Papst Franziskus über Mutter Angelica: „Sie ist im Himmel“

Papst Franziskus sagte: "Sie ist im Himmel", als ihm gestern ein Bild von Mutter Angelica gezeigt wurde
Papst Franziskus sagte: "Sie ist im Himmel", als ihm gestern ein Bild von Mutter Angelica gezeigt wurde

(Rom) Am Oster­sonn­tag starb in den USA Mut­ter Ange­li­ca, die Grün­de­rin von ETWN, des größ­ten katho­li­schen Fern­seh­sen­ders der Welt. Papst Fran­zis­kus sag­te gestern von ihr: „Sie ist im Him­mel.“

Aufgewachsen in armen Verhältnissen, auf wunderbare Weise geheilt

Mut­ter Ange­li­ca wur­de am 20. April 1923 als Rita Antoi­net­te Riz­zo im US-Bun­des­staat Ohio gebo­ren. Bei­de Eltern waren ita­lie­ni­scher Abstam­mung. Sie wuchs in gro­ßer Armut in einem ita­lie­ni­schen und afro­ame­ri­ka­ni­schen Umfeld auf. Der Vater hat­te die Fami­lie ver­las­sen, als Mut­ter Ange­li­ca noch ein Kind war. 1929 folg­te die Schei­dung. Obwohl die Mut­ter meh­re­re Arbei­ten mach­te, hat­ten sie wäh­rend der Welt­wirt­schaft­kri­se Hun­ger zu lei­den, wie die katho­li­sche Ordens­frau spä­ter erzähl­te.

Ein schwe­res Magen­lei­den quäl­te die jun­ge Frau. Im Alter von 20 Jah­ren wur­de sie 1943 abrupt davon geheilt, nach­dem die stig­ma­ti­sier­te Rho­da Wise eine Nove­ne der klei­nen The­re­se von Lisieux für sie gebe­tet hat­te. Eine Hei­lung, in der die jun­ge Ita­lo-Ame­ri­ka­ne­rin ein Wun­der Got­tes erkann­te und 1944 in Cleve­land in das Klo­ster der Kla­ris­sen von der Ewi­gen Anbe­tung, einem 1854 gegrün­de­ten Zweig des Kla­ris­sen­or­dens, ein­trat.  Dort erhielt sie den Ordens­na­men Maria Ange­li­ca von der Ver­kün­di­gung. 1953 leg­te sie die ewi­gen Gelüb­de ab.

Inmitten des Rassenkonflikts Gründung eines Kloster in den Südstaaten

Rita Antoinette Rizzo, die spätere Mutter Angelica, als junges Mädchen vor ihrem Ordenseintritt
Rita Antoi­net­te Riz­zo, die spä­te­re Mut­ter Ange­li­ca, als jun­ges Mäd­chen vor ihrem Ordens­ein­tritt

Als Mut­ter Ange­li­ca Mit­te 30 war, erhielt sie in ihrem Klo­ster in Ohio eine Ein­ge­bung, ein Klo­ster beson­ders für die afro­ame­ri­ka­ni­sche Gemein­schaft in den Süd­staa­ten der USA zu schaf­fen, wo damals die Ras­sen­ge­gen­sät­ze hart auf­ein­an­der­prall­ten. In Erz­bi­schof Tho­mas Tol­len von Mobi­le im US-Bun­des­staat Ala­ba­ma fand sie einen Unter­stüt­zer. Nach eini­gen Jah­ren der Vor­be­rei­tung grün­de­te sie 1962 in Iron­da­le in Ala­ba­ma für ihren Orden das Klo­ster Unse­rer Lie­ben Frau von den Engeln, des­sen Obe­rin sie wur­de. Daher rühr­te ihre Anre­de als Mut­ter Ange­li­ca, unter dem sie spä­ter welt­be­kannt wer­den soll­te.

Die begna­de­te Kom­mu­ni­ka­to­rin begann in den 60er Jah­ren Gesprä­che zu katho­li­schen The­men auf­zu­zeich­nen. Der Bischof der gera­de neu­errich­te­ten Diö­ze­se Bir­ming­ham, in des­sen Gebiet Iron­da­le lag, bestärk­te sie in ihrem Schrif­ten- und Ton­trä­ger-Apo­sto­lat. 1972 ver­öf­fent­lich­te sie ihr erstes Buch.

Die Gründung von ETWN

1976 begann sie in einer Gara­ge des Klo­sters mit der Pro­duk­ti­on katho­li­scher Fern­seh­sen­dun­gen. 1981 grün­de­te sie den Fern­seh­sen­der EWTN (Eter­nal Word Tele­vi­si­on Net­work) und begann ihre Sen­dun­gen selbst über Kabel aus­zu­strah­len. Der Sen­der, der mit­ten im pro­te­stan­ti­schen Bibel­gür­tel der Süd­staa­ten ent­stand, ent­wickel­te sich schnell zur wich­tig­sten katho­li­schen Stim­me im Rund­funk der USA.

EWTN, der größte katholische Fernsehsender der Welt
EWTN, der größ­te katho­li­sche Fern­seh­sen­der der Welt

Mut­ter Ange­li­ca lehn­te sich dabei eng an die Linie von Papst Johan­nes Paul II. an. Sie scheu­te sich nicht, inner­kirch­li­che Fehl­ent­wick­lun­gen anzu­pran­gern und auch mit Bischö­fen in Dis­put zu tre­ten. Berühmt wur­de ihr Streit mit dem pro­gres­si­ven Erz­bi­schof Roger Maho­ny von Los Ange­les über die Eucha­ri­stie und die Lit­ur­gie.

Sie trat ener­gisch für das Lebens­recht unge­bo­re­ner Kin­der ein und rief zum geist­li­chen Kampf gegen die Abtrei­bung auf. Ihr Kampf galt eben­so der Por­no­gra­phie, Dro­gen und Kin­der­pro­sti­tu­ti­on, in denen sie, wie in der Abtrei­bung, Ursa­chen für den Nie­der­gang der Gesell­schaft sah. Unter pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­sen waren sie und ihr Sen­der eben­so schnell als „kon­ser­va­tiv“ und „restau­ra­tiv“ ver­schrien.

Die weltweite Ausbreitung

Zu den eng­lisch­spra­chi­gen Pro­gram­men kamen im Lau­fe der Zeit Sen­dun­gen in spa­ni­scher und fran­zö­si­scher Spra­che hin­zu. Damit setz­te auch die Expan­si­on außer­halb der US-Gren­zen ein. Neue Tech­ni­ken mach­ten eine welt­wei­te Ver­brei­tung mög­lich. EWTN war der erste katho­li­sche Sen­der, der welt­weit über Satel­lit emp­fan­gen wer­den konn­te.

Mutter Angelica (1923-2016), die Gründerin von EWTN
Mut­ter Ange­li­ca (1923–2016), die Grün­de­rin von EWTN

1987 grün­de­te sie den Orden der Fran­zis­ka­ner­mis­sio­na­re vom Ewi­gen Wort (Mis­sio­na­rii Fran­cisca­ni Ver­bi Aeter­ni, MFVA), 1992 den Kurz­wel­len­sen­der WEWN mit über 200 Umset­zern in den USA. 1996 rei­ste sie durch ganz Latein­ame­ri­ka, um den spa­ni­schen Sen­der von EWTN bekannt­zu­ma­chen. Rund um den Fern­seh­sen­der schuf Mut­ter Ange­li­ca zahl­rei­che ande­re Medi­en, die heu­te für glau­bens­treue Katho­li­ken in den USA wich­ti­ge Ori­en­tie­rungs­hil­fen sind, da ande­re katho­li­sche Medi­en sich im Zeit­geist ver­fan­gen und ihre geist­li­che Aus­strah­lung ver­lo­ren haben.

Ende der 90er Jah­re erfolg­te der Sprung nach Euro­pa. Damit begann auch der Auf­bau eines deut­schen Pro­gramms von EWTN, das schritt­wei­se ver­wirk­licht wur­de. Seit 2011 sen­det ETWN ein 24-Stun­den­pro­gramm in deut­scher Spra­che.

2001 erlitt Mut­ter Ange­li­ca zwei Schlag­an­fäl­le, die ihre Arbeit stark ein­schränk­ten. 2003 folg­te zum 80. Geburts­tag ihr letz­ter Auf­tritt im Fern­se­hen. 2009 wur­de sie von Papst Bene­dikt XVI. für ihren uner­müd­li­chen Dienst für die katho­li­sche Kir­che mit dem päpst­li­chen Orden Pro Eccle­sia et Pon­ti­fice aus­ge­zeich­net.

Am Oster­sonn­tag 2016 ist Mut­ter Ange­li­ca im Alter von 92 Jah­ren gestor­ben.

Am Ran­de der gest­ri­gen Gene­ral­au­di­enz sprach Papst Fran­zis­kus mit einer Gläu­bi­gen, die ihn, laut Aci­pren­sa um die Seg­nung eines Fotos der soeben ver­stor­be­nen Kla­ris­sin und EWTN-Grün­de­rin bat. Das kur­ze von Aci Stam­pa, der ita­lie­ni­schen Sek­ti­on von Aci­pren­sa, ver­öf­fent­lich­te Video hält die Ant­wort von Papst Fran­zis­kus fest. Das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt rede­te spa­nisch und sag­te über Mut­ter Ange­li­ca: „Sie ist im Him­mel.“ Wor­te, die der Papst mit einer Geste unter­strich, indem er mit dem Fin­ger zum Him­mel zeig­te.

Die Vor­weg­nah­me einer Hei­lig­spre­chung dürf­te der Papst damit aller­dings nicht gemeint haben.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Youtube/ETWN/MFVA/Aciprensa (Screen­shots)

6 Kommentare

  1. Mut­ter Ange­li­ca, von fran­zis­ka­ni­scher Ein­fach­heit geprägt, hät­te sich sicher nicht einen so teu­ren Sarg gewünscht!

  2. Nun, ja, wenn Papst Fran­zis­kus sagt, dass sie bereits im Him­mel ist, dann ist sie es wahr­schein­lich nicht.

    Vie­le See­len der ver­meint­lich Hei­li­gen blei­ben lan­ge im Fege­feu­er, weil nie­mand für sie betet. Wir kön­nen für sie das tra­di­tio­nel­le Toten­of­fi­zi­um beten, soll­te sie tat­säch­lich im Him­mel sein, dann scha­det es nichts.

    Zu bezie­hen bei uns: https://traditionundglauben.wordpress.com/gebete/totenoffizium/

    Sie hat viel Gutes getan und gesagt, wie das:

    „I am so tired of you, libe­ral Church in Ame­ri­ca,“ she said. „You do not­hing but destroy. … Your who­le pur­po­se is to destroy.“

    Die gan­ze Aus­sa­ge ist im u.a. Video vor­han­den.
    http://www.churchmilitant.com/news/article/mother-angelicas-legendary-1993-rant-against-the-liberal-church

    Aber Gott ist sehr for­dernd und nur wirk­lich weni­ge, die zu Leb­zei­ten als Hei­li­ge gal­ten, sind es wirk­lich. Es kommt dar­auf an, ob man die Maß­stä­be, die Gott an einen leg­te, erfüllt hat und nicht das, was die Welt von einem hielt. Im Guten und Bösen.

  3. Eine gro­sse Hei­li­ge, die sich erlaub­te Klar­text zu spre­chen.
    Gross­ar­tig, Herr lass sie ruhen in Frie­den AMEN.

  4. Hier soll­te Papst Fran­zis­kus sein „wer bin ich um zu urtei­len“ tat­säch­lich auf sich selbst anwen­den! Denn dar­über, ob jemand schon im Him­mel ist, oder im Fege­feu­er oder gar in der Höl­le, kann NIEMAND auf die­ser Welt so schnell hin urtei­len. Sei­en wir auch noch so sehr davon sub­jek­tiv über­zeugt. Ein Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren, das dies allen­falls fest­stellt, dau­ert län­ge­re Zeit!

  5. Als ich es in EWTN hör­te am Oster­mon­tag war ich sehr berührt. Das ist schon eine gro­ße Gna­de am Oster­sonn­tag vom Herrn abbe­ru­fen zu wer­den. Das ewi­ge Licht leuch­te ihr. Herr las­se sie ruhen in Frie­den. Amen.

  6. @ Cos­mas
    Posi­ti­ve Urtei­le über einen Men­schen, die die­sem zur Ehre gerei­chen, müs­sen auch einem Papst erlaubt sein — anders als nega­ti­ve Urtei­le, die dem Zweck der Her­ab­set­zung eines Men­schen die­nen. Einer sol­chen Fal­le eines Jour­na­li­sten, die ein Urteil über Homo­se­xu­el­le impli­zier­te, ist sei­ner­zeit Papst Fran­zis­kus mit der Bemer­kung „wer bin ich um zu urtei­len“ aus­ge­wi­chen.

Kommentare sind deaktiviert.