Zentralrat der Juden greift mal wieder die Kirche an

(Bonn) Am Diens­tag kri­ti­sier­te Vize­prä­si­dent des Zen­tral­rats der Juden in Deutsch­land, Die­ter Grau­mann, die katho­li­sche Kir­che mit schar­fen und mit dem zum Teil übli­chen unsach­li­chen Wor­ten. Er erwar­te ein „klä­ren­des Wort“ von Kar­di­nal Leh­mann. Grau­mann wört­lich: „Ange­sichts der häß­li­chen Häu­fung von kri­tik­wür­di­gen Vor­fäl­len — die wir­ren Ver­glei­che des Köl­ner Kar­di­nals Meiss­ner mit ent­ar­te­ter Kunst, die Aus­fäl­le wäh­rend der Isra­el-Rei­se der Bischofs­kon­fe­renz im Som­mer, sowie der jet­zi­ge Vor­fall beim Forum Deut­scher Katho­li­ken — muß sich die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz der Katho­li­schen Kir­che fra­gen las­sen, ob nicht lang­sam doch ein klä­ren­des Wort des Vor­sit­zen­den Kar­di­nal Leh­mann fäl­lig ist.“

In sei­ner Erklä­rung kri­ti­sier­te Grau­manns wei­ter: „Der ‚tosen­de Bei­fall‘ für die ehe­ma­li­ge Tages­schauspre­che­rin Eva Her­man beim Kon­greß des ‚Forums Deut­scher Katho­li­ken‘ ist nicht nur ein Armuts­zeug­nis für die Teil­neh­mer, son­dern auch eine Ohr­fei­ge für all die­je­ni­gen, die sich über 60 Jah­re in der Auf­ar­bei­tung der Nazi-Dik­ta­tur enga­giert haben.“

Eva Her­man sei „völ­lig zu Recht“ vom NDR ent­las­sen wor­den, „nicht etwa weil sie die Grund­wer­te von Ehe, Fami­lie und Kin­dern pro­pa­gier­te, son­dern weil sie den Ursprung die­ser Wer­te in direk­ten Zusam­men­hang mit natio­nal­so­zia­li­sti­scher Fami­li­en­ideo­lo­gie brach­te und die­se damit teil­wei­se ver­herr­lich­te“, so Grau­mann. Die Grund­wer­te von Ehe, Fami­lie und Kin­dern sei­en kei­nes­wegs von den Nazis erfun­den, son­dern von ihnen schänd­lich miß­braucht worden.

War­um der Vize­prä­si­dent noch immer nicht die tat­säch­li­chen Wor­te Eva Her­mans wahr­ge­nom­men hat und wei­ter ihr eine Naziideo­lo­gie unter­stellt erklär­te er nicht. Sei­ne Wor­te „völ­lig zu Recht“ vom NDR ent­las­sen erin­nern an Aus­sa­gen und voll­zo­ge­ner Pra­xis des Drit­ten Rei­ches, was er eigent­lich kri­ti­sie­ren möch­te. Sei­ne Äuße­run­gen las­sen ver­mu­ten, daß ihm eine demo­kra­ti­sche und rechts­staat­li­che Ein­stel­lung fehlt.

Der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Karl Leh­mann, zeig­te sich brüs­kiert, so die Deut­sche Pres­se­agen­tur (dpa). Auf Anfra­ge nann­te eine Spre­che­rin der Bischofs­kon­fe­renz die Äuße­run­gen Grau­manns „auf befremd­li­che Wei­se ein­sei­tig und im Ton unan­ge­mes­sen“. Sie wür­den dem Ver­hält­nis der katho­li­schen Kir­che zum Juden­tum in kei­ner Wei­se gerecht und sei­en einer seriö­sen Aus­ein­an­der­set­zung nicht dienlich.

(JF)