Die katholische Kirche in Deutschland – auf dem Weg in eine offene Weltanschauungsgemeinschaft

Seit mehr als 40 Jah­ren steht die katho­li­sche Glau­bens- und Sit­ten­leh­re in der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land im Kreuz­feu­er der Kri­tik.

Hin­ter­fragt, bezwei­felt oder bestrit­ten wird bei­spiels­wei­se, daß

  • Jesus Chri­stus „Gott von Gott, Licht vom Licht, wah­rer Gott vom wah­ren Gott, gezeugt, nicht geschaf­fen, eines Wesens mit dem Vater“ ist ((Glau­bens­be­kennt­nis von Nizäa-Kon­stan­ti­no­pel));
  • Jesus Chri­stus von der Jung­frau Maria durch das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes emp­fan­gen wor­den ist;
  • Jesus Chri­stus sein Leben am Kreuz als Süh­nop­fer hin­ge­ge­ben hat;
  • Jesus Chri­stus der „ein­zi­ge Mitt­ler“ zwi­schen Gott und den Men­schen ((II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil: Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on über die Kir­che „Lumen gen­ti­um“, Art. 8, 14, 28, 49, 60, 62)) sowie „die Fül­le der gan­zen Offen­ba­rung“ ((II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil: Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on über die Kir­che „Dei Ver­bum“, Art. 2.)) ist;
  • die hier­ar­chi­sche Ver­fas­sung der katho­li­schen Kir­che gött­li­chen Ursprungs und Rechts ist;
  • „nur durch die katho­li­sche Kir­che Chri­sti, die das all­ge­mei­ne Hilfs­mit­tel des Hei­les ist“, ein „Zutritt zu der gan­zen Fül­le der Heils­mit­tel“ mög­lich ist ((II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil: Dekret über den Öku­me­nis­mus „Uni­ta­tis red­in­te­gra­tio“, Art. 3.));
  • der Emp­fang des Wei­he­sa­kra­ments dem Mann vor­be­hal­ten ist;
  • das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum vom all­ge­mei­nen Prie­ster­tum im Wesen ver­schie­den ist;
  • in der Fei­er der Eucha­ri­stie das Kreu­zes­op­fer Jesu Chri­sti ver­ge­gen­wär­tigt wird;
  • Jesus Chri­stus mit sei­ner Gott­heit und Mensch­heit unter den eucha­ri­sti­schen Gestal­ten von Brot und Wein gegen­wär­tig ist;
  • nur der­je­ni­ge die Eucha­ri­stie wür­dig emp­fängt, der im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de lebt;
  • nur der­je­ni­ge das ewi­ge Heil erlan­gen kann, der im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de stirbt;
  • die Ehe eine in der Schöp­fungs­ord­nung begrün­de­te Ver­ei­ni­gung von zwei Men­schen unter­schied­li­chen Geschlechts ist;
  • zivil wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne „sich in einer Situa­ti­on, die dem Geset­ze Got­tes objek­tiv wider­spricht“, befin­den ((Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 1650));
  • nie­mand das Recht hat, über Leben und Tod eines unge­bo­re­nen Kin­des zu ent­schei­den;
  • Abtrei­bung ein „ver­ab­scheu­ungs­wür­di­ges Ver­bre­chen“ ist ((II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil: Pasto­ral­kon­sti­tu­ti­on über die Kir­che in der Welt von heu­te „Gau­di­um et spes“, Art. 51));

Im Kreuz­feu­er der Kri­tik ste­hen jedoch nicht nur ein­zel­ne katho­li­sche Wahr­hei­ten, son­dern bereits die Annah­me, daß es über­haupt eine Unter­schei­dung zwi­schen wahr und falsch, gut und böse gibt. Dem­entspre­chend gilt „als letz­tes Maß nur das eige­ne Ich und sei­ne Gelü­ste“ ((Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger in der Pre­digt wäh­rend der Mes­se „Pro eli­gen­do papa“ am 18. April 2005, dem Tag vor sei­ner Wahl zum Papst)).

Die­ser Wider­streit begeg­net in beträcht­li­chem Aus­maß in der wis­sen­schaft­li­chen Theo­lo­gie und im Reli­gi­ons­un­ter­richt, in Pre­digt und Kate­che­se, in katho­li­schen Aka­de­mien, in der kirch­li­chen Erwach­se­nen­bil­dung und Jugend­ar­beit, in Kir­chen­zei­tun­gen und im Kir­chen­funk, in kirch­li­chen Räten und Ver­bän­den.

Lei­der war und ist die Mehr­heit der deut­schen Bischö­fe nicht bereit oder in der Lage, die­ser Zer­stö­rung der katho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re Ein­halt zu gebie­ten. Obwohl sich nach can. 1364 § 1 des Codex Iuris Cano­ni­ci der Apostat, der Häre­ti­ker oder der Schis­ma­ti­ker die Exkom­mu­ni­ka­ti­on als Tat­stra­fe zuzie­hen, wer­den die­se i. d. R. nicht dar­an gehin­dert, kirch­li­che Ämter, Dien­ste und Auf­ga­ben aus­zu­üben oder die Sakra­men­te zu emp­fan­gen. De fac­to ist es also in das Belie­ben des Ein­zel­nen gestellt, ob und inwie­weit er sich zur katho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re bekennt.

Damit befin­det sich die katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land auf dem Weg in eine offe­ne Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft, in der sich jeder sei­ne eige­ne „Wahr­heit“ machen kann.

Als ein­heits­stif­ten­de Prin­zi­pi­en ver­blei­ben unter die­sen Umstän­den der ergeb­nis­of­fe­ne Dia­log, die „ver­söhn­te Ver­schie­den­heit“, die Arbeit „an einer Kir­che, die die Viel­falt des heu­ti­gen Lebens posi­tiv akzep­tiert“ [Erz­bi­schof Robert Zollitsch ((Die Tages­post vom 20. 9. 2010, S. 6.))] oder das Ver­ständ­nis von Plu­ra­li­tät und Plu­ra­lis­mus als „Reich­tum“ und „Berei­che­rung“ [Kar­di­nal Rein­hard Marx ((Ebda))].

Daher ver­wun­dert es auch nicht, daß mitt­ler­wei­le nicht mehr Häre­ti­ker, Aposta­ten und Schis­ma­ti­ker in die Schran­ken gewie­sen wer­den, son­dern die­je­ni­gen, die katho­lisch blei­ben und den Weg in eine offe­ne Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft nicht mit­ge­hen wol­len. Die­ses gilt jeden­falls dann, wenn es Katho­li­ken hier­zu­lan­de ableh­nen, als Kir­chen­steu­er­zah­ler den Umbau der katho­li­schen Kir­che in eine natio­nal­kirch­li­che Orga­ni­sa­ti­on mit­zu­fi­nan­zie­ren, die der Belie­big­keit zuge­tan ist und „als letz­tes Maß nur das eige­ne Ich und sei­ne Gelü­ste“ akzep­tiert. (Bl)

Text: Chri­stoph Blath/ Bei­trag erschien zuerst in IK-Nach­rich­ten, Nr. 4/2013
Bild: Una Fides

16 Kommentare

  1. Statt wie ein Fels in der Bran­dung muß die katho­li­sche Kir­che wie Schilf im Wind wer­den, erst dann wird sie zeit­ge­mäß und „poli­tisch-kor­rekt“ und damit zum feuch­ten Traum aller Lin­ken, Frei­mau­rer und son­sti­ger Gum­mi­zel­len­in­sas­sen. Nur mit der Leh­re Jesu Chri­sti wird sie rein gar nichts mehr zu tun haben. Aber das ist ja auch egal, denn ein popu­lä­rer, belie­bi­ger Gut­men­schen­ver­ein zu sein, wo der Mensch und nicht mehr Gott im Mit­tel­punkt steht, ist schon genug.

    • Näää wat fies, ich mein‘, deut­lich 🙂 Vol­le Zustim­mung! Manch­mal hilft echt nur noch die Flucht in den puren Sar­kas­mus, aus ‚rein-psy­cho­lo­gi­schen Selbst­schutz­grün­den‘, denn eigent­lich müß­te man laut auf­schrei­en … oder bit­ter­lich wei­nen. Oder so wild wie erfolg­los auf der Fern­be­die­nung rum­drücken, weil man sich in den völ­lig fal­schen Film gera­ten weiß, mit unbarm­her­zig­ster Klar­heit; das Schlim­me jedoch: das­sel­be Pro­gramm auf allen Kanä­len; jeden­falls FAST allen — Gott sei Dank gibt’s ja noch ‚Katho­li­sches‘, noch[!] — zumin­dest „for­mal“ — das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung (auch wenn dies nicht weni­gen ein Dorn im Auge; sie wol­len — und wenn sie könn­ten, täten sie!) … — Gott hel­fe uns!

  2. Dies alles bestrei­tet nie­mand, doch es gibt das unver­än­der­li­che Recht der Gewis­sens­ent­schei­dung. Die­ses soll­ten sich alle sehr wohl mer­ken. Und außer­dem gibt es Dekre­te des Vati­ka­nums II ! Bit­te dort nach­zu­le­sen.

    • Die katho­li­sche Leh­re vom Gewis­sen bedeu­tet nicht Sub­jek­ti­vis­mus! Auch das natür­lich von Ihnen bemüh­te Vati­ka­num II (bes­ser 21. öku­me­ni­sches Kon­zil, das rückt mal die Ver­hält­nis­se gra­de) hat dazu nicht Neu­es gesagt.

  3. Gott zahlt kei­ne Kir­chen­steu­er, daher ist er auch kein Mit­glied in der deut­schen Kir­che.
    Wo kämen wir auch hin, wenn das jeder täte!
    Wenn das Ver­mö­gens­ver­wal­ter Zollitsch und Invest­ment­pro­fi Leh­mann hören, ist die Höl­le los.

  4. Sehr gute Zusam­men­stel­lung!
    Aller­dings geht es nicht um den Umbau in eine „natio­nal­kirch­li­che“ Orga­ni­sa­ti­on, son­dern um den Umbau in das „Welt­ethos“, in die Welt­ein­heits­re­li­gi­on der Neu­en Welt­ord­nung.

  5. Wenn man von Zollitzschs „Gleich­stel­lungs­plä­nen“ hört, kann man wirk­lich nur noch kopf­schüt­telnd kon­sta­tie­ren, dass die Katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land mitt­ler­wei­le völ­lig in der Gesell­schaft auf­ge­gan­gen ist, mit ande­ren Wor­ten: ver­welt­licht ist.

  6. ohne Zita­te oder Quel­len kommt das Auf­stel­len der gemach­ten Behaup­tun­gen in Nähe von Ver­leum­dung!

    • War­um soll man selbst­ver­ständ­li­ches Bewei­sen?
      1.) Wuß­ten Sie, daß in Groß­städ­ten viel Ver­kehr ist und das wegen den über­an­streng­ten und über­reiz­ten Men­schen vie­le dort viel schlech­ter schla­fen, als Bewoh­ner rein länd­li­cher Gegen­den? Muß ich das Bewei­sen? Nein. Es ist offen­sicht­lich und klar.
      2.) Es ist eben­falls viel­leicht für Sie erstaun­lich, daß es nur Ihnen auf­fällt, daß obi­ge Sät­ze die Rea­li­tät ja gar nicht tref­fen. (Lk 24.18 ) „Bist Du der ein­zi­ge in ganz Jeru­sa­lem, der nicht weiß, was in unse­ren Tagen (seit dem Vat2) pas­siert ist?“ Damals die Kreu­zi­gung, heu­te der bereits in LaSa­let­te von Maria beschrie­be­ne und vor­her­ge­sag­te Glau­bens­ab­fall.
      Wie­so gibt es immer noch Men­schen, die sagen kön­nen, es sei alles in Ord­nung, und weis mir erst mal nach, daß es in der kath.Kirche Pro­ble­me gibt, statt haupt­säch­lich ein Wehen des hl. Gei­stes mit Freu­de und Auf­bruch im Glau­ben? Hat Maria sich geirrt? Hat Rom gar nicht den Glau­ben ver­lo­ren? Oder hat Mela­nie gelo­gen oder alles nur erfun­den? „Rom wird den Glau­ben ver­lie­ren und der Sitz des Anti­christ wer­den.“ 19.09.1846.
      4. Wenn ich für die Hand­kom­mu­ni­on bin, kann ich nicht gleich­zei­tig die Gott­gleich­heit der 2.Person, die in Jesu voll und kon­kret (!) wohnt, aner­ken­nen, und ihn so gegen­wär­tig in der hl. Kom­mu­ni­on sehen. Gott faßt man nicht so an, wie es die moder­ne Kir­che vor­schreibt und in den letz­ten Jah­ren erzwun­gen hat. Wer auf Knien auf die Zun­ge kom­mu­ni­zie­ren woll­te, wur­de vom Pfr. höchst­per­sön­lich gemobbt. Da ken­ne ich Legi­on-Bei­spie­le. Aus den Dör­fern Bay­erns!!!

      • „Gott faßt man nicht an[!]“ — ja, (auch & gera­de) das ist es! — Was mich schon im „Kom­mu­ni­on­kind-Alter“ zutiefst beein­druckt und mir, wohl mehr noch als all die­ser ‚Kom­mu­ni­on-Unter­richt‘ selbst (frü­he 8o-erjah­re … dazu sag ich jetzt mal NICHTS^^), deut­lich vor Augen geführt hat, wor­um es eigent­lich geht, war, zu sehen, wie der Prie­ster bei Andacht und Pro­zes­si­on die Mon­stranz — also nicht ein­mal das Gefäß! — mit blo­ßen Hän­den anzu­rüh­ren wag­te, son­dern mit dem Vel­um umfaß­te; das sind viel­leicht „alles nur Zei­chen“, von denen man vie­le (z.T. nicht ohne eine gewis­se — aber zu kurz grei­fen­de — ‚Logik‘) ein­fach „weg­ra­tio­na­li­sie­ren“ könn­te (und ja in der Tat hat, bis hin zur fast völ­li­gen Unkennt­lich­wer­dung des­sen, wor­an wir glau­ben, wor­auf wir hof­fen) — aber wie wich­ti­ge Zei­chen! Das Vel­um, der Inzens [s. Anm.], die Knie­beu­ge, das Gefühl von tie­fer Ehr­furcht hat mir unend­lich viel mehr klar­ge­macht, als Kind schon, denn irgend­ein „jetzt-stel­len-wir-uns-alle-mal-im-Kreis-um-den-Altar-und-fas­sen-ein­an­der-bei-den-Hän­den“ in die­sen den Kom­mu­ni­on-Unter­richt beglei­ten­den ‘ “gestal­te­ten“ Kin­der­got­tes­dien­sten‘ (z.T. gera­de­zu fürch­ter­li­che Erin­ne­run­gen, wirk­lich!) …

        [Anm.: Wobei der Weih­rauch (wie bestimm­te Kom­men­ta­to­ren bei Fern­seh-Über­tra­gun­gen etwa von Papst­mes­sen stets dick beto­nen — wie­so eigent­lich?) eben nicht nur ‚unse­re zu Gott auf­stei­gen­den Gebe­te sym­bo­li­siert‘, son­dern auch Zei­chen der Ver­eh­rung, der Hul­di­gung und Anbe­tung ist, und z.T. doch auch ein Reflex der alt­te­sta­ment­li­chen Rauch- bzw. Brand­op­fer, denk ich … — Ehr­furcht, auch in deut­li­chen Zei­chen, und ech­te Demut vor Gott sind ange­sagt, nicht fal­sche Demut vor den Men­schen und ‚der Welt‘, fin­de ich zumin­dest …]

  7. - die hier­ar­chi­sche Ver­fas­sung der katho­li­schen Kir­che gött­li­chen Ursprungs und Rechts ist;
    — „nur durch die katho­li­sche Kir­che Chri­sti, die das all­ge­mei­ne Hilfs­mit­tel des Hei­les ist“, ein „Zutritt zu der gan­zen Fül­le der Heils­mit­tel“ mög­lich ist;
    — der Emp­fang des Wei­he­sa­kra­ments dem Mann vor­be­hal­ten ist;
    — nur der­je­ni­ge die Eucha­ri­stie wür­dig emp­fängt, der im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de lebt;
    nur der­je­ni­ge das ewi­ge Heil erlan­gen kann, der im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de stirbt;

    Gott­lob wer­den sol­che abstru­sen „The­sen“ bezwei­felt. An kei­ner Stel­le in der Bibel fin­den sich Stel­len, die die­se Ansprü­che bele­gen könn­ten. Folg­lich hat das alles aber auch rein gar nichts mit christ­li­chem Glau­ben und mit Gott zu tun, son­dern nur mit dem Ver­such von Men­schen, Macht über Men­schen mit Hil­fe von Angst aus­zu­üben. Man könn­te eigent­lich dar­über lachen, wenn nur nicht so vie­le dar­un­ter lei­den wür­den bzw. gelit­ten haben.

    • 1. Die Sze­ne im Abend­mahl spä­te­stens belegt den Ursprung einer hier­ar­chi­schen Ver­fas­sung. Aber: Je höher das Amt, so inten­si­ver die Ver­ähn­li­chung mit dem sich opfern­den Chri­stus — daher ist es ja für vie­le so irri­tie­rend, dass Fran­zis­kus aus­ge­rech­net die Sym­bo­le für die­se Opfer­be­reit­schaft, näm­lich die Mozet­ta und die roten Schu­he ablehnt (!). Die Amts­trä­ger, vor allem der Papst, sind aus­drück­lich nach Jesus „Die­ner aller“. Die­ser hohe Auf­trag und Dienst ist aber nur im Schutz sei­ner sakra­men­ta­len Gestalt geseg­net!
      2. Die­se „The­se“, wie Sie das nen­nen ist nicht „abstrus“, son­dern Leh­re der Kir­che von Anfang an: „Nie­mand kommt zum Vater außer durch mich.“ Das sag­te Jesus, der die Kir­che selbst gestif­tet hat (s.1.)
      3. Jesus hat die 12 Jün­ger aus­ge­son­dert und in einen beson­de­ren Dienst gestellt. Wäh­rend er sonst Män­ner und Frau­en um sich schar­te (ohne das Geschlecht zu beach­ten), hat er es hier aber getan. Die­ses spe­zi­el­le Apo­stel­amt ver­ge­gen­wär­tigt IHN selbst, auch in sei­nem Mann­sein. Auch das war immer Leh­re der Kir­che (modern dar­ge­legt in „Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis“ von JP II:)
      4. Sie fin­den im I. Kor. 11,23–29 die aus­drück­li­che Wei­sung, dass nie­mand unwür­dig zum Tisch des Herrn gehen soll. Auch die­se „The­se“ geht auf einen bibli­schen Text selbst zurück.

      Bit­te ver­tie­fen Sie sich doch ein­mal in das Neue Testa­ment, in den Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, in die diver­sen Schrei­ben der letz­ten Päp­ste, wenn Sie Zeit haben auch in die Kir­chen­vä­ter- und Kir­chen­leh­rer-Schrif­ten oder zum Ein­stieg in die Schrif­ten Bene­dikts XVI. (z.B.), die vie­les auf eine sehr kla­re und lie­be­vol­le Wei­se für heu­ti­ge Men­schen dar­le­gen. Sie wer­den hin­ter­her anders den­ken als Sie es oben offen­ba­ren.

    • Das ’sola scrip­tu­ra‘ ist (im übri­gen nicht-bibli­sches und damit selbst­wi­der­sprüch­li­ches) Grund­axi­om des Pro­te­stan­tis­mus — aber nicht katho­lisch! ‚Die Schrift‘ ist eben NICHT ‚allei­ni­ges Kri­te­ri­um‘ …

        • Ja, ich stim­me zu: sola scrip­tu­ra? Die Solus-The­sen der Refor­ma­ti­on sind sehr frag­wür­dig.
          War­um?
          Erstens ist jedes „Solus“ der Über­lie­fe­rung auf Jesus selbst bezo­gen: „Quo­ni­am tu solus Sanc­tus, tu solus Domi­nus, tu solus Altis­si­mus, Jesu Chri­ste!“ (Glo­ria) Mich graust es, wenn plötz­lich abstrak­te Begrif­fe mit dem Solus ver­bun­den wur­den. Das ist ein­fach neu­zeit­li­che Dok­trin und der Beginn des Abstrak­ti­ons-Desa­sters, das wir heu­te in der Kir­che haben.
          Zwei­tens weist der Auf­ruf des Apo­stels Pau­lus: „Seid also stand­haft, Brü­der, und hal­tet an den Über­lie­fe­run­gen fest, in denen wir euch unter­wie­sen haben, sei es münd­lich, sei es durch einen Brief“(2. Thess. 2) dar­auf hin, dass nicht nur geschrie­be­ne Über­lie­fe­rung als maß­geb­lich betrach­tet wur­de.
          Es ist ja allein schon frag­wür­dig, dass die Kir­che 1500 Jah­re lang fälsch­li­cher­wei­se auch außer­bi­bli­sche ver­bind­li­che Tra­di­ti­on mit sich führt, um dann erst qua refor­ma­tio­ne dar­über auf­ge­klärt zu wer­den, dass sie sich nun so lan­ge schon im Irr­tum befand… Dann hät­te der Hei­li­ge Geist alle Gläu­bi­gen bis dahin im Irr­tum leben las­sen — wer kann das im Ernst glau­ben?

          • Kei­ner … im Ernst! — Das ist für mich sogar eines der — wenn nicht DAS — Haupt­ar­gu­ment gegen die pro­te­stan­ti­sche Theo­lo­gie. Schon das Grund­axi­om ist falsch — und alles, was dar­aus gefol­gert wird; die Wor­te Chri­sti, ‚ich wer­de bei euch sein alle Tage bis ans Ende der Welt‘, ‚ich wer­de euch den Geist der Wahr­heit sen­den‘ usw. wür­den dadurch doch ad absur­dum geführt — er hät­te sei­ne Kir­che ‚im Stich‘ gelas­sen, 15oo Jah­re­lang völ­lig in die Irre gehen las­sen, z.B. im Ver­ständ­nis der Eucha­ri­stie (wo von Geg­nern ger­ne auf das IV. Late­ran-Kon­zil ver­wie­sen wird), und damit des Wei­he­prie­ster­tums, der bischöf­li­chen, apo­sto­li­schen Ver­faßt­heit der Kir­che etc. — es war und ist der Glau­be der gan­zen ‚alten, apo­sto­li­schen Kir­che‘, nicht nur der Latei­ner, der Grie­chen, auch der Kop­ten, der Geor­gi­er, der Arme­ni­er, der Äthio­pi­er, der indi­schen Tho­mas-Chri­sten … sind die *alle* kom­plett in die Irre gegan­gen? Wenn ja, müß­te das bereits zu einem sehr frü­hen Zeit­punkt (nicht erst seit der ‚Kon­stan­ti­ni­schen Wen­de‘, wie so ger­ne insi­nu­iert wird) pas­siert sein (und sich dann mit dem frü­hen Chri­sten­tum ver­brei­tet haben, weit über die Oiko­u­me­ne hin­aus); mas­si­ver Irr­tum (zudem in einer Kern­fra­ge der Leh­re und des gan­zen Glau­bens­le­bens!), ent­ge­gen dem aus­drück­li­chen Ver­spre­chen Chri­sti … unglaub­lich .….

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