Vor dem Konklave — Peter Kardinal Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest

Peter Kardinal Erdö Erzbischof von Esztergom-Budapest(Rom) Im Vor­feld des Kon­kla­ves ver­öf­fent­li­chen wir die Rede­bei­trä­ge eini­ger Kar­di­nä­le auf der jüng­sten Bischofs­syn­ode, die zum zen­tra­len The­ma Neue­van­ge­li­sie­rung vom 7. bis 28. Okto­ber 2012 in Rom tag­te. Es wer­den die Bei­trä­ge jener Kar­di­nä­le ver­öf­fent­licht, auf die sich in beson­de­rem Maße das Inter­es­se kon­zen­triert. Die Ver­öf­fent­li­chung soll zugäng­lich machen, was füh­ren­de Kir­chen­män­ner zum The­ma Neue­van­ge­li­sie­rung zu sagen haben und einen Ver­gleich zwi­schen die­sen ermög­li­chen. Bereits vor­ge­stellt wur­den Timo­thy Kar­di­nal Dolan, Erz­bi­schof von New York (USA), Geor­ge Kar­di­nal Pell, Erz­bi­schof von Syd­ney (Austra­li­en), Ange­lo Kar­di­nal Sco­la, Erz­bi­schof von Mai­land (Ita­li­en), Marc Kar­di­nal Ouel­let, Prä­fekt der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on (Kanada/Vatikan), Odi­lo Kar­di­nal Sche­rer, Erz­bi­schof von Sao Pau­lo (Bra­si­li­en), Ray­mond Kar­di­nal Bur­ke, Prä­fekt der Apo­sto­li­schen Signa­tur (USA/Vatikan) und Peter Kar­di­nal Turk­son, Prä­si­dent des Päpst­li­chen Rats für Gerech­tig­keit und Frie­den (Ghana/Vatikan).

Wir set­zen fort mit Peter Kar­di­nal Erdö, seit 2002 Erz­bi­schof von Esz­ter­gom-Buda­pest in Ungarn. Kar­di­nal Erdö wur­de 1952 weni­ge Jah­re nach Beginn der kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur in der unga­ri­schen Haupt­stadt Buda­pest als Sohn einer kin­der­rei­chen katho­li­schen Fami­lie gebo­ren. Nach dem Phi­lo­so­phie­stu­di­um in Esz­ter­gom pro­mo­vier­te er an der Late­ran­uni­ver­si­tät in Rom in Theo­lo­gie und Kir­chen­recht. 1975 wur­de er für sei­ne Hei­mat­diö­ze­se Gran (wie bis 1993 die Erz­diö­ze­se Esz­ter­gom-Buda­pest hieß) zum Prie­ster geweiht und dort inkar­di­niert. Zunächst in der Pfarr­seel­sor­ge tätig, nahm er nach wei­te­ren Stu­di­en in Rom die Lehr­tä­tig­keit am Prie­ster­se­mi­nar von Esz­ter­gom und an aus­län­di­schen Hoch­schu­len auf, ab 1986 war er Sekre­tär der Kom­mis­si­on für Kir­chen­recht der unga­ri­schen Bischofs­kon­fe­renz, ab 1988 lehr­te er an der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Katho­li­schen Péter-Páz­má­ny-Uni­ver­si­tät in Buda­pest, deren Rek­tor er von 1998–2003 war. 1999 ernann­te ihn Papst Johan­nes Paul II. zum Weih­bi­schof von Stuhl­wei­ßen­burg (Szé­kes­fehérvár). 2002 folg­te die Beru­fung zum Erz­bi­schof von Esz­ter­gom-Buda­pest und damit auch zum Pri­mas von Ungarn. Am 21. Okto­ber 2003 erhob ihn Johan­nes Paul II. in den Kar­di­nals­stand, des­sen jüng­stes Mit­glied er bis zur Erhe­bung des Erz­bi­schofs von Mün­chen-Frei­sing Rein­hard Marx 2010 war. Kar­di­nal Erdö nahm als Papst­wäh­ler am Kon­kla­ve von 2005 teil.

Sei­ne Rede hielt Kar­di­nal Erdö am 16. Okto­ber 2012 im Rah­men der vier­zehn­ten Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on.

Num­mer 54 des Instru­men­tum labo­ris spricht vom “Vor­hof der Hei­den“. Um die Evan­ge­li­sie­rung durch­füh­ren zu kön­nen, ist es erfor­der­lich, von den Grund­la­gen unse­rer Exi­stenz aus­zu­ge­hen. In der Tat bezieht sich unser Glau­be auf die Rea­li­tät. Auf die Gesamt­heit alles Sei­en­den. Die heu­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Sicht der Welt bie­tet uns eine äußerst wei­te Per­spek­ti­ve. Wenn wir ver­su­chen, uns das Uni­ver­sum vor­zu­stel­len, dann öff­net sich unse­re Phan­ta­sie zu Gott hin, zu sei­ner gren­zen­lo­sen Wirk­lich­keit. Got­tes unend­lich gro­ße Wirk­lich­keit erzeugt, wenn sie der Welt begeg­net, in der sie ganz zuin­nerst vor­han­den ist, aber zugleich über Raum und Zeit steht, Situa­tio­nen, die uns oft para­dox erschei­nen mögen.
Die Natur­wis­sen­schaf­ten, die Phy­sik, die Astro­no­mie bewei­sen uns die Ela­sti­zi­tät und den Reich­tum grund­le­gen­der Begrif­fe wie etwa der­je­ni­gen der Mate­rie oder der Ener­gie. Wir spre­chen sogar von dunk­ler Ener­gie oder Anti­ma­te­rie, Kate­go­rien, die nütz­lich sind, gewis­se Basis­phä­no­me­ne des Uni­ver­sums zu erklä­ren. Es erman­gelt auch nicht an Wis­sen­schaft­lern, die dafür offen sind, die Exi­stenz eines tran­szen­den­ten Got­tes zu akzep­tie­ren, der folg­lich nicht iden­tisch ist mit dem Uni­ver­sum selbst.
Wenn wir Chri­sten ver­kün­di­gen, dass dies ein per­sön­li­cher Gott ist, der uns liebt, der uns erlöst hat, der uns ein­lädt zu einem glück­li­chen und ewi­gen Leben in Gemein­schaft mit Ihm, dann for­mu­lie­ren wir damit kei­ne Fol­ge­run­gen, die sich auto­ma­tisch aus unse­ren Kennt­nis­sen über die Natur erge­ben. Wir kön­nen auf eine ande­re Quel­le zurück­grei­fen, die für unse­ren Glau­ben erfor­der­lich ist: die gött­li­che Offen­ba­rung, die in ihrer Voll­stän­dig­keit in der Per­son Jesu Chri­sti zu uns gekom­men ist. Die­ses über­wäl­ti­gen­de Ereig­nis kön­nen wir dank der Tra­di­ti­on ken­nen ler­nen, die durch die Kir­che über­mit­telt wur­de und die bezeugt ist im Bekennt­nis der Genera­tio­nen und Aber­ge­nera­tio­nen von Hei­li­gen von den Tagen der Apo­stel bis in unse­re Tage hin­ein.
Die Über­lie­fe­rung des Glau­bens klingt wie eine authen­ti­sche Ant­wort auf unse­re gro­ße Erfah­rung bzw. Fra­ge im Hin­blick auf das Uni­ver­sum. Wir leben also in einer Epo­che, die unge­heu­er vie­le Gele­gen­hei­ten gibt, unse­ren Glau­ben auch durch den Dia­log mit den Natur­wis­sen­schaf­ten und den Geschichts­wis­sen­schaf­ten zu ver­kün­di­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Erz­diö­ze­se Esz­ter­gom-Buda­pest