Vatikan und UNO für schärferes Vorgehen gegen Menschenhandel

(Rom/New York/Genf) Der Vati­kan hat die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft dazu auf­ge­ru­fen, schär­fer gegen den Men­schen­han­del vor­zu­ge­hen. Vie­le Län­der wür­den sich bis­her mit kurz­fri­stig ange­leg­ten Bekämp­fungs­stra­te­gien begnü­gen, erklär­te der Sekre­tär des Päpst­li­chen Rates für die Migran­ten­seel­sor­ge, Erz­bi­schof Agosti­no Mar­chet­to. Schär­fe­re Ein­wan­de­rungs­ge­set­ze und Grenz­kon­trol­len sei­en kei­ne Lösung, beton­te Mar­chet­to am 19. Mai bei einem Kon­greß der kirch­li­chen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Comu­ni­ta‘ Papa Gio­van­ni XXIII.
Beim „moder­nen Skla­ven­han­del“ hand­le es sich um ein viel­schich­ti­ges Pro­blem, das ent­spre­chend viel­schich­tig zu bekämp­fen sei, mahn­te der Erz­bi­schof. Dabei müs­se das Prin­zip der Men­schen­wür­de im Zen­trum ste­hen. Der Men­schen­han­del beschrän­ke sich nicht nur auf die Sex­in­du­strie, erin­ner­te Mar­chet­to. For­men von Zwangs­ar­beit von Kin­dern, Frau­en und Män­nern sei auch in ande­ren Sek­to­ren ver­brei­tet, wie im Bau­we­sen, in der Land­wirt­schaft und Gastro­no­mie sowie im Pfle­ge- und Haus­halts­be­reich. Ursa­chen sei­en Armut sowie ein Man­gel an Bil­dung. Vor allem kirch­li­che Orga­ni­sa­tio­nen soll­ten sich für die medi­zi­ni­sche und psy­cho­so­zia­le Ver­sor­gung der Opfer enga­gie­ren und sie bei der Wie­der­ein­glie­de­rung in die Gesell­schaft beglei­ten.

Auch die Ver­ein­ten Natio­nen wol­len ihrem Kampf gegen den Men­schen­han­del mit einem „glo­ba­len Akti­ons­pro­gramm“ zum Durch­bruch ver­hel­fen. Die 192 Mit­glieds­staa­ten erör­ter­ten am 13 Mai in der UN-Voll­ver­samm­lung, dem bereits bestehen­den gesetz­li­chen Rah­men jetzt auch noch ein „prak­ti­sches Instru­ment“ zur Abschaf­fung des Men­schen­han­dels hin­zu­zu­fü­gen.

In sei­ner Rede vor dem Ple­num gab UN-Gene­ral­se­kre­tär Ban Ki Moon die Losung aus, „wir wol­len, daß Men­schen­händ­ler eine Lawi­ne auf sich zukom­men sehen mit strik­ten Geset­zen, weit­rei­chen­den Alli­an­zen, kon­zer­tier­ten Aktio­nen und null Tole­ranz“. Den Men­schen­han­del bezeich­ne­te Ban als eine „moder­ne Form von Skla­ve­rei“. In einer Rei­he von Län­dern quer durch Afri­ka, Asi­en, Euro­pa und den ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent wür­den Mil­lio­nen von Men­schen, vor allem Frau­en und Kin­der, wie ein Stück Möbel erwor­ben und wie­der ver­kauft. Der UN-Gene­ral­se­kre­tär for­der­te von Län­dern, die das UN-Pro­to­koll gegen Men­schen­han­del noch nicht rati­fi­ziert haben, die­sen Schritt sofort nach­zu­ho­len. „Schluß mit der Straf­frei­heit“, ver­lang­te er. Dar­über hin­aus soll­te jeder Staat die Bür­ger, die beson­ders gefähr­det sind, über ihre Rech­te auf­klä­ren und ihnen Extra­schutz gewäh­ren.

Um die Zunah­me des Men­schen­han­dels auf­zu­hal­ten, sei ein auf­ein­an­der abge­stimm­tes Han­deln der Regie­run­gen unbe­dingt not­wen­dig. Das welt­um­span­nen­de Phä­no­men zeich­ne sich durch viel­fäl­ti­ge Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen aus: sexu­el­le Aus­beu­tung, Zwangs­ar­beit oder For­men von Skla­ve­rei wie Aus­beu­tung durch Bet­teln, häus­li­che Knecht­schaft sowie Organ­dieb­stahl zu kom­mer­zi­el­len Zwecken.

Gemäß der UNO-Stu­die Glo­bal Report on Traf­ficking in Per­sons sind welt­weit über 78 Pro­zent der Betrof­fe­nen, Opfer von sexu­el­ler Aus­beu­tung. 18 Pro­zent wür­den bei der Arbeit aus­ge­beu­tet. Über 20 Pro­zent der Betrof­fe­nen des inter­na­tio­na­len Men­schen­han­dels sei­en Kin­der, heißt es im UN-Bericht.

Die Inter­na­tio­na­le Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) schätzt, daß welt­weit 2,5 Mil­lio­nen Men­schen Opfer von Men­schen­han­del sind. Mit der „Ware Mensch“ wer­de nach Schät­zun­gen der Ver­ein­ten Natio­nen jedes Jahr 32 Mil­li­ar­den US-Dol­lar (34,9 Mil­li­ar­den CHF) Pro­fit gemacht, die Hälf­te des Gel­des wer­de in den Indu­strie­na­tio­nen ver­dient.

(APD)