Vor 50 Jahren zelebrierte Paul VI. erste Messe in der Volkssprache

Paul VI. zelebrierte am 7. März 1965 die erste Heilige Messe (teilweise) in der Volkssprache
Paul VI. zele­brier­te am 7. März 1965 die erste Hei­li­ge Mes­se (teil­wei­se) in der Volks­spra­che

(Rom) Am kom­men­den Sams­tag, den 7. März wird Papst Fran­zis­kus die römi­sche Pfar­rei Ognis­san­ti (Aller­heil­li­gen) auf­su­chen. Anlaß ist der 50. Jah­res­tag der ersten von Papst Paul VI. am 7. März 1965 zele­brier­ten Hei­li­gen Mes­se im „refor­mier­ten“ ita­lie­nisch-latei­ni­schen Mis­sa­le. Im Zuge des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils wur­de die Volks­spra­che in die Hei­li­ge Lit­ur­gie ein­ge­führt. Am 12. März 1965 wur­de das neue Mis­sa­le mit dem Impri­matur von Kar­di­nal Gia­co­mo Ler­ca­ro, dem Lit­ur­gie­ver­ant­wort­li­chen der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz für Ita­li­en ver­öf­fent­licht.

Der Vati­ka­nist Andrea Tor­ni­el­li beton­te in einem jüngst auf Vati­can Insi­der erschie­ne­nen Arti­kel den pro­vi­so­ri­schen Cha­rak­ter die­ses Mis­sa­le: „Vor 50 Jah­ren wur­de die erste Fas­sung des nach­kon­zi­lia­ren römi­schen Ritus ver­suchs­wei­se im März 1965 ein­ge­führt. Es han­delt sich um den ersten Ent­wurf der Lit­ur­gie­re­form, die zum neu­en Mis­sa­le füh­ren wird, das im Novem­ber 1969 in Kraft trat.“

Missale von 1965 zweisprachig

Missale von 1965
Mis­sa­le von 1965

Es han­del­te sich dabei aller­dings nicht um die erste Hei­li­ge Mes­se in der Volks­spra­che, denn das Mis­sa­le war noch zwei­spra­chig. Im Gegen­satz zur eigent­li­chen Lit­ur­gie­re­form von 1969 folg­te es noch wort­ge­nau den Emp­feh­lun­gen des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils. Das Mis­sa­le von 1965 war, abge­se­hen von eini­gen Kür­zun­gen, noch immer das Römi­sche Mis­sa­le das die Kon­zils­vä­ter bewah­ren woll­ten und das ein­fach in die Volks­spra­chen über­setzt wur­de. Vom Offer­to­ri­um (Sus­ci­pe, sanc­te Pater) bis zum Abschluß des Hoch­ge­bets (Per ipsum) bete­te der Prie­ster aus­schließ­lich Latein. Die Tücken von Über­set­zun­gen wur­den erst spä­ter erkenn­bar und Jahr­zehn­te spä­ter the­ma­ti­siert und kor­ri­giert. Ein Vor­gang, der 50 Jah­re danach noch nicht abge­schlos­sen ist, wie die Über­set­zung der Wand­lungs­wor­te (pro mul­tis) zeigt.

Papst Paul VI. umriß die Ver­än­de­run­gen in sei­ner Pre­digt am 7. März 1965 mit den Wor­ten: „Vor­her genüg­te es anwe­send zu sein, jetzt ist es not­wen­dig teil­zu­neh­men; vor­her genüg­te die Gegen­wart, jetzt ist Auf­merk­sam­keit und Hand­lung not­wen­dig; vor­her konn­te jemand dösen oder viel­leicht schwät­zen; jetzt nicht mehr, jetzt muß er zuhö­ren und beten.“

Giovanni Battista Montini entschiedener Verfechter der Volkssprache

Tor­ni­el­li erin­nert dar­an, daß Gio­van­ni Bat­ti­sta Mon­ti­ni bereits seit sei­ner Aus­bil­dung im Semi­nar durch die Schu­le von Pater Giu­lio Bevil­ac­qua und Pao­lo Caresa­na von der Not­wen­dig­keit der Volks­spra­che in der Lit­ur­gie über­zeugt gewe­sen sei. Eine der ent­schie­dend­sten Wort­mel­dun­gen auf dem Kon­zil zugun­sten der Volks­spra­che kam vom dama­li­gen Erz­bi­schof von Mai­land. Am 26. März 1962 äußer­te er sei­ne Unzu­frie­den­heit über das bis­her dazu in der Kon­zil­s­au­la Gesag­te. Er for­der­te die Ein­füh­rung der Volks­spra­che nicht nur für die Schrift­le­sun­gen, in Gebe­ten und Gesän­gen, son­dern auch für den Introitus, das Glau­bens­be­kennt­nis, das Offer­to­ri­um und das Pater noster. Zudem for­der­te er, daß die Sakra­men­te und Sakra­men­ta­li­en in der Volks­spra­che zele­briert wür­den. Das Hoch­ge­bet soll­te wei­ter­hin Latein gebe­tet wer­den. Nur tak­ti­sche Zurück­hal­tung, weil er sich ohne­hin so weit vor­ge­wagt hat­te? Vie­les spricht dafür, denn am 31. Janu­ar 1967 erlaub­te er als Papst Paul VI. ad expe­ri­men­tum auch das Hoch­ge­bet in der Volks­spra­che.

Erz­bi­schof Mon­ti­ni begrün­de­te 1962 sei­ne For­de­rung mit den Wor­ten: „Wenn wir die Volks­spra­che aus der Lit­ur­gie aus­schlie­ßen, ver­lie­ren wir eine aus­ge­zeich­ne­te Gele­gen­heit das Volk in rech­ter Wei­se zu erzie­hen und den gött­li­chen Kult wie­der­her­zu­stel­len“. Daß aus­ge­rech­net der Erz­bi­schof von Mai­land kei­ne 15 Mona­te spä­ter den Papst­thron bestei­gen wür­de, konn­te damals noch nie­mand wirk­lich ahnen. Die Ein­füh­rung der Volks­spra­che in die Hei­li­ge Lit­ur­gie 1965 und dann die grund­le­gen­de Lit­ur­gie­re­form durch die Ein­füh­rung des Novus Ordo Mis­sae 1969 wur­den mit pasto­ra­len Not­wen­dig­kei­ten begrün­det. Aus die­sem Grund ent­schied sich Paul VI. auch für die römi­sche Pfar­rei Ognis­san­ti für die Pre­mie­re der ersten von einem Papst in der Volks­spra­che zele­brier­ten Mes­se und nicht für eine Patri­ar­chal­ba­si­li­ka. Dadurch soll­te der pasto­ra­le Aspekt betont wer­den, daß die Lit­ur­gie­re­form der Men­schen wegen durch­ge­führt wur­de.

Kurzlebiges Missale von 1965 weder Fisch noch Fleisch

Das kurz­le­bi­ge Mis­sa­le von 1965 genoß von Anfang an einen denk­bar schlech­ten Ruf. Es wur­de von den Tra­di­tio­na­li­sten wie Moder­ni­sten kri­ti­siert, weil es weder Fisch noch Fleisch war. Die Fol­ge war jedoch, daß inner­halb weni­ger Jah­re etap­pen­wei­se die radi­kal­sten und revo­lu­tio­när­sten Ansich­ten die Ober­hand gewan­nen.

Rück­blickend ver­mit­telt das Mis­sa­le von 1965 den Ein­druck einer blo­ßen Zwi­schen­etap­pe auf dem Weg zu den vom Con­si­li­um ad exe­quen­dam Con­sti­tu­tio­nem de Sacra Lit­ur­gia durch­ge­führ­ten radi­ka­len Ver­än­de­run­gen der Lit­ur­gie­re­form von 1969. Aus­sa­gen eini­ger füh­ren­der Kon­zils­ver­tre­ter las­sen jedoch erken­nen, daß sie der Ansicht waren, daß mit der Ver­öf­fent­li­chung des Mis­sa­le von 1965 die lit­ur­gi­sche Reform des Kon­zils abge­schlos­sen wäre.

Bischofssynode verwarf 1967 Missa normativa

Kurienerzbischof Annibale Bugnini der "Architekt" der Liturgiereform
Kuri­en­erz­bi­schof Anni­ba­le Bugni­ni der „Archi­tekt“ der Lit­ur­gie­re­form

Das geht ein­deu­tig aus der ersten Bischofs­syn­ode von 1967 her­vor. Die Syn­oden­vä­ter ver­war­fen die soge­nann­te „mis­sa nor­ma­ti­va“, mit Pau­ken und Trom­pe­ten, die ihnen von Erz­bi­schof Anni­ba­le Bugni­ni als Ergeb­nis der von Kar­di­nal Ler­ca­ro gelei­te­ten Kom­mis­si­on zur Lit­ur­gie­re­form, er selbst war deren Sekre­tär, vor­ge­stellt wur­de. Sie ent­sprach fak­tisch bereits dem spä­te­ren Novus Ordo Mis­sae. So soll­te künf­tig die Sonn­tags­mes­se in jeder Pfar­rei gefei­ert wer­den.

Vie­le Syn­oden­vä­ter waren alles ande­re denn begei­stert. Nur 71 von 180 Syn­oda­len stimm­ten für die Bugni­ni-Mes­se. 43 Syn­oda­len aber votier­ten non pla­cet, 62 stimm­ten nur unter dem Vor­be­halt star­ker Beden­ken iux­ta modum zu, wenn zahl­rei­che sub­stan­ti­el­le Ände­run­gen Berück­sich­ti­gung fin­den. Dazu gab es noch vier Ent­hal­tun­gen. Doch die ein­deu­ti­ge Ent­schei­dung der Syn­oden­vä­ter nütz­te nichts. Der Lit­ur­gi­ker küm­mer­te sich weder um die Ein­wän­de und Beden­ken der Syn­oden­vä­ter noch ließ er sich vom nega­ti­ven Votum beein­drucken.

Paul VI. oktroyierte dennoch Novus Ordo Missae

Bugni­ni wuß­te den Papst hin­ter sich, des­sen Auto­ri­tät ent­schei­dend war. Und Paul VI. war von der Not­wen­dig­keit einer Lit­ur­gie­re­form seit sei­ner Semi­nar­zeit über­zeugt. Über­zeugt, daß die Gläu­bi­gen dadurch „bes­ser“ an der Hei­li­gen Mes­se teil­neh­men und dadurch grö­ße­ren Gewinn dar­aus zie­hen wür­den. Offen­bar war der Papst der Über­zeu­gung, durch eine refor­mier­te, volks­sprach­li­che Lit­ur­gie neue Attrak­ti­vi­tät für die Hei­li­ge Lit­ur­gie zu gewin­nen, daß dar­aus eine neue Blü­te der Kir­che ent­ste­hen wür­de. Ein Trug­schluß. Zwei Jah­re spä­ter wur­de die abge­lehn­te „mis­sa nor­ma­ti­va“ von oben mit päpst­li­cher Ent­schei­dung als Novus Ordo Mis­sae oktroy­iert.

Da das Kon­zil aus­schlag­ge­ben­der Anstoß für die Lit­ur­gie­re­form war, hat der Blick die­sem zu gel­ten. Dabei fällt umge­hend die Abwei­chung von den Inhal­ten der Kon­zils­do­ku­men­te und päpst­li­chen Erklä­run­gen einer­seits und der radi­ka­len Trag­wei­te der 1969 voll­zo­ge­nen Lit­ur­gie­re­form auf. Eine Kon­zil­streue kann für die Lit­ur­gie­re­form nicht gel­tend gemacht wer­den. Viel­mehr hat­te sich bereits die Mis­sa nor­ma­ti­va von 1967 weit vom Kon­zil ent­fernt.

Das Konzil und Sacrosanctum Concilium

Am 4. Dezem­ber 1963 ver­kün­de­te Papst Paul VI. beglei­tet von der Freu­de vie­ler und der Unge­duld eini­ger die Kon­sti­tu­ti­on Sacro­canc­tum con­ci­li­um über die Lit­ur­gie, die am Ende der zwei­ten Sit­zungs­pe­ri­ode des Kon­zils mit ple­bis­zi­tä­rem Votum ange­nom­men wor­den war. 2147 Kon­zils­vä­ter hat­ten für die Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on gestimmt bei nur vier Gegen­stim­men. Paul VI. bekräf­tig­te: „Das erste The­ma: die Hei­li­ge Lit­ur­gie… Wir erken­nen die Hoch­ach­tung in der Ska­la der Wer­te und der Pflich­ten: Gott an erster Stel­le, das Gebet unse­re erste Ver­pflich­tung; die Lit­ur­gie erste Quel­le des uns offen­bar­ten gött­li­chen Lebens, erste Schu­le unse­res geist­li­chen Lebens, erstes Geschenk, das wir dem christ­li­chen Volk machen kön­nen“.

„Die Mut­ter Kir­che wünscht sehr, alle Gläu­bi­gen möch­ten zu der vol­len, bewuß­ten und täti­gen Teil­nah­me an den lit­ur­gi­schen Fei­ern geführt wer­den“, heißt es in Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um 14.

Die Kon­sti­tu­ti­on betont den Pri­mat der Ver­in­ner­li­chung des Gläu­bi­gen, die ihren Aus­gangs­punkt in der Anbe­tung hat. Die per­sön­li­che Aneig­nung der lit­ur­gi­schen Hand­lung, der er bei­wohnt, kön­ne nur durch eine authen­ti­sche Ver­in­ner­li­chung eine äuße­re Aus­drucks­form garan­tie­ren, die aus­drücken kann, was in der Tie­fe gelebt wird.

Anthropozentrische Wende in der Liturgie

„Es fällt schwer, die Kon­struk­ti­on des Novus Ordo als bloß ande­re ‚Form‘ des­sel­ben Ritus zu erken­nen wegen der Will­kür, die als Pseu­do-Weis­heit ver­klei­det wur­de, wegen unbe­son­ne­ner Ele­men­te und der Archäo­lo­gis­men, die den jahr­hun­der­te­al­ten Ordo umge­stürzt und zer­bro­chen haben und damit sei­ne mysti­sche Tie­fe, die sym­bo­li­sche Schön­heit und den Reich­tum sowie die wirk­li­che theo­lo­gi­sche Weis­heit. Die dem Geheim­nis inne­woh­nen­de Macht und Hei­lig­keit wur­den durch ratio­na­li­sti­sche Vor­zei­chen der moder­nen Men­ta­li­tät ersetzt, die vom Men­schen aus­geht und damit mit dem Novus Ordo eine anthro­po­zen­tri­sche Wen­de in der Lit­ur­gie voll­führ­te“, so Maria Gua­ri­ni in ihrem Buch zur Lit­ur­gie­re­form „Que­stio­ne lit­ur­gi­ca“ (Die lit­ur­gi­sche Fra­ge. Der römi­sche Ritus usus anti­qui­or und der Novus Ordo Mis­sae 50 Jah­re nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, Rom 2013).

Das Con­si­li­um ad exse­quen­dam Con­sti­tu­tio­nem de Sacra Lit­ur­gia ging weit über die Richtin­i­en hin­aus, die das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil für die Lit­ur­gie vor­ge­ge­ben hat­te. Dazu gehör­te auch die Ver­ban­nung der latei­ni­schen Kir­chen­spra­che aus der Lit­ur­gie, die auf weni­ge Zere­mo­nien und letzt­lich nur auf die Papst­mes­sen beschränkt wer­den soll­te. Die Abschaf­fung sehr vie­ler Gesten, Ver­nei­gun­gen und Gebe­te, die Ein­füh­rung neu­er eucha­ri­sti­scher Hoch­ge­be­te, die Abschaf­fung der Bezü­ge auf die Gemein­schaft der Hei­li­gen und auf die Got­tes­mut­ter durch Til­gung der Anru­fung ihrer Für­spra­che, der grö­ße­re Raum für die Hei­li­gen Schrif­ten, die Ände­rung der Offer­to­ri­ums­for­meln und eine Rei­he wei­te­rer Ver­än­de­run­gen las­sen eine gro­ße Distanz zwi­schen dem römi­schen Mis­sa­le und dem Novus Ordo erken­nen.

 Paul VI.: „Diese Reform birgt manche Gefahr“

Am 3. Sep­tem­ber 1969 sprach Paul VI. bei der Gene­ral­au­di­enz über mög­li­che Gefah­ren der Lit­ur­gie­re­form: „Die­se Reform birgt man­che Gefahr; eine beson­ders, die der Will­kür, und damit einer Zer­set­zung der geist­li­chen Ein­heit der kirch­li­chen Gesell­schaft, der Unüber­treff­lich­keit des Gebets und der Wür­de des Ritus. Die Viel­zahl der ein­ge­führ­ten Ver­än­de­run­gen in das tra­di­tio­nel­le und gemein­sa­me Gebet kann den Vor­wand lie­fern; und es wäre ein gro­ßer Scha­den, wenn die Für­sor­ge der Mut­ter Kir­che im Gewäh­ren der Volks­spra­chen, bestimm­ter Anpas­sun­gen an loka­le Wün­sche, bestimm­ter Tex­te und neu­er Riten und nicht weni­ger ande­rer Ent­wick­lun­gen des gött­li­chen Kul­tes, die Mei­nung ver­ur­sa­chen wür­de, daß es kei­ne gemein­sa­me, fixe und ver­bind­li­che Norm im Gebet der Kir­che gebe, und daß jeder mei­nen kann, sie nach sei­nem Talent zu orga­ni­sie­ren oder zu zer­rüt­ten.“

Über­kam Paul VI., den ent­schlos­se­nen Ver­fech­ter der Ein­füh­rung der Volks­spra­che am Ende, als er als Papst die Zustim­mung zum ent­schei­den­den Schritt gege­ben hat­te, ein Zau­dern? Am 26. Novem­ber 1969 erklär­te er dem Volk die Mar­gi­na­li­sie­rung der Kir­chen­spra­che: „Hier, das ist klar, wird die größ­te Neue­rung wahr­ge­nom­men wer­den: jene der Spra­che. Nicht mehr Latein wird die Haupt­spra­che der Kir­che sein, son­dern die Volks­spra­che. Wer die Schön­heit, die Kraft und aus­drucks­star­ke Sakra­li­tät des Latein kennt, für den wird die Erset­zung durch die Volks­spra­che sicher ein gro­ßes Opfer sein: wir ver­lie­ren die Spra­che der christ­li­chen Jahr­hun­der­te und wer­den fast zu Ein­dring­lin­gen und Pro­fa­nen im lite­ra­ri­schen Gehe­ge der hei­li­gen Aus­drucks­form, und so wer­den wir einen gro­ßen Teil die­ses wun­der­ba­ren und unver­gleich­li­chen künst­le­ri­schen und geist­li­chen Fak­t­ums ver­lie­ren, den der Gre­go­ria­ni­sche Gesang dar­stellt. Ja, wir haben Grund, betrübt zu sein und uns fast zu ver­lie­ren: Womit wer­den wir die­se ange­li­sche Spra­che erset­zen? Es ist ein Opfer zu einem unab­schätz­ba­ren Preis.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cie­sa e postconcilio/Tradition in Action

20 Kommentare

  1. Dan­ke für die­sen aus­ge­zeich­ne­ten Bericht! Die Lage zwi­schen der Pro­mul­ga­ti­on des Mis­sa­le von 1962 und dem NOM 1969/70 ist tat­säch­lich ver­wor­ren und kaum irgend­wo ange­mes­sen und ideo­lo­gie­frei dar­ge­stellt.

    Ange­sichts der im Arti­kel dar­ge­stell­ten Fak­ten und der zitier­ten Wor­te von Papst Paul VI. ist des­sen Selig­spre­chung noch unver­ständ­li­cher.

  2. Der Schau­spie­ler und Regis­seur Bill Mur­ray brach­te es in einem Inter­view im „Guar­di­an“ auf den Punkt:
    -
    „Ich bin mir nicht sicher, ob all die­se Ände­run­gen gut waren. Ich nei­ge dazu, mit dem, was man die Neue Mes­se nennt, nicht über­ein­zu­stim­men. Ich den­ke, durch den Ver­lust des Lateins ging uns etwas ver­lo­ren. Sogar wenn man jetzt in Har­lem in die Mes­se geht, kann sie Spa­nisch sein, kann sie äthio­pisch sein, kann sie in vie­len Spra­chen sein. Ihre Gestalt, die Bil­der, sind gleich, doch die Wor­te sind nicht gleich.
    Zwar ist es ver­mut­lich gut für die Men­schen, dass sie die Wor­te der Mes­se ver­ste­hen, doch in den Wor­ten sind Schwin­gun­gen. Wer oft genug hin­ge­gan­gen ist, der weiß ja eh, was sie [die Wor­te der Mess­fei­er] bedeu­ten. Und ich ver­mis­se wirk­lich die Musik, ihre Kraft, ver­ste­hen Sie? Him­mel! “
    -

    Blicken wir auf den „Wer­de­gang“ des „Novus Ordo“ zurück:
    Bez. der hl. Mes­se hat sich das Vati­ca­num II. mit kei­ner Sil­be für fol­gen­de „Neue­run­gen“ aus­ge­spro­chen;
    nicht für den sog. „Volksaltar“,nicht für die Fei­er „ver­sus popu­lum“ , nicht für die qua­si „Abschaf­fung“ der Lit­ur­gie­spra­che Latein und nicht für die „Hand­kom­mu­ni­on“ oder das „Lai­en­dik­tat“.

    Aus­zug aus der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on „Sacro­sanc­tum con­ci­li­um“ vom 4. Dezem­ber 1963:

    -
    § 1. Der Gebrauch der latei­ni­schen Spra­che soll in den latei­ni­schen Riten erhal­ten blei­ben, soweit nicht Son­der­recht ent­ge­gen­steht.

    4. Der Mut­ter­spra­che darf im Sin­ne von Art. 36 die­ser Kon­sti­tu­ti­on in den mit dem Volk gefei­er­ten Mes­sen ein gebüh­ren­der Raum zuge­teilt wer­den, beson­ders in den Lesun­gen und im „All­ge­mei­nen Gebet“ sowie je nach den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen in den Tei­len, die dem Volk zukom­men.
    Es soll jedoch Vor­sor­ge getrof­fen wer­den, daß die Christ­gläu­bi­gen die ihnen zukom­men­den Tei­le des Meß-Ordi­na­ri­ums auch latei­nisch mit­ein­an­der spre­chen oder sin­gen kön­nen. Wenn indes dar­über hin­aus irgend­wo der Gebrauch der Mut­ter­spra­che bei der Mes­se in wei­te­rem Umfang ange­bracht zu sein scheint, so ist die Vor­schrift des Arti­kels 40 die­ser Kon­sti­tu­ti­on ein­zu­hal­ten.

    -

    Das Vati­ca­num II. hat denn auch in der­sel­ben Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum con­ci­li­um vom 4. Dezem­ber 1963 weder von einer Zele­bra­ti­on „ver­sus popu­lum“ noch von der Errich­tung „neu­er Volks­al­tä­re“ gespro­chen.
    In Nr. 128 der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on steht ledig­lich:
    -
    [….]
    „Die Cano­nes und kirch­li­chen Sta­tu­ten,
    die sich auf die Gestal­tung der äuße­ren zur Lit­ur­gie gehö­ri­gen Din­ge bezie­hen,
    sind zugleich mit den lit­ur­gi­schen Büchern im Sin­ne von Art. 25 unver­züg­lich zu revi­die­ren. Das gilt beson­ders von den Bestim­mun­gen über wür­di­gen und zweck­ent­spre­chen­den Bau der Got­tes­häu­ser, Gestalt und Errich­tung der Altä­re, edle Form des eucha­ri­sti­schen Taber­na­kels, sei­nen Ort und sei­ne Sicher­hei­t….
    [….]
    -

    Erst mit den nach­kon­zi­liä­ren Will­kür­ak­ten hat der sog. „Volks­al­tar“ mit dem ihn beglei­ten­den lit­ur­gi­schen Wild­wuchs Ein­zug gehal­ten !
    Als Grund­la­ge dien­te die „Instruk­ti­on „Inter oecu­me­ni­ci“ vom Sep­tem­ber 1964, in der die eigent­li­che Absicht der Lit­ur­gie­kon­sti­tiu­ti­on durch „freie Inter­pre­ta­ti­on“ völ­lig ent­stellt wor­den ist !

    Vor dem Vati­ca­num II.galt die Wei­sung des Dekre­tes “ Sanc­tis­si­mam eucha­ri­sti­am maxi­mo“ der Riten­kon­gre­ga­ti­on vom 1. Juni 1957:

    -
    „In Kir­chen, wo sich nur ein ein­zi­ger Altar befin­det, darf er NICHT so ange­ord­net wer­den, dass der Prie­ster zum Volk hin zele­briert.“
    -

    In der bereits oben erwähn­ten „Instruk­ti­on Inter oecu­me­ni­ci“ vom Sep­tem­ber 1964 liegt nun die Wur­zel der begin­nen­den „frei­en Inter­pre­ta­ti­on“ der eigent­li­chen Konzilskonstitution.…gleichsam eine schlei­chen­de Ver­dre­hung:

    -
    „Es ist wün­schens­wert / es ist bes­ser , dass der Hoch­al­tar von der Rück­wand getrennt errich­tet wird, so dass man leicht um ihn her­um­ge­hen und an ihm zum Volk hin zele­brie­ren kann.
    Er soll in den hei­li­gen Raum hin­ein­ge­stellt sein, dass er wirk­lich die Mit­te ist,
    der sich von selbst die Auf­merk­sam­keit der gan­zen ver­sam­mel­ten Gemein­de zuwen­det.
    Bei der Aus­wahl des Mate­ri­als für den Auf­bau und die Aus­stat­tung des Altars müs­sen die Rechts­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten wer­den.
    Auch sei das Pres­by­te­ri­um um den Altar her­um so weit­räu­mig,
    dass die hei­li­gen Hand­lun­gen bequem voll­zo­gen wer­den kön­nen.“
    [….]
    Es ist erlaubt, die Mes­se zum Volk hin zu fei­ern,
    auch dann, wenn ein klei­ner, pas­sen­der Taber­na­kel auf dem Altar steht“
    -

    In einer nun nach­kon­zi­liä­ren wei­te­ren Instruk­ti­on „Eucha­ri­sti­cum myste­ri­um“ 1967 steht erneut zu lesen:

    -
    „Es ist erlaubt, die Mes­se zum Volk hin zu fei­ern, auch dann, wenn ein klei­ner, pas­sen­der Taber­na­kel auf dem Altar steht“

    -
    In der dar­auf­fol­gen­den Ein­füh­rung in das neue Römi­sche Mess­buch von 1969 wird dann wei­ter der Ein­druck erweckt, als wäre der „Volks­al­tar mit Aus­rich­tung ver­sus popu­lum“ die „Norm“:
    -

    „Der Haupt­al­tar soll von der Wand getrennt gebaut wer­den, so dass er leicht umschrit­ten wer­den und auf ihm die Zele­bra­ti­on ver­sus popu­lum (zum Volk hin) aus­ge­führt wer­den kann …
    -

    In der Neu­auf­la­ge des Mis­sa­les im Jah­re 2002 schliess­lich fin­det sich der fol­gen­schwe­re Zusatz:

    -
    „Dies soll­te der Fall sein, wo immer es mög­lich ist.“
    -

    Dies war denn auch für Man­che ein „Frei­brief“, den „Volks­al­tar“ und die Aus­rich­tung „ver­sus popu­lum“ nun gar als „ver­pflich­ten­de For­de­rung“ auf­zu­ti­schen.

    Schließ­lich noch zwei Zita­te.
    Zunächst eines vom dama­li­gen Kar­di­nal Ratz­in­ger aus „Der Geist der Lit­ur­gie“

    -

    [….]
    Die Ver­dre­hung der Gebets­rich­tung erfolgt auf Grund einer moder­nen Anthro­po­zen­trik, statt der Theo­zen­trik in der Lit­ur­gie und der akti­ve­ren Teil­nah­me an ihr.

    Dies zeigt nicht nur die lit­ur­gi­sche Gebets­rich­tung, son­dern auch die Erset­zung des Taber­na­kels in der Mit­te des Pres­by­te­ri­ums, durch den Sitz des Prie­sters. “
    … die Zele­bra­ti­ons­rich­tung ver­sus popu­lum erscheint heu­te gera­de­zu als die eigent­li­che Frucht der lit­ur­gi­schen Erneue­rung durch das II. Vati­ca­num.
    In der Tat ist sie die sicht­bar­ste Fol­ge der Neu­ge­stal­tung, die nicht nur eine äuße­re Anord­nung lit­ur­gi­scher Orte bedeu­tet, son­dern auch eine neue Idee vom Wesen der Lit­ur­gie als gemein­schaft­li­chem Mahl ein­schließt. (…) und „Immer weni­ger steht Gott im Blick­feld,
    immer wich­ti­ger wird alles, was die Men­schen tun, die sich hier tref­fen und schon gar nicht sich einem „vor­ge­ge­be­nen Schema“unterwerfen wol­len.
    Die Wen­dung des Prie­sters zum Volk formt nun die Gemein­de zu einem in sich geschlos­se­nen Kreis. Sie ist – von der Gestalt her – nicht mehr nach vor­ne und oben auf­ge­bro­chen, son­dern schließt sich in sich sel­ber.“
    -

    Und noch ein Zitat des Lit­ur­gi­kers Pater Josef Andre­as Jung­mann, der sel­ber an der Aus­ar­bei­tung der ursprüng­li­chen Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on des Vati­ca­num II. mit­be­tei­ligt war:

    -
    „Wenn sich der Lit­ur­ge zusam­men mit den Gläu­bi­gen beim Gebet dem Altar zukehrt, so ist er der sicht­ba­re Anfüh­rer des pil­gern­den Got­tes­vol­kes im gemein­sa­men Auf­bruch zum wie­der­kom­men­den Herrn.
    Die gemein­sa­me Gebets­rich­tung ist ein Aus­schau­en nach dem Ort des Herrn und hält den escha­to­lo­gi­schen Cha­rak­ter der Eucha­ri­stie­fei­er leben­dig, die aus­ge­rich­tet ist auf eine künf­ti­ge Voll­endung in der Gegen­wart des leben­di­gen Got­tes.
    So ist die lit­ur­gi­sche Ver­samm­lung als Eccle­sia pere­grin­ans offen auf die Ver­samm­lung der Hei­li­gen in der himm­li­schen Stadt, wie der Hebrä­er­brief in Erin­ne­rung ruft:
    „Ihr seid viel­mehr zum Berg Zion hin­ge­tre­ten, zur Stadt des leben­di­gen Got­tes, dem himm­li­schen Jeru­sa­lem, zu Tau­sen­den von Engeln, zu einer fest­li­chen Ver­samm­lung und zur Gemein­schaft der Erst­ge­bo­re­nen, die im Him­mel ver­zeich­net sind; zu Gott, dem Rich­ter aller, zu den Gei­stern der schon voll­ende­ten Gerech­ten, zum Mitt­ler eines neu­en Bun­des,
    Jesus, und zum Blut der Bespren­gung, das mäch­ti­ger ruft als das Blut Abels“ (Hebr 12,22–24 EU).
    [….]
    Bei der Zele­bra­ti­ons­rich­tung ver­sus popu­lum kann die Gemein­de, gleich­sam in sich gekehrt, dazu nei­gen, dass sie die tran­szen­den­te Dimen­si­on der Eucha­ri­stie­fei­er nicht mehr wahr­nimmt.
    Die Über­be­to­nung des kom­mu­ni­tä­ren Aspekts führt sozu­sa­gen zu einer geschlos­se­nen Gesellschaft,die nicht offen ist auf die unsicht­ba­re Ver­samm­lung der Hei­li­gen im Him­mel
    und auf die ande­ren irdi­schen Ver­samm­lun­gen der Chri­sten.
    Gewis­ser­ma­ßen dia­lo­gi­siert die Gemein­de mit sich selbst.
    Garri­ga sieht eine weit­ge­hen­de Desa­kra­li­sie­rung und Säku­la­ri­sie­rung der Lit­ur­gie, die mit einer nahe­zu aus­schließ­lich hori­zon­ta­len Visi­on des christ­li­chen Lebens ein­her­geht und letzt­lich ihren Grund in einer defi­zi­en­ten Chri­sto­lo­gie hat.
    Bouy­er for­dert:
    «Die sakra­men­ta­le Welt darf nie zu einer von der rea­len Welt getrenn­ten Welt wer­den».
    Zum Herrn hin zele­brie­ren, ist die wirk­li­che, der Lit­ur­gie ange­mes­sen Zele­bra­ti­ons­rich­tung.“
    -

  3. Die Zita­te Pauls VI. im letz­ten Abschnitt offen­ba­ren m.E. eine fast dia­bo­li­sche Direkt­heit: die­ser „Papst“ sag­te uns doch, was er tut und im Prin­zip auch, war­um er es tut. Er sag­te direkt, dass er nun zer­stört habe und dass es ums Zer­stö­ren gegan­gen war:

    „Ja, wir haben Grund, betrübt zu sein und uns fast zu ver­lie­ren: Womit wer­den wir die­se ange­li­sche Spra­che erset­zen? Es ist ein Opfer zu einem unab­schätz­ba­ren Preis.“

    Sol­che Sät­ze, gepaart mit der von Anfang an kla­ren und auch noch aus­ge­drück­ten (!) „Gefahr“ — man könn­te auch sagen: der unwei­ger­li­chen Kon­se­quenz des neu­en „Ordo“, der ja mehr eine Unord­nung als eine Ord­nung dar­stellt — offen­ba­ren ent­we­der einen gei­stes­kran­ken Mann oder einen bewuss­ten Zer­stö­rer.

    Denn kein Vater zer­bricht das Haus, ersetzt es durch eine lum­pi­ge Gar­ten­lau­be, schmeißt die kost­ba­ren Möbel und Bil­der auf einen Schei­ter­hau­fen, kün­digt den Kin­dern an, dass es nun berg­ab gehe, sie aber nun end­lich ein­mal Gele­gen­heit hät­ten zu spü­ren, was es hei­ße, selbst aktiv zu wer­den, ihnen unter­stel­lend, sie sei­en vor­her nur fau­le Kon­su­men­ten nicht selbst erwirt­schaf­te­ten Reich­tums gewe­sen!

    Unschwer kann man in die­ser Gestik Pauls VI. die kom­mu­ni­sti­sche Ent­eig­nung der Braut Chri­sti sehen.
    Die Mut­ter hat man erst nach Sibi­ri­en geschickt (Maria). Und eine Fami­lie ohne Mut­ter zer­fällt in aller Regel sofort (ist dann auch so gesche­hen).

    Die Schön­heit, Zart­heit und Rein­heit die­ser Frau und Mut­ter, das Wesen der Braut Chri­sti, ist seit­her ver­roht, mas­ku­li­ni­siert (nein, Kar­di­nal Bur­ke hat nicht recht — er sieht das alles zu vor­der­grün­dig, begreift nicht, was in der Tie­fe über­haupt gesche­hen ist: die Braut Chri­sti ist ver­männ­licht wor­den — das ist das Pro­blem, und es spie­gelt sich in der Mas­ku­li­ni­sie­rung auch der gesam­ten Frau­en­schaft!).

    Auch im Gläu­bi­gen wur­de die „weib­li­che“ Hal­tung des Emp­fan­gens, der akti­ven Hin­ga­be an Chri­stus, die auch den Mann geadelt und geformt, gera­de ihn in den Prie­stern und katho­li­schen Mön­chen und Lai­en­män­nern in gro­ßer Stär­ke und Schön­heit hat­te erglän­zen las­sen, durch die „akti­ve“, angeb­lich „täti­ge Teil­nah­me“ (auch dies eine sym­bo­li­sche Mas­ku­li­ni­sie­rung der Braut Chri­sti!) zer­stört.

    Waren vie­le, sehr vie­le Män­ner vor­her in maria­ni­schen Ein­stel­lung zu gro­ßer Rei­fe und Adel gelangt — das wur­de damit weg­ge­fegt!
    Waren vie­le Frau­en durch die Kon­tem­pla­ti­on und mysti­sche Bega­bung beson­ders häu­fig Emp­fän­ge­rin­nen tie­fer Erkennt­nis­se: das wur­de zer­stört und ward seit­her kaum noch gese­hen!

    Dass Paul VI. also mit vol­ler und bös­wil­li­ger Absicht han­del­te, geht aus sei­nen Wor­ten klar her­vor. War­um hat man es nicht gehört?

    Denn kein Vater (und erst recht kei­ne Mut­ter) wür­de sei­ne bzw. ihre Kin­der je einer sol­chen Gefahr aus­set­zen, die er bzw sie auch noch klar vor Augen hält, wie Paul VI. es ja tut!

    Weder ein recht­mä­ßi­ger Papst noch gar die Mut­ter Kir­che wür­de dies tun, was da gesche­hen ist!

    Und der Zynis­mus, mit dem Paul VI. dies den gut­gläu­bi­gen Men­schen auch noch ins Gesicht sagt!

  4. Ein Master­plan ist erkenn­bar: Mit Mon­ti­ni wur­de die Lit­ur­gie zer­stört und im katho­li­schen Volk das Gefühl für das Unwan­del­ba­re des Glau­bens aus­ge­löscht, da nun die Belie­big­keit an Stel­le des Zeit­lo­sen trat. Woj­ty­la konn­te dar­auf auf­bau­end wie ein zwei­ter Ech­na­ton sei­ne neue Reli­gi­on des dog­ma­ti­schen Indif­fe­ren­tis­mus im Gei­ste Assisis auf­bau­en, in der sei­ne rigi­den Moral­vor­stel­lun­gen wie ärger­nis­er­re­gen­de erra­ti­sche Blöcke im Meer der Aller­lö­sung her­vor­rag­ten. Jetzt wird nach der lex oran­di und der lex creden­di mit der Abschaf­fung der Moral im Namen der Pseu­do­barm­her­zig­keit die zweit­va­ti­ka­ni­sche After­kir­che voll­endet. Kyrie elei­son!

  5. Die Uhr nicht mehr zurück­zu­dre­hen, aber…es wird auch wie­der gut wer­den.
    Es war „vor­dem“ sicher nicht alles Gold, was glänzt, wie auch jetzt nicht alles Blech ist.

    Ich fra­ge mich, war­um die hl. Mes­se wie sie war, dann von offen­bar weni­gen, einer sicher­lich laut­star­ken Min­der­heit, abge­schafft wer­den konn­te. „Das Volk“ hät­te sicher stär­ker oppo­niert und dies ver­hin­dern kön­nen. Aber es wur­de ja so erzo­gen, daß alles rich­tig ist, was von Oben kommt.

    Papst Paul VI. ist einem gra­vie­ren­den Denk­feh­ler erle­gen. Er mein­te wohl, durch Ände­rung der Form und Weg­las­sung bestimm­ter Tei­le und Ein­füh­rung von „Neu­em“ einen Anstieg von Gläu­big­keit oder Glau­bens­wis­sen zu errei­chen. Er hat­te die Kri­se gese­hen, aber fal­sche Schlüs­se gezo­gen. Das ist die Tra­gik, die jedoch Aber­mil­lio­nen von Chri­sten aus­ba­den muß­ten und müs­sen. Halb Euro­pa ist inzwi­schen unchrist­lich gewor­den.

    Klar: auch das Volk Isra­el war immer wie­der unge­hor­sam und muß­te anschlie­ßend den Kelch des Lei­dens trin­ken. Die baby­lo­ni­sche Gefan­gen­schaft der Kir­che durch die Obe­ren der Kir­che wird ja nicht ewig andau­ern.

  6. sagen wir mal ein­fach so:
    Wenn die vor dem Kon­zil alle das gewe­sen wären, was sie hät­ten sein sol­len, dann hät­te das Kon­zil kei­ne sol­chen ver­hee­ren­den Fol­gen gehabt.

    Zu Frau Zeit­schnur, fin­de ich wit­zig, dass sie sie Mas­ku­li­ni­sei­rung der Frau bekla­gen, der sie anson­sten bestän­dig das Wort reden.

    Im Grun­de kann man sagen, das der Vater den Kin­dern das gege­ben hat, was sie laut­stark for­der­ten und den Kin­dern die Demut abhan­den gekom­men ist, das zu kom­mu­ni­zie­ren.

    ich glau­be im Grun­de geht man auch fehl damit, dass man sagt „Klar waren frü­her die Leu­te der Ansicht, alles was der Pfar­rer sagt, ist rich­tig, auch wenn es noch so ver­kehrt ist“
    Unter­hält man sich auch mit alten Leu­ten län­ger und tie­fer, so stellt man fest, dass es sich hier um ein Kli­schee han­delt.

    • Sie haben völ­lig recht: Wenn die vor dem Kon­zil alle das gewe­sen wären, was sie hät­ten sein sol­len, dann hät­te das Kon­zil kei­ne sol­chen ver­hee­ren­den Fol­gen gehabt!
      Wie schrieb der gute Freund des Mon­ti­ni-Pap­stes, der fran­zöi­sche Schrift­stel­ler Jean Guit­ton, aus­ge­rech­net im „L‚Osservatore Roma­no“: „.…. es war lan­ge vor dem Kon­zil, daß neue For­men der Spi­ri­tua­li­tät, Mis­si­on, Kate­che­se, Lit­ur­gie­spra­che, des Bibel­stu­di­ums und des Öku­me­nis­mus vor­ge­legt wur­den. Es war lan­ge vor dem Kon­zil, daß ein neu­er Geist in der Kir­che gebo­ren wur­de.“
      Pius XII. selbst hat­te die Wei­chen bereits in die­se Rich­tung gestellt, dafür gibt es unzäh­li­ge Bele­ge, über­ließ aber sei­nen Nach­fol­gern die Aus­füh­rung. Ob er sel­ber jemals so weit gegan­gen wer­den, darf aber mit Recht bezwei­felt wer­den. Doch allein die Beru­fung Anni­ba­le Bugni­nis zum Lei­ter der Reform der Lit­ur­gie war ein ver­häng­nis­vol­ler Schritt des letz­ten Pius-Pap­stes. Ist es nicht bezeich­nend, daß die­ser Mann aus­ge­rech­net den Vor­na­men Han­ni­bal trug? Wie Han­ni­bal Rom zer­stör­te, so zer­stör­te Bugni­ni die alt­ehr­wür­di­ge Lit­ur­gie der Römi­schen Kir­che. Als das gan­ze Aus­maß die­ser Zer­stö­rung sicht­bar wur­de, beschul­dig­te der ita­lie­ni­sche Roman­cier Tito Casi­ni vol­ler Zorn und Ver­zweif­lung Paul VI.: „Sie haben das getan, was die römi­schen Sol­da­ten am Fuß des Kreu­zes nie­mals zu tun gewagt hät­ten. Sie haben das naht­lo­se Gewand zer­ris­sen, das Band der Ein­heit zwi­schen den an Chri­stus Glau­ben­den in Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft, um es in Fet­zen lie­gen zu las­sen.“ Der offe­ne Brief Casi­nis ging in zahl­rei­chen Über­set­zun­gen um die Welt — so ver­ge­bens wie ein lei­den­schaft­li­ches Gesuch aus Eng­land an den Papst, „uns die Mes­se zurück­zu­brin­gen, wie sie so groß­ar­tig im Latein ihren Aus­druck fand, die Mes­se, die unzäh­li­ge Wer­ke der Mystik, der Male­rei, Dich­tung, Bild­haue­rei und Musik inspi­rier­te, die Mes­se, die nicht nur der katho­li­schen Kir­che und ihren Gläu­bi­gen gehört, son­dern der Kul­tur der gan­zen Welt“. Das Bitt­ge­such war von einer Rei­he ange­se­he­ner Künst­ler und Phi­lo­so­phen unter­schrie­ben, dar­un­ter Yehu­di Menu­hin, Otto Klem­pe­rer, Aga­tha Chri­stie, And­res Sego­via, Robert Gra­ves, Iris Mur­doch, Jor­ge Luis Bor­ges, Robert Lowell und Vla­di­mir Ash­ken­asy.
      Ich bin sicher, daß Giu­sep­pe Siri (daher mein Pseud­onym), der Erz­bi­schof von Genua, wenn er denn Papst anstel­le des unse­li­gen Mon­ti­ni gewor­den wäre, die­se ver­häng­nis­vol­le Ent­wick­lung wenn nicht gestoppt, so doch deut­lich abge­bremst hät­te. Es hat nicht sol­len sein, weder 1963 noch 1977. Die moder­ni­sti­schen Neue­rer und Zer­stö­rer der Tra­di­ti­on haben sich durch­ge­setzt .….…

    • …und ein Kli­schee ist auch, dass Frau Zeit­schnur der Mas­ku­li­ni­sie­rung der Frau das Wort rede…

      Das hat sie in der Tat noch nie getan… sie spricht viel­mehr der weit­rei­chen­den und intel­li­gen­ten Femi­ni­sie­rung der Frau das Wort…
      Die wie­der­um setzt aber eine gewis­se Frei­heit vor­aus.

      Scha­de, dass so vie­le Katho­li­kin­nen sie nicht haben.
      Das muss mit ihrer Abwehr gegen die Got­tes­mut­ter zu tun haben!

      Die Fra­ge der Fra­gen ist näm­lich: gilt für uns die alte Fluch­ord­nung, oder stre­ben wir der Heils­ord­nung ent­ge­gen, um end­lich erlöst in Gott ein­zu­ge­hen?

      Oder haben wir womög­lich gar nicht erkannt, dass da ein Unter­schied besteht?

      • wir ste­hen unter der FLuch­ord­nung udn nur wenn wir das anneh­men, gelan­gen wir zur himm­li­schen Heils­ord­nung, das ist der sprin­gen­de Punkt.
        Und alle Ver­su­che die Heils­ord­nung ohne Annah­me des FLu­ches zu eta­blie­ren, die eta­blie­ren die Höl­le auf Erden, wel­che auch wie­der, durch Annah­me zu einem Fege­feu­er gewan­delt wer­den kann.
        Genau dar­um geht es bei der Mann/Frau Kiste oder mei­nen Sie, dass die Män­ner es bes­ser hät­ten, als die Frau­en?

      • @ besorg­ter christ

        Es ist nicht mein Feh­ler, wenn Sie die Ebe­ne, auf der ich argu­men­tie­re, stän­dig ver­feh­len…

        Und ich hat­te doch recht — Sie kön­nen die Fluch­ord­nung von der Heils­ord­nung nicht unter­schei­den. Das erklärt auch Ihr Unver­ständ­nis und die wie­der­hol­te unter­schwel­li­ge Aggres­si­on gegen mei­ne Über­le­gun­gen zum The­ma.

        Mit Jesus und Maria sind der neue Adam und die neue Eva gekom­men — das ist Leh­re der Kir­che. Wir ste­hen selbst­ver­ständ­lich nicht mehr unter dem Fluch der Sün­de. Wir har­ren jedoch auf das Offen­bar­wer­den der Erlö­sung, die bereits gilt.

        Wir haben das Gna­den­ge­wand schon erhal­ten und sind in einem Läu­te­rungs­pro­zess begrif­fen. Dafür ist die­ses Leben doch da! Was man hier nicht tut, um dem alten Men­schen zu ster­ben, kommt dann im Feg­feu­er.
        Und dort, heißt es, gehe es nicht mehr so leicht wie hier…

        „Zieht den neu­en Men­schen an!“

        Das ist die Marsch­rich­tung des Hl. Pau­lus.
        Was Sie reden, führt ins Gegen­teil.

      • Im übri­gen: die „Fluchoir­d­ug­nan­er­ken­nen“ kann nur hei­ßen: aner­ken­nen dass man ein Sün­der ist und unter dem Gesetz der Sün­de steht von Natur aus.

        Wer aber zur Tau­fe schrei­tet begehrt den Glau­ben der Kir­che.

        Wer den emp­fängt steht nicht mehr unter dem Gesetz der Sün­de.

        Es bestürzt mich regel­recht, dass Sie das nicht wis­sen!

      • Jeder Blick in die Nach­rich­ten, jeder Blick in ein Geschichts­buch, jeder Blick in den Spie­gel belehrt mich, dass wir unter der Fluch­ord­nung ste­hen.
        Gera­de Sie wer­te Frau Zeit­schnur gei­ßeln abso­lut kor­rekt (zwar abso­lut lieb­los) die teil­wei­se ver­häng­nis­vol­len Feh­ler der­je­ni­gen die zu hohem Amt und Wür­den beru­fen sind, und auch durch Tau­fe neue Ord­nung, ange­klei­det mit den Gna­den­ge­wand und dergl wur­den, wo das sogar durch die Fir­mung besie­gelt wur­de und trotz­dem guckt der alte Mensch aus allen Knopf­lö­chern, und es scheint als sei die Schwer­kraft des Bösen omni­po­tent.
        Ich den­ke wir kön­nen uns auf den Läu­te­rungs­pro­zess hier auf die­ser Erde in der Ver­ban­nung mit der gefal­le­nen (auchd er gefal­le­nen mensch­li­chen Natur, im Sin­ne einer UNordung der Kate­go­rien der See­le udn des Wil­lens) eini­gen.
        Aber mir scheint sie hul­di­gen einen dona­ti­sti­schen Irr­tum,. dass der Getauf­te auto­ma­tisch der Bes­se­re Mensch sei, und im Fall, dass man merkt, dass dem nicht so ist, soll man ihn hin­aus­wer­fen oder am besten gleich umbrin­gen.
        Ich den­ke es bleibt wie es Chri­stus gesagt hat, eng und schmal ist der Weg zudem führt er durch vie­ler­lei Drang­sa­le, weil wir zwar geret­tet sind, aber nur in der Hoff­nung, Hoff­nung aber die schon erfüllt ist, kei­ne mehr ist.

      • P.S ja wir gehö­ren durch die tau­fe nicht mehr zur Fluch­ord­nung ste­hen aber unter ihrer Fuch­tel, alles was wir tun kön­nen ist die­se FLuch­ord­nung über­stei­gen, indem wir sie als Stu­fen hin­auf zu Gott durch Chri­stus! neh­men, exem­pla­risch haben die Mär­ty­rer das gemacht.
        Aber die Fluch­ord­nung ist eine Rea­li­tät die sich durch die Tau­fe nicht in nichts auf­löst

      • @ besorg­ter christ

        Wir ste­he defi­ni­tiv nicht mehr unter der Fluch­ord­nung!
        Andern­falls könn­ten wir uns Kirch­gän­ge, Sakra­men­ten­emp­fang etc. spa­ren!

        Der „alte Mensch“ guckt aus den Knopf­lö­chern“, aber es ist unse­re Auf­ga­be, ihm ade zu sagen!

        Vie­le Men­schen sind nicht getauft bzw. glau­ben nicht (mehr) an das, was die Tau­fe aus­sagt.

        Der das Gna­den­ge­and trägt, ist nicht unter dem Fluch, aber er muss abwar­ten, bis Got­tes Geduld mit uns allen auch noch den letz­ten Sün­der mit die­sem Gewand beklei­det hat — dar­um sieht es so aus, wie es aus­sieht.

        Das mit dem Dona­tis­mus ist dum­mes Zeug, ver­zei­hen Sie. Sie haben das schon mehr­fach auf­ge­fah­ren. Ich bin die letz­te, die nicht jedem Fehl­trit­te zuge­steht, sofern er sie auch wie­der bereut und büßt (einschl.meiner selbst). Aber ich wei­ge­re mich, dem beharr­li­chen Sün­di­gen auch nur irgend­et­was zugu­te zu hal­ten!

        Und bit­te: las­sen Sie Ihre Psy­cho­keu­len im Sack — wäre ich klein­lich, könn­te ich auch Ihre Anwür­fe als „lieb­los“ qua­li­fi­ze­ren. Das ist alles albern: das zum Bei­spiel kann man von ech­ten Män­nern ler­nen, hier nicht her­um­zuz­im­pern! Zim­per­lie­sen tau­gen nicht fürs Reich Got­tes…
        Es ist wie Jesus es sag­te: Habe ich recht mit dem, was ich sage, oder nicht? Nur das zählt! Lie­be darf nicht als Deck­man­tel für die Bos­heit her­hal­ten!
        Und noch ein Volks­mund-Wort: Der Narr ver­trägt die Wahr­heit nicht. Nur der Feig­ling weicht aus auf die Meta­ebe­ne („Der Ton gefällt mir nicht, hach, das ist lieb­los, ächz, und über­haupt, Du bist nicht bessr als die ande­ren..“)

        Chri­sten sind aber kei­ne Nar­ren — sie ver­tra­gen die Wahr­heit ohne her­um­zu­jau­len und sich selbst zu bemit­lei­den. Und wenn sie es noch nicht ver­tra­gen, ler­nen sie es. Das muss man auch im nor­ma­len welt­li­chen Geschäfts­le­ben ler­nen. Man kann also nur sagen: Wer­den wir erwach­se­ne Chri­sten.

        Uns ist ein ech­tes Rit­ter­tum zuge­sagt in der Fir­mung: neh­men wir es doch end­lich an ohne die­se Emp­fin­de­lei!

      • natür­lich ste­hen wir unter der Fluchor­dung, lesen Sie doch mal Zei­tung.
        Gera­de Sie pran­gern ja die Kir­che in ihren Amts­trä­gern an, da ist alles zu spät.
        Gera­de Sie stel­len doch immer wie­der, im Grun­de rich­tig, fest, dass die Fran­zis­kus­schen Eska­pa­den, Frucht der vor­her­ge­hen­den Eska­pa­den sind.
        Was Chri­stus gebracht hat, ist, dass der Fluch unter dem wir alles ste­hen nicht mehr unaus­weich­lich ist, son­dern wir aus die­ser ver­fluch­ten Welt geret­tet wer­den kön­nen (so wir das wol­len) aber durch den Tod hin­durch, das ist die Erlö­sungs­tat Chri­sti.
        Werk­zeug dafür, dass wir das tun kön­nen, ist die von Chri­stus gestif­te­te Kir­che, mit­samt den Sakra­men­ten.
        Und mei­ne Lie­be, Pau­lus sagt „so blei­ben Glau­be, Hoff­nung, Lie­be, das Größ­te aber ist die Lie­be“ und „Die Lie­be deckt vie­le Sün­den zu“ sagt Petrus in der ersten jemals geschrie­be­nen Enzy­kli­ka.
        Und Chri­stus selbst lobt die Sün­de­rin, wegen der Lie­be die sie ihm erwie­sen hat, udn for­dert Barm­her­zig­keit, statt Opfer.
        Ich weiß schon,d ass die­se Worte,g era­de inner­kirch­lich, sehr, sehr miss­braucht wer­den, den­noch sind sie wahr.

  7. „Es ist ein Opfer zu einem unab­schätz­ba­ren Preis“.
    Lei­der ist uns der Mon­ti­ni-Papst die Ant­wort schul­dig geblie­ben, wozu die­ses Opfer nötig war und wem es dar­ge­bracht wur­de!
    Wir alle ken­nen zur Genü­ge das Gejam­mer die­ses Man­nes, der aber weder bereit noch in der Lage war, die Gei­ster, die er sel­ber rief, zu ban­nen. Er war Papst in der ent­schei­den­den Zeit von 1963–1978, er hat­te die Macht und auch die Mit­tel, das Kon­zil, was ja noch buch­stäb­lich in den Start­lö­chern stand, in eine ande­re Rich­tung zu len­ken. Nein, er hat ja alle die unse­li­gen Beschlüs­se nicht nur umge­setzt, son­dern groß­teils auch initi­iert. Und dann brach er in das gro­ße Wei­nen aus: „Der Geist Satans ist in die Kir­che ein­ge­drun­gen“. Ja, bit­te schön, wer hat die­sem Geist denn Tür und Tor weit geöff­net? Sein Vor­gän­ger Johan­nes XXIII. hat nach sei­nen eige­nen Wor­ten „die Fen­ster öff­nen wol­len, um fri­sche Luft her­ein­zu­las­sen“, Paul VI. aber hat nicht nur sämt­li­che Türen auf­ge­macht, son­dern auch noch die Mau­ern nie­der­ge­ris­sen bzw. nie­der­rei­ßen las­sen.
    Bereits zu Beginn der 1960er Jah­re war die so lan­ge unter dem Deckel gehal­te­ne kirch­li­che Revo­lu­ti­on klar eta­bliert. Es war eine ver­hält­nis­mä­ßig sanf­te Ope­ra­ti­on gewe­sen — vor allem dank der Tat­sa­che, daß sie nicht von erklär­ten Athe­isten, son­dern von den angeb­li­chen Freun­den der Kir­che, ja von ihren füh­ren­den Kle­ri­kern mit dem Papst an der Spit­ze, aus­ge­führt wor­den war. Anders als bei Luthers Angriff im 16. Jhdt. mit sei­nem wil­den Geschrei wur­de der Umsturz im 20. Jhdt. in ver­gleichs­wei­ser Stil­le, inmit­ten einer wohl­ge­ord­ne­ten Kom­bi­na­ti­on von Posi­ti­ons­pa­pie­ren, Lage­be­rich­ten, Kon­fe­ren­zen, Tages­ord­nun­gen und Lehr­plan­pro­jek­ten voll­zo­gen, die alle durch Kom­mis­sio­nen, Arbeits­grup­pen, Stu­di­en­ta­gun­gen, Dis­kus­sio­nen und Dia­lo­ge hin­durch­gin­gen. Sobald das Kon­zil eröff­net war, wur­de der Umsturz unab­läs­sig in Arti­keln, Pres­se­kon­fe­ren­zen, Inter­views, Ermah­nun­gen und Enzy­kli­ken vor­an­ge­trie­ben, alles unter den Augen und dem vol­len Wohl­wol­len des Pap­stes Paul.
    „Ist die katho­li­sche Kir­che ver­rückt gewor­den?“ frag­te besorgt der bri­ti­sche Gelehr­te John Epp­stein, obwohl die gan­ze ver­häng­nis­vol­le Ent­wick­lung noch in ihren Anfän­gen stand.
    Gegen Ende sei­nes Lebens ver­flog Pauls Eupho­rie, und er erkann­te — zu spät — , daß er außer­stan­de war, das durch­zu­ste­hen, was er ange­rich­tet hat­te. Den Abfall tau­sen­der von Prie­stern und Ordens­leu­ten nann­te er „mei­ne Dor­nen­kro­ne“, und in einer sei­nen letz­ten Anspra­chen beschwor er eine Figur, die sei­ne schö­ne neue Kir­che doch eigent­lich längst abge­schafft hat­te: „Eine feind­li­che Macht hat sich ein­ge­schal­tet, ein geheim­nis­vol­les Wesen, der Teu­fel selbst. Ich zitt­re, mei­ne lie­ben Brü­der und Schwe­stern.“
    Er hat­te wohl allen Grund dazu .….…..

    • Aller­dings bezog Paul VI. das mit dem Rauch Satans auf den Kon­zils­geist: Er jam­mer­te her­um, dass der Rauch Satans den wun­der­ba­ren Kon­zils­geist zer­stört hät­te.

  8. Vor­hin las ich im News­let­ter, dass „Ognis­san­ti“ die Titel­kir­che von Kar­di­nal Kas­per ist, der Papst Fran­zis­kus dort emp­fan­gen wird. Na das passt ja nun alles wie die Faust auf’s Auge!

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