„Kein Katholik möchte den Papst kritisieren, aber wir konnten nicht länger schweigen“ — Interview mit Palmaro und Gnocchi

Papst Franzikus und die Kritik von Mario Palmaro und Alessandro Gnocchi(Mai­land) Am ver­gan­ge­nen 9. Okto­ber ver­öf­fent­lich­ten der Rechts­phi­lo­soph Mario Palma­ro und der Jour­na­list Ales­san­dro Gnoc­chi in der Tageszeitung„Il Foglio“ eine har­te, aber klar umris­se­ne Kri­tik am bis­he­ri­gen Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus (sie­he eige­nen Bericht). Ein Text, der als „Ankla­ge“ und als „Ermah­nung“ an den Papst auf­ge­faßt wur­de. Der Auf­satz sorg­te für Auf­se­hen, fand viel Zustim­mung, geriet aber wegen eines „zu har­ten“ Titels selbst in die Kri­tik. Nicht nur das. Noch am Tag der Ver­öf­fent­li­chung wur­den bei­de nach zehn­jäh­ri­ger Mit­ar­beit von Radio Maria Ita­li­en gekün­digt. Pro­gramm­di­rek­tor Don Livio Fan­za­ga begrün­de­te die dra­sti­sche Ent­schei­dung damit, daß eine Kri­tik am Papst mit der Stel­lung eines Mode­ra­tors von Radio Maria „unver­ein­bar“ sei. Der Sen­der habe „kla­re Grund­sät­ze“: er ste­he “ treu zum Papst und sei­nem Lehr­amt und sei­nen pasto­ra­len Vor­ga­ben“. So sei das unter Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. gewe­sen und so sei es auch unter Fran­zis­kus. Die Tages­zei­tung „Libe­ro“ führ­te mit den bei­den gefeu­er­ten Katho­li­ken ein Inter­view.

Fan­gen wir beim Arti­kel an: Was hat der Papst gesagt oder getan, das zwei katho­li­schen Publi­zi­sten nicht gefällt?

Es gibt zwei pro­ble­ma­ti­sche Aspek­te: die Form und die Inhal­te. Fran­zis­kus hat Ver­hal­tens­wei­sen und einen Stil ange­nom­men, die zur Auf­lö­sung des Pon­ti­fi­kats in sei­ner for­ma­len Struk­tur füh­ren, die ten­den­zi­ell in Rich­tung einer Redu­zie­rung des Pap­stes auf einen Bischof unter vie­len füh­ren und nicht zum „süßen Chri­stus auf Erden“, von dem die Hei­li­ge Katha­ri­na von Sie­na spricht.
Auf der Ebe­ne der Inhal­te fin­den sich in den Inter­views der Civil­tà  Cat­to­li­ca und der Repubbli­ca nicht nur Zwei­deu­tig­kei­ten, son­dern objek­ti­ve phi­lo­so­phi­sche und lehr­mä­ßi­ge Irr­tü­mer.
Spre­chen wir als Jour­na­li­sten­kol­le­gen mit­ein­an­der: Wir dis­ku­tie­ren über den klas­si­schen Fall einer Nicht-Mel­dung. Hier sind zwei getauf­te Katho­li­ken, die seit Mona­ten hören, was der Papst sagt und seit Mona­ten ein Unbe­ha­gen dabei emp­fin­den, weil das, was sie hören offen­sicht­lich sich in schnel­len Schrit­ten von dem ent­fernt, was die Glau­bens­leh­re sagt. Am Ende, schließ­lich ist es ihr Beruf zu schrei­ben und zu kom­men­tie­ren, schrei­ben und kom­men­tie­ren sie. So sieht es nicht nur eine Grund­re­gel der Infor­ma­ti­on vor, son­dern auch das Kir­chen­recht. Der Brief an Scal­f­a­ri, das Inter­view mit Scal­f­a­ri, das Inter­view mit der Civil­tà  Cat­to­li­ca sind nur die jüng­sten, ekla­tan­ten Bei­spie­le. Sie gin­gen um die Welt, sie führ­ten zum Ruf nach Revo­lu­ti­on, sie ent­setz­ten Tau­sen­de und Aber­tau­sen­de von Katho­li­ken, und damit See­len, und nie­mand hat dazu etwas zu sagen?
Die Mel­dung ist hin­ge­gen der ein­hel­li­ge Jubel­chor, der von bestimm­ten kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken über Enzo Bian­chi und Hans Küng bis zum offe­nen Kir­chen­has­ser Pan­nella reicht.

Sie haben das Euge­nio Scal­f­a­ri gewähr­te Inter­view kri­ti­siert. War das Inter­view nicht in Ord­nung oder der Inter­view­er?

Die Wahl Euge­nio Scal­f­a­ris ist bei­spiel­los und läßt vie­le Katho­li­ken fas­sungs­los. Er ist nicht nur ein Lai­zist oder ein Nicht-Gläu­bi­ger, son­dern ein histo­ri­scher Ant­ago­nist der Katho­li­zi­tät. Die Tages­zei­tung La Repubbli­ca ist das Sym­bol für eine radi­kal, schicke Kul­tur, die aus Schei­dung und Abtrei­bung die tra­gen­den Säu­len einer neu­en nihi­li­sti­schen Gesell­schaft gemacht hat, in der für Chri­stus und die Sakra­men­te kein Platz mehr ist. Etwas ande­res wäre es gewe­sen, Scal­f­a­ri auf dis­kre­te Art zu tref­fen, um mit Blick auf sein Wohl mit ihm zu spre­chen. Und in der Hoff­nung auf sei­ne Bekeh­rung.

Im Zusam­men­hang mit dem Papst-Inter­view der Civil­tà  Cat­to­li­ca sagen Sie, daß die Sät­ze zur Abtrei­bung Leh­re und Barm­her­zig­keit in einen Gegen­satz set­zen. Was heißt das?

Die erste Form der Näch­sten­lie­be ist die Wahr­heit. Der gute Arzt ver­heim­licht dem Kran­ken die Schwe­re sei­ner Krank­heit nicht, damit die­ser sie kuriert. Gott wünscht ohne Unter­laß uns zu ver­ge­ben, aber er erwar­tet von uns Reue, es anzu­er­ken­nen, daß wir gesün­digt haben. Eine Kir­che, die zur Moral schweigt, um nicht mit der Welt zusam­men­zu­pral­len, wür­de es an Näch­sten­lie­be gegen­über den Sün­dern feh­len las­sen. Es ist leicht zu sagen, daß 300 Tote vor Lam­pe­du­sa „eine Schan­de“ sind. Viel schwe­rer ist es zu sagen, daß 300 abge­trie­be­ne Kin­der eine weit grö­ße­re Schan­de sind.

Und aus die­sem und ande­ren Grün­den haben Sie die „Nor­ma­li­sten“ kri­ti­siert, die Katho­li­ken, die im Gegen­satz zur lai­zi­sti­schen Pres­se kei­ne Revo­lu­ti­on gegen das kirch­li­che Lehr­amt erken­nen kön­nen. Was aber hat sich in Wirk­lich­keit geän­dert?

Wir haben jene kri­ti­siert, die wir aus einem ganz ein­fa­chen Grund als Nor­ma­li­sten bezeich­nen. Die­se Herr­schaf­ten machen seit sechs Mona­ten nichts ande­res als die Feh­ler von Papst Fran­zis­kus zu kaschie­ren: zum Gewis­sen, zur Ethik, zur Bio­ethik, zum Ordens­le­ben. Bei aller Aner­ken­nung des guten Wil­lens und der guten Absicht rich­ten sie damit einen enor­men Scha­den an, weil sie – indem sie sagen, es sei alles ganz nor­mal und es habe sich nichts geän­dert, und eine Katho­li­zi­tät behaup­ten, wo es sie gar nicht gibt – damit enden, die nack­ten Aus­sa­gen des Pap­stes als katho­lisch durch­ge­hen zu las­sen. Die Armen geben sich der Illu­si­on hin, medi­en­mä­ßig stär­ker zu sein als Ber­go­glio und mei­nen, daß ihre nach­träg­li­chen Kor­rek­tu­ren die Adres­sa­ten errei­chen. In Wirk­lich­keit haben sie gar nichts davon ver­stan­den, wie die Maschi­ne­rie der Mas­sen­me­di­en heu­te funk­tio­niert. Nicht sie sind es, die den Papst kor­ri­gie­ren, son­dern der Papst ist es, der sie auf­saugt.

Wenn der Papst aber sogar unka­tho­li­sche Aus­sa­gen machen soll­te, war­um tun dann die Nor­ma­li­sten so, als wür­den sie das alles nicht sehen?

Weil im Mit­tel­punkt des Pro­blems kein gerin­ge­rer als der Papst steht. Rich­ti­ger­wei­se sehen die Katho­li­ken in ihm den Füh­rer der Kir­che durch die Geschich­te und möch­ten ihn eigent­lich nie kri­ti­sie­ren müs­sen. Um es ver­ständ­lich zu machen: wenn das Inter­view in der Civil­tà  Cat­to­li­ca von einem Theo­lo­gen oder sogar von einem Bischof stam­men wür­de, wäre es längst in allen Tei­len kri­ti­siert wor­den, die dar­in nicht pas­sen.

Aber abge­se­hen von den Inter­views haben Sie auch die Inter­pre­ta­ti­on des Pap­stes zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil kri­ti­siert. Ist das nicht eine zu har­te Kri­tik?

Wir hal­ten uns an die Fak­ten: Mit dem Zwei­ten Vati­ka­num erklärt die Kir­che offen, sich der Welt zu öff­nen und auf deren Erwar­tun­gen ant­wor­ten zu wol­len. Eine Umwäl­zung, die in die­sen Jahr­zehn­ten ihre Ergeb­nis­se her­vor­ge­bracht hat: die Prie­ster­se­mi­nar haben sich geleert, in vie­len von ihnen wer­den unka­tho­li­sche Leh­ren ver­brei­tet, und auf die Lehr­stüh­le wer­den, wie Car­lo Maria Mar­ti­ni woll­te, Ungläu­bi­ge gesetzt.

Sie wer­fen Ber­go­glio auch ein über­zo­ge­nes Fee­ling mit den Mas­sen­me­di­en vor. Sind Sie nicht der Mei­nung, daß er viel­mehr das Bild der Kir­che stärkt?

Hier­zu gilt immer die Ant­wort von McLu­han: Die Medi­en erzeu­gen eine Illu­si­on, die zum Fak­si­mi­le des mysti­schen Lei­bes wird, und die er „eine betäu­ben­de Erschei­nung des Anti­chri­sten“ nennt.

Aber gestern [11. Okto­ber 2013] beharr­te der Papst in sei­ner Pre­digt dar­auf, daß der Teu­fel eine Rea­li­tät und nicht eine Meta­pher ist und sag­te: „Wer nicht mit Jesus ist, ist gegen Jesus, es gibt kei­ne hal­ben Hal­tun­gen“. Steht das nicht im Wider­spruch zu Ihrem Bild eines „pro­gres­si­ven Pap­stes“?

In die­sen Mona­ten hat Papst Fran­zis­kus vie­le katho­li­sche Din­ge gesagt. Das aber ist nor­mal: Er ist der Papst. In unse­rem Arti­kel haben wir aber das, was Papst Fran­zis­kus über das Gewis­sen sagt, mit dem ver­gli­chen, was Papst Johan­nes Paul II. 1993 in der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor dazu geschrie­ben hat. Nun, einer sagt das genaue Gegen­teil des ande­ren und wir den­ken, daß kei­ne Win­dung eines noch so gewun­de­nen Hirns behaup­ten könn­te, daß sie im Grun­de das­sel­be sagen. Bis­her ist nie­mand dar­auf ein­ge­gan­gen, was wir geschrie­ben haben. Nie­mand hat uns auch nur eine ein­zi­ge Zei­le wider­legt. Ein freund­li­cher Herr for­der­te uns öffent­lich sogar auf, beich­ten zu gehen. Die­ser Herr weiß natür­lich nicht, daß das bereits gesche­hen ist, wir die­se Din­ge im Beicht­stuhl gesagt haben und vom Beicht­va­ter die Ant­wort erhiel­ten, daß er genau so denkt, es aber nicht sagen kann. Die­ser Herr soll­te auch wis­sen, wie vie­le Brie­fe und Tele­fon­an­ru­fe wir von Katho­li­ken erhal­ten haben, die ein­fach nicht mehr konn­ten und sich für das bedank­ten, was wir geschrie­ben haben.

Die­se Über­le­gun­gen haben Ihnen den Raus­wurf bei Radio Maria gebracht. War die Ent­schei­dung zu ver­mei­den oder hattten Sie sie bereits vor­her ein­kal­ku­liert?

Wir hat­ten dar­an gedacht, aber wir konn­ten nicht län­ger schwei­gen. Wir waren mit Pater Livio Fan­za­ga vor die­sem Vor­fall befreun­det und sind es auch jetzt noch. Er ist der Pro­gramm­di­rek­tor und er bestimmt die Linie. Wenn die­se Linie vor­sieht, daß man den Papst nicht ein­mal kri­ti­sie­ren darf, wenn er über Fuß­ball spricht, dann sind zwei wie wir offen­sicht­lich fehl am Platz. Wir erlau­ben es uns aber auch zu sagen, daß wir die­se Linie nicht tei­len. Man kann die Intel­li­genz nicht ersticken und man kann nicht von vorn­her­ein mehr als berech­tig­te Fra­gen zen­su­rie­ren. Das tut der katho­li­schen Welt nicht gut und es tut der Kir­che nicht gut. Wenn etwas eine gewis­se Bit­ter­keit erzeugt, dann die Tat­sa­che, daß nach zehn Jah­ren der Zusam­men­ar­beit der Anruf zwei Stun­den nach Erschei­nen des Arti­kels kam, ohne auch nur einen Augen­blick, um dar­über nach­zu­den­ken. Zehn Jah­re, in denen wir die Frei­heit hat­ten, alles zu sagen, was wir für not­wen­dig hiel­ten, auch zu hei­ßen The­men. Die­se Schnel­lig­keit tut weh.

Glau­ben Sie, daß die­ser Raus­wurf irgend­wo anders ent­schie­den wur­de?

Das müß­te man Pater Livio fra­gen, der ein guter Prie­ster und ein anstän­di­ger Mensch ist.

Kann man aber in einem katho­li­schen Sen­der blei­ben und den Papst kri­ti­sie­ren?

Natür­lich, vor­aus­ge­setzt, daß die Kri­tik nicht gegen die Leh­re der Kir­che ver­stößt. Wenn Pau­lus von Tar­sus nicht den ersten Papst kri­ti­siert hät­te, dann wären wir Katho­li­ken heu­te alle beschnit­ten, weil der Hei­li­ge Petrus das zur Norm erhe­ben woll­te. Wenn die Hei­li­ge Katha­ri­na nicht die Päp­ste zurecht­ge­wie­sen hät­te, wäre Avi­gnon heu­te noch Papst­sitz.

Der Papst sucht den Dia­log mit sehr vie­len Per­so­nen, auch mit ver­schie­de­nen mili­tan­ten Athe­isten. Erwar­ten Sie sich sei­nen Tele­fon­an­ruf? Daß er die Grün­de zwei­er über­zeug­ter Katho­li­ken anhö­ren möch­te und viel­leicht inter­ve­niert, um Ihnen die Sen­dun­gen im Radio zurück­zu­ge­ben?

Wir den­ken, daß es viel bes­ser wäre, wenn der Papst sich sei­nem Amt wid­met: sei­ne Her­de im wah­ren Glau­ben zu bestär­ken; die Katho­li­ken wie­der zurück­zu­füh­ren, daß sie den Kate­chis­mus und die Glau­bens­leh­re ken­nen; und dafür zu wir­ken, damit die Fern­ste­hen­den sich bekeh­ren.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Una Fides




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18 Kommentare

  1. Mario Palma­ro und Ales­san­dro Gnoc­chi, zwei her­vor­ra­gen­de Men­schen, die das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus sehr gut durch­leuch­tet haben.

  2. „In unse­rem Arti­kel haben wir aber das, was Papst Fran­zis­kus über das Gewis­sen sagt, mit dem ver­gli­chen, was Papst Johan­nes Paul II. 1993 in der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor dazu geschrie­ben hat.“

    Wenn ich das Wort „Gewis­sen“ höre sehe ich rot. Wer bestimmt den heu­te was Gewis­sen ist? Die Pilo­ten die zb. Mon­te Cas­si­no bom­bar­diert haben hat­ten viel­leicht auch ein rei­nes Gewis­sen. Aber ob es das gan­ze Leben durch­ge­hal­ten hat weiß auch kei­ner. Die deut­schen Bischö­fe haben in ihrer „König­stei­ner Erklä­rung“ zur Ein­nah­me der Pil­le auch an das Gewis­sen ihrer Gläu­bi­gen appel­liert. Und heu­te haben wir mit Japan die nied­rig­ste Gebur­ten­ra­te auf der gesam­ten Welt. Wir sind ein völ­lig über­al­ter­tes Volk das mit Alters­hei­men über­sät ist. Wenn ein Hir­te an das Gewis­sen sei­ner Scha­fe appe­liert hat er nicht viel von sei­ner Her­de und den um sie krei­sen­den Wöl­fen ver­stan­den.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • „Wenn ein Hir­te an das Gewis­sen sei­ner Scha­fe appe­liert hat er nicht viel von sei­ner Her­de und den um sie krei­sen­den Wöl­fen ver­stan­den.“
      Ich habe einen schwe­ren Feh­ler gemacht. Die sind schon in der Her­de mit dem Schafs­fell auf dem Buckel.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  3. Gegen­über die­sen tap­fe­ren Jour­na­li­sten emp­fin­de ich gro­ße Dank­bar­keit. Was ich inzwi­schen von S.H Fr. den­ke, ist so hart, dass ich es hier nicht in Wor­ten aus­drücken will. Ich glau­be, auf ihn trifft zu, was der hl. Franz von Assi­si über den end­zeit­li­chen Papa dis­trut­to­re pro­phe­zei­te, sowie das, wor­in ver­schie­de­ne lau­fen­de katho­li­sche Pro­phe­ti­en im wesent­li­chen über­ein­stim­men.

  4. Wenn vor dem 13. März einer den Papst kri­ti­siert hat, dann waren das Libe­ra­le, Moder­ni­sten oder Pro­gres­si­sten oder sowie­so Kir­chen­has­ser. Die Front­li­nie lief jahr­zehn­te­lang ziem­lich klar. Pius stör­te die­sen schein­bar so kla­ren Front­ver­lauf, aber es gibt immer Son­der­phä­no­me­ne, und die mei­sten Her­zens-Gläu­bi­gen konn­ten sich noch irgend­wie arran­gie­ren mit der päpst­li­chen Linie.
    Vie­le Blog­ger haben sich den But­ton „Ich bin gegen Romo­pho­bie“ auf den Blog gestellt. Beson­ders unter Bene­dikt. Bene­dikt, dem vie­le Pius-Anhän­ger viel vor­wer­fen, war den­noch bei allen Irr­tü­mern, die jedoch auf einer hohen intel­lek­tu­el­len Ebe­ne lagen und sub­til sind, ein unbe­streit­bar gläu­bi­ger, sogar tief­gläu­bi­ger und sanf­ter Mann. Ande­re — wie ich zum Bei­spiel — haben sich selbst mit einer gewis­sen Iro­nie gegen­über dem übli­chen natio­nal-katho­li­schen Pathos sogar als „Ultra­mon­ta­ne“ bezeich­net: wir haben als Deut­sche, die die­ses deutsch­na­tio­na­le Häre­ti­ker­ver­hal­ten ableh­nen unse­ren Lands­mann, der zum Römer gewor­den war, ver­ehrt und uns aus dem deut­schen Sup­pen­tel­ler her­aus auf die Sei­te Chri­sti gestellt — so jeden­falls emp­fan­den wir es. Die rich­ti­gen Koor­di­na­ten für jeden Gläu­bi­gen sind schließ­lich „Mei­ne Pfar­re am Ort — ich — Rom/universale Kir­che —-himm­li­sches Jeru­sa­lem).
    F.s Welt ist jedoch eine Schei­be mit Rän­dern. Mei­ne Welt ist rund.…Inzwischen sind die, die vor­her gegen Romo­pho­bie waren, selbst papst­kri­tisch. Und ich zumin­dest spa­re mir das mit der Ultra­mon­ta­ni­tät unter den der­zei­ti­gen Umstän­den lie­ber, um nicht miss­ver­stan­den zu wer­den.
    Wäh­rend die Libe­ra­len ihre Spiel­chen wei­ter­trei­ben in der Hoff­nung, unter die­sem Papst damit bes­ser durch­zu­kom­men, was offen­sicht­lich der Fall ist, ist für die Glau­ben­treu­en das Koor­di­na­ten­sy­stem förm­lich zer­bro­chen: Rom ist weg­ge­bro­chen. Rom ist ein schwar­zes Loch. Man kann nicht mal sagen: das ist ein Moder­nist, der auf dem Papst­thron bzw. neben­dran sitzt. Ich den­ke, da ver­kennt Fel­lay ein wesent­li­ches Ele­ment die­ses Pon­ti­fi­ka­tes. F. stößt ja nicht nur die soge­nann­ten Kon­ser­va­ti­ven vor den Kopf. Auch die Libe­ra­len krie­gen immer wie­der Schlä­ge vor den Bug. F. — wäre er nicht der Papst, hät­te man es schon lan­ge aus­ge­spro­chen — ist ver­wirrt, gei­stig im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes wirr, inkon­si­stent, neben der Spur, das ist in sich alles chao­tisch, das folgt kei­ner gedank­li­chen Linie oder Tra­di­ti­on, auch kei­ner bestimm­ten häre­ti­schen Tra­di­ti­on. Es ist das Reden und Han­deln einer tota­len Wirr­nis.
    Und es kri­stal­li­siert sich immer mehr her­aus, dass die­ser Mensch, da ihm kei­ner gei­stig, selbst wenn man es woll­te, fol­gen kann ange­sichts die­ses gei­sti­gen Cha­os‘, nichts weni­ger ver­langt, als dass man ihm als Per­son folgt.
    Wir haben hier bei vor­ge­schütz­ter Demut und Beschei­den­heit einen Tyran­nen­cha­rak­ter vor uns, der die Gläu­bi­gen auf sich selbst ver­pflich­ten will und dies in sub­ti­len Gesten auch zeigt, denen wie­der­um die Kon­ser­va­ti­ven aus einer geist­li­chen Ver­ken­nung und Schwä­che her­aus wie hyp­no­ti­siert fol­gen.

    • Bril­li­ant ana­li­siert, vie­len Dank.
      Auch ich möch­te nicht aus­spre­chen was ich bei F. emp­fin­de.
      Schwar­zes Loch stimmt wohl noch am ehe­sten.
      Immer mehr wird klar, das die Eccle­sia dei und die FSSPX die let­zen Hor­te der Tra­di­ti­on sind.
      End­zeit, Apo­ka­lyp­se, Jüng­stes Gericht fällt mir ein und natür­lich der Anti­christ!

      • Wir müs­sen jetzt dar­auf ach­ten, mit wel­chen welt­li­chen Per­so­nen und poli­ti­schen Füh­rern F. jetzt ver­keh­ren wird! Ich den­ke, es ist jetzt die Zeit gekom­men, in der der Anti­christ bald die Welt­büh­ne betre­ten wird. Sei­en wir wach­sam.

    • Sehr gut anly­siert! Sehr gut! Dem kann ich nur zustim­men. Dan­ke. Doch es wird sich kaum etwas ändern, da die­se Kom­men­ta­re an höch­ster Stel­le wohl kaum Gehör fin­den. Lei­der lei­der lei­der .… Wor­auf soll man sich als Katho­lik noch ver­las­sen ??

    • Wenn man in all der Wirr­nis einen Plan erken­nen kann, dann doch den, den Sie in sei­ner Aus­wir­kung soeben beschrie­ben. Fran­zis­kus spricht ihn in sei­nem Inter­view mit S. ganz offen an: die plan­mä­ssi­ge Zer­stö­rung der Katho­li­schen Kir­che — man ver­wen­det hier­für seit dem Kon­zil gewöhn­lich das Code­wort „Reform„oder „Moder­ni­sie­rung“ — ging nicht vor­an und schei­ter­te immer wie­der an der noch immer funk­tio­nie­ren­den zen­tra­li­sti­schen Struk­tur der Kir­che, sprich der Kurie mit ihrer finan­zi­el­len Unab­hän­gig­keit und den Päp­sten, die seit Johan­nes XXIII. sich zwar „reform„bereit zeig­ten, aber in ent­schei­den­den Punk­ten wie bspw. sakra­men­ta­les Prie­ster­tum, Zöli­bat, Ekkle­sio­lo­gie, Moral­leh­re usf. an der über­kom­me­nen Leh­re fest­hiel­ten und somit die „Refor­men“ hemm­ten und dadurch den Glau­bens­treu­en als rücken­stär­ken­des Boll­werk erschie­nen. Ganz schlimm wur­de es nun unter Ratz­in­ger, der den Umbau nicht nur ver­zö­ger­te, son­dern durch die Her­vor­kra­mung der Alten Lit­ur­gie und der För­de­rung der Tra­di­ti­on die „Reform“ der Kir­che sogar sub­stan­ti­ell gefähr­de­te, indem sich unter sei­nem Pon­ti­fi­kat eine Reor­ga­ni­sa­ti­on katho­li­scher Kräf­te abzu­zeich­nen schien, die alles bis dato Erreich­te infra­ge stell­ten. Das muss­te nicht nur mit allen Mit­teln ver­hin­dert wer­den, son­dern damit soll­te nach dem Ratz­in­ger-Deba­kel ein für alle mal Schluss sein. Rom selbst, die Kurie und das Papst­amt, sol­len jetzt, in einem fina­len „Reform„akt, ihrer zen­tra­len Rol­le, ihrer Unab­hän­gik­eit und ihrer Schutz­funk­ti­on für den über­lie­fer­ten Glau­ben ver­lu­stig gehen. Die dem katho­li­schen Glau­ben anhang­en­den Ultra­mon­ta­nen sol­len ihren Bezugs­punkt ver­lie­ren und dadurch mar­gi­na­li­siert, der Rest von ihnen am Ende dann ver­teu­felt und ver­folgt wer­den. Des­halb muss­te ein Mann als Papst gefun­den wer­den, der von sei­ner Per­sön­lich­keit her geeig­net schien, die­sen end­gül­ti­gen, letz­ten „Reform„stoß gegen die Katho­li­schen Kir­che aus­zu­füh­ren. Und die­ser sagt es von sich selbst: „ich habe bei aller Demut (*lach*) die Ent­schie­den­heit, das zu tun“, näm­lich den „Reform„prozess, der mit dem Kon­zil begann, zu (sei­nem) Ende zu brin­gen. Dass dies ein 77jähriger mit einem Lun­gen­flü­gel von sich zu behaup­ten wagt, zeigt, wie sie­ges­si­cher und wie unan­greif­bar er sich im Grun­de fühlt. Mit die­sem myste­riö­sen, über­mensch­li­chen Selbstgefühl/Sendungsbewusstsein waren stets alle gro­ßen Umstürz­ler der Mensch­heits­ge­schich­te aus­ge­stat­tet. Und so heischt er mit sei­ner medio­kre­nen Art in Pha­se 1 nach der Sym­pa­thie der Welt und der ver­welt­lich­ten Kir­che, damit er, davon getra­gen und beflü­gelt, in Pha­se 2 das gro­ße Ziel ohne nen­nens­wer­ten Wider­stand errei­chen kann.

    • wun­der­ba­re Ana­ly­se!
      Dazu passt dann das Jesus­wort. “ aber der in sei­nem EIGENEN Namen kommt,dem wer­det Ihr fol­gen“!!

  5. Nun ich den­ke der Papst Fran­zis­kus denkt gar nicht so viel wie wir ihm unter­stel­len.
    Er denkt m.E „Amt ist was Schlech­tes, je höher das Amt des­do schlech­ter, des­halb sind die, die ein hohes Amt haben dann die Guten, wenn sie die­ses Amt nicht aus­üben, außer um Leu­te die Auto­ri­tät gut und wich­tig fin­den zu ärgern“

    Wenn er ein Moder­nist rein­sten Was­sers wäre, könn­te man mit ihm dis­ku­tie­ren.

    Er ist aber jemand der von fest­ste­hen­den Denk­ge­bäu­den zugrun­de lie­gen­den Wert­ent­schei­dun­gen die man auch unter Schwie­rig­kei­ten durch­hält, nix hält.
    Das macht ihn einer­seits schwer sym­pa­thisch, weil ihn ja die Aura der Macht (auch wenn er das nicht will, er i s t aber Papst) umgibt, ande­rer­seits macht es ihn auch gefähr­lich!

    • Völ­lig rich­tig! Ich gebe Ihnen recht. F. „denkt“ sich wirk­lich nichts. Er „fühlt“ haupt­säch­lich, dass er etwas „rich­tig“ macht, und dann tut er es ein­fach, ohne Rück­sicht auf Ver­lu­ste. Er ist sozu­sa­gen ein „Anti“-Heiliger, ein „Schwarm­geist“, wie man frü­her wohl gesagt hät­te. Er hat ja selbst ein­mal wört­lich gesagt, man müs­se dem „gesun­den Men­schen­ver­stand“ miss­trau­en, denn die­ser wür­de den Hei­li­gen Geist an Sei­ner Wir­kung hin­dern. Das hat natür­lich zu Lachern unter Athe­isten geführt, weil die sich in ihrer The­se von der Dumm­heit aller Reli­gi­on bestä­tigt fühl­ten. Das Pro­blem von F. ist auch, dass er die Begrif­fe, die er benutzt mit ganz eige­nen Bedeu­tun­gen füllt. Z.B. bezeich­net er die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gläu­bi­gen grund­sätz­lich als „Pela­gia­ner“ und katho­li­sche Asze­se als „pela­gia­nisch“. Dabei ist er ja selbst der wah­re Pela­gia­ner, weil er impli­zit die Erb­sün­de leug­net, wenn er sagt, dass sich jeder durch sein auto­no­mes Gewis­sen vor Gott recht­fer­ti­gen und hei­li­gen kön­ne.
      Ich glau­be nicht, dass er das durch­schaut. Es „kommt ein­fach gut an“ und wirkt intel­lek­tu­ell.

      • Ja genau!
        Er zehrt von der Aura sei­ner Vor­gän­ger, und das bedeu­tet halt, dass er die Schlüs­sel des Him­mel­rei­ches hat.
        Nun sagt er einer­seits „Sowas wie einen Schlüs­sel­ver­wal­ter braucht es gar nicht, die Tür ist offen!“
        Die Leu­te glau­ben ihm, weil er der Schlüs­sel­ver­wal­ter i s t.
        Jedoch ver­säumt er es, die Tür auf­zu­schlie­ßen.
        Die Tür ist näm­lich nicht offen, son­dern fällt immer wie­der ins Schloss, wes­we­gen der Herr ja dem Petrus die Schlüs­sel gege­ben hat!

        Irgend­wie ist das gan­ze Stoff für absur­des Thea­ter!

      • @ T. de A.:
        haha, das ist gut — stimmt, F. ist wirk­lich sel­ber der Pela­gia­ner…
        Aber im Ernst: ich glau­be nicht, dass er sich nichts denkt. Es kann sein, dass er ein­fach total ver­quer denkt. Und ob er damit nichts plant?
        Ich bin mir nicht sicher. Irgend jemand hat hier mal geschrie­ben, es feh­le ihm ein­fach an Intel­li­genz.
        Das glau­be ich weni­ger. Es gibt auch eine völ­lig schief­ge­leg­te Dis­zi­plin der vor­han­de­nen Intel­li­genz. F. ist näm­lich auch nicht gera­de ein Gefühls­mensch. Ich fin­de ihn grob, dabei sen­ti­men­tal und ande­rer­seits wie­der kalt­schnäu­zig (s. Fran­zis­ka­ner d.I.), ja fast zynisch gele­gent­lich.
        Es ist man­geln­de Dis­zi­plin. Er hat sich die Prä­zi­si­on gespart, nicht dar­an gear­bei­tet, sei­ne Gedan­ken zu schär­fen, sich gehen gelas­sen. Wir alle haben das Pro­blem, dass wir von sol­chen Feh­lern nicht mehr run­ter­kom­men, wenn sie zu lan­ge ein­ge­übt sind.
        Ja, so sehe ich es bei ihm. Das ergä­be Sinn.
        Ich wür­de die­ses Pro­blem der man­geln­den Selbst­zucht bei F. nicht all­zu hoch ver­an­schla­gen — es ist mensch­lich.
        Die Ver­wei­ge­rung gegen­über dem gesun­den Men­schen­ver­stand ist schon eine Eta­ge tie­fer: das sind meist Que­ru­lan­ten, Nar­ziss­ten, selbst­er­nann­te Genies und Ego­zen­tri­ker, die sich dem ver­wei­gern! Hil­fe!
        Noch bedenk­li­cher fin­de ich die­sen Wahn „Ich habe die Demut, alles zu ver­än­dern“, die­se Hybris bei der erwähn­ten, vor­han­de­nen gei­sti­gen Ver­wahr­lo­sung, die ihm die Scheu­klap­pen sehr eng gespannt hat und ihn nicht mehr wahr­neh­men lässt, wie sehr er selbst nicht demü­tig ist.
        Wer kann von sich selbst sagen, er sei demü­tig?
        Jeder, der sich selbst kennt, weiß, wie quä­lend der sünd­haf­te und nahe­zu unaus­rott­ba­re Stolz in uns allen bohrt…
        F. gibt kei­ner­lei Aus­druck davon, dass es ihm eine Fra­ge wäre, was Gott von ihm will. Bene­dikt hat sein Pon­ti­fi­kat anders ange­tre­ten. Sinn­ge­mäß: „Herr, tu mir das nicht an! Aber wenn du es von mir willst, dann musst du mir unbe­dingt hel­fen und zei­gen, was ich tun soll!“
        Statt­des­sen hören wir pseu­do­my­sti­sche Legen­den über F.s Wahl, die mich befrem­den. F. der Mysti­ker (hä?), F. der Aus­er­wähl­te, F. der erst nicht woll­te und um ein ja rin­gen muss­te, man soll­te ein paar Kro­ko­trä­nen gra­tis dazu bekom­men.

        • Ja das stimmt lie­be Zeit­schnur und es trägt zur Irri­ta­ti­on bei.
          Es gibt (immer sel­te­ner) wirk­lich from­me, ein­fa­che, nicht intel­lek­tu­el­le Prie­ster und Non­nen, die so sind wie uns der Papst Fran­zis­kus „ver­kauft“ wer­den soll.
          Das sind aber Leu­te die sind gütig die „wis­sen“ etwas auf einer ande­ren Ebe­ne und meist Leu­te die sehr an Sakra­men­ta­li­en glau­ben. All das strahlt unse­re aktu­el­ler Papst nicht aus!
          Die Kate­go­rie Gefühls­mensch! passt nicht.
          Mir kommt er vor wie ein ver­wöhn­ter, unbe­re­chen­ba­rer, jun­ger Renais­sance­prinz, aus dem Film.
          Wobei auch das auf den Papst Fran­zis­kus nicht zutrifft, weil jung ist er nicht mehr.

        • Ob er sich etwas dabei denkt oder nicht, das ist letzt­lich sekun­där. Wich­tig für sei­ne Wahl war, dass er aus­rei­chend Skru­pel­lo­sig­keit besitzt, Hand an eine 2000jährige Insti­tu­ti­on zu legen, um zu tun, was man von ihm erwar­tet.

          • Daher auch das auf­müp­fi­ge, unge­hal­te­ne, kon­zer­tier­te Auf­stamp­fen mit den erz­bi­schöf­li­chen Hir­ten­stä­ben in Mainz, Frei­burg und New York, als es mit dem Umbau der Kurie nicht zügig genug vor­an­ging und man befürch­ten muss­te, die neu­en Per­spek­ti­ven sei­nes Amtes hät­ten in ihm womög­lich einen Sin­nes­wan­del bewirkt.

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