Daß die Christen zu einer Randgruppe in der Gesellschaft werden, ist zwar eine Möglichkeit. Eine naturgesetzliche Entwicklung ist es nicht.

Hubert Gindert
Prof. Dr. Hubert Gindert, ist
Initia­tor des „Forums
deut­scher Katho­li­ken e.V.“,
das den Kon­greß „Freu­de am
Glau­ben“ ver­an­stal­tet. Seit 1996
ist er Chef­re­dak­teur der Zeit-
schrift Der Fels. Er ist
ver­hei­ra­tet und hat vier Töch­ter.
Bild: Rena­te Gindert

Sie ver­an­stal­ten den Kon­greß Freu­de am Glau­ben. Kir­che in Not lud zum 3. Inter­na­tio­na­len Kon­greß Treff­punkt Welt­kir­che ein. Das Zen­tral­ko­mi­tee zele­brier­te ein rie­sen Medi­en­spek­ta­kel in Osna­brück. Ver­schlei­ern die vie­len Ver­an­stal­tun­gen nicht die Rea­li­tät? Das Katho­li­sche ist doch kaum noch in unse­rer Gesell­schaft prä­sent.

Der Inter­na­tio­na­le Kon­greß Treff­punkt Welt­kir­che hat eine ande­re Kon­zep­ti­on als die Kon­gres­se Freu­de am Glau­ben. Die Katho­li­ken­ta­ge ver­ne­beln tat­säch­lich das Katho­li­sche. Um so not­wen­di­ger ist es, mit einer pro­fi­liert katho­li­schen Ver­an­stal­tung in die Öffent­lich­keit zu gehen.

Herr May­er vom ZK sag­te laut KNA in einem Inter­view, „daß sich die Chri­sten auf ein Dasein als Min­der­heit ein­stel­len müß­ten“. Stim­men Sie dem zu? Wenn ja, war­um wer­den wir Katho­li­ken zu einer Min­der­heit in Deutsch­land?

Der Aus­sa­ge des ZDK-Prä­si­den­ten May­er stim­me ich nicht zu. Daß die Chri­sten zu einer Rand­grup­pe in der Gesell­schaft wer­den, ist zwar eine Mög­lich­keit. Eine natur­ge­setz­li­che Ent­wick­lung ist es nicht. Der ZDK-Vor­sit­zen­de geht von einem Schrump­fungs­pro­zeß aus, der nicht zu brem­sen und schon gar nicht umzu­keh­ren ist. Das ist eine Hal­tung von Chri­sten, die ihren Mis­si­ons­auf­trag auf­ge­ge­ben haben. Es ist die Ein­stel­lung jener Chri­sten, die als Eltern ihren Glau­ben an die Kin­der nicht mehr wei­ter­ge­ben, die als Reli­gi­ons­leh­rer oder Kate­che­ten das Evan­ge­li­um ohne inne­re Lei­den­schaft den Kin­dern prä­sen­tie­ren, die als Pfar­rer die revo­lu­tio­nä­re Bot­schaft Chri­sti weich­spü­len, bis sie für die Zuhö­rer harm­los und unin­ter­es­sant gewor­den ist, die als Chri­sten am Arbeits­platz oder im Frei­zeit­club sich mit einem gedehn­ten „Ja, ich bin katho­lisch, aber…“ für ihr Christ­sein ent­schul­di­gen und sich dem all­ge­mei­nen Trend anpas­sen. Schließ­lich ist es das Des­in­ter­es­se am Glau­ben, das zu einem reli­giö­sen Analpha­be­tis­mus führt und unfä­hig macht, auf die Fra­ge, war­um wir glau­ben, eine Ant­wort zu geben. Eine Dis­kus­si­ons­run­de auf dem Kon­greß Freu­de am Glau­ben in Ful­da beschäf­tigt sich damit. Das sind die Grün­de, die zu einer Rand­grup­pe in der Gesell­schaft füh­ren. Chri­sten kön­nen sich aber auch anders ver­hal­ten, näm­lich mit einer über­zeu­gen­den Begei­ste­rung vom Glau­ben spre­chen. Das steckt auch heu­te noch an, wie die neu­en geist­li­chen Bewe­gun­gen und die Welt­ju­gend­ta­ge zei­gen.

Gera­de die WJT sind doch rei­ne Events und wer­den hef­tigst kri­ti­siert. Ein Prie­ster der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. in Austra­li­en nann­te den dor­ti­gen Welt­ju­gend­tag eine „erschrecken­de Dar­stel­lung des Säku­la­ris­mus“ mit „wenig Hei­li­gem und Katho­li­schem“. Und Pfar­rer Jolie vom Prie­ster­netz­werk sag­te in einem Inter­view mit Katho­li­sches: „Manch­mal fragt man sich, wo das Heer begei­ster­ter Jugend­li­cher geblie­ben ist nach dem Welt­ju­gend­tag in Köln oder ähn­li­chen „Events“, Kon­gres­sen oder Wall­fahr­ten. Sie kom­men in der All­tags­wirk­lich­keit der Gemein­den kaum vor.“

Die Welt­ju­gend­ta­ge haben Hun­dert­tau­sen­de Jugend­li­cher mit dem Glau­ben, mit der Kir­che und mit dem Papst in Berüh­rung gebracht. Sie zei­gen — was kaum für mög­lich gehal­ten wur­de – daß die Kir­che die Jugend errei­chen kann. Jugend­li­che, die von Deutsch­land nach Austra­li­en gekom­men sind, haben dafür per­sön­li­che Opfer an Geld, Frei­zeit und Urlaub gebracht. Das Erle­ben der Welt­kir­che ist auch ein Event. Die Freu­de am Glau­ben und die Begei­ste­rung auf den WJT sind bei uns sel­ten gewor­den. Natür­lich reicht Begei­ste­rung nicht aus. Papst Bene­dikt hat den Jugend­li­chen in Syd­ney zuge­ru­fen: „Das Leben ist nicht nur eine Abfol­ge von Events und Erfah­run­gen. Es ist eine Suche nach dem Wah­ren, Guten und Schö­nen“. Es geht also um das Frucht­bar­wer­den die­ser Begei­ste­rung. Die Teil­neh­mer der WJT sind meist Mit­glie­der und Freun­de der neu­en geist­li­chen Gemein­schaf­ten. Sie kön­nen in der „All­tags­wirk­lich­keit der Gemein­den“ nur vor­kom­men, wenn man sie her­ein­läßt, ihnen zeigt, daß ihre Mit­ar­beit bei den Jugend­li­chen der Pfar­rei­en auch erwünscht ist. Das ist häu­fig nicht der Fall.

Wer ist das Forum der Deut­schen Katho­li­ken? Wel­che Zie­le hat es?

Das Forum Deut­scher Katho­li­ken ist ein Zusam­men­schluß von Ein­zel­per­sön­lich­kei­ten und katho­li­schen Ver­ei­ni­gun­gen. Es wur­de am 30. Sep­tem­ber 2000 in Ful­da gegrün­det. Das Forum will papst- und kir­chen­treue Katho­li­ken unter­schied­li­cher Spi­ri­tua­li­tät und geist­li­cher Aus­rich­tung in katho­li­scher Wei­te zu einem locke­ren Ver­band zusam­men­füh­ren. Das Forum Deut­scher Katho­li­ken steht allen offen, die sich zum Glau­ben der Kir­che beken­nen, wie er im Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (Welt­ka­te­chis­mus) von 1992 zusam­men­ge­faßt ist. Die Haupt­ak­ti­vi­tät ist der jähr­li­che Kon­greß Freu­de am Glau­ben, die­ses Jahr vom 12. bis 14. Sep­tem­ber in Ful­da mit dem Mot­to Mit der Kir­che die Zukunft bau­en. Die­ser Kon­greß hat auch ein Kin­der- und Jugend­pro­gramm. Der Kon­greß Freu­de und Glau­ben will einen Bei­trag zur Neue­van­ge­li­sie­rung in unse­rem Land lei­sten.

Was hal­ten die deut­schen Bischö­fe vom Forum deut­scher Katho­li­ken? Wer­den Sie unter­stützt, oder eher kri­ti­siert?

Kon­kret kann ich dazu äußern, daß der Kon­greß Freu­de am Glau­ben von einer Rei­he von Bischö­fen Gruß­wor­te erhal­ten hat, so von Köln, Mün­chen, Trier, Pader­born, Frei­burg, Mainz, Regens­burg, Pas­sau, Eich­stätt und Spey­er. Die Bischö­fe von Köln, Ful­da, Regens­burg, Augs­burg, Pas­sau und Würz­burg haben am Pro­gramm mit­ge­wirkt. Die Orts­bi­schö­fe von Ful­da und Regens­burg haben bei den dor­ti­gen Kon­gres­sen die Eröff­nungs­got­tes­dien­ste gehal­ten und zu den Teil­neh­mern gespro­chen. Der Ver­band der Diö­ze­sen Deutsch­lands unter­stützt den Kon­greß seit einer Rei­he von Jah­ren finan­zi­ell.

Die Fra­gen stell­te Jens Falk