Was will Kardinal Schönborn eigentlich? — Neues von der Zerstörung der Kirche von innen – Oder: Wo der Schuh drückt

Kardinal Schönborns Parteinahme zu den Parlamentswahlen.
Kardinal Schönborns Parteinahme zu den Parlamentswahlen.

(Wien) Der öster­rei­chi­sche Theo­lo­ge Wolf­ram Schrems befaßt sich mit der aktu­el­len Ent­wick­lung der katho­li­schen Kir­che in Öster­reich. Die scharf­sin­ni­ge Ana­ly­se trifft den Nerv der Situa­ti­on eben­so für den übri­gen deut­schen Sprach­raum und gilt mit klei­ne­ren oder grö­ße­ren Unter­schie­den letzt­lich auch für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land oder die Schweiz. Zuletzt ver­öf­fent­lich­te Katholisches.info von Wolf­ram Schrems den Auf­satz Der Rück­tritt des Pap­stes, der Ver­rat des Kar­di­nals und das „Kas­perl und Krokodil“-Syndrom – Ein Sit­ten­bild der Katho­li­schen Kir­che in Öster­reich.

.

Gast­kom­men­tar von Wolf­ram Schrems*

Kurz nach der am 29. Sep­tem­ber d. J. durch­ge­führ­ten Natio­nal­rats­wahl sol­len noch ein­mal die Par­tei­nah­me von Kar­di­nal Schön­born zuun­gun­sten der FPÖ im zu Ende gegan­ge­nen Wahl­kampf und eini­ge sei­ner frü­he­ren poli­ti­schen Bot­schaf­ten the­ma­ti­siert und in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang der aktu­el­len kirch­li­chen Selbst­zer­stö­rung gestellt wer­den. Neue Ent­wick­lun­gen las­sen näm­lich erah­nen, daß der von den Bischö­fen betrie­be­ne Unter­gang der Katho­li­schen Kir­che in Öster­reich wie­der ein Stück näher gerückt wer­den soll. Dazu wei­ter unten.

Zunächst der Rück­blick auf das Ein­wir­ken von Kar­di­nal Schön­born auf den poli­ti­schen Bereich.

Das „Mariazeller Manifest“, das Konzil und Kardinal Schönborns desaströse Parteinahmen

Man kann über die Wort­mel­dun­gen von Kar­di­nal Schön­born über die aktu­el­le „Nächstenliebe“-Wahlkampagne (sie­he Bericht) der FPÖ wie­der ein­mal nur ver­blüfft sein. Inhalt­lich sowie­so, aber auch grund­sätz­lich:

Erzählt man uns denn nicht seit Jahr­zehn­ten, daß sich die Kir­che nicht mehr in die Par­tei­po­li­tik ein­mi­sche? Daß seit dem Maria­zel­ler Mani­fest (1952) eine „freie Kir­che in einem frei­en Staat“ exi­stie­re und daß kei­ne Par­tei eine „Pro­tek­ti­on“ über die Kir­che aus­übe? Daß die Kir­che kei­ner­lei poli­ti­sche Mit­tel ein­set­zen las­se, um ihre Leh­re in die Poli­tik umzu­set­zen? Sagt man uns nicht dau­ernd, daß laut dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil die irdi­schen Berei­che eine „legi­ti­me rela­ti­ve Auto­no­mie“ gegen­über der Kir­che hät­ten?

Und dann kom­men – in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gehäuft – mas­si­ve Ein­mi­schun­gen sei­tens der Kir­che in die Poli­tik. Und das regel­mä­ßig auf der fal­schen Sei­te.

Aus der fast zwei­tau­send­jäh­ri­gen kul­tur- und zivi­li­sa­ti­ons­prä­gen­den Kraft der Katho­li­schen Kir­che auf dem Boden des heu­ti­gen Öster­reich ist in weni­gen Jahr­zehn­ten eine Kol­la­bo­ra­ti­on mit anti­christ­li­chen poli­ti­schen Kräf­ten gewor­den.

Den welt­an­schau­lich neu­tra­len Staat gibt es näm­lich nicht. Jede poli­ti­sche Aus­rich­tung hat ideo­lo­gi­schen, bekennt­nis­haf­ten Cha­rak­ter – gera­de die stark anti­christ­li­che Legis­la­tur der Gegen­wart. Die „freie Kir­che im frei­en Staat“ war von vor­ne­her­ein eine Illu­si­on. Die Par­tei­nah­men von öster­rei­chi­schen Bischö­fen zugun­sten der Mäch­ti­gen haben somit seit den Tagen von Kar­di­nal König das Maria­zel­ler Mani­fest sowie die ein­schlä­gi­gen Aus­sa­gen des Kon­zils zum Ver­hält­nis von Staat und Kir­che (z. B. Gau­di­um et Spes, 76 u. a.) als Maku­la­tur erwie­sen.

Ein Rückblick auf die politischen Botschaften von Kardinal Schönborn

Anläß­lich der aktu­el­len poli­ti­schen Stel­lung­nah­me von Kar­di­nal Schön­born gegen die FPÖ-Kam­pa­gne sei an eini­ge sei­ner poli­ti­schen Bot­schaf­ten der letz­ten zehn Jah­re erin­nert:

- Kar­di­nal Schön­born ist im Früh­jahr 2003 allen in den Rücken gefal­len, die einen Got­tes­be­zug in der Prä­am­bel der neu zu schaf­fen­den öster­rei­chi­schen Ver­fas­sung gefor­dert bzw. gewünscht haben. Ein Got­tes­be­zug wäre ein Hin­weis, daß über dem Staat noch eine Instanz steht, der Staat also nicht all­mäch­tig ist und sich auch nicht so gebär­den darf. Es war also aus­ge­rech­net ein Kar­di­nal, der gegen (!) eine invo­ca­tio Dei ein­ge­tre­ten ist. Die Begrün­dung war im üblich ver­drall­ten, kryp­ti­schen Stil gehal­ten (sie­he Bericht).

Man hat hier auch über­haupt nicht den Ein­druck einer „Begrün­dung“. Die Wort­kas­ka­den sind prak­tisch unver­ständ­lich. Soll­te es hier über­haupt nicht dar­um gehen, etwas zu erklä­ren, son­dern die Adres­sa­ten zu hyp­no­ti­sie­ren und zu mani­pu­lie­ren?

- Im Juli 2004 ver­starb der amtie­ren­de Bun­des­prä­si­dent Tho­mas Kle­stil. Er war im Jahr 2000 wegen sei­nes unn­o­blen und unpa­trio­ti­schen Ver­hal­tens anläß­lich der Ange­lo­bung der demo­kra­tisch legi­ti­miert zustan­de gekom­me­nen Regie­rung des­sel­ben Jah­res und der ein­set­zen­den Sank­tio­nen der 14 „EU-Freun­de“ (die von einem gewalt­be­rei­ten Stra­ßen­mob in Wien unter­stützt wur­den) von einem frei­heit­li­chen Poli­ti­ker kri­ti­siert wor­den. Des­sen Wort­wahl („Lump“) mag ihrer­seits unno­bel gewe­sen sein, unbe­rech­tigt war sie nicht. Das muß auch hier klar gesagt wer­den: De mor­tuis nil nisi bene ist ein heid­ni­scher Grund­satz, kein christ­li­cher. Seit dem ersten Ver­rat im ersten Schü­ler­kreis war für immer klar, daß ein Ver­rat klar und deut­lich als sol­che benannt wer­den müs­sen. Er ist nicht zu beschö­ni­gen – nicht zuletzt, um nie­man­den zu einem sol­chen anzu­stif­ten. Kar­di­nal Schön­born bezeich­ne­te den ver­stor­be­nen Bun­des­prä­si­den­ten aber unver­ständ­li­cher­wei­se als „lei­den­schaft­li­chen Patrio­ten“. Die Gesamt­aus­sa­ge des Kle­stil-Begräb­nis­ses ist daher klar: Die Kir­che, oder wenig­stens einer ihrer Kar­di­nä­le, soli­da­ri­siert sich mit einem Staats­ober­haupt, das der eige­nen Regie­rung in den Rücken gefal­len und aus­län­di­schen Inter­ven­tio­nen nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten ist. Eine desa­strö­se Optik. Eine mora­li­sche Schwä­chung für alle poli­tisch Täti­gen, die sich um eine gerad­li­ni­ge patrio­ti­sche Poli­tik bemü­hen. Ärger­lich ist auch, daß die kirch­li­che Regie des Requi­ems durch die Sitz­ord­nung von (geschie­de­ner) Ehe­frau und Zweit­frau zu erken­nen gab, daß ihr die Ver­tei­di­gung des Ehe­ban­des offen­sicht­lich kein Anlie­gen ist. Von der Optik her muß das als mora­li­sche Schwä­chung aller, die sich in schwie­ri­gen Situa­tio­nen um den Erhalt ihrer Ehe bemü­hen, gewer­tet wer­den.

- Nach dem Wahl­sieg der SPÖ bei der Land­tags­wahl in Salz­burg und der Bil­dung einer Koali­ti­on mit der ÖVP im Jahr 2004 wur­de umge­hend beschlos­sen, am St. Johanns-Spi­tal (Lan­des­kran­ken­haus) eine Abtrei­bungs­mög­lich­keit ein­zu­füh­ren. Hat­te Frau Lan­des­rä­tin Dora­ja Eber­le noch ange­kün­digt, die ÖVP wer­de im Fall die­ser Maß­nah­me die Koali­ti­on ver­las­sen, so wur­de die­se Ankün­di­gung evi­den­ter­wei­se nie wahr­ge­macht. Der Ver­ein Jugend für das Leben dage­gen hat sich in einer spek­ta­ku­lä­ren Post­wurf­ak­ti­on in der Advent­zeit 2004 an die Bevöl­ke­rung gewandt und das mör­de­ri­sche Vor­ha­ben scharf kri­ti­siert. Der Dolch­stoß von Emi­nenz Schön­born ließ nicht lan­ge auf sich war­ten und er distan­zier­te sich zwei­mal von den tap­fe­ren jun­gen Leu­ten (sie­he Bericht). Sogar das Patro­zi­ni­um des Erz­mär­ty­rers Ste­pha­nus im Ste­phans­dom wur­de von Emi­nenz zu die­sem Ver­rat miß­braucht. Das wur­de natür­lich auch inter­na­tio­nal bekannt und stieß auf Kon­ster­na­ti­on (sie­he Bericht).

Fünf Jah­re spä­ter wur­de Jugend für das Leben übri­gens von der SPÖ wegen einer wei­te­ren Post­wurf­kam­pa­gne zur Wahl 2009 geklagt. Die­se ver­lor aber den Pro­zeß. (sie­he Bericht) In Zei­ten einer poli­ti­sier­ten Justiz ist das als Wun­der zu wer­ten (sie­he Bericht).

- Schließ­lich griff Kar­di­nal Schön­born anläß­lich der Wahl zum Euro­päi­schen Par­la­ment 2009 direkt und aus­drück­lich in den Wahl­kampf ein, als er sich gegen (!) den FPÖ-Slo­gan „Abend­land in Chri­sten­hand“ aus­sprach – und zwar wäh­rend des Hoch­am­tes zu Chri­sti Him­mel­fahrt im Ste­phans­dom (!) (sie­he Bericht).

Auf­grund die­ser gespen­sti­schen Bilanz stel­len sich die ban­gen Fra­gen: Was will Kar­di­nal Schön­born eigent­lich? Für wen arbei­tet er? Wird er bedroht oder erpreßt? Wer dik­tiert ihm die­se kata­stro­pha­len Ansa­gen?

Was gesagt werden müßte

Es ist eine Lebens­lü­ge: Der Kar­di­nal han­delt nicht so, wie er han­deln soll­te. Er sagt nicht das, was er als Hir­te der Kir­che und hoch­ge­bil­de­ter Theo­lo­ge sagen soll­te.

- Im Zusam­men­hang mit der „Nächstenliebe“-Kampagne der FPÖ hät­te Emi­nenz z. B. sagen kön­nen, daß er froh ist, daß eine von ihren Wur­zeln her säku­la­re, ja anti­kle­ri­ka­le Par­tei das zen­tra­le christ­li­che Gebot in den poli­ti­schen Dis­kurs ein­bringt. Er hät­te sagen kön­nen, daß weder die Erz­diö­ze­se Wien noch die Cari­tas ein Mono­pol auf „Näch­sten­lie­be“ haben und daß es in der Poli­tik eben eine gewis­se Auto­no­mie gibt (s. o.). Er hät­te Par­tei­chef Heinz-Chri­sti­an Stra­che zum Mit­tag­essen ein­la­den und das The­ma mit ihm aus­führ­lich erör­tern kön­nen.

- Er hät­te sagen kön­nen, daß etwa der Apo­stel Pau­lus zu einer Dif­fe­ren­zie­rung der Näch­sten­lie­be auf­ruft: „Des­halb wol­len wir, solan­ge wir noch Zeit haben, allen Men­schen Gutes tun, beson­ders aber denen, die mit uns im Glau­ben ver­bun­den sind“ (Gal 6, 10).

- Er hät­te sagen kön­nen, daß die Ver­pflich­tung zur Näch­sten­lie­be selbst­ver­ständ­lich auch für die Her­ren Flücht­lin­ge, für „Migran­ten“, für Schein­asy­lan­ten, Dro­gen­dea­ler, Schlä­ger­ban­den und Mes­ser­ste­cher gilt. Auch sie haben sich gegen­über der ange­stamm­ten Bevöl­ke­rung und gegen­über ande­ren Ein­wan­de­rer­grup­pen mit Wohl­wol­len zu ver­hal­ten.

Hausverstand, Naturrecht und Ordnung der Nächstenliebe

Kar­di­nal Schön­born hät­te sagen kön­nen, daß sowohl auf der indi­vi­du­al­ethi­schen als auch auf der sozi­al­ethi­schen Ebe­ne die Leh­re von der „Ord­nung der Lie­be“ (ordo amo­ris) gilt, wie sie exem­pla­risch der hl. Augu­sti­nus ent­wickelt hat — gesun­de Vater­lands­lie­be mit ein­ge­schlos­sen. Auch der hl. Tho­mas von Aquin the­ma­ti­siert den ordo cari­ta­tis (S. Th. IIa IIae, q. 26). Kar­di­nal Schön­born kennt das alles natür­lich.

Über­dies hät­te er nur den von ihm selbst (!) redi­gier­ten Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che zitie­ren müs­sen: Etwa die ein­schlä­gi­gen Stel­len KKK 2239 und 2241.

Es gibt also eine Rang­ord­nung in der Näch­sten­lie­be. Denn die Näch­sten­lie­be ist kon­kret. Eine Über­näch­sten- oder Fern­sten­lie­be bleibt im indi­vi­du­al­ethi­schen Bereich immer wir­kungs­los. Das Gere­de von „euro­päi­scher“ oder gar „glo­ba­ler Ver­ant­wor­tung“ ist daher im sozi­al­ethi­schen Bereich sogar gefähr­lich. Jeder Poli­ti­ker ist für sei­nen Bereich ver­ant­wort­lich. Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit kann löb­lich sein, vor­aus­ge­setzt, alle Betei­lig­ten sind guten Wil­lens. Auf kei­nen Fall impli­ziert „Zusam­men­ar­beit“ die Auf­ga­be von Sou­ve­rä­ni­täts­rech­ten und die Auf­lö­sung der Natio­nen und Völ­ker in über­ge­ord­ne­te und zuneh­mend dik­ta­to­ri­sche Gebil­de. Was man zu die­sem The­ma vom öster­rei­chi­schen und deut­schen Epis­ko­pat in der letz­ten Zeit hört, läßt einem die Graus­bir­nen auf­stei­gen (etwa die abwe­gi­gen Aus­sa­gen des Frei­bur­ger Erz­bi­schofs Robert Zollitsch, Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, zum Euro und zur Par­tei „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ (sie­he Bericht). Die­se Bischö­fe haben hier nicht die Auto­ri­tät der katho­li­schen Sozi­al­leh­re hin­ter sich.

Vor allem gibt es aber die Ver­pflich­tung zur Näch­sten­lie­be bei den Bischö­fen selbst: Sie haben sich vor allem um die ihnen anver­trau­ten Gläu­bi­gen zu küm­mern. Das ist aber immer weni­ger der Fall.

Daher ste­hen, wie gesagt, die erwähn­ten Aus­sa­gen Kar­di­nal Schön­borns in einem grö­ße­ren Zusam­men­hang inner­kirch­li­cher Selbst­auf­lö­sung:

Neue Entwicklungen: Der Weg in den selbstverursachten Untergang

Die Kir­chen­män­ner igno­rie­ren ein uner­bitt­li­ches psy­cho­lo­gi­sches Gesetz: Wer sich selbst nicht ernst nimmt, wird nicht erwar­ten dür­fen, daß er von den ande­ren ernst genom­men wird. Die demon­stra­ti­ve Selbst­ver­lä­cher­li­chung und Selbstir­rele­van­ti­sie­rung fei­ert die­ser Tage wie­der unglaub­li­che Exzes­se: Allen Ern­stes begeht die Katho­li­sche Akti­on der Erz­diö­ze­se Wien ein „Zukunfts­fo­rum“ namens „Wo drückt der Schuh? Was soll anders wer­den?“ (sie­he Erz­diö­ze­se Wien).

Abge­se­hen von der nack­ten Lächer­lich­keit der tau­send­un­der­sten Pseu­do-Dia­log-Ver­an­stal­tung zu ter­tiä­ren The­men gibt es schwer­wie­gen­de Ärger­nis­se: In der Liste „Fol­gen­de Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen haben ihre Mit­ar­beit zuge­sagt“ ist gar nicht mehr aus­ge­wie­sen, wer Laie, Prie­ster oder Bischof ist (sie­he „Wo drückt der Schuh?“). So ist auch Kar­di­nal Schön­born nur als „Schön­born Chri­stoph“ genannt. Der duo­de­vice­si­mus inter pares in einer Ansamm­lung von mehr oder weni­ger rele­van­ten bzw. irrele­van­ten Leu­ten? Auch der omni­prä­sen­te „Zuleh­ner Paul“, in die­sem Fall der ulti­mus inter pares, wird sei­ne Zuhö­rer zum tau­send­un­der­sten Mal mit satt­sam Bekann­tem drang­sa­lie­ren dür­fen. Inter­es­siert das noch irgend­wen? Vor allem: Kann man ihn nach sei­nen Aus­sa­gen im ORF, es gäbe Gerüch­te, die „Kon­ser­va­ti­ven“ woll­ten Papst Fran­zis­kus „umbrin­gen“ (sie­he „Mord­kom­plott gegen Papst Fran­zis­kus — Die wir­re Welt des Pasto­ral­theo­lo­gen Paul Zuleh­ner und des ORF“), über­haupt noch ernst­neh­men? Das kann man doch schon seit Jah­ren nicht mehr.

Der mitt­ler­wei­le übli­che apo­sta­ti­sche Akt in Form inter­re­li­giö­ser „Seg­nun­gen“ darf bei dem Event auch nicht feh­len:

„Segens­ge­bet der Reli­gio­nen mit Alois Schwarz und Ver­tre­tern von Kir­chen und Reli­gio­nen“

Wis­sen die Her­ren Bischö­fe noch um das 1. Gebot? Oder sind sie in das Lager der Rela­ti­vi­sten und Aposta­ten gewech­selt? Beson­ders Exzel­lenz Schwarz schei­nen sei­ne umtrie­bi­gen Pri­vat­an­ge­le­gen­hei­ten erheb­lich beein­träch­tigt zu haben.

Da paßt es gut dazu, daß die Ver­an­stal­ter die­ses „Wo drückt der Schuh?“-Events die Teil­neh­mer ein­la­den, mit zwei ver­schie­de­nen Schu­hen zu kom­men (!). Man hat in kir­chen­of­fi­zi­el­len Krei­sen offen­sicht­lich jede Selbst­ach­tung ver­lo­ren. Bei allem Respekt für das geweih­te Amt: Die Erz­diö­ze­se hat sich zur Scherz­diö­ze­se gemacht. Zu „Wir sind Kir­che“ und „Lai­en­in­itia­ti­ve“ sind die unver­meid­li­chen Hal­le­lu­ja-Schlümp­fe der neu­en cha­ris­ma­ti­schen Gemein­schaf­ten auch wie­der dort. Lach­haft, wenn es nicht so tra­gisch wäre. Das ist doch eine Far­ce.

Eminenz, Exzellenzen! Hier drückt der Schuh:

Die Bischö­fe und ihre beam­te­ten Mit­ar­bei­ter ver­ra­ten die Katho­li­ken poli­tisch (s. o.) und pasto­ral. Sie machen sich frei­wil­lig zum Gespött und wun­dern sich, wenn sie nicht mehr ernst­ge­nom­men wer­den. Sie arbei­ten für poli­ti­sche Mäch­te, die von ihren Wur­zeln her gegen Chri­sten­tum und Natur­recht ein­ge­stellt sind. Sie haben sich mit den Wöl­fen ver­bün­det und lie­fern die­sen ihre Schäf­chen aus. Um die im Mut­ter­leib getö­te­ten Kin­der wird in Epis­ko­pat und Appa­rat auch kei­ne Trä­ne ver­gos­sen.

Beim Geld der Schäf­chen wird es übri­gens ernst: Die­ses for­dern sie mit Hil­fe eines Geset­zes der NS-Zeit ein und bedie­nen sich zu die­sem Zweck gericht­li­cher Dro­hun­gen bzw. Exe­ku­tio­nen (wie vie­len von uns wohl­be­kannt ist).

Das Kir­chen­volk ist aber noch nicht ganz ver­dummt wor­den und äußert sei­nen Unmut dort, wo es noch freie Medi­en gibt (sie­he Andre­as Unter­ber­ger „Vom Asyl­be­trü­ger zum Asy­l­er­pres­ser“ und an vie­len ande­ren Stel­len, nicht jedoch natür­lich in kir­chen­of­fi­zi­el­len Medi­en, die stramm gleich­ge­schal­tet sind und einer schar­fen Zen­sur unter­lie­gen – anson­sten aber irrele­vant und lang­wei­lig sind).

Das Konzil und die Verwirrung

Es ist kein Zufall, daß alle die­se Eska­pa­den wäh­rend der so for­ciert ver­ord­ne­ten und durch­ge­führ­ten Dau­er­ju­bi­lä­ums­fei­er­lich­kei­ten für „DAS Kon­zil“ statt­fin­den. Denn die Anglei­chung an die Welt und die Ver­dun­stung des Glau­bens­gei­stes erge­ben sich aus der inne­ren Logik der Kon­zils­tex­te. Die­se sind im gläu­bi­gen Volk, d. h. in dem, was nach 50 Jah­ren Kon­zil immer noch vor­han­den ist, ohne­hin nie rezi­piert wor­den. Zu kom­pli­ziert und ver­wor­ren ist dort die Gedan­ken­füh­rung, zu sehr gegen Ver­nunft und Glau­ben gerich­tet. Die nai­ve Welt­zu­ge­wandt­heit und der hyper­ven­ti­lier­te Opti­mis­mus („Auf­bruch“) sind durch die Ereig­nis­se längt als Unfug erwie­sen. Sie waren schon vor fünf­zig Jah­ren nicht wahr­haf­tig.

Hät­te es noch eines Bewei­ses bedurft, wie sehr die Ver­nunft mit dem Glau­ben gleich­zei­tig ver­schwin­det, in der Kir­che Wiens und Öster­reichs ist er all­ge­gen­wär­tig: Die Teil­neh­mer, die am 5. Okto­ber wunsch- und pflicht­ge­mäß mit zwei ver­schie­de­nen Schu­hen zum Geschwätz-Tref­fen kom­men wer­den, wer­den das ein­drucks­voll bele­gen.

Der Ver­an­stal­tungs­ort (Yppenplatz/Brunnenmarkt) ist übri­gens ein stark isla­mi­sier­tes Gebiet. Aus­ge­rech­net dort will man sich und den christ­li­chen Glau­ben gezielt lächer­lich machen. Das paßt gut ins Kon­zept des „Master­plans“ (Hir­ten­brief vom 15. Mai 2011). Dort befin­det sich auch die Pfarr­kir­che von Neu­ler­chen­feld, die Kar­di­nal Schön­born sei­nen eige­nen Gläu­bi­gen weg­neh­men und den Ser­bisch-Ortho­do­xen schen­ken will. Der Pfar­rer wur­de schon ver­setzt, die Gläu­bi­gen in Unru­he ver­setzt. Auch das sehr sym­bol­träch­tig.

Resümee

Solan­ge Maria­zel­ler Mani­fest und II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil nicht radi­kal dele­gi­ti­miert wer­den und die Kir­che nicht zum unzwei­deu­ti­gen Glau­ben an Jesus Chri­stus, ein­schließ­lich der über­lie­fer­ten Leh­re vom sozia­len König­tum Chri­sti, zurück­kehrt, wird der Scha­ber­nack wei­ter­ge­hen. Mit ihm die Apost­asie. Das wer­den dann die Bischö­fe ihrem ober­sten Auf­trag­ge­ber erklä­ren müs­sen.

*MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge und Phi­lo­soph, kirch­lich gesen­de­ter Kate­chist, umfang­rei­che Publi­ka­ti­ons- und Vor­trags­tä­tig­keit, Mit­ar­bei­ter der Erz­diö­ze­se Wien (Katho­li­sche Hoch­schul­ge­mein­de) von 2004–2007.

 

 




Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!





7 Kommentare

  1. Star­ker Tobak:
    In reli­giö­ser Hin­sicht sind die mei­sten Bischö­fe Aposta­ten, in poli­ti­scher Hin­sicht Ver­rä­ter.
    So deut­lich bekommt man das sel­ten zu lesen.
    Lei­der hat Wolf­ram Schrems recht.

  2. 2007/08 wur­de die Par­tei „Die Chri­sten“ bei Wah­len aktiv. Ihr Pro­gramm müß­te jeden ehr­li­chen Chri­sten über­zeugt haben. Die schärf­sten Geg­ner jedoch kamen aus der katho­li­schen Kir­che. Die Kirch­gän­ger waren nahe­zu auf­ge­hetzt, die Par­tei wur­de als Sek­te bezeich­net. Soviel zu:
    „Und dann kom­men – in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gehäuft – mas­si­ve Ein­mi­schun­gen sei­tens der Kir­che in die Poli­tik. Und das regel­mä­ßig auf der fal­schen Sei­te.“

  3. Der VOR-kon­zi­lia­re Hym­nus zum Christ-Königs­fest
    -
    „Te sae­culo­rum princi­pem“
    -
    erfuhr in der NACH-kon­zi­liä­ren Lit­ur­gie eine dra­ma­ti­sche und fol­gen­rei­che Kür­zung !
    Die Stro­phen 2, 6 und 7 des unten­ste­hen­den Hym­nus sind in der NACH-kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie ersatz­los ent­fernt wor­den !

    -
    Hym­nus des Christ­kö­nigs­fe­stes

    1.
    Den heh­ren Fürst der Ewig­keit,
    der Völ­ker Herr­scher Jesus Christ,
    ihn ganz allein erken­nen wir
    als aller Her­zen König an.

    2.
    Es ruft der Geg­ner wil­de Schar:
    „Wir wol­len nicht,
    dass Chri­stus herrscht!“
    Doch wir erklä­ren freu­dig, gern,
    als aller­höch­sten Her­ren ihn.

    3.
    O, Chri­stus, heh­rer Frie­dens­fürst,
    beug der Rebel­len trot­zig Haupt,
    und füh­re die Ver­irr­ten all
    zur einen Her­de wie­der heim!

    4.
    Dafür hängst Du am Kreu­zes­stamm,
    die Arme weit­hin aus­ge­spannt,
    und zeigst Dein lie­be­glü­hend Herz,
    das von dem Speer durch­sto­ßen ist.

    5.
    Dafür wohnst Du auf dem Altar,
    ver­bor­gen unter Wein und Brot,
    und strömst aus der durch­bohr­ten Brust
    in Dei­ner Kin­der See­len Heil.

    6.
    Dir schul­det jede Staats­ge­walt
    Ver­eh­rung, öffent­li­chen Ruhm;
    Dich ehre Recht und Wis­sen­schaft,
    Geset­ze, Kün­ste ach­ten Dein!

    7.
    Es nei­ge jede Königs­kron
    und jedes Zep­ter sich vor Dir!
    Mach jedes Haus und jedes Land
    mit mil­der Hand Dir unter­tan!

    8
    Dir, Jesus, sei das Lob geweiht,
    der Du das Wel­ten­zep­ter führst,
    mit Gott, dem Vater, und dem Geist
    von Ewig­keit zu Ewig­keit! Amen.

    -

    Der hl. Papst Pius X. hat die trau­ri­ge Rea­li­tät der Preis­ga­be des
    SOZIALEN KÖNIGTUMS CHRISTI
    „zu Gun­sten“ einer wahr­heits­fer­nen “ Huma­ni­tät“ so umschrie­ben:

    -
    „Wenn der Herr nicht mehr unter sei­nen Wohl­tä­tern regiert,
    so regiert Satan durch sei­ne Übel­tä­ter“
    -

  4. Sei­ne Emi­nenz Chri­stoph Kar­di­nal Graf Schön­born hat vor kur­zen zuge­ge­ben dass die Kir­che vor dem VK II mit dem was sich nun als Kir­che aus­gibt nicht mehr ident ist, er nann­te die­se Neue
    „DIE NEUE KIRCHE“ sie­he http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130704_OTS0172/wiener-dioezesanreform-kardinal-sieht-ruck-durch-neuen-papst

    Zum hei­li­gen Josef, Patron der Kir­che Zu dir, hei­li­ger Josef, flie­hen wir in unse­rer Bedräng­nis und bit­ten ver­trau­ens­voll um dei­nen Schutz. Bei der Lie­be, wel­che dich mit der unbe­fleck­ten Jung­frau und Got­tes­mut­ter ver­band, und dei­ner väter­li­chen Sor­ge für das Jesus­kind fle­hen wir dich an: blicke in Mil­de auf das Erbe, das Jesus Chri­stus mit sei­nem Blut erwor­ben hat. Hilf uns in unse­ren Anlie­gen mit dei­nem mäch­ti­gen Bei­stand für­sorg­li­cher Beschüt­zer der Hei­li­gen Fami­lie, und wache über die aus­er­wähl­te Schar Jesu Chri­sti. Hal­te fern von uns, lieb­rei­cher Vater, alle Ansteckung durch Irr­tum und Ver­derb­nis. Steh uns vom Him­mel her gnä­dig bei, du star­ker Hel­fer, im Kampf mit den Mäch­ten der Fin­ster­nis. Wie du einst das Jesus­kind aus der höch­sten Lebens­ge­fahr erret­tet hast, so ver­tei­di­ge jetzt die hei­li­ge Kir­che Got­tes gegen die Nach­stel­lun­gen der Fein­de und jede Wider­wär­tig­keit. Nimm uns alle unter dei­nen bestän­di­gen Schutz, auf das wir nach dei­nem Bei­spiel und mit dei­ner Hil­fe hei­lig leben, fromm ster­ben und die ewi­ge Selig­keit im Him­mel erlan­gen. Amen.

  5. Vie­len Dank an die Redak­ti­on für die Ver­öf­fent­li­chung die­ses Arti­kels. MMag. Wolf­ram Schrems ist einer der bril­lan­te­sten Beob­ach­ter und Ana­ly­sten der gegen­wär­ti­gen Kri­se.

  6. Wirk­lich ein bril­lan­ter Auf­satz, der die Dra­ma­tik auf­zeigt, in der die Kir­che in Öster­reich und wohl ins­ge­samt im deutsch­spra­chi­gen Gebiet lebt. Die Ana­ly­se steht, woher aber kommt Abhil­fe?
    Dan­ke an den Autor. Bit­te an die Redak­ti­on: mehr sol­che Auf­sät­ze. Dan­ke.

  7. Kor­rek­tur! Has­lau­er, damals in zwei­ter Ehe ver­hei­ra­tet, nun­mehr in einer drit­ten Bezie­hung lebend sag­te dass eine Abtrei­bungs­lö­sung im Lan­des­kran­ken­haus für ihn die Koali­ti­ons­fra­ge bedeu­ten könn­te, ohne dass sich der nun­meh­ri­ge Lan­des­haupt­mann an der Lösung je gesto­ßen hät­te, Dora­ja Eber­le ver­ließ die Koal­ti­on tat­säch­lich , aber nur per­sön­lich durch Rück­tritt, wenn auch nicht sofort. Anson­sten ist der Arti­kel super!

Kommentare sind deaktiviert.