Leitlinien der Schweizer Bischöfe zur Umsetzung von „Summorum Pontificum“

Wir ver­öf­fent­li­chen die Leit­li­ni­en, die die Schwei­zer Bischofs­kon­fe­renz im Hin­blick auf die Umset­zung der Bestim­mun­gen des Motu pro­pri­os Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI. zur Frei­ga­be des Meß­buchs von 1962 fest­ge­legt hat.


Am 14. Sep­tem­ber 2007 ist das Apo­sto­li­sche Schrei­ben Summorum Pon­ti­fi­cum (SP) in Kraft getre­ten. In die­sem Motu pro­prio, des­sen Ver­öf­fent­li­chung Papst Bene­dikt XVI. mit einem Brief an die Bischö­fe beglei­tet hat, wer­den die Rah­men­be­din­gun­gen für die Fei­er der Hei­li­gen Mes­se nach dem von Papst Johan­nes XXIII. pro­mul­gier­ten Mis­sa­le Roma­num als außer­or­dent­li­che Form der Lit­ur­gie der Kir­che festgelegt.

In Wahr­neh­mung ihrer Auto­ri­tät und Ver­ant­wor­tung für die Lit­ur­gie, an die der Hei­li­ge Vater unter Bezug auf das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil (Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um 22) in sei­nem Begleit­brief an die Bischö­fe erin­nert, haben die Ordi­na­ri­en für den Bereich der Schwei­zer Diö­ze­sen und Ter­ri­to­ri­al­ab­tei­en an der 277. Ordent­li­chen Ver­samm­lung der Schwei­zer Bischofs­kon­fe­renz vom 10.–12. Sep­tem­ber 2007 in Givisiez/FR für die Meß­fei­ern in den Pfarr­ge­mein­den die fol­gen­den Leit­li­ni­en ver­ein­bart. Die­se sol­len dazu bei­tra­gen, daß die Gläu­bi­gen, die in ihrer reli­giö­sen Hal­tung der älte­ren Form der Lit­ur­gie ver­bun­den sind, einen Zugang zu Meß­fei­ern in der außer­or­dent­li­chen Form erhal­ten sol­len, soweit dies im Rah­men der vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten rea­li­sier­bar ist.

1. Die Mög­lich­keit zur Meß­fei­er in der außer­or­dent­li­chen Form muß vom Prin­zip der Har­mo­nie zwi­schen dem Inter­es­se und Wohl der Antrag stel­len­den Gläu­bi­gen und der ordent­li­chen Hir­ten­sor­ge für die Pfar­rei unter der Lei­tung des Bischofs getra­gen sein. Die Zulas­sung der außer­or­dent­li­chen Form darf nicht bestehen­de Span­nun­gen ver­stär­ken oder gar neue Spal­tun­gen her­vor­ru­fen (vgl. SP Art. 5 § 1).

2. Die ordent­li­che Form der Meß­fei­er ist die nach dem Mis­sa­le Roma­num 1970 (in der Fas­sung der Edi­tio typi­ca ter­tia 2002 und – bis zum Erschei­nen der deut­schen Aus­ga­be der 3. Auf­la­ge – das Meß­buch für die Bis­tü­mer des deut­schen Sprach­ge­bie­tes 2. Auf­la­ge 1988). Als Ergän­zung kann in der außer­or­dent­li­chen Form der Meß­fei­er das Mis­sa­le Roma­num 1962 (in der Edi­tio jux­ta typi­cam Regens­burg 1962, mit den Diö­ze­san­pro­prien) Ver­wen­dung fin­den (vgl. SP Art. 1).

3. Die Eucha­ri­stie­fei­ern der Pfar­rei wer­den in der ordent­li­chen Form gefei­ert. An Sonn- und Fei­er­ta­gen kann eine Mes­se in der außer­or­dent­li­chen Form hin­zu­tre­ten, nicht jedoch die Mes­se in der ordent­li­chen Form erset­zen (vgl. SP Art. 5 § 2). Mes­sen in der außer­or­dent­li­chen Form sind bei der öffent­li­chen Bekannt­ma­chung als sol­che zu deklarieren.

4. Den Antrag auf Geneh­mi­gung durch den Pfar­rer (gem. SP Art. 5 § 1) kön­nen Grup­pen von Lai­en (vgl. SP Art. 7) inner­halb einer Pfar­rei bzw. Seel­sor­ge­ein­heit stel­len. Wenn Grup­pen aus Mit­glie­dern ver­schie­de­ner Pfar­rei­en bzw. Seel­sor­ge­ein­hei­ten bestehen, ist der Antrag an den Diö­ze­san­bi­schof zu rich­ten, der einen Ansprech­part­ner bestim­men kann. Die­ser soll in Abspra­che mit den Pfar­rern ein regio­na­les Ange­bot anstreben.

5. Über Art und Grö­ße der antrag­stel­len­den Grup­pen wird kei­ne Fest­le­gung getrof­fen, um den ört­li­chen Gege­ben­hei­ten ange­mes­sen ent­spre­chen zu kön­nen. Das Erfor­der­nis der Dau­er (vgl. SP Art. 5 § 1) schließt Anträ­ge für ein­ma­li­ge Meß­fei­ern aus.

6. Die not­wen­di­ge Eig­nung der Prie­ster für die Zele­bra­ti­on in der außer­or­dent­li­chen Form des Ritus (vgl. SP Art. 5 § 4) umfaßt fol­gen­de Anforderungen:

  • Zulas­sung durch den Ortsbischof;
  • Annah­me der gan­zen Lit­ur­gie der Kir­che in ihrer ordent­li­chen und außer­or­dent­li­chen Form (vgl. Begleit­schrei­ben von Papst Bene­dikt XVI.);
  • Ver­traut­heit mit der außer­or­dent­li­chen Form des Ritus;
  • latei­ni­sche Sprachkenntnisse.

7. Kein Prie­ster kann ver­pflich­tet wer­den, selbst in der außer­or­dent­li­chen Form zu zele­brie­ren. Die Pfar­rer und Kir­chen­rek­to­ren sind indes gehal­ten, die ihnen gemel­de­ten Wün­sche nach der Fei­er der Hei­li­gen Mes­se in der außer­or­dent­li­chen Form ernst zu neh­men und nach einer pasto­ral ver­ant­wort­ba­ren Lösung zu suchen.

8. Für die Fei­er der Mes­se in der außer­or­dent­li­chen Form gel­ten der Kalen­der und die Lese­ord­nung des Mis­sa­le Roma­num 1962. Zu beach­ten sind zu gege­be­ner Zeit die ange­kün­dig­ten Erwei­te­run­gen des Kalen­ders durch die Kom­mis­si­on Eccle­sia Die. Für den Vor­trag der Lesun­gen in der Volks­spra­che (vgl. SP Art. 6) sind die Peri­ko­pen aus dem reko­gnos­zier­ten Lek­tio­nar zum Meß­buch für die Bis­tü­mer des deut­schen Sprach­ge­biets 1988 zu ent­neh­men. Alter­na­tiv kann auch der Schott 1962 ver­wen­det werden.

9. Als Grund­la­ge für den nach drei Jah­ren zu erstat­ten­den Bericht über die Erfah­run­gen mit den Rege­lun­gen des Motu Pro­prio (vgl. Begleit­brief von Papst Bene­dikt XVI.) wird der Pfar­rer bzw. Rek­tor dem vom Diö­ze­san­bi­schof benann­ten Ansprech­part­ner Mit­tei­lung machen, wenn er in sei­ner Pfar­rei bzw. Seel­sor­ge­ein­heit die Geneh­mi­gung zur Meß­fei­er in der außer­or­dent­li­chen Form erteilt, und über die wei­te­re Ent­wick­lung informieren.

Die­se Leit­li­ni­en tre­ten am 1. Okto­ber 2007 in Kraft.

Givi­siez, den 10. Sep­tem­ber 2007

+ Kurt Koch, Bischof von Basel
+ Vitus Huon­der, Bischof von Chur
+ Ber­nard Genoud, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg
+ Pier-Gia­co­mo Gram­pa, Bischof von Lugano
+ Nor­bert Brun­ner, Bischof von Sitten
+ Mar­kus Büchel, Bischof von St. Gallen
+ Joseph Rodu­it CRA, Abt von St-Maurice
+ Mar­tin Wer­len OSB, Abt von Einsiedeln

[Von der Schwei­zer Bischofs­kon­fe­renz ver­öf­fent­lich­tes Original]