Glaube ist Sache des ganzen Menschen – Sentimentalität und Vernunft

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Vori­gen Mitt­woch habe ich über den hei­li­gen Franz von Assi­si gespro­chen, heu­te will ich die Kate­che­se einem sei­ner Zeit­ge­nos­sen wid­men, der eben­falls einen wich­ti­gen Bei­trag zur Erneue­rung der Kir­che im 13. Jahr­hun­dert und dar­über hin­aus gelei­stet hat. Es ist der hei­li­ge Domi­ni­kus, der Grün­der des Pre­di­ger- oder Domi­ni­ka­ner­or­dens. Sein Bio­graph Jor­dan von Sach­sen berich­tet, daß sich der Hei­li­ge dadurch aus­zeich­ne­te, daß er immer mit Gott oder über Gott sprach, daß Gott Mit­tel­punkt sei­nes Den­kens und Spre­chens war. Sei­ne Lie­be und Ver­eh­rung galt Chri­stus, und die­se Lie­be öff­ne­te ihm das Herz für die Mit­men­schen und für alles, was sie brau­chen, beson­ders auch für das Heil der See­len. Domi­ni­kus ent­stamm­te einer ange­se­he­nen kasti­lia­ni­schen Fami­lie und wur­de um 1170 in Cale­rue­ga gebo­ren. Nach dem Stu­di­um an der Dom­schu­le in Palen­cia wur­de er mit 25 Jah­ren Kano­ni­ker am Dom­stift zu Osma. Auf ver­schie­de­nen Rei­sen mit sei­nem Bischof begeg­ne­te er den Albi­gen­sern, einer aske­ti­schen Gemein­schaft, die den Aus­schwei­fun­gen ihrer Zeit, beson­ders auch des Kle­rus, ein Leben in Armut und Ent­sa­gung gegen­über­stell­ten und dadurch attrak­tiv und glaub­wür­dig waren. Aber sie ver­folg­ten zugleich ein dua­li­sti­sches Welt­bild, nach dem es zwei Prin­zi­pi­en, nicht einen Gott, son­dern zwei Prin­zi­pi­en gibt: ein gutes und ein böses, und die Mate­rie dem bösen Prin­zip ent­springt, so daß sie die Inkar­na­ti­on, die Flei­sch­wer­dung Got­tes eben­so wie die Auf­er­ste­hung und die Sakra­men­te ableh­nen muß­ten. Domi­ni­kus setz­te die­ser Irr­leh­re die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums ent­ge­gen, teil­te aber mit ihnen den Mut zur Armut und Ein­fach­heit sowie eine evan­ge­li­ums­ge­mä­ße Lebens­wei­se, so daß Wort und Leben über­ein­stimm­ten. Vie­le schlos­sen sich ihm an, wie er in der Nach­fol­ge der Apo­stel wan­dernd umher­zog und von Almo­sen leb­te. Wich­tig war ihm aber auch das Stu­di­um. Er wuß­te, daß der Glau­be nicht nur Sen­ti­men­ta­li­tät, son­dern eine Sache des gan­zen Men­schen ist, daß zu ihm die Ver­nunft gehört. Des­we­gen hat er auch nach­drück­lich zum Stu­di­um der Hei­li­gen Schrift und zu ihrem inne­ren Ver­ständ­nis als Grund­la­ge für das Apo­sto­lat auf­ge­ru­fen. Und so hat er auch sei­ne Brü­der an die Uni­ver­si­tä­ten geschickt. Er woll­te die Schön­heit der Wahr­heit, die von Gott kommt, immer neu betrach­ten und das Betrach­te­te den Men­schen ver­mit­teln. Damit das Apo­sto­lat gelingt, bau­te er außer­dem auf zwei wich­ti­ge Säu­len: die tie­fe Lie­be zur Mut­ter­got­tes und das Gebet für­ein­an­der. Auf die­se Wei­se haben die Söh­ne und Töch­ter des hei­li­gen Domi­ni­kus den Glau­ben in Euro­pa erneu­ert und ihn als Mis­sio­na­re in die gan­ze Welt gebracht.

Von Her­zen hei­ße ich alle deutsch­spra­chi­gen Pil­ger und Besu­cher will­kom­men. Bit­ten wir Gott um gei­sti­ge Kraft, wie Domi­ni­kus mutig und freu­dig den Glau­ben an Chri­stus zu bezeu­gen und sei­ne Lie­be den Men­schen wei­ter­zu­schen­ken. Der Herr gelei­te euch auf allen euren Wegen.