Evangelii Gaudium – Dolor fidelium / Die Freude des Evangeliums – das Leid der Gläubigen

von P. Franz Schmid­ber­ger (FSSPX)

Der Hei­li­ge Vater, Papst Fran­zis­kus, hat zum Abschluß des Jah­res des Glau­bens sein Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii Gau­di­um über die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums in der Welt von heu­te ver­öf­fent­licht. Des­sen Län­ge von 289 Punk­ten for­dert dem Leser und Theo­lo­gen gro­ße Anstren­gung ab, wenn er es eini­ger­ma­ßen gründ­lich stu­die­ren will. Auch hier wäre weni­ger mehr gewe­sen. Wir wol­len im Fol­gen­den eine erste und damit sicher unvoll­stän­di­ge Über­sicht bie­ten.

Anlaß des Schrei­bens ist ein Rück­grei­fen auf die Bischofs­syn­ode des ver­gan­ge­nen Jah­res in Rom, die sich dort vom 7. – 28. Okto­ber dem The­ma der Neue­van­ge­li­sie­rung gewid­met hat. „Ich habe die Ein­la­dung der Syn­oden­vä­ter, die­ses Schrei­ben zu ver­fas­sen, ger­ne ange­nom­men.“ (Nr. 16) Gleich­zei­tig wur­de das Schrei­ben vor­ge­stellt als eine Art Regie­rungs­pro­gramm des neu­en Pon­ti­fex. Die­ses dop­pel­te Ziel bringt es bei der gro­ßen Red­se­lig­keit des Pap­stes mit sich, daß das Schrei­ben kei­ne kla­re Struk­tur auf­weist; es fehlt an Prä­zi­si­on, Prä­gnanz und Klar­heit. Bei­spiels­wei­se ist ein gro­ßer Abschnitt der wirt­schaft­li­chen Lage in der heu­ti­gen Welt gewid­met; etwas wei­ter ist die Rede von der Bedeu­tung der Pre­digt, wobei es sogar um Ein­zel­hei­ten bei deren Vor­be­rei­tung geht. An meh­re­ren Stel­len wird die Dezen­tra­li­sie­rung der Kir­che the­ma­ti­siert; aber auch der öku­me­ni­sche und inter­re­li­giö­se Dia­log kommt aus­gie­big zur Spra­che. Das Doku­ment ist nicht von Wider­sprü­chen frei: Ein­mal betont es, es gehe nicht um eine Sozi­al-Enzy­kli­ka; dann aber wird in einem Rah­men über die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se von heu­te gespro­chen, der einer Sozi­al-Enzy­kli­ka frü­he­rer Päp­ste ent­spricht.

Der Papst spricht von der Kir­che, als habe die­se bis heu­te das Evan­ge­li­um nicht oder nur ganz unvoll­kom­men wei­ter­ge­ge­ben. Er klagt über eine beque­me, trä­ge, abge­schot­te­te Hal­tung. Die­ser bestän­di­ge Tadel berührt unan­ge­nehm. Man hat den Ein­druck, bis­her sei in der Kir­che nur sehr wenig gelei­stet wor­den, wenn es um die Wei­ter­ga­be des Glau­bens und des Evan­ge­li­ums geht. Die­se Spra­che geht Hand in Hand mit einer stän­di­gen Bezug­nah­me auf die eige­ne Per­son: Das Per­so­nal­pro­no­men ich kommt nicht weni­ger als 184 Mal vor, nicht gezählt das mein, mich und mir. Es kommt einem das Got­tes­wort aus der Apo­ka­lyp­se in den Sinn: Ecce nova facio omnia. — Seht, ich mache alles neu (Off 21, 5).

Ohne jeden Zwei­fel ent­hält das Schrei­ben eine gan­ze Rei­he posi­ti­ver Gesichts­punk­te und Erwä­gun­gen, die nicht ver­schwie­gen wer­den dür­fen. Füh­ren wir eine Anzahl von ihnen an, genau in der Fol­ge, wie sie der Text uns bie­tet: So wird in Nr. 7 gesagt, es sei „der tech­no­lo­gi­schen Gesell­schaft gelun­gen, die Ver­gnü­gungs­an­ge­bo­te zu ver­viel­fa­chen“, doch fal­le es ihr sehr schwer, „Freu­de zu erzeu­gen“. Wie wahr die­se Fest­stel­lung ist! In Nr. 22 wird gesagt, das Wort Got­tes tra­ge „in sich Anla­gen, die wir nicht vor­aus­se­hen kön­nen. Das Evan­ge­li­um spricht von einem Samen, der, wenn er ein­mal aus­ge­sät ist, von sich aus wächst, auch wenn der Bau­er schläft“. Tat­säch­lich geht ja das Wir­ken der Gna­de Got­tes über jede mensch­li­che Berech­nung hin­aus. In Nr. 25 wird fest­ge­stellt, jetzt die­ne „uns nicht eine rei­ne Ver­wal­tungs­ar­beit“. Wenn sich doch Bischö­fe und Prie­ster die­ses Wort zu Her­zen näh­men und end­lich den Kom­mis­sio­nen, Gre­mi­en, For­mu­la­ren, dem gan­zen unge­heu­ren Büro­kra­tis­mus den Rücken kehr­ten, um zu wah­ren Theo­lo­gen und Hir­ten zu wer­den! Einen über­aus schö­nen Abschnitt schenkt uns die Nr. 37 mit einem lan­gen Zitat aus der Theo­lo­gi­schen Sum­me des hl. Tho­mas von Aquin. Wir kön­nen nicht umhin, den Abschnitt in sei­ner Gän­ze zu zitie­ren:

Der hei­li­ge Tho­mas von Aquin lehr­te, daß es auch in der mora­li­schen Bot­schaft der Kir­che eine Hier­ar­chie gibt, in den Tugen­den und in den Taten, die aus ihnen her­vor­ge­hen. ((Vgl. Sum­ma Theo­lo­giae I‑II, q. 66, a. 4–6)) Hier ist das, wor­auf es ankommt, vor allem den Glau­ben zu haben, der in der Lie­be wirk­sam ist (Gal 5,6). Die Wer­ke der Näch­sten­lie­be sind der voll­kom­men­ste äuße­re Aus­druck der inne­ren Gna­de des Gei­stes: Das Haupt­ele­ment des neu­en Geset­zes ist die Gna­de des Hei­li­gen Gei­stes, die deut­lich wird durch den Glau­ben, der durch die Lie­be han­delt. ((Sum­ma Theo­lo­giae I‑II, q. 108, a. 1.)) Dar­um behaup­tet der hei­li­ge Tho­mas, daß in Bezug auf das äuße­re Han­deln die Barm­her­zig­keit die größ­te aller Tugen­den ist: An sich ist die Barm­her­zig­keit die größ­te der Tugen­den. Denn es gehört zum Erbar­men, daß es sich auf die ande­ren ergießt und – was mehr ist – der Schwä­che der ande­ren auf­hilft; und das gera­de ist Sache des Höher­ste­hen­den. Des­halb wird das Erbar­men gera­de Gott als Wesens­merk­mal zuer­kannt; und es heißt, daß dar­in am mei­sten sei­ne All­macht offen­bar wird. ((Sum­ma Theo­lo­giae II-II, q. 30, a. 4. Vgl. ebd., q. 30, a. 4, ad 1))

In Nr. 42 wird uns gesagt, daß die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums vor allem die Her­zen errei­chen muß; „dar­um ist dar­an zu erin­nern, daß jede Unter­wei­sung in der Leh­re in einer Hal­tung der Evan­ge­li­sie­rung gesche­hen muß, die durch die Nähe, die Lie­be und das Zeug­nis die Zustim­mung des Her­zens weckt“.

Die Num­mern 52 – 76 behan­deln wirt­schaft­li­che Gesichts­punk­te, die man­ches sehr Zutref­fen­des her­aus­stel­len. Der gren­zen­lo­se Kapi­ta­lis­mus wird an den Pran­ger gestellt, der eine mate­ria­li­sti­sche, kon­sum­ori­en­tier­te und indi­vi­dua­li­sti­sche Gesell­schaft her­vor­bringt (Nr. 63). „Der post­mo­der­ne und glo­ba­li­sier­te Indi­vi­dua­lis­mus begün­stigt einen Lebens­stil, der die Ent­wick­lung und die Sta­bi­li­tät der Bin­dun­gen zwi­schen den Men­schen schwächt und die Natur der Fami­li­en­ban­de zer­stört.“ (Nr. 67) Der Papst fol­gert dann in Nr. 69, es sei drin­gend not­wen­dig, die Kul­tu­ren zu evan­ge­li­sie­ren und das Evan­ge­li­um zu inkul­turie­ren. Es ist wohl gemeint, es tief in der Gesell­schaft und im Leben der Völ­ker zu ver­wur­zeln – jeden­falls kann man es so mit einer gewis­sen inter­pre­ta­tio ben­evo­len­tiae ver­ste­hen, obwohl der Begriff „Inkul­tu­ra­ti­on“ meist durch moder­ni­sti­sches Gedan­ken­gut befrach­tet ist. Aber war­um spricht er hier nicht vom katho­li­schen Staat und von der christ­li­chen Gesell­schaft, wie sei­ne Vor­gän­ger vor dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil sie immer als Frucht des katho­li­schen Glau­bens und als Schutz und Ver­tei­di­gung des­sel­ben gese­hen haben? Viel­leicht hät­te man erwar­ten dür­fen, daß bei den berech­tig­ten Kla­gen über die heu­ti­ge Wirt­schaft ein posi­ti­ver Hin­weis auf Qua­dra­ge­si­mo Anno von Papst Pius XI. gege­ben wird, um zu gerech­ten Wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen zu kom­men.

In Nr. 66 wird zwar die Fami­lie erwähnt; aber es wird nicht die Ehe her­aus­ge­stellt als unauf­lös­li­che Gemein­schaft zwi­schen einem Mann und einer Frau, wie dies der aktu­el­le Anlaß der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaf­ten und die jetzt ange­streb­te Kom­mu­ni­on für „wie­der­ver­hei­ra­te­te“ Geschie­de­ne for­dern wür­de. Auch hät­te man erwar­ten dür­fen, daß der christ­li­chen Fami­lie in dem päpst­li­chen Schrei­ben ein weit brei­te­rer Platz ein­ge­räu­umt wird; ist doch sie es, in der die erste Wei­ter­ga­be des Evan­ge­li­ums von Genera­ti­on zu Genera­ti­on sich voll­zieht.

Auch in den Num­mern 78 und 79 fin­det man eine sehr tref­fen­de Beschrei­bung des geist­li­chen Lebens in der nach­kon­zi­lia­ren Zeit: „Heu­te kann man bei vie­len in der Seel­sor­ge Täti­gen, ein­schließ­lich der gott­ge­weih­ten Per­so­nen, eine über­trie­be­ne Sor­ge um die per­sön­li­chen Räu­me der Selbst­stän­dig­keit und der Ent­span­nung fest­stel­len, die dazu führt, die eige­nen Auf­ga­ben wie ein blo­ßes Anhäng­sel des Lebens zu erle­ben, als gehör­ten sie nicht zur eige­nen Iden­ti­tät. (…) Die Medi­en­kul­tur und man­che intel­lek­tu­el­le Krei­se ver­mit­teln gele­gent­lich ein aus­ge­präg­tes Miß­trau­en gegen­über der Bot­schaft der Kir­che und eine gewis­se Ernüch­te­rung. Dar­auf­hin ent­wickeln vie­le in der Seel­sor­ge Täti­ge, obwohl sie beten, eine Art Min­der­wer­tig­keits­kom­plex, der sie dazu führt, ihre christ­li­che Iden­ti­tät und ihre Über­zeu­gun­gen zu rela­ti­vie­ren oder zu ver­ber­gen.“ Wie sehr müß­ten doch alle Die­ner der Kir­che die Waf­fen des Gei­stes ergrei­fen und an die Wirk­sam­keit und Frucht­bar­keit jener Mit­tel, die Chri­stus in sei­ne Kir­che hin­ein­ge­legt hat, glau­ben: an das Gebet, an die unver­kürz­te Ver­kün­di­gung des Glau­bens, an die Spen­dung der Sakra­men­te, an die Fei­er des hl. Meß­op­fers, an die Anbe­tung des Aller­hei­lig­sten Sakra­men­tes!

Statt­des­sen geben sie sich, so sagt die Nr. 85, dem „Gefühl der Nie­der­la­ge“ hin, „das uns in unzu­frie­de­ne und ernüch­ter­te Pes­si­mi­sten mit düste­rem Gesicht ver­wan­delt. Nie­mand kann einen Kampf auf­neh­men, wenn er im Vor­aus nicht voll auf den Sieg ver­traut. Wer ohne Zuver­sicht beginnt, hat von vor­ne­her­ein die Schlacht zur Hälf­te ver­lo­ren und ver­gräbt die eige­nen Talen­te. Auch wenn man sich schmerz­lich der eige­nen Schwä­che bewußt ist, muß man vor­an­ge­hen, ohne sich geschla­gen zu geben, und an das den­ken, was der Herr dem hl. Pau­lus sag­te: „Mei­ne Gna­de genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwach­heit.“ (2 Kor 12, 9) Der christ­li­che Sieg ist immer im Kreuz, doch ein Kreuz, das zugleich ein Sie­ges­ban­ner ist, das man mit einer kämp­fe­ri­schen Sanft­mut gegen die Angrif­fe des Bösen trägt.“

Von beson­de­rer Bedeu­tung ist sodann die in Nr. 104 getrof­fe­ne Fest­stel­lung, das Prie­ster­tum sei als Zei­chen Chri­sti, des Bräu­ti­gams, nur den Män­nern vor­be­hal­ten. Es „ist eine Fra­ge, die nicht zur Dis­kus­si­on steht“. In Nr. 112 wird die Unge­schuld­et­heit der Gna­de und des Erlö­sungs­wer­kes schön her­aus­ge­stellt: „Das Heil, das Gott uns anbie­tet, ist ein Werk sei­ner Barm­her­zig­keit. Es gibt kein mensch­li­ches Tun, so gut es auch sein mag, das uns ein so gro­les Geschenk ver­die­nen lie­ße. Aus rei­ner Gna­de sieht Gott uns an, um uns mit sich zu ver­ei­nen.“ Im näh­sten Punkt wird ganz rich­tig dar­auf ver­wie­sen, wie das Heil kei­ne rein indi­vi­du­el­le Ange­le­gen­heit ist: „Nie­mand erlangt das Heil allein, d. h. weder als iso­lier­tes Indi­vi­du­um, noch aus eige­ner Kraft.“ Der Mensch ret­tet sich eben in der Kir­che und durch die Kir­che, oder er ret­tet sich nicht.

In der Nr. 134 hören wir von der Bedeu­tung von Uni­ver­si­tä­ten und katho­li­schen Schu­len für die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums. Wie scha­de, daß die­sem grund­le­gen­den Werk nicht ein weit grö­ße­re Platz ein­ge­räumt wird.

Auch der Tötung der unge­bo­re­nen Kin­der im Mut­ter­schoß wird in Nr. 214 eine kla­re Absa­ge erteilt. Lei­der beruft sich der Papst dabei nicht auf das zunächst Gott ange­ta­ne Unrecht, also auf die Natur­ord­nung und sein Gebot, son­dern allein auf den Wert der mensch­li­chen Per­son.

In Nr. 235 wer­den die gesun­den Grund­sät­ze gegen den Indi­vi­dua­lis­mus ange­führt: „Das Gan­ze ist mehr als der Teil, und es ist auch mehr, als ihre ein­fa­che Sum­me.“ Der gan­ze Absatz ist über­schrie­ben „Das Gan­ze ist dem Teil über­ge­ord­net.“ Viel­leicht hät­te hier eine Ent­wick­lung des Begriffs des bonum com­mu­ne viel Gutes bewir­ken kön­nen; lei­der fehlt sie.

Über­aus schön wird in der Nr. 267 die letzt­gü­ti­ge Moti­va­ti­on des mis­sio­na­ri­schen Den­kens und apo­sto­li­schen Han­delns her­aus­ge­stellt: „Mit Jesus ver­eint, suchen wir, was er sucht, lie­ben wir, was er liebt. Letzt­lich suchen wir die Ehre des Vaters und leben und han­deln zum „Lob sei­ner herr­li­chen Gnade“(Eph 1, 6). Wenn wir uns rück­halt­los und bestän­dig hin­ge­ben wol­len, müs­sen wir über jede ande­re Moti­va­ti­on hin­aus­ge­hen. Es ist das end­gül­ti­ge, tief­ste, grö­ste Motiv, der letz­te Grund und Sinn von allem ande­ren: Es geht um die Herr­schaft des Vaters, die Jesus wäh­rend sei­nes gan­zen Lebens such­te.“

Zwei­ter Teil folgt

9 Kommentare

  1. Vol­le Über­ein­stim­mung- nun wäre es nur noch inter­es­sant, zu wis­sen, wie oft die­ses „ich“ in den Exhor­ta­tio­nen vor­kommt, die Papa Bene­det­to und sein Vor­gän­ger Johan­nes Paul II ver­faß­ten. Man könn­te sich vor­stel­len, daß das so eif­rig kol­por­tier­te Bild von Beschei­den­heit und Demut des amtie­ren­den Pon­ti­fex´ da trotz aller abge­latsch­ter schwar­zen Schu­he, Mozet­ta­lo­sig­keit und Fah­rens im Ford Focus (ohne Stan­der) doch diver­se Ris­se bekom­men wür­de.

  2. was nüt­zen all die schö­nen Wor­te, die Pater Schmid­ber­ger berech­tig­ter­wei­se her­aus­ar­bei­tet, wenn Wor­te und Hand­lun­gen nicht über­ein­stim­men, ja sich sogar wider­spre­chen — sie­he Fran­zis­ka­ner der Imma­cu­la­ta.

    • Viel zu vie­le Wor­te und Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, die der Katho­li­zi­tät gar nicht bedür­fen. Der Papst redet zu viel, zu Vie­les ist unklar, weil er nicht in der Lage ist, die Sach­ver­hal­te in gege­be­ner Form anzu­spre­chen und Vie­les ist Mar­ke Eigen­bau, zu dem Fran­zis­kus ja sehr neigt. An den Früch­ten wer­den wir Sie erken­nen, da haben Sie ganz recht.

  3. Im all­ge­mei­nen hal­te ich Herrn Pater Schmid­ber­ger für einen logisch den­ken­den Mann, der in sei­nen Gedan­ken einen kla­ren Auf­bau erken­nen lässt. Was er hier sagen will, wird mir nicht klar. Hält er die­sen Wust von guten Ansät­zen aber kei­ner kla­ren, ein­deu­ti­gen, zu Ende gedach­ten Leh­re für einen Papst ange­mes­sen?
    Die „sub­stanz­lo­se Plau­der­ta­sche auf dem Stuhl Petri“ scheint das Niveau der „Kir­chen­män­ner“ ins­ge­samt run­ter­zu­zie­hen. Wo mag das noch enden?
    Die „sub­stanz­lo­se Plau­der­ta­sche auf dem Stuhl Petri“ stammt lei­der nicht von mir, son­dern von einem ande­ren Kom­men­ta­tor. Scha­de, dass ich nicht selbst drauf gekom­men bin. Die Män­ner der Kir­che trei­ben einen in die Iro­nie, die guten Vor­sät­ze, in die­ser Ecke nicht zu lan­den, zer­brö­seln.

  4. Und was kommt dann in Teil 2 die­ser etwas ziel­lo­sen Betrach­tung und Samm­lung von Zita­ten und Wör­tern?
    Bei F. ist das Pro­blem nicht, dass er nicht auch Din­ge sagt, die „okay“ sind, son­dern dass die Gesamt­aus­sa­ge nicht okay ist. Um es krass zu sagen mit einem Spruch aus dem Jako­bus­brief (2, 19): „Tu credis quo­ni­am unus est Deus? Bene facis; et dae­mo­nes cred­unt et con­tre­mis­cunt!“
    Dass also einer Rich­ti­ges sagt oder den Glau­ben dar­an bekun­det, ist unbe­deu­tend, wenn sei­ne Wer­ke nicht dazu pas­sen bzw. ande­re Aus­sa­gen dem wider­spre­chen. Wie gesagt: Auch die Dämo­nen glau­ben und zit­tern…
    Es gibt nur eine Wahr­heit. Dass F. auch mal ein biss­chen was Wah­res sagt trotz all sei­ner Eska­pa­den und neu­er­dings regel­rech­ter Sadis­men (s. FI), rückt ihn nicht in die Nähe die­ser einen Wahr­heit.

    Offen­bar ist die Papst­hö­rig­keit selbst bei der FSSPX der­ma­ßen hoch, dass fast jeder Kle­ri­ker bereit ist, sofern er nicht ohne­hin schon seit Jah­ren bereit ist zu machen, was er will, die Leh­re der Kir­che, den gesun­den Men­schen­ver­stand und die Wahr­haf­tig­keit auf­zu­ge­ben für einen der­ma­ßen offen­sicht­li­chen Ver­wir­rer, wie F. einer ist.
    Was muss denn noch gesche­hen, bis das end­lich ankommt in den Köp­fen? Die Geschich­te wie­der­holt sich und wie­der­holt sich. War­um sind die Füh­ren­den eben­so wie die Klein­gei­ster (wg. gei­sti­ger Nähe?) jedes­mal so blind? Mir graut es — hat­ten wir das nicht alles schon mal in Abwand­lung? Gab es nicht eine Zeit, in der plötz­lich Geset­ze auf­ka­men, die jedem bis­her gül­ti­gen Stan­dard wider­spra­chen? Wur­den nicht die Geschäf­te bestimm­ter unlieb­sa­mer Leu­te zer­dep­pert und ange­zün­det? Das ist der ein­zi­ge Ver­gleich der mir ein­fällt, wenn ich die Zer­stö­rung des Ordens der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta sehe. Es gibt kei­nen Grund, über­haupt je in die­ser Wei­se gegen unbe­schol­te­ne Leu­te, aber auch nicht gegen Leu­te, die sich schul­dig gemacht haben soll­ten, vor­zu­ge­hen.
    Hört denn Pater Schmid­ber­ger nicht den ent­setz­li­chen Schrei der Ver­zweif­lung, der quer durch den Him­mel schallt? Und nun ein nach­fol­gen­des tie­fes Schwei­gen?
    War­um schweigt er zu die­sen bru­ta­len, gewalt­tä­ti­gen und dis­kri­mi­nie­ren­den Vor­gän­gen, die noch dazu jeder gesetz­li­chen Grund­la­ge ent­beh­ren und im Gegen­teil sogar gegen das gel­ten­de Recht ver­sto­ßen?
    Ist die FSSPX eigent­lich der­ma­ßen selbst­re­fe­ren­ti­ell, dass sie nicht mehr mit­be­kommt, was in der gro­ßen, wei­ten Kir­che vor sich geht?
    Erheb­lich wacher und kla­rer ist da der Text Fel­lays: http://pius.info/archiv-news/913-interview/8512-interview-mit-se-bischof-bernhard-fellay-teil‑4

    • Habe mich schon oft gefragt, war­um die­ser Papst so gut ankommt quer durch alle Schich­ten? Er paßt genau in das heu­ti­ge Kli­ma, das anspricht auf gewis­se ero­ti­sche Rei­ze. Die­sem Papst ist ein gewis­ser Sex­ap­peal zu eigen, den er durch Wor­te und Gesten noch unter­streicht. Die dün­ne wei­ße Sou­ta­ne, unter der die schwar­ze Hose durch­scheint, die Dau­men-Hoch-Geste, das Foto, wo er als Kar­di­nal einem jun­gen Mann sich an die Brust legt. Das Wort Zärt­lich­keit, das er immer wie­der anführt. Er prak­ti­ziert eine Art Drauf­gän­ger­tum, wovon nicht weni­ge Leu­te offen­sicht­lich ange­tan sind. Man kann ja sehen, daß das, was er sagt, gar nicht so ernst genom­men wird. Ihm wird alles zurecht­ge­rückt, da muß eine per­sön­li­che Zunei­gung vor­han­den sein, eine gewis­se Blind­heit, die vie­les gar nicht wahr­ha­ben will. Eine Ver­narrt­heit. Man schaue sich nur die Kom­men­ta­re auf kath.net an. Auf Pater Schmid­ber­ger möch­te ich das jetzt nicht bezie­hen, er hat sich mit der Exhor­ta­tio abge­plagt ohne wirk­lich fün­dig zu wer­den.

    • Das ist doch nur der erste Teil eines Arti­kels. Ganz unten steht „Zwei­ter Teil folgt“.

      P. Schmid­ber­ger bringt zu Beginn die guten Sei­ten der Ange­le­gen­heit, als ‚cap­t­atio ben­evo­len­tiae‘, wie man es als guter Rhe­to­ri­ker so gelernt hat. Daß ist ange­bracht, damit auch die ihm als Red­ner kri­tisch gegen­über ein­ge­stell­ten Leser, die nach­fol­gen­de Kri­tik anzu­hö­ren bereit sind.

    • zeit­schnur:
      Man sieht hier eben, daß FSSPX guten Wil­lens ist, daß sie wahr­haft katho­lisch ist und erst ein­mal das GUTE sucht in unse­rem Papst. FSSPX ist eine KATHOLISCHE Bru­der­schaft und ist es somit ihre Pflicht, dem Papst erst ein­mal mit Wohl­wol­len zu ent­geg­nen, guten Wil­lens zu sein. Bei Wider­sprü­chen zur ewi­gen Wahr­heit sagen sie sicher NEIN und das ist wich­tig. Die ewi­ge Wahr­heit steht über dem bedin­gungs­lo­sen Gehor­sam, aber der recht­mä­ßi­gen Auto­ri­tät ist erst ein­mal Wohl­wol­len geschul­det. Somit pflich­te ich Pater Schmied­ber­ger bei in sei­ner Ana­ly­se. FSSPX ist eben kei­ne obstru­se, ver­härm­te, fröm­meln­de kon­ser­va­ti­ve Sek­te, son­dern eine inn­ni­ge, leben­de, wie ein Leucht­turm strah­len­de Gemein­schaft wah­rer Katho­li­ken. Die­ser Leucht­turm wird uns durch die Nacht beglei­ten.

  5. Im Ver­gleich zu obi­gem Kom­men­tar fin­de ich den Kom­men­tar von Bischof Fel­lay auf der Home­page der Bru­der­schaft wesent­lich bes­ser.

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