Professor Spaemann verteidigt Papst Benedikt XVI. und die Priesterweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X.

(Würzburg/ Stutt­gart) In einem Leser­brief in der Tages­post, 25. Juni 2009 ver­tei­digt der Phi­lo­soph Robert Spa­e­mann die Prie­ster­wei­hen der  Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X..

„Wo der gute Wil­le fehlt, fehlt eigen­ar­ti­ger­wei­se oft auch das logi­sche Den­ken. Gro­ße Auf­re­gung um die geplan­ten Prie­ster­wei­hen der Pius­bru­der­schaft. Sie sei­en uner­laubt, bestä­tigt nun der Pres­se­spre­cher des Vati­kan (DT vom 18. Juni). Gott­lob nur der Pres­se­spre­cher, denn es han­delt sich hier ja um nichts Neu­es.

Die Prie­ster der Bru­der­schaft waren längst vor der Exkom­mu­ni­ka­ti­on sus­pen­diert. Das heißt, sie durf­ten kei­ne Sakra­men­te mehr spen­den, nicht mehr die Mes­se fei­ern, nicht mehr Beich­te hören und die Kran­ken­sal­bung spen­den. Natür­lich gehört auch die Prie­ster­wei­he zu den uner­laub­ten Hand­lun­gen.

Woll­te Rom die Lehr­ge­sprä­che mit der Bru­der­schaft an die Bedin­gung des einst­wei­li­gen Ver­zichts auf Sakra­men­ten­spen­dung knüp­fen, dann hie­ße das: die Prie­ster der Bru­der­schaft dürf­ten bis zur end­gül­ti­gen Klä­rung der Ange­le­gen­heit kei­ne Mes­se mehr fei­ern und kei­ne Sakra­men­te mehr spen­den, das heißt, sie müß­te sich erst ein­mal auf­lö­sen, ehe die Gesprä­che über­haupt begon­nen haben. Kein gut­wil­li­ger und ver­nünf­ti­ger Mensch wird das ver­lan­gen. Wer es ver­langt, will eine Bedin­gung stel­len, von der er weiß, daß sie uner­füll­bar ist.

Im Übri­gen müß­ten dann alle Wie­der­ver­ei­ni­gungs­ge­sprä­che mit den ortho­do­xen Kir­chen sus­pen­diert wer­den, weil ihre Wei­hen nicht vom Papst appro­biert, also ‚uner­laubt‘ sind. Und eben­so hät­te der Papst sich schul­dig gemacht durch die Wie­der­auf­nah­me der chi­ne­si­schen ‚patrio­ti­schen‘ Bischö­fe, ohne daß von ihnen der Aus­tritt aus der patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung ver­langt wor­den wäre. Die Barm­her­zig­keit, der Rea­li­täts­sinn und die Ziel­stre­big­keit des Pap­stes, mit denen er ‚gschlam­per­te Ver­hält­nis­se‘ vor­über­ge­hend in Kauf nimmt, wird offen­bar von sei­nen mehr an Prin­zi­pi­en als an Men­schen inter­es­sier­ten Lands­leu­ten weni­ger ver­stan­den als vom Rest der Chri­sten­heit in der Welt.“