In Christus endet unser Exil

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Heu­te möch­te ich mit euch Psalm 126 betrach­ten, ein Gebet, in dem die Groß­ta­ten Got­tes besun­gen wer­den. Der Psal­mist erin­nert sich voll Freu­de an die Heim­kehr aus dem Exil in Baby­lon: »Als der Herr das Los der Gefan­gen­schaft Zions wen­de­te, da waren wir alle wie Träu­men­de. Da war unser Mund voll Lachen und unse­re Zun­ge voll Jubel« (Vv. 1–2). Die schreck­li­che Erfah­rung des Exils bedeu­te­te für das Volk Isra­el nicht nur einen mate­ri­el­len, äußer­li­chen Ver­lust. Viel­mehr war es der schein­ba­re Wider­ruf der Ver­hei­ßun­gen Got­tes. Er selbst schien Isra­el ver­las­sen zu haben. Aber Gott ver­läßt den Men­schen nicht, er bricht sei­ne Ver­hei­ßun­gen nicht, er schenkt die Rück­kehr in die Hei­mat. Und die Rück­kehr in die Hei­mat ist vor allem ein geist­li­cher Weg. Wirk­lich nach Hau­se kom­men bedeu­tet wie­der tie­fer zum Glau­ben kom­men, zum Ver­trau­en, zur Gemein­schaft mit dem Herrn. Das Heim­fin­den zu Gott macht die tie­fe Freu­de des Psal­mi­sten aus: »Gro­ßes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröh­lich« (V. 3). Auch wenn unse­re Geschich­te oft die Spu­ren von Schmerz und Unsi­cher­heit trägt, ist sie doch immer Heils­ge­schich­te, in der Gott das Los unse­rer Gefan­gen­schaft wen­det, unse­re Ver­stricktheit in die Sün­de löst. In Chri­stus endet unser Exil. Er befreit uns aus der Ent­frem­dung, aus der Knecht­schaft des Bösen, und er trock­net unse­re Trä­nen. Er führt uns zur wah­ren Hei­mat, zum Haus des Vaters. Und das Zuhau­se-Sein bei Gott ist die wah­re Freu­de des Men­schen.

Ganz herz­lich grü­ße ich die deutsch­spra­chi­gen Pil­ger und Besu­cher, beson­ders die Neu­prie­ster und Gäste des Col­le­gi­um Ger­ma­ni­cum et Hun­ga­ri­cum. Der Rosen­kranz­mo­nat Okto­ber lädt uns ein, an der Hand der seli­gen Jung­frau Maria Chri­stus ent­ge­gen­zu­ge­hen, der uns Erlö­sung und Heil schenkt. Zusam­men mit Maria dür­fen auch wir Gott voll Freu­de prei­sen: »Der Mäch­ti­ge hat Gro­ßes an mir getan, und sein Name ist hei­lig« (Lk 1,49). Gott beglei­te Euch alle!