Geister im Weizenfeld — Gegenwärtiger Zustand der Kirche: Versuch einer heilsgeschichtlichen Einordnung

Hortus deliciarum - Die Frau der ApokalypseAls Dis­kus­si­ons­bei­trag ver­öf­fent­li­chen wir in unse­rem Forum einen Gast­kom­men­tar der frei­schaf­fen­den Schrift­stel­le­rin und Künst­le­rin Han­na Jüng­ling zur gegen­wär­ti­gen Lage der katho­li­schen Kir­che. Jüng­ling unter­nimmt den Ver­such einer heils­ge­schicht­li­chen Ein­ord­nung der aktu­el­len Situa­ti­on. Zuletzt ver­öf­fent­lich­ten wir von Han­na Jüng­ling den Bei­trag: „Unver­ständ­li­che Wor­te an die Wand“ – Das Myste­ri­um fidei und die visio­nä­re Rea­li­sa­ti­on der leib­haf­ti­gen Gegen­wart des Herrn in der Alten Mes­se.

Gast­kom­men­tar von Han­na Jüng­ling*

1. Discretio spirituum: hanc donationem secundum gratiam da nobis hodie, Domine!

Von Anfang an bedurf­te die Kir­che der Gabe der Unter­schei­dung der Gei­ster. Das myste­ri­um ini­qui­ta­tis, das Geheim­nis der Bos­heit, hat immer in der Kir­che gewühlt.

Der Apo­stel Pau­lus schrieb dazu: Nam myste­ri­um iam ope­ra­tur ini­qui­ta­tis; tan­tum qui tenet nunc, don­ec de medio fiat – denn das Geheim­nis der Bos­heit wirkt bereits; nur muss der, der jetzt noch auf­hält, aus der Mit­te gerückt wer­den. ((2. Thes­sa­lo­ni­cher 2, 7)) Die Besei­ti­gung des geheim­nis­vol­len Hemm­nis­ses wird zur Erschei­nung des Anti­chri­sten füh­ren. Ein­ge­lei­tet wird die­ses Ereig­nis durch eine zuvor statt­fin­den­de gro­ße Apost­asie. Wenn der Mensch der Bos­heit, der Sohn des Ver­der­bens, der homo ini­qui­ta­tis, fili­us per­di­tio­nis auf dem Höhe­punkt sei­nes Erfol­ges ist, wird der Herr wie­der­kom­men und ihn mit dem Hauch sei­nes Mun­des töten, Domi­nus Iesus inter­fi­ciet spi­ri­tu oris sui et destruet illu­stra­tio­ne adven­tus sui. ((2. Thes­sa­lo­ni­cher 2, 3+8))

Auf vie­ler­lei Wei­se wird seit eini­gen Jahr­zehn­ten ver­sucht, die­se Blick­rich­tung des Gläu­bi­gen abzu­len­ken ins rei­ne Dies­seits. Beson­ders per­fi­de ist es, wenn dabei mit Wor­ten der Schrift argu­men­tiert wird: …ut non cito movea­mi­ni a sen­su neque terrea­mi­ni (…) qua­si instet dies Domi­ni. Ne quis vos sedu­cat ullo modo… — Lasst euch nicht leicht durch­ein­an­der brin­gen oder schrecken (…) als sei der Tag des Herrn schon da. Lasst euch von nie­mand und auf kei­ne Wei­se irre­füh­ren.“ ((2. Thes­sa­lo­ni­cher 2, 2+3 – deut­scher Text eige­ne Über­set­zung)) Mit Zita­ten wie die­sem will man uns fest­frie­ren: Der Herr kommt nicht so bald, das kann dau­ern… Mit Hil­fe des Paru­sie-Ver­zö­ge­rungs-Sche­mas wird uns gelehrt dar­ge­legt, dass der Herr wahr­schein­lich über­haupt nicht kommt oder in so wei­ter Fer­ne, dass es dem berühm­ten Sankt-Nim­mer­leins­tag gleich­kommt. Schließ­lich ist sei­ne Wie­der­kunft sowie­so „imma­nent meta­pho­risch“ gemeint – Chri­stus als eine Art Schla­raf­fen­land, das sich die Mensch­heit in unauf­halt­sa­mem Fort­schritt selbst schaf­fen wird. Der Herr selbst wird zitiert, der gesagt hat, wir wüss­ten weder den Tag noch die Stun­de sei­ner Wie­der­kunft – quia nes­ci­tis diem neque horam. ((Mt. 25, 13)) Man beeilt sich zu ver­si­chern, dass der blo­ße Gedan­ke an das Ende für das geist­li­che Leben irrele­vant sei. Es wird unter­schla­gen, dass Jesus aus­drück­lich dazu ermahnt, wach­sam zu sein, eben weil wir nicht Tag noch Stun­de wis­sen: Vide­te, vigi­la­te; nes­ci­tis enim, quan­do tem­pus sit (…) ne, cum vene­rit repen­te, inve­ni­at vos dor­mi­en­tes. – „Hal­tet die Augen auf, wacht, ihr wisst näm­lich nicht, wann die Zeit ist (…) damit er nicht, wenn er wie­der­kommt, euch schla­fend vor­fin­det.“ ((Mk. 13, 32, 33+36))

Wir kön­nen dem­nach zwar die exak­te Zeit („Tag“, „Stun­de“) nicht wis­sen, aber uns wer­den doch Zei­chen für das nahen­de Ende genannt. Jesus beschreibt „Eröff­nungs­we­hen“, die – wie vie­le Frau­en wis­sen – lan­ge dau­ern kön­nen. Die „Wehen“, die Jesus nennt, sind das mas­sen­haf­te Auf­tre­ten von fal­schen Pro­phe­ten, Irr­leh­rern und Leu­ten, die behaup­ten, sie sei­en Chri­stus oder hät­ten ihn irgend­wo kon­kret als Wie­der­ge­kom­me­nen gese­hen. Es sind gehäuf­te Natur­ka­ta­stro­phen und welt­wei­te, mas­siv ver­dich­te­te, chao­ti­sche Ver­hält­nis­se. ((Vgl. Mt. 24, 3ff)) „Wehen“, unter denen der, qui tenet nunc, don­ec de medio fiat, „der noch auf­hält aus der Mit­te gerückt wird“, zum „Geburts­ka­nal“ hin getrie­ben wird, wie ein aus­ge­reif­ter Fötus im Mut­ter­leib. Die Kir­che ist gewis­ser­ma­ßen in „Kinds­nö­ten“ mit dem Kind, mit dem sie so lan­ge schwan­ger war. Das apo­ka­lyp­ti­sche Bild von der gebä­ren­den Frau, das uns die Johan­nes-Offen­ba­rung im 12. Kapi­tel berich­tet, führt uns die Gestalt der mater eccle­sia vor Augen, einer­seits in der kon­kre­ten Gestalt der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria, ande­rer­seits in der mysti­schen Per­son der Braut, der Kir­che, in der der Hei­li­ge Geist SEINEN Logos gezeugt hat, den sie gebiert, den Sohn der Ver­hei­ßung, den Ret­ter und Hei­land. Aber kaum gebo­ren will der Dra­che IHN ver­schlin­gen. Das Kind wird zu Gott ent­rückt und die Frau kann sich in die Wüste ret­ten. Die weih­nacht­li­che Geburt Jesu Chri­sti aus der Jung­frau Maria wird hier zum Zei­chen für die gan­ze Geschich­te der Kir­che. Die Erschei­nung Jesu, sei­ne Geburt und sein Tod, wer­den durch die Kir­che im sakra­men­ta­len Gesche­hen seit ihrer Ent­ste­hung in die Zeit hin­ein ver­län­gert. Sein uner­gründ­li­ches Opfer wird ver­ge­gen­wär­tigt bis er kommt. Wir kön­nen IHN durch unser Prie­ster wirk­lich und leib­haf­tig in unse­re Mit­te holen. Aus die­sem Grund muss die Got­tes­mut­ter mit­ge­dacht wer­den: sie ist bei all die­sem rea­len sakra­men­ta­len Gesche­hen unlös­bar dabei, wie sie schon die histo­risch-leib­haf­ti­ge Erschei­nung des Herrn von Anfang bis Ende treu und tra­gend beglei­tet hat.

Wer ist also in medio, in der Mit­te, und soll de medio, aus der Mit­te gerückt und anschlie­ßend sofort gefres­sen wer­den, damit sich der tota­le „Anti­christ“ an sei­ne Stel­le set­zen kann? Ist es nicht Jesus, der „Erbe des Alls“, ver­bor­gen und sicht­bar anwe­send im Aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­ment?

Durch die Auf­klä­rung wird die könig­li­che Real­prä­senz Jesu und die Andacht zu sei­ner aller­se­lig­sten Mut­ter phi­lo­so­phisch und poli­tisch noch rabia­ter aus­ge­höhlt und bekämpft als durch die Refor­ma­ti­on. Mit der Lit­ur­gie­re­form von 1970, die sich lan­ge vor­be­rei­tet hat­te, wur­de ER auch räum­lich aus der Mit­te gerückt, ver­bannt in Sei­ten­al­tä­re oder frei ste­hen­de Taber­na­kel, die auf jeden Fall nicht mehr im Zen­trum sind. Sein Platz in der Mit­te — ist geist­lich leer, ersetzt durch den dies­sei­ti­gen Men­schen. Wir ehren in IHM heu­te nicht mehr den Mensch gewor­de­nen Gott, son­dern den ver­göt­ter­ten Men­schen, das Geschöpf. Jesus sagt uns, dass das Ende dann unmit­tel­bar bevor­steht, wenn vide­ri­tis abo­mi­na­tio­nem deso­la­tio­nis, quae dic­ta est a Danie­le pro­phe­ta, stan­tem in loco sanc­to – „ihr dann am hei­li­gen Ort den unheil­vol­len Gräu­el ste­hen seht, der durch den Pro­phe­ten Dani­el vor­her­ge­sagt wor­den ist“ ((Mt. 24, 15)). Noch ist die Ver­eh­rung des rein Mensch­li­chen anstel­le des Herrn nur eine Ver­zer­rung, noch ist es kein kon­kre­tes „Gräu­el-Bild“. Aber von der theo­re­ti­schen Umdeu­tung des Got­tes­soh­nes, des Gott­men­schen Jesus, in einen blo­ßen „Men­schen­sohn“ ist der Weg zu einem Gräu­el nicht weit. Die Kir­che hat im 4. Jahr­hun­dert die Todes­krank­heit des Aria­nis­mus durch defi­ni­ti­ve kon­zi­lia­re Leh­rent­schei­dun­gen noch ein­mal über­wun­den. Obwohl die­se Defi­ni­tio­nen bekannt und gül­tig sind, stammt die heu­ti­ge Häre­sie aus der­sel­ben Wur­zel, die die Gott­gleich­heit Jesu auch damals nicht aner­ken­nen woll­te und bedeu­tet im heu­ti­gen Kon­text einen kla­ren Glau­bens­ab­fall bei vol­lem Bewusst­sein.

ER ist sowohl in der Leh­re als auch sicht­bar in den Kir­chen zugun­sten einer zer­deute­ten Ver­dies­sei­ti­gung SEINER Erschei­nung bei­sei­te gescho­ben wor­den. Der Begriff „Mess­op­fer“ wird ver­mie­den. Die statt­des­sen ein­ge­führ­te Rede von der„Eucharistiefeier“ erin­nert an ein Ern­te­dank-Wort, evo­ziert mit dem Begriff „Gaben­be­rei­tung“ den Altar, den die Bau­ern am Ende des Som­mers sym­bo­lisch mit ihren Feld­früch­ten auf­bau­en… Funk­tio­nal also dem Mess­op­fer ent­ge­gen­ge­setzt, in dem sich das Kreu­zes­op­fer Chri­sti real voll­zieht, trägt die Eucha­ri­stie­fei­er schwe­bend Züge des Kain­s­op­fers. So lässt sich der Hass der Hir­ten gegen­über dem Abel­al­tar der frü­he­ren Zei­ten erklä­ren: Gott nimmt das „Feld-Opfer“ nicht „gnä­dig an“ — die Kir­che löst sich seit die­ser Reform inner­lich auf! Der Neid auf die Samm­lung um die Stät­ten, an denen die Alte Mes­se gefei­ert wird, treibt man­chen Hir­ten zur Zer­stö­rung an, wie wir es jüngst beob­ach­ten konn­ten, als Papst Fran­zis­kus dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­cu­la­ta die Fei­er im Alten Ritus per Dekret, ohne Grund und ent­ge­gen dem gel­ten­den Recht ver­bot. ((sie­he Bericht))

Es steht abzu­war­ten, was man im lit­ur­gi­schen Gesche­hen an den geist­lich lee­ren Platz des Herrn in medio stel­len wird. Das inter­re­li­giö­se Gebets­tref­fen in Assi­si 1986, initi­iert durch Johan­nes Paul II., war ein erster Schock ((Die Vor­gän­ge haben vie­le treue Katho­li­ken besorgt. In einem Schrei­ben baten sie Bene­dikt XVI. im Jahr 2011, in die­sem Stil nicht wei­ter zu ver­fah­ren, sie­he Bericht)) . Jesus fügt in sei­ner Rede zu die­sen Din­gen einen her­aus­for­dern­den Rät­sel­spruch ein: qui legit, intel­le­gat! ((Mt. 24, 15)) – „Wer liest, ver­ste­he!“

Seit 200 Jah­ren ver­dich­tet sich die Aus­trei­bung des Kin­des Jesus samt sei­ner Mut­ter aus sei­nem Eigen­tum. Seit 200 Jah­ren aber mahnt uns regel­mä­ßig Maria, manch­mal ER selbst, auch in Gestalt des „Kin­des Jesus“:

Die Erschei­nun­gen von Lour­des, La Salet­te und Fati­ma oder die Visio­nen ein­zel­ner Gläu­bi­ger wie bei­spiels­wei­se Katha­ri­na Emme­rick, Fausty­na Kow­alska, Thérà¨se Mar­tin oder Maxi­mi­li­an Kol­be kön­nen als Hil­fe ange­se­hen wer­den, die uns gege­ben wird, um tat­säch­lich die Zeit nicht zu ver­schla­fen. Ist es nicht eine gro­ße Gna­de, dass die Got­tes­mut­ter, als apo­ka­lyp­ti­sches Zei­chen, uns immer wie­der gewarnt und an Got­tes gro­ße Barm­her­zig­keit erin­nert hat, die er uns in Jesus erweist?

Das Wort Jesu for­dert mei­ne Wach­sam­keit ein. So ein­dring­lich Jesu Mah­nung zur Wach­sam­keit, so ein­dring­lich auch die Mah­nung zur Vor­sicht … und zur Unter­schei­dung der Gei­ster.

Nach dem Wil­len Jesu ist es das ordent­li­che Lehr­amt, das für uns die Gei­ster unter­schied und end­gül­ti­ge Ent­schei­dun­gen traf, mit denen wir den Glau­bens­kampf bestehen konn­ten. Seit dem 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil, dem „Pasto­ral­kon­zil“, einer Art kle­ri­ka­lem Dampf­bad, sind wir zuneh­mend ver­waist. Ein gro­ßer Teil der Hir­ten macht, was er will, liest in die lehr­amt­li­che Tra­di­ti­on hin­ein und her­aus, was ihm beliebt, und hat damit schon zwei Genera­tio­nen ver­wirrt und ver­führt, ohne dass dies gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen von­sei­ten Roms (gehabt) hät­te. Es gibt kaum noch siche­re und kla­re Wei­sung. Auto­ri­tät haben einer­seits die geweih­ten Hir­ten, vor denen man inzwi­schen vor allem sei­ne See­le ret­ten muss. Ande­rer­seits sind es – auch das muss aus­ge­spro­chen wer­den — die Frau­en und Müt­ter, die Gott vor allem als „maria­ni­sche“ Auto­ri­tät in der Unter­wei­sung der Nach­kom­men ein­ge­setzt hat. Eine fast „grö­ße­re“ Voll­macht, die der Frau gege­ben ist und von ihr abge­lehnt wird. Wie vie­le Kin­der wer­den aus den Lei­bern ihrer Müt­ter geris­sen, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben? Wie vie­le Frau­en wei­sen das Amt der Mut­ter­schaft kate­go­risch – nicht nur auf­grund äuße­rer Umstän­de — ab? Und wie vie­le Kin­der wer­den von den Müt­tern wirk­lich in Got­tes­furcht erzo­gen? Wie vie­le wer­den in den Schu­len von Leh­re­rin­nen ver­bo­gen, denen nicht in erster Linie päd­ago­gi­sche oder wis­sen­schaft­li­che, son­dern die geist­li­che Kom­pe­tenz fehlt, ohne die wir nichts recht tun kön­nen? War­um ste­hen die Klö­ster leer? Es ist furcht­bar, das sagen zu müs­sen: Vie­le Frau­en, eigent­lich zur gei­sti­gen und leib­li­chen Mut­ter­schaft beru­fen, wie die geweih­ten Hir­ten mit einer hohen Auto­ri­tät aus­ge­stat­tet, sind wie sie zu Ver­der­be­rin­nen der See­len gewor­den. Das Kreuz unse­rer Tage ist der gro­ße Abfall vom drei­fal­ti­gen Gott und die Mühe, die sich jeder auf­rich­tig Fra­gen­de machen muss, auf die Suche zu gehen, die Leh­re der Kir­che bis 1960 beson­nen und ange­sichts ihrer Auto­ri­tät hör­be­reit zu stu­die­ren. Es geht exi­sten­ti­ell dar­um, sich von den fal­schen und dabei recht­mä­ßi­gen Auto­ri­tä­ten nicht ver­füh­ren zu las­sen – eine tra­gi­sche Situa­ti­on. Die Gabe der Unter­schei­dung ist folg­lich für jeden ein­zel­nen heu­te not­wen­dig und wird in rei­chem Maße gespen­det, sobald wir dar­um bit­ten. Je grö­ßer die Ver­wir­rung, desto grö­ßer Got­tes Barm­her­zig­keit. Ich glau­be das, weil Jesus ver­spro­chen hat, dass die Sei­nen sei­ne Stim­me erken­nen wer­den: Oves meae vocem meam audi­unt (…) et non rapiet eas quis­quam de manu mea. – „Mei­ne Scha­fe hören auf mei­ne Stim­me (…) und nie­mand wird sie mei­ner Hand ent­rei­ßen.“ ((Joh. 10, 27+28)) Die­ses Wort ver­si­chert jedem, dass er in dem für ihn not­wen­di­gen Maß die Gabe der Unter­schei­dung erhält.

Unter­pfand ist die Got­tes­mut­ter, die nach der Offen­ba­rung des Johan­nes ihre Kin­der – die, die Jesus gehor­chen – um sich schart und mit ihnen in die Wüste flieht. Dies ist gesagt, als müss­ten wir mit einem voll­stän­di­gen Ver­sa­gen des Papst­tums rech­nen. Wenn dies gesche­hen wird, bleibt unse­re Mut­ter ihrer von Gott ver­lie­he­nen Auto­ri­tät treu und wacht, wo der Kle­rus längst die Scha­fe reißt. Der Kle­rus bis auf Johan­nes, ihren Klein­od-Sohn, der als ein­zi­ger Mann unter vie­len Frau­en tap­fer den Kreuz­weg bis ganz zum Schluss mit­ge­gan­gen ist. Es gibt die­se wun­der­ba­ren Mari­en­söh­ne unter den Prie­stern. Wir dür­fen dar­auf ver­trau­en, dass Maria ihre Kin­der, die SEINEN, ein­an­der zuführt. Und weil sie ein Fleisch ist mit dem Hei­li­gen Geist, wer­den wir unter ihrem Schutz­man­tel gebor­gen die Gei­ster unter­schei­den kön­nen.

Seit 50 Jah­ren ver­sa­gen sowohl das Papst­tum als ein über­gro­ßer Teil des Epi­sko­pats in ihrer urei­gen­sten Auf­ga­be, näm­lich dem unfehl­ba­ren Lehr­amt, auf eine kon­vul­si­vi­sche und schmerz­haf­te Wei­se. Man kann die­sen Pro­zess tat­säch­lich mit Wehen ver­glei­chen. Der Schmerz ebbt gele­gent­lich wie­der ab…und kommt umso hef­ti­ger wie­der. Gera­de Frau­en müss­ten das leib­haf­tig und geist­lich am besten erken­nen kön­nen…

Die Zeit der Imma­cu­la­ta ist gekom­men.

Konzil2. Das Gaudium im Weizenfeld

Gau­det mater eccle­sia… Mit die­sen Wor­ten eröff­ne­te Johan­nes XXIII. im Okto­ber 1962 das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil. ((AAS 54 (1962), 786)) Man möge mir mei­ne nun fol­gen­den kri­ti­schen Über­le­gun­gen ver­zei­hen. Was die wehen­ar­ti­gen Kon­vul­sio­nen betrifft…es fällt mir bei Bene­dikt XVI. nicht schwer, ihn als den „Hei­li­gen Vater“ zu ehren. Johan­nes Paul I. durf­ten wir nicht ken­nen­ler­nen. Johan­nes Paul II. hat­te Züge eines „Hei­li­gen Vaters“, die aber ganz plötz­lich ver­blas­sen konn­ten hin­ter einer schil­lern­den vene­zia­ni­schen Mas­ke… oder umge­kehrt? Bei Johan­nes XXIII., Paul VI. und Fran­zis­kus bleibt mir jede zärt­li­che und respekt­vol­le Anre­de im Hal­se stecken. War­um? Die Anre­de „Hei­li­ger Vater“ ergibt nur Sinn, wenn ich im pastor pastorum die Stim­me des guten Hir­ten ver­neh­men kann, wie sie mich auch sonst in mei­ner Andacht anspricht … es tut mir leid. Aber zurück zur Eröff­nungs­re­de des Kon­zils. Sie ist der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis sowohl des Kon­zils als auch zu den Ereig­nis­sen seit­her. ((Rober­to de Mattei: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te. Stutt­gart 2012. S. 224)) Groß­spu­rig wies Johan­nes XXIII. in ihr die vati­ci­na­to­res rer­um advers­ar­um, die „Unglücks­pro­phe­ten“ zurück, die immer nur das Schlech­te befürch­te­ten, qua­si rer­um exitum instet, als stün­de das Ende der Din­ge bevor. ((AAS 54 (1962), 789 — Saepe qui­dem acci­dit, quem­ad­mo­dum in coti­dia­no obeun­do apo­sto­li­co mini­ste­rio com­pe­ri­mus, ut non sine auri­um Nostrar­um offen­sio­ne quor­undam voces ad Nos per­fe­ran­tur, qui, licet reli­gio­nis stu­dio incen­si, non satis tamen aequa aesti­ma­tio­ne pru­den­tique iudi­cio res per­pend­unt. Hi enim, in prae­sen­ti­bus huma­nae societa­tis con­di­cio­ni­bus, non­ni­si rui­nas cala­mi­ta­tes­que cer­ne­re valent ; dic­t­i­tant nostra tem­po­ra, si cum elap­sis sae­cu­lis com­pa­ren­tur, pror­sus in pei­us abi­is­se ; atque adeo ita se habent, qua­si ex histo­ria, quae vitae magi­stra est, nihil habe­ant quod discant, ac veluti si, supe­rio­rum Con­ci­lio­rum tem­po­re, quoad chri­sti­a­nam doc­tri­nam, quoad mores, quoad ius­tam Eccle­siae liber­tatem, omnia pro­spe­re ac rec­te pro­ces­ser­int. At Nobis pla­ne dis­sen­tien­dum esse vide­tur ab his rer­um advers­ar­um vati­ci­na­to­ri­bus, qui dete­rio­ra sem­per pra­enun­ti­ant, qua­si rer­um exi­ti­um instet. In prae­sen­ti humano­rum even­tu­um cur­su, quo homi­num socie­tas novum rer­um ordi­nem ingre­di vide­tur, poti­us arca­na Divinae Pro­vi­den­tiae con­si­lia agno­s­cen­da sunt, quae per tem­po­ra suc­ce­den­tia, homi­num ope­ra, ac pler­um­que prae­ter eorum exspec­ta­tio­nem, suum exitum con­se­quun­tur, atque omnia, adver­sos eti­am huma­nos casus, in Eccle­siae bonum sapi­en­ter dis­pon­unt. -
In der täg­li­chen Aus­übung unse­res Hir­ten­am­tes ver­letzt es uns, wenn wir manch­mal Vor­hal­tun­gen von Leu­ten anhö­ren müs­sen, die zwar voll Eifer, aber nicht gera­de mit einem sehr gro­ßen Sinn für Dif­fe­ren­zie­rung und Takt begabt sind. In der jüng­sten Ver­gan­gen­heit bis zur Gegen­wart neh­men sie nur Miß­stän­de und Fehl­ent­wick­lun­gen zur Kennt­nis. Sie sagen, daß unse­re Zeit sich im Ver­gleich zur Ver­gan­gen­heit nur zum Schlech­te­ren hin ent­wick­le. Sie tun so, als ob sie nichts aus der Geschich­te gelernt hät­ten, die doch eine Lehr­mei­ste­rin des Lebens ist, und als ob bei den vor­aus­ge­gan­ge­nen Öku­me­ni­schen Kon­zi­li­en Sinn und Geist des Chri­sten­tums, geleb­ter Glau­be und eine gerech­te Anwen­dung der Frei­heit der Reli­gi­on sich in allem hät­ten durch­set­zen kön­nen. Wir müs­sen die­sen Unglücks­pro­phe­ten wider­spre­chen, die immer nur Unheil vor­aus­sa­gen, als ob der Unter­gang der Welt unmit­tel­bar bevor­stün­de. In der gegen­wär­ti­gen Ent­wick­lung der mensch­li­chen Ereig­nis­se, durch wel­che, die Mensch­heit in eine neue Ord­nung ein­zu­tre­ten scheint, muß man viel eher einen ver­bor­ge­nen Plan der gött­li­chen Vor­se­hung aner­ken­nen. Die­ser ver­folgt mit dem Ablauf der Zei­ten, durch die Wer­ke der Men­schen und meist über ihre Erwar­tun­gen hin­aus sein eige­nes Ziel, und alles, auch die ent­ge­gen­ge­setz­ten mensch­li­chen Inter­es­sen, lenkt er wei­se zum Heil der Kir­che.)) Mög­li­cher­wei­se hat er den Anklang an das Pau­lus-Zitat aus dem 2. Thes­sa­lo­ni­cher-Brief bewusst gesucht. Ganz abge­se­hen davon, dass der mater eccle­sia das gau­di­um seit­her sicht­lich ver­gan­gen ist, kann es einem heu­ti­gen Gläu­bi­gen kalt den Rücken hin­ab­lau­fen, wenn er sich die Wor­te des dama­li­gen Pap­stes noch ein­mal vor Augen stellt. Die Wor­te Johan­nes XXIII. zeu­gen heu­te, im Aggior­na­men­to-Stand­by-Modus, der buch­stäb­lich alles her­bei­ge­führt hat, was die vati­ci­na­to­res rer­um advers­ar­um in pro­phe­ti­scher Klar­sicht befürch­tet hat­ten, von einer unbe­greif­li­chen Über­heb­lich­keit und Fahr­läs­sig­keit. Allein wegen die­ses gespen­sti­schen Fak­t­ums dürf­te er nicht hei­lig­ge­spro­chen wer­den… Befremd­lich ist auch die Ein­ord­nung, die er für die­ses Kon­zil vor­nimmt. Wenn Bene­dikt XVI. und ande­re nach einer Kon­ti­nui­tät zur Tra­di­ti­on suchen und den fak­ti­schen Bruch im Leben der Kir­che seit dem Kon­zil für ein Miss­ver­ständ­nis über­spann­ter Moder­ni­sten hal­ten, dann möch­te ich sie zurück­fra­gen, ob sie nicht sehen, dass schon in der Eröff­nungs­re­de die­se kon­zi­lia­re Hybris offen­kun­dig wird. Johan­nes XXIII. wider­spricht der Auf­fas­sung, dass die Moder­ne das geist­li­che Leben der Kir­che bedro­he. Die­ser Auf­fas­sung haben seit der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on alle sei­ne Vor­gän­ger Aus­druck gege­ben! Ich möch­te dazu nur das Stich­wort „Anti­mo­der­ni­sten­eid“ in den Raum rufen… Ihn scheint weder das gera­de über­wun­de­ne moder­ne, infer­na­li­sche „Drit­te Reich“ mit sei­nen Ver­nich­tungs­la­gern, denen Mil­lio­nen Men­schen zum Opfer fie­len, in irgend­ei­ner Wei­se zu beun­ru­hi­gen, noch der kaum zurück­lie­gen­de moder­ne 2. Welt­krieg mit wei­te­ren Mil­lio­nen von Opfern, noch das moder­ne, teuf­li­sche Regime des Kom­mu­nis­mus, das dabei war, die hal­be Welt zu knech­ten und wei­te­re Mil­lio­nen in sei­nen Gulags zu ermor­den, ganz aktu­ell die Kuba-Kri­se insze­niert und die kaf­ka­es­ke Ber­li­ner Mau­er errich­tet hat­te, und schon gar nicht die moder­ne, eis­kal­te Frat­ze des Kapi­ta­lis­mus, die bereits im 19. Jahr­hun­dert durch Leo XIII. in „Rer­um novar­um“ von 1891 als der Skla­ven­hal­ter des moder­nen Men­schen erkannt wor­den war ((ASS XXIII [1890–1891] 641–670 Leo XIII. Spricht dar­in von der ver­derb­li­chen Wir­kung des „Gei­stes der Neue­rung“)). Die Tat­sa­che, dass all die­se Gräu­el nur auf­grund der moder­nen gei­sti­gen und tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung sein konn­ten und kön­nen, ficht ihn nicht an. Im Gegen­teil: er schwa­dro­niert von einer „Neu­en Gesell­schafts­ord­nung“, auf die die Welt zuge­he, und man darf sich fra­gen, woher er die­sen Begriff nimmt. Aus dem depo­si­tum fidei stammt er jeden­falls nicht. Das kennt nur den heils­ge­schicht­li­chen Plan Got­tes, die Sor­ge der Kir­che um die Ret­tung der See­len ange­sichts des schritt­wei­sen Offen­bar­wer­dens des myste­ri­um ini­qui­ta­tis vor der Wie­der­kunft Jesu Chri­sti. War­um Johan­nes XXIII. einen Sei­ten­hieb auf vor­an­ge­gan­ge­ne Kon­zi­li­en machen muss, wo er doch gleich­zei­tig deren Geist­ge­wirkt­heit in pathe­ti­schen Wor­ten preist, ist eben­falls uner­klär­lich. Die sach­lich unhalt­ba­re Behaup­tung, die Kon­zi­li­en ver­gan­ge­ner Tage hät­ten nicht wirk­lich frei ablau­fen kön­nen, weil die säku­la­re Macht sie beein­flusst oder sogar initi­iert, das anste­hen­de Kon­zil jedoch end­lich die not­wen­di­ge Frei­heit erreicht habe, wie ein wah­rer „neu­er apo­sto­li­scher Abend­mahls­saal“ zu sein ((AAS 54 (1962), 789/90 Eten­im satis est cur­sim eccle­si­a­sti­cos anna­les per­vol­ve­re, ut sta­tim mani­festo pateat, vel ipsa Oecu­me­ni­ca Con­ci­lia, quo­rum vicis­si­tu­di­nes aureis lit­te­ris Eccle­siae fastis con­si­gna­tae sunt, saepe non sine gra­vis­si­mis dif­fi­cul­ta­ti­bus ac dolo­ris causis, ob inde­bi­tam civi­lis pote­sta­tis inter­po­si­tam auc­to­ri­tatem, cele­bra­ta fuis­se. Hui­us enim mun­di Princi­pes inter­dum sibi qui­dem pro­ponebant sin­ce­ro ani­mo Eccle­siae patro­ci­ni­um sus­ci­pe­re ; quod tamen pler­um­que non sine spi­ri­tua­li detri­men­to ac peri­cu­lo fie­bat, cum iidem saepi­us ratio­ni­bus poli­ti­cis duce­ren­tur suis­que uti­li­ta­ti­bus nimi­um stu­de­rent. Fate­mur qui­dem hodie Nos vehe­men­ti dolo­re affi­ci, quod inter vos comp­lu­res Eccle­siae Pasto­res desi­de­r­an­tur, Nobis sane caris­si­mi, qui ob Chri­sti Fidem in vin­cu­lis deti­nen­tur vel ali­is impe­di­men­tis pra­epe­di­untur, et quo­rum recorda­tio Nos per­mo­vet ut pro ipsis fia­gran­tis­si­mas Deo pre­ces admo­vea­mus; atta­men non sine spe ac magno sola­cio Nostro hodie fac­tum esse cer­ni­mus, ut Eccle­sia, tot pro­fa­nis prae­ter­itae aeta­tis impe­di­men­tis tan­dem expe­dita, ex hoc Vati­ca­no Tem­plo, veluti altero Apo­sto­lo­rum Cená­cu­lo, per vos vocem suam, maie­sta­tis gra­vi­ta­tis­que ple­nam, attol­le­re pos­sit. -
Es genügt ein kur­zer Blick auf die Kir­chen­ge­schich­te, um sofort zu erken­nen, wie die öku­me­ni­schen Kon­zi­li­en sel­ber, die doch eine Rei­he ruhm­rei­cher Taten der Kir­che waren, oft durch unzu­läs­si­ge Ein­mi­schung der staat­li­chen Auto­ri­tä­ten nicht ohne gro­ße Schwie­rig­kei­ten und Schmer­zen began­gen wer­den konn­ten. Die Für­sten die­ser Welt nah­men sich zwar zuwei­len vor, mit aller Auf­rich­tig dem Schutz der Kir­che zu die­nen, aber das geschah mei­stens nicht ohne geist­li­chen Scha­den und Gefahr, da jene Her­ren oft von poli­ti­schen Gesichts­punk­ten gelei­tet wur­den und eine recht eigen­süch­ti­ge Poli­tik trie­ben.
Wir möch­ten Euch heu­te geste­hen, wie sehr Wir dar­un­ter lei­den, daß vie­le unse­rer Bischö­fe hier abwe­send sind, uns aber sind sie sehr teu­er. Sie wur­den wegen ihrer Treue zu Chri­stus ein­ge­ker­kert, oder sie wer­den durch son­sti­ge Hin­der­nis­se fest­ge­hal­ten. Der Gedan­ke an sie ver­an­lasst Uns, glü­hen­de Gebe­te an Gott zu rich­ten. Den­noch erken­nen Wir nicht ohne Hoff­nung und zu Unse­rem gro­ßen Trost wie die Kir­che heu­te, end­lich von so vie­len Hin­der­nis­sen irdi­scher Art befreit, aus die­ser Vati­ka­ni­schen Basi­li­ka wie aus einem neu­en apo­sto­li­schen Abend­mahls­saal durch Euch ihre Stim­me in vol­ler Maje­stät und Grö­ße erhe­ben kann.)) , für den es – so muss man dazwi­schen­ru­fen – doch weder Ver­hei­ßung noch Not­wen­dig­keit gab (!), kann nur Kopf­schüt­teln aus­lö­sen. ((Rober­to de Mattei, S. 197 ff: Die poli­ti­sche Bedro­hungs­la­ge durch den Kom­mu­nis­mus und eine gehei­me Abma­chung zwi­schen Kar­di­nal Tis­serant und dem rus­sisch-ortho­do­xen Erz­bi­schof Niko­dim, einem KGB-Funk­tio­när, hat­te sogar erheb­li­chen Ein­fluss auf das Zurück­wei­chen des Kon­zils vor einer Ver­ur­tei­lung des Kom­mu­nis­mus. Unse­re Lie­be Frau von Fati­ma hat­te die ver­hee­ren­den „Irr­tü­mern Russ­lands“ vor­her­ge­sagt. Das Kon­zil konn­te sich trotz Ihrer War­nung und trotz der Voten vie­ler Bischö­fe nicht zu einer Ver­wer­fung durch­rin­gen.)) Voll­ends irri­tie­rend ist die total inhalts­lee­re Erzäh­lung über das Zustan­de­kom­men der Kon­zils-Idee:

Zuerst haben Wir fast uner­war­tet die­ses Kon­zil im Gei­ste erwo­gen, dann haben Wir es in schlich­ten Wor­ten vor dem hei­li­gen Kol­le­gi­um der Kar­di­nä­le an jenem denk­wür­di­gen 25. Janu­ar 1959 (…) aus­ge­spro­chen. Sogleich wur­den die Anwe­sen­den durch eine plötz­li­che Bewe­gung des Gei­stes, wie vom Strahl eines über­ir­di­schen Lich­tes, berührt, und alle waren freu­dig betrof­fen, wie ihre Augen und Mie­nen zeig­ten. Zugleich ent­brann­te in der gan­zen Welt ein lei­den­schaft­li­ches Inter­es­se, und alle Men­schen began­nen eif­rig auf die Fei­er des Kon­zils zu war­ten. ((AAS 54 (1962), 788 — Quod autem ad ori­gi­nem et cau­sam atti­net maxi­mi hui­us even­tus, prop­ter quem pla­cuit Nobis vos hic con­gre­ga­re, satis est iter­um affer­re testi­mo­ni­um humi­le qui­dem, sed quod Nos ipsi expe­ri­en­tia pos­su­mus pro­ba­re : pri­mo enim pae­ne ex inopi­na­to hoc Con­ci­li­um men­te con­ce­pi­mus, ac dein­de sim­pli­ci­bus ver­bis enun­tia­vi­mus coram Sacro Pur­pura­torum Patrum Col­le­gio fausto die illo vice­si­mo quin­to men­sis Ianu­ar­ii anno mil­le­si­mo non­gen­te­si­mo quin­quage­si­mo nono, in festo Con­ver­sio­nis Sanc­ti Pau­li Apo­sto­li, in ipsa eius Patri­ar­cha­li Basi­li­ca ad viam Ost­i­ensem. Sta­tim adstan­ti­um ani­mi subi­to tac­ti sunt, qua­si super­nae lucis radio coru­s­can­te, et sua­vi­ter omnes affec­ti in vul­tu ocu­lis­que.
Simul vero vehe­mens stu­di­um toto ter­rar­um orbe exar­sit, cunc­tique homi­nes Con­ci­lii cele­bra­tio­nem stu­dio­se exspec­ta­re coeper­unt
.))

Was kon­kret außer dem Wort „Kon­zil“, das im übri­gen schon lan­ge dis­ku­tiert, von Pius XII. vor­be­rei­tet und aus Furcht vor einem Ein­bruch durch den Moder­nis­mus auf­ge­scho­ben wor­den war, hier sol­chen emo­tio­na­len Furor aus­ge­löst haben soll, erschließt sich dem auf­merk­sa­men Leser nicht. Johan­nes XXIII. bezieht sich weder auf die Vor­ar­bei­ten zu einer Fort­set­zung des 1. Vati­ka­ni­schen Kon­zils durch sei­ne Vor­gän­ger, noch erwähnt er die Not­wen­dig­keit, das durch den deutsch-fran­zö­si­schen Krieg unter­bro­che­ne 1. Vati­ka­ni­sche Kon­zil zu Ende zu füh­ren. Er redet, als fin­ge mit sei­nem Pon­ti­fi­kat etwas ganz und gar Neu­es an. Es ist frag­wür­dig, was sich hin­ter dem Satz „Sta­tim adstan­ti­um ani­mi subi­to tac­ti sunt, qua­si super­nae lucis radio coru­s­can­te, et sua­vi­ter omnes affec­ti in vul­tu ocu­lis­que“ ver­birgt. Johan­nes XXIII. sagt nicht, dass der Hei­li­ge Geist die Kar­di­nä­le ergrif­fen, son­dern ein „aus der Höhe kom­men­der Licht­strahl“ sie berührt und erregt habe (radio lucis super­nae). Auch will das ärger­lich star­ke Vor­han­den­sein der vati­ci­na­to­res rer­um advers­ar­um, der „Unglücks­pro­phe­ten“, nicht so recht in die­sen behaup­te­ten all­ge­mei­nen Freu­den­tau­mel pas­sen. Die Aus­sa­gen des dama­li­gen Pon­ti­fex erschei­nen unglaub­wür­dig, wenn man bedenkt, dass die mei­sten Bischö­fe der Welt­kir­che vor dem Kon­zil in ihren vota tat­säch­lich die Ver­ur­tei­lung des Kom­mu­nis­mus, eine end­gül­ti­ge Ableh­nung des Moder­nis­mus und die Erklä­rung eines Dog­mas zur Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens gewünscht hat­ten. ((Rober­to de Mattei, S. 153+154)) Alles in allem jeden­falls scheint es, Johan­nes XXIII. habe die Ter­mi­no­lo­gie der Kir­che aus­ge­höhlt und mit einem hoch­mü­ti­gen Gemisch neu­zeit­li­cher, huma­ni­sti­scher Welt­ver­bes­se­rungs­ideen aus­ge­stopft. Aus sei­nen Wor­ten geht her­vor, dass er es ist, der den Anspruch eines „Super­kon­zils“ for­mu­liert hat. Ich habe selbst frü­her geglaubt, Johan­nes XXIII. habe sich eben etwas blu­mig, aber doch recht­gläu­big geäu­ßert. Seit­dem ich genau­er hin­se­he, kann ich mei­ne dama­li­ge Über­zeu­gung nicht mehr auf­recht­hal­ten. Der Anspruch, die siche­re und wah­re Leh­re, die doc­tri­na cer­ta et immu­ta­bi­lis, ohne Abgren­zung von Irr­tü­mern, die sich angeb­lich von selbst auf­lö­sen, nun „vor allem pasto­ral“, prae­ser­tim pasto­ra­lis, und quam tem­po­ra postu­lant nostra, „wie es unse­re Zei­ten ver­lan­gen“, zur Erbau­ung des gan­zen Men­schen­ge­schlechts zu ver­brei­ten, ist irrig. Denn es war nie Leh­re der Kir­che, dass Irr­tü­mer ein­fach ver­schwin­den kön­nen „wie Mor­gen­ne­bel“ und die Men­schen ohne Beleh­rung „ganz von selbst“ dar­auf kom­men, dass der Ver­stoß gegen Got­tes Gebo­te und der Fort­schritts­wahn nur zur Zer­stö­rung füh­ren. ((AAS 54 (1962), 787)) Ein Blick in unse­re Wirk­lich­keit 50 Jah­re nach die­ser Rede zei­gen in beschä­men­der Wei­se, dass die Men­schen, ganz im Gegen­teil, immer schlim­mer gegen Got­tes Gebo­te ver­sto­ßen. Das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil wird mit dem Anspruch, die gan­ze Welt auf „pasto­ra­le“ Wei­se zu durch­son­nen und poli­tisch zu befrie­den ein­ge­führt. Kon­zi­li­en hat­ten nie­mals eine pasto­ra­le, son­dern eine klä­ren­de, defi­nie­ren­de, rein lehr­amt­li­che Funk­ti­on für die Kir­che. Die Mis­si­on der Kir­che ging nie­mals über das Bezeu­gen, Leh­ren und Tau­fen hin­aus – auch wenn es einen zeit­wei­se engen Schul­ter­schluss zwi­schen welt­li­cher Macht und Kir­che gab. Wie soll­te man ohne geklär­te Begrif­fe in den Orts­kir­chen und in der Mis­si­on „pasto­ral“ frucht­bar sein kön­nen? Wir sehen eine Kir­che vor uns, in der nicht mehr gelehrt wird, in der para­do­xer­wei­se die Pasto­ral zusam­men­ge­bro­chen ist. weil man sich in das, was der Mensch schon „von sel­ber“ ver­ste­hen wird, nicht mehr „ein­mi­schen“ will (wie mir ein Hoch­wür­den unge­hal­ten sag­te). Für das Lehr­amt war nie rele­vant, was die „Zei­ten for­dern“, son­dern was die For­de­rung Got­tes zu jeder Zeit ist. Folg­lich konn­te kein Kon­zil ohne Dog­men­er­klä­rung und Ver­wer­fung in Aus­ein­an­der­set­zung mit sei­ner jewei­li­gen Zeit aus­kom­men. Johan­nes XXIII. kann nicht erklä­ren, war­um dies nun heut­zu­ta­ge ganz anders sein soll­te als in den Jahr­tau­sen­den davor, sagt er doch selbst, dass sich die Pro­ble­me des Men­schen nicht geän­dert hät­ten. Er dekla­riert in bei­spiel­lo­ser Arro­ganz den Wider­spruch zur tra­dier­ten Mis­si­on der Kir­che als deren aller­neue­ste Mis­si­on. Die Wei­ge­rung, Defi­ni­tio­nen und Ver­wer­fun­gen vor­zu­neh­men heißt, die Kir­che dem Zeit­geist aus­zu­lie­fern – und genau so ist es gesche­hen. Mit der Bezug­nah­me auf Jesu Gebet am Vor­abend sei­nes Opfer­to­des („Ut unum sint“) pro­ji­ziert der dama­li­ge Papst das Myste­ri­um der Ein­heit als welt­lich ver­stan­de­ne Ein­heit an den Him­mel. Eben­so ver­kehrt Johan­nes XXIII. die Visi­on vom Himm­li­schen Jeru­sa­lem in eine aus­schließ­lich dies­sei­ti­ge Hoff­nung. Die „Ein­heit des Men­schen­ge­schlech­tes“ sei die not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung dafür, dass die irdi­sche mit der himm­li­schen Stadt ver­ähn­licht wer­de: hoc sibi pro­po­nit Oecu­me­ni­ca Syn­odus Vati­ca­na Secun­da – „dies hat sich das 2. Vati­ka­ni­sche öku­me­ni­sche Kon­zil zur Auf­ga­be gemacht“. ((AAS 54 (1962), 794)) Bis dahin war die Kir­che davon aus­ge­gan­gen, dass die­se Welt nicht ver­voll­komm­net, son­dern ver­ge­hen wird. Von Welt­ver­bes­ser­er­tum war nie­mals die Rede. Der Christ folgt dem Mei­ster hin­aus vor die irdi­sche Burg, wie ER in der Welt kaum gedul­det: Exea­mus igi­tur ad eum extra castra, impro­pe­ri­um eius port­an­tes; non enim habe­mus hic manen­tem civi­tatem, sed futuram inqui­ri­mus. – “Lasst uns also zu ihm vor das Lager hin­aus zie­hen und sei­ne Schmach auf uns neh­men. Denn wir haben hier kei­ne Stadt, die bestehen bleibt, son­dern wir suchen die künf­ti­ge.“ ((Hebr. 13, 13+14))

Jedem sorg­fäl­ti­gen Leser muss auf­fal­len, dass die Leh­re Johan­nes XXIII. nicht mehr der Tra­di­ti­on der Kir­che ent­spricht. Die ein­ge­bau­ten recht­gläu­big klin­gen­den Pas­sa­gen kön­nen dar­über nicht hin­weg­täu­schen.

Wel­cher Geist hat die­sen Mann getrie­ben, der sich den Namen des Klein­od-Prie­sters Johan­nes gege­ben hat und des­sen Hal­tung und Wesens­zü­ge per­fekt kon­ter­ka­riert hat? Sei­ne Rede ist ihrem Stil und ihrer aus­ge­höhl­ten Begriff­lich­keit nach schlicht und ein­fach … eso­te­risch, die Rede eines Logen­bru­ders! Ron­cal­li war ein Pseu­do-Johan­nes!

Jesus hat uns ein bedeut­sa­mes Kri­te­ri­um zur Unter­schei­dung der Gei­ster genannt: Atten­di­te a fal­sis pro­phe­tis, qui veni­unt ad vos in vesti­men­tis ovi­um, intrin­se­cus autem sunt lupi rapaces. A fruc­ti­bus eorum cogno­s­ce­tis eos; num­quid col­lig­unt de spi­nis uvas aut de tri­bu­lis ficus? – „Hütet euch vor den fal­schen Pro­phe­ten; sie kom­men zu euch wie (harm­lo­se) Scha­fe, in Wirk­lich­keit aber sind sie rei­ßen­de Wöl­fe. An ihren Früch­ten wer­det ihr sie erken­nen. Ern­tet man etwa von Dor­nen Trau­ben oder von Disteln Fei­gen?“ ((Mt. 7, 15f))

Ich will mich nicht ver­stei­gen, aber den Wor­ten Jesu fol­gend kann man nichts ande­res fest­stel­len, als dass die voll­mun­dig ange­kün­dig­ten Früch­te die­ses Super­kon­zils in der Haupt­sa­che Dor­nen und Disteln sind. Die ver­hee­ren­den Wir­kun­gen ent­lar­ven das Kon­zil und sei­ne damals so erreg­ten „Macher“ als – lupi rapaces, rei­ßen­de Wöl­fe. Es erscheint mir gren­zen­los naiv oder unauf­rich­tig, dies alles nur für ein Miss­ver­ständ­nis zu hal­ten.

Seit­her haben die, die Jesus nicht mehr gehor­chen, aber den­noch in der Kir­che wir­ken wol­len, der mater eccle­sia einen hin­ter­häl­ti­gen Bür­ger-Krieg mit den Waf­fen sophi­sti­scher Begriffs­ent­ker­nun­gen berei­tet. Mit päpst­li­chem Segen wur­de die mater eccle­sia der Herr­schaft der histo­ria, quae vitae magi­stra est, unter­stellt. Die­sen huma­ni­sti­schen Satz schleu­der­te Johan­nes XXIII. den „Unglücks­pro­phe­ten“ ent­ge­gen. Er wider­sprach damit nicht nur ihnen, son­dern auch der tra­dier­ten christ­li­chen Auf­fas­sung, dass nur der Hei­li­ge Geist wah­rer Leh­rer der Kir­che ist. ((Vgl. Joh. 16, 13: Cum autem vene­rit ille, Spi­ri­tus veri­ta­tis, dedu­cet vos in omnem veri­tatem; non enim loque­tur a seme­tip­so, sed quae­cum­que audiet, loque­tur et, quae ven­tu­ra sunt, annun­tia­bit vobis.)) Der Trumpf der rei­ßen­den Wöl­fe ist mit päpst­li­cher Legi­ti­ma­ti­on der evo­lu­tio­nä­re („rela­ti­vi­sti­sche“) Wahr­heits­be­griff, den sie in bewuss­ten Gegen­satz zum tra­dier­ten Wahr­heits­be­griff der mater eccle­sia set­zen. Sie betrei­ben mit gelehr­ter Bla­siert­heit ihr baby­lo­ni­sches Ver­wirr­spiel und neh­men dafür kei­nen gerin­ge­ren als den Hei­li­gen Geist, den sie zu einer geschicht­li­chen Wahr­heits­funk­ti­on degra­diert haben, die in ihr eige­nes Ermes­sen gelegt ist, in Anspruch. ((Der Begriff des „Neu­en Pfing­sten“ für das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil zeugt von einer Hybris. Ein Bei­spiel für die all­täg­li­che kle­ri­ka­le Hybris die­ser Hal­tung ist fol­gen­des Zitat: Pfar­rer Josef Mohr, Pre­digt vom 27.5.2012: „Es geht um die Zukunfts­fä­hig­keit der röm.-kath. Kir­che: „Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen!“ Die­ses Sprich­wort, so fürch­te ich, wird sich für unse­re Kir­che auf dra­ma­ti­sche Wei­se immer mehr bewahr­hei­ten, wenn sie nicht wage-mutig einen neu­en Auf­bruch, ja einen neu­en Aus­bruch wagt aus jener Erstar­rung und Läh­mung, wel­che der Pfingst­geist immer neu über­win­den will.“)) Man sagt dies und meint jenes, wobei jenes immer vage und unklar bleibt ange­sichts des unbän­di­gen Flus­ses infla­tio­nä­rer Bedeu­tungs­ver­schie­bun­gen. Es gibt kei­nen Begriff der Dog­ma­tik, der nicht bereits x‑mal gescannt und ver­frem­det wor­den wäre. Das Ergeb­nis ist all­ge­mei­ner Wild­wuchs und Resi­gna­ti­on. Die ein­fach­sten Glau­bens­sät­ze sind zum Pro­blem gewor­den. Seit dem Kon­zil ver­las­sen Prie­ster scha­ren­wei­se ihren Stand und die Kir­chen­aus­trit­te der Lai­en neh­men immer wei­ter zu… Wer den­noch kla­re Wor­te spricht, wer mutig ein­steht für die unteil­ba­re Wahr­heit, die einen Namen hat: !Domi­nus Jesus!, der wird inner­halb der Kir­che ver­höhnt und dome­sti­ziert. Die­ser Hohn steck­te in den Wor­ten Johan­nes XXIII, der die­sen Men­schen vor­warf, ihnen feh­le der „Sinn für Dif­fe­ren­zie­rung und Takt“ ((Vgl. Anm. 14)).

In immer neu­en Anläu­fen will man denen, die den kon­kre­ten Gebo­ten Jesu fol­gen wol­len, Maul­kör­be ver­pas­sen und ihnen weis­ma­chen, dass sie Pola­ri­sie­rer und Frie­dens­stö­rer sei­en. Das Pon­ti­fi­kat Bene­dikts XVI. war trotz aller erwähn­ten Abstri­che, die gemacht wer­den müs­sen, ein kur­zer Licht­blick, eine „Wehen­pau­se“, in der vie­le Glau­bens­treue wie­der Mut schöpf­ten. Seit­dem Fran­zis­kus zum Papst gewählt wor­den ist, erle­ben wir nicht nur den raschen Zer­fall des­sen, was der noch hin­ter den Mau­ern leben­de Hei­li­ge Vater ver­such­te zu inte­grie­ren. Vor unse­ren bestürz­ten Augen trennt sich ein gro­ßer Teil der soge­nann­ten Kon­ser­va­ti­ven wie Spreu vom Wei­zen. Auch sie ver­wei­gern nun offen, mit der Spra­che und den Sät­zen red­lich umzu­ge­hen und haben sich dem Trend des ober­fläch­li­chen Zer­deutens ange­schlos­sen. Sie las­sen sich lei­ten vom Anse­hen der Per­son und einem kran­ken Gehor­sams­be­griff, als müss­te ein Gläu­bi­ger dem Satan gehor­chen, nur weil der sich als Engel des Lichts aus­gibt und schon längst in den höch­sten kle­ri­ka­len Ämtern Platz genom­men hat. Prä­zi­se Argu­men­ta­tio­nen wer­den aggres­siv oder in der Ver­klei­dung ein­stu­dier­ter Demut abge­wehrt. Auf kon­ser­va­ti­ven Inter­net-Platt­for­men wie Kath.net hat sich seit Mona­ten die Zen­sur gegen­über allen kri­ti­schen Stel­lung­nah­men eta­bliert. Kla­re und auf­rich­ti­ge Gedan­ken sind der Düster­nis, die die Kir­che inzwi­schen zu wei­ten Tei­len unbe­wohn­bar macht und lähmt, uner­träg­lich. Sie fürch­tet nichts mehr als das hel­le Licht der Barm­her­zig­keit Got­tes, die natur­ge­mäß ohne Gericht nicht aus­kom­men kann – wel­chen Sinn soll­te der Begriff Barm­her­zig­keit ohne dro­hen­des Gericht auch haben? Per vis­ce­ra miser­i­cor­diae Dei nostri, in qui­bus visit­a­bit nos ori­ens ex alto, illu­mi­na­re his, qui in tenebris et in umbra mor­tis sedent, ad diri­gen­dos pedes nostros in viam pacis. So hat es uns das latei­ni­sche Bene­dic­tus so unüber­treff­lich zuge­sagt. „Durch die fleisch­ge­wor­de­ne Barm­her­zig­keit unse­res Got­tes wird uns besu­chen der Ori­ens (die „im Osten auf­ge­hen­de Son­ne“, der „uns Ori­en­tie­rung geben­de“) aus der Höhe, damit die erleuch­tet wer­den, die im Fin­stern und im Todes­schat­ten sit­zen, und unse­re Füße auf den Weg des Frie­dens gelei­tet wer­den.“ Jeder, der die­sem Ori­ens in aller schlich­ten Klar­heit folgt, gleißt in der Fin­ster­nis wie ein Pris­ma und wird gehasst für die Ver­let­zung, die er dem trü­ben und erschlaff­ten Auge zufügt. Man bevor­zugt die Fun­zeln der Dämo­nen mit ihrem weich­li­chen Rot­licht.

Die soge­nann­ten Kon­ser­va­ti­ven haben den Feh­ler gemacht, unbe­se­hen „Ver­gan­ge­nes“ für wahr zu hal­ten, anstatt dif­fe­ren­ziert danach zu fra­gen, was prä­zi­se und ohne Rela­ti­vie­rung ewi­ge Leh­re der Kir­che ist. Nur eine Klä­rung des Wahr­heits­be­grif­fes ret­tet vor dem Abglei­ten in Häre­sie und Apost­asie. Die Kon­ser­va­ti­ven haben sol­che Ana­ly­sen bis­lang ver­schla­fen. Die Wahr­heit, der in die Zeit gesetz­te rote Faden, ist kei­ne evo­lu­tio­nä­re Ein­rich­tung. Es ist immer der­sel­be Faden — auch wenn er so lang ist wie die Heils­ge­schich­te. Und dies nicht sym­bo­lisch, nicht „im über­tra­ge­nen Sin­ne“, son­dern im Sin­ne des Logos, des Lam­mes Got­tes, in vis­ce­ra miser­i­cor­diae Dei, ganz leib­haf­tig. Nichts drückt die­se Wahr­heit mehr aus als das Geheim­nis des Mess­op­fers, das voll­kom­men ver­ge­gen­wär­tig­te, in die Zeit ver­län­ger­te fleisch­ge­wor­de­ne Opfer, das von mir nichts Gerin­ge­res for­dert, als mich in sich hin­ein­zie­hen zu las­sen. Die­ses Geheim­nis kann ein Mensch nur durch die Erleuch­tung des Hei­li­gen Gei­stes ver­ste­hen. Er emp­fängt sie, wenn er aus Maria, der Braut, ins Reich Got­tes hin­ein­ge­bo­ren wur­de und von ihr wei­ter­hin erzo­gen wird. Der Knie­fall bei der Fei­er des Mess­op­fers wird ihm dann ein­ge­ge­ben wer­den, jene lit­ur­gi­sche Geste der tota­len Hin­ga­be, die von so man­chen inzwi­schen, was nur schlüs­sig ist (!), ver­wei­gert wird. Das behaup­te­te gau­di­um der mater eccle­sia ist ein her­ri­scher Befehl an die Got­tes­mut­ter, sich gefäl­ligst zu freu­en. Sie selbst hat näm­lich 1917 ihren gro­ßen Schmerz über das Aus­maß des Unglau­bens ver­kün­digt und auf­ge­tra­gen, den drit­ten Teil des Fati­ma-Geheim­nis­ses 1960 zu ver­öf­fent­li­chen, was Johan­nes XXIII. zu ver­hin­dern wuss­te. Ihr dolor wird nach ihren eige­nen Wor­ten ein tri­um­phus sein und steht noch aus: ihr unbe­fleck­tes Herz wird tri­um­phie­ren – am Ende. ((sie­he Fati­ma-Bot­schaft)) Am Ende, an das wir in unse­rem Hoch­mut und unse­rer Selbst­ge­fäl­lig­keit nicht kom­men wol­len, des­sen Tri­umph Johan­nes XXIII. aus eige­ner Voll­macht und vor der Zeit auf die selbst­ge­mal­te Fah­ne einer huma­ni­stisch umge­deu­te­ten Kir­che schrei­ben woll­te. Mit ihm hat der bei­spiel­lo­se Nie­der­gang des Papst­tums und der Kir­che ein­ge­setzt, den wir seit­her erle­ben. Johan­nes XXIII. hat die Imma­cu­la­ta nicht nur ein­fach igno­riert. Er hat ihr die Feind­schaft ange­tra­gen, indem er sie bei­sei­te gescho­ben, ihr den Mund ver­bo­ten und das Gegen­teil zu ihren War­nun­gen ver­kün­det hat. Ist nicht unse­re aller­se­lig­ste Mut­ter die Expo­nier­te­ste unter den „Unglücks­pro­phe­ten“? Die Abnei­gung die­ses Pap­stes gegen­über dem gott­ge­ge­be­nen frau­li­chen und müt­ter­li­chen Ein­fluss auf den Kle­rus gewinnt von da aus betrach­tet einen dop­pelt fin­ste­ren Sinn. ((Arti­kel in der „Welt“ vom 27.10.2008 hat­te die Über­schrift: „Johan­nes XXIII. – der stur­ste aller Päp­ste“ und beschreibt, wie die­ser Papst Prie­stern sogar ver­bot, mit ihrer eige­nen Mut­ter im Auto zu fah­ren.))

Württemberg_und_Mömpelgard_Mömpelgarder_Altar3. Der Taumel im Weizenfeld

Seit dem Kon­zil wird ger­ne das Gleich­nis vom Unkraut und vom Wei­zen ((Mt. 13, 24 ff)) ange­führt, um uns in der Kri­se davon abzu­hal­ten, das Cha­ris­ma der Unter­schei­dung der Gei­ster aus­zu­üben.

Oft wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Unkraut wohl der berüch­tig­te Tau­mel­l­olch war, der noch dazu von einem Pilz befal­len wur­de, der das gan­ze Wei­zen­feld ver­der­ben konn­te. Die Arbei­ter in die­ser Erzäh­lung kom­men zum Haus­herrn und fra­gen ihn irri­tiert, ob er denn nicht guten Samen gesät habe. Der Ange­spro­che­ne begreift, dass ein Feind ihm den bösen Samen ins Feld gesetzt haben muss. Den Vor­schlag, das Unkraut aus­zu­rei­ßen, ver­wehrt der Herr: Nicht dass ihr den Wei­zen mit dem Unkraut aus­reißt! Lasst alles aus­rei­fen bis zur Ern­te, dann wird getrennt. Aha, rufen nun die Schlau­mei­er, da seht ihr es — man könn­te Wei­zen für Unkraut hal­ten und umge­kehrt. Das ist jedoch Unsinn: mit kei­ner Sil­be wird aus­ge­drückt, dass Unkraut und Wei­zen nicht unter­scheid­bar wären. Jesus sagt in sei­ner Deu­tung, das Wei­zen­feld sei die Welt. Die Welt – nicht das Reich Got­tes. Ist die Welt nicht so? Hat Gott nicht alles gut geschaf­fen? Hat nicht der Satan dies durch sei­ne Saat ver­dor­ben? Und ist nicht durch die Jung­frau Maria und ihr unver­gleich­li­ches Fiat wie­der guter Same ins gna­den­vol­le, rei­ne Herz einer Frau gege­ben, die den neu­en Adam, Jesus, gebar – ? Es gibt die Men­schen­kin­der, die mit Maria das Fiat spre­chen und die, die die­se Gna­de abwei­sen. Man kann sie und ihre Wer­ke nach den Wor­ten Jesu auf­grund der Früch­te von­ein­an­der unter­schei­den, ja, man muss sie sogar von­ein­an­der unter­schei­den kön­nen, wie Jako­bus schreibt. ((Vgl. Jako­bus 2)) Aller­dings muss man genau hin­se­hen, sich die Mühe auf­rich­ti­ger und vor­sich­ti­ger Prü­fung machen. Es kann also in dem Gleich­nis nicht dar­um gehen, dass wir zu kei­nem Urteil über die Din­ge um uns her­um kom­men dürf­ten. Wie anders soll­te das Lehr­amt sonst prin­zi­pi­ell sei­nem Auf­trag, zu bin­den und zu lösen, gerecht wer­den kön­nen? Wie soll­te sonst über­haupt ein Mensch selig wer­den kön­nen?

Es geht viel­mehr dar­um, dass in die­ser gefal­le­nen Schöp­fung alles mit allem ver­bun­den ist. Alle sind inein­an­der ver­floch­ten, die Guten und die Bösen. So wie sich die Wur­zeln des Tau­mel­l­olchs mit dem des Wei­zen unter der Erde ver­schrän­ken. Die escha­to­lo­gi­sche Per­spek­ti­ve die­ses Gleich­nis­ses will kei­ne Debat­te dar­über anre­gen, ob wir über­haupt unter­schei­den kön­nen, was gut oder böse ist. Die Gabe der dis­cre­tio spi­ri­tu­um wird sicht­lich vor­aus­ge­setzt. Sie führt viel­mehr vor Augen, dass allein Got­tes Lie­be und Gna­de es ist, die bis zum Ende aus­har­ren will, bis der letz­te Wei­zen­halm aus­ge­reift ist, die die­sel­be Son­ne auf­ge­hen lässt über Gerech­te und Unge­rech­te, die nicht auf­hö­ren lässt Saat und Ern­te, Frost und Hit­ze, bis die „Voll­zahl“ derer, die geret­tet wer­den, erreicht ist. ((Gen. 8, 22)) Es muss offen­bar wer­den, was in jedem von uns steckt. Und jeder bekommt ein gan­zes Leben lang Zeit. Gna­den­zeit.

Nur wer vom Tau­mel­l­olch geko­stet hat, kann Unkraut und Wei­zen nicht mehr unter­schei­den. Wir sol­len nicht auf den Urhe­ber des Unkrau­tes hören und ins eupho­ri­sche Tau­meln kom­men, son­dern der Stim­me des guten Hir­ten fol­gen, die wir erken­nen dür­fen, wenn wir dar­um bit­ten. Der nar­ko­ti­sche Tau­mel, den das Unkraut ver­ur­sacht, etwa der Wahn, man kön­ne oder müs­se (war­um eigent­lich?) ein „2. Pfing­sten“ erzeu­gen oder gar einen „neu­en Abend­mahls­saal“, stammt nicht von Jesus. Was nach genau­er Betrach­tung in einem blas­phe­mi­schen Irr­licht erscheint, darf auf kei­nen Fall ver­wech­selt wer­den mit der Freu­de, die das Herz festigt, wenn der Hei­li­ge Geist es beseelt, der mit dem Pfingst­fest, das uns die Apo­stel­ge­schich­te erzählt, im übri­gen ein für alle mal gege­ben ist. So wie es nur ein Weih­nach­ten, einen Kar­frei­tag, ein Ostern etc. gibt, wenn auch in „in die Zeit gesetz­ter Ver­län­ge­rung“. Aber das ist etwas ande­res als der hier pro­kla­mier­te Neu­an­satz!

Aus Lie­be zu den ande­ren Men­schen sol­len wir gedul­dig abwar­ten und für sie beten, solan­ge sie und wir Zeit geschenkt bekom­men.

Ist die­se Zeit ver­stri­chen, wird Gott das Unkraut aus­son­dern und ver­bren­nen las­sen und den Wei­zen allei­ne übrig las­sen. Im Ergeb­nis ist das Gleich­nis eine Geschich­te vom kom­men­den Gericht nach einer lan­gen Gna­den­zeit.

Die eupho­ri­sche Rede Johan­nes XXIII. zur Eröff­nung des Kon­zils wirkt heu­te wie eine scha­le Brü­he. Was er pro­kla­mier­te, ist nicht nur nicht ein­ge­trof­fen, son­dern das blan­ke Gegen­teil hat sich schlei­chend, Schritt für Schritt seit­her voll­zo­gen. Es ist kein gau­di­um im Wei­zen­feld, son­dern nar­ko­ti­scher Tau­mel, es ist kein „zwei­tes Pfing­sten“ und kein „neu­er Abend­mahls­saal“, was er da ange­sto­ßen hat, son­dern Krank­heits­rausch und lacri­mae, lacri­mae, lacri­mae, Kat­zen­jam­mer über den gro­ßen Scha­den, der ent­stan­den ist. Woll­te ich glau­ben, dass die­ses Kon­zils­de­sa­ster den Hei­li­gen Geist als Urhe­ber haben soll, müss­te ich mei­nen Glau­ben auf­ge­ben! Ein gesun­der Baum kann doch nicht solch fau­le Früch­te tra­gen! Es sind ja nicht ver­fehl­te Reak­tio­nen auf eine kla­re Leh­re des Kon­zils, die so destruk­tiv sind, wie uns die Ver­fech­ter der „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ es dar­stel­len wol­len. Nein, es sind die wider­sprüch­li­chen Leh­ren des Kon­zils selbst, das kein wah­res Kon­zil sein woll­te – und nur ein Kon­zil, das die Leh­re defi­niert, ist ein wah­res Kon­zil! -, die zu die­ser Ago­nie geführt haben.

Die Wach­sam­keit, die Jesus uns abver­langt, bean­sprucht alle unse­re intel­lek­tu­el­len und see­li­schen Kräf­te. Nie­mand kann sich mehr um eine Ent­schei­dung her­um­drücken. Wer aus­weicht, fällt unwei­ger­lich dem Ungeist zum Opfer, der in der mater eccle­sia so frech immer mehr Platz ein­nimmt.

Die Zeit ist unleug­bar weit vor­an­ge­schrit­ten. Was wird als näch­stes gesche­hen?

Ich erwar­te es mit Grau­en. Aber noch viel mehr erwar­te ich den Herrn und hof­fe, dass ER selbst mir und allen mei­nen Geschwi­stern dazu ver­hilft, die­se Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren. Nur das wahr­haft unbe­fleck­te Herz Mari­ens kann uns ange­sichts der fast total kor­rum­pier­ten Amts­hier­ar­chie in die­ser Ver­wir­rung noch ein ver­läss­li­ches Lehr­amt sein. Damit wird plötz­lich ver­ständ­lich, war­um seit 100 Jah­ren sowohl durch Erschei­nun­gen der Got­tes­mu­ter als auch durch pri­va­te Visio­nen ein­dring­lich die Andacht zur Imma­cu­la­ta als Heil­mit­tel ange­bo­ten wur­de: Jesus sag­te, kein Mensch könn­te mehr selig wer­den, wenn nicht die schlim­me Zeit am Ende ver­kürzt wür­de. ((Vgl. Mt. 24, 22)) Wir sind seit Genera­tio­nen so ver­wirrt, dass wir kaum noch zu erken­nen ver­mö­gen, wie ver­dor­ben unser gesam­tes Den­ken und Füh­len ist. Nur das „unbe­fleck­te Herz“ der Got­tes­mut­ter kann hier noch Ori­en­tie­rung bie­ten – dies aber wie eine fri­sche Quel­le. Wer sich ihr weiht, kann mit Sie­ben­mei­len­stie­feln fort­schrei­ten in der Nach­fol­ge Chri­sti. Die Imma­cu­la­ta selbst „springt“ ein für die abge­fal­le­nen Apo­stel, die wie Ster­ne vom Him­mel gestürzt sind, und steht den weni­gen Wun­der­wer­ken Got­tes, den ech­ten Klein­od-Prie­stern, die­sen klei­nen Zeu­gen des Jün­gers Johan­nes, als himm­li­sche Mut­ter zur Sei­te und damit uns allen. Wel­che tie­fe Weis­heit, kurz vor die­sen Gescheh­nis­sen im Jah­re 1950 ihre leib­li­che Auf­nah­me in den Him­mel zum Dog­ma zu erklä­ren. Maria ist defi­ni­tiv Köni­gin über die Engel und Apo­stel und darf uns so zwei­fel­los ver­trau­ens­wür­di­ge Hüte­rin in die­ser schwe­ren Zeit sein.

O Maria!

* Han­na Jüng­ling, frei­schaf­fen­de Musi­ke­rin, Schrift­stel­le­rin und Künst­le­rin

Text: Han­na Jüng­ling
Bil­der: Zeit­schnur

29 Kommentare

  1. Frau Jüng­ling, Sie haben „mei­nen Tag geret­tet“!

    Vegelt‘ Gott Ihre Mühe und Ihren Fleiß, die Sie in die­sen Arti­kel inve­stiert haben.

  2. Ja, so ist er wirk­lich, das „Kon­zil“ war tat­säch­lich kein ech­tes. Den Kon­zils­vä­tern war es ver­bo­ten, die Häre­si­en zu ver­ur­tei­len. Es hat die Irr­leh­ren die­ser Zeit nicht bekämp­fen dür­fen, son­dern ihnen die Tore der Kir­che weit geöff­net.
    Und zum Begriff der „Eucha­ri­sie­fei­er“ ist zu ergän­zen, dass das Mess­op­fer am lieb­sten heu­te als „Got­tes­dienst“ bezeich­net wird. Da weiß man nicht ein­mal mehr, was wirk­lich statt­fin­det. Ob es eine hl. Mes­se ist oder sonst etwas ande­res.

  3. Dan­ke. Han­na Jüng­ling.
    Ave Maria, gra­tia ple­na;
    Domi­nus tecum;
    bene­dic­ta tu in mulie­ri­bus,
    et bene­dic­tus fruc­tus ven­tris tui, Iesus.

    Sanc­ta Maria, Mater Dei,
    ora pro nobis pec­ca­to­ri­bus
    nunc et in hora mor­tis nostrae.
    Amen.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  4. Stark!!! Abso­lut bril­li­an­te Tex­te — vie­len Dank an Frau Jüng­ling und an die Redak­ti­on für’s Ver­öf­fent­li­chen! Sehr dicht, inhalts­reich, inspi­rie­rend, scharf­sin­nig und hoch­in­ter­es­sant; und merk­wür­dig, über die­sen Tau­mel­l­olch hat­te ich zu erst mal bei dem Eth­no­bo­ta­ni­ker bzw. ‑myko­lo­gen R. Gor­don Was­son gele­sen, im Zusam­men­hang mit den eleu­si­ni­schen Myste­ri­en; Hypo­the­se, daß da evtl. Zube­rei­tun­gen die­ses Tau­mel­l­olchs bzw. des dar­auf wach­sen­den Pil­zes eine Rol­le gespielt haben könn­ten als psy­cho­ak­ti­ve Sub­stan­zen ähn­lich die­sen Mut­ter­korn-Alka­lo­iden (wor­aus der Che­mi­ker Hoff­mann dann — wie er schrieb — ’sein Sor­gen­kind‘ LSD syn­the­ti­sier­te); daß da viel­leicht auch eine Ver­bin­dung zu dem ‚Unkraut‘ im Weizen[!]-Feld bei Mat­thä­us besteht, daß die­ses Unkraut blind und tau­melnd macht und kla­re Sicht und Ver­stand ein­trübt, macht Sinn, abso­lut. Wer­de Ihre Tex­te aus­drucken und noch eini­ge Male lesen (müs­sen!), da sind sovie­le Gedan­ken, Ideen, Zusam­men­hän­ge, die auch zum Wei­ter­ver­fol­gen bzw. ‑recher­chie­ren her­aus­for­dern … — also vie­len Dank (auch) dafür!!! GLG, GW.

    • [Berich­ti­gung: der Schwei­zer Che­mi­ker hieß Albert Hof­mann (mit einem ‚f‘), 19o6 — 2oo8]

    • Kann mich den Wor­ten des geschätz­ten @GW nur anschlie­ßen. Wie­der eine wun­der­bar dich­te, sprach­lich aus­ge­feil­te, auf­rüt­teln­de und über­zeu­gen­de Ana­ly­se, nach deren Lek­tü­re man nur sagen kann: Ja, so ist es!
      Ver­lin­ken — aus­drucken ‑wei­ter­ge­ben!

  5. Die Ana­ly­se Joh. XXIII ist hoch­in­ter­es­sant und sehr mutig. Mir stockt der Atem, wenn ich das lese und ich muß an „Des Kai­sers neue Klei­der“ den­ken: der ist ja nackt.

    Ich erin­ne­re mich an die Radio-Nach­rich­ten als Joh. XXIII tage­lang mit dem Tod rang. Ich war damals noch ein Kind, aber ich erin­ne­re mich genau wie damals nicht weni­ge Leu­te sag­ten: „der kann nicht ster­ben, weil er uns das ange­tan hat mit die­sem Kon­zil“.

  6. In Ihrem Bei­trag, Frau Jüng­ling, ist wirk­lich viel ent­hal­ten. Sie schrei­ben: „Es steht abzu­war­ten, was man im lit­ur­gi­schen Gesche­hen an den geist­lich lee­ren Platz des Herrn in medio stel­len wird.“

    Ich ken­ne eine Bischofs­kir­che, da hat man den Hoch­al­tar abge­baut und die Reli­quie, die dort seit dem 13. Jh. (also 800 Jah­re lang) ver­bor­gen war – ein ca. 10 cm gro­ßes Stück Kno­chen des Hl. Andre­as (!) – aus­ge­stellt muse­ums­mä­ßig zusam­men mit ande­ren Din­gen in einem Glas­schrein, gleich neben dem Haupt­ein­gang des Doms. Rechts wenn man rein­kommt, in einem Sei­ten­raum, man stol­pert fast dar­über. Ohne Zei­chen der Ver­eh­rung, ange­bracht wie ein pro­fa­ner Aus­gra­bungs­fund.

    Dort wo der Hoch­al­tar war, d.h. der Taber­na­kel und die Reli­quie des Hl. Andre­as, dort befin­det sich heu­te in medio der Thron des Diö­ze­san­bi­schofs.

  7. Zu Johan­nes XXIII. Namens­wahl gibt es die The­se, dass er sich ganz bewusst nach Johan­nes dem Täu­fer benannt hat. Dem­nach wäre Johan­nes XXIII. der Vor­ankün­di­ger der neu­en Kir­che, der Kon­zils­kir­che, die den Anti­christ her­vor­brin­gen wür­de. Paul VI. wäre dann der Grün­der die­ser neu­en Kir­che.

  8. Nicht nur auf kath.net, son­dern auch auf gloria.tv, wird jeder scharf zen­siert, der die kla­re katho­li­sche Kan­te zeigt.

    • Auf gloria.tv auch? Das habe ich noch nicht gewusst.

      In ande­ren (bis­lang?) kon­ser­va­ti­ven Foren wie Kreuzgang.org wird Herrn Nar­di inzwi­schen kirch­li­ches Emp­fin­den abge­spro­chen. Das ist ein­fach trau­rig.

  9. Ich wer­de hier aus der Rei­he tan­zen mit den zustim­men­den Kom­men­ta­ren, aber ich neh­me es hin.
    Die Autorin erwähnt Erz­bi­schof Lef­eb­v­re und Bischof de Castro May­er nicht. Das ist von der Sicht der Kir­chen­ge­schich­te her ein Feh­ler. Der des­halb gra­vie­rend ist, weil er zu einer Ver­gei­sti­gung der Situa­ti­on führt, die der katho­li­schen Kir­che nicht ange­mes­sen ist.
    Wenn ich davon aus­ge­he, dass die Wie­der­kunft Jesu Chri­sti in naher Zukunft bevor­steht, mag die­se Ver­gei­sti­gung gerecht­fer­tigt sein.
    Doch wir ken­nen die­sen Zeit­punkt nicht. Der Vor­wurf der Ver­dies­sei­ti­gung, der einem trifft, wenn man dar­auf hin­weist, ist abso­lut unzu­tref­fend. Die Kir­che hat bis zum unse­li­gen II. Vati­ka­num stets gelehrt, dass wir hier auf Erden nur Gast sind, dass unser Ziel der Him­mel, die Ver­ei­ni­gung mit Gott ist. Danach ist unser Leben ganz kon­kret aus­zu­rich­ten. Die Pre­dig­ten in Kapel­len der FSSPX sind in die­ser Hin­sicht ein­deu­tig.
    Papst Bene­dikt gehört in die Rei­he der Moder­ni­sten. Die Situa­ti­on ist des­halb unfair, weil ich das nach­wei­sen kann, 2000 Zei­chen rei­chen dazu kei­nes­falls aus, denn ich bin nur Kom­men­ta­to­rin.
    Ratz­in­ger war stets ein gemä­ßig­ter Moder­nist, der die Tra­di­ti­on an die moder­ne Welt anpas­sen, aber nicht auf sie ver­zich­ten woll­te. Ob er sie damit auf­weicht, hat er sich nie gefragt.
    Er war in sei­nem Stil, sei­ner Wür­de, sei­ner per­sön­li­chen Inte­gri­tät ein­drucks­voll. Er besaß in die­ser Hin­sicht alles, was einem Fran­zis­kus abgeht.
    Ich ver­tre­te die Auf­fas­sung: Bis zur Wie­der­kunft Chri­sti muss die katho­li­sche Kir­che fort­be­stehen. Sie kann sich auf das siche­re Fun­da­ment der Leh­re her­aus­ra­gen­der Päp­ste der Neu­zeit bezie­hen. Auch wenn sie gei­stes­ge­schicht­lich in eine Min­der­hei­ten­po­si­ti­on gera­ten ist, an ihrem Wahr­heits­an­spruch ändert das nichts.
    Das zu leben, bedeu­tet Nach­fol­ge Jesu Chri­sti, Kreu­zes­nach­fol­ge. In den „Kapel­len der Tra­di­ti­on“ men­schelt es, es ist mit­un­ter sehr müh­sam. Doch davor zu flie­hen, bedeu­tet die Kir­che auf­zu­ge­ben. Ich habe dazu kein Recht.

    • Vie­len Dank für Ihre kri­ti­schen Anmer­kun­gen. Sie haben ver­schie­de­ne, nicht direkt mit­ein­an­der ver­knüpf­te Aspek­te so inein­an­der ver­schränkt, dass ich nur geson­dert auf ein­zel­nes ein­ge­hen kann — sie müs­sen m.E. ana­ly­tisch von­ein­an­der getrennt wer­den:
      1. Wenn ein Auf­satz ein bestimm­tes The­ma hat, kann dar­in unmög­lich auf alles ein­ge­gan­gen wer­den, was in einem Zusam­men­hang damit steht. Es ist nur ein Auf­satz, bei dem man sein Ziel nicht aus den Augen ver­lie­ren will — er ist ohne­hin schon lan­ge genug…
      2. Die Über­zeu­gung der Levèbvre-Anhänger, sei­ne Bewe­gung sei sozu­sa­gen der Ort, an dem sich die „ech­te“ RKK noch rea­li­siert, tei­le ich nicht, weil sie will­kür­lich und jen­seits der recht­li­chen Ver­fas­sung der Kir­che ver­läuft. Ich kann den Anspruch gei­stig ver­ste­hen, in der Tat, und bestimmt ste­he ich die­ser Rich­tung näher als dem mei­sten, was sich in der soge­nann­ten Kon­zils­kir­che abspielt. Den­noch: was ich zei­gen woll­te, ist die Pro­ble­ma­tik, die mit den apo­ka­lyp­ti­schen Aus­sa­gen der Offen­ba­rung über­ein­stimmt, näm­lich eine Apost­asie inner­halb der recht­mä­ßi­gen Kir­che mit ihrer Auto­ri­tät — nicht außer­halb. Wir haben das Pro­blem, dass wir fal­schen und zugleich recht­mä­ßi­gen Auto­ri­tä­ten stand­hal­ten müs­sen — der Sedis­va­kan­tis­mus ver­kennt das. Ich habe oft über die Stel­le in Offen­ba­rung 9, 1+2 nach­ge­dacht. Dort wird beschrie­ben wie ein Stern vom Him­mel fällt, dem der Schlüs­sel gege­ben ist, den Abgrund zu öff­nen. Er öff­net, der Rauch quillt hoch und ver­fin­stert alles.- Es erscheint mir so, als könn­te man mit die­sem Bild die Situa­ti­on des Papst­tums seit JXXIII. beschrei­ben. Sein Nach­fol­ger hat ja sogar direkt die­se Meta­pho­rik aus­ge­spro­chen (… „der Rauch Satans“).
      3. Dass ich Bischö­fe wie Lefèbvre, May­er, Otta­via­ni, Siri etc. etc. nicht erwäh­ne — lie­be Zeit­los, ich woll­te nicht die Kon­zils­ge­schich­te auf­rol­len, son­dern ihre gro­ße Linie ins Heu­te zie­hen. Es war die Intrig­anz der Pro­gres­si­sten, die ver­eint mit dem Papst ihr fin­ste­res Pro­gramm durch­zie­hen konn­te. —>

      • (Fort­set­zung) —> Das Desa­ster ist „recht­mä­ßig“ durch­ge­zo­gen wor­den. Das Papst­tum, dazu beauf­tragt, der feste Fels auf dem Abgrund zu sein, ist abge­stürzt: seit­her quillt der Rauch Satans hoch und ver­ne­belt, wie nie ver­ne­belt wor­den ist. Es ist ver­ständ­lich, wenn die FSSPX sich eine ortho­do­xe Nische schafft, bit­te veste­hen Sie mich nicht falsch — aber das hat mit der Linie mei­nes Tex­tes nichts zu tun.
        4. Joseph Ratz­in­ger — das ist die ein­zi­ge wirk­lich tra­gi­sche Papst­ge­stalt in die­sem Absturz des Sterns. Er hat (so wie wir alle!) als Jun­ger dem histo­ri­sie­ren­den, moder­ni­sti­schen Ansatz Fol­ge gelei­stet. Durch die gei­sti­ge Posi­ti­on des Natio­nal­so­zia­lis­mus, die den­sel­ben Bewe­gun­gen wider­sprach wie teil­wei­se die ortho­do­xe Leh­re der RKK — wenn auch aus ganz ande­ren Grün­den! — waren wir alle sehr bemüht, uns davon zu distan­zie­ren. Ratz­in­ger hat sich im Lauf sei­nes Lebens davon Schritt für Schritt wie­der abge­wen­det. Das kann man nachzeichnen.Worüber er sich kei­ne Gedan­ken gemacht hat, wie Sie ihm leicht­fer­tig unter­stel­len, weiß ja wohl kei­ner, oder? Am Ende ließ ihn Gott Papst wer­den. Er muss­te das Gift­ge­misch, das er selbst mit­pro­du­ziert hat­te, nun trin­ken. Ich bin mir sicher, dass Bene­dikt XVI. hin­ter den Mau­ern sitzt und betet. Er wird Tag und Nacht sei­ne Sün­de bereu­en. Er konn­te jedoch in die­sem Sta­di­um der Kir­chen­ge­schich­te nichts mehr aus­rich­ten — sein Kreuz, sein wirk­li­ches Kreuz! Was hät­te er tun sol­len? Er woll­te ein demü­ti­ger Die­ner im Wein­berg des Herrn sein und ist es auch (inzwi­schen). Aber sei­ne Demut kam zu spät. Er hat selbst gesagt, dass er zwei Din­ge in sei­nem Leben zutiefst bereut. Das eine ist Fati­ma. Das ande­re, das er nicht sag­te, ist wahr­schein­lich sein eige­ner moder­ni­sti­scher Irr­tum. Denn Fati­ma hängt damit unmit­tel­bar zusam­men.
        5. Ich habe nie­mals bestrit­ten, dass die RKK bis zur Wie­der­kunft Chri­sti fort­be­steht — das Ver­sa­gen des Papst­tums geht für mich aus der Off.d. Joh. her­vor — damit fällt die RKK in Apost­asie, aber sie besteht fort.

        • Und noch ein Nach­trag: http://www.domradio.de/audio/vortrag-prof-dr-karl-heinz-menke-die-unverzichtbarkeit-der-wahrheitsfrage-ein-grundanliegen
          Hier reflek­tiert Prof. K.H. Men­ke den Wahr­heits­be­griff Ratz­in­gers. Der Vor­trag ist hoch­in­ter­es­sant! (Ich tei­le aber nicht alle Ansich­ten — bit­te nicht wie­der miss­ver­ste­hen — es geht dar­um, Ratz­in­ger zu ver­ste­hen.)
          Viel­leicht ist die Tra­gik Ratz­in­gers auch, dass er genau sieht, wel­cher theo­re­ti­scher Über- und Unter­bau den scho­la­sti­schen Wahr­heits­be­griff fast — fast! — ad absur­dum geführt hat. Qua­si die Emsig­keit, die ver­sucht, Goli­ath dadurch zu besie­gen, dass sie sich „doped“, um genau­so mus­ku­lös zu wer­den wie der Rie­se.
          Der geziel­te Schuss einer Stein­schleu­der wür­de indes genü­gen, um den groß­kot­zi­gen Koloss zu stür­zen. (Das ist nun mei­ne Ansicht.)
          Das hat Ratz­in­ger viel­leicht, selbst ein gro­ßer Gelehr­ter, nicht sehen kön­nen. Die Fra­ge ist bloß, wel­cher ein­fa­che Schuss das sein könn­te…? Denn das ist wohl die Fra­ge der Fra­gen. Es ist ein Gna­den­schuss Got­tes, der uns — so sieht es SEIN Rat­schluss bis jetzt vor, nicht gewährt wur­de. Auch das, lie­be Zeit­los, gilt es demü­tig anzu­neh­men — wir müs­sen es aus­hal­ten, das ist uns ver­ord­net. Ratz­in­ger sieht hier viel­leicht „vor lau­ter Bäu­men den Wald“ nicht. Aber was er wahr­nimmt, ist natür­lich rich­tig und fasst die kom­ple­xe gei­sti­ge Pro­ble­ma­tik unse­rer Zeit zusam­men.

        • Lie­be zeit­schnur, herz­li­chen Dank für den groß­ar­ti­gen Arti­kel. Kön­nen Sie mir wei­ter­hel­fen, weil mir da das Wis­sen fehlt: Was hat es mit Bene­dikt und Fati­ma auf sich?
          Vie­len Dank für einen kur­zen Hin­weis!

          • .. ach ja, sehr aus­führ­lich behan­delt auch jenes Buch die Rol­le des Kar­di­nal Ratz­in­gers in der Fati­ma-Sache, aller­dings kam es noch wäh­rend des Pon­ti­fi­kats JPII. her­aus: Mark Fel­lows: Fati­ma in Twi­light. Gibt es zur Zeit ganz bil­lig gebraucht auf Ama­zon in Deustch­land

      • Zu Punkt 2.: Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat nie den Anspruch erho­ben, etwas Neu­es zu leh­ren. Das haben Sie auch nicht behaup­tet. Doch ich beto­ne: Er hielt sich stets an das über­lie­fer­te Lehr­amt, bezog sich immer wie­der auf die Päp­ste. Die­se Päp­ste der Neu­zeit waren ein­drucks­vol­le Hir­ten. Ihr per­sön­lich-mora­li­scher Lebens­wan­del war ein­wand­frei, ihre Fröm­mig­keit ist beein­druckend, wenn ich ihre Gebe­te lese, ihr Lehr­amt kraft­voll, mutig, intel­li­gent. Doch sie haben — wenig­stens vor­über­ge­hend für län­ge­re Zeit — den Glau­bens­kampf ver­lo­ren. Ich emp­fin­de das als unglaub­lich schmerz­lich.
        Die Päp­ste hat­ten eine glau­bens­treue, gut arbei­ten­de Kurie auf­ge­baut. Sie wur­de ab Johan­nes XXIII., ver­stärkt durch Paul VI. in ihrer Struk­tur ver­än­dert, geschwächt. Unter Johan­nes Paul II., stän­dig auf Welt­rei­sen, ist ein undurch­schau­ba­rer, mora­lisch zwei­deu­ti­ger Macht­ap­pa­rat dar­aus gewor­den. Mit der frü­he­ren, dem Papst erge­be­nen Kurie hat er wenig gemein­sam.
        Erz­bi­schof Lef­eb­v­re wur­de um sei­ner Glau­bens­treue wil­len exkom­mu­ni­ziert, erst sus­pen­diert. Er hat nichts mit den Sedis­va­kan­ti­sten gemein, die ihn als ihren gro­ßen Feind bekämp­fen.
        Die Päp­ste war­fen ihm nie lehr­mä­ßi­ge Feh­ler vor, son­dern stets sei­nen man­geln­den Gehor­sam ihnen gegen­über.
        Es ist schmerz­lich, es ist ein Kreuz: Natür­lich gibt es Erstar­rung, Eng­stir­nig­keit. Der katho­li­sche Glau­be, die katho­li­sche Kir­che befin­det sich in einer Not­si­tua­ti­on. Es gibt nichts zu beschö­ni­gen, zu ver­klä­ren im Umfeld der FSSPX. Aber unzwei­fel­haft tref­fe ich hier auf den Glau­ben nicht nur mei­ner Vor­fah­ren, son­dern der mei­sten gro­ßen Hei­li­gen, Män­ner und Frau­en.
        Der Glau­be der Kon­zils- und Post­kon­zils­kir­che ist dage­gen zum Syn­kre­tis­mus ver­kom­men. Zu einer uner­träg­li­chen Bana­li­sie­rung der Erlö­sung durch den Gott­men­schen Jesus Chri­stus, dem ein­zi­gen Ret­ter der Welt.
        Abschlie­ßend möch­te ich bemer­ken, dass ich Ihre Kom­men­ta­re und Bei­trä­ge als gei­stig anre­gend, wert­voll, bele­bend emp­fin­de. Ich schät­ze sie — Sie — sehr.

        • Viel­leicht, lie­be Zeit­los, ist unser Dis­senz dar­in begrün­det, dass Sie sich das „Vor­her — Nach­her“ in der Kir­che seit dem Kon­zil sehr scharf und „fron­tal“ vor­stel­len. Die Tat­sa­che, dass fast kei­ner der Wei­he­trä­ger, die das bewusst mit­er­lebt haben, in die­ser Pro­ble­ma­tik über­haupt klar­sieht, ist ein Hin­weis dar­auf, dass es die­ses scharf-getrenn­te „Vor­her-Nach­her“ nicht gibt. Ich sag es mal salopp: von nix kommt nix! Viel­leicht ver­klä­ren Sie die Ver­hält­nis­se vor dem Knzil doch etwas. Die Kata­stro­phen­ge­stal­ten JXXIII und Paul­VI. muss­ten ja irgend­wo her kom­men — und zwar aus der guten alten Zeit. Die intri­gan­ten Pro­gres­si­sten sind ja eben­falls nicht vom Him­mel gefal­len, son­dern unter den „guten“ Päp­sten aus­ge­bil­det wor­den. Zwar wur­den sie abge­wehrt, aber doch hat irgend­wer in die­ser Kir­che sie sich doch her­an­ge­zo­gen — oder? Irgend­wer muss doch die Ron­cal­li, Mon­ti­ni, Küng, Con­gar, Frings und wie sie alle hei­ßen, mal sehen­den Augens zu Prie­stern geweiht haben, auf Lehr­stüh­le gesetzt, zu Bischö­fen gemacht haben. Zeit­los, der „Wurm­fraß“ wirk­te schon lan­ge, wur­de aber durch die immer noch star­ke Beset­zung der expo­nier­ten Stel­len auf dem Spiel­brett noch segens­reich aus­ge­gli­chen. Wer hat JXXIII. und PVI. zu Päp­sten gewählt? Sie hät­ten — mit ihrem häre­ti­schen Den­ken — nie­mals in die­se Posi­tio­nen kom­men dür­fen! Mit ihnen brach das offen­bar schon mor­sche Gebil­de zusam­men. Das ist bit­te­re Rea­li­tät. Die mei­sten alten Hir­ten sind außer­stan­de, das klar zu sehen. Sie jam­mern zwar über den Ver­fall, aber sie erken­nen nicht, dass sie selbst ihn her­vor­ge­bracht haben. Es hat etwas Schi­zo­phre­nes! Sie sind blin­de Blin­den­füh­rer. Es sind die Jun­gen, die von den Alten um eine gute Grund­la­ge gebracht wor­den sind, von der jene noch zeh­ren wie die Maden im Speck, fett und rund wer­den sie ster­ben. Uns haben sie die Sub­stanz weg­ge­fres­sen.

          • NUn, ich habe das immer so emp­fun­den, dass man vor lau­ter Begei­ste­rung, dass das drit­te Reich zu Ende war, und die Kir­che da, zwar bles­siert, aber den­noch intakt den Unter­gang über­stan­den hat, irgend­wie der Ansicht war, jetzt sei alles Böse ver­nich­tet und besiegt .
            SO wur­de man leicht­sin­nig und unter­lies es aus der Geschich­te zu ler­nen.
            Man hat­te die Schlacht über­lebt, die ver­lo­re­nen Schäf­chen waren reue­voll zurück­ge­kehrt, und man dach­te nun, es kommt kei­ne ernst­haf­te Aus­ein­an­der­set­zung mehr!

  10. Nach­trag:
    Ich zweif­le nicht an der per­sön­li­chen Tra­gik von Joseph Ratz­in­ger — Papst Bene­dikt XVI. Ich kann auch die gei­stes­ge­schicht­li­che Situa­ti­on sei­ner Genera­ti­on und der vor­he­ri­gen berück­sich­ti­gen, ihn von daher ent­schul­di­gend ver­ste­hen.
    Aber ich bin ja gar nicht sei­ne Rich­te­rin. Wir alle haben einen Rich­ter, vor dem wir uns zu recht­fer­ti­gen haben, der rich­ten wird…
    Ich kann aber den moder­ni­sti­schen Ein­fluss die­ses Pap­stes, die­ses Kir­chen­man­nes, der der Kir­che sein Leben lang gedient hat, nicht rela­ti­vie­ren.
    Erz­bi­schof Lef­eb­v­re muss­te exkom­mu­ni­ziert ster­ben. Er hat­te nie etwas gelehrt, was dem katho­li­schen Glau­ben nicht ent­sprach. Wahr­schein­lich wäre der über­lie­fer­te römi­sche Ritus, die Mes­se aller Zei­ten, aus­ge­stor­ben, hät­te Erz­bi­schof Lef­eb­v­re nicht Bischö­fe geweiht, die das Über­le­ben die­ses kost­ba­ren Gutes der Kir­che sicher­ten. Des­halb wur­de er exkom­mu­ni­ziert. Um der „Mes­se aller Zei­ten wil­len“, dem für mich höch­stem Gut…

    • Das ist wirk­lich eine unge­rech­te und schmerz­haf­te Situa­ti­on. Übri­gens nicht das erste Mal in der Kir­chen­ge­schich­te, dass die eigent­li­chen Refor­mer total ver­kannt und miss­han­delt wer­den — ich den­ke da an Johan­nes vom Kreuz zum Bei­spiel, der schon den pas­sen­den Ordens­na­men für das Phä­no­men hat­te. Auch im Klei­nen sind da schreck­lich­ste Ver­ken­nun­gen und Intri­gen gesche­hen. Mich hat dies­be­züg­lich zum Bei­spiel auch die Geschich­te der Ordens­schwe­ster Rosa Flesch http://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Flesch schmerz­lich berührt.
      In letz­te­rem Bei­spiel tritt uns die Fra­ge des Gehor­sams gegen­über — wie weit darf er gehen, wie weit muss er gehen?
      Ich per­sön­lich emp­fin­de den Zustand der Kir­che manch­mal wie einen phy­si­schen Schmerz. Aber es ist mir eine Ehre, das so emp­fin­den zu dür­fen, weil unser Herr dies und noch viel mehr gelit­ten hat. Es ist mein der­zei­ti­ger Anteil an sei­nem Lei­den oder auch am Schwert, das durch die See­le Mari­as geht.
      Ich habe übri­gens die Sedis­va­kan­ti­sten nicht mit den FSSPX-Leu­ten in eins wer­fen wol­len. Nur gibt es die eben auch in der Linie der Tra­di­ti­ons­treu­en, und man kann ihre Gedan­ken nur zu gut ver­ste­hen. Aber ich hal­te sie den­noch nicht für rich­tig.
      Was die Mes­se aller Zei­ten betrifft, habe ich die Befürch­tung, dass F. sie durch eine schlim­me Lit­ur­gie­re­form stür­zen könn­te. Nur so kann er summorum pon­ti­fi­cum „wei­ter­füh­ren“ und gleich­zei­tig den Usus anti­qui­or wie­der außer Kraft set­zen.

  11. Durch zwei län­ge­re Nach­trä­ge Ihrer­seits bin ich natür­lich arg ins „Hin­ter­tref­fen“ gera­ten…
    Damit wir nicht anein­an­der vor­bei­re­den: Mei­ne Maß­stä­be sind die Päp­ste der Neu­zeit, endend mit Pius XII., her­aus­ra­gend ist für mich der hl. Pius X.
    Endend heißt nicht, dass ich der sedis­va­kan­ti­sti­schen Spin­ne­rei zum Opfer gefal­len bin, ab 1958 befin­de sich die Kir­che in der Sedis­va­kanz. Die sedis­va­kan­ti­sti­sche Split­ter­grup­pe ver­tritt die­se The­se tat­säch­lich, mit Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat das nichts zu tun.
    Der Theo­lo­ge Joseph Ratz­in­ger wäre unter Pius X. ent­we­der zum Wider­ruf meh­re­rer Aus­sa­gen gezwun­gen oder exkom­mu­ni­ziert wor­den. Eine ande­re Alter­na­ti­ve hät­te es für ihn nicht gege­ben. Sei­ne beein­drucken­de Kar­rie­re konn­te er erst unter Johan­nes XXIII. star­ten.
    Joseph Ratz­in­ger — Papst Bene­dikt XVI. ist unter den Kon­zils- und Post­kon­zil­späp­sten „ein Rie­se“.
    Doch was haben die­se Päp­ste aus der katho­li­schen Kir­che gemacht? Das Herz wird mir schwer, ich höre an die­ser Stel­le lie­ber auf…

    • Zeit­los, Ihre Befürch­tung, dass F. den über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus durch eine Lit­ur­gie­re­form zer­stö­ren wird, tei­le ich. Doch die FSSPX kann er nicht tref­fen, und sie ist fest­ge­legt auf die Bücher von 1962.
      Wie sich dann die ande­ren tra­di­tio­nel­len Prie­ster­bru­der­schaf­ten ver­hal­ten wer­den, falls es geschieht, weiß man heu­te nicht.
      Ich will mir auch jetzt nicht vor­stel­len, wie es dann den Katho­li­ken ergeht, für die „Summorum pon­ti­fi­cum“ wie eine „lit­ur­gi­sche Befrei­ung“ war. Es kom­men här­te­re Tage, F. steht mit sei­nem unheil­vol­len Wir­ken erst am Anfang. Des­sen bin ich mir sicher…

  12. Es ist immer leicht zu urtei­len, wenn man nicht vor der Ent­schei­dung steht.
    Josef Ratz­in­ger ist sei­nen Weg gegan­gen und hat mit der gan­zen Kraft sei­ner Per­sön­lich­keit ver­sucht die Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät, sprich die Anbin­dung der Kir­che, wie sie nach dem Kon­zil nun mal ist an die Leh­re und Lit­ur­gie der Kir­che Jesus Chri­stus zu errei­chen.
    ALso um ein ein­fa­ches Bild zu gebrau­chen den gebro­che­nen Kno­chen zu schie­nen damit er hei­len kann.
    Es kann dich nie­mand die Zeit zurück­dre­hen!
    Er betet nun in sei­nem selbst­ge­wähl­ten Exil und wird, den­ke ich lei­den., wenn er sieht wie sein Nach­fol­ger agiert.
    Man kann lan­ge drü­ber strei­ten, wer wann wie war­um Schuld oder nicht Schuld hat, aber die Lage ist wie sie ist und mei­ner Ansicht nach ist Zeit nicht der Bes­ser­wis­se­rei, son­dern des Lei­dens, und damit Süh­nens.
    Wenn wir dahin kom­men, das Kreuz nach­kon­zi­lia­rer Ver­wir­rung anzu­neh­men, wer­den sich Wege eröff­nen, die schon immer da sind, die aber kei­ner aktu­ell sieht.
    So ist das fast phy­si­sche Lei­den der Frau Zeit­schnur, das ich auch ken­ne, und wegen dem ich auch mei­nen Weg abseits der Gemein­de vor Ort suche, weil ich die­se Tra­la­la Got­tes­dien­stes, bei aller Bereit­schaft zur Kreu­zes­nach­fol­ge nicht aus­hal­te, schon Weg zum Heil.

  13. Im Grun­de sehe ich Ratz­in­ger und Lef­eb­v­re trotz phi­lo­so­phi­scher und theo­lo­gi­scher Ver­schie­den­hei­ten nicht als Geg­ner, son­dern als Ver­bün­de­te, die in unter­schied­li­chen Lagern kämpf­ten. Lef­eb­v­re wähl­te kon­se­quent den „Bruch“, was gut und nötig war, Ratz­in­ger ver­such­te, den Riss im Innern zu hei­len und wur­de sei­ner­seits dafür hef­tig ange­fein­det. Das wirk­lich Tra­gi­sche war, dass bei­der Wir­ken unter Bene­dikts Pon­ti­fi­kat nicht wie­der zu einem gemein­sa­men Wir­ken für die Tra­di­ti­on zusam­men­fin­den konn­te, wie es wohl im Heils­plan Got­tes beschlos­sen war. Doch Gott wird ver­mut­lich neue Wege fin­den. Blei­ben wir gelas­sen.

    • @hicesthodie
      Ihnen ist klar das Ratz­in­ger und die „Sub­si­stit in Leh­re“ zusam­men gehö­ren.
      Der onto­lo­gi­sche Angriff auf die Jung­frau­en­schaft der Mut­ter Got­tes in sei­nem Buch „Ein­füh­rung in das Chri­stum“ haben Genera­tio­nen von Theo­lo­gen und Prie­ster gele­sen und im gutem Glau­ben ver­in­ner­licht. Sei­ne Inter­pre­ta­ti­on des 3. Geheim­nis­ses von Fati­ma ist ein Ende der Pro­phe­zei­ung. „Am Ende wird ihr unbe­fleck­tes nicht sie­gen son­dern tri­um­phie­ren“. Ein klei­ner aber sehr wich­ti­ger Unter­schied. Er hat die Mes­se aller Zei­ten frei­ge­ge­ben die nie ver­bo­ten war und hat sie nie­mals sel­ber zele­briert. In Ber­lin hat er „Pro Mul­tis“ gesagt und der Über­set­zer brav „Für vie­le“. In Frei­burg hat er wie­der „Für alle“ gepre­digt. Trotz der War­nun­gen von ita­lie­ni­schen katho­li­schen Intel­lek­tu­el­len ist er wie­der nach Assi­si gegan­gen. Er ist zurück­ge­tre­ten und hat Ber­go­glio den „Durch­ein­an­der­brin­ger“ an die Macht gebracht. Das sind die Früch­te. Was soll das in Mano­pel­lo, das wah­re Tuch hat immer in Rom gele­gen. Er gehört zum System. Berei­ten wir uns vor. „Him­mel und Erde wer­den ver­ge­hen aber sei­ne Wor­te nicht“.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  14. Ich weiß aus sehr zuver­läs­si­ger Quelle,ein zufäl­li­ges pri­va­tes Gespräch, dass sich zufäl­lig ergab, dass der Kar­di­nal Ratz­in­ger, wenn er die Mes­se allei­ne zele­brier­te (was nach der nach VII Theo­lo­gie ja abso­lu­tes nogo ist) im alten Ritus zele­brier­te.
    Ich war in Frei­burg und er hat sehr gut gepre­digt und ich habe da nix von wegen Aller­lö­sung her­aus­ge­hört, das nur zur Klar­stel­lung.
    Bekannt ist, das er sich als Kar­di­nal gegen Assi­si geäu­ßert hat, und dann doch hin­ge­gan­gen ist.
    Aber man müss­te auch mal sehen, dass er ver­sucht hat eine fast unmög­li­che Grad­wan­de­rung zu gehen, und wirk­lich, in aller mensch­li­cher Unzu­läng­lich­keit, an der ja jeder lei­det, ver­sucht hat, den Riss (der ja immer schlim­mer wird) zu hei­len,

    Ich per­sön­lich bezwei­fel immer mehr, dass er zurück­ge­tre­ten wäre, wenn er gewusst hät­te was nach kommt.

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