Nord-Sumatra: Zwei protestantische Kirchen niedergebrannt – „Zu viele Gläubige, zu viele Gebete“

(Jakar­ta) Eine Men­ge von über 1000 Mos­lems brann­te im Nor­den Suma­tras zwei pro­te­stan­ti­sche Kir­che nie­der. Die Angrif­fe der ver­gan­ge­nen Nacht im Bezirk Padang Lawas sind der bis­he­ri­ge Höhe­punkt der Span­nun­gen zwi­schen der ört­li­chen mus­li­mi­schen Gemein­schaft und den Chri­sten. Zur Begrün­dung nann­ten Mus­li­me, daß sie der „zu vie­len Chri­sten und derer Gebe­te“ über­drüs­sig sei­en, zumal die christ­li­chen Gemein­schaf­ten kei­ne staat­li­che Geneh­mi­gung besä­ßen.

Bezirks­chef Bas­rah Lubis bestä­tig­te den Angriff und die gro­ße Zahl der Angrei­fer. Die Men­ge sei erbost gewe­sen, weil die Chri­sten nicht auf die For­de­rung reagiert habe, die Kir­chen in „neu­tra­le Gebäu­de“ umzu­wan­deln, so der Bezirks­chef.

Die Kir­chen gehör­ten der pfingst­le­ri­schen Gemein­schaft, die zum größ­ten Teil der Volks­grup­pe der Batak ange­hö­ren. Laut Poli­zei­an­ga­ben, habe es sich um „Gebets­stät­ten“ aber nicht um Kir­chen gehan­delt, da kei­ne ent­spre­chen­den Geneh­mi­gun­gen vor­lä­gen. Die Geneh­mi­gung zur Errich­tung einer Kir­che ist ein lang­wie­ri­ger Behör­den­lauf, der von der mus­li­mi­schen Mehr­heit nach Mög­lich­keit boy­kot­tiert wird.

Bereits zu Weih­nach­ten hät­ten Mos­lems einen Sitz­streik gegen die Kir­chen ver­an­stal­tet, weil sie „zu vie­le Mit­glie­der“ hät­ten und die „Nach­barn stö­ren“ wür­den. Die Zahl der Mit­glie­der ist jedoch eines der zahl­rei­chen Kri­te­ri­en für eine Bau­ge­neh­mi­gung. Es müs­sen min­de­stens 60 sein.

Die Pfingst­ler-Gemein­de der Batak besteht seit 1982, den­noch erhielt sie bis heu­te kei­ne staat­li­che Aner­ken­nung. Bezirks­chef Bas­rah Lubis bestä­tig­te, daß die „ört­li­chen Nicht-Chri­sten“, die Aner­ken­nung behin­dern.

„In Indo­ne­si­en ist das Chri­sten­tum offi­zi­ell aner­kannt, aber häu­fig wer­den die Chri­sten dis­kri­mi­niert und bedroht“, erklär­te Gomar Gul­tom, der Gene­ral­se­kre­tär des Rats christ­li­cher Kir­chen in Indo­ne­si­en (PGI).

Gestern ver­öf­fent­lich­te die Nahdla­tul Ula­ma (NU), eine der größ­ten gemä­ßig­ten isla­mi­schen Orga­ni­sa­tio­nen des Lan­des einen Bericht über die Reli­gi­ons­frei­heit in Indo­ne­si­en. Der Bericht bestä­tigt, daß sich 2009 28 der 35 schwer­wie­gend­sten Ver­let­zun­gen gegen Chri­sten rich­te­ten. Ver­ant­wort­lich sei­en dafür „klei­ne extre­mi­sti­sche Grup­pen“, die „vom wah­ren Islam nur eine gerin­ge Ahnung“ hät­ten.

(Asianes/ GN; Foto: Asia­news)