Papst vertraut Assisi 3 der Gottesmutter Maria an – 176 Teilnehmer aus der ganzen Welt

(Rom) Assi­si 3, das drit­te inter­re­li­giö­se Tref­fen für den Frie­den und die Gerech­tig­keit in der Welt rückt näher. Wie weni­ge Ereig­nis­se in der Kir­che wird es von einem Teil begei­stert begrüßt, von einem ande­ren Teil skep­tisch beäugt oder rund­weg abge­lehnt. Papst Bene­dikt XVI. ver­trau­te gestern beim Ange­lus auf dem Peters­platz das Tref­fen der Got­tes­mut­ter Maria an. Er erin­ner­te dar­an, daß es sich bei dem Tref­fen von Reli­gi­ons­ver­tre­tern aus aller Welt, das am kom­men­den Don­ners­tag, den 27. Okto­ber in Assi­si statt­fin­det, um eine Wall­fahrt han­delt. Vor genau 25 Jah­ren hat­te Papst Johan­nes Paul II. das erste Mal zu einem Tref­fen nach Assi­si ein­ge­la­den. Das sei der Grund für das drit­te Tref­fen in Assi­si, wie Bene­dikt XVI. beton­te.

Tagungs­band „Die Reli­gio­nen in Assi­si – Kein Ver­zicht auf die Wahr­heit“ vor­ge­stellt

Die Ver­ei­ni­gung Catho­li­ca Spes ver­an­stal­te­te am 1. Okto­ber 2011 eine Tagung zu Assi­si 3 (katholisches.info berich­te­te). Nun wur­de der Tagungs­band mit den Refe­ra­ten vor­ge­legt mit dem Titel: „Die Reli­gio­nen in Assi­si. Kein Ver­zicht auf die Wahr­heit“ (Le reli­gio­ni ad Assi­si. Nessu­na rin­un­cia alla Veri­tà , ed. Fede&Cultura, 144 Sei­ten, € 12,-). Die Autoren ver­su­chen die Posi­ti­on Bene­dikts XVI. auf­zu­zei­gen, um den Sinn für das Tref­fen von Assi­si zu ver­ste­hen. Dar­aus ent­steht ein deut­li­ches Bild, das syn­kre­ti­sti­sche und rela­ti­vi­sti­sche Inter­pre­ta­tio­nen des Tref­fens, die die Wahr­heit des Glau­bens, näm­lich Jesus Chri­stus, das Wort Got­tes, unter­gra­ben wür­den, wider­legt und in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren ent­stan­de­ne Ein­drücke die­ser Ar zu kor­ri­gie­ren ver­sucht.

Die Aus­füh­run­gen rich­ten ihr beson­de­res Augen­merk auf das Doku­ment Domi­nus Iesus des Hei­li­gen Jah­res 2000. Kar­di­nal Gia­co­mo Bif­fi sag­te damals: „Daß die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on es für nötig befand mit der Erklä­rung Domi­nus Iesus Über die Ein­zig­keit und die Heils­uni­ver­sa­li­tät Jesu Chri­sti und der Kir­che Stel­lung zu neh­men, das ist ein­zig­ar­tig. In 2000 Jah­ren ver­spür­te man nie die Not­wen­dig­keit so grund­le­gen­de Wahr­hei­ten aus­drück­lich in Erin­ne­rung zu rufen und zu ver­tei­di­gen.“

Kar­di­nal Bur­ke: Erklä­rung Domi­nus Iesus ein „Werk der Vor­se­hung“

Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke bezeich­ne­te Domi­nus Iesus bei der Tagung: „Pil­ger der Wahr­heit auf dem Weg nach Assi­si“ als „Werk der Vor­se­hung“. „Vie­le Ver­fech­ter einer Dis­kon­ti­nui­tät waren der Mei­nung, die Kir­che sol­le mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil ihren Wahr­heits­an­spruch auf­ge­ben, um sich auf eine bloß pasto­ra­le Beschrei­bung des Glau­bens zu beschrän­ken, mit dem Ergeb­nis, daß es von Irr­tü­mern nur so wim­melt. Das Lehr­amt aber hat die Auf­ga­be, die Gläu­bi­gen zu füh­ren, indem es ihnen die offen­bar­te Wahr­heit auf­zeigt, die es treu zu bewah­ren gilt, und um sie vor mora­li­schen und Glau­bens­irr­tü­mern zu bewah­ren.“

Der Tagungs­band ent­hält neben jenem von Kar­di­nal Bur­ke noch Bei­trä­ge von Msgr. Gui­do Poz­zo, Pater Sera­fi­no Lan­zet­ta, Don Mau­ro Gagli­ar­di, Don Ales­san­dro Oli­vie­ri Pen­ne­si, Don Nico­la Bux, Man­fred Hau­ke, Cor­ra­do Gner­re und Loren­zo Ber­toc­chi.

Der Phi­lo­soph Gray­ling, ein „Geg­ner“ des Pap­stes, sagt Teil­nah­me ab

Wäh­rend­des­sen sag­te der bri­ti­sche Phi­lo­soph Antho­ny Clifford Gray­ling sei­ne Teil­nah­me in Assi­si ab. Er habe gedacht, in Assi­si mit Bene­dikt XVI. über die Rol­le der Reli­gi­on in der Gesell­schaft dis­ku­tie­ren zu kön­nen. Nun habe er fest­stel­len müs­sen, daß es sich um eine Pil­ger­fahrt han­delt und sei­ne Teil­nah­me zurück­ge­nom­men.

Die Ein­la­dung an Gray­ling nach Assi­si hat­te für Auf­se­hen gesorgt. Der Bri­te hat­te aus sei­ner Ableh­nung des Pap­stes vor des­sen Eng­land-Rei­se kein Hehl gemacht und im Zuge des Pädo­phi­lies­kan­dals in den Chor der bil­li­gen Kir­chen­kri­tik ein­ge­stimmt. Der Reiz ein­mal sagen zu kön­nen — wie Haber­mas — mit dem Papst, viel­leicht noch mehr mit dem gro­ßen Den­ker Joseph Ratz­in­ger dis­ku­tie­ren haben zu kön­nen, ließ ihn viel­leicht weni­ger über­ra­schend die über­ra­schen­de Ein­la­dung anneh­men.

Assi­si 3 mit 176 Teil­neh­mern

Unter den 176 Teil­neh­mern von Assi­si 3 befin­den sich auch eini­ge „nicht Glau­ben­de“, zu denen ursprüng­lich auch Gray­ling gehör­te. Ein­ge­la­den wur­den sie über Kar­di­nal Gian­fran­co Rava­si, dem Vor­sit­zen­den des Päpst­li­chen Kul­tur­rats und Initia­tors des Gar­tens der Gerech­ten, eines neu­en Dia­log­fo­rums zwi­schen Chri­sten, Athe­isten und Agno­sti­kern. Von ihnen wer­den in Assi­si anwe­send sein: Julia Kri­ste­va, fran­zö­sisch-bul­ga­ri­sche Psy­cho­ana­ly­stin und Phi­lo­so­phin, Schü­le­rin von Michel Fou­cault; Jac­ques Der­i­da und Roland Bar­t­hes; Remo Bodei, Pro­fes­sor der Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Pisa; Guil­ler­mo Hurtado, mexi­ka­ni­scher Phi­lo­soph; Wal­ter Bai­er, 1994–2006 Vor­sit­zen­der der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Öster­reichs.

Unter den Reli­gi­ons­ver­tre­tern wer­den vier Ver­tre­ter von Stam­mes­re­li­gio­nen aus Indi­en, Afri­ka und Asi­en sein. Ins­ge­samt 18 Ver­tre­ter aus Indi­en, dar­un­ter Rajh­moon Gan­dhi, der bereits 1986 am erste Tref­fen in Assi­si teil­nahm. Fünf Sikh, ein Par­se und erst­mals ein Bahai.

Aus Asi­en kom­men 67 Bud­dhi­sten aus Süd­ko­rea, Sri Lan­ka, Myan­mar, Kam­bo­dscha, Indi­en, Sin­ga­pur, Tai­wan, Austra­li­en und erst­mals auch aus der Volks­re­pu­blik Chi­na. Wei­ters drei Ver­tre­ter des Kon­fu­zia­nis­mus; drei Tao­isten, 17 Shin­toisten zwei­er ver­schie­de­ner Rich­tun­gen, vier Ver­tre­ter „Neu­er Reli­gio­nen“ aus Japan.

Der Islam wird von Teil­neh­mern aus Afri­ka, Asi­en, Ame­ri­ka und Euro­pa ver­tre­ten. Sie kom­men aus Jor­da­ni­en, Ägyp­ten, Liba­non, Alge­ri­en, Marok­ko, Iran, Tür­kei, Sau­di-Ara­bi­en, Alba­ni­en, Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na, Bul­ga­ri­en, Aser­bai­dschan, Tadschi­ki­stan, Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Ita­li­en, Por­tu­gal, Ver­ei­nig­te Staa­ten von Ame­ri­ka. Die Zahl mos­le­mi­scher Teil­neh­mer bei den Tref­fen in Assi­si ist im Stei­gen begrif­fen. 1986 waren es erst elf, 2002 bereits 32. Am 27. Okto­ber 2011 wer­den es ins­ge­samt 50 sein.

Die Ost­kir­chen ent­sen­den 17 Dele­ga­tio­nen nach Assi­si, ange­führt vom Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen Bathol­mä­us I. von Kon­stan­ti­no­pel. Als Ver­tre­ter des Mos­kau­er Patri­ar­chen wird der Metro­po­lit von Asta­na in Kasach­stan in das mit­tel­ita­lie­ni­sche Umbri­en rei­sen. Unter ihnen wer­den auch Dele­ga­tio­nen der arme­ni­schen, der assy­ri­schen und der syro-mal­an­ka­ri­schen Chri­sten sein.

Die Kir­chen der Refor­ma­ti­on wer­den durch die höch­sten Ver­tre­ter reprä­sen­tiert, dem Pri­mas der angli­ka­ni­schen Welt­ge­mein­schaft, Erz­bi­schof Rowan Wil­liams, dem Vor­sit­zen­den des Luthe­ri­schen Welt­bun­des, der Welt­ge­mein­schaft der refor­mier­ten Kir­chen, Welt­rat metho­di­sti­scher Kir­chen, der Bap­ti­sti­sche Welt­bund, des Öku­me­ni­schen Rats der Kir­chen.

Die jüdi­schen Gemein­schaf­ten wer­den durch Dele­ga­tio­nen des Inter­na­tio­nal Jewish Comit­tee on Inter­re­li­gious Con­sul­ta­ti­on, des Ober­rab­bi­nats von Isra­el und der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de von Rom ver­tre­ten sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: fede & cul­tu­ra