Island will Online-Pornographie verbieten — Erstes pornofreies Land?

Island will Internet-Pornographie verbieten, Herstellung von "klassischer" Pornographie und ihre Verbreitung sind bereits verboten(Reykjavà­k) Im Febru­ar hat Islands Innen­mi­ni­ster Ögmun­dur Jónas­son eine Arbeits­grup­pe ein­ge­setzt, die an einem Gesetz­ent­wurf arbei­tet mit dem Ziel, Inter­net-Por­no­gra­phie völ­lig von der Insel zu ver­ban­nen. Auf der Insel gilt bereits seit eini­gen Jah­ren ein Ver­bot, por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al zu drucken und zu ver­brei­ten. Die­ses Ver­bot, so die Absicht des Mini­sters, soll­te auf das Inter­net aus­ge­dehnt wer­den, das zur größ­ten Por­no­schleu­der der Geschich­te gewor­den ist.

„Wir müs­sen über ein Por­no­gra­phie­ver­bot spre­chen kön­nen, die – dar­in sind wir uns alle einig – sehr schäd­li­che Aus­wir­kun­gen auf unse­re Jugend hat und da ein offen­sicht­li­cher Zusam­men­hang zu Gewalt­ver­bre­chen an Frau­en besteht“, sag­te der Mini­ster. Jónas­son gehört der Links-Grü­nen Bewe­gung an, die nach den Par­la­ments­wah­len 2009 mit der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Alli­anz die Regie­rung der Insel­re­pu­blik bil­de­te.

Internet-Filter als digitale Schutzmauer entwickelt

Als Teil der Arbeits­grup­pe des Innen­mi­ni­sters wur­de eine Grup­pe von Inter­net­pro­gram­mie­rern gebil­det, mit dem Auf­trag einen Fil­ter zu ent­wickeln. Er soll eine digi­ta­le Schutz­mau­er gegen Por­no­gra­phie bil­den. Die Juri­sten der Arbeits­grup­pe bau­ten in den Gesetz­ent­wurf eine Bestim­mung ein, die vor­sieht, islän­di­sche Kre­dit­kar­ten zu sper­ren, mit denen im Inter­net por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al erwor­ben wird.

Vor zwei Jah­ren hat die­sel­be Regie­rung das islän­di­sche Par­la­ment davon über­zeugt, Rot­licht­lo­ka­le zu ver­bie­ten. Begrün­det wur­de die Maß­nah­me zwar nicht mit der Ver­let­zung der Men­schen­wür­de, aber mit der Ver­let­zung der bür­ger­li­chen Rech­te der Frau­en, die dort „arbei­ten“. Das Gesetz war vor allem von Mini­ster­prä­si­den­tin Jóhan­na Sigurà°ardóttir (Alli­anz) gewollt, der ersten erklär­ten les­bi­schen Regie­rungs­chefin der Welt.

Setzt neue Mitte-rechts-Regierung das Anliegen fort?

Bei den Par­la­ments­wah­len am 23. Mai wur­de die Links­re­gie­rung abge­wählt. Die libe­ra­le Fort­schritts­par­tei und die euro­skep­ti­sche libe­ral­kon­ser­va­ti­ve Unab­hän­gig­keits­par­tei haben eine neue Regie­rung gebil­det. Neue Innen­mi­ni­ste­rin ist die 45jährige Poli­to­lo­gin Han­na Bir­na Krist­jáns­dót­tir von der Unab­hän­gig­keits­par­tei. Auf der offi­zi­el­len Inter­net­sei­te der neu­en Regie­rung heißt es, daß ein Haupt­punkt der Regie­rungs­po­li­tik „die Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gun­gen der islän­di­schen Fami­lie“ ist.

Damit wären die Vor­aus­set­zun­gen gege­ben, den Gesetz­ent­wurf der Vor­gän­ger­re­gie­rung zum Ver­bot von Inter­net-Por­no­gra­phie wei­ter­zu­tra­gen. In Island kann auch nicht das Argu­ment ins Tref­fen geführt wer­den, daß mit einem Online-Ver­bot die „klas­si­sche“ Por­no-Indu­strie geför­dert wer­de und damit eine Wett­be­werbs­ver­zer­rung erfol­ge, da die­se bereits ver­bo­ten ist. In ande­ren Län­dern wür­de die­ses Argu­ment sicher umge­hend in die Dis­kus­si­on ein­ge­bracht wer­den.

Was in Island geschieht, wird auf­merk­sam von einem Teil der bri­ti­schen Öffent­lich­keit ver­folgt. Soll­te das islän­di­sche Par­la­ment ein Ver­bot erlas­sen, ist es nicht aus­ge­schlos­sen, daß ein ähn­li­cher Vor­stoß im bri­ti­schen Par­la­ment unter­nom­men wird. Als im April 2012 der Abschluß­be­richt zur Child Online Pro­tec­tion durch das Par­la­ment in Lon­don ange­nom­men wur­de, hat­ten bei der par­la­men­ta­ri­schen Anhö­rung alle ange­hör­ten Exper­ten eine Ver­schär­fung der Schutz­maß­nah­men für Kin­der im Inter­net gefor­dert.

Kritisches Hinterfragen behindert, da Pornoschwemme Folge der 68er Revolution

Wie sieht die Lage in Euro­pa all­ge­mein aus? Die explo­si­ons­ar­ti­ge Aus­brei­tung der Por­no­gra­phie war ein Pro­dukt der Sexu­el­len Revo­lu­ti­on und damit Teil der 68er-Revo­lu­ti­on. Die­se Ver­knüp­fung blockiert bis heu­te ein kri­ti­sches Hin­ter­fra­gen und eine auf­merk­sa­me Unter­su­chung ihrer schäd­li­chen Fol­gen. Erst in den 80er Jah­ren war die erste Trun­ken­heit der 68er soweit abge­klun­gen, daß Ver­su­che einer Ana­ly­se unter­nom­men wer­den konn­ten. 1984 leg­te das For­schungs­in­sti­tut Euris­pes den 1. Bericht über Por­no­gra­phie in Ita­li­en vor. Die wis­sen­schaft­li­che Stu­die war vom Päpst­li­chen Rat für die sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel geför­dert wor­den. Seit dem 5. Bericht, der 2005 erschien, wird das The­ma von Euris­pes nur mehr am Ran­de gestreift.

Auch die Stän­di­gen Ver­tre­tun­gen des Hei­li­gen Stuhls bei den inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen schei­nen das The­ma seit Jah­ren „auf­ge­ge­ben“ zu haben. Der letz­te Vor­stoß war eine Rede von Cathy Mur­phy, einer Bera­te­rin der Stän­di­gen Ver­tre­tung des Vati­kans bei den Ver­ein­ten Natio­nen, die im Okto­ber 2010 vor dem Drit­ten Komi­tee der UN-Voll­ver­samm­lung in der Gene­ral­de­bat­te über die Situa­ti­on der Frau, Geset­ze „gegen die Pro­sti­tu­ti­on, die Kin­der­por­no­gra­phie und die sexu­el­le Aus­beu­tung zum bes­se­ren Schutz von Frau­en und Kin­dern“ for­der­te.

Der gene­rel­len Abnah­me des Inter­es­ses ent­spricht aller­dings kein Rück­gang des Phä­no­mens. Die Zahl der zur Anzei­ge gebrach­ten Sexu­al­straf­ta­ten bleibt kon­stant hoch, das gilt auch für Straf­ta­ten, die direkt mit der Pro­sti­tu­ti­on und Por­no­gra­phie Min­der­jäh­ri­ger zusam­men­hän­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

2 Kommentare

  1. Bei mir ver­mag da kei­ne Freu­de auf­zu­kom­men. Wenn ein sol­ches Fil­ter­sy­stem ein­mal errich­tet ist, wird es als­bald genutzt wer­den, um alle Inhal­te zu sper­ren, die mit dem pro­fa­nen Welt­bild der Kul­turm­ar­xi­sten nicht zu ver­ein­ba­ren sind. Unter dem Deck­män­tel­chen der „Anti­dis­kri­mi­nie­rung“ wer­den dann auch Publi­ka­tio­nen wie katholisches.info nicht mehr zugäng­lich sein.

    Und bit­te: Zurecht weist der Bei­trag dar­auf hin, dass es das wir­re Gedan­ken­gut der 68er war, das die Abschaf­fung jeder Sexu­al­mo­ral beför­dert hat. Es soll­te aber nicht uner­wähnt blei­ben, dass sol­che Geset­zes­in­itia­ti­ven maß­geb­lich von femi­ni­sti­schen Gen­der­ideo­lo­gen for­ciert wer­den. Hier wird der Teu­fel mit dem Beel­ze­bub aus­ge­trie­ben.

  2. Das gefällt mir, hof­fent­lich kommt es durch. Ich neh­me wirk­lich den Hut ab für die­sen Mini­ster. Man müss­te das so in Deutsch­land auch ein­füh­ren, ist wohl aber lei­der unrea­li­stisch, die Leu­te wol­len lie­ber ihren Geist beschmut­zen als ihre sog. Frei­heit ein­schrän­ken zu las­sen.

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