Die Heilkraft der Liturgie. Ein Gedankenspiel

Liturgie als Therapievon Peter Ste­phan

Christus liebt nicht die Armut, sondern die Armen

Vor eini­gen Wochen befaß­te sich der Arti­kel Lit­ur­gie muß schön sein mit der Sym­bo­lik des prie­ster­li­chen Ornats, der in sei­ner Kost­bar­keit und sei­nem Schmuck die außerwelt­li­che Herr­lich­keit Got­tes ver­ge­gen­wär­tigt und sich damit ganz bewußt von der innerwelt­li­chen Armut der mensch­li­chen Exi­stenz abhebt. In ihrem Glanz ist die Lit­ur­gie Abglanz der Herr­lich­keit Got­tes und damit auch ein Gegen­bild zum fal­schen Gla­mour die­ser Welt.

Die­se Sym­bo­lik fin­det ihre Recht­fer­ti­gung gera­de in der Gestalt des mensch­ge­wor­de­nen Got­tes­soh­nes. Zwar ver­ließ Chri­stus bei Sei­ner Mensch­wer­dung die himm­li­sche Herr­lich­keit und trat in die Armut der Welt hin­ein, doch tat er dies nicht um der Armut wil­len – eben­so, wie Er die Sün­de der Welt nicht auf sich nahm, weil er die Sün­de an sich lieb­te. Viel­mehr nahm Er Sün­de und Armut auf sich, um die Sün­der und die Armen zu hei­li­gen, um ihnen die Schät­ze des Him­mel­reichs zu erschlie­ßen.

Der Priester als Arzt

In sei­ner Zuwen­dung zu den Armen und den Sün­dern gleicht Chri­stus einem Arzt, der sich Kei­men und Schmutz nicht aus Lie­be zur Krank­heit, son­dern aus Für­sor­ge für die Kran­ken aus­setzt. Die Meta­pher des ‚Chri­stus Medi­cus’ hat eine lan­ge Tra­di­ti­on. Schon die Väter der frü­hen Kir­che ver­stan­den die Sün­de als eine Krank­heit der See­le, wes­halb sie die wun­der­sa­men Hei­lun­gen Chri­sti nicht nur als phy­sio­lo­gi­sche, son­dern auch als spi­ri­tu­el­le Akte deu­te­ten. Igna­ti­us von Antio­chi­en, Augu­sti­nus und Luther ver­gli­chen Chri­stus expli­zit mit einem Arzt, wäh­rend The­re­sa von Avi­la die Sakra­men­te als eine geist­li­che Medi­zin defi­nier­te. Im 18. Jahr­hun­dert wur­de dar­über hin­aus das Bild vom ‚Hei­land’ als einem Apo­the­ker popu­lär. ((Vgl. Rein­hard von Ben­de­mann: Chri­stus medi­cus. Neu­kir­che­ner, Neu­kir­chen-Vluyn 2009; Woty Goll­wit­zer-Voll, Chri­stus Medi­cus — Hei­lung als Myste­ri­um. Inter­pre­ta­tio­nen eines alten Chri­stus­na­mens und des­sen Bedeu­tung in der Prak­ti­schen Theo­lo­gie, Pader­born 2007; Jörg Hüb­ner: Chri­stus medi­cus. Ein Sym­bol des Erlö­sungs­ge­sche­hens und ein Modell ärzt­li­chen Han­delns; in: Keryg­ma und Dog­ma 31 (1985), S. 324–335 u. Johann Anselm Stei­ger: Medi­zi­ni­sche Theo­lo­gie: Chri­stus medi­cus und theo­lo­gia medi­ci­na­lis bei Mar­tin Luther und im Luther­tum der Barock­zeit (E‑Book) 2005)). Auch die Lit­ur­gie ver­gleicht das Wir­ken Chri­sti mit dem eines Arz­tes. Nicht von unge­fähr bit­ten die Gläu­bi­gen zur Kom­mu­ni­on: „Domi­ne, non sum dignus ut intres sub tec­tum meum, sed tan­tum dic ver­bo et sana­b­itur ani­ma mea (Herr, ich bin nicht wür­dig, daß Du ein­gehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird mei­ne See­le gesund.“). In Ana­lo­gie zu Chri­stus wur­de auch der Prie­ster, der die Sakra­men­te spen­det und die Men­schen zu einer gott­ge­fäl­li­gen Lebens­wei­se auf­ruft, mit einem Arzt ver­gli­chen, etwa im Kate­chis­mus des Kon­zils von Tri­ent.

Die Kirche als Heil(s)anstalt

Ent­wickelt man den Ver­gleich von pasto­ra­lem und medi­zi­ni­schem Wir­ken wei­ter, so ent­spricht die Kir­che einem Hospi­tal oder einem Sana­to­ri­um. Des­sen Ärz­te und Pfle­ger kom­men mit den Erre­gern, dem Blut, dem Eiter und dem Aus­wurf der Kran­ken auf ähn­li­che Wei­se in Berüh­rung wie Chri­stus und die Prie­ster mit dem Schmutz der Sün­de. Um hei­len zu kön­nen, des­in­fi­zie­ren die Ärz­te ihre Hän­de und wech­seln die Klei­dung. Eben­so hal­ten sie die Pati­en­ten zur Sau­ber­keit an. Des wei­te­ren ver­wen­den sie höchst teu­re Instru­men­te und auf­wen­di­ge Appa­ra­te. Für den Erhalt des Lebens ist ihnen kein Preis zu hoch. Hin­zu tre­ten the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men. Musik in den Auf­ent­halts­räu­men soll für eine gute Grund­stim­mung sor­gen. Bil­der mit schö­nen Natur­auf­nah­men stär­ken bei den Gene­sen­den den Wil­len, ins gesun­de Leben zurück­zu­keh­ren, wäh­rend sie den chro­nisch Kran­ken ein Stück jener Welt zurück­ge­ben, die für sie uner­reich­bar gewor­den ist. Den einen sind die Bil­der Froh­bot­schaft, den ande­ren immer­hin Trost.

Liturgie als Therapie

Was die Medi­zin inner­halb der Kran­ken­für­sor­ge lei­stet, lei­stet die Kir­che in der Seel­sor­ge, wobei die Kate­che­se der medi­zi­ni­schen Auf­klä­rung, die Gewis­sens­er­for­schung der Ana­mne­se und Dia­gno­se und die Spen­dung der Sakra­men­te dem Ver­ab­rei­chen der Medi­zin ent­spre­chen. Den Haupt­an­teil nimmt frei­lich die Lit­ur­gie ein. Sie kommt einer ganz­heit­li­chen The­ra­pie gleich. In ihrem Rah­men sol­len die Kir­chen­mu­sik und die Bild­kunst ein Vor­schein der himm­li­schen Herr­lich­keit sein und in den Gläu­bi­gen das Ver­lan­gen nach dem ewi­gen Leben ver­stär­ken. Die Para­men­te sol­len sich in ihrer Rein­heit und Schön­heit vom Elend und Schmutz des All­tags abhe­ben und so eine Vor­stel­lung von der Herr­lich­keit des ewi­gen Lebens ver­mit­teln. Die wert­vol­len Altar­ge­rä­te sind Instru­men­te des Heils. Ihre Hand­ha­bung muß äußerst sorg­fäl­tig erfol­gen, beson­ders im Umgang mit der wirk­sam­sten aller Arz­nei­en, der Eucha­ri­stie. Nicht das win­zig­ste Par­ti­kel und nicht das klein­ste Tröpf­chen dür­fen ver­lo­ren­ge­hen.

Wenn Ärzte nicht mehr an die Heilung und Priester nicht mehr an Erlösung glauben

Doch wie wäre es um ein Kran­ken­haus bestellt, in dem die Ärz­te an ihren Fähig­kei­ten, die Kran­ken zu hei­len, zwei­fel­ten? Wenn sie ihre Auf­ga­be vor allem dar­in sähen, am Elend der Men­schen emo­tio­nal Anteil zu neh­men? Wenn sau­be­re Arzt­kit­tel plötz­lich als Aus­druck von Abge­ho­ben­heit oder gar Stan­des­dün­kel ange­se­hen wür­den? Wenn Medi­zin­pro­fes­so­ren ihren Stu­den­ten bei­bräch­ten, die Besei­ti­gung von Schmutz bedeu­te eine Ver­leug­nung der Rea­li­tä­ten, kön­ne als Miß­ach­tung von Leid ver­stan­den wer­den? Wenn schö­ne Musik und schö­ne Bil­der plötz­lich als lee­re Ver­spre­chun­gen, ja als mani­pu­la­ti­ve Vor­spie­ge­lung einer hei­len Welt erschie­nen? Wenn qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Instru­men­te als Geld­ver­schwen­dung abge­tan wür­den? Wenn die sog. „Appa­ra­te­me­di­zin“ als inhu­man kri­ti­siert wür­de, weil sie angeb­lich nicht den Men­schen, son­dern die Maschi­ne in den Mit­tel­punkt rücke? Wenn man mit Medi­ka­men­ten acht­los umgin­ge, weil man ihnen ohne­hin kei­ne ech­te Wir­kung, son­dern allen­falls einen Pla­ce­bo-Effekt zubil­lig­te?

Nachlässigkeit als Barmherzigkeit

Unter sol­chen Rah­men­be­din­gun­gen erschie­nen Krank­heit und Elend als unver­meid­ba­re Tat­sa­chen. Eine – zuge­ge­ben sehr nega­ti­ve – Bewäl­ti­gungs­stra­te­gie könn­te dar­in bestehen, das Lei­den als gerech­te Stra­fe für eine fal­sche Lebens­füh­rung zu deu­ten. Als Gegen­re­ak­ti­on auf die­se Schuld­kul­tur wür­de sich sehr wahr­schein­lich ein zwei­ter, schein­bar posi­ti­ver Ansatz eta­blie­ren. Die Ärz­te wür­den behaup­ten, es ste­he ihnen gar nicht zu, zu beur­tei­len, wann ein Mensch krank sei und wann nicht. Nie­mand dür­fe über einen ande­ren Men­schen eine Dia­gno­se aus­spre­chen, geschwei­ge denn einem ande­ren Men­schen hin­sicht­lich sei­ner Lebens­füh­rung Vor­schrif­ten ertei­len. Wenn ein Arzt den Men­schen wirk­lich hel­fen wol­le, müs­se er für ihre Erkran­kun­gen Ver­ständ­nis auf­brin­gen, den Pati­en­ten Mut machen, zu ihren Krank­hei­ten zu ste­hen und ihnen hel­fen, das Leid posi­tiv zu sehen. Schließ­lich sei Krank­sein sei etwas ganz Natür­li­ches. Zur Not gäbe es ja ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel oder aber Schmerz- und Betäu­bungs­mit­tel. Im Extrem­fall kön­ne man – selbst­ver­ständ­lich in einem Akt der Huma­ni­tät – die Lei­dens­zeit auch durch Ster­be­hil­fe ver­kür­zen.

Die unaus­weich­li­che Fol­ge einer sol­chen Berufs­auf­fas­sung, die statt zu hei­len besten­falls lin­dert, in der Regel aber nur beschwich­tigt oder ver­drängt, wäre, daß die Hygie­ne in den Kran­ken­häu­sern nach einer Wei­le rapi­de abnäh­me. Die Krank­hei­ten wür­den sich stark ver­meh­ren, längst aus­ge­stor­ben geglaub­te Seu­chen wür­den wie­der wüten. Es wür­de eine „sump­fig-sticki­ge“ Atmo­sphä­re herr­schen; von „fri­scher Luft“ sprä­chen allen­falls jene, die an Beatmungs­ge­rä­te ange­schlos­sen und den Bezug zur Rea­li­tät längst ver­lo­ren hät­ten.

Der Niedergang der Liturgie resultiert aus einer falsch verstandenen Humanität und aus der Negierung des Transzendenten

Den Kran­ken­häu­sern, in denen sol­chen Zustän­de herrsch­ten, ent­sprä­che eine Kir­che, die den Bezug zum Tran­szen­den­ten weit­ge­hend ver­lo­ren hät­te. Die sich nicht mehr zutrau­te, die Men­schen zum ewi­gen Heil zu füh­ren, weil ihre Prie­ster und Theo­lo­gen selbst an der Ewig­keit zwei­fel­ten; weil sie auf­grund eines falsch ver­stan­de­nen Barm­her­zig­keits­be­griffs und einer irri­gen Vor­stel­lung von Welt­of­fen­heit zu sehr im Hier und Heu­te ver­haf­tet wäre. Eine sol­che Kir­che wür­de auch jede Form einer fei­er­li­chen Lit­ur­gie ableh­nen, weil sie sich ein­re­de­te, dann nicht mehr bei den Men­schen zu sein. Sie könn­te sich nicht mehr vor­stel­len, daß die Pracht der Para­men­te, die Wür­de der Riten, die Erha­ben­heit der Musik, die Schön­heit der Bil­der und die Kost­bar­keit der Gerä­te Aus­druck gött­li­chen Heils­han­delns sind. Folg­lich erschie­ne Lit­ur­gie nur noch als die Selbst­dar­stel­lung einer ent­rück­ten kle­ri­ka­len Eli­te, die für das Leid in der Welt nicht mehr offen sei, und sich dar­auf beschrän­ke, die Ein­fäl­ti­gem und Gut­gläu­bi­gen zu mani­pu­lie­ren, indem sie den Gla­mour der Welt für den Glanz des Him­mels aus­gä­be.

Liturgischer Pauperismus und medizinische Nachlässigkeit – ein Armutszeugnis!

In einer sol­chen Kir­che wür­de die Fei­er­lich­keit der Lit­ur­gie auf ein Mini­mum redu­ziert. Die Got­tes­dien­ste gerie­ten mehr und mehr zu Soap Ope­ras a la Emer­gy Room oder Schwarz­wald­kli­nik: mit Prie­stern wie Geor­ge Cloo­ney als Dr. Dou­glas oder Bischö­fen wie Klaus Wussow als Prof. Dr. Brink­mann.

Doch zumin­dest in der Rea­li­tät hat der Tele­no­ve­la-Kitsch der Glau­bens­fer­ne, die heu­te in vie­len Gemein­den und an vie­len Lehr­stüh­len herrscht, eines vor­aus: die Klei­der des Kran­ken­haus­per­so­nals sind makel­los, die Appa­ra­te von bester Qua­li­tät, die Aus­stat­tung der Kran­ken­häu­ser vor­bild­lich. Das Gros der Fern­seh­zu­schau­er will Ärz­te sehen, die über mit­füh­len­de Rühr­se­lig­keit hin­aus Auto­ri­tät besit­zen; die wirk­lich den Anspruch und den Wil­len haben zu hei­len. Nach sol­chen Prie­stern sehnt sich auch die Mehr­heit der Gläu­bi­gen. Lit­ur­gie wird umso glaub­wür­di­ger und authen­ti­scher, je weni­ger sie sich dem irdi­schen Elend anpaßt und je mehr sie die himm­li­sche Herr­lich­keit ver­ge­gen­wär­tigt. In der Lit­ur­gie hat Pau­per­is­mus eben­so wenig zu suchen wie Resi­gna­ti­on und Schlen­dri­an in einer Kli­nik.

Prof. Dr. Peter Ste­phan hat Geschich­te, Kir­chen­ge­schich­te und Kunst­ge­schich­te stu­diert und ist apl. Pro­fes­sor für Kunst­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Frei­burg im Breis­gau. Zugleich lehrt er als Pro­fes­sor für Archi­tek­tur­theo­rie an der Fach­hoch­schu­le Pots­dam und ist Dozent für Phi­lo­so­phie der Ästhe­tik am Insti­tut St. Phil­ipp Neri in Ber­lin.

Bild: Mes­sa in lati­no

24 Kommentare

  1. Das „Geheim­nis des Glau­bens“ muss einen ange­mes­se­nen Aus­druck fin­den. Und das kann nur im Reich­tum, in der Über­fül­le der gött­li­chen Gaben gesche­hen, die er uns trotz allem schenkt. Ist nicht schon die Bibel voll der schön­sten Tex­te? Es geht nicht dar­um, dass ein Heer christ­li­cher Künst­ler auf­tritt und sich anhand des christ­li­chen Glau­bens pro­fi­lie­ren will. Das ist in der Tat ganz falsch und arti­fi­zi­ell — und das ist lei­der häu­fi­ge Rea­li­tät in der „frisch­luf­ti­gen“ Kir­che. Beton­klotz­kir­chen, häss­li­che Kir­chen­fen­ster in Grau­tö­nen, blas­phe­mi­sche Altar­kreu­ze und geist­tö­ten­de, mora­li­sti­sche Poe­sie… Es ist zum Davon­lau­fen.…
    Viel­leicht gelingt das Schö­ne dann, wenn wir nur eines wol­len, eines mit jeder Faser unse­res Seins: Gott ins Zen­trum stel­len, Jesus erwar­ten und unse­re Umkehr erbit­ten. Wun­der­sa­mer­wei­se sind bei Men­schen, die das woll­ten, immer die aller­schön­sten Kunst­wer­ke ent­stan­den, von deren inne­rem Reich­tum die Kir­che heu­te noch zehrt. Haben nicht zum Bei­spiel Johan­nes vom Kreuz und Tere­sa von Avi­la ganz „neben­bei“ die schön­ste spa­ni­sche Poe­sie geschrie­ben…
    Den Sei­nen gibt es der Herr wirk­lich im Schlaf, dann wenn wir leer sind und arm, macht er uns reich.
    Unser Pro­blem ist heu­te dop­pelt: wir wol­len nicht „arm“ sein vor Gott (pau­per spi­ri­tu), wir wol­len, dass er uns ein paar Arme zur Pro­fi­lie­rung der eige­nen Güte gibt, und wir wol­len Gott stän­dig aus eige­nem Ver­mö­gen einen Tem­pel bau­en. Wir ver­ste­hen nicht, dass er uns als leben­di­ge Stei­ne benut­zen will…
    Und weil wir des­halb so ver­armt sind, schwa­dro­nie­ren wir so ger­ne von der Lie­be zu den Armen, von der armen Kir­che und der Demut hin­ten und vor­ne…
    Gott gibt in sol­chen Fäl­len sei­nen Armen sei­nen Reich­tum. Wäh­rend wir uns noch um mora­li­sti­sche Armuts­plät­ze im ersten Rang strei­ten, lässt Gott anders­wo etwas Neu­es wach­sen.
    Bleibt nur, ihn zu bit­ten, dass wir da, wo er wirkt, dabei sein dür­fen, unver­dient und gera­de noch mal davon­ge­kom­men.

    • „die Kir­chen­mu­sik und die Bild­kunst [sol­len] ein Vor­schein der himm­li­schen Herr­lich­keit sein und in den Gläu­bi­gen das Ver­lan­gen nach dem ewi­gen Leben ver­stär­ken. Die Para­men­te sol­len … in ihrer Rein­heit und Schön­heit … eine Vor­stel­lung von der Herr­lich­keit des ewi­gen Lebens ver­mit­teln.“
      Das klingt über­zeu­gend. Was aber ist, wenn die Men­schen sol­che Ästhe­tik gar nicht mehr ver­ste­hen und schät­zen, und sei sie noch so ehr­wür­dig und theo­lo­gisch durch­dacht? Dann wirkt der kirch­li­che Prunk muse­al lang­wei­lig oder gar lächer­lich. Man iden­ti­fi­ziert sich damit nicht mehr und sucht Erbau­ung anders­wo. Gut, wenn der eine oder ande­re Prie­ster der ver­än­der­ten Men­ta­li­tät mit klei­nen Zuge­ständ­nis­sen ent­ge­gen­kommt., z.B. mit neu­en Lie­dern oder ad hoc geschrie­be­nen Tex­ten.

      • Eben! Ich zweif­le auch, ob afri­ka­ni­sche oder asia­ti­sche Chri­stin­nen und Chri­sten ein bai­risch-barockes Lebens­ge­fühl (so schön es ist!) nach­voll­zie­hen kön­nen.

        • Sie haben wahr­schein­lich Recht. Ich dach­te eher an die Mas­se unse­rer eige­nen Zeit­ge­nos­sen in Deutsch­land. Öster­reich usw., die mit der tra­di­tio­nel­len Ver­bal- und For­men­spra­che der Kir­che nichts anfan­gen kön­nen.

          • Unse­ren Zeit­ge­nos­sen mögen wir näher sein, nahe sind wir Ihnen jeden­falls nicht. Was mei­nen Sie, wie­vie­le Leu­te ich auf­klä­ren muss­te, dass hin­ter den roten Schu­hen des Pap­stes kein homo­se­xu­el­les Outing, son­dern die Über­nah­me einer Tra­di­ti­on der römi­schen Kai­ser steckt…

  2. Wenn der Autor hier den Erz­ket­zer, Kir­chen­spal­ter, Ako­ho­li­ker, Tot­schlä­ger, Ehe­bre­cher und Neu­ro­ti­ker „Luther“ zustim­mend zitiert, ist dies nicht nur erschüt­ternd für ein kern­ka­tho­lisch sein wol­len­des Por­tal, son­dern macht sei­nen gan­zen Text zu einem abscheu­li­chen Geschreib­sel.

    • Unsinn! Wenn Luther sagt: „Der Herr ist der Arzt!“ ist es falsch? Wenn aber The­re­sia sagt: „Der Herr ist der Arzt!“ dann ist es rich­tig????
      Wahr­heit ist nach katho­li­scher Leh­re nicht an die mensch­li­che Per­son gebun­den. Andern­falls könn­te auch sakra­men­ta­les Han­deln — wenn es kor­rekt erfolgt — nicht auch dann gül­tig sein, wenn der Spen­der ein Häre­ti­ker ist.

      • Das ist prin­zi­pi­ell rich­tig, ver­ehr­te zeit­schnur. Nur müs­sen wir uns in einem zwei­ten Schritt fra­gen, haben Luther und The­re­sia das glei­che Auf­fas­sung vom Hei­len, wenn sie vom Herrn als Arzt spre­chen? Da spielt dann die Gna­den­leh­re mit hin­ein. Luther ver­steht dem­nach Gott als Arzt, der heilt, indem er die Krank­hei­ten des Men­schen auf sich nimmt, der Mensch sich also um sei­ne krank­ma­chen­de Lebens­wei­se über­haupt nicht beküm­mern muss, qua­si ein Heils­au­to­ma­tis­mus. Wäh­rend The­re­sia Gott als einen Arzt sieht, der heilt, ohne dabei die not­wen­di­ge Mit­wir­kung des Pati­en­ten außer acht zu las­sen, eine gesun­de Lebens­wei­se zu füh­ren. Das ist, im Bil­de gespro­chen, der Unter­schied zwi­schen luthe­ri­scher und katho­li­scher Gna­den­leh­re. Hier bil­li­ger Heils­op­ti­mis­mus, der den Men­schen nicht ernst nimmt und ihm daher auch nicht gerecht wird. Da die rea­le Sicht auf den Men­schen, der grund­sätz­lich frei ist, sich gegen Gott zu ent­schei­den und daher Ver­ant­wor­tung für sein Leben und sein ewi­ges Heil trägt.

        • Ich stim­me Ihnen voll­kom­men zu und habe das auch gar nicht in Fra­ge stel­len wol­len! Mir ging es dar­um, dass — nach der Aus­sa­gen­lo­gik — ein Satz ent­we­der wahr ist oder falsch. Egal wer ihn spricht. Und so sim­pel, wie der Kol­le­ge oben argu­men­tiert hat, geht es nun mal nicht.
          Wenn natür­lich dann eine Aus­sa­ge ent­fal­tet wird, kann es wie­der­um abge­lei­te­te Aus­sa­gen geben, die nicht mehr über­ein­stim­men. Ganz klar!

  3. @ Dun­kel­ka­tho­lik: Ihre Igno­ranz und Arro­ganz ist bemer­kens­wert. Wenn Sie auf­grund eines histo­ri­schen Zitats einen gan­zen Text als Geschreib­sel abqua­li­fi­zie­ren, sind sie nicht bes­ser als die Jour­na­li­sten und mus­li­mi­schen Fun­dis, die sich über die Regens­bur­ger Rede Bene­dikts XVI. erregt haben. Soll man, wenn Luther etwas Rich­ti­ges sagt, ihm trotz­dem wider­spre­chen, nur weil er eine frag­wür­di­gen Cha­rak­ter hat­te? Den­ken Sie doch ein­mal nach!

    • Ich bin erschüt­tert, dass die das Schrift­tum Bene­dikt XVI. mit dem von Peter Ste­phan, ja bei­de Autoren gleich­set­zen.

      • Wie­so sind Sie erschüt­tert? Es geht hier nicht um die Gleich­set­zung von Autoren son­dern um die Gleich­set­zung unsach­li­cher und pole­mi­scher Kri­tik.

  4. Der Arti­kel von Prof. Ste­phan ent­hält wie­der sehr wert­vol­le und rich­ti­ge Gedan­ken, auch der Ver­gleich zwi­schen Kli­nik und Kir­che ist ein­leuch­tend, jedoch habe ich mich an einem Aspekt gestört, der in dem Wort von der „Lit­ur­gie als The­ra­pie“ zum Aus­druck kommt. Wir sind heu­te sehr anfäl­lig dafür, bestimm­te Din­ge des Glau­bens psy­cho­lo­gi­sie­rend und unter dem Gedan­ken des Nütz­li­chen oder Nutz­brin­gen­den (für den Men­schen) recht­fer­ti­gen zu wol­len. Lit­ur­gie hat aber ihren Selbst­zweck. Wie „zeit­schnur“ ganz rich­tig bemerkt, ist sie vor allem Aus­druck der Lie­be und der Ver­eh­rung des Men­schen zu Gott, der ihn durch sei­nen Sohn erlöst, über alle Erden­schwe­re hin­aus­ge­ho­ben und eine Zukunft geschenkt hat, die das Irdi­sche über­steigt. Wer wahraft liebt und ver­ehrt, den drängt es, dem Gelieb­ten nur das Schön­ste und Beste, ein­fach alles, was man hat und ver­mag, zu schen­ken. Jesus lobt daher aus­drück­lich die arme Wit­we, die Gott alles gab, was sie besaß. In die­sem Sich-Ver­schen­ken wird der Ärm­ste reich, weil er sich dadurch über sei­ne Armut erhebt. Was wir Gott schen­ken kön­nen, ist immer arm­se­lig gegen­über sei­ner Fül­le, aber er nimmt es an, wan­delt es in Segen; es ist ihm wohl­ge­fäl­lig. Daher ist es voll­kom­men natür­lich und in jeder Reli­gi­on Pra­xis, dass der Dienst an Gott geprägt ist von Schön­heit und Erha­ben­heit. In die­sem Sin­ne — aber nur sekun­där und nur, wenn man rei­nen Her­zens, d.h. ohne ein Schie­len nach dem, was es mir nüt­zen könn­te, opfert — kann Lit­ur­gie als The­ra­pie wir­ken, weil sie uns Arme im Reich­tum der gött­li­chen Herr­lich­keit durch­at­men lässt, uns erfah­ren lässt, dass wir bei aller Armut mit der Wür­de der erlö­sten Kin­der Got­tes aus­ge­stat­tet sind. So wächst der Mensch, wächst über sich hin­aus und schafft Kul­tur, die wie­der­um die Schön­heit Got­tes wider­spie­gelt. Dass die­se grund­le­gen­den Prin­zi­pi­en gera­de den Jesui­ten, die ja im Zuge der Gegen­re­for­ma­ti­on füh­rend bei der Ver­brei­tung des barocken Glan­zes waren, heu­te offen­sicht­lich abge­hen, ver­wun­dert.

    • Natür­lich ent­spricht die Lit­ur­gie einer medi­zi­ni­schen The­ra­pie eben­so wenig wie ein Prie­ster einem Arzt oder die Kir­che einem Kran­ken­haus. In die­sem Arti­kel geht es nicht um Gleich­set­zun­gen, son­dern um Ver­glei­che. Und jeder Ver­gleich hat natür­lich sei­ne Gren­zen. Der Arti­kel scheint ein­fach nur klar­ma­chen zu wol­len, wie absurd die Ver­hält­nis­se mitt­ler­wei­le in unse­rer Kir­che gewor­den sind. Kein Kran­ken­haus könn­te sich erlau­ben, was sich die Funk­ti­ons­trä­ger in unse­rer Kir­che her­aus­neh­men.

      • Ich woll­te das Gesag­te auch in kei­ner Wei­se in Abre­de stel­len, wer­ter Seins­heim, son­dern nur auf einen Teil­aspekt hin­wei­sen. Ich hof­fe, wir ver­ste­hen uns!

    • Ja, die­ses Psy­cho-Geschwa­fel von Lit­ur­gie als „The­ra­pie“ ist in uner­träg­lich und aufs Schärf­ste abzu­leh­nen. Unse­re Hl. Mut­ter Kir­che ist kein kusche­li­ger The­ra­peu­ten­ver­ein. son­dern gera­de das Gegen­teil davon!

      • Sie haben offen­bar noch immer nicht begrif­fen, wor­um es in die­sem Arti­kel geht. Lesen Sie ihn viel­leicht noch ein­mal ganz sorg­fäl­tig durch und den­ken Sie ein­fach nach. Kann doch nicht so schwer sein.

        • Ich habe den Arti­kel sehr wohl ganz gele­sen. Aber es gibt ein­fach bestimm­te Begrif­fe, die gehen gar nicht und ver­gif­ten einen gan­zen Text. „The­ra­pie“ gehört dazu, den fin­den Sie weder im Kate­chis­mus noch in irgend­ei­ner Enzy­kli­ka. Lesen Sie, was der hei­lig­mä­ssi­ge Hw. H. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re dazu gesagt hat. Er hat immer und immer wie­der dar­ge­legt, daß Lit­ur­gie das Gegen­teil von „The­ra­pie“ ist. Wenn ich zum „The­ra­peu­ten“ muß, dann gehe ich nicht in die Kir­che, son­dern in eine Arzt­pra­xis!

          • Ihre Fan­ta­sie geht mit Ihnen durch, Dun­kel­ka­tho­lik. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat das nie the­ma­ti­siert …

  5. Der Ver­gleich hinkt etwas, da sich die Medi­zin tat­säch­lich immer mehr erkennt, dass es etwas über­heb­lich ist, wenn Men­schen behaup­ten, hei­len zu kön­nen!
    Wel­che Krank­hei­ten kann denn die Medi­zin wirk­lich hei­len? Ist alle mensch­li­che Kunst nicht eher dar­auf beschränkt, dass man „besten­falls lin­dert, in der Regel aber nur beschwich­tigt oder ver­drängt“.
    Hei­lung und Heil kann nicht der Mensch wir­ken, es muss von Gott geschenkt wer­den! Hier muss sich jeder Arzt, aber auch jeder Pati­ent, demü­tig nei­gen! Selbst die teu­er­ste Ope­ra­ti­on oder die modern­ste Medi­zin kommt nicht über die­se Gren­ze hin­aus…

    Ähn­lich ist es auch in der Lit­ur­gie. Auch kommt das Heil nicht aus der mensch­li­chen Akti­vi­tät, son­dern aus Got­tes hei­li­gem Wir­ken, das frucht­bar wer­den kann, wenn die zum Heil und zur Hei­lig­keit Beru­fe­nen sich der Hei­lig­keit Got­tes öff­nen und sie in der Lit­ur­gie wie im Leben auf­leuch­ten las­sen!

    • Natür­lich hinkt der Ver­gleich. Alle Ver­glei­che hin­ken! Auch der von den Kir­chen­vä­tern gebrauch­te Ver­gleich Chri­sti mit einem Arzt hinkt. Auch der vom Tri­en­ter Kate­chis­mus gebrauch­te Ver­gleich des Prie­sters mit einem Arzt hinkt. Auch der von der hei­li­gen Tere­sa gebrauch­te Ver­gleich der Sakra­men­te mit einer Arz­nei hinkt. Auch der Ver­gleich Chri­sti mit der Son­ne (der Gerech­tig­keit) hinkt. Aber Ver­glei­che sind kei­ne Gleich­set­zung. Es geht — noch­mals gesagt — um fol­gen­des: in der Kir­che haben sich Miss­bräu­che ein­ge­schli­chen, die wir in kei­nem Kran­ken­haus dul­den wür­den. Und das, obwohl die Kir­che so viel mehr ist als ein Kran­ken­haus, als die Lit­ur­gie so viel mehr ist als eine gewöhn­li­che The­ra­pie. Ist das nun end­lich ange­kom­men?!

      • Der Ver­gleich Chri­sti mit der Son­ne hinkt een kei­nes­wegs, son­dern ist strah­lend wahr! 🙂
        Aber der Ver­gleich Chri­sti mit einem „The­ra­peut“ hinkt nicht nur, son­dern ist ihm ein Greu­el! Chri­stus ist König, Pro­phet und ewi­ger Hohe­prie­ster.

      • Rich­tig. In kei­nem Kran­ken­haus wür­de der Pati­ent es dul­den, daß sich der Fach­mann (Chir­urg) in die Ecke setzt und zur Ober­schwe­ster oder Rei­ni­gungs­da­me sagt: machen Sie mal.

        In der Hl. Mes­se gilt der Fach­mann nichts mehr. Jeder X‑beliebige teilt Kom­mu­ni­on aus oder trägt die Lesung vor. Als ob das kei­nen Unter­schied machen wür­de. Das all­ge­mei­ne Prie­ster­tum macht’s mög­lich. Eine völ­li­ge Ver­frem­dung und Tri­via­li­sie­rung.

        Was wür­de man sagen, wenn in einer Oper plötz­lich ein paar Leu­te aus dem Publi­kum auf die Büh­ne kämen, um ein paar Ari­en vor­zu­sin­gen? Das all­ge­mei­ne Sän­ger­tum — wir sind doch alle Sän­ger.

        • mein Kom­men­tar bezieht sich nicht auf Dun­kel­ka­tho­lik, son­dern auf Seins­heim, dem ich zustim­me.

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