Italien: „Legionäre“ entschuldigen sich erneut

Die Lei­tung der Legio­nä­re Chri­sti ent­schul­digt sich erneut für schwer­wie­gen­de Ver­feh­lun­gen ihres Grün­ders, P. Macial Maciel. In einem Erklä­rung vom Don­ners­tag ver­sucht die Gemein­schaft auch, einen Weg in die Zukunft auf­zu­zei­gen. Dabei hofft sie, die Ergeb­nis­se der vom Papst ange­ord­ne­ten Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on für einen Neu­an­fang nut­zen zu kön­nen. Die Legio­nä­re Chri­sti und die Gemein­schaft Regnum Chri­sti sind ent­schlos­sen, „sowohl die Wahr­heit der eige­nen Geschich­te zu ergrün­den und auf­zu­ar­bei­ten, als auch mit erneu­ter Anstren­gung … die Leh­ren aus der zurück­lie­gen­den Zeit zu zie­hen“.

Wir doku­men­tie­ren den Text der offi­zi­el­len Stel­lung­nah­me zur momen­ta­nen Situa­ti­on der Legio­nä­re Chri­sti und der Bewe­gung Regnum Chri­sti.

Ein­lei­tung

Anläß­lich der all­jähr­lich statt­fin­den­den Bespre­chun­gen der Ter­ri­to­ri­al­di­rek­to­ren mit dem Gene­ral­di­rek­tor und sei­nem Rat wen­den wir uns an unse­re Brü­der Legio­nä­re Chri­sti, an die Gott­ge­weih­ten und alle Mit­glie­der der Bewe­gung Regnum Chri­sti, die Fami­li­en und Freun­de, mit denen wir die­se Pha­se unse­rer Geschich­te durch­schrei­ten, wie auch an alle, die durch die ver­werf­li­chen Taten unse­res Grün­ders, P. Mar­cial Maciel Degollado LC, betrof­fen, ver­letzt oder erschüt­tert wor­den sind.

Wir haben eini­ger Zeit bedurft, um die­se Tat­sa­chen sei­nes Lebens zu assi­mi­lie­ren. Für vie­le – vor allem die Opfer – war die­se Zeit zu lang und schmerz­voll.

Manch­mal waren wir nicht fähig, allen bei­zu­ste­hen, wie es nötig gewe­sen wäre und wie wir es auch ger­ne getan hät­ten. Des­halb füh­len wir uns zu die­ser Erklä­rung gedrängt.

1. Über eini­ge Tat­sa­chen aus dem Leben unse­res Grün­ders, P. Mar­cial Maciel LC (1920–2008)

Wir dach­ten und hoff­ten anfangs, daß die Anschul­di­gun­gen gegen unse­ren Grün­der falsch und unbe­grün­det sei­en; denn sie ent­spra­chen nicht den Erfah­run­gen, die wir mit ihm und sei­nem Werk gemacht hat­ten. Doch am 19. Mai 2006 ver­öf­fent­lich­te der Pres­se­saal des Hei­li­gen Stuhls eine Erklä­rung als Abschluß der durch die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on im Jahr 2004 begon­ne­nen kano­ni­schen Unter­su­chung. Damals gelang­te die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zu einer hin­rei­chen­den mora­li­schen Gewiß­heit, um P. Maciel schwe­re kano­ni­sche Sank­tio­nen auf­zu­er­le­gen, ent­spre­chend der Anschul­di­gun­gen gegen ihn, u.a. wegen Hand­lun­gen sexu­el­len Miß­brauchs von Kna­ben­se­mi­na­ri­sten. Wir bedau­ern es zutiefst, daß die­se Din­ge gesche­hen sind.

Daher „hat die Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re […] beschlos­sen, ange­sichts sowohl des fort­ge­schrit­te­nen Alters von P. Maciel als auch sei­nes ange­schla­ge­nen Gesund­heits­zu­stan­des auf einen kano­ni­schen Pro­zeß zu ver­zich­ten und den Pater dazu ein­zu­la­den, ein zurück­ge­zo­ge­nes Leben des Gebets und der Buße zu füh­ren unter Ver­zicht auf jeg­li­chen öffent­li­chen pasto­ra­len Dienst. Der Hei­li­ge Vater hat die­se Ent­schei­dun­gen appro­biert.“ (Pres­se­er­klä­rung des Hei­li­gen Stuhls, 19. Mai 2006)

Danach fan­den wir her­aus, daß P. Maciel eine Toch­ter hat­te, die aus einer län­ge­ren und festen Bezie­hung zu einer Frau her­vor­ging, und von ande­ren schwer­wie­gen­den Ver­feh­lun­gen. Spä­ter erschie­nen zwei wei­te­re Per­so­nen, die behaup­ten, Kin­der von ihm zu sein; zwei Brü­der aus einer Bezie­hung zu einer ande­ren Frau.

Wir miß­bil­li­gen die­se und all jene Taten aus dem Leben von P. Maciel, die den Pflich­ten eines Chri­sten, Ordens­man­nes und Prie­sters wider­spre­chen und beto­nen nach­drück­lich, daß die­se nicht dem ent­spre­chen, was wir in der Legi­on Chri­sti und der Bewe­gung Regnum Chri­sti zu leben ver­su­chen.

2. Die Hal­tung der Legi­on Chri­sti und der Bewe­gung Regnum Chri­sti zu die­sen Tat­sa­chen

Wir drücken erneut allen, die durch die Taten unse­res Grün­ders geschä­digt wor­den sind, unse­ren Schmerz und unser tief­stes Bedau­ern aus.

Wir neh­men an dem Leid Anteil, die die­ses Ärger­nis der Kir­che zuge­fügt hat, und es betrübt und schmerzt uns zutiefst.

Wir bit­ten all jene um Ver­zei­hung, die ihn in der Ver­gan­gen­heit beschul­digt hat­ten und denen man kei­nen Glau­ben oder kein Gehör schenk­te; wir konn­ten uns damals die­ses Ver­hal­ten unse­res Grün­ders ein­fach nicht vor­stel­len. Soll­te es sich zei­gen, daß es schuld­haf­tes Mit­wir­ken gab, wer­den wir gemäß der Grund­sät­ze der christ­li­chen Gerech­tig­keit und Lie­be han­deln und die­se Per­so­nen für ihr Han­deln zur Rechen­schaft zie­hen.

Wir bit­ten auch unse­re Fami­li­en, Freun­de, Wohl­tä­ter und Men­schen guten Wil­lens um Ver­zei­hung, die das Gefühl hat­ten, daß ihr Ver­trau­en ver­letzt wor­den ist.

Wir füh­len als Glie­der des mysti­schen Lei­bes Chri­sti die Not­wen­dig­keit, mit christ­li­cher Gesin­nung sei­ne Feh­ler und das Ärger­nis wie­der­gut­zu­ma­chen, das dadurch ent­stan­den ist. Daher laden wir alle, die Teil unse­rer geist­li­chen Fami­lie sind, ein, ihre Gebe­te und zu Opfern in die­sem Anlie­gen zu inten­si­vie­ren.

Wir haben als Chri­sten und Prie­ster auch die Pflicht, wei­ter­hin auf jene zuzu­ge­hen, die auf irgend­ei­ne Wei­se betrof­fen sind. Ihnen gilt unse­re größ­te Sor­ge und wir bie­ten ihnen jene geist­li­chen und pasto­ra­len Hil­fen an, derer sie bedür­fen. So wol­len wir zur nöti­gen christ­li­chen Ver­söh­nung bei­tra­gen. Wir sind uns aller­dings auch bewußt, daß letzt­lich nur Chri­stus fähig ist, ech­te Hei­lung zu bewir­ken und „alles neu zu machen“ (vgl. Offb 21,5).

Gott hat in sei­nem geheim­nis­vol­len Rat­schluß P. Maciel als Werk­zeug zur Grün­dung der Legi­on Christ und der Bewe­gung Regnum Chri­sti erwählt, und wir dan­ken Gott für das Gute, das er ver­wirk­licht hat. Gleich­zei­tig erken­nen wir mit Schmerz an, daß wir ihn ange­sichts der Schwe­re sei­ner Ver­ge­hen nicht mehr als vor­bild­li­chen Chri­sten und Prie­ster betrach­ten kön­nen.

Nach dem Bei­spiel Chri­sti, der die Sün­de ver­ur­teilt, aber den Sün­der ret­ten will, und über­zeugt von der Wich­tig­keit und Schön­heit der Ver­ge­bung ver­trau­en wir unse­ren Grün­der der barm­her­zi­gen Lie­be Got­tes an.

3. Die apo­sto­li­sche Visi­ta­ti­on

Wir möch­ten dem Hei­li­gen Vater, Papst Bene­dikt XVI., unse­re Dank­bar­keit aus­drücken, nicht nur, weil er uns „sei­ne Soli­da­ri­tät und sein Gebet in die­ser deli­ka­ten Zeit“ erneu­ert hat (vgl. Brief von Kar­di­nal Tar­ci­sio Ber­to­ne SDB an P. Alva­ro Cor­cue­ra, 10. März 2009), son­dern auch, weil er uns die Apo­sto­li­sche Visi­ta­ti­on ange­bo­ten hat, um uns zu hel­fen, die „bestehen­den Schwie­rig­kei­ten zu mei­stern“ (eben­da). Wir hof­fen, so die nöti­gen Schrit­te zu tun, um die Grund­la­gen, die Aus­bil­dung und das täg­li­che Leben der Legio­nä­re Chri­sti und der Mit­glie­der der Bewe­gung Regnum Chri­sti zu festi­gen.

Wir dan­ken den fünf apo­sto­li­schen Visi­ta­to­ren, Mons. Ricar­do Bláz­quez, Mons. Charles J. Cha­put, OFM Cap., Mons. Ricar­do Ezzat­ti SDB, Mons. Giu­sep­pe Ver­sal­di y Mons. Ricar­do Wat­ty MSSp für Ihre Arbeit, die sie mit so viel Hin­ga­be und väter­li­cher Sor­ge ver­wirk­licht haben.

Wir wer­den die aus der apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on erwach­sen­den Anwei­sun­gen und Emp­feh­lun­gen des Hei­li­gen Vaters mit kind­li­chem Gehor­sam auf­neh­men und ver­pflich­ten uns, sie umzu­set­zen.

4. Auf die Zukunft gerich­tet

Seit dem im Janu­ar 2005 began­ge­nen Gene­ral­ka­pi­tel, bei dem P. àlvaro Cor­cue­ra LC zum Gene­ral­di­rek­tor gewählt wur­de, haben wir ver­sucht, die Legi­on Chri­sti und das Regnum Chri­sti in Treue zu all­dem zu lei­ten, was wir von Gott erhal­ten haben und was durch die Kir­che appro­biert wor­den ist. In demü­ti­ger Dank­bar­keit neh­men wir die Seg­nun­gen und Früch­te wahr, die der Herr uns bis heu­te zuteil wer­den ließ und wir wis­sen uns dafür ver­ant­wort­lich, unse­re Geschich­te, unser Cha­ris­ma und unse­re Spi­ri­tua­li­tät tie­fer zu durch­drin­gen.

Wir blicken hoff­nungs­voll in die Zukunft, denn unser Leben stützt sich ein­zig auf Gott. Wir ver­trau­en völ­lig auf ihn und die All­macht sei­ner Lie­be, der, wie der hei­li­ge Pau­lus sagt „bei denen, die ihn lie­ben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28). Wir wis­sen, daß wir auf die­sem Weg auf den Bei­stand des Hei­li­gen Gei­stes und die müt­ter­li­che Lei­tung der Kir­che zäh­len kön­nen.

Unser Ziel als ein­zel­ne und als Insti­tu­ti­on besteht dar­in, Chri­stus zu lie­ben, sein Evan­ge­li­um zu leben und sein Reich des Frie­dens und der Lie­be auf der Welt zu ver­brei­ten. Wir sind uns bewußt, daß wir dazu einer bestän­di­gen per­sön­li­chen und gemein­schaft­li­chen Erneue­rung bedür­fen, in Treue zu den Tra­di­tio­nen des Geweih­ten Lebens, um so der Kir­che und der Gesell­schaft bes­ser zu die­nen. Die zurück­lie­gen­de Zeit hat uns gehol­fen, über unse­re Iden­ti­tät und Sen­dung nach­zu­den­ken; gleich­zei­tig hat sie uns dazu ange­regt, in Demut und Ein­fach­heit eini­ge Aspek­te unse­res Daseins als Insti­tu­ti­on zu über­prü­fen.

Wir haben den festen Wil­len, u.a.:

  • Wei­ter­hin nach Ver­söh­nung zu stre­ben und die Begeg­nung mit jenen zu suchen, die gelit­ten haben.
  • Die Wahr­heit unse­rer Geschich­te zu ergrün­den und die­se auf­zu­ar­bei­ten.
  • In unse­ren Ein­rich­tun­gen und Akti­vi­tä­ten wei­ter­hin den Schutz v.a. der Min­der­jäh­ri­gen zu gewähr­lei­sten, gemäß aller zivi­len und kirch­li­chen Vor­ga­ben.
  • In einer selbst­lo­sen Dienst­be­reit­schaft gegen­über der Kir­che und den Men­schen zu wach­sen.
  • Mit allen Hir­ten und ande­ren kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen bes­ser zusam­men­zu­ar­bei­ten.
  • Unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­bes­sern.
  • Wei­ter dar­über zu wachen, daß auf allen Ebe­nen die admi­ni­stra­ti­ven Kon­trol­len und Ver­fah­ren ange­wen­det wer­den, und dar­über ent­spre­chend Rechen­schaft abzu­le­gen.
  • Unse­ren Ein­satz zu ver­stär­ken, das Evan­ge­li­um von Jesus Chri­stus so vie­len Men­schen wie mög­lich anzu­bie­ten.
  • Vor allem mit erneu­er­ter Anstren­gung an der Hand der Kir­che ein hei­lig­mä­ßi­ges Leben zu erstre­ben.

Schluß

Wir kön­nen die­se Erklä­rung nicht been­den, ohne den vie­len Tau­send Legio­nä­ren Chri­sti, Gott­ge­weih­ten Frau­en und Män­nern und Mit­glie­dern des Regnum Chri­sti zu dan­ken, die so groß­zü­gig ihr Leben dem Dienst an der Kir­che und der Gesell­schaft hin­ge­ge­ben haben und dies wei­ter­hin tun. Wir dan­ken auch den Mit­ar­bei­tern in den Apo­sto­lats­zen­tren und Apo­sto­lats­ein­rich­tun­gen. Dank ihnen kön­nen wir sagen, daß heu­te mehr Men­schen in die­ser Welt Jesus Chri­stus ken­nen und lie­ben. Wir möch­ten auch jenen Dank sagen, die uns durch ihren Glau­ben, ihr Gebet und ihr Lei­den ver­eint mit Chri­stus unter­stützt haben.

Wir unter­zeich­nen die­se Erklä­rung heu­te, am 25. März, dem Hoch­fest der Ver­kün­di­gung des Herrn. Möge Er uns auf die Für­spra­che sei­ner Mut­ter, der seli­gen Jung­frau Maria, die Gna­de gewäh­ren, das Geheim­nis der mensch­ge­wor­de­nen Lie­be Got­tes zu ver­tie­fen und es mit erneu­er­tem Eifer zu leben und wei­ter­zu­ge­ben.

P. àlvaro Cor­cue­ra LC, Gene­ral­di­rek­tor
P. Luis Gar­za, LC, Gene­ral­vi­kar
P. Fran­cis­co Mate­os LC, Gene­ral­rat
P. Micha­el Ryan LC, Gene­ral­rat
P. Joseph Burtka LC, Gene­ral­rat
P. Eva­ri­sto Sada LC, Gene­ral­se­kre­tär
P. José Cár­de­nas LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Chi­le und Argen­ti­ni­en
P. José Manu­el Otaolaur­ru­chi LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Vene­zue­la und Colom­bi­en
P. Manu­el Aro­mir LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Bra­si­li­en
P. Rodol­fo Maya­go­i­tia LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Mexi­ko y Zen­tral­ame­ri­ka
P. Leo­nar­do Núñez LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Mon­ter­rey
P. Scott Reil­ly LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Atlan­ta
P. Julio Martà­ LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für New York
P. Jesús Mari­a Del­ga­do LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Spa­ni­en
P. Jaco­bo Muñoz LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Frank­reich, Schweiz und Irland
P. Syl­ve­ster Hee­reman LC, Ter­ri­to­ri­al­di­rek­tor für Deutsch­land und Mit­tel­eu­ro­pa