Gott hat den Mut gehabt, das Wagnis, Freiheit zu schaffen

Papst Benedikt XVILie­be Brü­der und Schwe­stern!

In der Rei­he der Kate­che­sen über das Glau­bens­be­kennt­nis im Jahr des Glau­bens möch­te ich heu­te über Gott als den »Schöp­fer des Him­mels und der Erde« spre­chen. Der Hebrä­er­brief sagt: »Auf­grund des Glau­bens erken­nen wir, daß die Welt durch Got­tes Wort erschaf­fen wor­den ist…« (11,3). Der glau­ben­de Mensch kann sozu­sa­gen in der Natur die Hand­schrift Got­tes lesen, aber er braucht doch die Offen­ba­rung, das Wort Got­tes, um die Eigen­art des Schöp­fers und Vaters recht zu ver­ste­hen. Der Schöp­fungs­be­richt, mit dem das Buch Gene­sis, die Hei­li­ge Schrift über­haupt, beginnt, sagt uns: Alles, was Gott schafft, ist durch­tränkt von sei­ner Weis­heit und Güte und ist gut. Fra­ge: Kann man heu­te ange­sichts der Natur­wis­sen­schaft eigent­lich noch von Schöp­fung reden? Natür­lich ist die Bibel kein Lehr­buch der Natur­wis­sen­schaft. Das ist nicht ihr Sinn. Sie geht in eine tie­fe­re Dimen­si­on. Sie fragt uns nach dem, wor­auf Welt, Sein, unse­re Exi­stenz beruht, was eigent­lich die Wahr­heit und Wirk­lich­keit unse­res Lebens ist, und sagt uns, daß die Wirk­lich­keit nicht durch Zufall und Not­wen­dig­keit zustan­de kam, nicht durch das Irra­tio­na­le und Unfreie, son­dern durch eine Ver­nunft und Frei­heit, daß nicht das Irra­tio­na­le, das Unfreie, das Unver­nünf­ti­ge der Ursprung und der letz­te Grund aller Din­ge ist, son­dern eine Frei­heit, die gut ist, eine Frei­heit, die Erkennt­nis und Ver­nunft ist und die Lie­be ist. Das ist die eigent­li­che Aus­sa­ge, die uns die Schöp­fungs­be­rich­te machen und die damit über­haupt die Dimen­si­on eröff­nen, in der wir den­ken und han­deln kön­nen. Die Welt hat eine Ord­nung, die aus dem Geist des Schöp­fers her­vor­geht. Und es gibt ein Geschöpf, das die­sen Geist abbild­lich emp­fan­gen hat: der Mensch. Der Mensch ist nicht allein. Er kann nur mit ande­ren, in Bezie­hung leben. Ich bin nur in Bezie­hung und nur vom ande­ren her und durch den ande­ren, ohne ihn gäbe es mich nicht. Die­se Bezo­gen­heit auf den ande­ren ist kei­ne Ein­schrän­kung, kei­ne Abhän­gig­keit, wenn sie aus Lie­be geschieht. Lie­be ist eine schöp­fe­ri­sche Macht, die den ande­ren nicht ver­engt, son­dern berei­chert und sein Leben mit Sinn erfüllt. Nun sagt uns die Schrift: Die gan­ze Schöp­fung Got­tes ist gut. Wir fra­gen uns: Woher kommt dann all das Ungu­te, das wir in ihr erle­ben? Dazu sagt uns die Schrift: Gott hat den Mut gehabt, das Wag­nis, Frei­heit zu schaf­fen, und er respek­tiert sie. Der Mensch ist der Ver­su­chung ver­fal­len, Gott nicht mehr als Garan­ten sei­ner Frei­heit anzu­se­hen, son­dern als Ein­schrän­kung sei­ner Frei­heit, ihn weg­zu­sto­ßen, um sel­ber nur noch ganz er selbst zu sein. Und so hat er die Grund­be­zie­hung, auf der all unser Sein beruht, gestört. Und da wir Bezie­hung sind, ist Stö­rung der Bezie­hung Stö­rung des Seins, und das Dun­kel des Bösen tritt in die gute Welt her­ein, die doch nicht auf­hört, gut zu blei­ben. Mit der Erb­sün­de ist eben die­ses gemeint, daß die gan­ze Mensch­heit sich von Anfang an in die­ser Bezie­hungs­stö­rung bewegt, die wir nicht selbst auf­he­ben kön­nen. Gott muß­te her­ein­kom­men, die Bezie­hung wie­der her­stel­len und hat es in Chri­stus getan. Und so ist die Bezie­hung zu ihm die Erneue­rung unse­res Seins und die Ver­wirk­li­chung unse­rer Beru­fung. So ver­weist Schöp­fung auf Erlö­sung, das schöp­fe­ri­sche Wort Got­tes auf die schöp­fe­ri­sche Lie­be Jesu Chri­sti und ruft uns, dazu ja zu sagen.

Ganz herz­lich grü­ße ich alle Brü­der und Schwe­stern deut­scher Spra­che, heu­te beson­ders die Grup­pe der Semi­na­re von Eisen­stadt, Wien und St. Pöl­ten mit Weih­bi­schof Anton Leicht­fried. Ich freue mich, daß Sie da sind! Las­sen wir uns im Wort Got­tes und in den Sakra­men­ten immer neu von der Lie­be Chri­sti ein­ho­len, mit der er uns in die Gemein­schaft mit dem Schöp­fer und mit dem Näch­sten zurück­füh­ren will. Der Herr schen­ke euch inne­res Wachs­tum und sein Geleit auf allen euren Wegen. Dan­ke.

Bild: Ser­gey Gabdurakhmanov/flickr.com