Syrien, mehr als 20.000 ausländische Kämpfer für den Dschihad

Ankunft ausländischer Kämpfer für den Islamischen Staat (IS) in Syrien hat nach Attentat von Paris weiter zugenommen.
Ankunft aus­län­di­scher Kämp­fer für den Isla­mi­schen Staat (IS) in Syri­en hat nach Atten­tat von Paris zuge­nom­men.

(Damas­kus) In jüng­ster Zeit hat die Zunah­me aus­län­di­scher Kämp­fer, die über die Tür­kei nach Syri­en gelan­gen, um für den Dschi­had zu kämp­fen, „ein bis­her nicht gekann­tes Aus­maß“ erreicht. Seit dem Atten­tat von Paris hat sich der Zufluß noch ver­stärkt, so der NCTC-Direk­tor Nicho­las Ras­mussen.

Sie kom­men aus aller Welt. Mehr als 20.000 Isla­mi­sten sol­len sich den Trup­pen des Isla­mi­schen Staa­tes (IS) oder ande­ren Isla­mi­sten­kampf­ver­bän­den ange­schlos­sen haben. Dies berich­ten offi­zi­el­le Quel­le ame­ri­ka­ni­scher Nach­rich­ten­dienst­stel­len. Dem­nach kämp­fen Isla­mi­sten aus 90 Staa­ten in Syri­en, dar­un­ter min­de­stens 3.400 aus dem Westen, auch aus den USA.

Islamischer Staat (IS) übt große Anziehungskraft aus

In dem vom Natio­nal Coun­ter-Ter­ro­rism Cen­ter (NCTC) mit Sitz im Staat Vir­gi­nia ver­brei­te­ten Doku­ment heißt es, daß die aus­län­di­schen Kämp­fer sich bevor­zugt dem Isla­mi­schen Staat (IS) anschlie­ßen. Der von Ibra­him al-Badri, ali­as Abu Bakr al-Baghda­di, ali­as „Kalif Ibra­him“ geführ­te Kampf­ver­band ent­fal­tet die größ­te Anzie­hungs­kraft unter den Dschi­had-Mili­zen. Es gebe zwar kei­ne gesi­cher­ten Anga­ben, doch was die Rekru­tie­rungs­fä­hig­keit des Isla­mi­schen Staa­tes (IS) welt­weit unter Isla­mi­sten anbe­langt, sei­en die „Ten­den­zen ein­deu­tig und besorg­nis­er­re­gend“, so NCTC-Direk­tor Nicho­las Ras­mussen.

Die Typo­lo­gie der Dschi­ha­di­sten, die in den Nahen Osten strö­men, sei sehr unter­schied­lich, so daß sie in kein ein­heit­li­ches Sche­ma pas­sen. Das erschwe­re die Loka­li­sie­rung und Umgren­zung ihrer Her­kunfts­mi­lieus in den Hei­mat­staa­ten.

In Syrien kämpfen mehr Ausländer als in allen islamischen Krisengebieten der letzten 20 Jahre zusammen

Um das Aus­maß des Phä­no­mens ver­ständ­lich zu machen, sagt Ras­mussen, daß „die Zahl der aus­län­di­schen Kämp­fer, die nach Syri­en kom­men, prä­ze­denz­los ist“ und grö­ßer ist, als alle zusam­men­ge­nom­men, „die „in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren nach „Afgha­ni­stan, Paki­stan, Irak, Jemen, Soma­lia und ande­ren Zonen“ gegan­gen sind, um zu kämp­fen.

Seit eini­ger Zeit haben west­li­che Regie­run­gen Alarm geschla­gen wegen der wach­sen­den Zahl von Staats­bür­gern, Ein­wan­de­rer der ersten, zwei­ten oder drit­ten Genera­ti­on, die nach Syri­en oder in den Irak auf­bre­chen, um in den Rei­hen isla­mi­sti­scher Mili­zen für die Errich­tung eines neu­en isla­mi­schen Kali­fats zu kämp­fen. Besorg­nis­er­re­gend sei, daß das Phä­no­men nach dem Atten­tat von Paris, bei dem 17 Men­schen getö­tet wur­den und mit­ten in Euro­pa Panik aus­ge­löst wur­de, nicht abge­nom­men, son­dern wei­ter zuge­nom­men hat.

Kathartische Errichtung des neuen „Kalifats“ durch Vernichtung der Feinde

Laut dem NCTC-Direk­tor gelingt dem Isla­mi­schen Staat (IS) die Rekru­tie­rung neu­er Kämp­fer in so gro­ßer Zahl, weil er es geschickt ver­ste­he, das Inter­net und die sozia­len Netz­wer­ke gezielt zu nüt­zen. Vide­os in ver­schie­de­nen Spra­chen, die im Inter­net ver­brei­tet wer­den, wür­den beson­ders unter jun­gen Mos­lems in west­li­chen Staa­ten eine star­ke Anzie­hungs­kraft aus­üben. Dazu gehö­re es Macht zu demon­strie­ren, etwa durch grau­sa­me Ent­haup­tun­gen und Hin­rich­tun­gen.

Der Isla­mi­sche Staat (IS) ver­ste­he es, aus der Fer­ne Tau­sen­de von Jugend­li­chen, Mäd­chen und Bur­schen zu indok­tri­nie­ren. Die Dschi­ha­di­sten stel­len das Leben jun­ger Mos­lems im west­li­chen Kon­text als sinn­los und hoff­nungs­los dar. Dem stel­len sie ein radi­ka­les Gegen­mo­dell ent­ge­gen, das neue „Kali­fat“, die Errich­tung eines isla­mi­schen Ide­al­staa­tes durch die Kathar­sis, in der alle Fein­de besiegt, ver­nich­tet oder unter­wor­fen wer­den. Wer bei die­sem Kampf ster­be, habe durch das Mar­ty­ri­um bereits den höch­sten Sieg errun­gen.

Al-Qai­da und des­sen ver­schie­de­ne Able­ger in Asi­en und Afri­ka, so NCTC-Direk­tor Nicho­las Ras­mussen, hät­ten „nie einen sol­chen Scharf­sinn in Sachen Pro­ga­gan­da“ gezeigt.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news

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