Exkommunikation regimehöriger Bischöfe Chinas

(Vatikan/Peking) Auf Wunsch zahl­rei­cher chi­ne­si­scher Gläu­bi­ger, vor allem der katho­li­schen Unter­grund­kir­che, ver­öf­fent­lich­te der Hei­li­ge Stuhl eine Erklä­rung, daß die unrecht­mä­ßig geweih­ten, regi­me­ab­hän­gi­gen Bischö­fe der Volks­re­pu­blik Chi­na, aber auch die Bischö­fe, die die Wei­he spen­de­ten, exkom­mu­ni­ziert sind und wel­che Kon­se­quen­zen dies nach sich zieht.

Die Erklä­rung stammt vom Päpst­li­chen Rat für die Geset­zes­tex­te. Der Hei­li­ge Stuhl ver­langt von den betrof­fe­nen Bischö­fen:
— eine öffent­li­che Geste der Reue
— daß sie kei­ne Hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren und kei­ne hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen
— daß sie weder ande­re Sakra­men­te emp­fan­gen noch spen­den
— daß sie sich der Lei­tung der Diö­ze­sen ent­hal­ten.

Die­se For­de­run­gen sei­en die „not­wen­di­ge Medi­zin für die Hei­lung“, um die Wie­der­ein­glie­de­rung in die katho­li­sche Kir­che mög­lich zu machen. Nach unge­hört ver­hall­ten Appel­len, setz­te der Hei­li­ge Stuhl mit der Erklä­rung einen Schritt zur Klä­rung der ver­wirr­ten Situa­ti­on in der Volks­re­pu­blik Chi­na. Der Päpst­li­che Rat für die Geset­zes­tex­te prä­zi­sier­te die Ver­ge­hen, die durch die unrecht­mä­ßi­ge Wei­he von regime­treu­en Bischö­fen ohne die Zustim­mung des Pap­stes began­gen wur­den. Eben­so die Stra­fen, die sich die Betrof­fe­nen dadurch zuge­zo­gen haben, aber auch die Mög­lich­kei­ten, die Kir­chen­stra­fen zu über­win­den und die Ver­söh­nung mit der Kir­che wie­der­zu­er­lan­gen.

Die unrecht­mä­ßi­ge Wei­he erfolg­te am 20. Novem­ber 2010 in Cheng­de. Die Klä­rung wur­de auch not­wen­dig wegen der Ankün­di­gung des kom­mu­ni­sti­schen Regimes, wei­te­re unrecht­mä­ßi­ge Bischofs­wei­hen erzwin­gen zu wol­len. Der voll­stän­di­ge Wort­laut der Erklä­rung wur­de im Osser­va­to­re Roma­no vom 11. Juni 2011 ver­öf­fent­licht, nach­dem weni­ge Tage zuvor der aus Chi­na stam­men­de Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker, Msgr. Xaver Hon zu den Span­nun­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und Peking wegen der Ein­mi­schung des Regimes in die Bischofs­er­nen­nun­gen Stel­lung genom­men hat­te. Er for­der­te damals die chi­ne­si­schen Bischö­fe auf, kei­ne Angst zu haben, den Regie­rungs­for­de­run­gen eine Absa­ge zu ertei­len.

Der Päpst­li­che Rat stellt klar, daß die unrecht­mä­ßi­ge Wei­he von Bischö­fen, das heißt ohne die Zustim­mung des Pap­stes, eine schwer­wie­gen­de Ver­let­zung des Kir­chen­rechts dar­stellt. Es han­delt sich um eine „Straf­tat gegen die katho­li­sche Glau­bens­leh­re“. Der Rat zitier­te sowohl das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil als auch ande­re Doku­men­te, in dem es auch dar­an erin­nert, daß auch die Ost­kir­chen die Fra­ge genau­so sehen.

Die Erklä­rung stellt eben­so klar, daß die Straf­tat sowohl die unrecht­mä­ßig geweih­ten Bischö­fe als auch der Spen­der der Wei­he und eben­so die Kon­se­kra­to­ren betrifft. Alle Genann­ten sind im Fall der unrecht­mä­ßi­gen Wei­he von Cheng­de der Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae ver­fal­len. Die­se setzt kei­ne aus­drück­li­che Ver­ur­tei­lung am Ende eines kano­ni­schen Ver­fah­rens vor­aus. Die Straf­tat selbst zieht viel­mehr auto­ma­tisch die Exkom­mu­ni­ka­ti­on nach sich.

Aus­drück­lich wird in der Erklä­rung erwähnt, daß das Kir­chen­recht (Kanon 1324, Para­graph 3) „mil­dern­de“ Umstän­de kennt (äuße­rer Zwang, Unwis­sen­heit, …). Soll­ten sol­che gege­ben sein, wäre die Exkom­mu­ni­ka­ti­on nicht auto­ma­tisch. Die­ser Teil der Erklä­rung bezieht sich vor allem auf die in Ein­heit mit Rom ste­hen­den Bischö­fe, die an der unrecht­mä­ßi­ge Wei­he teil­nah­men. Es wur­de umge­hend Stim­men laut, daß zumin­dest eini­ge von ihnen von der Staats­po­li­zei dazu genö­tigt wor­den oder gar ent­führt wor­den sei­en, um sie zur Teil­nah­me zu zwin­gen. Damit läßt der Hei­li­ge Stuhl eini­gen Spiel­raum, um den Betrof­fe­nen die Mög­lich­keit zur Reue und Ver­söh­nung zu ermög­li­chen.

Punkt Fünf der Erklä­rung des Päpst­li­chen Rats für die Geset­zes­tex­te schreibt zum kon­kre­ten chi­ne­si­schen Fall, daß die Hand­lung einen „Skan­dal für die Gläu­bi­gen“ dar­stellt. Des­halb sei es drin­gend not­wen­dig, daß die Betrof­fe­nen die „nöti­ge Buße“ tun und Schrit­te set­zen, die­ses Ärger­nis aus der Welt zu schaf­fen.

Jene, die der Exkom­mu­ni­ka­ti­on anheim­ge­fal­len sind, „müs­sen“ sich fol­gen­der Din­ge ent­hal­ten:
1) die Hei­li­ge Mes­se zu zele­brie­ren oder zu kon­ze­le­brie­ren oder an irgen­ei­ner ande­ren lit­ur­gi­schen Hand­lung teil­zu­neh­men;
2) die Sakra­men­te und Sakra­men­ta­li­en zu spen­den und irgend­ein Sakra­ment zu emp­fan­gen;
3) jeg­li­che Funk­tio­nen und Auf­ga­ben der Kir­chen­lei­tung wahr­zu­neh­men.

Mit ande­ren Wor­ten: sowohl der unrecht­mä­ßig geweih­te Bischof als auch der Bischof der ihn geweiht hat und die Bischö­fe, die an der unrecht­mä­ßi­gen Wei­he mit­ge­wirkt oder anwe­send waren, dür­fen weder die Hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren noch irgend­ein Sakra­ment spen­den oder sel­ber emp­fan­gen. Eben­so­we­nig dür­fen die betrof­fe­nen Bischö­fe in irgend­ei­ner Wei­se ihr Bischofs­amt und die damit ver­bun­de­nen Auf­ga­ben wahr­neh­men.

Soll­ten sie etwas von den Ver­bo­ten den­noch tun, so bege­hen sie ein Sakri­leg.

Die Erklä­rung ver­säumt es nicht, aus­drück­lich dar­auf hin­zu­wei­sen, daß die Ver­bo­te und Stra­fen eine „Medi­zin“ sind, um einen heil­sa­men Pro­zeß der Reue, Buße und Umkehr und damit der Hei­lung und Wie­der­ver­söh­nung ein­zu­lei­ten und zu för­dern.

(Asianews/Giuseppe Nar­di, Bild: Asia­news)