Die zweifelhafte Grundlage der Kasperschen Theologie – Friedrich Schelling und die Bischofssynode

Kardinal Walter Kasper und die Grundlage seines theologischen Denkens
Kar­di­nal Wal­ter Kas­per und die Grund­la­ge sei­nes theo­lo­gi­schen Denkens

(Rom) Don Anto­nio Livi, der ehe­ma­li­ge Dekan der Phi­lo­so­phi­schen Fakul­tät der Päpst­li­chen Late­ran­uni­ver­si­tät befaßt sich mit der „zwei­fel­haf­ten Grund­la­ge des Kas­per­schen Vor­schlags“ (Dis­pu­ta­tio­nes Theo­lo­gi­cae) zu den wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen für die Bischofs­syn­ode über die Fami­lie im kom­men­den Okto­ber. Papst Fran­zis­kus öff­ne­te dem deut­schen Kar­di­nal Wal­ter Kas­per einen Spiel­raum, Leh­re und Pra­xis der Kir­che anzu­grei­fen mit dem Ver­such, sie durch eine neue Theo­lo­gie zu erset­zen. Grund genug, die Grund­la­gen von Kar­di­nal Kas­pers Theo­lo­gie zu beleuchten.
Der erste Teil von Don Anto­nio Livis Ana­ly­se wur­de am Fest des hei­li­gen Igna­ti­us von Loyo­la, dem Grün­der des Jesui­ten­or­dens, dem auch Papst Fran­zis­kus ange­hört, von Dis­pu­ta­tio­nes Theo­lo­gi­cae unter dem Titel „Die Eucha­ri­stie laut Kas­per“ veröffentlicht.
Neben der Gefahr, das Buß­sa­kra­ment zu pro­fa­nie­ren, „ste­hen wir vor dem fina­len Angriff des gno­stisch-frei­mau­re­ri­schen Den­kens gegen die Kir­che Chri­sti“, so Dis­pu­ta­tio­nes Theo­lo­gi­cae. Don Livi befaßt sich mit der Trag­wei­te des Kon­flik­tes, indem er die „eucha­ri­sti­sche Theo­lo­gie“ hin­ter dem Kas­per-Vor­schlag freilegt. 

Kaspers Schriften „selten“ originell, leiden „offenkundig an einem Mangel an korrekter theologischer Methodik“

Anto­nio Livis „erste Anmer­kung“ zum „vor­wie­gend ekkle­sio­lo­gi­schen und pasto­ra­len“ theo­lo­gi­schen Schaf­fen Kas­pers ist die Fest­stel­lung, „daß in ihnen ein Man­gel an kor­rek­ter theo­lo­gi­scher Metho­dik offen­kun­dig“ sei. Sei­ne The­sen wür­den „sel­ten“ ori­gi­nel­le Züge auf­wei­sen, da sich Kas­per „damit begnügt, zu wie­der­ho­len, was bereits sei­ne Leh­rer, vor allem Karl Rah­ner ver­tre­ten haben“.

„Jeder ein­zel­ne von Kas­per ver­tre­te­ne The­se“ man­gelt es, aus erkennt­nis­theo­re­ti­scher Sicht betrach­tet, an „jener epi­ste­mi­schen Kon­si­stenz, die wah­re Theo­lo­gie kenn­zeich­net“. Kas­pers „theo­lo­gi­sche For­schun­gen sind kei­ne Hypo­the­sen (und erhe­ben auch gar nicht den Anspruch) einer wis­sen­schaft­li­chen Inter­pre­ta­ti­on des von der Kir­che durch die Hei­li­ge Schrift, die dog­ma­ti­schen Lehr­sät­ze und die Lit­ur­gie bekann­ten Glau­bens“. Sie sei­en „viel­mehr Aus­druck einer zwei­deu­ti­gen ‚reli­giö­sen Phi­lo­so­phie‘, ein Aus­druck, mit dem ich jene will­kür­li­che Inter­pre­ta­ti­on der dem Chri­sten­tum eige­nen reli­giö­sen Begrif­fe bezeich­ne, die im 19. Jahr­hun­dert die gro­ßen Syste­me des histo­ri­sie­ren­den Idea­lis­mus, wie jenes von Hegel und von Schel­ling, her­vor­brach­te.“ Von die­sen Denk­sy­ste­men, „die erkennt­nis­theo­re­tisch rein phi­lo­so­phisch sind, aber im luthe­ri­schen Umfeld, in dem sie ent­stan­den sind, auch als theo­lo­gisch betrach­tet wer­den, haben sich im 20. Jahr­hun­dert und tun es noch heu­te vie­le katho­li­sche Theo­lo­gen beein­flus­sen las­sen, dar­un­ter auch Wal­ter Kas­per, des­sen For­mung durch jene Tübin­ger Schu­le erfolg­te, wie er selbst in einem sei­ner frü­hen Wer­ke zufrie­den schreibt. Sie habe in der Begeg­nung mit Schel­ling und Hegel „eine Erneue­rung der Theo­lo­gie und des gesam­ten deut­schen Katho­li­zis­mus“ ein­ge­lei­tet, so Kas­per in sei­nem Buch Das Abso­lu­te in der Geschich­te. Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie der Geschich­te in der Spät­phi­lo­so­phie Schel­lings, Mat­thi­as-Grü­ne­wald-Ver­lag, Mainz 1965.

Kaspers „Rückschritt auf die ideologischen Positionen der vom Heiligen Stuhl im 19. Jahrhundert verurteilten Theologen“

Die soge­nann­te „Begeg­nung mit Schel­ling und Hegel“, die von den Theo­lo­gen der Tübin­ger Schu­le für not­wen­dig erach­tet wur­de, um die Theo­lo­gie und mit ihr die gan­ze „kon­zi­lia­re“ Kir­che zu „erneu­ern“, ist in Wirk­lich­keit ein unver­ständ­li­cher Rück­schritt auf die ideo­lo­gi­schen Posi­tio­nen jener Theo­lo­gen (kei­nes­wegs zufäl­lig auch Deut­sche), die im 19. Jahr­hun­dert vom Hei­li­gen Stuhl gera­de wegen der Anwen­dung phi­lo­so­phi­scher Kate­go­rien des Hegel­schen und Schel­ling­schen Idea­lis­mus auf die Theo­lo­gie ver­ur­teilt wurden“.

„Die Tat­sa­che, daß im 20. Jahr­hun­dert katho­li­sche Gelehr­te ihren Kampf gegen die meta­phy­si­sche Tra­di­ti­on in der Theo­lo­gie durch die syste­ma­ti­sche Über­nah­me einer reli­giö­sen Phi­lo­so­phie kämp­fen woll­ten, die im luthe­ri­schen Bereich ent­stan­den und im katho­li­schen Bereich immer kri­ti­siert wur­de, kann kei­ne ande­re plau­si­ble Erklä­rung haben als in ihrer psy­cho­lo­gi­schen Abhän­gig­keit gegen­über den luthe­ri­schen Theo­lo­gen, deren Hege­mo­nie in der deut­schen Kul­tur immer abso­lut war (man beden­ke, daß selbst Kier­ke­gaar­ds Kri­tik an Hegel inner­halb der reli­giö­sen luthe­ri­schen Kul­tur ent­stan­den und geblie­ben ist).“ Zwi­schen Hegel und Schel­ling „bevor­zugt Kas­per Letz­te­ren, den er als ‚ein­sa­men Gro­ßen‘ bezeich­ne­te“ ((Wal­ter Kas­per: Das Abso­lu­te in der Geschich­te, S. 39)), und „sich vom gno­sti­schen Cha­rak­ter von des­sen phi­lo­so­phisch-reli­giö­sen For­schun­gen fas­zi­niert zeig­te, ohne auch nur irgend­ei­ne Ver­le­gen­heit wegen ihres ein­deu­tig pan­the­isti­schen Ergeb­nis­ses zu empfinden“.

Kas­pers Auf­grei­fen „spe­zi­fisch Schel­ling­scher The­men“ erin­ne­re an die ana­lo­ge metho­di­sche Ent­schei­dung eines ande­ren deut­schen katho­li­schen Theo­lo­gen, jener von Klaus Hem­mer­le, in des­sen Schu­le auch Pie­ro Coda geformt wur­de. Dabei hand­le es sich um eine „theo­lo­gi­sche Metho­de, die mit jener der wah­ren Theo­lo­gie radi­kal unver­ein­bar ist“.

Kaspers Zusammenfassung Schellings „eine sinnfreie Anhäufung von Worten“

Kas­per „scheint vor­be­halt­los die inner­welt­li­chen Prä­mis­sen der phi­lo­so­phi­schen Ana­ly­se des christ­li­chen Glau­bens durch Schel­ling zu tei­len“. In sei­nen Wor­ten, „mit denen er sich über­zeugt gibt, die katho­li­sche Theo­lo­gie genau auf der Grund­la­ge die­ser Prä­mis­sen ‚erneu­ern‘ zu müs­sen, kann man deut­lich wahr­neh­men, daß ihm jener kri­ti­sche Sinn fehlt, der Grund­vor­aus­set­zung jeder wis­sen­schaft­li­chen For­schung ist, wes­halb sei­ne Zusam­men­fas­sung der reli­giö­sen Phi­lo­so­phie Schel­lings eine sinn­freie Anhäu­fung von Wor­ten ist: „Schel­ling faßt näm­lich das Ver­hält­nis von natür­lich und über­na­tür­lich nicht sta­tisch-meta­phy­sisch-über­zeit­lich, son­dern dyna­misch und geschicht­lich. Das Wesent­li­che an der christ­li­chen Offen­ba­rung ist eben dies, daß sie Geschich­te ist“. ((Wal­ter Kas­per: Das Abso­lu­te in der Geschich­te, S. 152))

„Was bedeu­tet es, daß die christ­li­che Offen­ba­rung im Wesent­li­chen ‚Geschich­te‘ ist? Geschich­te von was, Geschich­te von wem? Ist die Geschich­te der Men­schen (das, was Kas­per ‚Natur‘ nennt) im Ver­hält­nis zum Han­deln Got­tes (das ‚Über­na­tür­li­che‘) zu ver­ste­hen?“ In die­sem Fall, so Livi, gin­ge es um den theo­lo­gi­schen Begriff der „Heils­ge­schich­te“, der heil­brin­gen­den Initia­ti­ve Got­tes, Schöp­fer und Erlö­ser, die von Gott selbst dem Men­schen geof­fen­bart wur­de, zuerst durch die Pro­phe­ten, dann defi­ni­tiv durch die Flei­sch­wer­dung des Wor­tes. „Das aber kann nicht das Ver­ständ­nis Kas­pers sein, denn das ent­sprä­che ganz der tra­di­tio­nel­len theo­lo­gi­schen Leh­re, die laut Kas­per aber zurück­zu­wei­sen sei, da sie eine ‚sta­tisch-metaph­sy­sisch-über­zeit­li­che‘ Art vor­aus­set­ze, ‚das Ver­hält­nis von natür­lich und über­na­tür­lich“ zu begrei­fen“, so Livi. Kas­per gebe „(unbe­wußt) die Unter­schei­dung zwi­schen der Welt (die Schöp­fung) und Gott (der Schöp­fer) zu“, wobei Gott nicht mit der „Geschich­te“ gleich­ge­setzt wer­den kön­ne, „außer man wol­le letzt­lich Gott vom theo­lo­gi­schen Dis­kurs aus­schlie­ßen und nur von der Welt und ihren Ange­le­gen­hei­ten spre­chen, auch dann, wenn es um das reli­giö­se Leben und die Kir­che geht. Genau das aber meint Kas­per, wie noch gezeigt wer­den soll.“

In einer innerweltlichen Ekklesiologie gibt es für das eucharistische Geheimnis keinen theologischen Platz mehr

„Der häu­fi­ge Wech­sel der theo­lo­gi­schen The­sen, die die wis­sen­schaft­li­che und publi­zi­sti­sche Arbeit Kas­pers gekenn­zeich­net haben“, las­se dar­an den­ken, daß der „letzt­li­che Zweck“ sei­nes Wir­kens nicht „so sehr ein brauch­ba­rer Vor­schlag zur Inter­pre­ta­ti­on der Dog­men sei, ange­trie­ben vom Wunsch ihrer heil­brin­gen­den Umset­zung im Leben der Gläu­bi­gen, son­dern der Drang, sich der öffent­li­chen Mei­nung als füh­ren­de Gestalt des pro­gres­si­ven Flü­gels der zeit­ge­nös­si­schen Theo­lo­gie auf­zu­drän­gen, vor allem im Zusam­men­hang mit der Öku­me­ne, also dem ‚Dia­log‘ mit den Pro­te­stan­ten mit Blick auf eine ritu­el­le und dok­tri­nel­le ‚Annä­he­rung‘ zwi­schen ihnen und der katho­li­schen Kirche.“

„Jeden­falls“ las­se die stän­di­ge For­de­rung in Kas­pers Schrif­ten nach „Refor­men“ in der Kir­che – „nach insti­tu­tio­nel­len, lit­ur­gi­schen, pasto­ra­len Refor­men – jeden not­wen­di­gen Bezug zur kon­sti­tu­ti­ven ‚Form‘ der Kir­che als gött­li­che Insti­tu­ti­on ver­mis­sen“. Das erge­be sich „aus der Abwer­tung der spe­zi­fisch theo­lo­gi­schen Grund­sät­ze der Ekkle­sio­lo­gie, an erster Stel­le der aus­drück­li­chen Aner­ken­nung der gött­li­chen Natur Chri­sti als fleisch­ge­wor­de­nes Wort, das der von Ihm gegrün­de­ten Kir­che die Fort­set­zung des heil­brin­gen­den Auf­trags durch die getreue Ver­kün­di­gung der über­na­tür­li­chen Geheim­nis­se und der hei­lig­ma­chen­den Gna­de der Sakra­men­te auf­ge­tra­gen hat.“

„Die spe­zi­fi­schen theo­lo­gi­schen Prin­zi­pi­en der Ekkle­sio­lo­gie waren in den Jah­ren vor dem Kon­zil von einem ande­ren Theo­lo­gen des 20. Jahr­hun­derts, dem Schwei­zer Charles Jour­net, rich­tig­ge­hend mit dem chri­sto­lo­gi­sche Dog­ma (und auch dem maria­ni­schen) ver­knüpft wor­den“, in sei­ner Abhand­lung L’àˆglise du Ver­be Incar­né ((Charles Jour­net, L’Église du Ver­be Incar­né. Essai de théo­lo­gie spe­cu­la­ti­ve, tomo I:  La hié­rar­chie apo­sto­li­que, Téqui, Paris 1941; tomo II: Sa struc­tu­re inter­ne et son unité catho­li­que, Des­clée de Brou­wer, Paris 1952; neue über­ar­bei­te­te Aus­ga­be: Charles Jour­net, L’Église du Ver­be Incar­né, 5 Bd., Edi­ti­ons Saint-Augu­stin, Saint-Mau­rice 1998–2005)), des­sen Leh­re zum gro­ßen Teil in der dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um rezi­piert wird, vor allem im ach­ten Kapi­tel, wo das Kon­zil über Maria, die Mut­ter Got­tes und Mut­ter der Kir­che spricht. ((Zwei­tes Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Para­gra­phen 52–69))

Der antimetaphysische Kampf des „Konzilstheologen“ Kasper

Kas­per, der sich zwar als „Kon­zils­theo­lo­ge“ prä­sen­tiert, igno­riert jedoch syste­ma­tisch die spe­zi­fi­schen theo­lo­gi­schen Begrif­fe der Ekkle­sio­lo­gie, viel­mehr bean­sprucht er den katho­li­schen Glau­ben von den „For­men und For­mel“ zu „rei­ni­gen“, obwohl die­se vom Zwei­ten Vati­ca­num gera­de dahin­ge­hend fei­er­lich bekräf­tigt wur­den, weil die­se ‚For­men und For­meln‘ den über­na­tür­li­chen (tran­szen­den­ten) Cha­rak­ter der gött­li­chen Wirk­lich­keit sicher­stel­len und die Anbe­tung, die die Kir­che Chri­stus zollt, der Gott ist, das ewi­ge Wort, das in der Zeit fleisch­ge­wor­den und wahr­haft gegen­wär­tig ist in der Eucha­ri­stie, so wie sie die Ver­eh­rung für Maria recht­fer­tigt, die als Got­tes­mut­ter aner­kannt wird, da sie wah­re Mut­ter Chri­sti ist, der Gott ist. ((s. Lumen gen­ti­um, Para­graph 61: „Die seli­ge Jung­frau, die von Ewig­keit her zusam­men mit der Mensch­wer­dung des gött­li­chen Wor­tes als Mut­ter Got­tes vor­her­be­stimmt wur­de, war nach dem Rat­schluß der gött­li­chen Vor­se­hung hier auf Erden die erha­be­ne Mut­ter des gött­li­chen Erlö­sers, in ein­zig­ar­ti­ger Wei­se vor ande­ren sei­ne groß­mü­ti­ge Gefähr­tin und die demü­ti­ge Magd des Herrn. Indem sie Chri­stus emp­fing, gebar und nähr­te, im Tem­pel dem Vater dar­stell­te und mit ihrem am Kreuz ster­ben­den Sohn litt, hat sie beim Werk des Erlö­sers in durch­aus ein­zig­ar­ti­ger Wei­se in Gehor­sam, Glau­be, Hoff­nung und bren­nen­der Lie­be mit­ge­wirkt zur Wie­der­her­stel­lung des über­na­tür­li­chen Lebens der See­len. Des­halb ist sie uns in der Ord­nung der Gna­de Mut­ter.“ Man beach­te, so Livi, vor allem den Aus­druck „über­na­tür­li­ches Leben der See­len“. Er „stellt die for­mal­ste Wider­le­gung einer bestimm­ten Exege­tik der Kon­zils­tex­te dar (ich den­ke an Yves-Marie Con­gar, an Hen­ri de Lub­ac, und natür­lich an Karl Rah­ner, Kas­pers gei­sti­gen Lehr­mei­ster), die behaup­tet, in die­sen fin­de sich weder das Sub­stan­tiv ‚See­le‘ noch das Adjek­tiv ‚über­na­tür­lich‘, die als Relik­te der scho­la­sti­schen Theo­lo­gie betrach­tet werden.))

Der „Kampf um die Abschaf­fung der theo­lo­gi­schen Begrif­fe mit einem ‚meta­phy­si­schen‘ Geschmack, die als rein pasto­ra­le Not­wen­dig­keit behaup­tet wird (die übli­che For­de­rung, eine angeb­lich für den Men­schen von heu­te unver­ständ­li­che und inak­zep­ta­ble Spra­che auf­zu­ge­ben), zielt in Wirk­lich­keit auf die Eli­mi­nie­rung aller Grund­prin­zi­pi­en der katho­li­schen Ekkle­sio­lo­gie aus der Ver­kün­di­gung ab, indem sie einer syste­ma­ti­schen, ratio­na­li­sti­schen Kri­tik unter­wor­fen wer­den, ange­fan­gen beim Begriff ‚fleisch­ge­wor­de­nes Wort‘“. Kas­per habe die­sen Begriff in sei­nem bekann­te­sten Werk „Jesus der Chri­stus“ ((Wal­ter Kas­per: Jesus der Chri­stus, Mat­thi­as Grü­ne­wald Ver­lag, Mainz 1974)) auf imma­nen­te Begrif­fe redu­ziert, indem er „sei­ne anti­me­ta­phy­si­sche“ Chri­sto­lo­gie dar­legt. „In Wirk­lich­keit“ hand­le es sich dabei um eine Neu­for­mu­lie­rung des christ­li­chen Dog­mas im Sin­ne der reli­giö­sen Phi­lo­so­phie Schel­lings. In die­sem Den­ken wird die Selb­stof­fenba­rung Got­tes, Chri­stus, nicht mehr als Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen ((Erster Brief an Timo­theus 2,5: „Denn nur einen Gott gibt es und einen Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen, Chri­stus Jesus Mensch“.)) geglaubt und ange­be­tet, son­dern auf eine histo­ri­sche Mani­fe­sta­ti­on der „öko­no­mi­schen“ Drei­fal­tig­keit redu­ziert. ((Für eine aktu­el­le Zusam­men­fas­sung der ver­schie­de­nen theo­lo­gi­schen Inter­pre­ta­tio­nen der inner-tri­ni­ta­ri­schen Bezie­hun­gen und das Ver­hält­nis der Drei­fal­tig­keit mit der Welt (Schöp­fung, Auf­ga­be des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes) s. Anto­nio Livi: I pres­sup­po­sti logi­co-ale­ti­ci del­le diver­se ipo­te­si teo­lo­gi­sche sul­le rela­zio­ni intra­t­rin­ta­rie, in: Il „Filio­que“. Tau­send Jah­re nach sei­ner Ein­fü­gung in das Glau­bens­be­kennt­nis in Rom (1014 – 2014), hrsg. von Mau­ro Gagli­ar­di, Vati­kan­ver­lag, Vati­kan­stadt 2015, S. 325–342))

Kasper gelingt es nicht, sich von Schelling zu emanzipieren — Leugnung der Gottheit Jesu Christi

„Kas­per gelingt es nicht, sich von der Offen­ba­rungs­phi­lo­so­phie Schel­lings zu eman­zi­pie­ren, was hin­ge­gen im sel­ben deut­schen Umfeld Roma­no Guar­di­ni gelun­gen ist ((Josef Kreiml: Die Selb­stof­fenba­rung Got­tes und der Glau­be des Men­schen: Eine Stu­die zum Werk Roma­no Guar­di­nis, EOS Ver­lag, Sankt Otti­li­en 2002)) , und so ver­rennt er sich als katho­li­scher Theo­lo­ge in einem sinn­wid­ri­gen Werk der Dekon­struk­ti­on des tra­di­tio­nel­len chri­sto­lo­gi­schen Dog­mas. Sogar die geschicht­li­chen Bewei­se der Gott­heit Chri­sti, die von ihm in der aus­drück­li­chen Absicht gewirk­ten Wun­der, damit sei­ne All­macht zu bewei­sen und so den Glau­ben sei­ner Jün­ger zu unter­stüt­zen, wer­den von Kas­per dem Zwei­fel unter­wor­fen“, um letzt­lich „zu leug­nen, was sie wirk­lich sind, näm­lich die empi­ri­sche Evi­denz des gött­li­chen Ein­grei­fens“. „Aus der impli­zier­ten Leug­nung der Gott­heit Chri­sti rührt der beharr­li­che Gebrauch, den Kas­per vom Aus­druck ‚der Gott Jesu Chri­sti‘ macht, wie auch der Titel eines sei­ner Wer­ke lau­tet (Der Gott Jesu Chri­sti), und der durch die Tren­nung des Namens Got­tes vom Namen Chri­sti seman­tisch die Leug­nung der Gott­heit Jesu andeu­tet.“ ((dazu Bru­ne­ro Gher­ar­di­ni: Il Dio di Ges๠Cri­sto“, in: Divi­ni­tas, 2004))

„In Wirk­lich­keit gehört Kas­per völ­lig zu jener ideo­lo­gi­schen Strö­mung, an deren Spit­ze Hans Küng und Karl Rah­ner ste­hen und die die Theo­lo­gie als Anthro­po­lo­gie ver­steht, indem sie der Kir­che emp­fiehlt, nicht so viel von Gott, son­dern vom Men­schen zu reden. ((s. dazu Cor­ne­lio Fab­ro: La svol­ta antro­po­lo­gi­ca di Karl Rah­ner (Die anthro­po­lo­gi­sche Wen­de von Karl Rah­ner) Edi­to­re Rus­co­ni, Mila­no 1970; Anto­nio Livi, „Il meto­do teo­lo­gi­co di Karl Rah­ner. Una cri­ti­ca del pun­to di vista epi­ste­mo­lo­gi­co“ (Die theo­lo­gi­sche Metho­de von Karl Rah­ner), in: Fides catho­li­ca, n. 2, II, 2007, S. 269–276; Idem, Il meto­do teo­lo­gi­co di Karl Rah­ner. Una cri­ti­ca del pun­to di vista epi­ste­mo­lo­gi­co, in Karl Rah­ner. Un’analisi cri­ti­ca, hrsg. von Sera­fi­no M. Lan­zet­ta, Edi­zo­ni Can­tagal­li, Sie­na 2009, S. 13–27; Idem, Vera e fal­sa teo­lo­gia, cit., S. 222–227)). In Über­ein­stim­mung mit die­ser prä­zi­sen spe­ku­la­ti­ven Aus­rich­tung legt Kas­per den Dis­kurs über die dop­pel­te Natur Chri­sti, des ewi­gen Wor­tes, bei­sei­te und redu­ziert die Chri­sto­lo­gie auf einen phä­no­me­no­lo­gi­schen Dis­kurs über das Gewis­sen Jesu als ‚Mensch, der von Gott spricht‘ “, so Don Anto­nio Livi, der von 2002 bis zu sei­ner Eme­ri­tie­rung 2008 Dekan der Phi­lo­so­phi­schen Fakul­tät der Päpst­li­chen Late­ran­uni­ver­si­tät in Rom war.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Dis­pu­ta­tio­nes Theologicae

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