Hl. Juliana von Lüttich — tiefer innerer Sinn für die Gegenwart Christi in der Eucharistie

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Heu­te möch­te ich über eine Frau­en­gestalt des Mit­tel­al­ters spre­chen, deren Name mit der Ein­füh­rung des Fron­leich­nams­fe­stes ver­bun­den ist: Es ist die hl. Julia­na von Lüt­tich. Sie ist um 1191 oder 1192 in der Nähe von Lüt­tich in Bel­gi­en gebo­ren, kam im Alter von fünf Jah­ren als Wai­se in die Obhut der Augu­sti­ne­rin­nen des Lepro­sen­ho­spi­tals Mont-Cor­nil­lon und ist dort dann sel­ber Augu­sti­ne­rin gewor­den. Sie erwarb sich eine beträcht­li­che Bil­dung und konn­te die Kir­chen­vä­ter in deren eige­ner Spra­che lesen, beson­ders stu­dier­te sie den hl. Augu­sti­nus. Julia­na fühl­te sich beson­ders zum betrach­ten­den Gebet hin­ge­zo­gen und hat­te einen tie­fen inne­ren Sinn für die Gegen­wart Chri­sti in der Eucha­ri­stie. Im Alter von 16 Jah­ren hat­te sie ihre erste Visi­on, in der sie den Mond als leuch­ten­de Schei­be sah, aber mit einem dunk­len Strei­fen, und ihr wur­de gedeu­tet, daß dar­in das Kir­chen­jahr sicht­bar wird mit sei­nem Glanz, aber daß etwas fehlt, ein Fest zur beson­de­ren Ver­eh­rung der hei­li­gen Eucha­ri­stie. Sie hat zwan­zig Jah­re lang die­se Visi­on, die ihr immer wie­der­kam, geheim­ge­hal­ten, um zu prü­fen, ob dies wirk­lich von Gott kommt. Schließ­lich hat sie einen geist­li­chen Bund mit Freun­din­nen unter der Füh­rung eines Prie­sters geschlos­sen, dem sie ihr Anlie­gen bekannt hat und der es den Ver­ant­wort­li­chen in der Kir­che vor­trug. Die Ant­wort war posi­tiv: Bischof Robert von Lüt­tich setz­te dann die Fei­er von Fron­leich­nam als Ant­wort auf die­se Visi­on ein. Julia­na hat­te aller­dings auch Prü­fun­gen zu erdul­den und Wider­stand zu erfah­ren, so daß sie den Kon­vent von Mont-Cor­nil­lon ver­las­sen hat. Ihre letz­ten zehn Lebens­jah­re ver­brach­te sie in ver­schie­de­nen Zister­zi­en­se­rin­nen-Klö­stern, ehe sie 1258 in Fos­ses-La-Vil­le in Bel­gi­en starb. 1264 führ­te schließ­lich Papst Urban IV., der als Archi­dia­kon in Lüt­tich die hl. Julia­na ken­nen­ge­lernt hat­te, das Fron­leich­nams­fest für die gan­ze Kir­che ein und ließ durch Tho­mas von Aquin die Tex­te dafür zusam­men­stel­len und dich­ten. Papst Johan­nes XXII. hat dann 1317 noch ein­mal die Gel­tung des Festes für die gan­ze Kir­che bestä­tigt, das heu­te zu den leuch­ten­den Punk­ten des Kir­chen­jah­res gehört.

Von Her­zen grü­ße ich alle Pil­ger und Besu­cher deut­scher Spra­che; beson­ders hei­ße ich heu­te die inter­na­tio­na­le Chor­ge­mein­schaft der Franz-Liszt-Gesell­schaft Esch­wei­ler will­kom­men. Die Lie­be der hl. Julia­na zur Eucha­ri­stie hat uns das Fest Fron­leich­nam geschenkt. Auch wir wol­len unse­ren Glau­ben an die Gegen­wart Chri­sti zum einen natür­lich in der Mit­fei­er, aber gera­de auch in der Anbe­tung der hei­li­gen Eucha­ri­stie voll­zie­hen, in der wir tie­fer in das Geheim­nis Chri­sti hin­ein­wach­sen, ihn wirk­lich emp­fan­gen ler­nen, um so von ihm inwen­dig geformt zu wer­den. Die Begeg­nung mit Chri­stus in der Anbe­tung soll uns allen Freu­de schen­ken und uns immer mehr in den Herrn hin­ein ver­wan­deln. Gott seg­ne euch alle.