Evangelisierung und Leitungsauftrag – Predigten von Benedikt XVI. und Franziskus zur Amtseinführung als Bischof von Rom im Vergleich

Benedikt XVI. LateranbasilikaPREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.
ZUR FEIERLICHEN INBESITZNAHME DER
KATHEDRA DES BISCHOFS VON ROM

Late­ran­ba­si­li­ka
Sams­tag, 7. Mai 2005

Lie­be Väter Kardinäle,
lie­be Brü­der im Bischofsamt,
lie­be Brü­der und Schwestern!

Am heu­ti­gen Tag, an dem ich als Nach­fol­ger Petri zum ersten Mal die Kathe­dra, den Sitz des Bischofs von Rom, ein­neh­men kann, fei­ert die Kir­che in Ita­li­en das Fest der Him­mel­fahrt des Herrn. Im Mit­tel­punkt die­ses Tages steht Chri­stus. Allein ihm, allein dem Geheim­nis sei­ner Auf­fahrt in den Him­mel ist es zu ver­dan­ken, daß es uns gelingt, die Bedeu­tung der Kathe­dra, die Sym­bol der Macht und der Ver­ant­wor­tung des Bischofs ist, zu ver­ste­hen. Was will uns also das Fest der Him­mel­fahrt des Herrn sagen? Es will uns nicht sagen, daß der Herr irgend­wo­hin, weit weg von den Men­schen und der Welt, gegan­gen ist. Die Him­mel­fahrt Chri­sti ist kei­ne Welt­raum­fahrt zu den fern­sten Gestir­nen; denn im Grun­de genom­men bestehen auch die Gestir­ne, eben­so wie die Erde, aus phy­si­schen Ele­men­ten. Die Him­mel­fahrt Chri­sti bedeu­tet, daß er nicht mehr der Welt der Ver­gäng­lich­keit und des Todes ange­hört, die unser Leben bedingt. Sie bedeu­tet, daß er voll­kom­men Gott gehört. Er – der ewi­ge Sohn – hat unser Mensch­sein vor das Ange­sicht Got­tes getra­gen, er hat das Fleisch und Blut in einer ver­wan­del­ten Gestalt mit sich getra­gen. Der Mensch fin­det Raum in Gott; durch Chri­stus wur­de das mensch­li­che Sein in das inner­ste Leben Got­tes selbst hin­ein­ge­nom­men. Und da Gott den gan­zen Kos­mos umfaßt und trägt, bedeu­tet die Him­mel­fahrt des Herrn, daß sich Chri­stus nicht von uns ent­fernt hat, son­dern daß er jetzt, weil er beim Vater ist, jedem von uns für immer nahe ist. Jeder von uns darf zu ihm »Du« sagen; jeder kann ihn anru­fen. Der Herr befin­det sich immer in Hör­wei­te. Wir kön­nen uns inner­lich von ihm ent­fer­nen. Wir kön­nen leben, indem wir ihm den Rücken zukeh­ren. Aber er erwar­tet uns immer und ist uns immer nahe.

Aus den Lesun­gen der heu­ti­gen Lit­ur­gie erfah­ren wir auch etwas mehr dar­über, wie der Herr die­se sei­ne Nähe zu uns kon­kret ver­wirk­licht. Der Herr ver­heißt den Jün­gern sei­nen Hei­li­gen Geist. Die Erste Lesung, die wir gehört haben, sagt uns, daß der Hei­li­ge Geist für die Jün­ger »Kraft« sein wird; das Evan­ge­li­um fügt hin­zu, daß er sie in die gan­ze Wahr­heit ein­füh­ren wird. Jesus hat sei­nen Jün­gern alles gesagt, da er selbst das leben­di­ge Wort Got­tes ist, und Gott kann nicht mehr geben als sich selbst. In Jesus hat Gott sich uns selbst ganz geschenkt, das heißt, er hat uns alles geschenkt. Dar­über hin­aus oder dane­ben kann es für uns kei­ne wei­te­re Offen­ba­rung geben, die in der Lage wäre, mehr mit­zu­tei­len bzw. die Offen­ba­rung Chri­sti irgend­wie zu ergän­zen. In ihm, im Sohn, ist uns alles gesagt, ist uns alles geschenkt wor­den. Aber unse­re Auf­fas­sungs­ga­be ist begrenzt; daher besteht die Sen­dung des Gei­stes dar­in, die Kir­che immer wie­der neu, von Genera­ti­on zu Genera­ti­on, in die Grö­ße des Geheim­nis­ses Chri­sti ein­zu­füh­ren. Der Geist stellt nicht etwas ande­res oder Neu­es neben Chri­stus; es gibt nicht – wie eini­ge behaup­ten – eine Gei­stof­fenba­rung neben der Offen­ba­rung Chri­sti, es gibt kei­ne zwei­te Offen­ba­rungs­ebe­ne. Nein: »Er wird von dem, was mein ist, neh­men«, sagt Chri­stus im Evan­ge­li­um (Joh 16,14). Und wie Chri­stus nur das sagt, was er vom Vater hört und emp­fängt, so ist der Hei­li­ge Geist Sprach­rohr Chri­sti. »Er wird von dem, was mein ist, neh­men.« Er führt uns nicht zu ande­ren Orten, die weit weg von Chri­stus sind, son­dern er führt uns immer tie­fer in das Licht Chri­sti. Des­halb ist die christ­li­che Offen­ba­rung immer alt und neu zugleich. Des­halb ist uns alles seit jeher geschenkt. Gleich­zei­tig lernt jede Genera­ti­on in der uner­schöpf­li­chen Begeg­nung mit dem Herrn – einer vom Hei­li­gen Geist ver­mit­tel­ten Begeg­nung – immer etwas Neues.

So ist der Hei­li­ge Geist die Kraft, durch die uns Chri­stus sei­ne Nähe erfah­ren läßt. Aber die Erste Lesung ent­hält noch eine wei­te­re Aus­sa­ge: Ihr wer­det mei­ne Zeu­gen sein. Der auf­er­stan­de­ne Chri­stus braucht Zeu­gen, die ihm begeg­net sind, Men­schen, die ihn durch die Kraft des Hei­li­gen Gei­stes zutiefst ken­nen­ge­lernt haben. Men­schen, die von ihm Zeug­nis geben kön­nen, weil sie ihn sozu­sa­gen mit eige­nen Hän­den berührt haben. Und so ist die Kir­che, die Fami­lie Chri­sti, von »Jeru­sa­lem… bis an die Enden der Erde« gewach­sen, wie es in der Lesung heißt. Durch die Zeu­gen ist die Kir­che auf­ge­baut wor­den – ange­fan­gen bei Petrus und Pau­lus und den zwölf Apo­steln bis hin zu all den Män­nern und Frau­en, die, erfüllt von Chri­stus, im Lau­fe der Jahr­hun­der­te immer wie­der neu die Flam­me des Glau­bens ent­zün­det haben und sie wei­ter ent­zün­den wer­den. Jeder Christ kann und soll auf sei­ne Wei­se Zeu­ge des auf­er­stan­de­nen Chri­stus sein. Wenn wir die Namen der Hei­li­gen lesen, kön­nen wir sehen, wie oft es sich bei ihnen vor allem um ein­fa­che Men­schen gehan­delt hat – und das gilt auch heu­te noch –, Men­schen, von denen ein strah­len­des Licht aus­ging – und aus­geht –, das zu Chri­stus hin­zu­füh­ren vermag.

Aber die­ses Zusam­men­spiel der Zeug­nis­se hat eine klar fest­ge­leg­te Struk­tur: Den Nach­fol­gern der Apo­stel, das heißt den Bischö­fen, obliegt die öffent­li­che Ver­ant­wor­tung, dafür zu sor­gen, daß das Netz die­ser Zeug­nis­se durch die Zei­ten hin­durch wei­ter­be­steht. Im Sakra­ment der Bischofs­wei­he wird ihnen die für die­sen Dienst not­wen­di­ge Macht und Gna­de über­tra­gen. In die­sem Netz von Zeu­gen obliegt dem Nach­fol­ger Petri eine beson­de­re Auf­ga­be. Es war Petrus, der als erster im Namen der Apo­stel das Glau­bens­be­kennt­nis aus­ge­spro­chen hat: »Du bist der Mes­si­as, der Sohn des leben­di­gen Got­tes« (Mt 16,16). Das ist die Auf­ga­be aller Nach­fol­ger des Petrus: Füh­rer zu sein im Bekennt­nis des Glau­bens an Chri­stus, den Sohn des leben­di­gen Got­tes. Die Kathe­dra von Rom ist vor allem Kathe­dra die­ses Glau­bens­be­kennt­nis­ses. Der Bischof von Rom ist dazu ver­pflich­tet, von die­ser Kathe­dra her­ab stän­dig zu wie­der­ho­len: »Domi­nus Iesus« – »Jesus ist der Herr«, wie Pau­lus in sei­nen Brie­fen an die Römer (10,9) und an die Korin­ther (1 Kor 12,3) schrieb. An die Korin­ther gerich­tet, sag­te er mit beson­de­rem Nach­druck: »Und selbst wenn es im Him­mel oder auf der Erde soge­nann­te Göt­ter gibt […], so haben doch wir nur einen Gott, den Vater […]. Und einer ist der Herr: Jesus Chri­stus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn« (1 Kor 8,5f.). Die Kathe­dra Petri ver­pflich­tet ihre Inha­ber – wie es schon Petrus in einer Kri­sen­si­tua­ti­on der Jün­ger, als vie­le fort­ge­hen woll­ten, getan hat – zu spre­chen: »Herr, zu wem sol­len wir gehen? Du hast Wor­te des ewi­gen Lebens. Wir sind zum Glau­ben gekom­men und haben erkannt: Du bist der Hei­li­ge Got­tes« (Joh 6,68f.). Wer die Kathe­dra Petri in Besitz genom­men hat, muß sich der Wor­te erin­nern, die der Herr beim Letz­ten Abend­mahl zu Petrus gesagt hat: »…und wenn du dich wie­der bekehrt hast, dann stär­ke dei­ne Brü­der« (Lk 22,32). Der Trä­ger des Petrusam­tes muß sich bewußt sein, daß er ein zer­brech­li­cher und schwa­cher Mensch ist – wie sei­ne eige­nen Kräf­te zer­brech­lich und schwach sind –, der stän­di­ger Läu­te­rung und Umkehr bedarf. Aber er darf sich auch des­sen bewußt sein, daß er vom Herrn die Kraft erhält, sei­ne Brü­der im Glau­ben zu stär­ken und sie ver­eint zu hal­ten im Bekennt­nis zum gekreu­zig­ten und auf­er­stan­de­nen Herrn. Im ersten Brief des hl. Pau­lus an die Korin­ther fin­den wir den älte­sten Auf­er­ste­hungs­be­richt, den wir besit­zen. Pau­lus hat ihn von den Zeu­gen getreu über­nom­men. Die­ser Bericht spricht zunächst vom Tod des Herrn für unse­re Sün­den, von sei­ner Grab­le­gung, von sei­ner Auf­er­ste­hung am drit­ten Tag und sagt dann: »Chri­stus erschien dem Kephas, dann den Zwölf…« (1 Kor 15,4). So wird noch ein­mal die Bedeu­tung des Auf­trags zusam­men­ge­faßt, der dem Petrus bis ans Ende der Zei­ten erteilt wor­den ist: Zeu­ge des auf­er­stan­de­nen Chri­stus zu sein.

Der Bischof von Rom sitzt auf sei­ner Kathe­dra, um von Chri­stus Zeug­nis zu geben. Daher ist die Kathe­dra das Sym­bol der »potestas docen­di«, jener Lehr­voll­macht, die wesent­lich zur Auf­ga­be des Bin­dens und Lösens gehört, die vom Herrn dem Petrus und nach ihm den Zwölf auf­ge­tra­gen wor­den ist. In der Kir­che gehö­ren die Hei­li­ge Schrift, deren Ver­ständ­nis unter der Ein­ge­bung des Hei­li­gen Gei­stes wächst, und der den Apo­steln auf­ge­tra­ge­ne Dienst der authen­ti­schen Aus­le­gung unlös­bar zusam­men. Wo die Hei­li­ge Schrift von der leben­di­gen Stim­me der Kir­che los­ge­löst ist, wird sie zum Dis­kus­si­ons­the­ma der Exper­ten. Sicher, alles, was sie uns zu sagen haben, ist wich­tig und wert­voll; die Arbeit der Gelehr­ten ist für uns eine beacht­li­che Hil­fe, um jenen leben­di­gen Wachs­tums­pro­zeß der Schrift erfas­sen und somit ihren histo­ri­schen Reich­tum ver­ste­hen zu kön­nen. Aber die Wis­sen­schaft allein kann uns kei­ne end­gül­ti­ge und ver­bind­li­che Inter­pre­ta­ti­on lie­fern; sie ist nicht in der Lage, uns in ihrer Inter­pre­ta­ti­on jene Gewiß­heit zu geben, mit der wir leben kön­nen und für die wir auch ster­ben kön­nen. Dafür braucht es ein grö­ße­res Man­dat, das nicht allein aus mensch­li­chen Fähig­kei­ten ent­ste­hen kann. Dazu braucht es die Stim­me der leben­di­gen Kir­che, jener Kir­che, die bis ans Ende der Zei­ten dem Petrus und dem Apo­stel­kol­le­gi­um anver­traut wurde.

Die­se Lehr­voll­macht erschreckt vie­le Men­schen inner­halb und außer­halb der Kir­che. Sie fra­gen sich, ob sie nicht die Gewis­sens­frei­heit bedro­he, ob sie nicht eine Anma­ßung dar­stel­le, die im Gegen­satz zur Mei­nungs­frei­heit steht. Dem ist aber nicht so. Die von Chri­stus dem Petrus und sei­nen Nach­fol­gern über­tra­ge­ne Macht ist, abso­lut ver­stan­den, ein Auf­trag zum Die­nen. Die Lehr­voll­macht in der Kir­che schließt eine Ver­pflich­tung zum Dienst am Glau­bens­ge­hor­sam ein. Der Papst ist kein abso­lu­ter Herr­scher, des­sen Den­ken und Wil­len Gesetz sind. Im Gegen­teil: Sein Dienst garan­tiert Gehor­sam gegen­über Chri­stus und sei­nem Wort. Er darf nicht sei­ne eige­nen Ideen ver­kün­den, son­dern muß – ent­ge­gen allen Ver­su­chen von Anpas­sung und Ver­wäs­se­rung sowie jeder Form von Oppor­tu­nis­mus – sich und die Kir­che immer zum Gehor­sam gegen­über dem Wort Got­tes ver­pflich­ten. Das tat Papst Johan­nes Paul II., wenn er – ange­sichts sämt­li­cher, für den Men­schen schein­bar gut gemein­ter Ver­su­che – den fal­schen Inter­pre­ta­tio­nen der Frei­heit gegen­über unmiß­ver­ständ­lich die Unver­letz­lich­keit des mensch­li­chen Wesens, die Unver­letz­lich­keit des mensch­li­chen Lebens von der Emp­fäng­nis bis zum natür­li­chen Tod beton­te. Die Frei­heit zu töten, ist kei­ne wah­re Frei­heit, son­dern eine Tyran­nei, die den Men­schen zur Skla­ve­rei ernied­rigt. Der Papst ist sich bewußt, daß er in sei­nen wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen an die gro­ße Gemein­schaft des Glau­bens aller Zei­ten, an die ver­pflich­ten­den, auf dem Pil­ger­weg der Kir­che ent­stan­de­nen Inter­pre­ta­tio­nen gebun­den ist. So steht sei­ne Macht nicht über dem Wort Got­tes, son­dern in des­sen Dienst; und ihm obliegt die Ver­ant­wor­tung dafür, daß die­ses Wort in sei­ner Grö­ße erhal­ten bleibt und in sei­ner Rein­heit erklingt, auf daß es nicht von den stän­dig wech­seln­den Moden zer­ris­sen werde.

Die Kathe­dra ist – wir sagen es noch ein­mal – Sym­bol der Lehr­voll­macht, die eine Macht des Gehor­sams und Dien­stes ist, damit das Wort Got­tes – die Wahr­heit! – unter uns erstrah­len und uns so den Weg des Lebens wei­sen kann. Aber wie könn­ten wir, wenn wir von der Kathe­dra des Bischofs von Rom reden, die Wor­te uner­wähnt las­sen, die der hl. Igna­ti­us von Antio­chi­en an die Römer schrieb? Von Antio­chi­en, sei­nem ersten Sitz, steu­er­te Petrus Rom an, sei­nen end­gül­ti­gen Sitz. End­gül­tig bekräf­tigt wur­de die­ser Sitz durch das Mar­ty­ri­um, mit dem er sei­ne Nach­fol­ger für immer an Rom gebun­den hat. Igna­ti­us, der Bischof von Antio­chi­en blieb, wur­de sei­ner­seits in den Mär­ty­rer­tod geführt, den er in Rom erlei­den soll­te. In sei­nem Brief an die Römer bezieht er sich auf die Kir­che von Rom, »die den Vor­sitz in der Lie­be hat«, eine sehr bedeut­sa­me For­mu­lie­rung. Wir wis­sen nicht mit Sicher­heit, was Igna­ti­us mit der Ver­wen­dung die­ser Wor­te im Sinn hat­te. Aber für die alte Kir­che war das Wort Lie­be, »aga­pe«, ein Hin­weis auf das Geheim­nis der Eucha­ri­stie. In die­sem Myste­ri­um wird die Lie­be Chri­sti immer mit­ten unter uns greif­bar. Hier gibt er sich immer wie­der hin. Hier läßt er sein Herz immer wie­der durch­boh­ren; hier hält er sei­ne Ver­hei­ßung auf­recht, die Ver­hei­ßung, daß er vom Kreuz her alles an sich zie­hen wird. In der Eucha­ri­stie erler­nen wir sel­ber die Lie­be Chri­sti. Dank die­ser Her­zens­mit­te, dank der Eucha­ri­stie haben die Hei­li­gen gelebt, als sie die Lie­be Got­tes in immer neu­en For­men in die Welt tru­gen. Dank der Eucha­ri­stie wird die Kir­che immer wie­der neu gebo­ren! Die Kir­che ist nichts ande­res als jenes Netz – die eucha­ri­sti­sche Gemein­schaft! –, in dem wir alle, wenn wir den­sel­ben Herrn emp­fan­gen, zu einem ein­zi­gen Leib wer­den und die gan­ze Welt umfan­gen. Der Vor­sitz in der Leh­re und der Vor­sitz in der Lie­be müs­sen letz­ten Endes ein und das­sel­be sein: Die gan­ze Leh­re der Kir­che führt schließ­lich zur Lie­be. Und die Eucha­ri­stie als gegen­wär­ti­ge Lie­be Jesu Chri­sti ist das Kri­te­ri­um, an dem jede Leh­re gemes­sen wird. An der Lie­be hän­gen das gan­ze Gesetz und die Pro­phe­ten, sagt der Herr (Mt 22,40). Die Lie­be ist die Erfül­lung des Geset­zes, schrieb der hl. Pau­lus an die Römer (Röm 13,10).

Lie­be Römer, ich bin jetzt euer Bischof. Dan­ke für eure Groß­her­zig­keit, dan­ke für eure Sym­pa­thie, dan­ke für eure Geduld mit mir! Als Katho­li­ken sind wir alle in gewis­ser Wei­se auch Römer. Mit den Wor­ten von Psalm 87, einem Lob­lied auf Zion, die Mut­ter aller Völ­ker, sang Isra­el und singt die Kir­che: »Doch von Zion wird man sagen: Jeder ist dort gebo­ren …« (Ps 87,5). In ähn­li­cher Wei­se könn­ten auch wir sagen: Als Katho­li­ken sind wir in gewis­ser Wei­se alle in Rom gebo­ren. So will ich mit gan­zem Her­zen ver­su­chen, euer Bischof, der Bischof von Rom zu sein. Und wir alle wol­len ver­su­chen, immer mehr katho­lisch zu wer­den – immer mehr zu Brü­dern und Schwe­stern in der gro­ßen Fami­lie Got­tes, jener Fami­lie, in der es kei­ne Frem­den gibt. Schließ­lich möch­te ich dem Vikar für die Diö­ze­se Rom, dem lie­ben Kar­di­nal Camil­lo Rui­ni, den Weih­bi­schö­fen und allen ihren Mit­ar­bei­tern von Her­zen dan­ken. Herz­lich dan­ke ich den Pfar­rern, dem Kle­rus von Rom und allen, die als Gläu­bi­ge dazu bei­tra­gen, um hier das leben­di­ge Haus Got­tes zu errich­ten. Amen.

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9 Kommentare

  1. Oooooh die­se Mitra.….. bei unse­rem Bischof von Rom, .…… war es WIRKLICH wie­der dies­sel­be ?? ?? WIRKLICH ???
    Ich weiss, das ist voll­kom­men neben­säch­lich, aber ICH KANN SIE NICHT MEHR SEHEN !

    Selbst unser Pfar­rer zieht ab und zu mal was ande­res an.
    Und auch wir Otto Nor­mal­ver­bra­cu­her lau­fen nicht stän­dig mit den sel­ben Kla­mot­ten rum!! Armut und Beschei­den­heit hin oder her !!!

  2. Viel­leicht bin ich ja über­emp­find­lich, oder es han­delt sich um einen Über­set­zungs­feh­ler aus dem Ita­lie­ni­schen oder gar um einen kul­tu­rel­len Unter­schied, aber mir hat der letz­te Abschnitt von Papst Fran­zis­kus Pre­digt etwas auf den Magen geschla­gen: die Art und Wei­se wie er die Lie­be Got­tes beschreibt, bekommt eine ver­stö­ren­de, bei­na­he schon sexu­el­le Kom­po­nen­te. Die­ses wird beson­ders deut­lich wenn man die Art und Wei­se ver­gleicht, wie Papst Bene­dikt XVI eben­die­se Lie­be beschreibt. Aber viel­leicht ver­ste­he ich ein­fach nur die argen­ti­ni­sche Men­ta­li­tät nicht, die es eben­so erlaubt, vor jun­gen Frau­en her­um­zu­krie­chen und ihnen die Füße zu küssen.

    • Ja sie beneh­men sich wie die Evan­ge­li­ka­len und kön­nen nicht genug Gläu­bi­ge an die­se los­wer­den. Das war schon unter Paul VI. so.

  3. Der Ver­gleich hinkt, weil die Päp­ste Paul VI. , Johan­nes Paul II. und Bene­dikt anders han­del­ten als sie pre­dig­ten, sie ernann­ten durch­wegs Bischö­fe die ihre Wor­te nicht mit­tra­gen woll­ten, da ging es dar­um die Leh­ren des II. Vati­can­ums stück­chen­wei­se umzu­set­zen um einen grö­ße­ren Wider­stand zu ver­hin­dern. Das was Sie an Papst Fran­zis­kus stört ist nur die logi­sche Fort­set­zung des Kur­ses derer. Womög­lich ist auch der Rück­tritt von Papst Bene­dikt eine geziel­te Akti­on gewe­sen um das Papst­amt zu ent­wer­ten, und die Kol­le­gia­li­tät der Bischö­fe vor­an­zu­brin­gen und womög­lich mach­te er auch jeman­dem gezielt Platz der den tra­di­ti­ons­be­wuss­ten Gläu­bi­gen nicht so im Wort ist. Schon Johan­nes Paul wir­de mit den Wor­ten zitiert, dass er den Pri­mat so gestal­ten wol­le, der er der Öku­me­ne nicht mehr im Wege steht. So düster sieht es aus, Bene­dikt war nicht viel anders , er besuch­te das Luther­haus in Erfurt.

    • Das ist nun wohl eine ziem­li­che Ver­dre­hung des Pon­ti­fi­kats Bene­dikts! War­um genau er zurück­ge­tre­ten ist, wis­sen wir nicht. Dass er das Luther­haus in Erfurt besucht hat, darf ihm auch nicht zum Vor­wurf gerei­chen, er hat den Pro­te­stan­ten klar gesagt, dass er ihnen kei­ne Geschen­ke macht. Und natür­lich sind wir über vie­le Bischofs­er­nen­nun­gen unglück­lich, aber da gilt es auch immer die Lage vor Ort zu berück­sich­ti­gen. Wenn der Papst gegen den hef­ti­gen Wider­stand der Orts­kir­chen Kan­di­da­ten durch­drückt, die dann nach ein paar Jah­ren syste­ma­tisch demon­tiert wer­den und kei­ne Auto­ri­tät mehr haben, nützt auch der recht­gläu­big­ste Bischof nichts. Joseph Ratz­in­gers „Schwach­punkt“ war sei­ne Mil­de. Was wir in die­ser Situa­ti­on bräuch­ten, wäre einen recht­gläu­bi­gen Auto­kra­ten wie Pius V. Aber Pius V. konn­te sich auf die Beschlüs­se des Trie­ter Kon­zils beru­fen, Bene­dikt hat­te es da mit dem Vati­ca­num II viel schwe­rer. Er konn­te nur ver­su­chen, die­ses Kon­zil im Sin­ne der Tra­di­ti­on zu deu­ten. Und dass er eine Mann wie Ber­go­glio den Weg ebnen woll­te, glau­be ich auch nicht. Das Pro­blem ist, dass die Nord­ame­ri­ka­ner, Dolan, Quel­let und Bur­ke, beim Kon­kla­ve ver­sagt haben. Sie haben sich von Soda­no und Kas­per mani­pu­lie­ren las­sen, anstatt Sco­la zu unterstützen.

  4. Wenn Bene­dikt XVI. einen „Schwach­punkt“ hat­te, dann den, dass er als ein sehr kon­ser­va­ti­ver Neo­mo­der­nist anzu­se­hen ist. Zwi­schen sei­ner Theo­lo­gie und der Theo­lo­gie eines Giu­sep­pe Siri besteht ein Bruch.Beide stan­den sich wäh­rend des II. Vati­ka­num als Anti­po­den gegenüber.Kardinal Siri, Vor­sit­zen­der der ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, ver­trat die klas­si­sche römi­sche Theo­lo­gie, wie Kar­di­nal Otta­via­ni, wie Erz­bi­schof Lef­eb­v­re. Lei­der kam es wäh­rend des Kon­zils nicht zu einem Zusam­men­schluss zwi­schen ihnen. Damit war die Nie­der­la­ge der Tra­di­ti­on besie­gelt. Paul VI. trägt wahr­schein­lich die Haupt­ver­ant­wor­tung, weil er die Moder­ni­sten för­der­te, nur die schlimm­sten Aus­wüch­se beschnitt. Und die Kon­ser­va­ti­ven moch­ten sich nicht gegen den Papst stell­len. Sie haben sich selbst gelähmt. Die­se Läh­mung dau­ert zum gro­ßen Teil bis heute.
    Prof. Ratz­in­ger gehör­te als Peri­tus zur „Rhei­ni­schen Alli­anz.“ Als Peri­tus von Kar­di­nal Frings​.Mit sei­nem Fein­ge­fühl, sei­nem Sinn für Tra­di­ti­on, stell­te er sich bald gegen die begin­nen­den theo­lo­gi­schen und lit­ur­gi­schen Miss­bräu­che. Ohne sie je auf die Kon­zils­tex­te zurück­zu­füh­ren. Und das ist sein Schwach­punkt. Dom Hel­der Cama­ra, ein Prot­ago­nist der Neo­mo­der­ni­sten, hat es deut­lich aus­ge­spro­chen: „Das Kon­zil darf nicht alles sagen.Das wer­den wir spä­ter tun.“ Und so ist es gekom­men. Der „pasto­ra­le Cha­rak­ter“, die vie­len klei­nen Andeu­tun­gen, die offe­nen Leer­stel­len in den Kon­zils­tex­ten, laden zur Inter­pre­ta­ti­on ein. Damit ist die die kla­re, dog­ma­tisch nicht mehr inter­pre­tier­ba­re Spra­che der Kir­che grund­sätz­lich aufgegeben.
    Papst Bene­dikt hat sich auf sei­ne gro­ßen Vor­gän­ger, die Päp­ste des XVIII. Jahr­hun­derts bis Pius XII. kaum beru­fen. Von sei­nen unmit­tel­ba­ren Vor­gän­gern abge­se­hen, ging er auch an Tho­mas von Aquin vor­bei direkt vor allem zum hl. Augu­sti­nus. Als hät­te es die Tra­di­ti­on der Kir­che dazwi­schen nicht gege­ben. Das war der Bruch. Dass er alle Kon­zil­späp­ste – nach mei­ner Mei­nung – deut­lich über­ragt, ändert nichts am grund­sätz­li­chen Bruch.

    • Ach Cup­pa, Ratz­in­ger war damals ein jun­ger Mann. Er hat spä­te­stens in Tübin­gen gemerkt, dass das Kon­zil eine fal­sche Rich­tung vor­ge­ge­ben hat. Ich den­ke, er war sich – im Gegen­satz zu vie­len ande­ren Theo­lo­gen und Bischö­fen – sei­ner Mit­ver­ant­wor­tung durch­aus bewusst und es hat ihn bela­stet, gera­de hin­sicht­lich des Schick­sals der FSSPX. Ich mei­ne, Bene­dikt ist 2005 nur des­halb noch­mals in den Ring gestie­gen und hat das Papst­amt über­nom­men, um die Ver­söh­nung mit der Tra­di­ti­on unter den zeit­li­chen Gege­ben­hei­ten zu errei­chen und zumin­dest die Struk­tu­ren vor­zu­ge­ben, dass ein Wett­kampf zwi­schen Tra­di­ti­on und Pro­ges­si­on zukünf­tig wie der Kampf zwi­schen David und Goli­ath hät­te enden kön­nen, weil die Wahr­heit mit der Tra­di­ti­on ist und sich Wahr­heit am Ende immer durch­setzt. Es ist eine furcht­ba­re Tra­gö­die für die Kir­che ins­ge­samt, dass man den Sieg der Wahr­heit vor dem Kamp­fe woll­te und die­se Ver­söh­nung nicht er/­be-grif­fen wur­de. Wenn ich die Nach­rich­ten der neue­sten Aus­ga­be von Una Voce lese, dreht sich mir das Herz um. Wel­che Früch­te began­nen da zu rei­fen, wie die Semi­na­re sich lang­sam füll­ten und immer mehr Bischö­fe sich gegen­über der Tra­di­ti­on zu öff­nen began­nen – und jetzt, die­ser Eises­hauch eines zurück­keh­ren­den Kon­zils­win­ters, der die jun­ge Saat zu ver­nich­ten droht. Ich hof­fe nur, dass so man­cher in der FSSPX begreift, dass es kei­ne Insel der Seli­gen gibt, auf der sich dau­er­haft über­win­tern lie­ße und man sich einer Zusam­men­ar­beit inner­halb der Tra­di­ti­on nicht verweigert.

  5. Der wohl wich­tig­ste Unter­schied zwi­schen bei­den Pre­dig­ten: Papst Fran­zis­kus sagt in der Pre­digt zu sei­ner Amts­ein­füh­rung nichts, aber auch gar nichts zur Rol­le des Bischofs von Rom. Dog­ma­ti­sche Fra­gen schei­nen ihm kom­plett unwich­tig zu sein. Das ist ein sehr merk­wür­di­ges Ver­hält­nis zu sei­nem Dienst­amt, das, wie Papst Bene­dikt her­vor­hob, doch vor allem ein Dienst­amt des Leh­rens sein soll. Ein Papst, der sich nicht bewußt in die Tra­di­ti­on des Lehr­am­tes stellt, ist gera­de das, was er laut Papst Bene­dikt nicht sein soll: Ein abso­lu­ter Herr­scher, der nur sei­nen Wil­len und sei­ne eige­nen Ideen durchsetzt.

  6. Ist es jeman­dem schon auf­ge­fal­len? Papst Fran­zis­kus sagt in sei­ner Pre­digt nichts, aber auch gar nichts zu sei­ner Rol­le als Bischof von Rom!

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