Papst Franziskus und Fatima – Ernst der Lage nicht erkannt?


Papst Franziskus und die Statue der Gottesmutter von Fatima(Rom) Am ver­gan­ge­nen 13. Okto­ber soll­te, so die Ankün­di­gung, durch Papst Fran­zis­kus die Wei­he der Welt an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens statt­fin­den. Statt­ge­fun­den hat jedoch nichts der­glei­chen, obwohl eigens die Sta­tue der Got­tes­mut­ter aus Fati­ma nach Rom gebracht wor­den war. Was geschah wirk­lich in Rom? Was hät­te wirk­lich gesche­hen sol­len? Wor­um geht es in der Bot­schaft von Fati­ma? War­um ist die Lage so ernst? Und: War­um kon­tra­stiert der Ernst der Lage so sehr mit dem, was in Rom gesche­hen ist? Mit die­sen Fra­gen befaßt sich der bekann­te katho­li­sche Histo­ri­ker Robert de Mat­tei und ver­sucht Ant­wor­ten zu geben.
.

Fatima und Papst Franziskus

Anzei­ge

von Rober­to de Mattei

Die Zere­mo­nie vom ver­gan­ge­nen Sonn­tag, den 13. Okto­ber in St. Peter weck­te gro­ße Erwar­tun­gen, führ­te aber auch zu gro­ßer Ent­täu­schung. Die Erwar­tun­gen ent­stan­den durch die kur­sie­ren­de Nach­richt, Papst Fran­zis­kus wür­de vor der aus Por­tu­gal her­bei­ge­brach­ten Sta­tue der Got­tes­mut­ter von Fati­ma die Welt dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens wei­hen. Die Hoff­nun­gen schie­nen durch die Tat­sa­che Bestä­ti­gung zu fin­den, daß der Papst Kar­di­nal José Poli­car­po, den Patri­ar­chen von Lis­sa­bon, gebe­ten hat­te, sein Pon­ti­fi­kat der Got­tes­mut­ter von Fati­ma zu weihen.

Das Her­bei­strö­men der Gläu­bi­gen begann am Sams­tag, als die im Hub­schrau­ber gebrach­te Sta­tue der Madon­na von der Men­ge ver­ehrt und dann in das Mari­en­hei­lig­tum der Gött­li­chen Lie­be gebracht wur­de. Am Sonn­tag dräng­ten sich mehr als 100.000 Gläu­bi­ge auf dem Peters­platz vor der Basi­li­ka, um an der Zere­mo­nie teil­zu­neh­men. Vie­le hoff­ten, daß bei der Wei­he durch Papst Fran­zis­kus eine Erwäh­nung Ruß­lands erfol­gen wür­de. In Fati­ma hat­te die Got­tes­mut­ter näm­lich einen fei­er­li­chen und öffent­li­chen Akt der Süh­ne und der Wei­he Ruß­lands an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens gewünscht, der durch den Papst gemein­sam mit den Bischö­fen der Welt erfol­gen sollte.

Pius XII. weih­te am 31. Okto­ber 1942 in einer Radio­bot­schaft die Kir­che und die Mensch­heit dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mariens.

Der­sel­be Papst Pacel­li, weih­te mit dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Sacro Ver­gen­te Anno vom 7. Juli 1952 alle Völ­ker Ruß­lands der Got­tes­mut­ter. Ruß­land wur­de aus­drück­lich genannt, aber es fehl­te die fei­er­li­che Ein­heit mit den katho­li­schen Bischö­fen der gan­zen Welt.

1965 baten 510 Bischöfe um die Weihe Rußlands – Paul VI. ignorierte Wunsch

Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil wäre die ein­zig­ar­ti­ge Gele­gen­heit gewe­sen, um die For­de­rung der Got­tes­mut­ter zu erfül­len. 1965 unter­zeich­ne­ten gan­ze 510 Erz­bi­schö­fe und Bischö­fe aus 78 Län­dern eine Peti­ti­on, mit der sie den Papst baten, in Ein­heit mit den Kon­zils­vä­tern die gan­ze Welt und in beson­de­rer Wei­se Ruß­land und die ande­ren vom Kom­mu­nis­mus beherrsch­ten Län­der dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens zu weihen.

Paul VI. kam der Auf­for­de­rung aber nicht nach. Johan­nes Paul II. schrieb, nach­dem er bei einem dra­ma­ti­schen Atten­tat am 13. Mai 1981 schwer ver­letzt wor­den war, sein Über­le­ben dem wun­der­ba­ren Schutz der Got­tes­mut­ter von Fati­ma zu. Als Pil­ger begab er sich ein Jahr nach dem Atten­tat zum Mari­en­wall­fahrts­ort und der Got­tes­mut­ter und weih­te ihr „jene Men­schen und Völ­ker, die die­ser Über­ant­wor­tung und Wei­he beson­ders bedürfen“.

Eine ähn­li­che Wei­he wie­der­hol­te er am 25. März 1984 auf dem Peters­platz in Anwe­sen­heit der Sta­tue der Jung­frau, die eigens aus Por­tu­gal gebracht wur­de. Der Papst hat­te den Bischö­fen der gan­zen Welt geschrie­ben und sie gebe­ten, sich mit ihm in die­ser Wei­he zu ver­ei­nen. Aber das Schrei­ben erreich­te nicht alle und nur weni­ge mach­ten sich das Anlie­gen zu eigen. Auch bei die­ser Gele­gen­heit wur­de Ruß­land nicht aus­drück­lich erwähnt. Es gab ledig­lich einen Ver­weis auf „die Völ­ker deren Wei­he und Über­ant­wor­tung du von uns erwartest“.

Ein drit­ter Akt, mit dem die Kir­che und die Mensch­heit der Jung­frau Maria anver­traut wur­den, erfolg­te am 8. Okto­ber 2000 vor der Sta­tue der Got­tes­mut­ter von Fati­ma durch Johan­nes Paul II. gemein­sam mit mehr als 1500 Bischö­fen, die den Wel­tepi­sko­pat ver­tra­ten. Auf Wunsch Johan­nes Pauls II. ver­öf­fent­lich­te der dama­li­ge Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger das Drit­te Geheim­nis von Fati­ma (eine Ver­öf­fent­li­chung die von vie­len aller­dings als unvoll­stän­dig ange­se­hen wird) und am 12. Mai 2010 erhob er als Bene­dikt XVI. vor ihrem Gna­den­bild in der Erschei­nungs­ka­pel­le von Fati­ma kniend ein Gebet des Anver­trau­ens und der Wei­he an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens mit der Bit­te um Erret­tung:  „Komm uns zu Hil­fe und erret­te uns aus allen Gefahren.“

Papst Franziskus sprach in müdem Tonfall schwache Formel

Die Ver­eh­rer der Got­tes­mut­ter von Fati­ma erwar­te­ten sich von Papst Fran­zis­kus einen Schritt, der über die sei­ner Vor­gän­ger hin­aus­ge­hen wür­de, aber sie wur­den tief ent­täuscht. Der Papst sprach mit müdem Ton­fall eine For­mel, die schwä­cher war als alle vor­he­ri­gen, ohne das Wort Wei­he zu gebrau­chen und ohne weder Fati­ma noch das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens, noch die Welt, noch die Kir­che und noch weni­ger Ruß­land zu erwäh­nen. Der Papst hat ent­ge­gen der Ankün­di­gung (auf der Inter­net­sei­te des Mari­en­hei­lig­tums von Fati­ma und durch Radio Vati­kan) die Welt nicht dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens geweiht. Es gab ledig­lich eine all­ge­mei­ne Anspie­lung auf „Gott, der nicht müde wird, sich barm­her­zig der Mensch­heit zuzu­nei­gen, die vom Bösen bedrängt und von der Sün­de ver­wun­det ist, um sie zu hei­len und zu ret­ten“, [1]In der deut­schen Über­set­zung des Gebets durch Radio Vati­kan ist die Rede von einem „Wei­he­akt“. Im ita­lie­ni­schen Ori­gi­nal kommt das Wort „Wei­he“ aller­dings nicht vor. Dort heißt es „Akt … Con­ti­n­ue rea­ding aber ohne jeden Hin­weis auf die Gefah­ren, die heu­te über der reue­lo­sen Mensch­heit schweben.

Benedikt XVI.: „Wer glaubt, prophetische Mission Fatimas sei beendet, der irrt“

Die Seli­ge Jung­frau Maria war kei­ne geschwät­zi­ge und sen­ti­men­ta­le Frau und ihre Bot­schaf­ten, wenn sie authen­tisch sind, kom­men direkt zum Wesent­li­chen. Ihre Wor­te sind ein Geschenk des Him­mels, um die Men­schen im Glau­ben zu bestär­ken oder ihnen Ori­en­tie­rung zu geben und ihnen in den Schwie­rig­kei­ten Trost zu spen­den. In Lour­des 1858 besie­gel­te Maria das Dog­ma der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis, das von Pius IX. vier Jah­re zuvor ver­kün­det wor­den war. In Fati­ma 1917 kün­de­te sie eine gro­ße Stra­fe an, soll­te sich die Welt nicht bekeh­ren und für ihre Sün­den Süh­ne lei­sten. Bene­dikt XVI. sag­te am 13. Mai 2010 vor mehr als einer hal­ben Mil­li­on Pil­ger in Fatima:

„Wer glaubt, daß die pro­phe­ti­sche Mis­si­on Fati­mas been­det sei, der irrt sich.“

Mit der Pro­phe­zei­ung woll­te uns die Got­tes­mut­ter ver­ständ­lich machen, daß die Welt eine tra­gi­sche Stun­de in ihrer Geschich­te durch­lebt und jeden zu sei­ner Ver­ant­wor­tung rufen.

Dramatische Botschaft der Gottesmutter über bevorstehende Strafe

Eine star­ke Unter­wei­sung auf der glei­chen Linie von Fati­ma erfolgt durch eine ande­re, kaum bekann­te maria­ni­sche Bot­schaft, deren 40. Jah­res­tag genau auf den 13. Okto­ber 2013 fiel: dem von Aki­ta. Aki­ta ist der Name eines Ortes in Japan, in dem Schwe­ster Agnes Kats­uko Sasa­ga­wa, vom Orden der Die­ne­rin­nen der Hei­li­gen Eucha­ri­stie die Got­tes­mut­ter erschie­nen ist.

Am 13. Okto­ber 1973 erhielt die Ordens­frau die letz­te und wich­tig­ste Bot­schaft, in der die Got­tes­mut­ter die Stra­fe beschreibt, die die Mensch­heit erwartet:

„Wenn die Men­schen nicht bereu­en und sich nicht bekeh­ren, wird der himm­li­sche Vater über das gan­ze Men­schen­ge­schlecht eine ent­setz­li­che Stra­fe ver­hän­gen. Eine Stra­fe, weit schlim­mer als die Sint­flut, eine Stra­fe, wie sie bis jetzt noch nicht vor­ge­kom­men ist. Feu­er wird vom Him­mel fal­len und einen Groß­teil der Mensch­heit hin­weg­fe­gen, die Guten wie die Schlech­ten ohne Prie­ster und Gläu­bi­ge zu ver­scho­nen. Die Über­le­ben­den wer­den so bedrückt sein, daß sie jene benei­den wer­den, die tot sind. Die ein­zi­gen Waf­fen, die euch blei­ben wer­den, sind der Rosen­kranz und das Zei­chen, das von Mei­nem Sohn hin­ter­las­sen wur­de. Betet jeden Tag den Rosen­kranz. Mit dem Rosen­kranz betet für den Papst, die Bischö­fe und Prie­ster. Das Werk des Teu­fels dringt auch in die Kir­che ein, und Kar­di­nä­le wer­den sich gegen ande­re Kar­di­nä­le stel­len, Bischö­fe gegen Bischö­fe. Die Prie­ster, die mich ver­eh­ren, wer­den von ihren Mit­brü­dern ver­ach­tet und behin­dert wer­den… Kir­chen und Altä­re wer­den geplün­dert. Die Kir­che wird voll sein von sol­chen, die Kom­pro­mis­se akzep­tie­ren und der Teu­fel wird vie­le Prie­ster und geweih­te See­len ver­füh­ren, ihre Beru­fung zu ver­lie­ren. Der Teu­fel wird beson­ders uner­bitt­lich gegen die gott­ge­weih­ten See­len vor­ge­hen. Der Gedan­ken, daß so vie­le See­len ver­lo­ren­ge­hen, ist der Grund für mein Leid. Mein so gro­ßes Leid. Wenn es kei­ne Wen­de gibt und die Sün­den an Zahl und Schwe­re wei­ter zuneh­men, wird es kei­ne Ver­ge­bung für die Sün­den mehr geben.“

Im April 1984 erklär­te Bischof John Sho­ji­ro Ito von Niiga­ta (1909–1993)  nach einer gründ­li­chen Prü­fung, daß die Erschei­nun­gen von Aki­ta als über­na­tür­lich zu betrach­ten sind und erlaub­te in sei­ner Diö­ze­se die Ver­eh­rung Unse­rer Lie­ben Frau von Aki­ta. Im Juni 1988 bezeich­ne­te Kar­di­nal Ratz­in­ger, damals Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on die Ereig­nis­se von Aki­ta als glaub­wür­dig. Der phil­ip­pi­ni­sche Bot­schaf­ter beim Hei­li­gen Stuhl, Howard Dee, bezeug­te öffent­lich, daß Kar­di­nal Ratz­in­ger in einem Gespräch mit ihm betä­tig­te, daß die Bot­schaf­ten von Fati­ma und Aki­ta den­sel­ben Inhalt haben.

„Nicht Zeit für Illusionen, Optimismus und oberflächliches Lächeln“

Die Bot­schaf­ten von Fati­ma und Aki­ta sagen Stra­fen für die Mensch­heit und für die Kir­che auf ihrer natür­li­chen, poli­ti­schen und vor allem ihrer geist­li­chen Ebe­ne vor­aus, und erin­nern uns dar­an, daß Gott unend­lich barm­her­zig ist, weil er unend­lich gerecht ist. Es ist nicht die Zeit für Illu­sio­nen, für Opti­mis­mus, für ober­fläch­li­ches Lächeln, son­dern die Zeit des Ern­stes und des Kamp­fes. Und die Unbe­fleck­te hat ver­spro­chen, uns bis zum end­gül­ti­gen Tri­umph beizustehen.

Einleitung/​Übersetzung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

Print Friendly, PDF & Email

-

-
1 In der deut­schen Über­set­zung des Gebets durch Radio Vati­kan ist die Rede von einem „Wei­he­akt“. Im ita­lie­ni­schen Ori­gi­nal kommt das Wort „Wei­he“ aller­dings nicht vor. Dort heißt es „Akt des Anvertrauens“.
Anzei­ge

Hel­fen Sie mit! Sichern Sie die Exi­stenz einer unab­hän­gi­gen, kri­ti­schen katho­li­schen Stim­me, der kei­ne Gel­der aus den Töp­fen der Kir­chen­steu­er-Mil­li­ar­den, irgend­wel­cher Orga­ni­sa­tio­nen, Stif­tun­gen oder von Mil­li­ar­dä­ren zuflie­ßen. Die ein­zi­ge Unter­stüt­zung ist Ihre Spen­de. Des­halb ist die­se Stim­me wirk­lich unabhängig.

Katho­li­sches war die erste katho­li­sche Publi­ka­ti­on, die das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus kri­tisch beleuch­te­te, als ande­re noch mit Schön­re­den die Qua­dra­tur des Krei­ses versuchten.

Die­se Posi­ti­on haben wir uns weder aus­ge­sucht noch sie gewollt, son­dern im Dienst der Kir­che und des Glau­bens als not­wen­dig und fol­ge­rich­tig erkannt. Damit haben wir die Bericht­erstat­tung verändert.

Das ist müh­sam, es ver­langt eini­ges ab, aber es ist mit Ihrer Hil­fe möglich.

Unter­stüt­zen Sie uns bit­te. Hel­fen Sie uns bitte.

Vergelt’s Gott!