Eugenio Pacelli – Pius XII. (1876–1958) im Blick der Forschung. Vorträge zur Ausstellung „Opus Iustitiae Pax“

von Kon­rad Löw

Bene­dikt XVI. hat den Weg frei gemacht für die Selig­spre­chung sei­nes Vor­gän­gers im Papst­amt Pius’ XII. Die­se Ent­schei­dung hat sofort Kri­tik aus­ge­löst. Die Grün­de sind hin­läng­lich bekannt. Jeder Katho­lik, der sich mit sei­ner Kir­che ver­bun­den fühlt, bil­det sich eine eige­ne Mei­nung und wird sie auch Drit­ten gegen­über ver­tre­ten. Wer sich im Gewis­sen ver­pflich­tet fühlt, fun­diert zu urtei­len, muß sich mit den Fak­ten ver­traut machen. Dies kann vor­züg­lich gesche­hen durch die gründ­li­che Lek­tü­re des Buches „Euge­nio Pacel­li“. Es ver­ei­nigt, neben dem Gruß­wort des Münch­ner Erz­bi­schofs Rein­hard Marx und der Eröff­nungs­an­spra­che Wal­ter Brand­mül­lers fünf Bei­trä­ge:

  • Karl-Joseph Hum­mel „Euge­nio Pacelli/Papst Pius XII.:
  • Vom Vor-Urteil zur histo­ri­schen Gerech­tig­keit. Anmer­kun­gen zum Wan­del eines Geschichts­bil­des“,
  • Franz Xaver Bischof „Pius XII. und die Moder­ne“,
  • Tho­mas Bre­chen­ma­cher „Pius XII. und die Juden“,
  • Heinz Hür­ten „Pius XII. und Micha­el Kar­di­nal von Faul­ha­ber“,
  • Hans Mai­er „Pius XII. im Urteil der Nach­welt“.

Die Titel geben Aus­kunft über das jeweils Gebo­te­ne. Die Bei­trä­ge genü­gen nach Form und Inhalt hohen Ansprü­chen, sind auf dem neue­sten wis­sen­schaft­li­chen Stand und kön­nen daher wärm­stens emp­foh­len wer­den.

Zu der Äuße­rung im letz­ten Bei­trag: „… der Diplo­mat Pacel­li bedau­er­te aus­drück­lich, daß die Bischö­fe die Ver­ur­tei­lung des Natio­nal­so­zia­lis­mus zurück­na­hen, ohne von der Regie­rung eine Gegen­lei­stung zu ver­lan­gen“, soll der Leser die­ser Rezen­si­on in die Lage ver­setzt wer­den, sich eine eige­ne Mei­nung zu bil­den. Haben die Bischö­fe die Ver­ur­tei­lung des Natio­nal­so­zia­lis­mus im März 1933 wirk­lich zurück­ge­nom­men? In dem frag­li­chen Hir­ten­brief heißt es:

„Die Ober­hir­ten der Diö­ze­sen Deutsch­lands haben aus trif­ti­gen Grün­den, die wie­der­holt dar­ge­legt sind, in ihrer pflicht­mä­ßi­gen Sor­ge für die Rei­ner­hal­tung des katho­li­schen Glau­bens und für Schutz der unan­tast­ba­ren Auf­ga­ben und Rech­te der katho­li­schen Kir­che in den letz­ten Jah­ren gegen­über der natio­nal­so­zia­li­sti­schen Bewe­gung eine ableh­nen­de Hal­tung durch Ver­bo­te und War­nun­gen ein­ge­nom­men, die solan­ge und inso­weit in Gel­tung blei­ben soll­ten, wie die­se Grün­de fort­be­stehen.

Es ist nun­mehr anzu­er­ken­nen, daß von dem höch­sten Ver­tre­ter der Reichs­re­gie­rung, der zugleich auto­ri­tä­rer Füh­rer jener Bewe­gung ist, öffent­lich und fei­er­lich Erklä­run­gen gege­ben sind, durch die der Unver­letz­lich­keit der katho­li­schen Glau­bens­leh­re und den unver­än­der­li­chen Auf­ga­ben und Rech­ten der Kir­che Rech­nung getra­gen sowie die voll­in­halt­li­che Gel­tung der von den ein­zel­nen Län­dern mit der Kir­che abge­schlos­se­nen Staats­ver­trä­ge durch die Reichs­re­gie­rung aus­drück­lich zuge­si­chert wird. Ohne die in unse­ren frü­he­ren Maß­nah­men lie­gen­de Ver­ur­tei­lung bestimm­ter reli­gi­ös-sitt­li­cher Irr­tü­mer auf­zu­he­ben, glaubt daher der Epi­sko­pat, das Ver­trau­en hegen zu dür­fen, daß die vor­be­zeich­ne­ten all­ge­mei­nen Ver­bo­te und War­nun­gen nicht mehr als not­wen­dig betrach­tet zu wer­den brau­chen.“

Sieht so eine Kapi­tu­la­ti­on aus? Fer­ner gilt es zu beden­ken, daß damals bereits Tau­sen­de von den Natio­nal­so­zia­li­sten will­kür­lich ver­haf­tet wor­den waren, dar­un­ter Hun­der­te Katho­li­ken, deren Wohl und Weh – die Fami­li­en ein­ge­schlos­sen — von den Bischö­fen mit­be­dacht wer­den muß­te.

Zusam­men­fas­send ist Bischof Marx bei­zu­pflich­ten, der ein­lei­tend schreibt: „Die Kir­che muß kei­ne Angst vor der Wahr­heit haben. Nur auf der Basis von Quel­len ist es mög­lich, die geschicht­li­che Wahr­heit ans Licht zu brin­gen und damit dem Leben und Werk von Pius XII. in sehr beweg­ter Zeit Gerech­tig­keit wider­fah­ren zu las­sen.“

Peter Pfi­ster (Hg.): Euge­nio Pacel­li – Pius XII. (1876–1958) im Blick der For­schung. Vor­trä­ge zur Aus­stel­lung „Opus Ius­ti­tiae Pax“ in Mün­chen, Regens­burg: Ver­lag Schnell und Stei­ner, 2009, Euro 9,90, 136 Sei­ten, ISBN 798–3‑7954–2329‑2

Prof. Dr. jur. Kon­rad Löw ist Autor des Buches „Die Schuld. Chri­sten und Juden im Urteil der Natio­nal­so­zia­li­sten und der Gegen­wart“

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