Universae Ecclesiae — Instruktion zur Ausführung von Summorum Pontificum

Uni­ver­sae Eccle­siae, so lau­tet der Titel der Instruk­tio­nen zum Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, mit dem Papst Bene­dikt XVI. 2007 den soge­nann­ten triden­ti­ni­schen Ritus als außer­or­dent­li­che Form des römi­schen Ritus wie­der in die Kir­che zurück­hol­te. Sie sind von Wil­liam Kar­di­nal Leva­da, dem Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on und Vor­sit­zen­den der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei und dem Sekre­tär der Kom­mis­si­on, Msgr. Gui­do Poz­zo, unterzeichnet.

In der Instruk­ti­on wird aus dem Begleit­schrei­ben Bene­dikts XVI. an die Bischö­fe zitiert, das damals mit dem Motu pro­prio ver­öf­fent­licht wur­de: „Es gibt kei­nen Wider­spruch zwi­schen der einen und der ande­ren Aus­ga­be des Mis­sa­le Roma­num. In der Lit­ur­gie­ge­schich­te gibt es Wachs­tum und Fort­schritt, aber kei­nen Bruch. Was frü­he­ren Genera­tio­nen hei­lig war, bleibt auch uns hei­lig und groß; es kann nicht plötz­lich rund­um ver­bo­ten oder gar schäd­lich sein“ ((Bene­dikt XVI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, I: AAS 99 (2007) 777; vgl. Grund­ord­nung des Römi­schen Mess­buchs, 3. Auf­la­ge 2002, Nr. 397.))

Mit der Instruk­ti­on über­trägt der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei „für den Bereich ihrer Zustän­dig­keit ordent­li­che, stell­ver­tre­ten­de Hir­ten­ge­walt (…)“, also die Befug­nis, im Namen des Pap­stes „ins­be­son­de­re (…) die Ein­hal­tung und die Anwen­dung der Vor­schrif­ten des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum“ zu beauf­sich­ti­gen. (Nr. 9) Die Kom­mis­si­on kann künf­tig als „hier­ar­chisch Obe­rer“ auch über „die ihr recht­mä­ßig vor­ge­leg­ten Rekur­se gegen ein­zel­ne Ver­wal­tungs­ak­te von Ordi­na­ri­en ent­schei­det, die dem Motu pro­prio zu wider­spre­chen schei­nen“ ent­schei­den. (Nr. 10 § 1)

.

PÄPSTLICHE KOMMISSION ECCLESIA DEI

INSTRUKTION
über die Aus­füh­rung des als Motu pro­prio erlassenen
Apo­sto­li­schen Schrei­bens Summorum Pontificum
von PAPST BENEDIKT XVI.

I.
Ein­lei­tung

1. Das am 7. Juli 2007 als Motu pro­prio erlas­se­ne Apo­sto­li­sche Schrei­ben Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI., das am 14. Sep­tem­ber 2007 in Kraft getre­ten ist, hat der gan­zen Kir­che den Reich­tum der römi­schen Lit­ur­gie bes­ser zugäng­lich gemacht.

2. Mit die­sem Motu pro­prio hat Papst Bene­dikt XVI. ein uni­ver­sal­kirch­li­ches Gesetz erlas­sen, um den Gebrauch der römi­schen Lit­ur­gie, wie sie 1962 in Gel­tung war, neu zu regeln.

3. Der Hei­li­ge Vater ruft dar­in zuerst die Sor­ge der Päp­ste um die Pfle­ge der hei­li­gen Lit­ur­gie und um die Aner­ken­nung der lit­ur­gi­schen Bücher in Erin­ne­rung und bekräf­tigt dann ein Prin­zip der Tra­di­ti­on, das seit unvor­denk­li­cher Zeit aner­kannt und auch in Zukunft zu bewah­ren ist: „Jede Teil­kir­che muss mit der Gesamt­kir­che nicht nur hin­sicht­lich der Glau­bens­leh­re und der sakra­men­ta­len Zei­chen über­ein­stim­men, son­dern auch hin­sicht­lich der uni­ver­sal von der apo­sto­li­schen und unun­ter­bro­che­nen Über­lie­fe­rung emp­fan­ge­nen Gebräu­che, die ein­zu­hal­ten sind, nicht nur um Irr­tü­mer zu ver­mei­den, son­dern auch damit der Glau­be unver­sehrt wei­ter­ge­ge­ben wird; denn das Gesetz des Betens (lex oran­di) der Kir­che ent­spricht ihrem Gesetz des Glau­bens (lex creden­di)“. ((1))

4. Der Hei­li­ge Vater erin­nert zudem an jene Päp­ste, die sich in her­aus­ra­gen­der Wei­se für die­ses Anlie­gen ein­ge­setzt haben, beson­ders an den hei­li­gen Gre­gor den Gro­ßen und den hei­li­gen Pius V. Der Papst unter­streicht auch, dass in der Geschich­te der lit­ur­gi­schen Bücher das Mis­sa­le Roma­num, das im Lauf der Zeit bis zum seli­gen Papst Johan­nes XXIII. ver­schie­de­ne Erneue­run­gen erfah­ren hat, einen beson­de­ren Platz ein­nimmt. Im Gefol­ge der lit­ur­gi­schen Reform nach dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil hat Papst Paul VI. im Jahr 1970 ein neu­es Mess­buch für die Kir­che des latei­ni­schen Ritus appro­biert, das dann in ver­schie­de­ne Spra­chen über­setzt wor­den ist. Papst Johan­nes Paul II. hat im Jahr 2000 des­sen drit­te Aus­ga­be promulgiert.

5. Ver­schie­de­ne Gläu­bi­ge, die im Geist der lit­ur­gi­schen For­men vor dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil geprägt wor­den sind, haben den inni­gen Wunsch aus­ge­spro­chen, die alte Tra­di­ti­on zu bewah­ren. Daher hat Papst Johan­nes Paul II. mit dem von der Hei­li­gen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst 1984 erlas­se­nen Spe­zi­al­in­dult Quat­tu­or abhinc annos die Erlaub­nis erteilt, den Gebrauch des vom seli­gen Papst Johan­nes XXIII. pro­mul­gier­ten römi­schen Mess­buchs unter bestimm­ten Bedin­gun­gen wie­der auf­zu­neh­men. Dar­über hin­aus ersuch­te Papst Johan­nes Paul II. mit dem Motu pro­prio Eccle­sia Dei von 1988 die Bischö­fe, die­se Erlaub­nis allen Gläu­bi­gen, die dar­um bit­ten, groß­zü­gig zu gewäh­ren. In die­se Linie stellt sich Papst Bene­dikt XVI. mit dem Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, das eini­ge wesent­li­che Kri­te­ri­en für den Usus anti­qui­or des römi­schen Ritus angibt, die hier in Erin­ne­rung geru­fen wer­den sollen.

6. Die Tex­te des römi­schen Mess­buchs von Papst Paul VI. und des Mis­sa­le, das in letz­ter Aus­ga­be unter Papst Johan­nes XXIII. erschie­nen ist, sind zwei For­men der römi­schen Lit­ur­gie, die „ordent­li­che“ (for­ma ordi­na­ria) bezie­hungs­wei­se „außer­or­dent­li­che“ Form (for­ma extra­or­di­na­ria) genannt wer­den. Dabei han­delt es sich um zwei Gebrauchs­wei­sen des einen römi­schen Ritus, die neben­ein­an­der ste­hen. Bei­de For­men sind Aus­druck der­sel­ben lex oran­di der Kir­che. Wegen ihres ehr­wür­di­gen und lan­gen Gebrauchs muss die außer­or­dent­li­che Form mit gebüh­ren­der Ach­tung bewahrt werden.

7. Das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum wird von einem Brief beglei­tet, den der Hei­li­ge Vater am sel­ben Tag (7. Juli 2007) an die Bischö­fe gerich­tet hat. Dar­in gibt er zusätz­li­che Erklä­run­gen über die Ange­mes­sen­heit und die Not­wen­dig­keit des Motu pro­prio; es ging dar­um, eine Lücke zu schlie­ßen und den Gebrauch der römi­schen Lit­ur­gie, die 1962 in Gel­tung war, neu zu regeln. Dies wur­de vor allem des­we­gen erfor­der­lich, weil es zum Zeit­punkt der Ein­füh­rung des neu­en Mess­buchs nicht als nötig erach­tet wor­den war, den Gebrauch der 1962 gel­ten­den Lit­ur­gie durch ent­spre­chen­de Richt­li­ni­en zu regeln. Da die Zahl der Gläu­bi­gen zunimmt, die dar­um bit­ten, die außer­or­dent­li­che Form gebrau­chen zu kön­nen, ist es not­wen­dig gewor­den, dar­über eini­ge Nor­men zu erlassen.

Unter ande­rem hält Papst Bene­dikt XVI. fest: „Es gibt kei­nen Wider­spruch zwi­schen der einen und der ande­ren Aus­ga­be des Mis­sa­le Roma­num. In der Lit­ur­gie­ge­schich­te gibt es Wachs­tum und Fort­schritt, aber kei­nen Bruch. Was frü­he­ren Genera­tio­nen hei­lig war, bleibt auch uns hei­lig und groß; es kann nicht plötz­lich rund­um ver­bo­ten oder gar schäd­lich sein“. ((Bene­dikt XVI., Brief an die Bischö­fe anläss­lich der Publi­ka­ti­on des Motu pro­prio über die Lit­ur­gie in ihrer Gestalt vor der 1970 durch­ge­führ­ten Reform (7. Juli 2007): AAS 99 (2007) 798.))

8. Das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum stellt einen wich­ti­gen Aus­druck des Lehr­am­tes des Pap­stes und der ihm eige­nen Sen­dung (munus) dar, die hei­li­ge Lit­ur­gie der Kir­che zu regeln und zu ord­nen, ((Vgl. CIC, can. 838 §§ 1 und 2.)) und zeigt sei­ne pasto­ra­le Sor­ge als Stell­ver­tre­ter Chri­sti und Hir­te der Gesamt­kir­che. ((Vgl. CIC, can. 331.)) Sein Schrei­ben hat fol­gen­de Ziele:

a) allen Gläu­bi­gen die römi­sche Lit­ur­gie im Usus anti­qui­or anzu­bie­ten, da sie ein wert­vol­ler Schatz ist, den es zu bewah­ren gilt;

b) den Gebrauch der for­ma extra­or­di­na­ria all jenen wirk­lich zu gewähr­lei­sten und zu ermög­li­chen, die dar­um bit­ten. Dabei ist vor­aus­ge­setzt, dass der Gebrauch der 1962 gel­ten­den römi­schen Lit­ur­gie eine Befug­nis ist, die zum Wohl der Gläu­bi­gen gewährt wor­den ist und daher zugun­sten der Gläu­bi­gen, an die sie sich pri­mär rich­tet, aus­ge­legt wer­den muss;

c) die Ver­söh­nung inner­halb der Kir­che zu fördern.

II.
Auf­ga­ben der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei

9. Der Hei­li­ge Vater hat der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei für den Bereich ihrer Zustän­dig­keit ordent­li­che, stell­ver­tre­ten­de Hir­ten­ge­walt ver­lie­hen, ins­be­son­de­re für die Auf­sicht über die Ein­hal­tung und die Anwen­dung der Vor­schrif­ten des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum (vgl. Art. 12).

10. § 1. Über die beson­de­ren Befug­nis­se hin­aus, die ihr von Papst Johan­nes Paul II. ver­lie­hen und die von Papst Bene­dikt XVI. bestä­tigt wor­den sind (vgl. Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, Art. 11–12), übt die Päpst­li­che Kom­mis­si­on die­se Hir­ten­ge­walt auch dadurch aus, dass sie als hier­ar­chi­scher Obe­rer die ihr recht­mä­ßig vor­ge­leg­ten Rekur­se gegen ein­zel­ne Ver­wal­tungs­ak­te von Ordi­na­ri­en ent­schei­det, die dem Motu pro­prio zu wider­spre­chen scheinen.

§ 2. Die Dekre­te, mit denen die Päpst­li­che Kom­mis­si­on die­se Rekur­se ent­schei­det, kön­nen ad normam iuris beim Ober­sten Gerichts­hof der Apo­sto­li­schen Signa­tur ange­foch­ten werden.

11. Es kommt der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei zu, nach vor­he­ri­ger Appro­ba­ti­on durch die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung für die etwai­ge Her­aus­ga­be der lit­ur­gi­schen Tex­te für die for­ma extra­or­di­na­ria des römi­schen Ritus zu sorgen.

III.
Beson­de­re Normen

12. Die­se Päpst­li­che Kom­mis­si­on erlässt nach Abschluss der Erkun­di­gun­gen bei den Bischö­fen der Welt kraft der Auto­ri­tät, die ihr ver­lie­hen wor­den ist, und der Befug­nis­se, die sie besitzt, gemäß can. 34 des Codex des kano­ni­schen Rech­tes die vor­lie­gen­de Instruk­ti­on, um die rech­te Inter­pre­ta­ti­on und Anwen­dung des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum zu gewährleisten.

Die Zustän­dig­keit der Diözesanbischöfe

13. Nach dem Codex des kano­ni­schen Rech­tes müs­sen die Diö­ze­san­bi­schö­fe über das got­tes­dienst­li­che Leben wachen, damit das Wohl der Gläu­bi­gen gesi­chert ist und in ihrer Diö­ze­se alles sich in Ruhe, Wür­de und Frie­den voll­zieht. ((Vgl. CIC, cann. 223 § 2; 838 § 1 und § 4.) Sie sol­len dabei stets der Gesin­nung (mens) des Pap­stes fol­gen, die im Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum klar zum Aus­druck kommt. ((Vgl. Bene­dikt XVI., Brief an die Bischö­fe anläss­lich der Publi­ka­ti­on des Motu pro­prio über die Lit­ur­gie in ihrer Gestalt vor der 1970 durch­ge­führ­ten Reform: AAS 99 (2007) 799.)) Im Fall von Aus­ein­an­der­set­zun­gen oder begrün­de­ten Zwei­feln über got­tes­dienst­li­che Fei­ern in der for­ma extra­or­di­na­ria wird die Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei entscheiden.

14. Nach Maß­ga­be des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum ist es Auf­ga­be des Diö­ze­san­bi­schofs, die not­wen­di­gen Maß­nah­men zu ergrei­fen, um die Ach­tung der for­ma extra­or­di­na­ria des römi­schen Ritus zu gewährleisten.

Der coe­tus fide­li­um (vgl. Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, Art. 5 § 1)

15. Ein coe­tus fide­li­um („Grup­pe von Gläu­bi­gen“) kann dann als sta­bi­li­ter exi­stens („dau­er­haft bestehend“) im Sinn von Art. 5 § 1 des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum betrach­tet wer­den, wenn er aus eini­gen Ange­hö­ri­gen einer bestimm­ter Pfar­rei besteht, die sich auf­grund der Ver­eh­rung für die Lit­ur­gie im Usus anti­qui­or zusam­men­ge­fun­den haben, auch nach der Ver­öf­fent­li­chung des Motu pro­prio, und die dar­um bit­ten, dass die außer­or­dent­li­che Form in der Pfarr­kir­che oder in einem Ora­to­ri­um oder einer Kapel­le gefei­ert wer­de. Ein sol­cher coe­tus kann auch aus Per­so­nen bestehen, die aus ver­schie­de­nen Pfar­rei­en oder Diö­ze­sen stam­men und die zu die­sem Zweck in einer bestimm­ten Pfarr­kir­che, einem Ora­to­ri­um oder einer Kapel­le zusammenkommen.

16. Für den Fall, dass ein Prie­ster mit eini­gen Per­so­nen gele­gent­lich in eine Pfarr­kir­che oder in ein Ora­to­ri­um kommt, um in der for­ma extra­or­di­na­ria nach Art. 2 und 4 des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum zu zele­brie­ren, soll der Pfar­rer, der Kir­chen­rek­tor oder der für eine Kir­che ver­ant­wort­li­che Prie­ster die­se Fei­er zulas­sen, wobei frei­lich die Erfor­der­nis­se der regu­lär fest­ge­leg­ten Got­tes­dienst­ord­nung in der jewei­li­gen Kir­che zu beach­ten sind.

17. § 1. Für Ent­schei­dun­gen in Ein­zel­fäl­len soll sich der Pfar­rer, der Rek­tor oder der für eine Kir­che ver­ant­wort­li­che Prie­ster von sei­ner Klug­heit sowie von seel­sor­ge­ri­schem Eifer und vom Geist groß­zü­gi­ger Gast­freund­schaft lei­ten lassen.

§ 2. Wenn es sich um klei­ne­re Grup­pen han­delt, soll man sich an den Orts­or­di­na­ri­us wen­den, um eine Kir­che zu fin­den, in der die­se Gläu­bi­gen sich ver­sam­meln und sol­che Got­tes­dien­ste mit­fei­ern kön­nen. Auf die­se Wei­se soll den Gläu­bi­gen die Teil­nah­me erleich­tert und eine wür­di­ge­re Fei­er der hei­li­gen Mes­se gewähr­lei­stet werden.

18. Auch an Hei­lig­tü­mern und Wall­fahrts­or­ten soll den Pil­ger­grup­pen, die dar­um bit­ten, die Fei­er in der for­ma extra­or­di­na­ria ermög­licht wer­den, wenn ein geeig­ne­ter Prie­ster zur Ver­fü­gung steht (vgl. Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, Art. 5 § 3).

19. Die Gläu­bi­gen, die Got­tes­dien­ste in der for­ma extra­or­di­na­ria erbit­ten, dür­fen nicht Grup­pen unter­stüt­zen oder ange­hö­ren, wel­che die Gül­tig­keit oder Erlaubtheit der hei­li­gen Mes­se oder der Sakra­men­te in der for­ma ordi­na­ria bestrei­ten und/oder den Papst als Ober­sten Hir­ten der Gesamt­kir­che ablehnen.

Der sacer­dos ido­neus (vgl. Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, Art. 5 § 4)

20. Im Bezug auf die Fra­ge nach den not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass ein Prie­ster für „geeig­net“ gehal­ten wer­den kann, um in der for­ma extra­or­di­na­ria zu zele­brie­ren, ist Fol­gen­des zu beachten:

a) Jeder Prie­ster, der nach Kir­chen­recht nicht dar­an gehin­dert ist, muss als geeig­net betrach­tet wer­den, die hei­li­ge Mes­se in der for­ma extra­or­di­na­ria zu fei­ern. ((Vgl. CIC, can. 900 § 2.))

b) Bezüg­lich des Gebrauchs der latei­ni­schen Spra­che ist eine grund­le­gen­de Kennt­nis erfor­der­lich, die es erlaubt, die Wor­te rich­tig aus­zu­spre­chen und deren Bedeu­tung zu verstehen.

c) Bezüg­lich der Ver­traut­heit mit dem Ablauf des Ritus sind jene Prie­ster als geeig­net zu ver­mu­ten, die von sich aus in der for­ma extra­or­di­na­ria zele­brie­ren wol­len und die­se bereits frü­her ver­wen­det haben.

21. Die Ordi­na­ri­en wer­den ersucht, dem Kle­rus die Mög­lich­keit zu bie­ten, eine ange­mes­se­ne Hin­füh­rung zu den Fei­ern der for­ma extra­or­di­na­ria zu erhal­ten. Dies gilt auch für die Semi­na­re, die für eine geeig­ne­te Aus­bil­dung der zukünf­ti­gen Prie­ster durch das Stu­di­um der latei­ni­schen Spra­che sor­gen müs­sen ((Vgl. CIC, can. 249; II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Konst. Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um, 36; Erklä­rung Opt­atam toti­us, 13.)) und, wenn die pasto­ra­len Erfor­der­nis­se dies nahe­le­gen, die Mög­lich­keit bie­ten sol­len, die for­ma extra­or­di­na­ria des Ritus zu erlernen.

22. In Bis­tü­mern, wo es kei­ne geeig­ne­ten Prie­ster gibt, kön­nen die Diö­ze­san­bi­schö­fe die Mit­ar­beit von Prie­stern der Insti­tu­te erbit­ten, die von der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei errich­tet wor­den sind, sei es für die Fei­er von Got­tes­dien­sten, sei es für das even­tu­el­le Erler­nen derselben.

23. Das Motu pro­prio gewährt jedem Welt- und Ordens­prie­ster die Erlaub­nis, die Mes­se sine popu­lo (oder mit Betei­li­gung nur eines Mess­die­ners) in der for­ma extra­or­di­na­ria des römi­schen Ritus zu fei­ern (vgl. Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, Art. 2). Daher brau­chen die Prie­ster für sol­che Fei­ern gemäß dem Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum kei­ner­lei beson­de­re Erlaub­nis ihrer Ordi­na­ri­en oder Oberen.

Die lit­ur­gi­sche und kirch­li­che Disziplin

24. Die lit­ur­gi­schen Bücher der for­ma extra­or­di­na­ria sind nach ihren eige­nen Vor­schrif­ten zu gebrau­chen. Alle, die nach der for­ma extra­or­di­na­ria des römi­schen Ritus zele­brie­ren wol­len, müs­sen die ent­spre­chen­den Rubri­ken ken­nen und sind dazu ver­pflich­tet, die­se bei den got­tes­dienst­li­chen Fei­ern genau zu beachten.

25. In das Mis­sa­le von 1962 kön­nen und müs­sen neue Hei­li­ge und eini­ge neue Präf­a­tio­nen ein­ge­fügt wer­den. ((Vgl. Bene­dikt XVI., Brief an die Bischö­fe anläss­lich der Publi­ka­ti­on des Motu pro­prio über die Lit­ur­gie in ihrer Gestalt vor der 1970 durch­ge­führ­ten Reform: AAS 99 (2007) 797.)) Dazu wer­den eige­ne Rege­lun­gen erlas­sen werden.

26. Wie in Art. 6 des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum vor­ge­se­hen, kön­nen die Lesun­gen der hei­li­gen Mes­se nach dem Mis­sa­le von 1962 ent­we­der nur auf Latein oder auf Latein und in einer volks­sprach­li­chen Über­set­zung oder, in gele­se­nen Mes­sen, nur in der Volks­spra­che vor­ge­tra­gen werden.

27. Im Bezug auf die mit der Fei­er der Mes­se ver­bun­de­nen dis­zi­pli­na­ri­schen Rege­lun­gen fin­den die Vor­schrif­ten des gel­ten­den Codex des kano­ni­schen Rech­tes Anwendung.

28. Das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum ist dar­über hin­aus ein Spe­zi­al­ge­setz und dero­giert daher für den ihm eige­nen Bereich von jenen nach 1962 erlas­se­nen Geset­zen, die sich auf die hei­li­gen Riten bezie­hen und unver­ein­bar sind mit den Rubri­ken der lit­ur­gi­schen Bücher, die 1962 in Kraft waren.

Fir­mung und hei­li­ge Weihen

29. Das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum (vgl. Art. 9 § 2) hat die Erlaub­nis bekräf­tigt, für den Ritus der Fir­mung die alte For­mel zu ver­wen­den. Daher ist es nicht erfor­der­lich, in der for­ma extra­or­di­na­ria die erneu­er­te For­mel aus dem Ordo Con­fir­ma­tio­nis von Paul VI. zu gebrauchen.

30. Im Bezug auf Ton­sur, nie­de­re Wei­hen und Sub­dia­ko­nat hat das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum kei­ner­lei Ver­än­de­rung der Vor­schrif­ten des Codex des kano­ni­schen Rech­tes von 1983 ein­ge­führt. Folg­lich gilt in den Insti­tu­ten des geweih­ten Lebens und in den Gesell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Lebens, die der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei unter­ste­hen: Der­je­ni­ge, der ewi­ge Gelüb­de abge­legt hat oder einer kle­ri­ka­len Gesell­schaft des apo­sto­li­schen Lebens end­gül­tig ein­ge­glie­dert ist, wird durch den Emp­fang der Dia­ko­nen­wei­he als Kle­ri­ker die­sem Insti­tut bezie­hungs­wei­se die­ser Gesell­schaft inkar­di­niert, nach Vor­schrift von can. 266 § 2 des Codex des kano­ni­schen Rechtes.

31. Nur in den Insti­tu­ten des geweih­ten Lebens und in den Gesell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Lebens, die der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei unter­ste­hen, und in jenen, die wei­ter­hin die lit­ur­gi­schen Bücher der for­ma extra­or­di­na­ria ver­wen­den, ist der Gebrauch des Pon­ti­fi­ca­le Roma­num von 1962 für die Spen­dung der nie­de­ren und höhe­ren Wei­hen erlaubt.

Bre­vi­a­ri­um Romanum

32. Den Kle­ri­kern wird gemäß Art. 9 § 3 des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum die Mög­lich­keit gege­ben, das Bre­vi­a­ri­um Roma­num zu ver­wen­den, das 1962 in Gel­tung war. Es muss voll­stän­dig und in latei­ni­scher Spra­che gebe­tet werden.

Die drei öster­li­chen Tage

33. Der coe­tus fide­li­um, wel­cher der frü­he­ren lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on folgt, kann auch die drei öster­li­chen Tage in der for­ma extra­or­di­na­ria fei­ern, sofern ein geeig­ne­ter Prie­ster vor­han­den ist. Wenn kei­ne Kir­che oder Kapel­le aus­schließ­lich für die­se Got­tes­dien­ste zur Ver­fü­gung steht, sol­len der Pfar­rer oder der Ordi­na­ri­us in Abstim­mung mit dem geeig­ne­ten Prie­ster gün­sti­ge Lösun­gen suchen, ohne eine even­tu­el­le Wie­der­ho­lung der Got­tes­dien­ste des öster­li­chen Tri­du­um auszuschließen.

Die Riten der Ordensgemeinschaften

34. Der Gebrauch der eige­nen lit­ur­gi­schen Bücher der Ordens­ge­mein­schaf­ten, die 1962 in Gel­tung waren, ist gestattet.

Pon­ti­fi­ca­le Roma­num und Ritua­le Romanum

35. Der Gebrauch des Pon­ti­fi­ca­le Roma­num und des Ritua­le Roma­num wie auch des Cae­re­mo­nia­le Epi­scopo­rum, die 1962 in Gel­tung waren, ist nach Nr. 28 die­ser Instruk­ti­on erlaubt, unbe­scha­det der Vor­schrift in Nr. 31.

Papst Bene­dikt XVI. hat in der dem unter­zeich­ne­ten Prä­si­den­ten der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei am 8. April 2011 gewähr­ten Audi­enz die vor­lie­gen­de Instruk­ti­on gut­ge­hei­ßen und deren Ver­öf­fent­li­chung angeordnet.

Rom, am Sitz der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, am 30. April 2011, Gedenk­tag des hl. Pius V.

Wil­liam Kar­di­nal Levada
Präsident

Prä­lat Gui­do Pozzo
Sekretär

_______________