Priestergemeinschaft Sankt Martin bestätigt Generaloberen

Priestergemeinschaft Sankt Martin
Priestergemeinschaft Sankt Martin

(Paris) Das Gene­ral­ka­pi­tel der Prie­ster­ge­mein­schaft Sankt Mar­tin (Com­mu­n­au­té Saint-Mar­tin) bestä­tig­te Abbé Paul Préaux für ein wei­te­res Man­dat von sechs Jah­ren als Gene­ral­mo­de­ra­tor (Gene­ral­obe­ren). Das Gene­ral­ka­pi­tel tag­te am 4./5. April.

Ein vor­dring­li­ches Ziel der neu­en Amts­zeit sei die von Rom gewünsch­te Ein­füh­rung eines Pro­pä­deu­ti­kums, um die Semi­na­ri­sten auf ihre Eig­nung zu prü­fen. Zudem sol­len die Bedürf­nis­se der Bischö­fe stär­ker bei der Prie­ster­aus­bil­dung berück­sich­tigt wer­den, um den „inter­na­tio­na­len Cha­rak­ter der Gemein­schaft mit­tel­fri­stig“ aus­zu­bau­en, wie es in einer Erklä­rung der Prie­ster­ge­mein­schaft heißt.

Vier Bischöfe, 94 Priester, 104 Diakone und Seminaristen

Die Prie­ster­ge­mein­schaft Sankt Mar­tin wur­de 1976 von Abbé  Jean-Fran­çois Gué­rin (1929–2005) gegrün­det. Gué­rin war Prie­ster des Erz­bis­tums Tours in Frank­reich, aber auch Obla­te der alt­ri­tu­el­len Bene­dik­ti­ner­ab­tei Font­gom­bault. Das erklärt das Cha­ris­ma der von ihm gegrün­de­ten Prie­ster­ge­mein­schaft. Sie zele­briert im neu­en Ritus jedoch in latei­ni­scher Spra­che mit Gre­go­ria­ni­schem Cho­ral und ad Deum, also ohne Volks­al­tar. Die Gemein­schaft stellt damit eine Son­der­form unter den neu­ri­tu­el­len Gemein­schaf­ten dar. Zur beson­de­ren Pfle­ge der Lit­ur­gie gehört auch das gemein­schaft­li­che Chor­ge­bet. Obwohl es sich um eine Gemein­schaft von Welt­prie­stern han­delt, ist die Spi­ri­tua­li­tät stark bene­dik­ti­nisch geprägt.

Die erste kirch­li­che Aner­ken­nung erfolg­te 1979 durch den dama­li­gen Erz­bi­schof von Genua, Giu­sep­pe Kar­di­nal Siri. Das Gene­ral­haus wur­de 1993 nach Frank­reich ver­legt. 2000 erfolg­te die päpst­li­che Aner­ken­nung. Die Gemein­schaft unter­steht der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on. Das Schwer­ge­wicht der Gemein­schaft liegt in Frank­reich, wo sie in fünf­zehn Diö­ze­sen ver­tre­ten ist. Wei­te­re Nie­der­las­sun­gen gibt es in Ita­li­en und auf Kuba.

Die Gemein­schaft zählt heu­te 94 Prie­ster und mehr als 100 Semi­na­ri­sten. Vier Ange­hö­ri­ge der Prie­ster­ge­mein­schaft wur­den zu Bischö­fen geweiht, dar­un­ter der amtie­ren­de Bischof von Bayon­ne, Msgr. Marc Ail­let, der amtie­ren­de Bischof von Pamiers, Msgr. Jean-Marc Eychen­ne, und Titu­lar­bi­schof Msgr. Nico­las The­venin, der­zeit Apo­sto­li­scher Nun­ti­us für Guatemala.

Interesse an der Abtei Weingarten

2009 woll­te die Gemein­schaft die von den Bene­dik­ti­nern auf­ge­las­se­ne Abtei Wein­gar­ten besie­deln. Das Klo­ster mit der Blut­re­li­quie liegt auf einem Mar­tins­berg. Mit ein Grund, wes­halb die fran­zö­si­sche Prie­ster­ge­mein­schaft Inter­es­se bekun­det. Die ent­spre­chen­den Ver­hand­lun­gen mit der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart sind seit­her zwar nicht abge­bro­chen, haben aber noch kein Ergeb­nis erbracht. Im Bis­tum „gibt es Zwei­fel“ an der „Eig­nung“ der Gemein­schaft, erklär­te 2012 Bischof Geb­hard Fürst. Das habe mit dem fran­zö­si­schen Cha­rak­ter der Gemein­schaft zu tun. Mehr noch wird der „kon­ser­va­ti­ve“ Cha­rak­ter der Gemein­schaft und ihre lit­ur­gi­sche Beson­der­heit als Grund für die schlep­pen­den Gesprä­che vermutet.

Unter­des­sen die­nen die lee­ren Mönchs­zel­len seit August 2015 zur Unter­brin­gung von Asy­lan­ten. Klo­ster Wein­gar­ten hat vor­erst den Sta­tus einer Bedarfs­ori­en­tier­ten Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung (BEA).

Wegen ihrer Nähe zur bene­dik­ti­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät bemüht sich die Prie­ster­ge­mein­schaft Sankt Mar­tin um die Über­nah­me und Wie­der­be­le­bung auf­ge­las­se­ner Bene­dik­ti­ner­klö­ster. Seit 2014 befin­den sich das Prie­ster­se­mi­nar und das Gene­ral­haus in der ehe­ma­li­gen Bene­dik­ti­ner­ab­tei von Évron. Im 7. Jahr­hun­dert gegrün­det, fiel sie Ende des 18. Jahr­hun­derts der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on zum Opfer. 1803, als sich die Stür­me abge­schwächt hat­ten, konn­te die Kon­gre­ga­ti­on der Schwe­stern der christ­li­chen Lie­be die ehe­ma­li­ge Abtei über­neh­men und nach der Zer­streu­ung durch das Jako­bi­ner­re­gi­ment wie­der samm­len, was von der Revo­lu­ti­on noch übrig gelas­sen wor­den war. 2012 ver­kauf­ten die Schwe­stern die ehe­ma­li­ge Abtei an die Priestergemeinschaft.

Abbé Paul Préaux ist der drit­te Gene­ral­mo­de­ra­tor der Gemeinschaft.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Gemein­schaft Sankt Mar­tin (Screen­shot)

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