini­gen der größ­ten Unter­neh­men des US-ame­ri­ka­ni­schen und inter­na­tio­na­len Mark­tes regel­recht erpreßt. Glei­ches tut US-Prä­si­dent Oba­ma, der eben­falls aktiv wur­de und den Staat mit dem Rücken an die Wand stell­te. Oba­ma, der Deus ex machi­na des Hom­se­xua­li­sie­rungs­pro­zes­ses in den USA und inter­na­tio­nal, droh­te Gou­ver­neur McCro­ry die Bun­des­mit­tel zu strei­chen, soll­te er das Gesetz nicht inner­halb kur­zer Zeit wie­der auf­he­ben. Oba­ma hat­te am 8. April 2015 im Wei­ßen Haus den ersten „all-gen­der-restroom“ eröff­nen las­sen. Sei­ne Inter­ven­ti­on erstaun­te daher nicht. Die Bru­ta­li­tät sei­ner Inter­ven­ti­on hin­ge­gen schon.

Ob das Ver­hal­ten der Kon­zer­ne oder das Ver­hal­ten Oba­mas, gemein­sam ist ihnen, daß die demo­kra­ti­schen Spiel­re­geln igno­riert und die legi­ti­men Insti­tu­tio­nen miß­ach­tet wer­den. Von erpres­se­ri­schem Druck ist die Rede, weil die genann­te Ein­fluß­nah­me in Form eines Dik­tats erst nach Abschluß des ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens erfolg­te.

Die Kam­pa­gne gegen Nord Caro­li­na zeigt eine tota­li­tä­re und into­le­ran­te Ein­fluß­nah­me, die ihren Wil­len über Par­la­ment und gel­ten­des Recht hin­weg dik­tie­ren will. „Das ist wirk­lich eine inak­zep­ta­ble Dis­kri­mi­nie­rung, die es zu bekämp­fen gilt“, so Osser­va­to­rio Gen­der.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na