Deutsche Bischöfe greifen Papst Benedikt XVI. und Priesterbruderschaft St. Pius X. an

(Ham­burg) Die deut­schen Bischö­fe distan­zie­ren sich von der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. In einer „Erklä­rung zum gegen­wär­ti­gen Weg der katho­li­schen Kir­che“ zum Abschluß ihrer Voll­ver­samm­lung in Ham­burg kri­ti­sie­ren sie außer­dem den Papst, der mit einem Dekret das Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­de­kret, gel­tend für die vier Weih­bi­schö­fe der Prie­ster­bru­der­schaft,  zurück­nahm.

Gleich­zei­tig beklag­ten die Bischö­fe, daß es wegen des Dekre­tes des Pap­stes zu einer „Ver­un­si­che­rung bei den Gemein­den“ gekom­men sei. Sie geben damit den ver­ein­zel­ten Reak­tio­nen von Lai­en und Kir­chen­kri­ti­kern nach­träg­lich ein beson­de­res Gewicht.

Das Dekret des Pap­stes  zur Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on wird von den Bischö­fen als Kon­flikt auf­ge­faßt, der „zugleich als Chan­ce, das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil neu ins Bewußt­sein der Katho­li­ken zu brin­gen und dar­aus eine neue Dyna­mik für die Kir­che ent­ste­hen zu las­sen“ genutzt wer­den soll.

Der Vati­kan wird von dem Kol­le­gi­um auf­ge­for­dert „rasch Ver­bes­se­run­gen im Bereich der inter­nen Abstim­mung und der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Bischofs­kon­fe­ren­zen herbei[zu]führen.“

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. wird ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Vati­kans als schis­ma­tisch bezeich­net

(„Die Bischö­fe, Prie­ster und Gläu­bi­gen der Prie­ster­bru­der­schaft sind kei­ne Schis­ma­ti­ker.“, Darà­o Cas­tril­lón Hoyos, Prä­si­dent der Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei am 8.2.2007 in der deut­schen Zei­tung „Die Tages­post“)

und auf­ge­for­dert das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil kri­tik­los anzu­er­ken­nen.

(„Vie­le Aus­füh­run­gen ver­mit­teln den Ein­druck, daß nach dem Vati­ca­num II jetzt alles anders ist und das Frü­he­re kei­ne Gül­tig­keit mehr haben kann oder die­se nur noch im Lich­te des Vati­ca­num II hat. Die Wahr­heit ist, daß das Kon­zil selbst kein Dog­ma defi­niert hat und sich bewußt in einem nied­ri­ge­ren Rang als rei­nes Pasto­ral­kon­zil aus­drücken woll­te; trotz­dem inter­pre­tie­ren es vie­le, als wäre es fast das Super­dog­ma, das allen ande­ren die Bedeu­tung nimmt“. , Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger in einer Rede an die chi­le­ni­schen Bischö­fe im Herbst 1988).

Des­wei­te­ren sind die Bischö­fe nicht gewillt einer­seits die Ent­schul­di­gun­gen von Bischof Richard Wil­liam­son (Erklä­rung von Weih­bi­schof Richard Wil­liam­son, Ent­schul­di­gung­s­chrei­ben von Wil­liam­son) im Sin­ne christ­li­cher Näch­sten­lie­be wahr­zu­neh­men, ander­seits wird in der Erklä­rung der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. „anti­se­mi­ti­sche Strö­mun­gen“ dif­fa­mie­rend unter­stellt.

Die  Erklä­rung ent­hält auch etwas  Eigen­kri­tik: „Auch im Innen­raum der Kir­che gab es Stim­men und Akti­vi­tä­ten, die lieb­los, extrem ein­sei­tig oder gar her­ab­set­zend waren und der Ein­heit gescha­det haben. Wir bekla­gen die­sen Stil des Umgangs mit­ein­an­der.“

War­um in der Erklä­rung die Zei­len zuvor lieb­los, extrem ein­sei­tig und her­ab­set­zend sind, bleibt das Geheim­nis der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz. Mit der Erklä­rung dürf­ten sie sich noch etwas wei­ter von Papst Bene­dikt XVI. und dem Vati­kan ent­fernt haben.

(JF)