Die Gaben des Heiligen Geistes: 5. Die Erkenntnis

GeneralaudienzLie­be Brü­der und Schwe­stern,
guten Tag!

Heu­te möch­te ich eine wei­te­re Gabe des Hei­li­gen Gei­stes ins Licht rücken, die Gabe der Erkennt­nis. Wenn von Erkennt­nis die Rede ist, gehen die Gedan­ken unmit­tel­bar zur Fähig­keit des Men­schen, die Wirk­lich­keit, die ihn umgibt, immer bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und die Geset­ze zu ent­decken, die die Natur und das Uni­ver­sum regeln. Die Erkennt­nis, die vom Hei­li­gen Geist kommt, ist jedoch nicht auf das mensch­li­che Wis­sen beschränkt; sie ist eine beson­de­re Gabe, die uns durch die Schöp­fung die Grö­ße und die Lie­be Got­tes und sei­ne tie­fe Bezie­hung zu jedem Geschöpf begrei­fen lässt.

Wenn unse­re Augen vom Hei­li­gen Geist erleuch­tet sind, dann öff­nen sie sich für die Betrach­tung Got­tes in der Schön­heit der Natur und in der Grö­ße des Uni­ver­sums, und las­sen uns ent­decken, dass alles von ihm und sei­ner Lie­be spricht. All das weckt in uns gro­ßes Stau­nen und eine tie­fe Dank­bar­keit! Das emp­fin­den wir auch, wenn wir ein Kunst­werk oder etwas Schö­nes bewun­dern, das Frucht des Ver­stan­des und der Krea­ti­vi­tät des Men­schen ist: Ange­sichts all die­ser Din­ge lässt uns der Hei­li­ge Geist den Herrn aus tief­stem Her­zen lob­prei­sen und in allem, was wir sind und haben, eine uner­mess­li­che Gabe Got­tes und ein Zei­chen sei­ner unend­li­chen Lie­be zu uns erken­nen. Im ersten Kapi­tel des Buches Gene­sis, gleich am Anfang der gan­zen Bibel, wird betont, dass Gott sei­ne Schöp­fung gefällt; wie­der­holt wird die Schön­heit und die Gut­heit aller Din­ge her­vor­ge­ho­ben. Am Ende eines jeden Tages, so steht geschrie­ben, „sah Gott, dass es gut war“ (1,12.18.21.25): Wenn Gott sieht, dass die Schöp­fung etwas Gutes, etwas Schö­nes ist, dann müs­sen auch wir die­se Hal­tung ein­neh­men und sehen, dass die Schöp­fung etwas Gutes und Schö­nes ist. Das ist die Gabe der Erkennt­nis, die uns die­se Schön­heit sehen lässt. Daher prei­sen wir Gott und dan­ken ihm, dass er uns so viel Schön­heit geschenkt hat. Und als Gott die Erschaf­fung des Men­schen been­det hat­te, sag­te er nicht: „Er sah, dass es gut war“, son­dern er sag­te, dass es „sehr gut“ war (V. 31). In den Augen Got­tes sind wir das Schön­ste, das Größ­te, das Beste der Schöp­fung: Auch die Engel ste­hen unter uns, wir sind mehr als die Engel, wie wir im Buch der Psal­men gehört haben. Der Herr liebt uns! Dafür müs­sen wir ihm dan­ken. Die Gabe der Erkennt­nis bringt uns in tie­fen Ein­klang mit dem Schöp­fer und lässt uns an der Klar­heit sei­ner Sicht und sei­nes Urteils teil­ha­ben. Und aus die­ser Per­spek­ti­ve her­aus kön­nen wir im Mann und in der Frau die Kro­ne der Schöp­fung erken­nen, als Voll­endung eines Lie­bes­pla­nes, der einem jeden von uns ein­ge­prägt ist und der uns ein­an­der als Brü­der und Schwe­stern erken­nen lässt.

All das ist Grund für inne­re Ruhe und Frie­den und macht den Chri­sten zu einem fro­hen Zeu­gen Got­tes, auf der Spur das hei­li­gen Franz von Assi­si und vie­ler Hei­li­ger, die es ver­stan­den haben, sei­ne Lie­be durch die Betrach­tung der Schöp­fung zu loben und zu prei­sen. Gleich­zei­tig jedoch hilft uns die Gabe der Erkennt­nis, nicht in über­trie­be­ne oder fal­sche Hal­tun­gen zu ver­fal­len. Die erste besteht in der Gefahr, uns als Her­ren über die Schöp­fung zu betrach­ten. Die Schöp­fung ist kein Eigen­tum, über das wir nach unse­rem Gut­dün­ken herr­schen kön­nen. Und noch weni­ger ist sie Eigen­tum nur eini­ger weni­ger: Die Schöp­fung ist ein Geschenk. Sie ist ein wun­der­ba­res Geschenk, das Gott uns gege­ben hat, damit wir für sie Sor­ge tra­gen und sie zum Wohl aller gebrau­chen, stets mit gro­ßer Ach­tung und Dank­bar­keit. Die zwei­te fal­sche Hal­tung ist die Ver­su­chung, bei den Geschöp­fen ste­hen­zu­blei­ben, so als wären sie die Ant­wort auf alle unse­re Erwar­tun­gen. Mit der Gabe der Erkennt­nis hilft uns der Hei­li­ge Geist, nicht in die­sen Feh­ler zu ver­fal­len. Ich möch­te jedoch auf den ersten fal­schen Weg zurück­kom­men: über die Schöp­fung zu  herr­schen, statt sie zu bewah­ren. Wir müs­sen die Schöp­fung bewah­ren, denn sie ist eine Gabe, die der Herr uns geschenkt hat, sie ist Got­tes Geschenk an uns; wir sind Hüter der Schöp­fung. Wenn wir die Schöp­fung aus­beu­ten, zer­stö­ren wir das Zei­chen der Lie­be Got­tes. Die Schöp­fung zer­stö­ren bedeu­tet zu Gott zu sagen: „Sie gefällt mir nicht.“ Und das ist nicht gut: Das ist die Sün­de.

Die Bewah­rung der Schöp­fung ist die Bewah­rung von Got­tes Geschenk, und es bedeu­tet, zu Gott zu sagen: „Dan­ke, ich bin der Hüter der Schöp­fung, aber um sie fort­schrei­ten zu las­sen, und nie­mals, um dein Geschenk zu zer­stö­ren.“ Die­se Hal­tung müs­sen wir gegen­über der Schöp­fung ein­neh­men: sie zu bewah­ren, denn wenn wir die Schöp­fung zer­stö­ren, wird die Schöp­fung uns zer­stö­ren! Ver­gesst das nicht. Ein­mal war ich auf dem Land und habe etwas gehört, das ein ein­fa­cher Mensch sag­te, der Blu­men sehr moch­te und sie pfleg­te. Er sag­te zu mir: „Wir müs­sen die­se schö­nen Din­ge bewah­ren, die Gott uns gege­ben hat; die Schöp­fung ist für uns da, damit wir guten Nut­zen aus ihr zie­hen; nicht um sie aus­zu­beu­ten, son­dern um sie zu bewah­ren, denn Gott ver­gibt immer, wir Men­schen ver­ge­ben manch­mal, aber die Schöp­fung ver­gibt nie, und wenn du sie nicht bewahrst, wird sie dich zer­stö­ren.“ Das muss uns zu den­ken geben und uns den Hei­li­gen Geist um die Gabe der Erkennt­nis bit­ten las­sen, um zu ver­ste­hen, dass die Schöp­fung das schön­ste Geschenk Got­tes ist. Er hat vie­le gute Din­ge geschaf­fen für das Beste von allem: den Men­schen.

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Ger­ne grü­ße ich die Pil­ger deut­scher Spra­che, die an die­ser Audi­enz teil­neh­men. Der Hei­li­ge Geist erfül­le uns mit der Gabe der Erkennt­nis, dass wir in der Schöp­fung stets Got­tes Plan und Güte betrach­ten kön­nen. Mit unse­rem Leben wol­len wir Got­tes Grö­ße und Lie­be lob­prei­sen und vor unse­ren Mit­men­schen bezeu­gen. Von Her­zen seg­ne ich euch alle.