Priesterbruderschaft St. Pius X. weist Erklärung der Bischoftskonferenz zurück und ermahnt die Bischöfe zur Diziplin gegenüber dem Papst

Wir doku­men­tie­ren die Erklä­rung des Distrik­t­o­be­ren der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. P. Franz Schmid­ber­ger, die er heu­te anläß­lich der „Erklä­rung zum gegen­wär­ti­gen Weg der katho­li­schen Kir­che“ der deut­schen Bischö­fe ver­öf­fent­licht hat.

Zum Abschluß der Voll­ver­samm­lung der deut­schen Bischö­fe behan­del­ten die­se aus­führ­lich das Ver­hält­nis zur Pius­bru­der­schaft. Dazu möch­te ich als Distrik­t­o­be­rer die­ser Bru­der­schaft in Deutsch­land fest­hal­ten:

  1. Die Pius­bru­der­schaft lehnt das Kon­zil nicht als gan­zes ab. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat selbst am Kon­zil teil­ge­nom­men, war in den vor­be­rei­ten­den Kom­mis­sio­nen und hat dem größ­ten Teil der Doku­men­te zuge­stimmt.
  2. Die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz stellt als Bedin­gung die voll­um­fäng­li­che Annah­me des Kon­zils, also auch der strit­ti­gen und zwei­deu­ti­gen Punk­te. Das bedeu­tet aber nichts ande­res als den Dia­log been­den, bevor er über­haupt begon­nen hat. Wir sehen, daß die deut­schen Bischö­fe die umstrit­te­nen Punk­te des Kon­zils nicht zur Dis­kus­si­on stel­len wol­len und Tabu­zo­nen errich­ten.
  3. Das Ver­hal­ten der deut­schen Bischö­fe ist nicht vom Geist der Brü­der­lich­keit getra­gen. Statt den Dia­log zu suchen und die Gesprä­che in fried­li­cher, kon­struk­ti­ver Wei­se zu för­dern, han­deln sie gegen das Signal aus Rom, wel­ches durch die Rück­nah­me des Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­de­kre­tes gesetzt wur­de, und leh­nen jedes Gesprächs­an­ge­bot von Sei­ten der Bru­der­schaft ab.
  4. Auch die Bischö­fe sind an das ach­te Gebot gebun­den, wel­ches lau­tet: „Du sollst kein fal­sches Zeug­nis geben!“. Des­halb for­dern wir die Bischofs­kon­fe­renz auf, den ver­leum­de­ri­schen Vor­wurf des Anti­se­mi­tis­mus oder Anti­ju­da­is­mus gegen die Pius­bru­der­schaft zurück­zu­neh­men. Auch in der Cau­sa Wil­liam­son haben die Obe­ren der Prie­ster­bru­der­schaft sofort reagiert. Der deut­sche Distrikt hat sich sogleich nach Bekannt­wer­den der unsäg­li­chen Äuße­run­gen klar und unmiß­ver­ständ­lich von jeder Art von Ver­harm­lo­sung der Nazi­ver­bre­chen distan­ziert und bei den Betrof­fe­nen für die­se Aus­sa­gen ent­schul­digt. Wir wei­sen hier erneut dar­auf hin, daß der Vater von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re im KZ Son­nen­burg sein Leben las­sen muß­te.
  5. Die Bischö­fe ver­lan­gen von der Pius­bru­der­schaft die Aner­ken­nung der Auto­ri­tät des Pap­stes, obwohl die Bru­der­schaft die­se Auto­ri­tät nie in Zwei­fel gezo­gen hat. Dies zeigt, daß sich die Bischö­fe weder mit den Posi­tio­nen der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. sub­stan­ti­ell aus­ein­an­der­ge­setzt haben, noch die­se Aus­ein­an­der­set­zung wol­len.
  6. Die Pius­bru­der­schaft stellt im Gegen­teil inner­halb des deut­schen Epi­sko­pa­tes eine unter­schwel­li­ge Ableh­nung der päpst­li­chen Auto­ri­tät fest. Das Ver­hal­ten gegen­über päpst­li­chen Erlas­sen der jüng­sten Ver­gan­gen­heit legt dies nahe:
    1. Der Wunsch des Pap­stes, die falsch über­setz­ten Wand­lungs­wor­te rich­tig zu stel­len, wur­de von den deut­schen Bischö­fen bis­her igno­riert.
    2. Das motu pro­prio für die Frei­ga­be der Alten Mes­se wird von eini­gen Bischö­fen so restrik­tiv behan­delt, daß es fast wir­kungs­los blei­ben muß­te.
    3. Die Kar­frei­tags­für­bit­ten des Pap­stes wur­den auch von man­chem Theo­lo­gen in Deutsch­land fälsch­li­cher­wei­se als anti­se­mi­tisch bezeich­net.
    4. Die kla­re Hal­tung des Pap­stes gegen­über dem ange­maß­ten Kir­chen­be­griff inner­halb der pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten stieß in Deutsch­land über­wie­gend auf Unver­ständ­nis.
    5. Trotz mehr­fa­cher Auf­for­de­rung haben die deut­schen Bischö­fe die König­stei­ner Erklä­rung nicht zurück­ge­nom­men, wel­che die Enzy­kli­ka Huma­nae vitae von Paul VI. unwirk­sam macht.
    6. Schließ­lich wur­de auch die Erklä­rung Domi­nus Jesus gera­de von deut­schen Theo­lo­gen aufs Schärf­ste kri­ti­siert, weil dar­in vom ein­zi­gen Heils­weg der Kir­che die Rede ist.
  7. Ange­sichts die­ser Tat­sa­chen sehen wir, daß eini­ge Bischö­fe den vom Papst vor­ge­zeich­ne­ten Weg der Klar­heit und der Ver­söh­nung ableh­nen. Sie wol­len augen­schein­lich die völ­li­ge Preis­ga­be aller kon­ser­va­ti­ven Ein­stel­lun­gen inner­halb der Kir­che. Die­ser Wider­spruch gegen den Papst geschieht der­zeit (noch) nicht offen, ist aber längst in vie­len Äuße­run­gen unter­schwel­lig vor­han­den.
  8. Ange­sichts die­ser Lage dan­ken wir noch­mals dem Hei­li­gen Vater für das väter­li­che Ent­ge­gen­kom­men. Wir wer­den unse­rer­seits alles dar­an set­zen, die Posi­tio­nen der Pius­bru­der­schaft – die eben nicht ihre eige­nen, son­dern die des Lehr­am­tes der Kir­che sind – so ver­ständ­lich, selbst­los und lie­be­voll zu for­mu­lie­ren, daß ein frucht­brin­gen­des Gespräch mit allen Katho­li­ken guten Wil­lens mög­lich ist. Wir freu­en uns, daß es mitt­ler­wei­le an der Basis bereits zum theo­lo­gi­schen Dis­kurs gekom­men ist.
  9. Um unse­rem Wil­len Aus­druck zu ver­lei­hen, dem ewi­gen und wah­ren Rom in Lie­be zu die­nen, möch­te die Pius­bru­der­schaft vor allem dem unhalt­ba­ren Vor­wurf der uner­laub­ten Wei­hen ent­ge­gen­tre­ten. Die­se ins Auge gefaß­ten Wei­hen wur­den nie unter­sagt, was in per­sön­li­chen Gesprä­chen in Rom bestä­tigt wor­den ist. Hier ver­stricken sich die Bischö­fe in ihren deut­lich­sten Wider­spruch: Mit Nach­druck wird behaup­tet, daß die Ein­heit mit der Bru­der­schaft noch nicht bestehe, gleich­zei­tig will man ihr aber die Wei­hen ver­bie­ten. Hier­zu kann man nur auf das hin­wei­sen, was Erz­bi­schof Zollitsch selbst in sei­ner Erklä­rung fest­ge­stellt hat: Allein dem Hl. Stuhl – und nicht den Bischofs­kon­fe­ren­zen – obliegt es, die Vor­aus­set­zun­gen für die vol­le Ein­heit fest­zu­stel­len und dar­über zu befin­den.

P. Franz Schmid­ber­ger, Distrik­t­o­be­rer