Christentum, Islam, die Kreuzzüge und zweierlei Maß — Neuer Film: 11. September 1683 — Neues Buch: Gottes Krieger

Filmplakat 11 September 1683 Poster September eleven 1683 Marco D'Aviano Sieg über Türken vor Wien(Mai­land) Wenn es um die Mei­nungs­frei­heit geht, mes­sen vie­le Mas­sen­me­di­en gegen­über dem Chri­sten­tum und gegen­über dem Islam heuch­le­risch mit unter­schied­li­chen Maßen. Chri­sten wird nicht annä­hernd jenes Recht der öffent­li­chen Mei­nungs­äu­ße­rung zuge­stan­den wie Mos­lems, schon gar nicht wenn es um Angrif­fe oder Belei­di­gung ihrer Reli­gi­on geht. Das Bild wird nicht über­zeich­net, wenn man behaup­tet, daß die­sel­ben Mas­sen­me­di­en, die Angrif­fe auf den Islam ver­ur­tei­len, gleich­zei­tig Belei­di­gun­gen und Pro­vo­ka­tio­nen gegen das Chri­sten­tum publi­zie­ren.

Das neue­ste Bei­spiel betrifft den euro­päi­schen Abwehr­kampf gegen die osma­nisch-isla­mi­schen Erobe­rungs­zü­ge, der einen Zeit­raum von mehr als 800 Jah­ren von der Schlacht von Manz­i­kert 1071 bis ins frü­he 20. Jahr­hun­dert umfaß­te. Der ita­lie­ni­sche Film­re­gis­seur Ren­zo Mar­ti­nel­li dreh­te den Film Sep­tem­ber Ele­ven. 1683 über den Kapu­zi­ner Mar­co D’Aviano, der am ent­schei­den­den Sieg der christ­li­chen Streit­kräf­te 1683 gegen die Tür­ken vor Wien mit­wirk­te. Mar­ti­nel­li folg­te dabei der Theo­rie des Histo­ri­kers Ber­nard Lewis, wonach der Zorn des isla­mi­schen Extre­mis­mus bis auf die Nie­der­la­ge von Wien zurück­reicht. Der Film­ti­tel sucht die direk­te Anspie­lung zu den Atten­ta­ten am 11. Sep­tem­ber 2001 in New York gegen die Twin Towers, bei denen meh­re­re Tau­send Men­schen ums Leben kamen. „Hast du gewußt, daß das Datum des 11. Sep­tem­ber kein Zufall war?“, lau­tet die Fra­ge auf dem Film­pla­kat. Am 11. Sep­tem­ber 1683 wur­den die Tür­ken vor Wien besiegt. So erstaunt es viel­leicht nur auf den ersten Blick, daß der Film sei­ne Urauf­füh­rung am 11. Sep­tem­ber 2012 aus­ge­rech­net in der Tür­kei erleb­te.

11. September 1683 — Film über Marco d’Aviano und die Befreiung Wiens von den Türken

Die jüng­ste Pro­duk­ti­on Mar­ti­nel­lis, die am 11. April in die ita­lie­ni­schen Kino­sä­le kam, wur­de seit Bekannt­wer­den des Film­pro­jekts als „anti­is­la­misch“ kri­ti­siert und der Regis­seur mit der nord­ita­lie­ni­schen Lega Nord in Zusam­men­hang gebracht. Es ist nicht bekannt, daß etwa von der­sel­ben Sei­te Fil­me wie König­reich der Him­mel von Rid­ley Scott als „anti­christ­lich“ kri­ti­siert wur­den. Wäh­rend die offi­zi­el­le Kri­tik den Film zer­reißt, kommt er beim Publi­kum gut an. Aller­dings ver­hin­dert ein vor­aus­ei­len­der Gehor­sam poli­ti­scher Kor­rekt­heit, daß der Film über­haupt gese­hen wer­den kann. Der Ver­trieb gestal­tet sich schwie­rig, Kino­ket­ten lehn­ten die Vor­füh­rung ab, ob es syn­kro­ni­sier­te Aus­ga­ben in ande­ren Spra­chen geben wird, ist noch nicht sicher. Damit ist auch frag­lich, ob er je in deut­schen Kino­sä­len zu sehen sein wird.

Die­se Gewich­tungs­un­ter­schie­de las­sen sich auch in der Geschichts­schrei­bung fest­stel­len, beson­ders wenn es um die Kreuz­zü­ge geht. Tat­säch­lich scheint es gelun­gen, die Kreuz­zü­ge in der kol­lek­ti­ven Wahr­neh­mung als Ste­reo­ty­pe für Fana­tis­mus und reli­giö­se Into­le­ranz zu ver­an­kern, oder anders aus­ge­drückt, als eines der schlimm­sten Ver­bre­chen, des­sen sich die katho­li­sche Kir­che und das Chri­sten­tum schul­dig gemacht habe. Nicht sel­ten wird einem mit­tel­al­ter­li­chen Chri­sten­tum (mit­tel­al­ter­lich steht dabei oft nur als nicht min­der ver­zer­ren­des Syn­onym für into­le­rant) ein offe­ner, libe­ra­ler Islam ent­ge­gen­ge­stellt. Und das obwohl die Kreuz­zü­ge alles ande­re als die ersten hei­li­gen Krie­ge waren und die Mas­sa­ker, die in ihnen began­gen wur­den, im Ver­hält­nis zu den Mas­sa­kern, die durch Herr­scher spä­te­rer Zeit, ein­schließ­lich Sul­ta­nen began­gen wur­den, gera­de­zu als Klei­nig­keit erschei­nen. Es genügt ein Blick in die Arbei­ten des ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Rudolph Joseph Rum­mel (zum Bei­spiel Death by Government, 1994, S. 47), um die Dimen­sio­nen zu erken­nen.

Verzerrtes Geschichtsbild von Kreuzzügen in den Köpfen verankert — Distanzierung obligatorisch

Kreuzritter Deutscher Ritterorden zweierlei Maß bei Christentum und IslamAls die Ara­ber sich aus­brei­te­ten und inner­halb eines Jahr­hun­derts ein Reich von Spa­ni­en bis Indi­en schu­fen, taten sie dies aus reli­giö­sen Moti­ven. Der grie­chi­sche Histo­ri­ker und Spe­zia­list für byzan­ti­ni­sche Geschich­te, Evan­ge­los Chry­sos erin­nert in sei­nem Buch L’Impero Bizan­ti­no 565‑1025 (Das byzan­ti­ni­sche Reich, Mai­land 2002) dar­an, daß die Ara­ber den 678 mit Byzanz geschlos­se­nen Ver­trag für sub­ver­siv hiel­ten, weil er erst­mals die Mög­lich­keit eines Abkom­men mit den Ungläu­bi­gen und die Aner­ken­nung von deren poli­ti­scher Exi­stenz­be­rech­ti­gung in ihre Herr­schafts­dok­trin ein­führ­te.

Des­halb setz­ten sich ihre Aggres­sio­nen auch im 8. Jahr­hun­dert durch stän­di­ge mili­tä­ri­sche Ein­fäl­le in das Byzan­ti­ni­sche Reich fort. Jähr­li­che Mili­tär­ex­pe­di­tio­nen gal­ten als reli­giö­se Pflicht im Kampf gegen die Ungläu­bi­gen. Sie wur­den ganz los­ge­löst von byzan­ti­ni­schen Initia­ti­ven unter­nom­men und  waren daher auch nicht Reak­tio­nen auf eine even­tu­el­le Bedro­hung durch Byzanz. Dar­an änder­te sich auch nichts, als die Ara­ber von den Tür­ken abge­löst wur­den. Die­se setz­ten den Byzan­ti­nern so aggres­siv zu, daß Kai­ser Ale­xi­os I. Kom­ne­nos Gesand­te zum Papst in den Westen schick­te, um ihn „fle­hent­lich“ um Bei­stand gegen die Inva­so­ren zu bit­ten, die das christ­li­che Reich des Ostens fast besiegt hat­ten, wie der Chro­nist Ber­nold von Kon­stanz über­lie­fert (Micha­el Hese­mann: Die Dun­kel­män­ner. Mythen, Lügen und Legen­den um die Kir­chen­ge­schich­te, Augs­burg, 2007, S. 116)

Was die isla­mi­sche Tole­ranz gegen­über ande­ren Reli­gio­nen betrifft, kennt fast jeder den Steh­satz: Wäh­rend die katho­li­sche Kir­che Juden und Häre­ti­ker bru­tal ver­folg­te, zeig­ten die Mos­lems beacht­li­chen Respekt gegen­über den unter­wor­fe­nen Völ­kern und erlaub­ten ihnen ihren Glau­ben ohne Ein­mi­schung aus­zu­üben. Die Rea­li­tät sah etwas anders aus: Die Chri­sten der isla­misch besetz­ten Län­der waren einer gan­zen Rei­he von teils demü­ti­gen­den Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen. Sie wur­den als „Dhim­mi“ (Schutz­be­foh­le­ne) kol­lek­tiv in einen min­de­ren Sta­tus ver­setzt. Ihre Reli­gi­on durf­ten sie nur im Pri­va­ten aus­üben, wes­halb ihnen das Läu­ten von Glocken unter­sagt wur­de. Eben­so­we­nig durf­ten sie neue Kir­chen oder Kapel­len errich­ten, Pro­zes­sio­nen abhal­ten, Iko­nen, Kreu­ze oder ande­re christ­li­che Sym­bo­le zei­gen. Und nicht zuletzt war es ihnen streng­stens unter­sagt, unter Mos­lems zu mis­sio­nie­ren und sie zum Chri­sten­tum zu bekeh­ren.

Moderner Konflikt keine Folge von Kreuzzugs-Unrecht an Moslems

Zudem waren sie zahl­rei­chen recht­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt: Sie muß­ten höhe­re Steu­ern zah­len, sie durf­ten vor Gericht nicht als Zeu­gen gegen einen Mos­lem auf­tre­ten, sie waren vom Mili­tär­dienst aus­ge­schlos­sen, sie durf­ten kei­ne poli­ti­schen Ämter anstre­ben und muß­ten eine vor­ge­schrie­be­ne Klei­dung oder Klei­dungs­stücke tra­gen, um sofort als Chri­sten erkenn­bar zu sein. Von daher rüh­ren Son­der­re­geln für Juden, die von den Mos­lems nach Euro­pa ein­ge­führt wur­den und nach der Abschüt­te­lung der isla­mi­schen Besat­zung bei­be­hal­ten wur­den bis her­auf zum gel­ben Stern in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Die anti­christ­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen durch Mos­lems waren je nach Epo­che streng oder weni­ger streng ange­wandt, aber zu allen Epo­chen gal­ten Dhim­mis nur als Bür­ger zwei­ter Klas­se.

Es erstaunt nicht, daß ein sol­ches System zu oft raschen Über­trit­ten zum Islam führ­te. Ein Christ, der zum Mos­lem wur­de, konn­te sei­ne sozia­len Lebens­be­din­gun­gen deut­lich ver­bes­sern. Ein Mos­lem der hin­ge­gen Christ wer­den woll­te, hat­te als Apostat alles zu ver­lie­ren, sogar sein Leben. Zei­ten der Chri­sten­ver­fol­gung und des Mar­ty­ri­ums waren kei­nes­wegs sel­ten. Sie wur­den durch Miß­ach­tung des Dhim­mi-Sta­tus pro­vo­ziert, durch bru­ta­le Herr­scher oder auch durch den Volks­zorn, der sich aus irgend­ei­nem Grund pogrom­ar­tig gegen die Chri­sten rich­te­te (Bat Ye’or: Der Nie­der­gang des ori­en­ta­li­schen Chri­sten­tums unter dem Islam, Grä­fel­fing 2002).

Eini­ge west­li­che Autoren ver­tre­ten die The­se, der heu­ti­ge Zusam­men­prall zwi­schen dem Westen und eini­gen Tei­len des Islam sei eine Fol­ge der Kreuz­zü­ge und des Unrechts, das die Mos­lems damals erlit­ten hät­ten. Die The­se ist beson­ders bizarr, weil die isla­mi­schen Geschichts­schrei­ber jener Zeit nur gerin­ges Inter­es­se für die Kreuz­zü­ge zeig­ten. Das hat­te ein­mal damit zu tun, daß sie zum Teil im Auf­tre­ten der schii­ti­schen Fatim­iden­dy­na­stie in Ägyp­ten eine grö­ße­re Gefahr für die isla­mi­sche Ein­heit sahen. Selbst Sala­din wird weni­ger wegen sei­ner Erfol­ge gegen die Kreuz­rit­ter gerühmt, als viel­mehr wegen sei­ner Erobe­rung Ägyp­tens. Zum ande­ren weil in den christ­li­chen Ver­su­chen die hei­li­gen Stät­ten zu befrei­en, eine logisch nach­voll­zieh­ba­re Akti­on gese­hen wur­de.

Chatillons Überfall erfolgte nach einem Jahrhundert Krieg, an dessen Beginn islamische Überfälle standen

Auch für das Mit­tel­al­ter gilt, daß die mei­sten Krie­ge kei­nen reli­giö­sen Hin­ter­grund hat­ten. Christ­li­che Für­sten konn­ten gegen christ­li­che Für­sten, isla­mi­sche Für­sten gegen isla­mi­sche Für­sten mit der­sel­ben Hin­ga­be kämp­fen wie gegen die „Ungläu­bi­gen“. Ein schwer­wie­gen­der Ein­schnitt erfolg­te, als Rei­nald von Cha­til­lon 1181 eine mos­le­mi­sche Kara­wa­ne von Pil­gern und Händ­lern auf dem Weg nach Mek­ka über­fiel und am Ufer des Roten Meers plün­dernd bis vor die Tore von Mek­ka und Medi­na vor­drang. Er brach damit einen im Vor­jahr mit Sala­din geschlos­se­nen Ver­trag. Die­ses Maro­die­ren erst löste einen Schock auf mos­le­mi­scher Sei­te aus, ver­gleich­bar den ara­bi­schen Angrif­fen auf Rom. Cha­til­lons Ein­zel­gang pro­vo­zier­te unmit­tel­ba­re Gegen­maß­nah­men von Sala­din, die ihren Höhe­punkt in der Schlacht von Hat­tin und in der Erobe­rung Jeru­sa­lems fan­den (Ber­nard Lewis: Stern, Kreuz und Halb­mond. 2000 Jah­re Geschich­te des Nahen Ostens, Mün­chen 1997).

Die mos­le­mi­schen Angrif­fe gegen christ­li­che Jeru­sa­lem-Pil­ger war einer der Grün­de, die zu den Kreuz­zü­gen führ­ten. Das unlöb­li­che Ver­hal­ten von Rei­nald von Cha­til­lon geschah erst nach einem Jahr­hun­dert der Kreuz­zü­ge und der Kämp­fe im Nahen Osten. Die­ser Ver­weis soll nichts ent­schul­di­gen, die Ereig­nis­se jedoch in ihren histo­ri­schen Kon­text brin­gen. Im schlimm­sten Fall lie­ße sich resü­mie­ren, daß sich die Chri­sten nicht schlim­mer als die Mos­lems ver­hiel­ten.

Ideologisch motivierte Verzerrung: „barbarischer“ christlicher Westen gegen „zivilisierter“ islamischer Orient

Bei der Lek­tü­re zahl­rei­cher von Histo­ri­kern ver­faß­ten Arbei­ten über die Kreuz­zü­ge, nicht min­der beim Ver­such All­ge­mein­wis­sen über die Kreuz­zü­ge zu ergrün­den, fällt auf, daß ein gera­de­zu „bar­ba­ri­scher“ christ­li­cher Westen einem „zivi­li­sier­ten“ isla­mi­schen Ori­ent ent­ge­gen­ge­setzt wird. Zum Stan­dard­re­per­toire die­ser ideo­lo­gisch moti­vier­ten, anti­christ­li­chen und phi­lo­is­la­mi­schen Ver­zer­rung gehört ein Hin­weis auf das Ver­hal­ten Sala­dins. Dabei wird die christ­li­che Befrei­ung Jeru­sa­lems 1099, bei der Chri­sten ein Blut­bad ange­rich­tet haben, mit der mos­le­mi­schen Rück­erobe­rung 1187 ver­gli­chen, bei der die Mos­lems groß­her­zig die Bewoh­ner schon­ten. Auch in die­sem Fall sah die Rea­li­tät deut­lich anders aus.

Das christ­li­che Mas­sa­ker in Jeru­sa­lem war schreck­lich. Aller­dings galt es nach dem Kriegs­ko­dex jener Zeit als legi­tim, weil sich die Stadt gewei­gert hat­te, sich zu erge­ben und daher erstürmt wer­den muß­te. Wäh­rend das christ­li­che Mas­sa­ker obli­ga­to­ri­sche Erwäh­nung fin­det, wer­den die enor­men Blut­bä­der nach isla­mi­schen Erobe­run­gen meist ver­schwie­gen.

Als Sala­din Jeru­sa­lem bela­ger­te, sicher­te er den Chri­sten frei­en Abzug zu, wenn sie ihm die Stadt über­ge­ben. Gehen durf­ten dann aber nur jene, die ein zusätz­li­ches Kopf­geld bezahl­ten. Wer nicht zah­len konn­te, etwa die Hälf­te der Ein­woh­ner­schaft, wur­de ver­sklavt. Nach der Schlacht von Hat­tin war Sala­din noch weit weni­ger „groß­zü­gig“. Die gefan­gen­ge­nom­me­nen Chri­sten wur­den aus­nahms­los ent­haup­tet. Sala­din selbst betei­lig­te sich an den Hin­rich­tun­gen und beob­ach­te­te das Gemet­zel sei­ner Unter­ge­be­nen wie ein Schau­spiel. Imad ad-Din der Sekre­tär Sala­dins über­lie­fer­te: „Er [Sala­din] gab Befehl, alle zu ent­haup­ten. Er zog es vor sie zu töten, anstatt zu Skla­ven zu machen. Bei ihm war eine gan­ze Schar von Gelehr­ten und Sufis, und meh­re­re from­me und aske­ti­sche Män­ner: Jeder von die­sen bat ihn, zumin­dest einen umbrin­gen zu dür­fen“.

Gottes Krieger. Die Kreuzzüge in neuem Licht — Neues Buch räumt mit Geschichtsklitterung auf

Die­ses Zitat fin­det sich auch im neu­en Buch des ame­ri­ka­ni­schen Sozio­lo­gen Rod­ney Stark Got­tes Krie­ger. Die Kreuz­zü­ge in neu­em Licht, das in die­sen Tagen in deut­scher Aus­ga­be erscheint. Es räumt mit einer weit­ver­brei­te­ten ste­reo­ty­pi­sier­ten Ver­zer­rung der Kreuz­zü­ge auf.

Im Namen von Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, For­men von Selbst­haß und Fern­sten­lie­be ist ein umge­kehr­ter Ras­sis­mus ent­stan­den, der in ande­ren Kul­tu­ren Leucht­tür­me der Zivi­li­sa­ti­on erken­nen will, weil er in der eige­nen Kul­tur nur Into­le­ranz und Ableh­nungs­wür­di­ges zu fin­den meint. Ein Ver­hal­ten, das auch durch Rück­griff auf histo­ri­sche Ereig­nis­se wenig zu gegen­sei­ti­gem Respekt zwi­schen den Kul­tu­ren bei­tra­gen kann.

Text: UCCR/Giuseppe Nar­di
Bild: UCCR

32 Kommentare

  1. Das beste Buch zu den Kreuz­zü­gen ist immer noch das aus der Feder von Run­ci­man.

    Zu der Infor­ma­ti­on im zwei­ten Abschnitt des Tex­tes:

    „Am 11. Sep­tem­ber 1683 wur­den die Tür­ken vor Wien besiegt.“

    Die Tür­ken wur­den jedoch erst am 12. Sep­tem­ber 1683 in der Schlacht am Kah­len­berg besiegt. Damit bricht die für mei­ne Begrif­fe ohne­hin obsku­re Gleich­set­zung mit dem schreck­li­chen 11.9.2001 zusam­men. Unser Fest Mariä Namen wur­de zum Dank für die­sen Sieg ein­ge­führt.

    • Dar­un­ter steht ein Link zu einem wei­te­ren Arti­kel da fand ich fol­gen­den Absatz:

      „Dazu gehört auch Antio­chi­en, die einst blü­hen­de Stadt der Chri­sten­heit, des­sen erste Gemein­de vom Apo­stel Bar­na­bas gelei­tet wur­de und wo die Anhän­ger des Jesus von Naza­reth ihren Namen „Chri­sten“ erhiel­ten. Das „schreck­lich­ste Mas­sa­ker der gesam­ten Kreuz­zugs­epo­che“ folg­te der Erobe­rung Antio­chi­ens durch Bai­bars. Was aber wis­sen die west­li­chen Histo­ri­ker dar­über zu sagen? Ste­ven Run­ci­man wid­met acht Zei­len, Hans Eber­hard May­er eine ein­zi­ge, Cri­sto­pher Tyer­man, der vie­le Sei­ten allen Details des Mas­sa­kers von Jeru­sa­lem des 1. Kreuz­zu­ges wid­met, fal­len zum viel­fach grö­ße­ren Mas­sa­ker von Antio­chi­en ledig­lich vier Wor­te ein, Karen Arm­strong bringt es auf zwölf Wor­te und schafft es selbst dar­in den Kreuz­rit­tern die Schuld zuzu­schrei­ben, denn, so Arm­strong, sei es schließ­lich deren „Bedro­hung“ gewe­sen, die erst den „neu­en Islam“ geschaf­fen habe.“

      • Selt­sam nur, dass die Mus­li­me bis 1099 den Chri­sten gegen­über sehr tole­rant ein­ge­stellt waren…

        • Wer sagt und kann bekun­den, wie sich die Mus­li­me gegen­über Anders­gläu­bi­gen wie Chri­sten, bis 1099 nach Chri­stus ver­hal­ten haben? Bestimmt ist deren Über­heb­lich­keit gegen­über ande­ren reli­gio­nen älter als frü­he­stens zum jahr 1099. Wenn sie sich auf den Erz­engel Gabri­el beru­fen wol­len, beru­fen sie sich auf eine Licht­ge­stalt des Chri­sten­tums, auf das sie gering­schät­zig her­ab­blicken.

      • Was jetzt kommt, ist schon recht … hef­tig, jedoch ledig­lich Zita­te aus einem bestimm­ten „Hei­li­gen Text“ (d.h. wört­lich aus der Paret-Über­set­zung des Qur’an):

        Sure 2,216: „Euch ist vor­ge­schrie­ben, gegen die Ungläu­bi­gen zu kämp­fen, obwohl es euch zuwi­der ist. Aber viel­leicht ist euch etwas zuwi­der, wäh­rend es gut für euch ist, und viel­leicht liebt ihr etwas, wäh­rend es schlecht für euch ist. Allah weiß Bescheid, ihr aber nicht.“

        Sure 4,88+89: „Wie könnt ihr hin­sicht­lich der Heuch­ler unter­schied­li­cher Mei­nung sein, wo doch Allah sie wegen des­sen, was sie an Sün­den began­gen haben zu Fall gebracht hat! Wollt ihr denn recht­lei­ten, wen Allah irre­ge­führt hat? Wen Allah irre­führt, für den fin­dest du kei­nen Weg. [89] Sie möch­ten gern, ihr wäret ungläu­big, wie sie selbst ungläu­big sind, damit ihr alle gleich wäret. Nehmt daher nie­mand von ihnen zu Freun­den, solan­ge sie nicht ihrer­seits um Allahs wil­len aus­wan­dern! Und wenn sie sich abwen­den und eurer Auf­for­de­rung zum Glau­ben kein Gehör schen­ken, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie fin­det, und nehmt euch nie­mand von ihnen zum Freund oder Hel­fer!“ — et cete­ra, et cete­ra, et cete­ra …

        Ich will das jetzt gar nicht wei­ter bewer­ten, nur eines bemer­ken: sehr „tole­rant“ hört sich das mei­nes Erach­tens nicht gera­de an!

        • Sie wis­sen genau­so wie ich, dass es auch Suren gibt, die zur Tole­ranz auf­for­dern. Übri­gens — mit Hl. Schrif­ten wür­de ich da nicht argu­men­tie­ren. In der Bibel fin­den sich auch der­ar­ti­ge Stel­len. Man muss das halt histo­risch-kri­tisch aus­le­gen.
          Davon abge­se­hen: Fak­tisch war der Islam eine tole­ran­te Reli­gi­on gegen­über Juden und Chri­sten. Bis die Chri­sten 1099 Jeru­sa­lem erober­ten.

          • @Vincentius
            Der Unter­schied ist nur, dass bei dem Islam die gewalt­auf­ru­fen­den Suren bis heu­te gel­ten und danach zu leben ist.

            Beim Chri­sten­tum ist das nicht der Fall. Außer­dem gal­ten schon im AT die 10 Gebo­te Got­tes, u.a. „Du sollst nicht töten.“

          • Es gel­ten auch gleich­zei­tig die tole­ran­ten Suren, Sie kön­nen also unbe­sorgt in den Osten rei­sen!

            In Anbe­tracht des Tötungs­ver­bo­tes zieht sich lei­der doch eine Blut­spur durch das Chri­sten­tum. Gott­lob wird dadurch nicht die Bot­schaft des­avou­iert.

          • Wenn wir die Bibel so inter­pre­tier­ten, wie es eine win­zi­ge Min­der­heit der Mus­li­me tun, müss­ten wir Ehe­bre­che­rin­nen stei­ni­gen. Wahr ist: Die gro­ße Mas­se der Mus­li­me will nur in Ruhe ihr Leben füh­ren und ihre Reli­gi­on, an der nicht weni­ger, aber auch nicht mehr Blut klebt als an unse­rer (die gleich­wohl die uns von Gott geschenk­te Wahr­heit ist, die vie­le Chri­sten besu­delt haben), prak­ti­zie­ren.

          • Lie­be Anna, genau so isses! — Zur Gül­tig­keit & Bewer­tung von (ins­bes. ein­an­der wider­spre­chen­den) Koran-Ver­sen nur weni­ge Stich­wor­te, kann man ja mal recher­chie­ren: ‚medi­nen­si­sche vs. mek­ka-nische Suren‘ sowie ‚Abro­ga­ti­ons­prin­zip‘. Zum Zwei­ten: wie der Koran tat­säch­lich gele­sen und ver­stan­den wur­de und wird, zei­gen die Ver­gan­gen­heit und lei­der auch die Gegen­wart, mei­ne ich, sehr deut­lich.

      • Hier­zu noch die ent­spre­chen­de „Par­al­lel­stel­le“ aus dem Mat­thä­us-Evan­ge­li­um [1o,6ff.]: „[…] geht viel­mehr zu den ver­lo­re­nen Scha­fen des Hau­ses Isra­el! Wenn ihr aber hin­geht, so pre­digt: ‚Das Reich der Him­mel ist genaht.‘ Heilt Kran­ke, weckt Tote auf, macht Aus­sät­zi­ge rein, treibt Dämo­nen aus. Umsonst habt ihr es emp­fan­gen, umsonst gebt es! Ver­schafft euch nicht Gold noch Sil­ber noch Kup­fer in eure Gür­tel […] Wo ihr in eine Stadt kommt, erkun­digt euch, wer dar­in wür­dig sei, und bleibt dort, bis ihr wei­ter­zieht. Wenn ihr aber in das Haus ein­tre­tet, so grüßt es! Und wenn das Haus wür­dig ist, so soll euer Frie­dens­gruß über das­sel­be kom­men. […] Und wenn man euch nicht auf­nimmt und eure Wor­te anhört, so geht fort aus jenem Haus oder aus jener Stadt und schüt­telt den Staub von euren Füßen …“

    • Dan­ke für die­se Rich­tig­stel­lung. Es ist ein Schwach­sinn die glor­rei­che Ent­satz­schlacht vom 12. Sep­tem­ber 1683, der wir die Ret­tung des christ­li­chen Abend­lan­des ver­dan­ken mit dem 11. Sept. 2001 in Ver­bin­dung zu brin­gen.

      • Ja, ich würd mich freu­en, die­sen (o.g.) Film eines Tages auch mal auf Deutsch sehen zu kön­nen, aber ich befürch­te …! — Anders als jener Pro­pa­gan­da­schin­ken, ich mei­ne, Kino-Film ‚Fetih 1453 — Die Erobe­rung von Kon­stan­ti­no­pel‘ aus dem Jah­re 2o12 — der auch in Deutsch­land gleich DER Ren­ner wur­de, klar …
        … ich bin ein­fach nur froh und dank­bar, daß den Wie­nern (und damit nicht nur den Wie­nern, im Fal­le der Nie­der­la­ge!) das Schick­sal der Byzan­ti­ner erspart geblie­ben ist — zu dan­ken den ver­ein­ten Trup­pen des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches und des König­reichs Polen unter Jan III. Sobieski und Karl V. Leo­pold, Her­zog von Loth­rin­gen. Und zu dan­ken ganz sicher auch der Für­spra­che der Aller­se­lig­sten Jung­frau und Mut­ter­got­tes, der hl. Maria, unter deren Ban­ner dem schließ­lich sieg­rei­chen Hee­re der Ent­satz der Stadt Wien und folg­lich die Ver­tei­di­gung des gan­zen christ­li­chen Abend­lan­des gelin­gen durf­te. Ob wir andern­falls hier und jetzt, auf die­sem Forum, so frei & offen unse­re Mei­nun­gen ‚in rebus theo­lo­gi­cis & histo­ri­cis‘ äußern dürf­ten, ob andern­falls — hier und jetzt — ein sol­ches Forum über­haupt exi­stie­ren wür­de, laß ich mal dahin­ge­stellt (denn kon­tra­fak­ti­sche Kon­di­tio­nal­sät­ze sind ja immer wahr^^) … — wir brau­chen nicht ’stolz‘ dar­auf zu sein, denn es ist ja nicht unser Ver­dienst; aber ich glau­be, wir soll­ten jenes Ereig­nis immer in dank­ba­rer[!] Erin­ne­rung behal­ten.

  2. Dr. Edu­ard Wer­ner zu den Kreuz­zü­gen:

    Wenn er die mit­tel­al­ter­li­chen Kreuz­zü­ge schon ver­ur­tei­len will, so soll­te er vor­her die mos­le­mi­schen Angrei­fer unter die Lupe neh­men, wel­che den Kreuz­zü­gen vor­aus­ge­hen und die­se Krie­ge zumin­dest mit­ver­ur­sacht haben.
    .
    Die Län­der Nord­afri­kas waren schon ein hal­bes Jahr­tau­send christ­lich geprägt, bevor im 7. Jahr­hun­dert der neue Islam dort das Chri­sten­tum grau­sam zu ver­drän­gen begann.
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    Tau­sen­de christ­li­cher Kir­chen wur­den zer­stört oder isla­mi­siert.
    Und die weni­gen noch vor­han­de­nen Chri­sten wur­den unter­jocht.
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    die Kreuz­rit­ter woll­ten vor allem ihren bedräng­ten Glau­bens­brü­dern zu Hil­fe kom­men und die hei­li­gen Stät­ten zurück­er­obern…
    die Mos­lems haben etwa ein Jahr­tau­send lang Euro­pa bedroht.
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    Schon im 7. Jahr­hun­dert ging die berühm­te Biblio­thek Isi­dors von Sevil­la (560 – 636) an die Mos­lems ver­lo­ren.
    Die­se muss­ten 732 schon bei Tours in Frank­reich abge­wehrt wer­den. 883 haben die Mos­lems die Klo­ster-Biblio­thek in Mon­te Cas­si­no ein­ge­äschert und im 10. und 11. Jahr­hun­dert Rom bedroht.
    1453 haben die Mos­lems Kon­stan­ti­no­pel blu­tig erobert, 1683 stan­den sie vor Wien.
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    Auf dem erober­ten Bal­kan führ­ten sie die Buben­le­se durch d.h. jede christ­li­che Fami­lie muss­te einen Sohn für die tür­ki­schen Jani­tscha­ren ablie­fern.
    Das gab in den Fami­li­en oft herz­zer­rei­ßen­de Sze­nen.
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    Wer die Kreuz­zü­ge als dunk­les Kapi­tel in der Geschich­te des Abend­lan­des bezeich­net, kennt die wah­ren Zusam­men­hän­ge nicht.

    • Recht haben Sie,
      genau wie das dum­me Geschwätz über Inqui­si­ti­on, oder den angeb­li­chen katho­li­schen Hexen­wahn und ande­re Mär­chen, die nur in die Welt gesetzt wur­den um den Glau­ben zu zer­stö­ren.
      Die größ­te Mord­ma­schi­ne in der Geschich­te der Mensch­heit läuft heu­te vor unse­ren Augen ab.
      Den Mord haben die Schwäch­sten zu erdul­den, unge­bo­re­ne Kin­der, Alte, Schwa­che und Behin­der­te.
      An ihrer plan­mä­ßi­gen Ver­nich­tung arbei­ten gera­de die­je­ni­gen beson­ders inten­siv, die immer als Huma­ni­sten und Gut­men­schen auf­tre­ten.
      Das Gute ist nur, dass Chri­stus sie schon gerich­tet hat…
      Eigent­lich ganz tröst­lich!

      • Sehr tref­fend. Mei­nes Wis­sens nach hat es noch nie eine Gesell­schaft gege­ben, die es ermög­licht hat, dass ihr eige­ner Nach­wuchs mas­sen­haft im Mut­ter­leib abge­tö­tet wird. Eine solch bar­ba­ri­sche Gesell­schaft hat sich selbst von jeder Zivi­li­sa­ti­on abge­trennt und das Recht ver­wirkt, sich über ver­meint­li­che oder tat­säch­li­che Greu­el­ta­ten der Zeit­läuf­te mora­lisch zu erhe­ben.

      • Ja, und wahr­schein­lich auch noch nie eine Gesell­schaft, die — in gro­ßen, domi­nan­ten Tei­len — so vol­ler fata­ler Igno­ranz, ja man muß schon sagen, so vol­ler Wider­wil­len und Ver­ach­tung für ihre eige­ne Her­kunft, ihre Geschich­te und Tra­di­tio­nen gewe­sen wäre, und damit letzt­lich so vol­ler Ver­ach­tung für das Fun­da­ment, das ihr eige­nes Ent­ste­hen über­haupt erst mög­lich gemacht hat, wie die unse­re … tat­säch­lich zu sein scheint[?] …
        … für die Kir­che, jeden­falls „in (all­zu) gro­ßen Tei­len“ gilt exakt das Näm­li­che. — Das ist Undank­bar­keit und Hoch­mut, ich nenn’s einen ‚histo­ri­schen Chau­vi­nis­mus‘ — den­je­ni­gen gegen­über, die uns vor­aus­ge­gan­gen sind; die mit glü­hen­der Lie­be, mit viel Mühe und Geduld — und manch­mal unter gro­ßen Opfern (und auch nach schlim­men Erfah­run­gen eige­ner Sünd­haf­tig­keit und Schuld) — auf­ge­baut haben, was heu­te viel­fach nur mehr ver­höhnt, ver­spot­tet, nach­ge­ra­de gehaßt, nie­der­ge­ris­sen und schließ­lich völ­lig zer­stört wird (gera­de von sol­chen, die sich selbst für „unglaub­lich tole­rant“ hal­ten, und die sonst für aber auch alles — in Wirk­lich­keit all­zu oft höchst Frag­wür­di­ge, Fal­sche und Schlech­te — „Ver­ständ­nis“ haben) — und das kann auf die Dau­er nicht gut gehen .….

    • Im 7. Jahr­hun­dert konn­te die Biblio­thek des Isi­dor nicht ver­lo­ren­ge­hen — die Mus­li­me waren erst nach 711 in Spa­ni­en.
      Wenn Sie schon die Mas­sa­ker der Mus­li­me an Chri­sten erwäh­nen, soll­te man zB auch die blu­ti­ge Erobe­rung Alex­an­dri­ens im 14 Jahr­hun­dert durch den zypri­schen König erwäh­nen oder die Zwangs­mis­sio­nie­rung spa­ni­scher Juden und Mus­li­me nach 1492.
      Wahr ist: Chri­sten­tum und Islam haben sich gegen­sei­tig nichts an Bar­ba­rei geschenkt.

  3. Zu dem Satz des Arti­kels: „Das neue­ste Bei­spiel betrifft den euro­päi­schen Abwehr­kampf gegen die osma­nisch-isla­mi­schen Erobe­rungs­zü­ge, der einen Zeit­raum von mehr als 800 Jah­ren von der Schlacht von Manz­i­kert 1071 bis ins frü­he 20. Jahr­hun­dert umfaß­te.“ — Beschränkt man sich nicht allein auf den ‚osma­ni­schen Anteil‘, son­dern rech­net seit dem Beginn der Erobe­rung des West­go­ti­schen König­reichs 711, so kommt man gar auf sat­te 1ooo Jah­re … — gefällt gar nicht .….

  4. „Tat­säch­lich scheint es gelun­gen, die Kreuz­zü­ge in der kol­lek­ti­ven Wahr­neh­mung als Ste­reo­ty­pe für Fana­tis­mus und reli­giö­se Into­le­ranz zu ver­an­kern, oder anders aus­ge­drückt, als eines der schlimm­sten Ver­bre­chen, des­sen sich die katho­li­sche Kir­che und das Chri­sten­tum schul­dig gemacht habe.“
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    Wie wahr! Und jetzt haben wir auch noch einen Papst, der in die sel­be Ker­be schlägt: „Eini­ge Chri­sten haben sich in der Geschich­te geirrt, den Weg ver­las­sen, sie haben Hee­re auf­ge­stellt, sie haben Glau­bens­krie­ge geführt. Das ist eine ande­re Geschich­te, nicht die Geschich­te der Lie­be.“ Wer sol­che Päp­ste hat, braucht kei­ne anti­ka­tho­li­sche Pro­pa­gan­da mehr!

      • So ziem­lich alles, mon cher. Denn auch die Kreuz­zü­ge waren bei Lich­te bese­hen eine Geschich­te der Lie­be. Es gibt den gerech­ten Krieg und die­ses Fak­tum ist biblisch und lehr­amt­lich sehr gut belegt. Lei­der haben wir einen Papst der zu infla­tio­nä­ren, ein­sei­ti­gen und ver­kür­zen­den Inter­pre­ta­tio­nen neigt. Das kann für ihn und uns sehr gefähr­lich wer­den!

      • Sie sind ein Zyni­ker. Wo ist die Geschich­te der Lie­be, als im Zuge des ersten Kreuz­zugs Juden im Rhein­land zwangs­ge­tauft oder umge­bracht wur­den? Wo ist die Lie­be bei einem Angriffs­krieg? Die Sel­dschu­ken haben den ost­rö­mi­schen Kai­ser ange­grif­fen, nicht Ägyp­ten oder Syri­en. Womit recht­fer­ti­gen Sie das Mas­sa­ker bei der Erobe­rung Jeru­sa­lems? Da war kei­ne Lie­be im Spiel. Macht­po­li­ti­sche Inter­es­sen sehr wohl. Von „gerech­ten Krie­gen“ — der Begriff stammt aus der Lehr­tra­di­ti­on nach Augu­sti­nus (+ 430) fin­den Sie in der Bibel gewiss nichts — und wenn man sich die Äuße­run­gen von Bene­dikt XV. und Pius XII. zum The­ma Krieg durch­liest, wird man fest­stel­len, dass das Lehr­amt sich schon seit gerau­mer Zeit vom frag­wür­di­gen Theo­lo­go­u­me­non des „Gerech­ten Krie­ges“ abge­wandt hat. Von einem sol­chen kann ja nur dann gespro­chen wer­den, wenn bestimm­te Bedin­gun­gen erfüllt sind — eine ulti­ma ratio waren Kriegs­hand­lun­gen im 11.–13. Jahr­hun­dert nicht. Das lehrt der Blick auf Fried­rich II., der auf diplo­ma­ti­schem Wege Jeru­sa­lem in Besitz nahm.

        • Mit­nich­ten! Wohl eher sind die men­schen­ver­ach­ten­de Zyni­ker, die, wie u. a. Sie, geschicht­li­che Ver­hal­tens­wei­sen vom heu­ti­gen Ver­ste­hens­ho­ri­zio­nt hoch­nä­sig be- und ver­ur­tei­len. Grund­idee für die Kreuz­zü­ge war in erster Linie der lau­te­re Wil­le zur Ver­tei­di­gung des christ­li­chen Glau­bens und sei­ner Kul­tur sowie die Hil­fe für christ­li­che Pil­ger gegen die Bar­ba­rei der Gott­lo­sen. Rit­ter­li­che Tugen­den sowie eine bren­nen­de Lie­be zu Chri­stus und der Kir­che waren die Haupt­mo­ti­ve der Krie­ger, mit denen sie für Papst und Glau­ben ihr Leben in die Schlacht war­fen und es oft­mals grau­sam ver­lo­ren. Dass dann mit­un­ter Hab­sucht und macht­po­li­ti­sche Erwä­gun­gen bei den Men­schen die Ober­hand gewan­nen und es auch Unrecht gege­ben hat, steht auf einem ganz ande­ren Blatt. Und wenn Sie mei­nen, es gäbe in der Schrift nur den lie­ben­den, zärt­li­chen, güti­gen, barm­her­zi­gen, all­zeit ver­ge­ben­den, sich auf bei­de Wan­gen schla­gen las­sen­den und nicht auch den zür­nen­den, grau­sam stra­fen­den, krie­ge­ri­schen, rich­ten­den, eben den gerech­ten Gott, dann blen­den Sie offen­sicht­lich das Alte Testa­ment, die Geschich­te Isra­els, die End­zeit­re­de Jesu, die Apo­ka­lyp­se ect. pp. voll­stän­dig aus, belü­gen sich und ande­re mit ihrem ein­sei­tig gut­mensch­lich-kit­schi­gen Got­tes­bild und ver­ur­tei­len auf­grund eben die­ses neu­zeit­lich ver­kürz­ten Got­tes­bil­des leicht­fer­tig Men­schen, die ihrer­seits nur dem Gewis­sen gefolgt sind und glaub­ten, Got­tes Wil­len zu tun. Und wer weiß, viel­leicht war es ja der Wil­le Got­tes!? Der Wil­le des Pap­stes, dem wir ja Ihren Wor­ten nach als gute Katho­li­ken immer und zu allen Zei­ten und unter allen Umstän­den in bedin­gungs­lo­sem Gehor­sam zu fol­gen haben, war es in jedem Fal­le.

          • Und wie erklä­ren Sie sich den Tod der ägyp­ti­schen Streit­macht im Roten Meer? Ach, ich kann die Ant­wort erra­ten: alles nur Mythos, Gott ist der ganz ande­re und die Jesui­ten und Herr Vin­cen­ti­us sind sei­ne Inter­pre­ten und solan­ge Fran­zis­kuss die­sen Inter­pre­ta­tio­nen folgt, hat er ple­na potestas, wes­we­gen die Gläu­bi­gen ihm gefäl­ligst wider­spruchs­los und in krie­che­ri­schem Glau­bens­ge­hor­sam zu fol­gen haben, wenn nicht, ist er ein Blöd­mann, der sein Amt miss­braucht (Ihr State­ment vom 29.04.11:29: https://www.katholisches.info/2013/04/28/freiburger-diozesanversammlung-erzbischof-zollitsch-will-spezifisches-diakonenamt-fur-frauen) . Hörens doch auf, Vin­cen­ti­us, Sie machen sich nur­mehr lächer­lich!

          • Dan­ke, hicest­ho­die für die­se Aus­füh­run­gen. Es ist ein Unding unse­rer so unsäg­li­chen Zeit, die Hand­lungs­wei­se unse­rer Vor­fah­ren aus heu­ti­ger Sicht zu betrach­ten und zu ver­ur­tei­len. Dies ist bei den Kreuz­zü­gen so, bei den Kon­qui­sta­to­ren in Süd und Mit­tel­ame­ri­ka, beim drei­ßig­jäh­ri­gen
            Krie­ge etc. pp. Das von poli­tisch und auch kirch­lich links ste­hen­den Jour­na­li­sten und Kle­ri­kern oft zitier­te Mär­chen vom „Moder­nen Men­schen“ der ja real gar nicht exi­stiert, paßt genau in die­ses Sche­ma. Alles was vor unse­rer, ach so moder­nen Zeit war, ist völ­lig obso­let und die Hand­lun­gen der Vor­fah­ren zu ver­ur­tei­len. Nach dem Mot­to: Alles was vor 1960 war, ab in den Müll­ei­mer der Geschich­te. Uner­träg­lich die­se Auf­fas­sung!

          • Genau das aber behaup­tet der „Pro­phet“ Moham­med und steht als Anwei­sung so im Koran (Kopf­ab-Sure).
            … jaja: es steht auch wie­der drin, dass man eigent­lich auch barm­her­zig sein soll/könnte:
            Da hat man dann schon die Wahl als Musel­ma­ne 😉
            Als Christ hat man die­se Auf­for­de­rung nicht.

  5. Wer sagt und kann bekun­den, wie sich die Mus­li­me gegen­über Anders­gläu­bi­gen wie Chri­sten, bis 1099 nach Chri­stus ver­hal­ten haben? Bestimmt ist deren Über­heb­lich­keit gegen­über ande­ren reli­gio­nen älter als frü­he­stens zum jahr 1099. Wenn sie sich auf den Erz­engel Gabri­el beru­fen wol­len, beru­fen sie sich auf eine Licht­ge­stalt des Chri­sten­tums, auf das sie gering­schät­zig her­ab­blicken.

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