Die Selbstoffenbarung Gottes gipfelt in Christus

Papst Benedikt XVILie­be Brü­der und Schwe­stern!

Gott hat sich nicht nur in der Schöp­fung offen­bart, er ist in unse­re Geschich­te her­ein­ge­tre­ten. Er offen­bart sich in Zeit und Geschich­te. Die Geschich­te ist der Ort, an dem wir Got­tes Han­deln für die Mensch­heit erken­nen kön­nen, wo sich der gro­ße Plan der Lie­be Got­tes Schritt um Schritt vor unse­ren Augen erfüllt. Die Gegen­wart Got­tes gibt der Geschich­te Sinn und Fül­le. In der Hei­li­gen Schrift fin­den wir die Etap­pen die­ses Weges Got­tes mit den Men­schen, die Stu­fen der Offen­ba­rung Got­tes. Sie zeigt uns, daß Gott von Anfang an sich erken­nen läßt, den Men­schen sei­ne Gemein­schaft anbie­tet und ihn auch im Sün­den­fall nicht ver­läßt. Gott schließt einen Bund mit Noach, er erwählt Abra­ham und formt sich sein Volk durch die Befrei­ung aus Ägyp­ten, den Bun­des­schluß am Sinai und die Gabe des Geset­zes. Durch die Pro­phe­ten lei­tet der Herr sein Volk durch die Geschich­te und wei­tet den Hori­zont aus immer mehr zur Erwar­tung eines neu­en und ewi­gen Bun­des für alle Men­schen. Das Ein­grei­fen Got­tes in die Geschich­te sei­nes Vol­kes wird zu einem Gedächt­nis und bil­det zusam­men die Gesamt­ge­schich­te des Heils. Der Glau­be wird genährt von der Ent­deckung und vom Gedächt­nis, daß Gott treu ist, die Geschich­te lenkt und den festen Grund bil­det, auf dem wir unser Leben bau­en kön­nen. Das fei­ern­de Geden­ken der Ereig­nis­se macht sie gegen­wär­tig, denn Got­tes mäch­ti­ges Wir­ken geht wei­ter. In der Lit­ur­gie geht es dar­um, uns vor der Gedächt­nis­lo­sig­keit zu bewah­ren, vor dem Ver­ges­sen davon, was Gott in der Geschich­te getan hat, es ins Gedächt­nis und so neu in die Gegen­wart zu heben und so zur Begeg­nung mit ihm zu füh­ren. Die Selb­stof­fenba­rung Got­tes gip­felt in Chri­stus: Das schöp­fe­ri­sche Wort, das die Welt geschaf­fen hat, hat in Jesus Chri­stus das Mensch­sein ange­nom­men und uns Got­tes Gesicht gezeigt. Jesus Chri­stus ist der Höhe­punkt der Geschich­te Got­tes mit den Men­schen, die Erfül­lung sei­nes ewi­gen Heils­pla­nes.

Ger­ne hei­ße ich alle Pil­ger und Besu­cher deut­scher Spra­che will­kom­men. Die Zeit des Advents lädt uns neu ein, Got­tes Han­deln in der Geschich­te zu betrach­ten, der Gedächt­nis­lo­sig­keit ent­ge­gen­zu­wir­ken, wach­sam zu wer­den für die Zei­chen der Gegen­wart Got­tes, für sein Mit­sein mit uns. Gott ist nicht weg­ge­gan­gen von der Geschich­te, er ist da. Wir müs­sen nur auf­merk­sam sein und ihm unse­rer­seits ent­ge­gen­ge­hen. Wir wol­len sei­ne Gegen­wart von Tag zu Tag bezeu­gen und das Licht der Mensch­wer­dung Got­tes durch unser eige­nes Leben hin­durch­schei­nen las­sen. Der Herr schen­ke euch allen einen geseg­ne­ten Advent.

Bild: Ser­gey Gabdurakhmanov/flickr.com