Marx: „Deutsche Bischöfe stehen hinter Kasper“ — Schönborn auch

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

(Rom) „Die Mehr­heit der deut­schen Bischö­fe sind mit dem Vor­schlag Kas­pers ein­ver­stan­den“, sag­te Rein­hard Kar­di­nal Marx am Mon­tag, und mein­te damit unum­wun­den die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ner zur Kom­mu­ni­on. Er ergriff in der Syn­ode­nau­la das Wort gleich nach der Rela­tio des Bericht­erstat­ters Kar­di­nal Erdö. Öster­reichs Kar­di­nal Schön­born pflich­te­te Kas­per bei. Der deutsch­spra­chi­ge Epi­sko­pat geht in der Bischofs­syn­ode sofort in die Offen­si­ve und bemüht sich um The­men­füh­rer­schaft. Die Neu­auf­la­ge der Rhei­ni­schen Alli­anz ist im deut­schen Sprach­raum bereits voll­zo­gen. Die „libe­ra­le“ Par­tei hat sich gut organisiert.

Kar­di­nal Marx ist Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing, Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, in Kür­ze auch Vor­sit­zen­der der Kon­fe­renz der euro­päi­schen Bischofs­kon­fe­ren­zen, Ver­tre­ter Euro­pas im C9-Kar­di­nal­s­rat zur Bera­tung von Papst Fran­zis­kus zur Kuri­en­re­form und Lei­tung der Welt­kir­che und Vor­sit­zen­der des neu­en Wirt­schafts­rats des Hei­li­gen Stuhls. Ein Mann mit Ein­fluß und Machtbewußtsein.

Deutsche Offensive

Kardinal Marx dahinter Erzbischof Zollitsch
Kar­di­nal Marx dahin­ter Erz­bi­schof Zollitsch

„In der Syn­ode herrscht eine sehr offe­ne Atmo­sphä­re“, erklär­te der deut­sche Kar­di­nal. Auch sein öster­rei­chi­sches Pen­dant, Wiens Erz­bi­schof Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born signa­li­sier­te sofort Öff­nungs­be­reit­schaft gegen­über den „posi­ti­ven Ele­men­ten“ der Zivilehe.

„Wir haben dis­ku­tiert und die­ses The­ma ver­tieft und ich habe schrift­lich das Sekre­ta­ri­at der Syn­ode infor­miert“ über die deut­sche Posi­ti­on, so Kar­di­nal Marx, den Bene­dikt XVI. 2008 zum Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing ernann­te, womit er sei­nen Auf­stieg in die heu­ti­gen Posi­tio­nen ermög­lich­te. Zuvor war Marx, Jahr­gang 1953, seit 2002 Bischof von Trier und noch davor seit 1996 Weih­bi­schof von Paderborn.

„In Deutsch­land haben wir ent­schie­den, daß die Debat­te öffent­lich sein soll. Pius XII. hat von der öffent­li­chen Mei­nung in der Kir­che gespro­chen und wir müs­sen die Fami­lie so sehen, wie sie heu­te ist und über alle The­men und alle Her­aus­for­de­run­gen mit pasto­ra­ler Sen­si­bi­li­tät spre­chen. Für die Chri­sten ist die Wahr­heit nicht ein System von Ideen, son­dern eine leben­di­ge Per­son, mit der wir im Dia­log sind“, so Marx auf der Pres­se­kon­fe­renz von Radio Vati­kan.

In der Syn­ode­nau­la herr­sche kein Kli­ma des Kon­flikts, man höre sich respekt­voll zu. Man müs­se auf die Kom­ple­xi­tät der Rea­li­tät schau­en und auch auf die Lebens­ge­schich­ten der Men­schen, die nicht immer alle posi­tiv oder alle nega­tiv seien.

Nein zu schnelleren Ehenichtigkeitsverfahren statt Kommunionzulassung für wiederverheiratet Geschiedene

Marx ergänz­te zudem, daß die deut­schen Bischö­fe nicht an einer Beschleu­ni­gung des Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­rens inter­es­siert sei­en. Bereits Bene­dikts XVI. hat­te eine Beschleu­ni­gung des inhalt­lich gleich­blei­ben­den Ver­fah­rens als mög­li­che Ant­wort auf das Dra­ma geschei­ter­ter Ehen genannt, da es recht­mä­ßig sei, die Gül­tig­keit der Ehe zu prüfen.

Die deut­schen Bischö­fen wol­len sich damit aber nicht ver­trö­sten las­sen. Sie for­dern als ein­zig akzep­ta­ble Ant­wort auf die aktu­el­le „Lebens­wirk­lich­keit“ die Zulas­sung der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on. So jeden­falls die Dar­stel­lung von Kar­di­nal Marx. Denn wenn die Ehe nach vie­len Jah­ren schei­te­re, sei es schwie­rig, dar­über zu ent­schei­den, ob die Ehe gül­tig zustan­de kam oder nicht. Schließ­lich möch­ten „wir nicht, daß man an eine Art von ‚katho­li­scher Schei­dung‘ denkt“, gab sich der Kar­di­nal dialektisch.

Kardinal Burke Wortführer der „Konservativen“

Am Nach­mit­tag des ersten Syn­oden­ta­ges ergriff neben Kar­di­nal Wal­ter Kas­per auch Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke das Wort. Er gehört mit vier ande­ren Kar­di­nä­len zu den Autoren eines Sam­mel­ban­des gegen Kas­pers Vor­schlag. Ist Kar­di­nal Kas­per mit päpst­li­chem Wohl­wol­len Wort­füh­rer der „libe­ra­len“ Par­tei, gilt Kar­di­nal Bur­ke als Wort­füh­rer der „kon­ser­va­ti­ven“ Par­tei. In einem psy­cho­lo­gi­schen Klein­krieg, wur­de im Vor­feld der Syn­ode ver­sucht, den tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Kar­di­nal mit Abset­zungs­ge­rüch­ten und ‑dro­hun­gen unter Druck zu set­zen. Es fällt zudem auf, daß in der Außen­wahr­neh­mung der Syn­ode, dem, was nach außen dringt, die Mei­nung der „Libe­ra­len“ breit dar­ge­stellt, jene der „Kon­ser­va­ti­ven“ hin­ge­gen weit­ge­hend unter­schla­gen wer­den soll. Die pro­gres­si­ve Deho­nia­ner-Zeit­schrift Il Reg­no, der Schu­le von Bolo­gna nahe­ste­hend, rich­te­te eine eige­ne Inter­net­sei­te ein, um lau­fend über die Syn­oden­ar­bei­ten zu berich­ten. Eine gefil­ter­te Berichterstattung.

Kardinal Schönborns (erwarteter) Schulterschluß mit Kasper

Am Nach­mit­tag ergriff auch Erz­bi­schof Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born von Wien und Vor­sit­zen­der der Öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz sowie Ratz­in­ger-Schü­ler das Wort. Er teil­te eine gan­ze Rei­he von Aus­sa­gen Kas­pers zur Exi­stenz von Ele­men­ten der christ­li­chen Ehe auch in der Zivil­ehe: die öffent­li­che Ver­pflich­tung, die Pflich­ten gegen­über dem Ehe­part­ner, die Sta­bi­li­tät und ande­re mehr. So wie das Zwei­te Vati­ka­num aner­kannt habe, daß die wah­re Kir­che Chri­sti in der katho­li­schen Kir­che sub­si­stit, aber es mög­lich sei, Ele­men­te die­ser einen Kir­che auch in den ande­ren Kir­chen und christ­li­chen Gemein­schaf­ten zu erken­nen, so wäre es mög­lich, die­se posi­ti­ven Ele­men­te der christ­li­chen Ehe in den Zivil­ehen zu erken­nen. Des­halb, so die Erwä­gung Kas­pers, kön­ne man nach einer Buß­zeit, Fall für Fall in Betracht zie­hen, wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne zu den Sakra­men­ten zuzulassen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Il Foglio/eponymousflower.blogspot

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