Papst Benedikt XVI. autorisiert 13 Wunder- und Tugenddekrete

(Vati­kan) Der Papst auto­ri­sier­te die Ver­öf­fent­li­chung von Dekre­ten zu meh­re­ren Hei­lig- und Selig­spre­chungs­pro­zes­sen. 13 Namen ent­hält die Liste der Per­so­nen, deren Wun­der oder tugend­haf­te Leben nun offi­zi­ell aner­kannt sind. Unter den fünf aner­kann­ten Wun­dern befin­det sich eines, das auf die Für­spra­che des seli­gen Pater Dami­an de Veu­ster zurück­geht. Ein wei­te­res ist den Eltern der hei­li­gen The­re­sia von Lisieux zu ver­dan­ken. Der heroi­sche Tugend­grad wur­de bei sie­ben Per­so­nen fest­ge­stellt, unter ande­rem beim Deut­schen Pius Kel­ler und bei der Öster­rei­che­rin Bar­ba­ra Maria Maix.

Pius Kel­ler. Der Deut­sche wur­de 1825 als Johan­nes Kel­ler auf einem Bau­ern­hof gebo­ren und zeig­te bereits im Kin­des­al­ter gro­ße intel­lek­tu­el­le Bega­bung. Nach sei­ner Prie­ster­wei­he 1849 trat er im Klo­ster Mün­ner­stadt in den Augu­sti­ner­or­den ein, bereits drei Jah­re spä­ter wur­de er hier zum Pri­or gewählt und blieb dies 53 Jah­re lang bis zu sei­nem Tod. Der im Ruf der Hei­lig­keit Leben­de besaß gro­ßes Pre­di­ger­ta­lent und lieb­te die sakra­men­ta­le Beich­te; er refor­mier­te die klö­ster­li­che Dis­zi­plin des Augu­sti­ner­or­dens grund­le­gend und bewirk­te die Wie­der­errich­tung der bay­risch-deut­schen Ordens­pro­vinz. 30 Jah­re nach sei­nem Tod wur­de 1934 der Selig­spre­chungs­pro­zess ein­ge­lei­tet. Der Vati­kan hat nun offi­zi­ell bestä­tigt, daß der Augu­sti­ner­pa­ter die über­na­tür­li­chen und mensch­li­chen Tugen­den im heroi­schen Grad lebte.

Maria Bar­ba­ra Maix. Die am 27. Juni 1818 in Wien gebo­re­ne Maria Bár­ba­ra Maix grün­de­te den Orden der Schwe­stern der Unbe­fleck­ten Her­zens Mariä. Nach ihrem Lebens­mot­to „Es ist die Pflicht aller, die Armen nicht zu ver­ges­sen“ ging sie als Mis­sio­na­rin nach Bra­si­li­en und wirk­te in der Diö­ze­se Por­to Alegre, wo sie 1868 starb. Mit dem „Nihil obstat“ wur­de 1993 der Pro­zeß von der Erz­diö­ze­se Rio de Jai­ne­ro ein­ge­lei­tet. Auch sie leb­te die Tugen­den in heroi­scher Weise.

Dami­an de Veu­ster. Pater Dami­an de Veu­ster, ein bel­gi­scher Prie­ster, gilt als „Apo­stel der Aus­sät­zi­gen“. Auf der Lepra­ko­lo­nie Molo­kai auf der Insel­grup­pe Hawaii betreu­te er die dort aus­ge­setz­ten, in ihrem Tod allein gelas­se­nen Kran­ken als Seel­sor­ger und Arzt, orga­ni­sier­te die Kran­ken­ko­lo­nie und errich­te­te Kir­chen. Sei­ne gro­ße Wir­kens­kraft löste Bewun­de­rung und mate­ri­el­le Unter­stüt­zung, jedoch auch Wider­spruch sei­ner Ordens­obe­ren aus. Er starb, selbst vom Aus­satz befal­len, und wur­de 1994 von Papst Johan­nes Paul II. selig gespro­chen. Nun wur­de das Wun­der bestä­tigt, das sei­ne Hei­lig­spre­chung ermöglicht.

Lou­is und Zélie Mar­tin, Eltern der hei­li­gen The­re­sia von Lisieux. Der fran­zö­si­sche Juwe­lier und Uhr­ma­cher Lou­is Mar­tin und sei­ne Ehe­frau, die Spit­zen­er­zeu­ge­rin Zélie Gué­rin, stamm­ten aus reli­giö­sen Fami­li­en. Die Ehe, der neun Kin­der ent­stamm­ten, muß­te meh­re­re Prü­fun­gen durch­ste­hen: Drei Kin­der star­ben im Klein­kind­al­ter, ein Mäd­chen mit fünf Jah­ren; übrig blie­ben fünf Töch­ter, die teil­wei­se auch von schwe­ren Krank­hei­ten heim­ge­sucht wurden.

Die hei­li­ge The­re­sia von Lisieux sag­te selbst über ihre Eltern: „Der lie­be Gott hat mir einen Vater und eine Mut­ter gege­ben, die mehr des Him­mels als der Erde wür­dig waren.“ Der from­me Lebens­wan­del der Eltern bil­de­te die Grund­la­ge für die Beru­fung all ihrer Töch­ter in den Ordens­stand. Stren­ge Ein­hal­tung der Sonn­tags­ru­he, regel­mä­ßi­ge Exer­zi­ti­en, mis­sio­na­ri­sche Dien­ste und Almo­sen kenn­zeich­ne­te ihr Leben, vor allem jedoch die lie­be­vol­le Hin­füh­rung ihrer Kin­der zum christ­li­chen Glau­ben. Die täg­li­che Dar­brin­gung der Her­zen ihrer Kin­der vor Gott und das stän­di­ge Suchen danach, „Jesus Freu­de zu machen“, präg­ten den „klei­nen Weg“ ihrer jüng­sten Toch­ter, der hei­li­gen Kir­chen­leh­re­rin. Als die Mut­ter Zélie mit 46 Jah­ren an einem Brust­tu­mor starb, zog der Wit­wer mit sei­nen Töch­tern nach Lisieux und wid­me­te sich ganz deren Erzie­hung. Alle Töch­ter folg­ten, vom Vater unter­stützt, der Beru­fung zum Ordens­ein­tritt. Lou­is Mar­tin starb 1894 nach einem lan­gen Lei­den an Arte­rio­skle­ro­se, Läh­mun­gen und star­ken gei­sti­gen Beein­träch­ti­gun­gen, die er Gott aufopferte.

Ihr Vater, so die hei­li­ge The­re­sia, habe nach dem Vor­bild des hei­li­gen Franz von Sales stets Fort­schrit­te in der Voll­kom­men­heit gemacht. „Irdi­sche Din­ge schie­nen ihn kaum zu berüh­ren, er setz­te sich über alle Wider­nis­se des Lebens leicht hin­weg.“ Papst Johan­nes Paul II. erkann­te die außer­or­dent­li­chen Tugen­den der Ehe­leu­te Lou­is und Zélie Mar­tin am 26. März 1994 an. Mit dem neu­en Dekret erfolg­te die Aner­ken­nung eines Wun­ders auf die Für­spra­che der bei­den Eltern. Der Weg zur Selig­spre­chung die­ser Die­ner Got­tes ist frei.

Fünf Ita­lie­ni­er, ein Spa­ni­er, ein Por­tu­gie­se und ein Liba­ne­se. Wei­te­re Wun­der wur­den beim seli­gen Por­tu­gie­sen Nuño di San­ta Maria àlvares Perei­ra und beim seli­gen Ber­nar­do Tolo­m­ei aus Ita­li­en fest­ge­stellt; bei des­sen Lands­mann Fran­ces­co Gio­van­ni Boni­facio wur­de das Mär­ty­rer­tum anerkannt.

Ein heroi­sches Tugend­le­ben führ­ten nach den nun appro­bier­ten Dekre­ten außer­dem die Ita­lie­ner Ber­nar­di­no Dal Vago da Por­to­gru­aro, Giu­sep­pe Di Don­na und Chia­ra Bada­no, der Liba­ne­se Ste­phen Dou­ay­hy und der Spa­ni­er Andrés Hibernón Garmendia.

(Zenit)