Sind mehr Lesungen in der Messe grundsätzlich besser?

Lectionary-Bookvon Peter Kwas­niew­ski

Ist das mehr­jä­ri­ge Lek­tio­nar des Novus Ordo, das eine weit grö­ße­re Anzahl von Schrift­le­sun­gen umfasst, dem alten ein­jäh­ri­gen Lek­tio­nar des usus anti­qui­or über­le­gen? Für eine sehr lan­ge Zeit wur­de die­se Fra­ge kaum ernst­ge­nom­men, da man annahm, dar­auf mit einem offen­sicht­li­chen „ja“ ant­wor­ten zu kön­nen. Es ist daher erfreu­lich zu sehen, dass sich mehr und mehr Leu­te der Ernst­haf­tig­keit die­ser Fra­ge bewusst wer­den und Ver­glei­che und Stu­di­en anstel­len, anstatt auf eine unver­wech­sel­bar moder­ne Art anzu­neh­men, dass mehr grund­sätz­lich bes­ser ist.

Viel­mehr hat mich jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung mit bei­den Lek­tio­na­ren zur ent­ge­gen­ge­setz­ten Schluss­fol­ge­rung geführt: Das neue Lek­tio­nar ist schwer­fäl­lig, und man kann sich nur schwer damit arran­gie­ren, wäh­rend der alte Zyklus der Lesun­gen wun­der­schön pro­por­tio­niert ist ange­sichts sei­nes lit­ur­gi­schen Zwecks und des natür­li­chen Rhyth­mus des Jah­res. Die regel­mä­ßi­ge und tröst­li­che Wie­der­kehr der Lesun­gen hilft dem Kirch­gän­ger, ihre Leh­ren noch nach­hal­ti­ger auf­zu­neh­men.

Der­je­ni­ge, der in die tra­di­tio­nel­le Lit­ur­gie ein­taucht, erkennt, dass die jähr­li­chen Lesun­gen mit der Zeit Bein von sei­nem Bein und Fleisch von sei­nem Fleisch wer­den. Man beginnt, über bestimm­te Mona­te und Jah­res­zei­ten, bestimm­te Sonn­ta­ge oder Grup­pen von Hei­li­gen zusam­men mit den jewei­li­gen fest­ste­hen­den Lesun­gen nach­zu­den­ken, die der from­men See­le ihre Bedeu­tung mehr und mehr öff­nen. Wenn das Wort Got­tes eine unend­li­che Tie­fe hat, lädt uns die tra­di­tio­nel­le Lit­ur­gie ein, Jahr für Jahr vor dem­sel­ben Brun­nen zu ste­hen, unse­ren Eimer hin­un­ter­zu­las­sen, und auf die­se Wei­se der uner­schöpf­li­chen Tie­fe gewahr zu wer­den, die viel­leicht nicht so offen­sicht­lich ist für jeman­den, der sei­nen Eimer über zwei oder drei Jah­re an ver­schie­de­nen Orten in den Strom taucht.

Der Zusam­men­hang kon­kre­ter Lesun­gen mit kon­kre­ten Hei­li­gen oder Grup­pen von Hei­li­gen in allen tra­di­tio­nel­len west­li­chen lit­ur­gi­schen Riten ist eine intel­li­gen­te und wei­se Ein­rich­tung. Indem er bestimm­te Lesun­gen und Evan­ge­li­en wie­der und wie­der ver­nimmt, kann der Katho­lik leich­ter ihre Bedeu­tung auf­neh­men und wird wirk­lich ver­traut mit dem Wort Got­tes, wie es illu­striert und uns lehrt über den Tri­umph unse­res Herrn, unse­rer lie­ben Frau und der Hei­li­gen Got­tes.

Das Ziel des christ­li­chen Glau­bens ist nicht eine mate­ri­el­le Kennt­nis der Hei­li­gen Schrift, son­dern per­sön­li­che Hei­li­gung und Bekeh­rung, was der for­ma­le Inhalt und das Ziel der Schrift selbst ist. Auf eine beson­de­re Wei­se wer­den die Hei­li­gen vor­ge­stellt als Bei­spiel für uns, wie man leben soll, wie man glau­ben soll, wie man lie­ben soll, und die Hei­li­ge Schrift ist rich­ti­ger­wei­se in den Dienst die­ser Absicht gestellt.

Das Ziel der Lit­ur­gie ist nicht, uns mit der Hei­li­gen Schrift ver­traut zu machen wie ein Bibel­kreis – was außer­halb der Mes­se natür­lich gesche­hen soll­te –, son­dern uns die rich­ti­ge Bil­dung des Ver­stan­des zu geben bezüg­lich der Wirk­lich­kei­ten unse­res Glau­bens. Die grund­le­gen­den Ele­men­te des Glau­bens müs­sen Woche für Woche, Tag für Tag ein­ge­prägt wer­den; und daher ist es päd­ago­gisch höchst ange­mes­sen, dass gewis­se Lesun­gen jähr­lich wie­der­holt wer­den, bei­spiels­wei­se die Epi­stel und das Evan­ge­li­um für die ver­schie­de­nen Sonn­ta­ge nach Pfing­sten, die Lesun­gen der Oster­wo­che, die Lesun­gen für bestimm­te Kate­go­ri­en von Hei­li­gen. Auf die­se Wei­se wird das christ­li­che Volk geformt mit­tels der Ver­kün­di­gung fun­da­men­ta­ler Tex­te den Jah­res­kreis hin­durch, anstatt jeden Tag in immer neue Text­re­gio­nen ent­führt zu wer­den – beson­ders eini­ge der trocke­ne­ren histo­ri­schen Schil­de­run­gen oder län­ge­re Abschnit­te der Pro­phe­ten, von denen man viel­leicht nur schwer pro­fi­tie­ren kann, abge­se­hen von außer­lit­ur­gi­schem Stu­di­um.

Bei­spiels­wei­se besteht das lit­ur­gi­sche Ziel, die Pro­phe­ten zu lesen, dar­in, auf kla­re und deut­li­che Art auf Chri­stus und die Kir­che hin­zu­wei­sen. Um die­ses Ziel zu errei­chen ist es mehr als aus­rei­chend, die ein­drucks­voll­sten und lehr­reich­sten Abschnit­te aus­zu­wäh­len und sie bestän­dig zu ver­wen­den. Wir holen spi­ri­tu­ell viel mehr aus einer inspi­rier­ten Pas­sa­ge, die uns ver­traut wird, als aus einem lang­fri­sti­gen Zyklus, der eine Men­ge Schrift­le­sun­gen „durch­be­kom­men“ will.

In die­sem Sin­ne lesen wir jedes Mal, wenn wir das Fest eines hei­li­gen Pap­stes im tra­di­tio­nel­len römi­schen Ritus fei­ern, die berühm­ten Ver­se aus Mat­thä­us 16, wel­che die fun­da­men­ta­le Beru­fung des Pap­stes zei­gen und das Ide­al, dem er zu ent­spre­chen hat, sowie uns ein­la­den, uns wie­der dem Papst­tum zu ver­pflich­ten als dem von Chri­stus ein­ge­setz­ten Fels, auf dass sei­ne Kir­che nie­mals unter­ge­he, wenn sie durch die Angrif­fe Satans ange­schla­gen ist.

Ein ande­res Bei­spiel (für mich eines der bewe­gend­sten über­haupt): Am 4. Mai, dem Fest der hei­li­gen Moni­ka im usus anti­qui­or, spricht der hei­li­ge Pau­lus in der Epi­stel der Mes­se von der Ehre, die wah­ren Wit­wen gebührt (die­se Lesung teilt Moni­ka mit ande­ren hei­li­gen Wit­wen), aber das eigens aus­ge­wähl­te Evan­ge­li­um erzählt, wie Jesus den Sohn der wei­nen­den Wit­we von den Toten auf­er­weck­te und ihn sei­ner Mut­ter zurück­gab. Wel­ches Evan­ge­li­um wäre per­fek­ter für die Mut­ter des hei­li­gen Augu­sti­nus? Was könn­te unse­rem Ver­stand sowohl das Evan­ge­li­um als auch Moni­kas Leben bes­ser ein­prä­gen als die­se bemer­kens­wer­te Jux­ta­po­si­ti­on? Jedes Jahr wäh­rend ihres Ver­wei­lens auf der Erde – ganz gleich wie vie­le tau­send Jah­re ver­ge­hen – gedenkt die Kir­che der Mut­ter, die nie den Glau­ben an Gott ver­lo­ren hat und schließ­lich ihren Sohn zurück­ge­wann – tot in Sün­de und Irr­tum, auf­er­stan­den im Leben der Gna­de.

Auf die­se Wei­se ist die gesam­te Lit­ur­gie gewirkt als ein naht­lo­ses Gewand. Die Gebe­te ehren den Hei­li­gen und rufen ihn an; die Lesun­gen rüh­men die Tugen­den des Hei­li­gen, der als unser Bei­spiel und Lehr­mei­ster vor­ge­stellt wird; das eucha­ri­sti­sche Opfer ver­bin­det deut­lich die tri­um­phie­ren­de Kir­che, reprä­sen­tiert durch die Auf­zäh­lung der Hei­li­gen im römi­schen Kanon, mit uns Pil­gern in der strei­ten­den Kir­che. Die gan­ze Lit­ur­gie erlangt eine Ein­heit der Hei­li­gung, indem sie uns sowohl den ursprüng­li­chen Weg der Hei­lig­keit zeigt – Jesus in der hei­li­gen Eucha­ri­stie – als auch die Bei­spie­le ver­wirk­lich­ter Hei­lig­keit – die Hei­li­gen.

Im Gegen­satz dazu sind in der neu­en Lit­ur­gie die Gebe­te, die Lesun­gen und die Eucha­ri­stie unbe­hol­fen ein­an­der gegen­über­ge­stellt – sie pas­sen nicht län­ger zusam­men in eine ein­zi­ge „Erzäh­lung“. Die etwas mecha­ni­sche Ver­wen­dung der Hei­li­gen Schrift ist äußer­lich und akzi­den­tell hin­sicht­lich der Fei­er der mei­sten Hei­li­gen­fe­ste, in Span­nung zum tat­säch­li­chen Zweck der Hei­li­gen Schrift, der nicht in ein­fa­cher Kennt­nis der­sel­ben besteht, son­dern in der leben­di­gen Anwen­dung auf unser Leben, ver­mit­telt durch die Leben jener, die gelebt haben, was die Hei­li­ge Schrift lehrt und sie somit inkar­nie­ren. Die Hei­li­gen sind, so könn­te man sagen, die Hei­li­ge Schrift in Fleisch und Blut, und aus die­sem Grund beruft man sich so ange­mes­sen auf das geschrie­be­ne Wort, um ihnen zu Dien­sten zu sein und ihren exi­sten­zi­el­len Vor­rang zu reflek­tie­ren. Wenn die Feste von Jung­frau­en gefei­ert wer­den, wählt die tra­di­tio­nel­le Lit­ur­gie jene Lesun­gen, wel­che die Schön­heit und Erha­ben­heit der Beru­fung zur Jung­fräu­lich­keit her­vor­he­ben; und eben­so ver­hält es sich mit ande­ren Festen.

Die Hei­li­ge Schrift für sich allein ist toter Buch­sta­be. Es sind sind die Hei­li­gen, die der höch­ste Beweis und der herr­lich­ste Aus­druck des christ­li­chen Glau­bens sind. Die Hei­li­gen zei­gen, dass die Hei­li­ge Schrift kein toter Buch­sta­be ist, son­dern ein leben­di­ges Bei­spiel. Wir müs­sen die Funk­ti­on der Hei­li­gen Schrift in der Mes­se ver­ste­hen in Bezug auf ihre Aus­ge­stal­tung im Leben der Hei­li­gen.

Eine brei­te­re Aus­wahl an Lesun­gen hät­te in das alte Mess­buch inkor­po­riert wer­den kön­nen (und das kann immer noch gesche­hen), ohne die Wech­sel­be­zie­hun­gen zu zer­stö­ren, die ich ver­tei­di­ge. Es könn­te eine üppi­ge­re Ver­tei­lung pas­sen­der Lesun­gen geben für Mär­ty­rer, Jung­frau­en, Päp­ste, Beken­ner, Kir­chen­leh­rer usw. Doch selbst bei einer sol­chen Ver­tei­lung wird die tie­fe Ein­heit der Lit­ur­gie per­fekt bewahrt, wenn die gebüh­ren­de Har­mo­nie von Gebe­ten, Anti­pho­nen, Lesun­gen und Ordi­na­ri­um durch­weg respek­tiert wird. Beson­de­re Pro­prien und Lesun­gen könn­ten für bestimm­te Hei­li­ge fest­ge­legt wer­den, die kon­tem­pla­ti­ve Beru­fung des einen oder die mis­sio­na­ri­sche Beru­fung des ande­ren her­vor­he­bend; aber wie­der­um mit einem Blick auf die Ganz­heit der Lit­ur­gie als ein Zusam­men­kom­men der Gemein­schaft der Hei­li­gen, um den bereits errun­ge­nen Sieg und den noch zu errin­gen­den Sieg zu fei­ern.

Grund­sätz­lich ist nichts falsch an einer brei­te­ren Aus­wahl an Lesun­gen, sofern die oben zusam­men­ge­fass­ten lit­ur­gi­schen Richt­li­ni­en mit Sorg­falt beach­tet wer­den. Das Pro­blem besteht viel­mehr in einer frei­schwe­ben­den (vom Hei­li­gen­ka­len­der unab­hän­gi­gen) ratio­na­li­sti­schen Abfol­ge von Schrift­le­sun­gen, die nur wenig lei­stet hin­sicht­lich einer tie­fen Unter­wei­sung und Erhel­lung des Geheim­nis­ses der Hei­li­gen, der Aus­er­wähl­ten Got­tes, denen wir uns anzu­glei­chen haben, wäh­rend wir danach stre­ben, durch die Gna­de dem höch­sten Hei­li­gen Got­tes ange­gli­chen zu wer­den – Jesus Chri­stus.

Ori­gi­nal­ti­tel: Is Rea­ding More Scrip­tu­re at Mass Always Bet­ter?/ Über­set­zung M. Bene­dikt Bue­r­ger
Bild: newliturgicalmovement.org




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6 Kommentare

  1. Dan­ke für die­sen schö­nen und tief­grün­di­gen Arti­kel!

    Ich hat­te die Freu­de, Herrn Kwas­niew­ski ein­mal per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen. Er ist ein gutes Bei­spiel für einen Lai­en, der Fami­lie und Beruf, Fröm­mig­keit und Intel­lek­tua­li­tät gut zusam­men­bringt.
    Von ihm gibt sehr gute Auf­sät­ze in The Latin Mass.

    Wenn der ver­dienst­vol­le Über­set­zer ohne­hin schon an die­sen Tex­ten dran ist, sei er hier­mit in sei­nem Tun aus­drück­lich ermu­tigt!

  2. Zu berück­sich­ti­gen ist auch, dass der Ide­al­fall der ist, dass eine Scho­la vor­han­den ist, die auch das Pro­pri­um singt und dabei sind wei­te­re Bezü­ge zwi­schen den ein­zel­nen Sonn­ta­gen und Festen fest­zu­stel­len. Ein­mal eine Wech­sel­be­zie­hung zwi­schen Melo­die und Text, wobei durch die Melo­die den Text inter­pre­tiert wird (ein geläu­fi­ges Bei­spiel, das jeder kennt, im Ordi­na­ri­um die auf­stre­ben­de Ton­fol­ge „ascen­dit“ im Cre­do) und dar­über hin­aus eine musi­ka­li­sche Wech­sel­be­zie­hung inner­halb des Kir­chen­jah­res(!) Hier­an sieht man sehr schön die orga­ni­sche Ein­heit, die den alten Ritus aus­macht. Ein Kir­chen­mu­si­ker kann dies viel bes­ser erklä­ren als ich, aber ich möch­te den Hin­weis geben. Allei­ne die Tat­sa­che, dass jeder Sonn­tag und jedes Fest über eige­ne Musik ver­fügt ist stau­nens­wert.

    • Wer­te @Teresa,

      wir haben in Mün­ster das Glück (die­sen Ide­al­fall), eine sol­che Form der Hoch­äm­ter (seit Janu­ar 1998) in der St. Aegi­dii­kir­che an Sonn- und Fei­er­ta­gen (9:30 Uhr) erle­ben zu dür­fen. Und ich selbst darf seit Anbe­ginn mit in die­ser Scho­la das Pro­pri­um und das Ordi­na­ri­um sin­gen. Es gibt auch schon mal Leu­te, die extra von weit­her nach Mün­ster fah­ren, um die­se Lit­ur­gie erle­ben zu kön­nen; ich weiss von jeman­dem, der gele­gent­lich extra aus Wil­helms­ha­ven anreist, ande­re aus dem Ems­land.

      In der Anfangs­zeit wur­de die Scho­la von einem pro­fun­den Ken­ner der Mate­rie (ehe­ma­li­ger Leh­rer an der Kir­chen­mu­sik­schu­le: Bern­hard Ter­schlu­se sen., inzwi­schen ver­stor­ben) gegrün­det und mehr als 10 Jah­re gelei­tet. Und so haben die (noch ver­blie­be­nen) Mit­glie­der aus die­ser Anfangs­zeit eine gute feste Grund­la­ge der Gesän­ge, so dass heu­te nur noch vor der jewei­li­gen Hl. Mes­se eine gute hal­be Stun­de geprobt wer­den muss. Die­se Scho­la hat dann immer wie­der mal (im nörd­li­chen Bereich: Essen, Keve­la­er, Mün­ster, …) bei „Pro Mis­sa Triden­ti­na“ — Tagun­gen jeweils beim Pon­ti­fi­kal­amt gesun­gen, jeweils dann unter­stützt von z. B. Bie­le­fel­der Sän­gern.

      Wenn man die­se Musik seit vie­len Jah­ren immer wie­der mit sin­gen darf, dann ‚erlebt‘ man die­se groß­ar­ti­ge Ord­nung gera­de­zu. Da ich auch werk­tags seit etwa zwei Jahr­zehn­ten im Novus Ordo zur Hl. Mes­se gehe, ist mir der Unter­schied zwi­schen bei­den Arten der Ord­nung sehr bewusst; (und oft auch sehr schmerz­haft im Novus Ordo durch die viel­fäl­ti­gen ideo­lo­gi­schen Abän­de­run­gen der Tex­te der Hl. Mes­se durch die jewei­li­gen Prie­ster).

      Die alte Ord­nung der jähr­li­chen Wie­der­ho­lung scheint mir auch ein­sich­ti­ger zu sein, da das Wort Got­tes eine unge­ahn­te Tie­fe hat, die wir gera­de durch die häu­fi­ge­re Betrach­tung und gleich­zei­ti­ge immer stär­ke­re Bemü­hun­gen um Selbst­hei­li­gung dann vom Hei­li­gen Geist auf­ge­schlos­sen bekom­men („Selig, die rei­nen Her­zens sind (sich dar­um bemü­hen), denn sie wer­den Gott schau­en“- Gott gibt uns unter den o. g. Vor­aus­set­zun­gen Ein­blicke in sei­ne Geheim­nis­se).

      Unter sol­chen oder ähn­li­chen Vor­aus­set­zun­gen kann man auch spü­ren, dass die­se Gre­go­ria­ni­schen Gesän­ge gött­li­chen Ursprungs sind; im Gegen­satz zu vie­len neu­en Lie­dern im Novus Ordo die wohl nicht aus ‚Knie­en­der Theo­lo­gie‘ ent­stan­den sind. Text und Musik der „Gre­go­ria­ni­schen Gesän­ge“ (in unse­ren Hoch­äm­tern in St. Aegi­dii in Mün­ster) sind eine wun­der­ba­re Ein­heit in sich selbst, aber auch zusam­men mit der gesam­ten Lit­ur­gie des jewei­li­gen Sonn­ta­ges oder Fest­ta­ges des Usus Ant­qui­or. Es ist immer wie­der eine gro­ße Freu­de die­ses erle­ben und dabei mit­wir­ken zu dür­fen.

  3. Ja schon, weil in Öster­reich wird die zwei­te Lesung in der Mes­se nicht gele­sen und dafür so mehr Tan­go gemacht, da ist es bes­ser eine 2. Lesung zu lesen, und die Mes­se ver­län­gert man ja nicht belie­big, so viel Zeit hat man für den Lie­ben Gott nicht!

  4. Den gan­zen Reich­tum der Lit­ur­gie und der Tex­te erschlie0t sich ohne­hin nur in der Über­lie­fer­ten Lit­ur­gie! Und dazu gehört auch das Bre­vier!

  5. Es gibt kei­nen Grund, die triden­ti­ni­sche Lit­ur­gie zu ver­än­dern. Ver­än­dert wer­den müss­te stets nur unse­re Hal­tung.
    Wenn immer von den Ver­fech­tern der moder­nen Lit­ur­gie behaup­tet wird, frü­her hät­ten die Omis ja nicht kapiert, was in der Mes­se so angeht und wäh­rend­des­sen Rosen­krän­ze gebe­tet, so ist das sicher ein wesent­li­cher Kri­tik­punkt. Gera­de vor­hin war ich in einer triden­ti­ni­schen Mes­se, und es stört sehr, wenn wir alle­samt Oster­lie­der schmet­tern, wäh­rend der Prie­ster am Altar zele­briert. Das ist sicher nicht das Gel­be vom Ei (gewe­sen). Aber schlim­mer als die NO-Zustän­de kann das wohl kaum ange­se­hen wer­den: dort wird unent­wegt gequatscht, auch fromm gequatscht, und es rie­selt durch die Leu­te durch wie durch grob­ma­schi­ge Sie­be.

    Ver­än­dert wer­den müss­te unse­re Hal­tung — das heißt: gute Kate­che­se von klein auf (völ­lig undenk­bar der­zeit!). und im übri­gen kann nie­mand ein guter Christ sein, wenn er sich nur wäh­rend der Hl. mes­se mit dem Glau­ben beschäf­tigt. Jeder Katho­lik soll­te auch sonst beten. Rosen­kranz, Bre­vier, freie Gebe­te, den Ange­lus. Und das Lesen der Bibel gehört eigent­lich auch wesent­lich dazu.
    Wenn ich zur Hl. Mes­se gehe, soll­te man bei mir schon eini­ges vor­aus­set­zen kön­nen.

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