Luxusappartements statt Kirchen in New York

St. Vincent de Paul New York(Washing­ton) Weni­ger Kir­chen, mehr Häu­ser. Am besten Luxus­häu­ser. So oder ähn­lich könn­ten Immo­bi­li­en­händ­ler in New York das Mot­to vor­ge­ben.  Der Immo­bi­li­en­markt von New York boomt. Die acht Mil­lio­nen Ein­woh­ner zäh­len­de Stadt wächst zwar nur mehr in beschei­de­nem Aus­maß, etwa 0,2 Pro­zent jedes Jahr, doch der Wohn­raum­be­darf ist unge­bro­chen. Immer mehr Sin­gle­haus­hal­te und höhe­re Ansprü­che wol­len befrie­digt wer­den. So schie­len Immo­bi­li­en­spe­ku­lan­ten begie­rig auf die Kir­chen der Stadt. Zahl­rei­che Got­tes­häu­ser ris­kie­ren dem­nächst abge­bro­chen zu wer­den, um Platz für Luxus­wohn­an­la­gen zu schaf­fen.

Eini­ge sind bereits ver­schwun­den. So die Kir­che von Saint Vin­cent de Paul von Wil­liams­burg in Brook­lyn. Sie wur­de, laut USA Today, um 13,8 Mil­lio­nen Dol­lar ver­kauft. Heu­te steht dort ein Gebäu­de mit 40 Woh­nun­gen. Jede von ihnen kann um den Preis von 4.250–5.500 Dol­lar im Monat gemie­tet wer­den. Ein ande­res Bei­spiel ist die Kir­che Mary Help of Chri­sti­ans in East Vil­la­ge. Dem­nächst wird die Kir­che Unse­rer Lie­ben Frau von Wil­na in Lower Man­hat­tan am Ein­gang des Hol­land Tun­nels, der New York mit New Jer­sey ver­bin­det, abge­bro­chen. Für sie wur­de ein Preis von 13 Mil­lio­nen Dol­lar bezahlt. An ihrer Stel­le soll ein 18 stöcki­ges Wohn­haus ent­ste­hen.

Steigende Kosten, sinkender Bedarf

Katholische Kirche in New York
Kir­che Unse­rer Lie­ben Frau von Wil­na wird dem­nächst abge­bro­chen

Im Upper East Side soll auch die Kir­che Our Lady of Peace zu den Abbruch­kan­di­da­ten gehö­ren. Die 1866 erbau­te Kir­che beher­berg­te die ita­lo-ame­ri­ka­ni­sche Gemein­schaft. Sie befin­det sich in einem histo­ri­schen Teil der Stadt. Die Kir­chen­fas­sa­de steht unter Denk­mal­schutz. Kein Pro­blem für die Immo­bi­li­en­bran­che. Die Fas­sa­de wer­de erhal­ten, dahin­ter ein moder­nes Wohn­haus mit Luxus­ap­par­te­ments hoch­ge­zo­gen. Die histo­ri­sche Fas­sa­de ver­lei­he dem Wohn­raum künf­ti­ger Eigen­tü­mer ein beson­de­res Flair.

Nur einen Kilo­me­ter davon ent­fernt könn­te auch die Kir­che Saint Tho­mas More abge­ris­sen wer­den. Es ist die Kir­che, die von Jac­que­line Ken­ne­dy Onas­sis auf­ge­sucht wur­de. Dort fand auch die Gedenk­fei­er für ihren ermor­de­ten Mann, US-Prä­si­dent John F. Ken­ne­dy statt.

Grund für die fieb­ri­ge Jagd der Immo­bi­li­en­bran­che auf Kir­chen ist die Ankün­di­gung der Erz­diö­ze­se New York, Pfar­rei­en zusam­men­zu­le­gen und eini­ge Kir­che bis Jah­res­en­de zu schlie­ßen. Grund dafür sind stei­gen­de Erhal­tungs­ko­sten, Prie­ster­man­gel und Rück­gang der prak­ti­zie­ren­den Gläu­bi­gen. Erz­bi­schof Timo­thy Kar­di­nal Dolan gab bekannt, daß sei­ne Erz­diö­ze­se nicht län­ger 40 Mil­lio­nen Dol­lar aus­ge­ben wer­de, um Pfar­rei­en zu erhal­ten, die es nicht brau­che.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can Insider/NY Cur­bed (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Drei Din­ge sind mir beim Lesen beson­ders ins Auge gesprun­gen:

    1. „Die Kir­chen­fas­sa­de steht unter Denk­mal­schutz. Kein Pro­blem für die Immo­bi­li­en­bran­che.

    2. „… könn­te auch die Kir­che Saint Tho­mas More abge­ris­sen wer­den.“

    3. „… um Pfar­rei­en zu erhal­ten, die es nicht brau­che.“

    Ja, die Fas­sa­de der katho­li­schen Kir­che (nur des Westens?) wird erhal­ten, ihr Inhalt aber umge­mo­delt.
    Die Kir­che „Tho­mas More“ könn­te zum Abriss frei­ge­ge­ben wer­den.
    Tho­mas Morus — wir wis­sen doch, wofür die­ser Name steht.
    Auch hier ist das Signal unüber­seh­bar.
    Pfar­rei­en, die nicht gebraucht wer­den — wie wahr!

    Wie­viel Lie­be für uns und Geduld mit uns muss Gott haben, wenn Er sich das alles ansieht?
    Das Herz müss­te Ihm bre­chen, wenn dies mög­lich wäre.

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