Trappistinnen in Syrien fürchten nicht das Schicksal der Trappisten von Algerien

(Damas­kus) Sie kamen 2005 in den Nahen Osten in der Absicht, die Chri­stia­ni­sie­rung der ersten Jahr­hun­der­te nach Chri­stus fort­zu­set­zen. Ihre Geschich­te ist ver­gleich­bar mit jener der fran­zö­si­schen Trap­pi­sten­mön­che von Tib­hi­ri­ne in Alge­ri­en, die 1996 von einer isla­mi­sti­schen Ter­ror­grup­pe ermor­det wur­den. Xavier Beau­vais schuf ihnen und ihrem Mar­ty­ri­um 2010 mit dem Film Von Men­schen und Göt­tern ein Denk­mal.

Der Ver­gleich drängt sich auf, wenn man an die fünf Trap­pi­stin­nen denkt, die 2005 ihr fried­li­ches und abge­le­ge­nes Klo­ster in Val­se­re­na in der ita­lie­ni­schen Tos­ka­na ver­lie­ßen, um nach Syri­en zu gehen. Ein Land, des­sen inne­re Lage bereits damals gespannt war und inzwi­schen in den Bür­ger­krieg mit Tau­sen­den Toten und Hun­dert­tau­sen­den Flücht­lin­gen abge­drif­tet ist.

War­um haben sie sich dazu ent­schlos­sen und dafür ent­schie­den, ein neu­es Klo­ster in einem unsi­che­ren Land wie Syri­en zu grün­den? „Weil sich das Chri­sten­tum hier ent­wickelt und von hier aus nach Klein­asi­en, Grie­chen­land, Rom, Arme­ni­en, Indi­en und Chi­na aus­ge­brei­tet hat,“, so die Schwe­stern. „In den ersten Jahr­hun­der­ten wur­de die Mis­sio­nie­rung durch eine leben­di­ge mona­sti­sche Bewe­gung durch­ge­führt, die eigen­stän­dig und unab­hän­gig von­ein­an­der hier und in Ägyp­ten ent­stan­den ist.“ Die Schwe­stern erin­nern an den hei­li­gen Ephräm den Syrer, den hei­li­gen Sime­on den Sty­li­ten, den hei­li­gen Johan­nes Chryso­sto­mus oder den hei­li­gen Johan­nes von Damas­kus, deren Spu­ren sie fol­gen. „Aus­ge­hend von unse­rer latei­ni­schen und bene­dik­ti­ni­schen Tra­di­ti­on wol­len wir die­sem Strom fol­gen, weil wir über­zeugt sind von den rei­chen Früch­ten, die der Aus­tausch zwi­schen dem west­li­chen und öst­li­chen Erbe des Chri­sten­tums brin­gen wird.“

So ent­stand das Klo­ster von Azeir zwi­schen der vom Bür­ger­krieg heim­ge­such­ten Städ­ten Homs und Tar­tous in Zen­tral­sy­ri­en. Die Schwe­stern erfül­len dabei eine Mis­si­on, die jener der Mön­che von Tib­hi­ri­ne ähnelt: Ohne Unter­schied der Reli­gi­on, den Chri­sten und den Mos­lems zu hel­fen, ein Leucht­turm des Frie­dens und der Ein­tracht inmit­ten des Bür­ger­kriegs zu sein, den sie nicht vor­aus­se­hen konn­ten, als die fünf Trap­pi­stin­nen das erste Mal syri­schen Boden betra­ten. „Jetzt gehö­ren wir zu die­sen Men­schen. Das Schick­sal der Syrer ist unser Schick­sal“, so Äbtis­sin Moni­ca zu Asia­news.

Die Non­nen berich­ten auf ihrer Inter­net­sei­te aus­ge­wo­gen und abseits aller Pro­pa­gan­da der einen oder der ande­ren Sei­te über den Bür­ger­krieg und das Schick­sal der Chri­sten Syri­ens. Eini­ge der Brie­fe der letz­ten Mona­te kön­nen abge­ru­fen wer­den. Sie schil­dern vor allem das Lei­den der Zivil­be­völ­ke­rung. Für die­se ist das Klo­ster ein kon­kre­tes Zei­chen der Hoff­nung, weil es „ein Ort ist, wo Gott wirk­lich gegen­wär­tig ist, durch die Eucha­ri­stie und durch die Kir­che, durch das Gebet und die brü­der­li­che Gemein­schaft. Es ist ein Segen für alle.“

„War­um soll­ten wir weg­ge­hen?“ lau­tet daher die erstaun­te Fra­ge der Schwe­stern. „Die Men­schen hier klin­geln an unse­re Pfor­te. Sie suchen Hil­fe, viel­fäl­ti­ge Hil­fe. Sie bit­ten um Nah­rung, sie suchen Trost. Jun­ge Män­ner haben begon­nen zu uns zu kom­men, weil sie jeman­den such­ten, der ihnen hilft, Din­ge zu ver­ste­hen, zu reflek­tie­ren, um inner­lich zu wach­sen.“ Das Klo­ster bot bereits zahl­rei­chen Men­schen Zuflucht und Unter­kunft, Men­schen, die im Bür­ger­krieg durch die Regie­rungs­trup­pen oder durch die Rebel­len zu Flücht­lin­gen wur­den, Men­schen, die von der einen oder der ande­ren Sei­te ver­folgt sind. Sogar als Ort für Geheim­ver­hand­lun­gen wur­de das Klo­ster bereits genützt.

„Wir sind geru­fen, Zeug­nis zu geben von unse­rer christ­li­chen Hoff­nung, die stär­ker ist als alle Sor­ge. War­um soll­ten wir also weg­ge­hen von einem Ort, an dem die Men­schen die­se Hoff­nung so drin­gend brau­chen“, so die Äbtis­sin zu Asia­news.

Text: Reli­gi­on en libertad/Giuseppe Nar­di
Bild: Val­se­re­na