Kritik an Missale-Neuübersetzung: Durch amerikanischen Klerus oder progressive Medien?

Missale Romanum englische Neuübersetzung(Washing­ton) Man­che kön­nen nicht aus ihrer Haut. Schon gar nicht aus der anti­rö­mi­schen. Dazu gehört der Natio­nal Catho­lic Repor­ter (NCR), das Flagg­schiff unter den pro­gres­si­ven US-Katho­li­ken. Mit einem aus­führ­li­chen Bei­trag beklagt die Zeit­schrift die Neu­über­set­zung des Mis­sa­le Roma­num ins Eng­li­sche.

Papst Johan­nes Paul II. und Papst Bene­dikt XVI. for­der­ten eine Über­ar­bei­tung aller volks­sprach­li­chen Über­set­zun­gen. Maß­stab dafür soll­te eine mög­lichst enge Anleh­nung an das latei­ni­sche Ori­gi­nal sein. Defi­zi­te der aus den 70er Jah­ren nach der Lit­ur­gie­re­form stam­men­den Über­set­zun­gen soll­ten damit beho­ben wer­den. Defi­zi­te, die theo­lo­gi­sche Unklar­hei­ten, Unge­nau­ig­kei­ten und Quel­len von Miß­ver­ständ­nis­sen besei­ti­gen soll­ten. Dazu gehört auch die Über­set­zung des pro mul­tis in den Wand­lungs­wor­ten mit für vie­le statt für alle. Die Grün­de, wes­halb der Papst eine näher dem Ori­gi­nal fol­gen­de Über­set­zung wünsch­te, leg­te Bene­dikt XVI. in einem Schrei­ben vom 14. April 2012 an die deut­schen Bischö­fe dar. Grob ver­ein­fa­chend gesagt, gilt es den miß­ver­ständ­li­chen Ein­druck zu ver­mei­den, Erlö­sung sei eine Form von Auto­ma­tis­mus nach dem Mot­to: „Wir sind alle lieb, alle Kin­der Got­tes und ohne­hin alle geret­tet“.

Die eng­li­sche Neu­über­set­zung des Mis­sa­le ist seit 2011 für den gesam­ten eng­lisch­spra­chi­gen Raum in Gebrauch.

National Catholic Reporter versucht Richtigkeit progressiver Kritik zu belegen — durch progressive Stimmen

Der Natio­nal Catho­lic Repor­ter wehr­te sich sei­ner­zeit gegen die Neu­über­set­zung, sah dar­in einen Rück­schritt, eine römi­sche Ein­mi­schung und vor allem einen neu­en Exklu­si­vis­mus durch die Pro-mul­tis-Über­set­zung. Der Wider­stand fruch­te­te nichts. Die zustän­di­gen Stel­len setz­ten die gewünsch­te Reform des Pap­stes um.

Die Neu­über­set­zung, so NCR, habe eine gan­ze Rei­he von bedeu­tungs­vol­len Ver­än­de­run­gen gebracht. Als ein­schnei­den­de Ver­än­de­rung wird die Über­set­zung Et cum spi­ri­tu tuo kri­ti­siert. Für Katho­li­ken des roma­ni­schen Sprach­raums sei die Über­set­zung Und mit dei­nem Gei­ste „natür­lich“, so der NCR, nicht aber für eng­lisch­spra­chi­ge Katho­li­ken. Die Neu­über­set­zung sieht ein prä­zi­ses And with your spi­rit vor, wäh­rend es bis­her And also with you hieß. Für Joshua J. Mc Elwee, den Autor des NCR-Arti­kels ist das eine „über­trie­be­ne wört­li­che Anleh­nung an den latei­ni­schen Text des Mis­sa­le Roma­num“ und „Grund der Skep­sis“ unter den Prie­stern, denn dadurch sei „die Spra­che für die mei­sten unver­ständ­lich gewor­den“. Wenn er es sagt.

Die pro­gres­si­ve Lar­moy­anz bringt der Ver­ant­wort­li­che der Natio­nal Fede­ra­ti­on of Prie­sts Councils (NFPC) auf den Punkt: Die Prie­ster sei­en durch die Ein­füh­rung der Neu­über­set­zung in eine „unhalt­ba­re Posi­ti­on“ ver­setzt wor­den, weil „gezwun­gen zwi­schen der Treue zum Lehr­amt oder der Hil­fe für das Wachs­tum des Got­tes­vol­kes zu wäh­len“. Die 1965 gegrün­de­te Natio­nal Fede­ra­ti­on of Prie­sts Coun­cils ver­tritt pro­gres­si­ve Stand­punk­te vom Wider­stand gegen die Enzy­kli­ka Huma­nae vitae von Paul VI. bis zum Beschluß auf der Voll­ver­samm­lung 1971 den ver­pflich­ten­den Zöli­bat für Prie­ster abzu­schaf­fen. Ent­spre­chend gespannt war das Ver­hält­nis der NFPC mit der Bischofs­kon­fe­renz und dem Vati­kan. Und umso näher ein wohl­wol­len­des Ver­hält­nis zum Natio­nal Catho­lic Repor­ter.

Die Haupt­kri­tik im NCR-Arti­kel rich­tet sich ein­mal mehr gegen Rom. Es wird beklagt, daß die Neu­über­set­zung top-down von oben durch das römi­sche Lehr­amt durch­ge­setzt wor­den sei. Rom habe die Mei­nung der Prie­ster nicht berück­sich­tigt, so der NFPC-Vor­sit­zen­de Antho­ny Cut­cher.

NCR läßt auch Bischof Robert Brom von San Die­go in Kali­for­ni­en zu Wort kom­men, der zu den „dienst­äl­te­sten“ und rang­höch­sten Kri­ti­kern der Neu­über­set­zung gehört. Für Bischof Brom sei das neue Mis­sa­le „mehr Last als Segen“ für sei­ne Prie­ster. Sei­ne Diö­ze­se zahl­te bereits 200 Mil­lio­nen US-Dol­lar an Schmer­zens­geld an Opfer von sexu­el­lem Miß­brauch durch Kle­ri­ker und steht vor dem finan­zi­el­len Kol­laps. Papst Bene­dikt XVI. ernann­te 2012 Msgr. Ciri­lo Flo­res, den er 2009 zum Weih­bi­schof beru­fen hat­te, zum Bischof­ko­ad­ju­tor von Bischof Brom mit Nach­fol­ge­recht.

Hausgemachte Umfragen progressiver Medien bestätigen eigene Position

Nach­tra­gend sucht der Natio­nal Catho­lic Repor­ter 2013 die trot­zi­ge Revan­che, indem er den Ein­druck erwecken will, daß die Mehr­heit der ame­ri­ka­ni­schen Prie­ster andert­halb Jah­re nach der Ein­füh­rung des neu­über­setz­ten Mis­sa­le damit unzu­frie­den sei. Zum Beweis wird eine Stu­die der Saint John’s School of Theo­lo­gy in Min­ne­so­ta ange­führt. Laut deren Erhe­bung sei­en 41 Pro­zent mit dem neu­en Mis­sa­le zufrie­den, 59 Pro­zent der Prie­ster in den USA aber nicht. Durch­ge­führt wur­de die Erhe­bung unter der Lei­tung des Bene­dik­ti­ners God­froy Diek­mann vom Zen­trum für patri­sti­sche und lit­ur­gi­sche Stu­di­en an der Saint John’s School of Theo­lo­gy. Die Erhe­bung fand zwi­schen dem 21. Febru­ar und 6. Mai statt. 61 Pro­zent der Ant­wor­ten­den wür­de sogar eine „drin­gen­de“ Über­ar­bei­tung der Über­ar­bei­tung wün­schen. Die Stu­die begei­stert die NCR-Redak­ti­on, scheint sie deren „Beden­ken“ zu bestä­ti­gen.

Aller­dings ist die Erhe­bung nicht reprä­sen­ta­tiv, wie Msgr. Andrew Wadsworth, der Direk­tor der Inter­na­tio­nal Com­mis­si­on on Eng­lish in the Lit­ur­gy (ICEL) der eng­lisch­spra­chi­gen Bischofs­kon­fe­ren­zen hin­weist. Das Zen­trum von Pater Diek­mann kon­tak­tier­te alle 178 Diö­ze­sen der USA mit der Ein­la­dung, alle Prie­ster den vor­be­rei­te­ten Fra­ge­bo­gen aus­fül­len zu las­sen. Nur aus 32 Diö­ze­sen gin­gen Rück­mel­dun­gen ein, was einem Anteil von 17,9 Pro­zent ent­spricht. 1536 Prie­ster haben den Online-Fra­ge­bo­gen aus­ge­füllt, das aber sind gera­de ein­mal 3,7 Pro­zent aller US-Prie­ster. „Die Erhe­bung zeigt nur, daß die Neu­über­set­zung eini­gen Prie­stern nicht gefällt“, so Msgr. Wadsworth.

Die Erhe­bung wur­de von vie­len Prie­stern offen­sicht­lich nicht für rele­vant gehal­ten oder sogar abge­lehnt. Offen abge­lehnt wur­de die Betei­li­gung an der Erhe­bung von den bei­den Lit­ur­gie­ver­ant­wort­li­chen der ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz Msgr. Rick Hil­gart­ner, dem Direk­tor der Lit­ur­gie­kom­mis­si­on und von Bischof Gre­go­ry Aymond, dem Vor­sit­zen­den der­sel­ben. Ein deut­li­ches Signal an die Bischö­fe und Prie­ster, das sei­ne Wir­kung offen­sicht­lich nicht ver­fehl­te. Glei­ches gilt für Dani­el Kar­di­nal DiNar­do, den Bischof von Gal­ve­ston-Hou­ston.

„Absolute Notwendigkeit“, daß Übersetzung „ohne Auslassungen, Hinzufügungen und Umschreibungen“ dem Original „maximal treu“ ist

Erst gar nicht geant­wor­tet hat Timo­thy Kar­di­nal Dolan, der Erz­bi­schof von New York und Vor­sit­zen­de der ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Eben­so­we­nig der Austra­li­er Geor­ge Kar­di­nal Pell, der für die Erhe­bung kon­tak­tiert wur­de, weil er Vor­sit­zen­der des Komi­tees Vox Cla­ra war. Das 2001 gebil­de­te, der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on zuge­ord­ne­te Komi­tee ist für die Über­set­zung der latei­ni­schen lit­ur­gi­schen Tex­te ins Eng­li­sche zustän­dig. Kar­di­nal Pell ist einer der acht Kar­di­nä­le, die Papst Fran­zis­kus in sein neu­es Bera­tungs­gre­mi­um geru­fen hat. Mit der Instruk­ti­on Lit­ur­gi­am authen­ti­cam, von 2001 bekräf­tig­te die Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on mit Zustim­mung des Pap­stes die „abso­lu­te“ Not­wen­dig­keit einer maxi­ma­len Treue zum latei­ni­schen Ori­gi­nal „ohne Aus­las­sun­gen oder Hin­zu­fü­gun­gen“ und „ohne Umschrei­bun­gen oder Glos­sen“.

Bereits im Dezem­ber 2012 hat­te das Cen­ter for App­lied Rese­arch in the Apo­sto­la­te (CARA) an der George­town Uni­ver­si­ty eine Umfra­ge unter Katho­li­ken durch­ge­führt. Befragt wur­den 1.047 Erwach­se­ne, die sich selbst als Katho­li­ken bezeich­ne­ten. Die Umfra­ge ergab, daß 70 Pro­zent der Katho­li­ken die Neu­über­set­zung für eine „gute Sache“ hal­ten.

Wie NCR in den USA so The Tablet in England: der Feind sitzt in Rom

Es erstaunt nicht, daß die in Lon­don erschei­nen­de katho­li­sche Wochen­zei­tung The Tablet bereits zu ähn­li­chen Ergeb­nis­sen wie der Natio­nal Catho­lic Regi­ster gekom­men ist. The Tablet bezeich­net sich als Organ des „pro­gres­si­ve, but respon­si­ble Catho­lic thin­king“. Laut Tablet äußer­ten sich in einer von der Wochen­zei­tung durch­ge­führ­ten Umfra­ge zwi­schen 5. Dezem­ber 2012 und 9. Janu­ar 2013 70 Pro­zent der befrag­ten eng­li­schen Katho­li­ken kri­tisch zur Neu­über­set­zung des Mis­sa­le. Die Spra­che sei „zu gewählt“ und manch­mal „unver­ständ­lich“. Vor allem stößt sich auch The Tablet an der Strei­chung des für alle für pro mul­tis. Auch hier staunt Msgr. Wadsworth dar­über, wor­an sich man­che sto­ßen: Laut The Tablet unter ande­rem an con­sub­stan­ti­al with the Father (con­sub­stan­tia­lem Patri) statt one in Being with the Father im Niz­ä­no-Kon­stan­ti­no­po­li­ta­ni­schen Glau­bens­be­kennt­nis, aber auch an Cha­li­ce der in den Wand­lungs­wor­ten Cup ersetz­te.

Aber im deut­schen Sprach­raum wird ja wei­ter­hin bei den Wand­lungs­wor­ten für alle statt für vie­le gespro­chen, trotz der unzwei­deu­ti­gen Auf­for­de­rung von Papst Bene­dikt XVI., den Wider­stand gegen die Annä­he­rung an das latei­ni­sche Ori­gi­nal auf­zu­ge­ben. Die öster­rei­chi­sche Bischofs­kon­fe­renz erklär­te, das für alle blei­be in Gel­tung bis zur Ein­füh­rung eines neu­en Mis­sa­le. Der Wider­stand ist ein Indiz für zwei unter­schied­li­che Ver­ständ­nis­for­men, bei der auf einer Sei­te eine ver­schwom­me­ne Aller­lö­sungs­theo­rie mit­schwingt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: EWTN

24 Kommentare

  1. die ein­zi­ge rich­ti­ge Über­set­zung von „pro mul­tis“ ist für vie­le, und nicht für alle!

    • Zur „ein­zig rich­ti­gen Über­set­zung“ von pro mul­tis:

      Der Hl. Vater Johan­nes Paul II hat im Schrei­ben an die Prie­ster Grün­don­ners­tag 2005 geschrie­ben:

      Ein „erlö­stes“ Leben, um der Erlö­sung zu die­nen
      4. „Hoc est enim cor­pus meum quod pro vobis tra­de­tur.“ Der Leib und das Blut Chri­sti sind hin­ge­ge­ben für das Heil des Men­schen, des gan­zen Men­schen und aller Men­schen. Die­ses Heil ist inte­gral und gleich­zei­tig uni­ver­sal, damit es kei­nen Men­schen gibt, der — wenn nicht durch einen frei­en Akt der Ableh­nung — von der Heils­macht des Blu­tes Chri­sti aus­ge­schlos­sen blie­be: „qui pro vobis et pro mul­tis effun­de­tur“. Es han­delt sich um ein Opfer, das für „vie­le“ hin­ge­ge­ben wird, wie der bibli­sche Text (Mk 14, 24; Mt 26, 28; vgl. Jes 53, 11–12) in einer typisch semi­ti­schen Aus­drucks­wei­se sagt. Wäh­rend die­se die gro­ße Schar bezeich­net, zu der das Heil gelangt, das der eine Chri­stus gewirkt hat, schließt sie zugleich die Gesamt­heit der Men­schen ein, der es dar­ge­bo­ten wird: Es ist das Blut, „das für euch und für alle ver­gos­sen wird“, wie eini­ge Über­set­zun­gen legi­tim deut­lich machen. Das Fleisch Chri­sti ist in der Tat hin­ge­ge­ben „für das Leben der Welt“ (Joh 6, 51; vgl. 1 Joh 2, 2).

      Das „pro mul­tis“ kann also nach die­sem Wort des Hl. Vaters an die Prie­ster „legi­tim“ mit „für alle“ über­setzt wer­den.
      Oder hat sich einer der bei­den Päp­ste geirrt? Das kann doch wohl nicht sein.

      • Doch, einer muss sich geiirt haben, denn es kön­nen nicht zwei recht­ha­ben, die sich wider­spre­chen! Im übri­gen schließt im Hebräischen/Aramäischen das „vie­le“ kei­nes­wegs „alle“ ein. Für bei­des gibt es ein extra Wort. Da ich selbst Hebrä­isch gelernt habe, den­ke ich, kann ich das so sagen. Ich weiß nicht, wer die­sen Unsinn in die Welt gesetzt hat.… Dazu ein sehr guter Arti­kel http://www.kath-info.de/wandlungsworte.html
        Es nützt aber auch nichts, weil der Ver­weis auf die semi­ti­sche Spra­che eine rei­ne Spe­ku­la­ti­on ist. Uns ist der Satz Jesu nun mal im NT auf Grie­chisch und in der getreu­en latei­ni­schen Über­set­zung kund­ge­tan und nicht in einer rein spe­ku­la­ti­ven Idee dar­über, wie es wohl auf Ara­mä­isch oder Hebrä­isch von Jesus gesagt wor­den sein könn­te…
        Man erkennt leicht, dass das nicht nur unlo­gisch und halt­los ist, son­dern bar jeden wis­sen­schaft­li­chen Vor­ge­hens…
        Es heißt „pro mul­tis“, und das heißt ein­fach „pro mul­tis“ und nichts ande­res. Jaja nein­nein.
        Es gibt kei­nen Heils­au­to­ma­tis­mus in der Bibel und auch nicht im depo­si­tum fidei, genau­so wenig wie es einen „Wei­he­au­to­ma­tis­mus“ gibt.
        Es ist bestür­zend, dass die „pro-omni­bus-Frak­ti­on“ regel­mä­ßig auch einem auto­ri­täts­hö­ri­gen, ver­knö­cher­ten Kle­ri­ka­lis­mus das Wort redet.
        Man hüte sich vor den „Libe­ra­len“ — ihnen fehlt die Tie­fe, der Scharf­sinn, die Auf­rich­tig­keit und des­we­gen sind sie hart und auto­ri­tär.
        Dass JPII. sich vie­les nach gusto zurecht­ge­ba­stelt hat, zeigt die Art, wie er mit Fati­ma und der Got­tes­mut­ter umge­sprun­gen ist. Er wird das eines Tages erklä­ren müs­sen. So geht es nicht — auch nicht beim Papst.

        • Cara, es gibt im Hebräi­schen ein Wort für Gesamt­heit, das aber nur in Con­struc­tus­ver­bin­dun­gen auf­taucht.
          Natür­lich kön­nen zwei Über­set­zun­gen rich­tig sein. Es geht immer dar­um, wel­che ART von Über­set­zung gewünscht wird. Es gibt for­mal-äqui­va­len­te und funk­tio­nal-äqui­va­len­te Über­set­zun­gen. Wenn ein gro­ßes Publi­kum erreicht wer­den soll, wird man letz­te­re Über­set­zung her­an­zie­hen, für wis­sen­schaft­li­che Beschäf­ti­gung die erste­re.
          In Bezug auf die Syn­ode von Quier­cy ist nach wie vor rich­tig, dass es kei­nen Men­schen gab, gibt und geben wird, für den Jesus nicht am Kreuz gelit­ten, also auch sein Blut ver­gos­sen hat. Die Päp­ste Paul VI., Johan­nes Paul II., Bene­dikt XVI. und Fran­cis­cus haben sich auch nie an der THEOLOGISCHEN RICHTIGKEIT und WAHRHEIT des gött­li­chen Wil­lens, alle Men­schen zu erlö­sen, gesto­ßen, sie haben ihn viel­mehr stets gelehrt. Sie ste­hen damit in der unun­ter­bro­che­nen Tra­di­ti­on des Canon Roma­nus, in dem es am Grün­don­ners­tag heißt, dass Jesus für unser und ALLER Heil gelit­ten habe („pro nostra omni­um­que salu­te“). Wenn also die gegen­wär­ti­ge Über­set­zung des „pro mul­tis“ zwar nicht wört­lich ist, so ist sie aber sach­lich völ­lig rich­tig.
          Ach ja, lie­be Zeit­schnur, wenn Sie schon mei­nen, dass nicht alle geret­tet wer­den: Was macht Sie so sicher, dass Sie bei den „Vie­len“ sind?

          • Ach bit­te, so ver­traut sind wir nicht, las­sen Sie das mit der „cara“, das erlau­be ich nur mei­nen nahen und aller­lieb­sten Freun­den…
            Sie haben Ihren Wis­sens­mo­tor ja ganz schön auf­heu­len las­sen. Bra­vo, Sie sind ein tol­ler Hecht! Allein — es hilft Ihnen gar nichts. Ich sprach von etwas ande­rem.
            Jesus ist für alle gestor­ben — wer bin ich, dass ich es wagen wür­de, dies zu bestrei­ten, und ich las­se es mir auch nicht unter­stel­len, aber es ist mög­lich, dass nicht alle geret­tet wer­den, weil nicht alle kraft ihres Wil­lens die­se Ret­tung anneh­men. Jesus sagt: Wer nicht glaubt, ist schon gerich­tet, weil er nicht geglaubt hat. Jesus spricht auch von einer Höl­le und eini­ge NT-Autoren dazu. Das hat auch die Kir­che stets gelehrt, nur heu­te ver­schweigt sie es scham­haft und ver­spielt die See­len.
            Wenn ich die Leh­re der Kir­che ernst­neh­me, dann muss ich davon aus­ge­hen, dass es mög­lich ist, dass nicht alle geret­tet wer­den, weil nicht alle es woll­ten — was ein gro­ßer Schmerz ist. Dass das Blut des Bun­des „für euch und für vie­le“ ver­gos­sen wird, ist doch ange­sichts die­ser sach­li­chen Lage abso­lut prä­zi­se: für die zwölf Anwe­sen­den, zu denen auch Judas gehör­te, von dem Jesus zugleich sagt, es wäre bes­ser, wenn er nie gebo­ren wäre — das spricht nicht dafür, dass er geret­tet wür­de, und doch ver­gießt Jesus sein Blut auch für ihn. Judas hat sich anders ent­schie­den, lei­der. Also für die­se zwölf, aber einer ist schon aus frei­en Stücken aus­ge­schlos­sen, und für vie­le, das sind von der Mög­lich­keit her alle, aber fak­tisch schon allein des­halb nicht, weil schon Judas wäh­rend die­ser Sze­ne „Nein“ sagt. „Alle“ heißt logisch „alle“. „Vie­le“ heißt logisch „nicht weni­ge“ bis hin zum Maxi­mal­fall „alle“. Aber „vie­le“ sind nicht zwangs­läu­fig „alle“. Ergo: „pro mul­tis“ ist die opti­ma­le For­mel!
            Ihre letz­te Fra­ge ist wie­der eine Ihrer drei­sten und dümm­li­chen Unver­schämt­hei­ten. Sie unter­stel­len mir Aus­sa­gen, die ich nicht gemacht habe. Folg­lich muss ich Ihre Sug­ge­stiv-Fang-Fra­gen dar­auf auch kei­nes­wegs beant­wor­ten

        • lie­be zeitschnur,ich lese ihre bei­trä­ge immer mit gro­sser freude,sie sind ein glü­hen­der mensch arde­re est plus quam scire(secundum divum bernardum).dieses ver­lan­gen nach wahrheit,dieses ver­tei­di­gen der hl.kirche und ihrem glau­ben und dar­an fest­hal­ten-es ist eben jene haltung,welche die kir­che im anbe­ginn vom all­hei­li­gen geist her­ge­trie­ben hat allen Irr­tum zu beseitigen,im wah­ren glau­ben zu verharren-treue,beständigkeit,stärke,festigkeitzuverlässigkeit hebr. emet ‚nicht zwei­fel um des zwei­fels wil­len ‚nicht den sek­tie­re­ri­schen drang dem andern eine ver­quer­te mei­nung aufzuzwingen,nicht die näseln­de stim­me des unk­a­no­ni­schen exegeten,der alles und nichts sagt will ich hören.da hat bene­dikt XVI die­se din­ge end­lich mal rich­tig gestellt.auch wenn ihre emo­tio­nen vielleicht.mal hoch­ge­hen ist es mir selbst ein gro­sser trost,denn bei mir sind sie oft unend­lich viel hef­ti­ger und radikaler.ich will viel lie­ber mit ihnen auch mal irren,als mit destruk­ti­ven fin­stern gestal­ten recht zu haben.ihr umfassendes,gläubiges wis­sen prop­ter illam Sapi­en­ti­am macht mich als ganz ein­fa­che see­le von her­zen froh.übrigens ein gro­sses dan­ke für die­ses forum,es ist eines der weni­gen das nicht von church­po­li­ti­cal cor­rect­ness tota­li­tär ande­re mei­nun­gen abwürgt.möge es trotz aller Invek­ti­ven bestehen bleiben.wenn ich begü­tert wäre wür­de ich ger­ne einen ordent­li­chen obo­lus leisten,so bleibt mir nur mein arm­se­li­ges gebet,aber pres­ba­ta­ja bogo­ro­di­zu eben auf die für­bit­te der gottesgebärerin,da blei­be ich dank­bar und vol­ler Zuver­sicht..

  2. „Die öster­rei­chi­sche Bischofs­kon­fe­renz erklär­te, das für alle blei­be in Gel­tung bis zur Ein­füh­rung eines neu­en Mis­sa­le. Der Wider­stand ist ein Indiz für zwei unter­schied­li­che Ver­ständ­nis­for­men, bei der auf einer Sei­te eine ver­schwom­me­ne Aller­lö­sungs­theo­rie mit­schwingt“. Der Ver­fas­ser der pole­mi­schen Glos­se muss die­sen Vor­wurf an den Hei­li­gen Vater, Papst Fran­zis­kus, selbst rich­ten, der die päpst­li­chen Mes­sen in der Regel in ita­lie­ni­scher Spra­che zele­briert und wei­ter­hin selbst­ver­ständ­lich „per tut­ti“ betet. Der Wider­stand gegen die Ände­rung der ein­ge­bür­ger­ten „pro multis“-Übersetzungen dürf­te statt in der Regel nichts mit einer „ver­schwom­me­nen Aller­lö­sungs­theo­rie“ zu tun haben, son­dern mit dem Ver­ständ­nis, dass es sich bei den Ein­set­zungs­wor­ten des Römi­schen Mess­bu­ches nicht um einen bibli­schen Wort­laut, son­dern eine lit­ur­gi­sche Kom­pi­la­ti­on han­delt, deren Deu­tung als „pro omni­bus“ von Papst Johan­nes Paul II. als zutref­fend bezeich­net wur­de.

    • „Eine lit­ur­gi­sche Kompilation…deren Deu­tung als „pro omni­bus“…“ — das ist doch wirk­lich ein absur­des Argu­ment. Es hieß nun mal auch in der „lit­ur­gi­schen Kom­pi­la­ti­on“ stets „pro mul­tis“! Hal­lo?! Außer­dem muss man sich fra­gen, wie­so bestimm­ten Krei­sen eigent­lich dar­an liegt, aus­ge­rech­net bei einem der sen­si­bl­sten Tex­te der Hl. Mes­se, der noch dazu eine kla­re bibli­sche Über­lie­fe­rung auf­weist, noch mal eine ver­zer­ren­de Deu­tung nach­zu­schie­ben???
      Ich sag Ihnen was, es ist der blan­ke Wil­le zum Wider­spruch und Unge­hor­sam, der hier die absur­de­sten Argu­men­te her­an­zieht, um noch dazu dem Papst aus­drück­lich nicht zu gehor­chen, und das seit Jah­ren!
      Es heißt „pro mul­tis“ und hieß auch nie anders — man kann die­ses stu­re moder­ne „pro omni­bus“ wirk­lich nur nach­voll­zie­hen, wenn man unter­stellt, dass die stu­ren Böcke einen trif­ti­gen Grund haben: näm­lich den einer ande­ren Theo­lo­gie als der der Tra­di­ti­on und Leh­re der Kir­che. Von einer Theo­lo­gie, die zu die­sem Behu­fe auch die Hl. Schrift meint kor­ri­gie­ren zu dür­fen, gar nicht zu reden.
      Und ich sag Ihnen noch was: man wird wahr­schein­lich noch im ewi­gen Feu­er auf „pro omni­bus“ behar­ren… Jesus ist für alle gestor­ben, aber nicht alle ergrei­fen sei­ne Heils­tat. Wir sind frei im Wil­len. Die­ses „pro omni­bus“ hat eine äußerst gewalt­tä­ti­ge Kehr­sei­te, denn sie zwingt alle, egal, ob sie es woll­ten, in ein Sche­ma. Und das war noch nie Leh­re der katho­li­schen Kir­che.
      Wenn man dage­gen Luthers Ver­nei­nung des frei­en Wil­lens dazu­denkt, kann man „pro omni­bus“ ver­tre­ten — bloß ist man dann nicht mehr katho­lisch… und außer­dem auch nicht luthe­risch … zwegns am „sola scrip­tu­ra“. Ja mei, do host der was ein­brockt…
      Fazit: Für „pro omni­bus“ gibt es abso­lut kei­nen guten Grund.

      • Aus „pro mul­tis“ ein „für alle“ zu machen, dazu gehört eine gro­ße Por­ti­on Frech­heit. Die wei­sen aber alle Ideo­lo­gen in über­di­men­sio­nier­tem Maße auf.

        Aus „ite, mis­sa est“ ein „geht hin in Frie­den“ zu machen, ent­spricht dem Vor­ge­nann­ten.

        Über­set­zung kann man bei­des nicht nen­nen. Die Wir­kung von „geht, schlaft wei­ter“ ist all­ge­gen­wär­tig. Kein Wahn — hier Aller­lö­sung — bleibt unge­straft.

        • Nun, es gibt ver­schie­de­ne Metho­den und Wei­sen der Über­set­zung. Ein schö­nes Bei­spiel fin­det sich im Pro­fan­la­tei­ni­schen: Ich zitie­re das Nach­wort der Pro­per­z­aus­ga­be von Georg Luck in der Rei­he Tus­cu­lum, S. 511f.: „Pro­perz zu über­set­zen ist nicht leicht. Ein ein­zi­ges Bei­spiel:
          nullas illa suis contem­net fle­ti­bus aras (1,4,23).
          Jeder Schü­ler kann das ver­deut­schen: ‚Mit ihrem Wei­nen wird sie kei­ne Altä­re ver­ach­ten.‘ Ein­fach! Aber was heißt es? Ein neue­rer Über­set­zer pro­du­ziert flott fol­gen­den Hexa­me­ter: ‚Kei­nen Altar mehr wird sie mit ihren Kla­gen ver­ach­ten.‘ Das ist schlicht gesagt, Unsinn. Was Pro­perz in Wirk­lich­keit sagt, ist etwa dies: ‚Kein Altar wird ihr zu gering sein, um davor zu wei­nen.‘ Es gibt in Rom Tem­pel und Altä­re höhe­rer und nied­ri­ge­rer Gott­hei­ten. Wenn Cyn­thia ein­mal in Wut gerät, genügt es ihr nicht, nur die höhe­ren Göt­ter als Rächer anzu­ru­fen, son­dern, um sicher zu sein, daß wenig­stens eine gött­li­che Macht sich ihrer annimmt, weint, betet und opfert sie vor allen Altä­ren.“

          Nach­dem Jesu Wor­te im Abend­mahl­saal ohne­hin nicht wört­lich über­lie­fert sind (wir haben vier unter­schied­li­che bibli­sche Fas­sun­gen, dazu unter­schied­li­che lit­ur­gi­sche Tra­di­tio­nen), sehe ich abso­lut kein Pro­blem, dass man den Ein­schub­text des Canon Roma­nus (s.o.) auch auf den Nach­satz zu den Wand­lungs­wor­ten zu bezie­hen.

          • Sie haben ja recht damit, dass man beim Über­set­zen nicht stur Wort für Wort vor­ge­hen darf, wenn man den Sinn des Gesag­ten annä­hernd in die ande­re Spra­che tra­gen will.
            Nur: dies darf nie­mals, wirk­lich nie­mals um den Preis der Genau­ig­keit gesche­hen. Dar­über wird viel dis­ku­tiert, und es wer­den ja aus die­sem Grund vie­le Über­set­zun­gen klas­si­scher Wer­ke immer wie­der neu gemacht, weil die alten sich zu vie­le Frei­hei­ten in Rich­tung ästhe­ti­scher und ideo­lo­gi­scher zeit­be­ding­ter Frei­hei­ten nah­men.
            Es gibt abso­lut kei­nen Grund, wie­so man im vor­lie­gen­den Bei­spiel die Genau­ig­keit zugun­sten einer theo­lo­gi­schen Spe­ku­la­ti­on auf­ge­ge­ben hat — außer dem, dass man die Spe­ku­la­ti­on für wich­ti­ger hielt als das über­lie­fer­te Jesus­wort.
            Ihre Behaup­tung, Jesus habe die Ein­set­zungs­wor­te ja nicht wört­lich gesagt, fin­de ich ziem­lich dane­ben:
            1. woher wis­sen Sie das so genau?
            2. selbst wenn es so wäre, wären eben die­se Wor­te durch die Auto­ri­tät von Kon­zil und Lehr­amt uns als die zutref­fen­den über­lie­fert, und das seit über 1500 Jah­ren. Basta. Sie sind doch immer ein Ver­fech­ter der Auto­ri­tät — was soll das also?

          • Nein, das sehen Sie nicht rich­tig! Irgend­wie wol­len Sie mich miss­ver­ste­hen oder sind das rhe­to­ri­sche Spiel­chen?
            Ich bezweif­le den uni­ver­sa­len Heils­wil­len Got­tes nir­gends.
            Und, Sie schlau­er und geris­se­ner Rhe­to­ri­ker: es ist natür­lich rich­tig, dass die 4 Evan­ge­li­en die Geschich­te unter­schied­lich berich­ten. ABER da, wo die Ein­set­zungs­wor­te gesagt wer­den, stim­men sie in der For­mel „pro mul­tis“ über­ein (Mt., Mk.). Bei Lk. steht an der Stel­le gar nichts, es bleibt also offen. Und Johan­nes berich­tet die­se Ein­zel­heit der Ein­set­zung gar nicht, son­dern betont die Fuß­wa­schung und den Ver­rat durch Judas.
            Also: eini­gen wir uns doch auf die über­ein­stim­men­den Wor­te, und die lau­ten „pro mul­tis“. Wo ist Ihr Pro­blem?
            Und hier noch ein State­ment von Bischof Hanke, das ich genau­so über­neh­men kann, weil auch ich so den­ke: „Hanke: Wenn der Prie­ster bei der Wand­lung die Wor­te Jesu sozu­sa­gen zitie­rend wie­der­holt, dann soll­te er das wört­lich tun. Mein Latein­leh­rer hät­te die jet­zi­ge Über­set­zung mit Sicher­heit rot ange­stri­chen. Ich kann es gut ver­ste­hen und begrü­ße es aus­drück­lich, dass im Deut­schen jetzt auch die wört­li­che Über­set­zung „für vie­le“ ein­ge­führt wer­den soll. Ich hal­te die­ses Anlie­gen für abso­lut berech­tigt. Man ändert des­we­gen nicht die Theo­lo­gie. Der Heils­wil­le Got­tes ist in der Tat auf alle Men­schen gerich­tet, aber es bedarf natür­lich immer noch der Ent­schei­dung jedes ein­zel­nen Men­schen.“
            So, und nun bit­te ich Sie, end­lich alle Kraft auf­zu­wen­den und das zu ver­ste­hen, was ich gemeint habe und mich nicht dau­ernd in eine Ecke zu stel­len, die den Heils­wil­len Got­tes für alle bezwei­felt!!!

        • Sie bezeich­nen auch sei­ne Hei­lig­keit — nicht nur Paul VI., son­dern auch — Fran­cis­cus als frech?

          „Der Herr hat uns alle mit dem Blut Chri­sti erlöst, nicht nur die Katho­li­ken. Alle! ‚Pater, und die Athe­isten?’ Auch sie. Alle! Und die­ses Blut macht uns zu Kin­dern Got­tes erster Klas­se! Wir sind als Kin­der nach dem Bild und Gleich­nis Got­tes geschaf­fen wor­den und das Blut Chri­sti hat uns alle erlöst!“
          So der Papst selbst am Mitt­woch!

          • Aber „pro mul­tis“ bleibt „pro mul­tis“ da gibt es nichts zu inter­pre­tie­ren. Bei allem Respekt vor ihrer hohen Alt­phi­lo­lo­gi­schen Bil­dung Vin­cen­ti­us, sie wer­den doch die Gül­tig­keit der Vul­ga­ta als ver­bind­li­che latei­ni­sche Fas­sung der Bibel und des Neu­en Testa­men­tes nicht in Fra­ge stel­len, oder?

      • Nun, da weiß ich „stu­rer Bock“ mich in guter Gesell­schaft mit dem seli­gen Papst Johan­nes Paul II., der in sei­nem Grün­don­ners­tags­brief 2005, sei­nem Ver­mächt­nis an alle Prie­ster der katho­li­schen Kir­che, geschrie­ben hat: „Der Leib und das Blut Chri­sti sind hin­ge­ge­ben für das Heil des Men­schen, des gan­zen Men­schen und aller Men­schen. Die­ses Heil ist inte­gral und gleich­zei­tig uni­ver­sal, damit es kei­nen Men­schen gibt, der — wenn nicht durch einen frei­en Akt der Ableh­nung — von der Heils­macht des Blu­tes Chri­sti aus­ge­schlos­sen blie­be: »qui pro vobis et pro mul­tis effun­de­tur«. Es han­delt sich um ein Opfer, das für »vie­le« hin­ge­ge­ben wird, wie der bibli­sche Text (Mk 14, 24; Mt 26, 28; vgl. Jes 53, 11–12) in einer typisch semi­ti­schen Aus­drucks­wei­se sagt. Wäh­rend die­se die gro­ße Schar bezeich­net, zu der das Heil gelangt, das der eine Chri­stus gewirkt hat, schließt sie zugleich die Gesamt­heit der Men­schen ein, der es dar­ge­bo­ten wird: Es ist das Blut, »das für euch und für alle ver­gos­sen wird«, wie eini­ge Über­set­zun­gen legi­tim deut­lich machen. Das Fleisch Chri­sti ist in der Tat hin­ge­ge­ben »für das Leben der Welt« (Joh 6, 51; vgl. 1 Joh 2, 2).“

        • Wenn Jesus gesagt hat, das sei sein Blut, das „für vie­le“ hin­ge­ge­ben wer­de, dann wird er schon gewusst haben, war­um er nicht „für alle“ gesagt hat.….
          „Vie­le“, das sind vie­le, eine gro­ße Zahl. Es könn­ten sogar „Alle“ sein. „Alle“, das ist auch eine sehr gro­ße Zahl, aber „Alle“, das sind eben aus­nahms­los „Alle“, nicht etwa „Alle bis auf Eini­ge“.
          Sind nun tat­säch­lich „Alle“ erlöst, dann beinhal­tet das Osa­ma bin Laden eben­so wie Pol Pot, Josef Sta­lin genau­so wie Adolf Hit­ler.
          Möge der lie­be Gott auch den Genann­ten barm­her­zig sein, aber die­ses Urteil zu fäl­len möch­te ich lie­ber ihm über­las­sen.

      • Im Canon Roma­nus steht sogar im Mess­buch Pius‘ V. am Grün­don­ners­tag im Qui pri­die: „Qui pri­die, quam pro nostra omni­um­que salu­te patere­tur, hoc est hodie, acc­epit panem… “ — „für unser und aller Heil“. Papst Bene­dikt XVI. hat nie dar­an Zwei­fel gelas­sen, dass die — kir­chen­recht­lich übri­gens bis zur amt­li­chen Ein­füh­rung des Mess­bu­ches deut­scher Spra­che nach wie vor ALLEIN gül­ti­ge — For­mel theo­lo­gisch völ­lig rich­tig ist.

      • Kann zeit­schnur und Kon­rad­Ge­org nur zustim­men; gera­de die Vehe­menz der Ableh­nung des ‚pro mul­tis‘ ver­rät doch den eigent­li­chen Grund und Inten­ti­on die­ser Ableh­nung:
        1. Auf­leh­nung gegen den Papst, wahr­schein­lich sowohl gegen die Per­son und die „Poli­tik“ Bene­dikts XVI. als auch, letzt­lich, gegen den Pri­mat, die Anwen­dung des ‚top-down‘-Prinzips statt des ‚Kol­le­gia­li­täts­prin­zips‘ — goûtieren unse­re Bischö­fe ja mal gar nicht, vlt. auch, weil es all­zu schmerz­lich an jene „kata­stro­pha­le Nie­der­la­ge gegen­über Paul VI.“ beim Kon­zil erin­nert (’nota expli­ca­ti­va pra­e­via‘);
        2. eben auch aus ideo­lo­gi­schen Grün­den — es kol­li­diert mit popu­lä­ren ‚Aller­lö­sungs­theo­rien‘, es „schickt sich nicht (mehr)“, auch von der Ableh­nung des Heils­an­ge­bots aus frei­em Wil­len und vom end­gül­ti­gen Schei­tern zu spre­chen;
        3. weil’s des­halb höchst „unpo­pu­lär“ ist, auch dank entspr. „Pro­pa­gan­da“; und kaum etwas schmerzt Bischö­fe mehr, als … „unpo­pu­lä­re“ Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. -
        Wenn man es nicht genau­er erklärt, so könn­ten bei­de For­mu­lie­run­gen zu Miß­ver­ständ­nis­sen füh­ren: das ‚pro mul­tis‘ dazu, Chri­stus habe eben nicht ALLE erret­ten wol­len (oder gar: kön­nen); das ‚pro omni­bus‘ dazu, Chri­stus habe nicht nur Sei­ner Inten­ti­on nach Sein Blut ‚für alle‘ ver­gos­sen, son­dern auch der Wir­kung nach — was natür­lich falsch ist.
        In der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on scheint mir die Gefahr des Miß­ver­ständ­nis­ses beim ‚pro omni­bus‘ grö­ßer zu sein; ja, es ist in der Tat gefähr­li­cher, sich durch das ‚für alle‘ in „fal­scher Erlö­sungs­si­cher­heit zu wie­gen“, als sich, ‚heil­sam beun­ru­higt‘ und auf­ge­rüt­telt durch die Wor­te ‚für vie­le‘, auch mal sehr ern­ste, sehr per­sön­li­che Gedan­ken zu machen …
        … zumal dann ja die Wor­te ‚zur Ver­ge­bung der Sün­den‘ fol­gen; in die­sem Kon­text ist es logi­scher, nicht das (in poten­tia) ‚für alle‘, son­dern das (in actu) ‚für vie­le‘ anzu­neh­men bzw. vor­aus­zu­set­zen, wie ja Chri­stus selbst immer wie­der warnt und auf­rüt­telt und betont, „die Pfor­te ist eng … schmal ist der Weg, der zum Leben führt“ …

        • … des­we­gen, selbst wenn das ‚für alle‘, rich­tig erklärt und ver­stan­den, theo­lo­gisch … ja nicht falsch ist, so ist doch, sowohl im kon­kre­ten Kon­text der Wand­lungs­wor­te als auch in die­ser Zeit der Miß­ver­ständ­nis­se und des schwin­den­den Glau­bens­wis­sens (bei­des von den Bischö­fen zumin­dest mit-ver­ur­sacht!), das ‚für vie­le‘ erheb­lich viel ange­brach­ter. Die Grün­de der Ableh­nung sind nicht hin­rei­chend, ja sogar unlau­ter; und — auch wenn’s vie­len heu­te „weh tut“, dar­an erin­nert zu wer­den — noch ist die Kir­che nun mal hier­ar­chisch ver­faßt, noch gibt es den Pri­mat, das Petrus­amt; BXVI hat sei­nem Auf­trag, sei­ner Pflicht gemäß gehan­delt — dar­an konn­ten sich ande­re Bischö­fe ein Bei­spiel neh­men; statt um des bil­li­gen Popu­lis­mus‘ wil­len (oder viel­leicht auch aus Feig­heit?) gegen ihn Posi­ti­on zu bezie­hen, sich also auf sei­ne Kosten zu pro­fi­lie­ren und „beliebt“ zu machen (und auch jetzt wird ja noch kräf­tig „nach­ge­tre­ten“, nach Bene­dikt XVI. — wirk­lich zynisch!) … schä­big, pein­lich und auch lächer­lich, die­se gan­ze ‚pro multis‘-Debatte; und ein Ärger­nis für die gesam­te Kir­che …

          • Bene­dikt hat sich zu Ihrer Anmer­kung, dass das „pro mul­tis“ als heils­aus­schlie­ßend für man­che miss­ver­stan­den wer­den könn­te, sich ja auch selbst geäu­ßert (in. Joseph Ratz­in­ger: Gott ist uns nah. Eucha­ri­stie, Mit­te des Lebens — z.B. hier: http://www.weltbild.de/3/13813872–1/buch/gott-ist-uns-nah.html). Damals ver­trat er die Posi­ti­on, bei­de Ver­sio­nen sei­nen ver­tret­bar, aber durch die jeweils ande­re For­mu­lie­rung erklä­rungs­be­dürf­tig. Dass er dann in sei­nem Pon­ti­fi­kat davon Abstand nahm, spricht dafür, dass er vor Got­tes Ange­sicht die­se dama­li­ge Auf­fas­sung nicht mehr mit rei­nem Gewis­sen ver­tre­ten konn­te, nach einem lan­gen Leben und unend­lich vie­len Fehl­ent­wick­lun­gen, die er gese­hen hat.

  3. „Aber im deut­schen Sprach­raum wird ja wei­ter­hin bei den Wand­lungs­wor­ten für alle statt für vie­le gespro­chen, trotz der unzwei­deu­ti­gen Auf­for­de­rung von Papst Bene­dikt XVI., den Wider­stand gegen die Annä­he­rung an das latei­ni­sche Ori­gi­nal auf­zu­ge­ben. Die öster­rei­chi­sche Bischofs­kon­fe­renz erklär­te, das für alle blei­be in Gel­tung bis zur Ein­füh­rung eines neu­en Mis­sa­le.“

    Bei allem gehö­ri­gen Respekt — aber das ist nicht wahr. Die deutsch­spra­chi­gen Bischofs­kon­fe­ren­zen sind dem Wunsch Bene­dikt XVI. nach­ge­kom­men. Im neu­en Got­tes­lob steht die neue Form.
    Und außer­dem reicht ein Brief des Pap­stes an den DBK-Vor­sit­zen­den nach altem wie neu­em Kir­chen­recht nicht als gesetz­li­che Grund­la­ge einer Geset­zes­än­de­rung. Das kann sal­viert wer­den durch die römi­sche Reko­gnos­zie­rung des neu­en Mess­bu­ches, in dem — nach bis­he­ri­gem Stand (der neue Papst könn­te es selbst­ver­ständ­lich ändern) — eben­falls die wört­li­che, aber laut ehe­ma­li­gem Papst nicht unbe­dingt völ­lig stim­mi­ge (Bene­dikt XVI. schrieb selbst, dass „für alle“ theo­lo­gisch völ­lig rich­tig sei) Über­set­zung ent­hal­ten sein wird. Bene­dikt XVI. hat sich übri­gens auch ein­ver­stan­den mit dem — nor­ma­len! — Vor­ge­hen gezeigt, dass die neue Über­set­zung nicht schon in die der­zei­tig gül­tig drit­te Auf­la­ge ein­ge­fügt wird, son­dern im Zusam­men­hang mit der vier­ten Auf­la­ge pro­mu­li­giert wird.

    • ich mei­ne die dis­cus­sion soll­te mit etwas grö­sse­rer distanz gese­hen werden.ich kann das bemän­geln punk­to text­treue was die exak­ten ein­set­zungs­wor­te anlangt verstehen.wer mit leib und see­le im got­tes­dienst trost und kraft sucht,dem kann nicht alles gleich sein.nur einem lau­en papier­chri­sten schon.volksfrömmigkeit darf nicht ver­harm­lost bezw.verächtlich gemacht werden.die ganz ein­fa­chen gläu­bi­gen sind es oft,die die kir­che durch­tra­gen.
      zur sache selbst.die fun­da­men­te unse­res glau­bens sind wie beim juden­tum drei;die tradition,die hl.schriften und das lehramt.das muss in einem gese­hen werden.pro mul­tis hat für den semi­ten eine umfas­sen­de­re bedeutung.das wort viele,multitudo,maxima pars ampli­tu­do also rob(ich kann es hier lei­der nicht hebrä­isch schrei­ben) bedeu­tet mehr.
      ein beispiel.prof.kanadier hat bei sei­ner Vor­le­sung 400 hörer,prof vin­zenz für sei­ne spe­zi­al­vor­le­sung 15.kanadier sagt :heu­te sind vie­le gekommen,nämlich200,vinzez bei mir alle.
      viel ist bei den semi­ten mehr als alle.das kön­nen sie mit jedem ara­ber dis­ku­tie­ren. man müss­te die­se din­ge auch betrach­ten dabei unver­krampft auf die rich­tungs­wei­sen­de pra­xis unse­rer päp­ste eben­so auf das gläu­bens­ver­ständ­nis jener ein­fa­chen gläu­bi­gen wie sie oben von den usern fusi­us assi­gniert wurden.das ist mei­ne beschei­de­ne unver­bind­li­che ansicht.

  4. Mann oh Mann. Lie­ber Vin­cen­ti­us, sie haben Atem, um gleich alles mehr­fach da oben zu wie­der­ho­len. Wozu die Lie­bes­müh? Cui bono? Ihnen, mir, ande­ren Gläu­bi­gen, Kir­chen­fer­nen?
    Sie geben sich als Ober­pa­pist aus. Bra­vo, sage ich.
    War­um zie­hen Sie dann BXVI. als Kron­zeu­gen her­an, der in sei­nem Schrei­ben an Zollitsch und die ande­ren Bischö­fe sei­nen Stand­punkt wohl aus­rei­chend dar­ge­legt hat? Als Gedächt­nistüt­ze:
    http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/letters/2012/documents/hf_ben-xvi_let_20120414_zollitsch_ge.html
    Wo bleibt Ihre Papst­treue?
    BXVI. hat — im Gegen­satz zu Ihnen — triff­ti­ge pasto­ra­le und theo­lo­gi­sche Grün­de vor­ge­bracht, wie sie die Kir­che übri­gens immer gelehrt hat, mit einem klei­nen Zeit­fen­ster der Kon­zil­s­al­ler­lö­sungs­eu­pho­rie. Die aber soll­te durch die Fak­ten ja des­il­lu­sio­niert sein.
    Chri­stus hat für alle Sein Blut ver­gos­sen, weil er allen die Erlö­sung anbie­tet.
    Das Urteil steht Gott zu. Das aber ist kein Grund Rela­ti­vis­mus zu ver­mu­ten und noch weni­ger zu pro­pa­gie­ren. Die Aus­sa­gen des Herrn sind eben­so ein­deu­tig, sei­ne Ermah­nung scharf, ja schärf­stens. Das hät­te er sich wohl spa­ren kön­nen, wenn die Sache nicht dra­ma­tisch und ernst wäre und das für alle, uns alle.
    Das für alle, das im latei­ni­schen Ori­gi­nal nicht direkt, wenn auch impli­zit gedeu­tet wer­den kann, sie ken­nen die sprach­li­chen Nuan­cie­run­gen, kann ver­häng­nis­vol­le Fol­gen haben, gera­de in einer Zeit, in der ohne­hin allen alles gleich scheint, oder jeden­falls dau­ernd als Main­stream ange­prie­sen wird, ja Mann nicht mehr Mann und Frau nicht mehr Frau sein dür­fen sol­len usw. Ich den­ke aber, es ist und war theo­lo­gisch und pasto­ral zu allen Zei­ten geeig­ne­ter, dem Men­schen die ein­ma­li­ge Chan­ce, aber auch den Ernst von Erlö­sung und Ver­wer­fung klar zu machen, „für vie­le“ zu sagen. Das nennt man, ein­deu­tig und für alle eine kla­re Bot­schaft ver­ständ­lich zu machen. Ger­de­zu von einer genia­len Prä­zi­si­on. Das hilft mir, Ihnen, uns, allen. Kei­ne sinn­lo­se Wort­klau­be­rei. Wer hören will, der höre.

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