Slowenien zeigt: Man kann ideologischen EU-Vorgaben widerstehen

(Lai­bach) Am Sonn­tag, den 26. März 2012 lehn­ten die Slo­we­nen in einer Volks­ab­stim­mung das soge­nann­te neue „Fami­li­en­ge­setz“ ab, das noch die ehe­ma­li­ge lin­ke Par­la­ments­mehr­heit am 16. Juni 2011 beschlos­sen hat­te. Mit die­sem Rah­men­ge­setz rund um die Fami­lie soll­te der Fami­li­en­be­griff aus­ge­höhlt und die Fami­lie als vom Staat geschütz­te Insti­tu­ti­on ad absur­dum geführt wer­den. Die dama­li­ge Regie­rungs­mehr­heit stell­te homo­se­xu­el­le Ver­bin­dun­gen der Ehe und der Fami­lie gleich und räum­te auch Homo­se­xu­el­len das Adop­ti­ons­recht ein. Letz­te­res zwar ein­ge­schränkt, doch das Wört­chen „vor­erst“ war bereits zwin­gend vor­aus­zu­schicken. Slo­we­ni­en soll­te ein ideo­lo­gi­sches Pro­gramm über­neh­men, wie es auch die EU wünscht. Das Unter­fan­gen, Natur­ge­set­ze durch Men­schen­ge­setz aus­he­beln zu wol­len, scheint eher Ansporn denn Hemm­schuh zu sein.

Bür­ger­initia­ti­ve zum Schutz der Fami­lie und Kin­der­rech­te brach­te „Fami­li­en­ge­setz“ zu Fall

Nach­dem das Par­la­ment im ver­gan­ge­nen Jahr die links­li­be­ra­le Agen­da ver­ab­schie­det hat­te, bil­de­te sich eine Bür­ger­initia­ti­ve zum Schutz der Fami­lie und der Kin­der­rech­te. Sie sam­mel­te in ganz Slo­we­ni­en die nöti­gen Unter­schrif­ten zur Ein­lei­tung eines Refe­ren­dums, mit dem das Gesetz wie­der abge­schafft wer­den soll­te. Die Initia­ti­ve fand sol­chen Anklang, daß bereits in den ersten bei­den Tagen mehr als die Hälf­te der not­wen­di­gen 40.000 Unter­schrif­ten gesam­melt wer­den konn­ten. Auch die von den Links­par­tei­en gefor­der­te Prü­fung der Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät der Volks­ab­stim­mung fiel zugun­sten der Bür­ger­initia­ti­ve aus.

Bei einer gerin­gen Wahl­be­tei­li­gung, in Slo­we­ni­en gibt es kein Min­dest­quo­rum, stimm­ten nun 55 Pro­zent gegen das Fami­li­en­ge­setz. Die Ent­schei­dung wur­de von Fami­li­en­ver­bän­den und der katho­li­schen Kir­che als posi­ti­ve Über­ra­schung auf­ge­nom­men. Die Unter­stüt­zer des neu­ge­faß­ten Fami­li­en­be­griffs, die gegen die Volks­ab­stim­mung mobi­li­sier­ten, hat­ten sich zu einer brei­ten Gegen­front zusam­men­ge­schlos­sen. Ihr gehör­ten fak­tisch alle Mas­sen­me­di­en an und erzeug­ten damit ein ein­sei­ti­ges Infor­ma­ti­ons­mo­no­pol. Eben­so alle Mit­te-links-Par­tei­en der alten Par­la­ments­mehr­heit ein­schließ­lich des sehr popu­lä­ren Bür­ger­mei­ster von Lai­bach, Zor­an Jan­ko­vic, der bei den Par­la­ments­neu­wah­len vom 4. Dezem­ber 2011 mit sei­ner Par­tei Posi­ti­ves Slo­we­ni­en und 28,5 Pro­zent der Stim­men zur stärk­sten poli­ti­schen Kraft wur­de, ohne aller­dings eine Regie­rungs­mehr­heit zustan­de zu brin­gen.

Staats­prä­si­dent Türks eigen­wil­li­ges Ver­fas­sung­ver­ständ­nis

Staats­prä­si­dent Dani­lo Türk misch­te sich, trotz der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ver­pflich­tung als Staats­ober­haupt super par­tes zu sein, in die Debat­te ein und sprach sich für das Gesetz und damit gegen die Bür­ger­initia­ti­ve zum Schutz der Fami­lie und der Kin­der­rech­te aus. Und demon­strier­te gleich ein wei­te­res Mal ein eigen­wil­li­ges Ver­fas­sungs­ver­ständ­nis: „Die Auto­ri­tät des Gesetz­ge­bers ver­langt, daß die Geset­ze respek­tiert und nicht mit Refe­ren­den ange­foch­ten wer­den.“

Für eine Abschaf­fung des Geset­zes spra­chen sich hin­ge­gen fast alle Par­tei­en der neu­en Mit­te-rechts-Mehr­heit und die katho­li­sche Kir­che aus. Kopf der Bür­ger­initia­ti­ve ist Aleš Primc. Er bezeich­ne­te das nun abge­schaff­te Gesetz als einen Ver­such zur Homo­se­xua­li­sie­rung der Gesell­schaft. Den Sieg sei­ner Initia­ti­ve kom­men­tier­te Primc mit den Wor­ten: „Die Mehr­heit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger respek­tiert die Mut­ter­schaft und Vater­schaft und wünscht nicht, daß ihre Kin­der in der Schu­le dazu erzo­gen wer­den, homo­se­xu­ell zu wer­den.“

Primc: Slo­we­nen wol­len nicht, daß ihre Kin­der an Schu­len „homo­se­xu­ell gemacht“ wer­den

Durch das Refe­ren­dum gilt in Slo­we­ni­en wie­der das Fami­li­en­ge­setz von 1976. Ein Jahr lang kann der Gesetz­ge­ber kei­ne Ände­rungs­ver­su­che vor­neh­men. Durch den Wech­sel der Par­la­ments­mehr­heit besteht der­zeit auch kei­ne Absicht dazu. Die Mit­te-rechts-Regie­rung hat­te bereits bei ihrem Amts­an­tritt erklärt, kei­ne Neue­run­gen auf­zu­grei­fen, die die Gesell­schaft „spal­ten“ wie die Homo-Ver­bin­dun­gen und soge­nann­te „Homo-Rech­te“.

„Aus Slo­we­ni­en gelangt ein posi­ti­ves Signal in die Haupt­städ­te der EU-Mit­glieds­staa­ten. Slo­we­ni­en belegt, daß man sich den ideo­lo­gi­schen Vor­ga­ben der EU-Super­bü­ro­kra­ten in Brüs­sel eben­so wider­set­zen kann wie den unan­ge­mes­se­nen und recht­lich bedenk­li­chen Ein­grif­fen ideo­lo­gisch akti­ver Rich­ter. Befragt man das Volk zu grund­le­gen­den Fra­gen der Fami­lie und der Kin­der­er­zie­hung, kommt die Homo-Lob­by und deren Unter­stüt­zer arg in Bedräng­nis“, so Miche­le Poropat.

Nach Slo­we­nen-Refe­ren­dum will Kroa­ti­ens Links­re­gie­rung Direk­te Demo­kra­tie ein­schrän­ken

In Kroa­ti­en zog man umge­hend Kon­se­quen­zen aus der slo­we­ni­schen Ent­schei­dung. Die neue Links­re­gie­rung in Zagreb scheint ent­schlos­sen, die Mög­lich­kei­ten der Direk­ten Demo­kra­tie und von Volks­ab­stim­mun­gen ein­schrän­ken zu wol­len, um ähn­li­che „Über­ra­schun­gen“ durch das Stimm­volk zu ver­hin­dern. Die fin­di­ge Begrün­dung lau­tet, daß „bür­ger­li­che Grund­rech­te“ nicht Volks­ab­stim­mun­gen unter­wor­fen wer­den könn­ten.

Text: BQ/Giuseppe Nar­di
Bild: Bus­so­la Quo­ti­dia­na