Ostkirchen: Maroniten feiern „Vater der libanesischen Kirche“ – 1600. Todesjahr des Heiligen Maron

(Bei­rut) Gestern began­nen die maro­ni­ti­schen Chri­sten das Gedenk­jahr zum 1600. Todes­jahr des Hei­li­gen Maron. Der Ere­mit und Prie­ster ist der Vater der liba­ne­si­schen Kir­che, der zugleich ihr Namens­ge­ber wur­de. Die Maro­ni­ti­sche Kir­che gehört zu den mit Rom unier­ten Ost­kir­chen, die im einst blü­hen­den christ­li­chen Ori­ent ent­stan­den waren. Die katho­lisch-chaldäi­sche Maro­ni­ten­kir­che der Mel­ki­ten, so der offi­zi­el­le Name, ent­stand im 7. Jahr­hun­dert in Syri­en aus einer Abspal­tung der Syrisch-Ortho­do­xen Kir­che von Antio­chi­en. Seit dem 8. Jahr­hun­dert muß­te sie die mus­li­mi­sche Herr­schaft erdul­den.

Für die Eröff­nung des Gedenk­jah­res wur­de das Namens­fest des Hei­li­gen gewählt, der im Liba­non als staat­li­cher Fei­er­tag began­gen wird. Abge­schlos­sen wird es am 2. März 2011, sei­nem lit­ur­gi­schen Gedenk­tag. Kar­di­nal Mar Nas­ral­lah Bou­tros Sfeir, der maro­ni­ti­sche Patri­arch gab dies in sei­nem 25. Hir­ten­brief „Hei­li­ger Maron, die Maro­ni­ten und der Liba­non“ bekannt. „Das Jubi­lä­um hat den Zweck, zu beten, nach­zu­den­ken, zu bereu­en, die Ver­gan­gen­heit in Erin­ne­rung zu rufen, sie zu beden­ken, Leh­ren dar­aus zu zie­hen, um eine neue Stra­te­gie für unse­re Kir­che und unser Land im drit­ten Jahr­tau­send zu ent­wickeln“, so der Patri­arch. „Die­ses ist ein Gott geweih­tes Jahr, ein Jahr der Gerech­tig­keit, der Ver­söh­nung und der Buße, ein Jahr der beson­de­ren Gna­den für die Per­so­nen und die Gemein­schaft. Ein Jahr nicht nur der inne­ren Freu­de. Sie soll sich auch nach außen sicht­ba­re wer­den.“

Die Geschich­te der maro­ni­sti­schen Chri­sten spie­gelt das span­nungs­ge­la­de­ne Ver­hält­nis zum Islam wider. Im 10. Jahr­hun­dert wur­de das Klo­ster des Hei­li­gen Maron in Syri­en zer­stört. Dar­auf setz­te eine Flucht­be­we­gung der Maro­ni­ten ein, die sich unter Füh­rung des Patri­ar­chen Johan­nes Maron I. in den Liba­non zogen, wo sie inmit­ten des mos­le­mi­schen Ori­ents ein mehr­heit­lich christ­li­ches Gebiet schu­fen. Als sich die Maro­ni­ten im 12.Jahrhundert unter den Schutz der Kreuz­rit­ter stell­ten, folg­te auch die Ver­bin­dung mit Rom. Nach dem Schei­tern der Kreuz­zü­ge folg­te eine har­te Ver­fol­gungs­zeit für die Chri­sten. Im Jahr 1445 wur­de die Ver­bun­den­heit mit Rom in einer Uni­on for­ma­li­siert. Seit­her erken­nen die Maro­ni­ten den Papst als ihr Kir­chen­ober­haupt an.

Nach den anti-christ­li­chen Pogro­men von 1860 wur­de der Weg für die Auto­no­mie und schließ­lich 1920 die Unab­hän­gig­keit des mehr­heit­lich christ­li­chen Liba­non ein­ge­lei­tet. Durch die Ver­trei­bung der mehr­heit­lich mos­le­mi­schen Palä­sti­nen­ser nach der Grün­dung des Staa­tes Isra­el, geriet das reli­giö­se Gleich­ge­wicht des Liba­non durch­ein­an­der. Die Mos­lems, wenn auch auf­ge­spal­ten in Sun­ni­ten, Schii­ten und Dru­sen, wur­den auch im Liba­non zur Mehr­heit. Der Ver­such der Palä­sti­nen­ser in den70er Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts unter Füh­rung von Ara­fats-PLO die Macht im Liba­non an sich zu rei­sen, führ­te zu einem blu­ti­gen Bür­ger­krieg, der die ein­sti­ge christ­li­che Stär­ke im Land der Maro­ni­ten been­de­te.

Das Grab des 410 ver­stor­be­nen Hei­li­gen Maron befin­det sich nahe eines von ihm gegrün­de­ten Klo­sters zwi­schen Homs und Hama.

(GN)